{"id":86319,"date":"2022-07-27T13:30:09","date_gmt":"2022-07-27T11:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86319"},"modified":"2022-07-27T15:28:12","modified_gmt":"2022-07-27T13:28:12","slug":"der-backofen-bleibt-heiss-trotz-allem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86319","title":{"rendered":"Der Backofen bleibt hei\u00df \u2013 trotz allem"},"content":{"rendered":"<p>Dem Volk aufs Maul schauen (und danach handeln) &ndash; das m&uuml;sste Pflichtaufgabe aller Entscheidungstr&auml;ger sein. Gerade aber beweisen die, die viel Macht haben und Entscheidungen treffen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, das Gegenteil, finden Menschen aus dem Volk, die, die den Laden im Land tats&auml;chlich am Laufen halten. Einer der am Laufen Haltenden ist ein B&auml;ckermeister und Kaffeehausbesitzer aus meiner Heimatstadt, dem wie vielen kleinen und mittleren Handwerkern in diesen Tagen ern&uuml;chternde Schreiben von Energieversorgern ins Haus flattern. Darin steht, dass demn&auml;chst sehr viel mehr f&uuml;r den energetischen Betrieb von Backofen, Laden und Kaffeehaus zu berappen sei. Das emp&ouml;rt den Unternehmer, der die Ursache f&uuml;r derlei Preistreiberei in der Gier der gro&szlig;en Monopolisten und im Stillhalten und Nichtgegensteuern der Politik sieht. Der B&auml;cker macht sich Sorgen um sich, seine vielen Kollegen und all ihre Mitarbeiter, doch er gibt sich k&auml;mpferisch, denn seine Berufung, Unternehmer zu sein, k&auml;me ja von etwas unternehmen. Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7690\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86319-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86319-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220727_Der_Backofen_bleibt_heiss_trotz_allem_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Dreifacher Preis f&uuml;r notwendige Energie, um Brot zu backen<\/strong><\/p><p>Beim Anblick des Schreibens mit den Preis-Tabellen, die Monat f&uuml;r Monat die Tarife f&uuml;r Energie in diesem und im kommenden Jahr zeigen, wird es Rico Wagner mulmig in der Bauchgegend. Da steht zun&auml;chst 351 Euro f&uuml;r einen Monat. Dann werden daraus 1.328 Euro. &bdquo;Das ist allein f&uuml;r das Gesch&auml;ftshaus&ldquo;, sagt Wagner. Die zweite Kostennote f&uuml;r den Backofen zeigt an: Zun&auml;chst 521 Euro pro Monat. Ab diesen Oktober sollen monatlich 1.615 Euro &uuml;berwiesen werden. Backen wird somit enorm teuer f&uuml;r den B&auml;cker. Wie soll er das auffangen, meistern, fragt er sich. Und damit nicht genug. Die Kosten f&uuml;r sein Kaffeehaus sind noch gar nicht berechnet, der Vermieter wird wohl erst 2023 Nebenkosten-Post versenden. Von den steigenden Preisen f&uuml;r die Zutaten zum Backen ganz zu schweigen &hellip;<\/p><p>&bdquo;Ich bin sauer, wie es soweit kommen kann, dass gewisse Leute derart zulangen. Klar, das wird ja zugelassen. Wobei es ja noch nicht mal ausgemacht ist, dass die Energiepreise so hoch bleiben. Oder doch?&ldquo;, so der Handwerker. Rico Wagner l&auml;sst ebenso nicht gelten, dass der Ukraine-Krieg immer und immer wieder als Ursache genannt wird, interessiert registriert er das politische und mediale Geschehen und traut den Verk&uuml;ndungen und Erkl&auml;rungen nicht. Auch wie ihn die Statements nerven, dass &bdquo;die fetten Jahre vorbei&ldquo; seien, dass &bdquo;man den G&uuml;rtel enger schnallen&ldquo; m&uuml;sse und dass man nun mal f&uuml;r eine Zeit lang &bdquo;f&uuml;r die Freiheit frieren&ldquo; k&ouml;nne. Wagner friert sozusagen doppelt. Er sieht die Lage aus zwei Blickwinkeln: als Unternehmer und als B&uuml;rger, der privat ebenfalls tiefer in die Tasche greifen muss, um all die allt&auml;glichen Rechnungen zu begleichen.<\/p><p>Schweigen, ein paar Momente lang, Rico Wagner, 44 Jahre, nippt an einem Kaffee in seinem Kaffeehaus. Das bekannte und beliebte Lokal betreibt er in der Plauener Altstadt neben seinem Stammbetrieb, einer alteingesessenen Familien-B&auml;ckerei. Am Eingang steht eine feine Schiefertafel, auf der edel gezeichnet das Jubil&auml;um des Lokals zu lesen ist: 10 Jahre Kaffeehaus M&uuml;ller. Es ist ein Lebenstraum: &bdquo;Ich wollte immer so ein Kaffeehaus, mit meiner Frau Antje und meinen Mitarbeitern haben wir das geschafft. Und das wird so bleiben.