{"id":86359,"date":"2022-07-28T13:30:23","date_gmt":"2022-07-28T11:30:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86359"},"modified":"2022-07-28T16:46:15","modified_gmt":"2022-07-28T14:46:15","slug":"das-getreide-und-der-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86359","title":{"rendered":"Das Getreide und der Krieg"},"content":{"rendered":"<p>`Ukrainische Medien&acute;, so erkl&auml;ren uns `unsere&acute; Medien seit einigen Wochen, berichten, dass die russische Artillerie <em>gezielt erntereife ukrainische Getreidefelder beschie&szlig;e<\/em> und in Brand stecke. So schrieb etwa die FAZ am 15. Juli, dass aus den besetzten Gebieten (gem&auml;&szlig; den ukrainischen Medien) im gro&szlig;en Stil Getreide abtransportiert werde. Dortige Landwirte berichteten, dass sie ihr Getreide kostenlos an die Besatzer abgeben m&uuml;ssten. Wie die etablierten Medien hierzulande mit den Behauptungen aus Kiew umgehen, kann man schon im n&auml;chsten Satz des Artikels lesen: `Zwischen der Ukraine und der T&uuml;rkei ist es wegen des von Russland gestohlenen Getreides &hellip; zu Verstimmungen gekommen.&acute; Aus Behauptungen und Unterstellungen werden Tatsachen. Verschwiegen wird dabei, dass die ukrainischen Medien seit M&auml;rz per Dekret der Kontrolle des Innenministeriums unterstellt wurden. In der gegenw&auml;rtigen Auseinandersetzung wird bewusst oder unterschwellig auf das Vernichtungsticket Bezug genommen, das die ukrainischen Nationalisten seit 100 Jahren hochhalten und demgem&auml;&szlig; die Sowjetunion oder Russland <em>die Ukrainer versklaven oder vernichten wolle. <\/em>Auch die deutsche Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock klinkt sich in dieses Ticket mit ein, indem sie auf fanatische Weise sagt, Russland setze den Hunger als Kriegswaffe ein. Das ist demagogisch; denn sie wei&szlig; es besser. Ein Gastartikel von <strong>Stefan Schmitt<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4713\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86359-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86359-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220728_Das_Getreide_und_der_Krieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Russland und die Ukraine spielen zusammen eine wichtige globale Rolle im Anbau von Getreide. Die H&auml;lfte der weltweiten Produktion von Sonnenblumenkernen (aus denen Sonnenblumen&ouml;l hergestellt wird) findet in den beiden L&auml;ndern statt. Was den <em>Export <\/em>betrifft, so ist Russland weltweit der zweitgr&ouml;&szlig;te Exporteur von Weizen; <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/3\/cb9013en\/cb9013en.pdf\">im Jahr 2021<\/a> wurden knapp 33 Millionen Tonnen exportiert. Die Ukraine ist der sechstgr&ouml;&szlig;te Exporteur, sie exportierte im gleichen Jahr 20 Millionen Tonnen. Beide L&auml;nder zusammen liefern 25 Prozent der weltweiten Weizenexporte. Fallen sie aus, droht auf unserem Planeten eine Hungersnot. Eine ebenfalls wichtige Rolle spielen beide L&auml;nder bei den weltweiten Verschiffungen von Mais, Gerste und Rapssamen. 72 Prozent des globalen Handels an Sonnenblumen&ouml;l kommt aus den beiden L&auml;ndern.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Die erhebliche Reduktion dieser Handelsstr&ouml;me hat zu einer weltweiten Lebensmittelkrise gef&uuml;hrt. Woran genau liegt das?<\/p><p>Die g&auml;ngige Antwort lautet: `Der Krieg in der Ukraine hat die Getreidelieferungen unterbrochen.&acute; Doch das ist nicht richtig bzw. irref&uuml;hrend. Denn <em>der Krieg<\/em> ist kein Subjekt. Woher kommt also der Lieferstopp? Was schreibt die FAZ? In dem zitierten Artikel hei&szlig;t es: `Das Fehlen des ukrainischen Getreides auf dem Weltmarkt hat ma&szlig;geblich zur Versch&auml;rfung der Lebensmittelkrise in der Welt beigetragen.