{"id":86230,"date":"2022-07-25T11:00:59","date_gmt":"2022-07-25T09:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86230"},"modified":"2022-07-29T14:33:26","modified_gmt":"2022-07-29T12:33:26","slug":"voelkerkunde-mit-anna-kupriy-bei-der-landeszentrale-fuer-politische-bildung-die-russen-sind-faul-die-ukrainer-fleissig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86230","title":{"rendered":"V\u00f6lkerkunde mit Anna Kupriy bei der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung: Die Russen sind faul, die Ukrainer flei\u00dfig"},"content":{"rendered":"<p>In einem Blog &bdquo;erkl&auml;rt&ldquo; eine aus der Ukraine nach Deutschland gefl&uuml;chtete Journalistin pauschal das russische Volk. Es sei faul, bequem, aggressiv, bindungslos und nicht empathief&auml;hig. Ukrainer dagegen werden als in allen Bereichen vorbildhaft geschildert. Die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung in Baden-W&uuml;rttemberg hat diesem &bdquo;Ukraine-Tagebuch&ldquo; viel Platz einger&auml;umt. Und das verwundert kaum, wenn man auch die eigenen Texte der Landeszentrale in Sachen Ukraine liest. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8195\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86230-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86230-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220725-Voelkerkunde-mit-Anna-Kupriy-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Wir bieten Information und Orientierung f&uuml;r die Meinungs- und Urteilsbildung in einer komplizierter werdenden Welt.&ldquo;, so verspricht es die baden-w&uuml;rttembergische Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung (lpb) und verweist auf ihre Selbstverpflichtung: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir sind offen gegen&uuml;ber Menschen und Themen und treten f&uuml;r Akzeptanz und Toleranz gegen&uuml;ber ihren Positionen und Fragestellungen ein&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Ebenso preist sich die Institution, die sich als &uuml;berparteilich versteht: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir sind Garant f&uuml;r Pluralit&auml;t, Ausgewogenheit und Qualit&auml;t in der politischen Bildung,&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch dann findet man auf der lpb-Homepage S&auml;tze wie diesen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Vorfahren der Russen sind Nomaden. Sie waren gezwungen, irgendwohin zu ziehen, jemanden zu erobern, aggressiver zu sein, um sich selbst Lebensbedingungen zu verschaffen. Der Nomade hat keine Bindung an das Land. Daher der Unwille und die Unf&auml;higkeit, sich die Welt um ihn herum einzurichten, sich anzustrengen, um bequem zu leben.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als vorbildlich werden dagegen die Ukrainer beschrieben, sie seien &bdquo;&hellip; sparsam, verwurzelt in dieser sehr sesshaften Lebensweise, sowie in dem Wunsch, das zu sch&uuml;tzen, was man hat und ein H&ouml;chstma&szlig; an Friedfertigkeit zu erreichen&rdquo;. <\/p><p>Sind das Zitate aus der rassistisch angehauchten V&ouml;lkerkunde vergangener Zeiten? Sollen hier dumpf-dumme Ressentiments nur deshalb angef&uuml;hrt werden, um sich von ihnen zu distanzieren und danach die Fortschritte der modernen Ethnologie aufzuzeigen? Nein, leider nicht. Die S&auml;tze sind ernst gemeint und aktuell. Geschrieben wurden sie von der ukrainischen Journalistin Anna Kupriy, die nach Ausbruch des Krieges von Odessa nach Deutschland gefl&uuml;chtet ist. Sie lebe derzeit in der N&auml;he von Stuttgart, schreibt die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung, die Frau Kupriy auf ihrer Homepage Platz f&uuml;r einen Blog eingerichtet hat. Mittlerweile sind dreizehn Folgen dieses <a href=\"https:\/\/www.lpb-bw.de\/ukraine-tagebuch\">&bdquo;Ukraine-Tagebuchs&ldquo;<\/a> erschienen.