{"id":8629,"date":"2011-03-10T09:45:03","date_gmt":"2011-03-10T08:45:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8629"},"modified":"2014-08-11T13:42:06","modified_gmt":"2014-08-11T11:42:06","slug":"das-weltsozialforum-in-dakar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8629","title":{"rendered":"Das Weltsozialforum in Dakar"},"content":{"rendered":"<p>Vom 6.-11. Februar 2011 fand in Dakar\/Senegal das 10. Weltsozialforum (WSF) statt. Obwohl das WSF ein Ort der Vernetzung und Inspiration von Menschen aus allen Kontinenten ist, die alternative L&ouml;sungen zur herrschen Weltpolitik zu diskutieren, tauchen die meisten Diskussionen in den g&auml;ngigen Medien gar nicht auf. Christine Wicht will mit Ihrem Beitrag diesem Vers&auml;umnis abhelfen.<br>\n<!--more--><\/p><p>Einer der Anst&ouml;&szlig;e aus denen das WSF hervorging, war das Weltwirtschaftsforum in Davos. Das erste WSF fand im Jahr 2001 in Porto Alegre\/Brasilien als Gegenveranstaltung zu diesem selbst ernannten Weltwirtschaftsforum statt. Susan George vom Transnational Institute\/Attac France, pr&auml;gte im Jahr 1996 das Motto &bdquo;Eine andere Welt ist m&ouml;glich&ldquo;. Es war auch das Motto des ersten Weltsozialforums, an welchem 20.000 Menschen aus der ganzen Welt teilnahmen, jetzt kamen ca. 80 000 Aktivisten nach Dakar. Die Welt hat sich ver&auml;ndert, nicht nur durch die Finanzkrise, die gezeigt hat, dass der Markt vielfach weit mehr Probleme erzeugt, als er l&ouml;st. Wasserknappheit, Klimagerechtigkeit, Land-grabbing, Nahrungsmittelkrise und die Politik des Internationalen W&auml;hrungsfond (IWF) waren nur einige Themen, die auf dem Treffen er&ouml;rtert wurden. Das WSF ist f&uuml;r viele Menschen zum Symbol der Hoffnung auf eine gerechte Welt geworden. Es ist ein bedeutendes Treffen auf B&uuml;rgerebene, auf welchem ein internationaler Austausch &uuml;ber neue Formen der Politik stattfindet, wie beispielsweise der Aufbau einer planetarischen Sozialb&uuml;rgerschaft. Denn es gibt eine Reihe von Menschenrechten, die &uuml;ber die B&uuml;rgerrechte hinausgehen, wie das Recht auf Nahrung oder Wasser. Das WSF ist eine Bewegung von unten, das viel bewegen kann, wenn die Themen &uuml;ber den Globus verbreitet werden. Im Hinblick auf die Revolutionen in &Auml;gypten und Tunesien, hat das WSF durchaus reelle Chancen bedeutende Ver&auml;nderungen in der Welt anzusto&szlig;en. <\/p><p><strong>Recht auf Wasser &ndash; immer noch kein Menschenrecht<\/strong><br>\nWasser war auch in diesem Jahr ein dr&auml;ngendes Thema des WSF. F&uuml;r M&auml;rz 2012 ist in Marseille ein alternatives Weltwasserforum, parallel zum vom Weltwasserrat (Word Water Council, WWC) <a href=\"\/?p=3852\">veranstalteten Weltwasserforum<\/a> geplant. Die Teilnehmer des alternativen Forums werden in Marseille eine demokratische, &ouml;kologische, soziale orientierte Wasserpolitik einfordern. Im Gegensatz zu global agierenden Wasserkonzernen. Weltwasserrat und Global Water Partnership arbeiten eng zusammen mit der Welthandelsorganisation (WTO), Weltbank und IWF. Sie verbindet das Ziel Wasser als Wirtschaftsgut einzustufen, damit es dementsprechend <a href=\"\/?p=4524\">frei vermarktet werden kann<\/a>. <\/p><p>Ein Hand in Hand arbeitendes Netzwerk aus Lobbyisten und Branchenverb&auml;nden steht hinter dieser Ausrichtung der weltweiten Wasserpolitik. Diese Politik nutzt Konzernen und Investoren, aber nicht den B&uuml;rgern. Zus&auml;tzlich wird die Entwicklungspolitik als Hebel benutzt, um international die Privatisierung und Liberalisierung der Wasserversorgung durchzusetzen. IWF und Weltbank fordern als wichtige Kreditgeber den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr, Wettbewerbsorientierung, vor allem aber auch die Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben wie die Privatisierung von Wasser, Strom, Bildung, Gesundheit, die Flexibilisierung der Arbeitsm&auml;rkte, grundlegende Rentenreformen (Privatisierung der Altersvorsorge). All diese Forderungen haben zu einer weiteren Verarmung in der Welt gef&uuml;hrt. Dabei sollte doch der freie Markt mit seinen viel beschworenen Selbstheilungskr&auml;ften doch angeblich zu einer Verbesserung der Situation f&uuml;hren. Mit dem zunehmend erkennbaren Marktversagen, wurde einfach die Dosis erh&ouml;ht, mit fatalen Folgen f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung: Armut und letztendlich Verelendung. Laissez-faire hat immer nur die Interessen der oberen Schicht bedient. Der von den Epigonen der neoliberalen Philosophie so oft gepriesene Trickle-down-Effekt, demzufolge die unteren Schichten der Bev&ouml;lkerung ebenfalls vom Wohlstand der Reichen profitieren, wenn es den Reichen nur gut genug gehe, ist nicht nur arrogant und selbstherrlich sondern hat sich auch als zynische Illusion erwiesen. Als Vorwand f&uuml;r die Umstrukturierungen in den &bdquo;IWF-gest&uuml;tzten&ldquo; L&auml;ndern dient die Schuldenreduzierung mit Hilfe von Strukturanpassungsprogrammen (SAP), das hei&szlig;t, Kredite werden nur unter der Bedingung vergeben, dass sich die Staaten vorher einer eingehenden Pr&uuml;fung durch den IWF unterziehen und die Umsetzung eines SAP akzeptieren (NachDenkSeiten vom 19.06.2005). Auf diese Weise werden Auftr&auml;ge f&uuml;r Unternehmen und den reichen Industriel&auml;ndern Investitionen erm&ouml;glicht, wodurch wiederum international operierende Unternehmen den Markt &uuml;bernehmen. <\/p><p>Eine besondere Rolle auf dem WSF spielten in diesem Jahr die Revolutionen in &Auml;gypten und Tunesien. Eine Demonstration von Aktivisten vor der &auml;gyptischen Botschaft in Dakar forderte den R&uuml;cktritt Mubaraks und bekundete Solidarit&auml;t mit den Freiheitsbestrebungen der &Auml;gypter. Kurz vor der Abschlusskundgebung erreichte die Teilnehmer des WSF die Nachricht vom R&uuml;cktritt Mubaraks. Auch eine gro&szlig;e tunesische Delegation war unter den Teilnehmern. Auf der Suche nach neuen politischen Perspektiven und der hohen Jugendarbeitslosigkeit, die auf dem Land bei 60 % liegt und  eine zentrale Ursache f&uuml;r die Revolution war, wurde die Verantwortung westlicher Regierungen diskutiert, die den tunesischen Pr&auml;sidenten Zine el-Abidine Ben Ali &uuml;ber Jahre st&uuml;tzten. Die katastrophalen Auswirkungen der SAP, die der IWF Tunesien 1986 oktroyierte, wurden thematisiert. Die tunesischen Teilnehmer erteilten den neoliberalen Rezepten eine klare Absage, da sie f&uuml;r Armut, Pl&uuml;nderung und Arbeitslosigkeit und Verelendung einer ganzen Region verantwortlich sind, trotz der angeblichen so viel gepriesenen &ouml;konomischen Leistungen. Die ruin&ouml;se Politik von IWF, Weltbank und WTO hat in weiten Teilen der Welt, nicht nur in Tunesien, massiven Schaden angerichtet. <\/p><p>Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken forderten die Teilnehmer des WSF, dass das Recht auf Wasser f&uuml;r alle Menschen, effektiv umgesetzt werden muss. Bereits auf dem ersten Weltsozialforum in Porto Alegre im Jahr 2002 wurde eine Wassererkl&auml;rung abgegeben: &bdquo;Das Wasser geh&ouml;rt allen Lebewesen auf der Erde und darf deshalb <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBgQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.wasserallianz-muenchen.de%2FDokumente%2FPortoAllegre_Wassererklaerung.pdf&amp;rct=j&amp;q=%20wassererkl%C3%A4rung%20porto%20alegre&amp;ei=AVN1TetKjPKyBqfZ8PYE&amp;usg=AFQjCNFSI8qxbKWR9_g1Tu5Qe6eFsUR9LQ&amp;cad=rja\">nicht als eine Ware behandelt werden [PDF -48 KB]<\/a>&ldquo;. Gerade weil die Versorgung