{"id":86158,"date":"2022-07-23T11:45:10","date_gmt":"2022-07-23T09:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86158"},"modified":"2022-07-24T13:21:46","modified_gmt":"2022-07-24T11:21:46","slug":"documenta-15-oder-die-demontage-von-reisscheunen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86158","title":{"rendered":"Documenta 15 oder Die Demontage von Reisscheunen"},"content":{"rendered":"<p>Die documenta 15 in Kassel l&auml;uft Gefahr, die letzte Kunst- und Kulturausstellung ihrer Art zu sein. Sie geriet bis dato derma&szlig;en tief ins R&auml;derwerk &auml;tzender und verletzender &bdquo;Antisemitismus&ldquo;-Kritik, dass als vorl&auml;ufig letzter Akt Sabine Schormann als Generaldirektorin der documenta einvernehmlich mit dem Aufsichtsrat der Weltkunstschau am 16. Juli zur&uuml;cktrat. Dabei h&auml;tten die diesmal von indonesischen K&uuml;nstlern kuratierte Ausstellung und das von ihnen pr&auml;sentierte Konzept <em>&bdquo;lumbung&ldquo;<\/em> eigentlich gute Chancen haben k&ouml;nnen, auf vielf&auml;ltige Weise die interkulturelle Kommunikation zwischen dem &bdquo;Westen&ldquo; und dem &bdquo;globalen S&uuml;den&ldquo;, der vormals auch als &bdquo;Dritte Welt&ldquo; oder &bdquo;Trikont&ldquo; (Asien, Afrika, Lateinamerika) bezeichnet wurde, zu beleben und zu bereichern. &bdquo;Lumbung&ldquo; bezeichnet ja die Reisscheune als gemeinsamen (H)Ort des Verwaltens und Teilens einer lebenswichtigen Ressource. Stattdessen sind Scheunen niedergerissen worden &ndash; mit nicht absehbaren Konsequenzen. Und: Letztlich in und mit welchem Interesse? Ein unaufgeregter Zwischenruf [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86158#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] in aufgeheizter Stimmungslage von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2520\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86158-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86158-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220723-Documenta-15-Demontage-von-Reisscheunen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Nur &bdquo;ein typisch deutscher Eklat&ldquo;?<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Diese documenta 15 wird sehr wahrscheinlich in die Geschichte eingehen als &sbquo;documenta des Antisemitismus&lsquo;. Mehr noch: Der Ruf der documenta ist international mittlerweile so stark besch&auml;digt &ndash; dass er es wahrscheinlich noch &uuml;ber Jahre hinweg sein wird.<\/p>\n<p>Vor allem auf der n&auml;chsten documenta-Ausgabe in f&uuml;nf Jahren lastet nun eine gro&szlig;e B&uuml;rde. Sie wird beweisen m&uuml;ssen, dass dann alles anders sein wird: Die Strukturen und Zust&auml;ndigkeiten klar und die ausgestellte Kunst unverf&auml;nglich. Vielleicht m&uuml;ssen die Kuratorinnen und Kuratoren zuk&uuml;nftig sogar alle Kunstwerke vor dem Ausstellen Experten vorlegen und auf Antisemitismus, Postkolonialismus, Rassismus oder Diskriminierung &uuml;berpr&uuml;fen lassen.&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Sicht der Dinge widerspiegelt die (vor-)herrschende Meinung im sogenannten Mainstream der bundesrepublikanischen Medien. Eine sehr begrenzte Sicht, die sich &uuml;berdies augenf&auml;llig mit der Lust paart, unbedingt &bdquo;K&ouml;pfe rollen zu sehen&ldquo; und\/oder einschneidende (Ver-)&Auml;nderungen im hiesigen Kunst- und Kulturbereich herbeizusehnen. Die dann gef&auml;lligst auch stubenrein und sanit&auml;r zu sein haben, um ja nicht N&auml;hen zum &bdquo;Antisemitismus&ldquo; aufkommen zu lassen oder gar zu bef&ouml;rdern.<\/p><p>In einem k&uuml;rzlichen Interview mit dem Publizisten Florian R&ouml;tzer merkte zum Thema &bdquo;Antisemitismus auf der documenta 15&ldquo; der israelische Historiker Moshe Zuckermann Folgendes an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Israel wurde es bis dato so gut wie gar nicht wahrgenommen. Nur diejenigen, die sich mit Kunst besch&auml;ftigen und von der documenta &uuml;berhaupt wissen, haben etwas davon geh&ouml;rt. Es ist ein typisch deutscher Eklat und es ist klar, dass es ein deutsches Ph&auml;nomen ist, wie jetzt damit umgegangen wird. Aber in Israel selber ist das kein Thema. Israel hat seine eigenen Sorgen mit seiner zusammengebrochenen Regierung. Von daher ist Antisemitismus auf der documenta f&uuml;r Israel kein Thema im Moment.