<\/p><p>Die oben zitierten S&auml;tze sind keine Ausrutscher. Sie sind wohl auch nicht (oder nicht nur) nachvollziehbare Reaktion eines Opfers, geschrieben in einer Art innerem Ausnahmezustand aus Angst, Wut und Verzweiflung. Vielmehr wirken sie wie der Ausdruck einer Haltung, die sich schon lange vor Kriegsbeginn herausgebildet hat. Es ist eine Haltung ultranationalistischer Selbst&uuml;berh&ouml;hung, die nicht nur die Regierung oder das Milit&auml;r des &bdquo;wilden, aggressiven Nachbarn&ldquo; zum Feind erkl&auml;rt, sondern das gesamte und als minderwertig geschilderte russische Volk. <\/p><p>&bdquo;Die Denkweise vieler Russen ist &uuml;berwiegend asiatisch, die der Ukrainer europ&auml;isch&rdquo;, konstatiert Anna Kupriy und betont, was Ukrainer und Russen au&szlig;erdem unterscheide: &bdquo;Russen gelten als weniger empathief&auml;hig &hellip;&ldquo;.<\/p><p>&Uuml;berhaupt dieses Russland: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Trinkende Familien, Armut und mangelnde Bereitschaft, sich zu entwickeln &ndash; ein fruchtbarer Boden f&uuml;r jemanden, der einen Krieg anzetteln will.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und daraus folgt f&uuml;r Anna Kupriy: &ldquo;&hellip; keiner der bewussten Ukrainer (wird) einen Russen als Bruder bezeichnen. Und mehr noch: Er wird diesen Vergleich als Beleidigung empfinden.&rdquo;&nbsp; <\/p><p>&ldquo;F&uuml;r die Ukrainer waren M&auml;nner und Frauen historisch gesehen immer gleichberechtigt, und unsere Haltung Frauen gegen&uuml;ber ist &auml;sthetisch&hellip;&ldquo;, so steht es in diesem Ukraine-Tagebuch. Dagegen in Russland: &bdquo;In der Moskauer Tradition hat immer ein Mann eine Frau gef&uuml;hrt. Wenn er dich schl&auml;gt, bedeutet das, dass er dich liebt&rsquo; . Das ist der springende Punkt in&nbsp;der russischen Auffassung von Familienwerten.&rdquo; <\/p><p>Nein, Anna Kupriy versteht sich nicht als M&auml;rchenerz&auml;hlerin, aber sie kennt sich im Genre aus. Das liest sich dann so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die ukrainische M&auml;rchenfigur ist aktiv, sie r&uuml;stet st&auml;ndig den Raum um sich aus und ver&auml;ndert ihn, indem sie Gerechtigkeit sucht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dagegen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine russische M&auml;rchenfigur wartet auf den Segen von jemandem &hellip;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Anna Kupriy &bdquo;beweist&ldquo; auch, dass die ukrainische Sprache weniger mit der russischen gemein hat, als manche denken. Und will damit wohl indirekt zu verstehen geben, dass russisch sprechende Ukrainer, also ein knappes Drittel der Bev&ouml;lkerung, f&uuml;r sie keine echten Ukrainer sind.   <\/p><p>Wenn man diesen Blog liest, muss man zum Schluss kommen, dass Ukrainer in ihrer &bdquo;Wertigkeit&ldquo; an der Spitze aller V&ouml;lker stehen. Frau Kupriy jedenfalls wei&szlig;: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Ukrainer sind universell einsetzbar, beherrschen m&uuml;helos mehrere Spezialgebiete und sind dabei erstaunlich effizient.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und dann schreibt sie in direkter Leseransprache und vertraulichem Aufkl&auml;rungston: &bdquo;Nach dem Beginn des Krieges im Februar 2022 wurden in einigen Regionen Polens die Bauarbeiten massiv eingestellt. Wei&szlig;t du, warum? Weil die ukrainischen M&auml;nner, die in Polen arbeiteten, ihre Arbeit aufgaben und in die Ukraine zur&uuml;ckkehrten, um sie zu verteidigen.