{"id":86486,"date":"2022-08-05T09:00:33","date_gmt":"2022-08-05T07:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86486"},"modified":"2022-08-08T13:34:31","modified_gmt":"2022-08-08T11:34:31","slug":"heute-vor-60-jahren-wurde-der-anc-fuehrer-nelson-mandela-mit-hilfe-der-cia-festgenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86486","title":{"rendered":"Heute vor 60 Jahren wurde der ANC-F\u00fchrer Nelson Mandela mit Hilfe der CIA festgenommen"},"content":{"rendered":"<p>Die selbsternannte &bdquo;westliche Wertegemeinschaft&ldquo; versucht immer gerne vergessen zu machen, auf welcher Seite der Geschichte sie &uuml;ber Jahrzehnte im Kampf gegen Kolonialismus und Apartheid stand und auf welcher Seite die L&auml;nder des sozialistischen Blocks. Exemplarisch daf&uuml;r steht die Festnahme von Nelson Mandela am 5. August 1962, die nur &bdquo;dank&ldquo; des US-Geheimdienstes CIA gelang. Mandelas Freilassung nach Jahrzehnten in Kerkerhaft ist wiederum zu gro&szlig;en Teilen dem Engagement Kubas im s&uuml;dlichen Afrika zu verdanken. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4268\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86486-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86486-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220805_Vor_60_Jahren_wurde_Nelson_Mandela_mit_Hilfe_der_CIA_festgenommen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Lange galt es nur als Ger&uuml;cht, bis die New York Times (NYT) es im Juni 1990, kurz nach der Freilassung des Anf&uuml;hrers des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und wohl weltweit bekanntesten Anti-Apartheid-K&auml;mpfers, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/1990\/06\/10\/world\/cia-tie-reported-in-mandela-arrest.html\">best&auml;tigte<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&Uuml;ber einen Agenten innerhalb des Afrikanischen Nationalkongresses lieferte der Geheimdienst (die CIA) den s&uuml;dafrikanischen Sicherheitsbeh&ouml;rden genaue Informationen &uuml;ber die Aktivit&auml;ten von Herrn Mandela, die es der Polizei erm&ouml;glichten, ihn zu verhaften (&hellip;).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die NYT zitiert dann einen damals involvierten CIA-Mitarbeiter mit den Worten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben Mandela an die s&uuml;dafrikanische Sicherheitsbeh&ouml;rde &uuml;bergeben. Wir haben ihnen alle Einzelheiten mitgeteilt, was er tragen w&uuml;rde, die Uhrzeit, wo er sich aufhalten w&uuml;rde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Screen1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Screen1.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Dem weiteren Bericht zufolge half der US-amerikanische Geheimdienst umfassend, bei der Festnahme Mandelas mitzuhelfen, weil man in Washington bef&uuml;rchtete, dass eine erfolgreiche Anti-Apartheids-Bewegung &bdquo;die befreundete s&uuml;dafrikanische Regierung bedrohen k&ouml;nnte&ldquo;. Eine Ausbreitung solcher Bewegungen au&szlig;erhalb der Grenzen S&uuml;dafrikas, so die Sorge von CIA-Analysten, &bdquo;w&uuml;rde die Stabilit&auml;t anderer afrikanischer Staaten gef&auml;hrden.&ldquo;<\/p><p>Halten wir fest: Der Kampf gegen Apartheid wird von den USA und ihren westlichen Verb&uuml;ndeten als &bdquo;Gefahr&ldquo; bewertet. Die Einordnung des Apartheid-Regimes in Pretoria als &bdquo;befreundet&ldquo; spricht ebenso f&uuml;r sich. Mehr als zynisch erscheint auch die Begr&uuml;ndung, eine Ausbreitung der Ideen des ANC w&uuml;rde die &bdquo;Stabilit&auml;t&ldquo; anderer afrikanischer Staaten gef&auml;hrden. Es waren genau die von den USA und ihren westlichen Verb&uuml;ndeten (zum gro&szlig;en Teil noch aktive Kolonialm&auml;chte), die alles daf&uuml;r taten, dass die Staaten im s&uuml;dlichen Afrika nach ihrer Unabh&auml;ngigkeit nicht zur Ruhe kamen, aus Sorge vor einer Ann&auml;herung an den sowjetischen Block, denn fast alle anti-kolonialen Bewegungen der Zeit hatten eine sozialistische oder kommunistische Ausrichtung. Beispielhaft sei etwa auf die Ermordung von Patrice &Eacute;mery Lumumba, den ersten Premier des unabh&auml;ngigen Kongos, unter anderem durch direkte Unterst&uuml;tzung von belgischen und US-amerikanischen Geheimdiensten, verwiesen, oder auch auf die durchgef&uuml;hrten Destabilisierungsma&szlig;nahmen nach der Unabh&auml;ngigkeitswerdung 1975 in Angola und Mosambik.