&acute; Das ist grob falsch und tendenzi&ouml;s. Denn es ist nicht nur ukrainisches Getreide, sondern auch das russische Getreide, das auf dem Weltmarkt fehlt. Beides zusammen f&uuml;hrt zur Krise. Die FAZ ist, wie die New York Times oder der Spiegel, im gegenw&auml;rtigen Konflikt Kriegspartei. Sie f&uuml;hrt diesen Krieg mit ihren Mitteln, n&auml;mlich den Mitteln der Sprache. Indem die Krise auf das eingeschlossene und nicht lieferbare ukrainische Getreide reduziert wird, unterstreicht sie implizit den Ruf, diese eingeschlossene Ukraine durch noch mehr Waffen freizumachen, so dass dann das Getreide wieder verschifft werden kann. Doch warum und durch was ist das Getreide eingeschlossen? `Die noch von der Ukraine beherrschten H&auml;fen, darunter der gr&ouml;&szlig;te in Odessa, sind aufgrund des russischen Angriffs seit Ende Februar blockiert.&acute; Dies suggeriert, dass die russischen Kriegsschiffe im Schwarzen Meer den Handel &uuml;ber die ukrainischen H&auml;fen unm&ouml;glich machen. Das mag auch stimmen.<\/p><p>Doch der substanzielle und physikalische Grund, warum die H&auml;fen blockiert sind, ist ein anderer. Die ukrainische Armee hat n&auml;mlich schon vor und mit Beginn des Krieges alle Schwarzmeerh&auml;fen gr&uuml;ndlich vermint und damit unbenutzbar gemacht. Dies ist der materielle Grund, warum ein Handel &uuml;ber die ukrainischen Seeh&auml;fen nicht stattfinden kann. Zu der k&uuml;rzlich in Istanbul zwischen Russland, der Ukraine, der T&uuml;rkei und den Vereinten Nationen getroffenen Vereinbarung &uuml;ber die Schaffung eines Handelskorridors aus den ukrainischen H&auml;fen und der Erm&ouml;glichung des Exports von <em>ukrainischen und russischen <\/em>Nahrungsmitteln hei&szlig;t es in der FAZ versch&auml;mt: `Ein Teil der Minen vor der ukrainischen K&uuml;ste soll daf&uuml;r beseitigt werden.&acute; Es wird aber nicht gesagt, wer die Minen verlegt hat. Schon Anfang Juni hatte der russische Au&szlig;enminister Lawrow in Ankara erkl&auml;rt, dass eine Beseitigung der Minen f&uuml;r Getreideexporte unter der Vermittlung der UN durch die russische Marine nicht f&uuml;r Landungsversuche ausgenutzt werden w&uuml;rde.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Doch die Sachwalter in Kiew haben eine L&ouml;sung der Angelegenheit weiter verschleppt und damit die Nahrungsmittelkrise versch&auml;rft.<\/p><p>Wodurch genau kommt sie zustande? Die direkten Auswirkungen des Krieges auf die landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine sind nach Einsch&auml;tzung der <em>Food and Agriculture Organization <\/em>(FAO) der Vereinten Nationen eher begrenzt. M&ouml;glicherweise wird ein geringerer Teil der diesj&auml;hrigen Ernte nicht eingefahren werden k&ouml;nnen wegen Treibstoffmangels. Einige &Ouml;lm&uuml;hlen haben ihren Betrieb in den ersten Monaten des Krieges ausgesetzt. Auch kommt es teilweise zu Lieferengp&auml;ssen bei Hilfsprodukten. Der Hauptgrund f&uuml;r den unterbrochenen Export sind die aus den genannten Gr&uuml;nden `blockierten&acute; H&auml;fen. Die <em>russischen<\/em> Exporte sind aus einem ganz anderen Grund `blockiert&acute;. Denn die russischen Seeh&auml;fen sind intakt. Doch aufgrund der umfassenden Wirtschafts- und Finanzsanktionen ist der Export des russischen Getreides sehr erschwert. Die westlichen L&auml;nder haben ihn nicht nur f&uuml;r sich selbst unterbrochen. Sie setzen auch die L&auml;nder der drei Kontinente im S&uuml;den massiv unter Druck, mit Russland keinen Handel mehr zu treiben. Russland ist nicht nur mit der Ukraine zusammen ein wichtiger Getreidelieferant f&uuml;r die L&auml;nder des S&uuml;dens. Es ist auch ein f&uuml;hrender Exporteur von D&uuml;ngemitteln. Die russische F&ouml;deration ist der weltgr&ouml;&szlig;te Exporteur von Stickstoffd&uuml;nger (N-Fertilizer), der zweitgr&ouml;&szlig;te Lieferer von Pottasche (Kaliumd&uuml;nger; K-Fertilizer) und der drittgr&ouml;&szlig;te Exporteur von Phosphord&uuml;nger (P-Fertilizer). Viele L&auml;nder des globalen S&uuml;dens sind in ihren Getreide- und D&uuml;ngemitteleinfuhren sehr stark von den beiden L&auml;ndern am Schwarzen Meer abh&auml;ngig; vor allem