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Kern des Ansto&szlig;es sind und bleiben zwei inkriminierte Ausschnitte aus dem Riesengem&auml;lde <em>&bdquo;People&rsquo;s Justice&ldquo;<\/em> der indonesischen K&uuml;nstlergruppe <em>Taring Padi<\/em>. Dazu schrieb mir k&uuml;rzlich im Rahmen einer ausgiebigen Korrespondenz der ausgewiesene Indonesienkenner Dr. Ingo Wandelt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Taring Padi (TP), Indonesisch f&uuml;r das ungesch&auml;lte Reiskorn, das ausgepr&auml;gte Zacken (taring) aufweist und beim Pfl&uuml;cken des Reises (padi) Verletzungen hervorrufen kann, wollte stechende und das Regime (Suhartos in Indonesien von 1965\/66 bis 1998 &ndash; RW) verletzende Kunst und schuf bewusst absto&szlig;ende Formen, die sich dem herrschenden Diktat der das Regime sch&ouml;nf&auml;rbenden &sbquo;guten Kunst&lsquo; niemals unterworfen haben. Bis heute wollen sie mit ihrer Kunst provozieren und die herrschende Macht aufzeigen und entbl&ouml;&szlig;en. (&hellip;) Erst nach dem R&uuml;cktritt von Suharto im Mai 1998 verbanden sie sich &ouml;ffentlich zu Taring Padi, wobei das tats&auml;chliche Geburtsjahr unbekannt und auch nicht von Interesse ist. Als eigentliches Jahr der Neuformierung gibt TP selbst das Jahr 2006 an. Das Werk &sbquo;People&rsquo;s Justice&lsquo; entstand bereits 2002 als eine Art R&uuml;ckschau auf die eigene Entstehungsgeschichte. Es handelt sich bei ihm also um eine Art von Museums- oder Archivexponat, das bereits zwei Jahrzehnte vor seiner Aufstellung auf der documenta entstanden und entstehungsgeschichtlich rein auf Indonesien bezogen ist.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wandelt f&uuml;gte in dieser Korrespondenz hinzu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zu fragen w&auml;re durchaus, warum das K&uuml;nstlerkollektiv mit einem zeitgeschichtlich eindeutig auf die 1990er Jahre in Indonesien verortetem Objekt (&hellip;) antritt und dies offenbar unerkl&auml;rt dem Publikum zur Ansicht vorstellt. W&auml;re nicht eine erkl&auml;rende Erl&auml;uterung\/Tafel angebracht gewesen oder vielleicht gar ein neues Werk mit einem aktuellen und ganz anderen Thema? (&hellip;) Es kann sich entstehungsgeschichtlich nicht um ein antisemitisch intendiertes Werk speziell f&uuml;r die documenta handeln. War es &uuml;berhaupt antisemitisch konnotiert in der Zeit seiner Entstehung? War es nicht eher anti-suhartoistisch intendiert? F&uuml;r die spezifische Intention der Aufstellung von &sbquo;People&rsquo;s Justice&lsquo; in Kassel w&auml;ren TP und die Kuratoren zu befragen. Das Werk aus sich selbst heraus rekurriert auf das vergangene Suharto-Indonesien &ndash; und auf nichts anderes und niemand anderen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Eine treffliche &bdquo;Intervention&ldquo;, geht es doch darum, Texte, Kontexte sowie Subtexte in ihrer Gesamtheit und wechselseitigen Wirkung zu betrachten. Taring Padi versteht &bdquo;People&rsquo;s Justice&ldquo; ausdr&uuml;cklich als kollektives Unterfangen, wo keiner deren Mitglieder und\/oder aktiv involvierten Sympathisanten in der Lage ist, zu sagen, wer genau f&uuml;r welchen Bildausschnitt verantwortlich ist.<\/p><p><strong>Was ist, wenn alles ganz anders ist?<\/strong><\/p><p>In seinem am 5. Juli verfassten Aufsatz f&uuml;r die <em>Berliner Zeitung<\/em> konstatiert Michael Rothberg:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Mossad-Figur geh&ouml;rt eindeutig zu einer Reihe fast identischer milit&auml;rischer Figuren mit verzerrten Gesichtern und Uniformen. Der Hauptunterschied liegt in der Aufschrift: anstelle von &sbquo;Mossad&lsquo; tragen die anderen Figuren Aufschriften wie &sbquo;007, &sbquo;KGB&lsquo;, &sbquo;Intel&lsquo; und dergleichen. Die Mossad-Figur in dieser Serie scheint somit wenig damit zu tun zu haben, eine j&uuml;dische Figur &sbquo;gesondert&lsquo; hervorzuheben. Die Serie wirkt vielmehr wie ein Kommentar zu Geheimdienstoperationen westlicher Staaten in Indonesien.