mit Wasser ein Grundbed&uuml;rfnis aller Menschen ist und weil es eine knappe Ressource ist, w&auml;chst das <a href=\"\/?p=218\">Interesse der Unternehmen am blauen Gold<\/a>. <\/p><p>Auf dem WSF wurde die <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/63\">Entwicklung des IWF<\/a> massiv kritisiert, der unter dem Einfluss des Keynesianismus 1944 als Reflex auf die Weltwirtschaftskrise gegr&uuml;ndet wurde und folgende Ziele verfolgen sollte:<\/p><ul>\n<li>Verbesserung der finanziellen Kooperation zwischen den Staaten<\/li>\n<li>St&auml;rkung des internationalen Handels <\/li>\n<li>Stabilisierung der W&auml;hrungsbeziehungen und der W&auml;hrungen <\/li>\n<li>Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der W&auml;hrungspolitik <\/li>\n<li>Aufbau eines internationalen Zahlungssystems <\/li>\n<li>Finanzielle Hilfe zur &Uuml;berwindung von Zahlungsschwierigkeiten von Staaten <\/li>\n<li>Verhinderung von Unausgewogenheiten in den Zahlungsbilanzen der Mitglieder<\/li>\n<li>Ausgewogenes Wirtschaftswachstum<\/li>\n<\/ul><p>Zu Beginn der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen des Monetarismus als vorherrschender &ouml;konomischer Schule und beeinflusst von den so genannten Chicago Boys um Milton Friedman, &auml;nderte der IWF seine wirtschaftspolitische Ausrichtung und schlug einen marktradikalen neoliberalen Wirtschaftskurs ein. Mit diesem Richtungswechsel verabschiedete sich der IWF von seinen urspr&uuml;nglichen Zielen. <\/p><p><strong>Washington Consensus <\/strong><br>\nMit Unterst&uuml;tzung von Weltbank und IWF versuchen eine Handvoll internationaler Konzerne die Kontrolle &uuml;ber die &ouml;ffentliche Wasserversorgung an sich zu rei&szlig;en und treiben die Wasserpreise drastisch in die H&ouml;he. Die Politik der Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung zugunsten internationaler Wasserkonzerne wird auf verschiedenen politischen Ebenen vorangetrieben. Zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist diese Politik auf den Washington Consensus (1990), der eine Reihe wirtschaftspolitischer Ma&szlig;nahmen zur weltweiten F&ouml;rderung von wirtschaftlicher Stabilit&auml;t und Wachstum beinhaltet, mit denen Wirtschaftsprozesse liberalisiert und die Wirtschaftst&auml;tigkeit weitgehend privatisiert werden sollten. Dadurch, so der wirtschaftsliberale Gedanke, werde die Grundlage daf&uuml;r geschaffen, dass Ressourcen besser alloziiert und effizienter verwendet werden. Das Konzept des Washington Consensus wird von IWF und Weltbank vorangetrieben. Dazu geh&ouml;ren unter anderem die Liberalisierung der Handelspolitik und die Privatisierung &ouml;ffentlicher Einrichtungen. Der IWF fungiert als Kreditgeber f&uuml;r die Zentralbanken, die Weltbank &uuml;bernimmt diese Funktion f&uuml;r Privatbanken. Dar&uuml;ber hinaus ist ein internationales Netzwerk regionaler Entwicklungsbanken mit IWF, Weltbank und WTO verbunden, wie die European Investmentbank, Inter-American Development Bank, Asian Bank, Europ&auml;ische Bank f&uuml;r Wiederaufbau und Entwicklung und die Islamic-Development Bank. <\/p><p><strong>Land-grabbing<\/strong><br>\nEin weiteres Thema des WSF war die Nahrungsmittelkrise, die massiv versch&auml;rft wird durch sogenanntes Land-grabbing (gro&szlig;fl&auml;chige Landnahme durch Investoren). Gro&szlig;e Anbaugebiete werden in Afrika, Asien, Lateinamerika von Staaten, Unternehmen, Banken und Fonds aufgekauft. Wegen des gro&szlig;fl&auml;chigen Anbaus von Energiepflanzen werden Bauern verdr&auml;ngt und in ihren Landrechten verletzt. Durch die F&ouml;rderung von Agrartreibstoffen (Beimischungsquoten zu Benzin, in USA und der EU &ndash; E10) ist ein Wettlauf um Ackerland entstanden. Auch Deutsche Unternehmen wie Flora Eco Power (umbenannt in <a href=\"http:\/\/land-grabbing.de\/fallbeispiele\/fallbeispiel-2-deutsche-acazis-ag-in-aethiopien\/\">Acazis AG<\/a>) und die Deutsche Bankgruppe sind in die F&ouml;rderung von Agrartreibstoffen involviert. In den letzten Jahren sind mehr als 22 Mio. Hektar Ackerland von ausl&auml;ndischen Investoren weltweit aufgekauft worden. Die Aktivisten des WSF forderten, dass der Landaufkauf gestoppt und gestohlenes Land zur&uuml;ckgegeben werden muss.