L&auml;nder mit niedrigem Einkommen oder die &ouml;konomisch am wenigsten entwickelten L&auml;nder. Von ihnen verlangen Baerbock, Biden und Habeck, dass sie bitte auf die russischen Produkte verzichten sollen. Zugleich sind das oftmals L&auml;nder, deren Gesamtwirtschaft einseitig auf dem Export von landwirtschaftlich erzeugten Genussmitteln f&uuml;r den globalen Norden beruht. Diese Produktion &ndash; und damit das Sozialprodukt der L&auml;nder &ndash; droht mit dem Verlust des D&uuml;ngemittels bzw. dessen enormer Preissteigerung, einzubrechen &ndash; zus&auml;tzlich zur Verknappung von Lebensmitteln.<\/p><p>Formal waren zwar Lebensmittel von den Sanktionen ausgenommen. Doch deren Erfinder wussten nat&uuml;rlich, dass dies nur eine Formalie war: Da aufgrund der Finanzsanktionen Getreidelieferungen nicht mehr bezahlt und aufgrund der Transportrestriktionen gegen Reeder auch nicht transportiert werden k&ouml;nnen, k&ouml;nnen sie real auch nicht mehr stattfinden. Zu den k&uuml;rzlich in Istanbul erreichten Vereinbarungen geh&ouml;rt es daher, diese Lieferungen faktisch wieder m&ouml;glich zu machen. Die verschiedenen Bereiche des Lebens, der Welt und auch des Welthandels sind miteinander verwoben. Die Sanktionen gegen russisches Gas und &Ouml;l f&uuml;hren zu einer Verknappung und zu einer drastischen Erh&ouml;hung der Energiepreise. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft vieler L&auml;nder. Denn Agrikultur ist ein energieintensiver Wirtschaftsbereich. Indem Gas eine Hauptquelle von Stickstoffd&uuml;nger ist, wird auch dieser teurer. Hinzu kommen die gestiegenen Transportkosten. Die internationalen Preisnotierungen f&uuml;r Grundnahrungsmittel haben sich seit der zweiten Jahresh&auml;lfte 2020 stetig erh&ouml;ht. Von 2020 bis 2021 stiegen die Preise von Weizen und Gerste um 30 Prozent an; Raps- und Sonnenblumen&ouml;l wurde im gleichen Zeitraum um knapp 65 Prozent teurer. Die Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Preisentwicklung, die schon vor dem Krieg in der Ukraine eingesetzt hat, wird von der FAO einerseits in einem hohen globalen Bedarf gesehen und andererseits in einer geringeren Produktion, haupts&auml;chlich wegen Wetterver&auml;nderungen.<\/p><p>Russland ist nicht nur ein gro&szlig;er Exporteur von Getreide und Energietr&auml;gern. Es ist auch ein gro&szlig;er Importeur von Pestiziden und Samen, nicht zuletzt f&uuml;r die Getreideproduktion. Ein Einbruch dieser Importe aufgrund der Sanktionen f&uuml;hrt wahrscheinlich zu einer geringeren Aussaat und zu einem geringeren Ertrag, was die Lebensmittelkrise nachhaltig aufrechterh&auml;lt. Die Konfrontationspolitik und die Sanktionen einer Handvoll Regierungen, die diese nicht nur ihren eigenen Bev&ouml;lkerungen, sondern allen L&auml;ndern aufzuzwingen versuchen, f&uuml;hrt mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass viele Millionen Menschen vor allem im globalen S&uuml;den verhungern werden.<\/p><p>Wir leben in einer interdependenten Welt. Und nun ma&szlig;t sich eine erschreckend kleine Minderheit an, wie Gott an wenigen Stellschrauben f&uuml;r die ganze Welt zu drehen und damit die globalen Wirtschaftsbeziehungen und die Lebensbedingungen eines gro&szlig;en Teils der Menschheit willk&uuml;rlich umpolen zu wollen &ndash; ohne R&uuml;cksicht darauf, was das f&uuml;r die Menschen bedeutet. Das ist verbrecherisch und verantwortungslos. Das Leiden der Menschen und der Hunger in der Welt wird tats&auml;chlich als Waffe eingesetzt &ndash; nicht von Russland, sondern von den Baerbocks, Bidens, Blinkens, Habecks, Dudas dieser Welt. Die Menschen werden als Geiseln genommen und mit dem Leiden der Menschen wird Druck aufgebaut: Seht dort die vielen Hungernden, und hier liegt das Getreide &ndash; 20 Millionen Tonnen nach den unglaubw&uuml;rdigen Angaben der Kiewer Regierung &ndash; und kann nicht wegtransportiert werden <em>wegen der russischen Aggression. <\/em>Gebt uns also Waffen und das Problem ist gel&ouml;st. In diesem Sinne &auml;u&szlig;erte Cem &Ouml;zdemir im April: Wenn man eine globale Hungerkatastrophe vermeiden wolle, sei das Mittel dazu die Ausweitung der Waffenlieferungen an die Ukraine. Den Hunger aus der Welt schaffen mit noch mehr Waffen! Es sind wahnhafte Fanatiker, die uns regieren.