&ldquo; Dass es vielleicht Ausdruck eines <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86079\">maroden Wirtschaftssystems<\/a> sein k&ouml;nnte, wenn ein signifikanter Teil der Bev&ouml;lkerung Arbeit im Ausland suchen muss, kommt Anna Kupriy nicht in den Sinn. <\/p><p>Und so geht die &bdquo;Aufkl&auml;rung&ldquo; weiter: &bdquo;Wei&szlig;t du, welche Art von Gesch&auml;ft in Polen danach eine unerwartete Entwicklung genommen hat? Die Gastronomie. Ukrainische Frauen, die nach Polen kamen, sahen sich um und beschlossen: Wir k&ouml;nnen nicht unt&auml;tig bleiben. Eine nach der anderen er&ouml;ffneten dort kleine B&auml;ckereien und Caf&eacute;s mit ukrainischer K&uuml;che. Als N&auml;chstes steht ein Durchbruch im Bereich der Sch&ouml;nheitsindustrie an: Ukrainische Frauen, die eine Arbeitserlaubnis erhalten haben, bieten Manik&uuml;re, Haarschnitt und T&auml;towierungen an. Und wir wissen, wie man arbeitet, glaube mir!&ldquo; Man will jetzt lieber nicht fragen, welche Art von T&auml;towierungen oder welche Art von Dienstleistungen sonst noch angeboten werden. Aber man sollte sp&auml;testens jetzt darauf hinweisen, wie die &ouml;konomische Situation der Ukraine tats&auml;chlich ist. Werner R&uuml;gemer zum Beispiel hat dies neulich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86079\">in den NachDenkSeiten<\/a> ausf&uuml;hrlich und detailliert getan.<\/p><p>Die Lobpreisung der Ukrainer und der Ukraine, verbunden mit der Herabsetzung anderer Nationalit&auml;ten und V&ouml;lker, setzt sich bei Frau Kupriy &uuml;brigens auch gegen&uuml;ber ihrem Gastland fort. Deutschland ist in den Augen dieser Ukrainerin n&auml;mlich erstaunlich r&uuml;ckst&auml;ndig. In ihrem Land seien &bdquo;24-Stunden-Superm&auml;rkte und -Apotheken l&auml;ngst allt&auml;glich geworden. Eine besondere &Uuml;berraschung f&uuml;r die Ukrainer ist daher ein vollwertiges Wochenende, an dem alles geschlossen ist &hellip;&ldquo; Oder die unn&uuml;tze deutsche Post! &bdquo;In unserem Land sehen wir die klassische Post als eine Art Archaismus an. Wir l&ouml;sen alle Probleme durch Telefonate und Chatten mit Instant Messengern &hellip;&ldquo; <\/p><p>Schlimm ist in Deutschland auch das Internet: &bdquo;Das Internet ist in unserem Land fast &uuml;berall verf&uuml;gbar&hellip; Hier (also in Deutschland) sind wir mit der Tatsache konfrontiert, dass es in kleinen St&auml;dten und Mietsh&auml;usern oft kein Internet gibt &hellip;&rdquo; Ist noch etwas besser in der Ukraine? Aber ja: &bdquo;Ich habe mehr als einmal geh&ouml;rt, dass trotz des hohen Niveaus der medizinischen Versorgung in Deutschland der Service in der Ukraine effizienter aufgebaut ist.&rdquo;<\/p><p>In ihrem Blog preist Frau Kupriy, die vor dem Krieg neben ihrer Journalistent&auml;tigkeit (&uuml;ber die wenig Konkretes zu erfahren ist) in der Tourismusbranche gearbeitet hat, auch ihre Heimatstadt Odessa an. So wie sie dies schon in der Ank&uuml;ndigung zu ihren damaligen F&uuml;hrungen tat. &bdquo;Unglaubliche Tr&auml;umer, spielende Abenteurer, gro&szlig;z&uuml;gige G&ouml;nner, kluge Gesch&auml;ftsleute und Abenteurer &hellip; Die Menschen, die unsere Stadt regierten, waren sehr unterschiedlich. Aber jeder von ihnen, der am Ruder stand, steuerte auf den Erfolg zu &ndash; nicht auf sich selbst. F&uuml;r Odessa.&ldquo; Das m&uuml;sste dann wohl auch, obwohl er namentlich nicht erw&auml;hnt wird, f&uuml;r Gennady Trukhanov gelten. Der ist seit 2014 B&uuml;rgermeister der Stadt und dazu, schon lange vor diesem Datum und nicht nur <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/uk-43823962\">laut BBC<\/a>, f&uuml;hrendes Mitglied der ber&uuml;chtigten Odessa Mafia. <\/p><p>Aber Anna Kupriy, die nach eigenen Angaben alles &uuml;ber Odessa wei&szlig;, verstand ihre Aufgabe als Stadtf&uuml;hrerin eben so, dass sie &bdquo;die Leute zu Verliebten&ldquo; machen wollte, &bdquo;sie sollten sich in Odessa verlieben. Das war meine Arbeit die letzten f&uuml;nf Jahre vor dem Krieg.&ldquo; Also lieber nichts &uuml;ber Odessas brodelnde Kriminalgeschichte sagen und auch nichts &uuml;ber das dortige Gewerkschaftshaus, in dem am 2. Mai 2014 ein Pro-Maidan-Mob linke Maidan-Gegner eingeschlossen und verbrannt hat, ein von den Beh&ouml;rden nie aufgekl&auml;rter, weil nie wirklich verfolgter Massenmord.