<\/p><p>Drei haupts&auml;chliche Ziele stehen hinter diesen gro&szlig;fl&auml;chigen Landk&auml;ufen und &ndash;pachten:<\/p><ul>\n<li>Ern&auml;hrungssicherung in den investierenden L&auml;ndern, die aufgrund der Importabh&auml;ngigkeit von Nahrungsmitteln und der Reduzierung von schwankenden Weltmarktpreisen die eigene Versorgung sichern wollen;<\/li>\n<li>Gro&szlig;fl&auml;chiger Biomasseanbau zur energetischen und stofflichen Nutzung mit &uuml;berwiegend Investoren aus Industriel&auml;ndern, die Fl&auml;chen als auch geringe Produktionskosten in Entwicklungsl&auml;ndern ausnutzen;<\/li>\n<li>Sicherung von Wasserrechten, um den Nahrungs- und Energiepflanzenanbau <a href=\"http:\/\/entwickler-netz.de\/blog\/2010\/01\/11\/%E2%80%9Eland-grabbing%E2%80%9C-in-afrika\/\">zu sichern<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Anbau von Energiepflanzen und die Verelendung der Bauern<\/strong><br>\nEnergiepflanzen sollen zu einer gr&ouml;&szlig;eren Unabh&auml;ngigkeit von fossilen Brennstoffen beitragen. Die Energiepflanzen werden zum gr&ouml;&szlig;ten Teil auf konventionelle Weise angebaut, gespritzt und ged&uuml;ngt. Dadurch gelangen noch mehr chemische Mittel in das Grundwasser und verseuchen das daraus gewonnene Trinkwasser. Mit dem Verweis auf eine angeblich umweltfreundliche Energiegewinnung wird auch ein verst&auml;rkter Einsatz der umstrittenen Gentechnik in der Landwirtschaft verlangt. Neben den &ouml;kologischen Sch&auml;den durch gro&szlig;fl&auml;chigen Anbau (Monokulturen) von Energiepflanzen st&ouml;&szlig;t aber noch ein weiterer Aspekt dieser Form von Energiegewinnung auf Kritik. W&auml;hrend Menschen verhungern, werden Anbaufl&auml;chen zur Energiegewinnung genutzt und gehen so f&uuml;r die Produktion von Nahrungsmitteln verloren. Die Vorsilbe &ldquo;Bio&rdquo; ist somit eher ein Verpackungsschwindel als eine umweltfreundliche Alternative zu den fossilen Energietr&auml;gern. Durch den gro&szlig;fl&auml;chigen Anbau von Energiepflanzen entstehen Sch&auml;den an Boden und Umwelt, die unter &ouml;kologischen Gesichtspunkten nicht vertretbar sind, weil das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzt wird. Kleinbauern m&uuml;ssen dem industriellen Anbau von Energiepflanzen weichen. Besonders gravierend sind die Auswirkungen des Anbaus von Energiepflanzen beispielsweise in Brasilien. Zur Ethanolgewinnung wird in Brasilien in gro&szlig;em Stil Zuckerrohr angebaut. Das &ouml;kologische Gleichgewicht in Brasilien wird dadurch nachhaltig gest&ouml;rt, da f&uuml;r den Zuckerrohranbau weite Teile des Urwaldes abgeholzt werden. Der Regenwald als wichtiger Faktor des Klimaschutzes wird zynischer Weise im Namen einer vermeintlich &ouml;kologischen Energiepolitik zerst&ouml;rt. Auch in Indonesien werden Urw&auml;lder abgeholzt, dort f&uuml;r den Anbau von Palm&ouml;lpflanzen. Die Frucht der &Ouml;lpalme ist sehr effektiv, keine andere Wirtschaftspflanze produziert in dem Ma&szlig;e Pflanzen&ouml;l, da sowohl Fruchtfleisch als auch Samen genutzt werden k&ouml;nnen. &Uuml;ber 80% der Weltproduktion an Pflanzen&ouml;l stammen aus Malaysia und Indonesien, j&auml;hrlich verschwinden daf&uuml;r allein in Indonesien rund 2 Millionen Hektar Urwaldfl&auml;che, das entspricht etwa der H&auml;lfte der Fl&auml;che der Niederlande. Auf Borneo existieren