<\/p><p>Die Sozialwissenschaftler Noam Chomsky, Howard Zinn und Edward Said haben die Sanktionen gegen Irak, die von der britischen und US-amerikanischen Regierung mit der Behauptung, das dortige `Regime&acute; besitze Massenvernichtungswaffen, immer weiter durchgesetzt wurden, selbst als Massenvernichtungswaffen charakterisiert.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Diese Einsch&auml;tzung kann man ohne Abstriche auf die Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran und die Russische F&ouml;deration &uuml;bertragen, die ma&szlig;geblich von den gleichen Kreisen aufrechterhalten werden. Sanktionen sind barbarisch und mittelalterlich. Sie sind nicht weniger destruktiv und gewaltsam als Bomben und Raketen. Der Unterschied ist nur, dass das Leiden und der Tod, den sie hervorrufen, oftmals ein leises und ein stiller ist. Sie erscheinen ohne Feuer; keine Rauchschwaden steigen auf. Sanktionen sind keine Alternative zu milit&auml;rischen Kampfhandlungen mit Waffen; sondern ihre Erg&auml;nzung. Sie sind au&szlig;erdem, um einen Ausdruck von Seymour Hersh zu gebrauchen: <em>preparing the battlefield. <\/em>Und diejenigen, die sie ma&szlig;geblich konzipieren und am st&auml;rksten darauf pochen und sie mit Vehemenz ihren Alliierten und m&ouml;glichst der ganzen Welt aufzuzwingen suchen, n&auml;mlich die Vereinigten Staaten, sind zugleich diejenigen, die am wenigsten von ihren Auswirkungen betroffen sind. Das gilt gleicherma&szlig;en f&uuml;r die Energiepolitik und die auf diesem Feld eingef&uuml;hrten Sanktionen wie f&uuml;r den immer weiter angeheizten Krieg insgesamt. Die europ&auml;ischen Regierungen und insbesondere die deutsche Bundesregierung haben nicht die Chuzpe, eine eigenst&auml;ndige und an europ&auml;ischen oder deutschen Interessen ausgerichtete Politik zu betreiben. Sie haben ihre Au&szlig;en- und Verteidigungspolitik &ndash; und damit unweigerlich auch ihre Innen- und Sozialpolitik, die Kultur- und Energiepolitik usw. &ndash; dem gro&szlig;en Bruder und den Strategen in Washington &uuml;bertragen. Wir leben nicht in einem souver&auml;nen Land.<\/p><p>Und das angeblich gestohlene Getreide? Indem die Stimme des Gegners abgew&uuml;rgt wird und uns nicht mehr erreicht, wissen Viele nicht, was russische Offizielle zu den Anschuldigungen sagen und mit welchem Nachdruck diese zur&uuml;ckgewiesen werden, z.B. durch den <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/feature\/russian-perspective-food-crisis-203055\">Botschafter<\/a> in Washington, Anatoly Antonov. Manchen Behauptungen steht ihre Unglaubw&uuml;rdigkeit auf der Stirn geschrieben. In einer Situation, in der alle Blicke auf Russland gerichtet sind, in der es zum Hort des B&ouml;sen erkl&auml;rt wurde und in der das Land nach neuen Abnehmern f&uuml;r seine Ressourcen und Rohstoffe sucht &ndash; also nach Abnehmern, die bereit sind, sich den westlichen Sanktionen zu widersetzen &ndash; unterstellt man Russland oder der russischen Armee, dass es im Osten der Ukraine Getreide klaut. Nicht nur das; die FAZ ereifert sich damit, dass Russland auch noch mit dem Diebesgut prahle, indem `russische Propagandamedien gro&szlig; dar&uuml;ber berichtet hatten, dass seit Kriegsbeginn erstmals wieder ein Schiff mit Getreide den [russisch kontrollierten] Hafen von Berdjansk verlassen habe.