<\/p><p>Der Romancier Eugen Ruge (&bdquo;In Zeiten des abnehmenden Lichts&ldquo;) hat damals in der &bdquo;Zeit&ldquo; geschrieben: &bdquo;Da werden in Odessa 40 Menschen von Maidan-Anh&auml;ngern ermordet, aber der Deutschlandfunk formuliert so lange an der Meldung herum, bis irgendwie, man wei&szlig; nicht, wie, das Gegenteil herauskommt.&ldquo; (Ruges hellsichtiger und von heute aus betrachtet fast prophetischer Text wurde vom &bdquo;Infosperber&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/ukraine-die-wahrheit-liest-man-im-feuilleton\/\">nachgedruckt<\/a>.<\/p><p>Und das bringt uns zur&uuml;ck zur Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung. Ist das Ukraine-Tagebuch von Frau Kupriy versehentlich auf deren Homepage gelandet? Oder verantwortet und vertritt diese Institution diesen Blog tats&auml;chlich inhaltlich? Eine Relativierung, gar eine Distanzierung findet jedenfalls nicht statt. Und das wundert dann etwas weniger, wenn man den eigenen lpb-Beitrag zur Geschichte der Ukraine liest. &bdquo;Mehr als 2,4 Millionen M&auml;nner und Frauen wurden als sogenannte ,Ostarbeiter&lsquo; aus der Ukraine, die von September 1941 an als ,Reichskommissariat Ukraine&lsquo; von den Nationalsozialisten besetzt worden war, ins Deutsche Reich verschleppt, wo sie in zahlreichen Betrieben Zwangsarbeit leisten mussten und oftmals daran starben. Allerdings sind auch Formen der Kollaboration mit den nationalsozialistischen Machthabern dokumentiert. Mit der Gr&uuml;ndung nationaler Gruppierungen wie etwa der &bdquo;Organisation Ukrainischer Nationalisten&ldquo; erhofften sich einige Ukrainer neuen Aufschwung eines von Hitler unterst&uuml;tzen Nationalstaats.&ldquo;<\/p><p>Und das war&rsquo;s auch schon fast zur Kollaboration ukrainischer Nationalisten und Faschisten mit dem deutschen Hitler-Reich, mit der Wehrmacht, mit der SS. Die massive Kollaboration bei der Ermordung ukrainischer Juden wird komplett ignoriert. So formuliert die lpb: &bdquo;Neben Massenmorden an J&uuml;dinnen und Juden in Charkiw, Berditschew und an anderen Orten ist das Massaker von Babyn Jar in der N&auml;he von Kiew das bis heute bekannteste Verbrechen der deutschen Wehrmacht auf ukrainischem Boden. In der Schlucht von Babyn Jar wurden mehr als 30.000 Menschen ermordet.&ldquo;  Tats&auml;chlich, so <a href=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/stepan_bandera_und_die_gespaltene_erinnerung_an_die_gewalt_in_der_ukraine?nav_id=10282\">schreibt<\/a> der Historiker  Grzegorz Rossoli&#324;ski-Liebe, wurden diese Verbrechen der deutschen Nazis unter gro&szlig;er und aktiver Mithilfe vieler ukrainischer Nationalisten begangen. Bei der Landeszentrale aber geht der Text zu Babyn Jar mit einer anderen T&auml;terzuweisung weiter: &bdquo;Die wenigen &Uuml;berlebenden wurden nach der R&uuml;ckeroberung der Ukraine durch die Rote Armee 1944 Opfer antij&uuml;discher Kampagnen durch die Sowjetunion.&ldquo; <\/p><p>Es ist geradezu obsz&ouml;n, wenn die Selenski-Regierung sich, etwa in der israelischen Knesset, so besorgt um die Gedenkst&auml;tte Babyn Jar zeigt, das eigene Land nur als Hort der Nazi-Opfer oder Widerstandsk&auml;mpfer darstellt &ndash; und gleichzeitig Denkm&auml;ler f&uuml;r die eigenen Mitt&auml;ter errichtet! Denn es wurden und werden in der Ukraine ja nicht nur Stra&szlig;en benannt nach dem zum Nationalhelden erkorenen Antisemiten und Faschistenf&uuml;hrer Stepan Bandera, der die Ukraine ethnisch s&auml;ubern wollte. Diesem &bdquo;Helden&ldquo; zu Ehren wurden und werden auch Statuen errichtet &ndash; die in Lviv alias Lemberg ist sieben Meter hoch! In der Ukraine wurde Bandera eben nicht nur von den neonazistischen Asow-Kriegern als Vorbild erkoren. <\/p><p>Stepan Bandera? Wer war das nochmal? In den gro&szlig;en deutschen Medien tauchte er h&ouml;chstens am Rande und\/oder in verschwommenen Beschreibungen auf, meist wurde er ganz verschwiegen. Als Tilo Jung neulich in