kaum noch Regenw&auml;lder, ein Gro&szlig;teil wurde in Plantagen umgewandelt. Zur F&uuml;tterung von Rindern, Schweinen und H&uuml;hnern in China und Europa, zur Gewinnung von Biokraftstoff und als Grundstoff f&uuml;r Lacke, Farben und Waschmittel wird Soja im gro&szlig;en Stil in S&uuml;damerika angebaut. Laut WWF-Studie hat sich der Soja-Anbau in Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Schaffung von Sojafeldern hat zu Landenteignungen in gro&szlig;em Umfang gef&uuml;hrt und zahllose Kleinbauern ihrer Lebensgrundlage <a href=\"\/?p=1758\">beraubt<\/a>.<\/p><p>Im Hinblick auf diese Tatsachen nahm das Thema Klimagerechtigkeit einen wichtigen Platz auf dem Forum ein. Im Vorfeld der Klimakonferenz, die vom 28.11. bis 09.12.2011 in Durban\/ S&uuml;dafrika stattfindet, wurde das Thema Klimagerechtigkeit diskutiert. Es sollte nach den Vorstellungen der Teilnehmer ein Gipfel von Menschen sein, der drau&szlig;en stattfindet und nicht nur in klimatisierten R&auml;umen. Die Teilnehmer forderten, dass die Industriel&auml;nder gegen&uuml;ber dem globalen S&uuml;den, der besonders stark von der Klimaver&auml;nderung betroffen ist, ihre Schulden ausgleichen. Die Aktivisten forderten dar&uuml;ber hinaus wesentliche &Auml;nderungen im globalen Norden: Die Industriestaaten sollen endlich ihre atmosph&auml;rischen Schulden zur&uuml;ckzahlen, ihre Emissionen reduzieren und eine radikal grundlegende Kurs&auml;nderung in der globalen &ouml;konomischen Regulierung und dem Handelssystem vornehmen. Einer der G&auml;ste des WSF, Jai Sen, vom Institute for Critical Action, Centre In Movement, CACIM, in Indien, sagte zur Klimakrise im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Kontext TV:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Welt, wird, wenn es so weitergeht, in 50 Jahren eine verw&uuml;stete sein, weil wir nicht in der Lage gewesen sind, die nicht linearen Vorg&auml;nge zu stoppen. Alle gesellschaftlichen Institutionen werden dann zusammengebrochen sein, es wird eine Welt sein in der Konzerne mit ihren Privatarmeen frei schalten und walten k&ouml;nnen, Warlords sich breit machen. Eine Welt in der sich der Staat auf einen sehr engen ethnologischen, fundamentalistischen, nationalistischen Radius verengt und Bewegungen sich neu formieren m&uuml;ssen. Ich denke, wir m&uuml;ssen in die Zukunft vorausdenken, nicht nur 10 Jahre, sondern wegen der Klimakrise auch 50 Jahre. Und nur Bewegungen k&ouml;nnen uns das Wissen geben, diesen Vorgang zu stoppen. Regierungen werden uns dieses Wissen nicht geben, auch nicht die Konzerne. Die Konzerne planen nat&uuml;rlich, sie haben ihre Thin-tanks, mit denen planen sie die Erde zu vergewaltigen bis sie tot ist und auch noch danach nachdem sie tot ist. Die Milit&auml;rs planen. Und was machen die Bewegungen? Aber es ist nur das Wissen was aus den sozialen Bewegungen aus betroffenen gesellschaftlichen Akteuren kommt dass Welt ver&auml;ndern und die Pl&uuml;nderungen <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/64\">aufhalten kann<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die Vereinten Nationen haben den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte aufgenommen, diesen Anspruch durchzusetzen, scheint jedoch in Bezug auf die Unterwanderung der Vereinten Nationen durch <a href=\"\/?p=1132\">die Konzerne, kaum m&ouml;glich<\/a>. Dar&uuml;ber hinaus haben sich die Vereinten Nationen zum Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Aufgrund der sich abzeichnenden Entwicklungen auf dem Nahrungsmittelmarkt scheint dieses Ziel in weite Ferne ger&uuml;ckt zu sein. Au&szlig;erdem kann der Hunger in der Welt nicht mit dem kurzfristigen Horizont der Wallstreet und den Investitions- und Profitinteressen der global agierenden