&ldquo; <\/p><p><strong>Der erf&uuml;llte Traum von Krisen bedroht<\/strong><\/p><p>Schon nach acht Jahren zogen dunkle Wolken auf, die Pandemie machte auch dem Plauener Unternehmer zu schaffen. &bdquo;Wir hatten zeitweise viele Monate dicht, au&szlig;er den B&auml;ckerladen. Und wenn wir das Lokal &ouml;ffneten, waren wir nur mit der Umsetzung von Ma&szlig;nahmen besch&auml;ftigt.&ldquo; Gerade atmete man etwas auf, schon knallt man eine neue Krise vor den Latz, sagt der B&auml;cker.    <\/p><p>Und nun? Wagner ist nachdenklich, er macht sich Sorgen, man sieht ihm an, wie seine Gedanken kreisen, wie er am &Uuml;berlegen ist. Seine Miene hellt sich auf. Ja doch, bei allen Bedenken, bei einer durchaus verst&auml;ndlichen Wut, der B&auml;ckermeister will nicht hadern, er agiert, er reagiert. Ma&szlig;voll &auml;ndert er die Preise, das Gespr&auml;ch mit den Kunden hegt und pflegt er. Telefonieren ist gerade seine wichtigste Nebent&auml;tigkeit zum Hauptberuf B&auml;cker. &bdquo;Politiker kontaktieren, bei der Handwerkskammer vorsprechen, protestieren und die Lage klar und deutlich machen. Die d&uuml;rfen nicht in Ruhe gelassen werden, sonst passiert nichts&ldquo;, so Wagner. Seine Forderungen, es sind auch die seiner Kollegen sind, lauten: Deckelung der Preise f&uuml;r Energie, Verhandlungen mit Versorgern, mit Anbietern, Diplomatie statt Eskalation im gro&szlig;en Weltgeschehen. Wagner: &bdquo;Ja, ich bin nur B&auml;cker und kein gro&szlig;er Au&szlig;enpolitiker, aber es muss doch machbar sein, dass man sich einigt und diese Abw&auml;rtsspirale gestoppt wird.&ldquo; Es ist nicht schwer, bei gutem Willen, den Laden am Laufen zu halten, es brauche &bdquo;nur&ldquo; Verantwortungsbewusstsein und Willen. Willen, allein  d e n  s&auml;he der Unternehmer bei wichtigen Leuten gerade nicht. &bdquo;Das ist tragisch, das ist ein Skandal.&ldquo;<\/p><p><strong>Den Laden am Laufen halten.<\/strong><\/p><p>Dabei ist es leicht. Machen statt blockieren und nicht handeln. Der B&auml;cker- und Konditormeister Rico Wagner lebt seinen Beruf. Leidenschaftlich b&auml;ckt er Brot. Und Kuchen. Torten zaubert er, der Betrachter der s&uuml;&szlig;en Kunstwerke kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Eis kreiert er, feines, frisches &ndash; kurzum: Meister Wagner ist ein unentbehrlicher Mann. Er beherrscht sein Handwerk, trifft klare Entscheidungen und ist mit seinen Mitarbeitern f&uuml;r seine Menschen, seine Kunden da. Gute, faire Rahmenbedingungen verdienten Menschen wie Rico Wagner. <\/p><p>&bdquo;Unser t&auml;glich Brot&hellip;&ldquo;, hei&szlig;t es in einem ber&uuml;hmten Gebet. Ganz ohne Religion sei gesagt, dass Brot in einem reichen Land nicht zum Luxus werden darf. Es brauche gar nicht viel, Salz, Mehl, Wasser. Kreativ, wie der B&auml;ckermeister ist, hat er aus einer besonderen Roggensorte namens Waldstaute von einheimischen Feldern ein schlichtes, wunderbares Brot gebacken. &bdquo;Ich setze mich daf&uuml;r ein. Bei mir bleibt der Backofen hei&szlig;, auch wenn es jetzt sehr teuer wird. Und es wird keine Abstriche in Sachen Qualit&auml;t geben. Ich will sehr daran glauben, dass diese ganze Krise eine gro&szlig;e Welle ist, die &uuml;ber uns rauscht. Aber jede Welle ist ja mal vorbei.&ldquo;    <\/p><p>Titelbild: Rico Wagner &ndash; (C) Frank Blenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Volk aufs Maul schauen (und danach handeln) &ndash; das m&uuml;sste Pflichtaufgabe aller Entscheidungstr&auml;ger sein. Gerade aber beweisen die, die viel Macht haben und Entscheidungen treffen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, das Gegenteil, finden Menschen aus dem Volk, die, die den Laden im Land tats&auml;chlich am Laufen halten. 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