seinem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JVEGR7apzoI\">Podcast<\/a> &bdquo;Jung und Naiv&ldquo; den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk in einem Interview als Bandera-Anh&auml;nger zeigte, sch&uuml;ttelten sich die deutschen Qualit&auml;tsmedien kurz und taten so, als w&auml;ren sie erstaunt (sie hatten nat&uuml;rlich alles gewusst, aber meist nicht publiziert), lieferten dann entschuldigende Zeilen zu Bandera &ndash; Tenor: eine komplizierte Figur, andere Zeiten etc. &ndash; und zogen sich wieder ins Verschweigen zur&uuml;ck. Auch in der Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung scheint ihn niemand zu kennen. Jedenfalls kommt der Name Bandera im Text zur Ukraine-Geschichte nicht vor. <\/p><p>Im Mai dieses Jahres hatte ich folgende Frage an die lpb gesandt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\nes geht um die Geschichte der Ukraine in ihrem Text. Warum fehlen Worte wie Asow und Bandera? Letzterer war ein Faschist, Nazi-Kollaborateur, Judenhasser, M&ouml;rder. Seine Gruppe war an Pogromen beteiligt. Bandera aber ist eine Art Gr&uuml;ndungsvater der Ukraine geworden. Geehrt mit Denkm&auml;lern, Stra&szlig;ennamen, Fackelz&uuml;gen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mir wurde der Eingang der Frage best&auml;tigt. Eine Antwort habe ich allerdings nicht erhalten.  <\/p><p>Die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung hat sicher ihre Verdienste. Was sie sich in Sachen Ukraine leistet, ist, man muss es wohl so formulieren, propagandistische Geschichtsklitterung. Und was sie sich mit der Ver&ouml;ffentlichung dieses uns&auml;glichen Ukraine-Tagebuch-Blogs leistet, das torpediert die propagierten Werte Aufkl&auml;rung, Toleranz, V&ouml;lkerverst&auml;ndigung oder Friedenswillen. Geben wir das letzte fatal-unvers&ouml;hnliche Wort an Anna Kupriy: &ldquo;&hellip; es ist unwahrscheinlich, dass die Ukrainer auch nach mehreren Generationen die Kraft zur Vergebung finden k&ouml;nnen&rdquo;.<\/p><p><em><strong>Anmerkung der Redaktion:<\/strong> Nach Erscheinen des Artikels und Leserzuschriften an die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung in Baden-W&uuml;rttemberg hat diese umgehend reagiert und noch am selben Tag erkl&auml;rt: <\/em><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir bedauern, dass einzelne Passagen im Ukraine-Tagebuch der Journalistin Anna Kupriy offensichtlich als pauschalisierend verstanden werden konnten. Wir haben die Folge 7 des Tagebuchs (&bdquo;Ukrainer und Russen&ldquo;) deshalb vom Netz genommen und auch an einzelnen anderen Stellen auf der Webseite nachgebessert.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Leserbriefe zu diesem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86430\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=61635538\">Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung Baden-W&uuml;rttemberg, CC0<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85208\">Faktencheck zu Unterrichtsmaterialien der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung zum Ukraine-Krieg: Tendenzi&ouml;se Sprache und nachweislich falsche &bdquo;Fakten&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86079\">&bdquo;Unsere europ&auml;ischen Werte&ldquo;: 1,21 Euro Mindestlohn in der Ukraine<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/ec9490c23562446586be2118f8e7fe4f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Blog &bdquo;erkl&auml;rt&ldquo; eine aus der Ukraine nach Deutschland gefl&uuml;chtete Journalistin pauschal das russische Volk. Es sei faul, bequem, aggressiv, bindungslos und nicht empathief&auml;hig. Ukrainer dagegen werden als in allen Bereichen vorbildhaft geschildert. Die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung in Baden-W&uuml;rttemberg hat diesem &bdquo;Ukraine-Tagebuch&ldquo; viel Platz einger&auml;umt. 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