Konzerne und Investoren, sondern nur mit langfristigen und nachhaltigen Strategien und Planungen &uuml;berwunden werden. <\/p><p>Die Welt ist ungleich aufgeteilt, eine Minderheit regiert, die gro&szlig;e Masse bleibt au&szlig;en vor. Selbst in Demokratien haben die B&uuml;rger nur begrenzte M&ouml;glichkeiten auf die Politik Einfluss zu nehmen. Sie haben keine Lobby, die Wirtschaft hingegen schon. Das WSF ist f&uuml;r die Teilnehmer von enormer Bedeutung, um Netzwerke zu st&auml;rken und neue Kontakte zu kn&uuml;pfen. Das WSF hat sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos gegr&uuml;ndet, auf welchem einige wenige Menschen &uuml;ber die Weltwirtschaftspolitik entscheiden, die zwar &uuml;ber Macht und Geld verf&uuml;gen, aber kein demokratisches Mandat besitzen. Weil sie agieren, als g&auml;be es keine Alternative zum globalen Markt, haben Menschen angefangen, sich dieser Denkungsweise zu widersetzen. Sie haben die Politik des IWF, der Weltbank, der Europ&auml;ischen Union und der WTO analysiert und alternative Vorschl&auml;ge erarbeitet. Wirkliche Demokratie ist, wenn sich B&uuml;rger in die Politik einmischen und die Demokratie kontrollieren, so soll nach den Vorstellungen der Forumsteilnehmer k&uuml;nftig eine neue Politik wachsen k&ouml;nnen, die die B&uuml;rger in Entscheidungen einbindet, damit eine soziale, gerechte und &ouml;kologisch nachhaltige Welt entstehen kann, die alle Menschen ern&auml;hrt und niemanden ausschlie&szlig;t. Die Zeit ist g&uuml;nstig f&uuml;r eine Globalisierung von unten, der Kapitalismus steckt in der Krise, er hat seine Grenzen erreicht. Das hat die Finanz- und Wirtschaftskrise gezeigt. <\/p><p>Viele Menschen kennen das WSF nicht. Das Internet kann ein hilfreiches Medium sein, um den Bekanntheitsgrad zu erh&ouml;hen. Jeder kann in seinem Umfeld das WSF bekannt machen. Susan George sagte auf dem WSF, die Presse gehe lieber nach Davos, weil man lieber reiche statt arme Menschen trifft. Es liegt an uns B&uuml;rgern auf der ganzen Welt, etwas beizutragen, dass sich die Medien f&uuml;r das Weltsozialforum interessieren, weil immer mehr Menschen das Forum besuchen und an klugen alternativen Modellen mitarbeiten, die nicht mehr ignoriert werden k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Das unabh&auml;ngige Nachrichtenmagazin Kontext TV war beim Weltsozialforum in Dakar, Senegal, (6.-11. Februar) und hat anl&auml;sslich des 10. Geburtstages des Forums eine 45-min&uuml;tige Sendung dar&uuml;ber gemacht (aus welcher auch einige Informationen in diesem Beitrag sind). Es ist ein &auml;u&szlig;erst sehenswerter Film, abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\">Kontext-TV<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 6.-11. Februar 2011 fand in Dakar\/Senegal das 10. Weltsozialforum (WSF) statt. Obwohl das WSF ein Ort der Vernetzung und Inspiration von Menschen aus allen Kontinenten ist, die alternative L&ouml;sungen zur herrschen Weltpolitik zu diskutieren, tauchen die meisten Diskussionen in den g&auml;ngigen Medien gar nicht auf. Christine Wicht will mit Ihrem Beitrag diesem Vers&auml;umnis abhelfen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[28,132,211],"tags":[589,305,849,335,988],"class_list":["post-8629","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-privatisierung","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-iwf","tag-menschenrechte","tag-nahrungsmittel","tag-wasserversorgung","tag-weltwirtschaftsforum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8629"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8629\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8632,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8629\/revisions\/8632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}