&acute; Wir reden dabei von einer Menge von 150.000 Tonnen. Das ist au&szlig;erordentlich unplausibel. Genauso unplausibel wie die Behauptung aus Kiew, man habe Handygespr&auml;che von russischen Soldaten aus der Ukraine abgeh&ouml;rt. Dabei h&auml;tten die Soldaten ihre Angeh&ouml;rigen in Russland nach der Schuhgr&ouml;&szlig;e ihrer Kinder gefragt, um dann anschlie&szlig;end den ukrainischen Kindern die passenden Schuhe abzunehmen. Solche Behauptungen und Geschichten bauen darauf, dass sie niemand richtigstellen kann und dass das Publikum keinen Zugang mehr zu Gegeninformationen hat. Wer eine solche Behauptung in der Ukraine korrigiert, wandert wegen Unterst&uuml;tzung des Aggressors ins Gef&auml;ngnis. Es sind auch Behauptungen, die sich um Realit&auml;ten nicht k&uuml;mmern, beispielsweise den Umstand, dass es russischen Soldaten in der Ukraine aus Sicherheitsgr&uuml;nden nicht erlaubt ist, private Handys mit sich zu f&uuml;hren; oder auch die &ouml;konomischen Verh&auml;ltnisse in der Ukraine und in Russland. Es sind Geschichten, deren Funktion es ist, Hass zu sch&uuml;ren; und den Verkauf von Getreide aus russisch kontrollierten H&auml;fen zu unterbinden.<\/p><p>Die k&uuml;rzlich getroffene Vereinbarung zum Export des ukrainischen &ndash; und russischen &ndash; Getreides ist &auml;u&szlig;erst fragil. Mit ihr verlieren die Kiewer Sachwalter ein wichtiges Pfund. Die Vereinbarung ist auch f&uuml;r allerhand St&ouml;rungen und Provokationen anf&auml;llig. Nur eine von ihnen besteht in den veralteten ukrainischen Seeminen, die sich zum Teil inzwischen aus ihren Verankerungen gel&ouml;st haben und herrenlos durchs Schwarze Meer treiben. Im Zweifel ist in unseren Medien ja immer Russland der Schuldige. Es bleibt zu hoffen, dass die Vereinbarung und damit die Getreidetransporte langfristig umgesetzt und realisiert werden k&ouml;nnen.<\/p><p><em>Stefan Schmitt ist Psychologe, lebt in G&ouml;ttingen und ist Leser der NachDenkSeiten<\/em><\/p><p>Titelbild: Juice Flair\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <em>Food and Agriculture organization of the United Nations <\/em>(FAO), The Importance of Ukraine and the Russian Federation for global agricultural markets and the risks associated with the war in Ukraine. June 2022. <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/3\/cb9013en\/cb9013en.pdf\">fao.org\/3\/cb9013en\/cb9013en.pdf<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] `We guarantee &hellip; that when and if Ukraine agrees to demine its coast and let ships leave its ports, we will not take advantage of the situation to advance our special military operation. These are President guarantees, and we are prepared to formalize them one way or the other.&acute; <em>tass, <\/em>8.6.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <em>Noam Chomsky, Edward Said, Howard Zinn et al., <\/em>Sanctions are weapons of mass destruction, in: <em>Anthony Arnove <\/em>[Ed.], Iraq under Siege. The deadly impact of sanctions and war. Cambridge, 2000<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>`Ukrainische Medien&acute;, so erkl&auml;ren uns `unsere&acute; Medien seit einigen Wochen, berichten, dass die russische Artillerie <em>gezielt erntereife ukrainische Getreidefelder beschie&szlig;e<\/em> und in Brand stecke. So schrieb etwa die FAZ am 15. Juli, dass aus den besetzten Gebieten (gem&auml;&szlig; den ukrainischen Medien) im gro&szlig;en Stil Getreide abtransportiert werde. Dortige Landwirte berichteten, dass sie ihr Getreide kostenlos<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86359\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86361,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,37,123,183,171],"tags":[380,1542,849,259,260,1019],"class_list":["post-86359","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-globalisierung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","tag-export","tag-faz","tag-nahrungsmittel","tag-russland","tag-ukraine","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/shutterstock_1845922186.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86359"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86359\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86396,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86359\/revisions\/86396"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}