<\/p>\n<p>In Anbetracht des Werks, das Taring Padi als Reaktion auf das drei Jahrzehnte andauernde Milit&auml;rregime in Indonesien und die Weise, wie es von westlichen M&auml;chten gest&uuml;tzt wurde, beschreibt, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das Bild Israel meint, nicht &sbquo;die Juden&lsquo;. Und dass Israel eben nicht als hervorgehobene Ausnahme behandelt wird, sondern als Teil einer Gruppe von M&auml;chten.<\/p>\n<p>Die Verortung der &sbquo;SS&lsquo;-Figur im gr&ouml;&szlig;eren Kontext des Banners ist ebenfalls aufschlussreich: Die stereotype j&uuml;dische Figur steht in einer Reihe mit monstr&ouml;sen und kaum als menschlich zu entziffernden Kreaturen. Ihre Positionierung neben d&auml;monischen, zombie&auml;hnlichen Kreaturen mit &auml;hnlichen Rei&szlig;z&auml;hnen verst&auml;rkt den antisemitischen Tenor des Bildes. Auch wenn nicht klar ist, ob &sbquo;der Jude&lsquo; hier als besondere Form des B&ouml;sen isoliert &ndash; oder vielmehr als Teil einer Kohorte gezeigt wird.&ldquo; [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Taring Padi ist in seiner Bildsprache derb, agitatorisch und nennt die Dinge ungeschminkt aus seiner Sicht beim Namen: Ein &bdquo;Schwein&ldquo; ist ein Schwein, eine &bdquo;Ratte&ldquo; ist eine Ratte &hellip; und eine &bdquo;SS-Figur&ldquo; eine SS-Figur?! Das <em>muss<\/em> nicht der Fall sein, doch in diesem Fall sprechen <em>starke Indizien<\/em> daf&uuml;r, dass es ein hartgesottener Nazi, SS-Obersturmbannf&uuml;hrer und Kriegsverbrecher war, der wegen seiner intimen N&auml;he zum ausgesprochenen Darling des &bdquo;Westens&ldquo;, eben des Putsch-Generals und gleicherma&szlig;en hartgesottenen Antikommunisten General Suharto, extraterritoriale Immunit&auml;t genoss &ndash; Rudolf Oebsger-R&ouml;der. Dar&uuml;ber hinaus z&auml;hlten zu Suhartos Helfershelfern seitens der Bundesrepublik nicht nur der Bundesnachrichtendienst (BND), der die indonesischen Milit&auml;rs mit Logistik und Waffen unterst&uuml;tzte, sondern dazu geh&ouml;rten auch die Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz. Letztere lieferten f&uuml;r die fernen Freunde Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen f&uuml;r Offiziere an der Bundeswehr-Akademie in Hamburg-Blankenese sowie Spezialtrainings bei der Elitetruppe GSG&thinsp;9 in Hangelar bei Bonn. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>F&uuml;r die eigentliche in- wie ausl&auml;ndische Imagepflege Suhartos als stets &bdquo;l&auml;chelnden General&ldquo; aber zeichnete ausgerechnet der SS-Mann R&ouml;der verantwortlich. Nach dem Krieg war R&ouml;der unter anderem hauptberuflich f&uuml;r die Organisation Gehlen, dem Vorl&auml;ufer des <em>Bundesnachrichtendienstes (BND)<\/em>, t&auml;tig. Sp&auml;ter arbeitete er in Jakarta unter dem Namen O.&thinsp;G. Roeder sowohl f&uuml;r den BND als auch als Korrespondent f&uuml;r die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> und die <em>Neue Z&uuml;rcher Zeitung<\/em>. In der indonesischen Metropole gelang es ihm, Zugang zu Suharto zu finden und sich ihm als enger Berater und Biograph anzudienen.<\/p><p>Roeders umtriebige Vita ist auch aufgrund mittlerweile de-klassifizierter CIA-Quellen dokumentiert, wor&uuml;ber auf diesen Seiten unter Hinzuziehung und Auswertung indonesischer Quellen k&uuml;nftig noch einiges zu berichten sein wird. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>&bdquo;<strong>Wohl gr&ouml;&szlig;ter Massenmord seit Hitlers Tagen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Peter Christian Hauswedell hatte bereits am 3. November 1967 in der <em>Zeit<\/em> geschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die r&auml;chende Armee hat nicht gez&ouml;gert, die einmalige Chance zur Vernichtung ihres einzigen Rivalen wahrzunehmen. Mit offizieller Billigung, ausgef&uuml;hrt von der Armee, von militanten Jugendgruppen der Moslems und der PNI (Partai Nasional Indonesia), begann dann der wohl gr&ouml;&szlig;te Massenmord seit Hitlers Tagen. Er kam einem Pogrom der PKI-Anh&auml;nger (der seinerzeit weltweit drittst&auml;rksten Kommunistischen Partei Indonesiens &ndash; RW) gleich und wurde schlie&szlig;lich &ndash; au&szlig;er Kontrolle geraten &ndash; zu einem nationalen Amoklauf, wobei Privatfehden und allgemeine soziale Konflikte unter dem bequemen Deckmantel des Antikommunismus bereinigt wurden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Erst knapp f&uuml;nf Dekaden nach den blutigen Ereignissen in dem s&uuml;dostasiatischen Inselstaat r&uuml;ckte Indonesien partiell und auch nur kurz ins Blickfeld der Berliner Politik. Dazu beigetragen hatte eine kleine Anfrage von Mitgliedern der Fraktion <em>Die Linke<\/em> im Bundestag. In der Antwort auf diese Anfrage [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] &auml;u&szlig;erte sich die Bundesregierung beispielsweise zum Themenkomplex der milit&auml;rischen Zusammenarbeit mit Indonesien wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Bundesregierung unterst&uuml;tzt im Rahmen der bilateralen Beziehungen den indonesischen Transformationsprozess hin zu einem demokratischen Rechtsstaat. Dazu geh&ouml;rt auch die milit&auml;rische Kooperation der Bundeswehr mit den indonesischen Streitkr&auml;ften. Sie ist ein Instrument pr&auml;ventiver Sicherheitspolitik.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Laut Ausf&uuml;hrungen der Bundesregierung hielten sich zwischen 1960 und 1998 im Rahmen der Milit&auml;rischen Ausbildungshilfe (MAH) insgesamt 122 indonesische Soldaten als Lehrgangsteilnehmer an Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr in Deutschland auf. Auf solche Fragen wie &bdquo;Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung &uuml;ber die direkte oder indirekte Unterst&uuml;tzung der Massaker durch ausl&auml;ndische Regierungen, Geheimdienste oder andere Organisationen?&ldquo; oder zur Rolle des BND w&auml;hrend dieser &bdquo;Geschehnisse&ldquo; fielen die Antworten stets schmallippig aus beziehungsweise schob man zur Begr&uuml;ndung die Wahrung staatlicher Sicherheitsinteressen vor:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Bundesregierung ist nach sorgf&auml;ltiger Abw&auml;gung zu der Auffassung gelangt, dass eine Beantwortung nicht offen erfolgen kann. Die erbetenen Ausk&uuml;nfte sind geheimhaltungsbed&uuml;rftig, da sie Hinweise zu nachrichtendienstlichen Quellen enthalten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Erstaunlich, wie schwer sich doch gleichsam beide Seiten &ndash; die BRD und die Republik Indonesien &ndash; tun, ausgerechnet 70 Jahre nach der Aufnahme bilateraler diplomatischer Beziehungen dunkle Flecken in der jeweiligen Vergangenheit zu erhellen. In Jakarta bleiben die Geschehnisse 1965 ff. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] strikt tabuisiert. Und in Berlin, wo sich Politiker und Diplomaten gern als Sendboten &bdquo;der westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; verstehen, die andernorts schnell und laut auf &bdquo;freedom and democracy&ldquo; pochen, w&auml;re die &Ouml;ffnung entsprechender Archive l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig.<\/p><p>&bdquo;Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind&ldquo;, schrieb einst trefflich die Schriftstellerin Ana&iuml;s Nin. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Deshalb sollte man vorsichtig sein, letztlich &bdquo;dahergelaufenen indonesischen Antisemiten&ldquo; vorschnell den Schwarzen Peter unterzuschieben und sie f&uuml;r das Debakel in Kassel verantwortlich zu machen. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Es sei denn, alles eskaliert selbst nach dem Ende von documenta 15 derma&szlig;en, dass Jakarta wegen seiner Gastgeberrolle des Mitte November auf der indonesischen Insel Bali stattfindenden G20-Gipfels inklusive der Teilnahme von Russlands Pr&auml;sident Putin geh&ouml;rig in die Parade gefahren werden soll. Honi soit qui mal y pense &ndash; ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.<\/p><p>Titelbild: Screenshot Hessenschau<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Nach diesen beiden auf den <em>NDS<\/em> publizierten Beitr&auml;gen des Autors und von Werner Ruf: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85666\">nachdenkseiten.de\/?p=85666<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85790\">nachdenkseiten.de\/?p=85790<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <em>Tanja K&uuml;chle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hessenschau.de\/kultur\/die-documenta-muss-sich-grundlegend-erneuern,kommentar-documenta-100.html\">hessenschau.de\/kultur\/die-documenta-muss-sich-grundlegend-erneuern,kommentar-documenta-100.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <em>Florian R&ouml;tzer:<\/em> <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/krass-konkret\/moshe-zuckermann-zum-documenta-skandal-jemand-hat-kurz-geruelpst-und-das-erschuettert-das-ganze-land\/\">overton-magazin.de\/krass-konkret\/moshe-zuckermann-zum-documenta-skandal-jemand-hat-kurz-geruelpst-und-das-erschuettert-das-ganze-land\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <em>Michael Rothberg:<\/em> <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/antisemitismus-als-bumerang-was-die-documenta-debatte-verschleiert-li.243351\">berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/antisemitismus-als-bumerang-was-die-documenta-debatte-verschleiert-li.243351<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Siehe zu diesem Themenkomplex meine ausf&uuml;hrlichen Beitr&auml;ge in der Tageszeitung <em>junge Welt<\/em> (Berlin): <em>Gepanzerte Freundschaften <\/em>vom 21.05.2013; <em>Putsch nach &raquo;P&uuml;tschchen<\/em>&laquo; vom 01.10.2015; <em>Kartell des Schweigens <\/em>vom 23.07.2020 &amp; <em>Pr&auml;ventive Konterrevolution<\/em> vom 24.07.2020, die leider nur Abonnenten zug&auml;nglich sind.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/iwg\/declassified-records\/rg-263-cia-records\/second-release-name-files\">archives.gov\/iwg\/declassified-records\/rg-263-cia-records\/second-release-name-files<\/a> [OEBSGER-ROEDER RUDOLF &ndash; 095 &ndash; 230\/86\/23\/07]<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Deutscher Bundestag Drucksache 18\/1554, 18. Wahlperiode 27.5.2014:<em> Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andrej Hunko, Jan van Aken, Sevim Dagdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke, <\/em><a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/doc\/btd\/18\/015\/1801554.pdf\">dipbt.bundestag.de\/doc\/btd\/18\/015\/1801554.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <em>Anett Keller<\/em> (Hg.) f&uuml;r die S&uuml;dostasien-Informationsstelle: <em>Indonesien 1965ff. &ndash; Die Gegenwart eines Massenmordes. Ein politisches Lesebuch<\/em>. Berlin 2015 (regiospectra Verlag)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ana%C3%AFs_Nin\">de.wikipedia.org\/wiki\/Ana%C3%AFs_Nin<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] siehe auch: <em>Norman Paech<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.ossietzky.net\/artikel\/raeumt-die-documenta-ab\/\">ossietzky.net\/artikel\/raeumt-die-documenta-ab\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die documenta 15 in Kassel l&auml;uft Gefahr, die letzte Kunst- und Kulturausstellung ihrer Art zu sein. Sie geriet bis dato derma&szlig;en tief ins R&auml;derwerk &auml;tzender und verletzender &bdquo;Antisemitismus&ldquo;-Kritik, dass als vorl&auml;ufig letzter Akt Sabine Schormann als Generaldirektorin der documenta einvernehmlich mit dem Aufsichtsrat der Weltkunstschau am 16. Juli zur&uuml;cktrat. 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