<\/p><p>W&auml;hrend das Apartheidregime mit Unterst&uuml;tzung der USA und Westeuropas alles daran setzte, den ANC zu zerst&ouml;ren sowie Mandela und den ANC als &bdquo;terroristisch&ldquo; zu denunzieren, erm&ouml;glichten unter anderem die Sowjetunion, Kuba und die DDR die Ausbildung von ANC-Kadern (u.a. als &Auml;rzte, Lehrer und Ingenieure) und initiierten direkt ab 1962 eine gro&szlig;angelegte Kampagne zu seiner Freilassung. <\/p><p>Viele ANC-Publikationen, darunter auch die bekannte ANC-Zeitschrift &bdquo;Sechaba&ldquo;, wurden von 1967 bis 1990 von der DDR finanziert und ebenso dort gedruckt. Nat&uuml;rlich erfolgte diese Hilfe im Rahmen des damaligen Systemwettstreits und hatte neben der proklamierten Solidarit&auml;t mit dem Unabh&auml;ngigkeitskampf der damaligen &bdquo;Dritten Welt&ldquo; auch geo- und machtpolitische Motive. Das &auml;ndert aber nichts daran, dass die eine Seite, die sich heute gerne als Vorreiter f&uuml;r Demokratie und Menschenrechte geriert, die kolonialen Unterdr&uuml;cker sowie Aufrechterhalter eines Apartheidregimes unterst&uuml;tzte, w&auml;hrend die andere Seite, die heute als &bdquo;Unrechtsregime&ldquo; bezeichnet wird, die Gruppen unterst&uuml;tzte, die gegen diese koloniale und rassistische Unterwerfung aufbegehrten und f&uuml;r gleichberechtigte politische Teilhabe k&auml;mpften. Zumindest au&szlig;enpolitisch betrachtet, m&uuml;sste man die genannten Attribute wohl eher umgekehrt verteilen.<\/p><p>Die sich von den USA und der EU sehr unterscheidende Haltung ausnahmslos aller afrikanischen Staaten, auch S&uuml;dafrikas, in Bezug auf Russland und den aktuellen Konflikt in der Ukraine hat einen nicht zu untersch&auml;tzenden Hintergrund in dieser erw&auml;hnten Vergangenheit und Positionierung. <\/p><p><strong>Die zentrale Rolle von Kuba im Kampf gegen Apartheid und der Freilassung von Mandela<\/strong><\/p><p>Nelson Mandela hat bis zu seinem Lebensende nie vergessen, welche L&auml;nder den anti-kolonialen und Anti-Apartheids-Kampf in Afrika unterst&uuml;tzten und welche nicht. Einen besonderen und heute zumindest im Westen weitgehend vergessenen Beitrag zu dieser Befreiung von Kolonialismus und Apartheid leistete Kuba. Mandela, nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 auf den kubanischen Milit&auml;reinsatz gegen die s&uuml;dafrikanische Armee (SADF) in Angola angesprochen, antwortete:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ich war im Gef&auml;ngnis, als ich von der massiven Unterst&uuml;tzung erfuhr, die die kubanischen internationalistischen Truppen dem Volk von Angola leisteten. Wir in Afrika sind daran gew&ouml;hnt, Opfer von Nationen zu sein, die sich unserer L&auml;nder bem&auml;chtigen oder unsere Souver&auml;nit&auml;t untergraben wollen. In der der ganzen Geschichte Afrikas ist dies das erste Mal, dass ein ausl&auml;ndisches Volk aufgestanden ist, um eines unserer L&auml;nder zu verteidigen. Das kubanische Volk nimmt daher einen besonderen Platz in den Herzen der V&ouml;lker Afrikas ein. Die Niederlage der Apartheid-Armee war eine Inspiration f&uuml;r das k&auml;mpfende Volk S&uuml;dafrikas.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es ist daher auch kein Zufall, dass einer von Mandelas ersten Auslandsbesuchen nach seiner Freilassung Fidel Castro und Kuba galt. Bei seiner <a href=\"http:\/\/lanic.utexas.edu\/project\/castro\/db\/1991\/19910726-1.html\">Rede<\/a> anl&auml;sslich des kubanischen Nationalfeiertags am 26. Juli (Beginn der kubanischen Revolution mit Sturm auf die Moncada-Kaserne) <a href=\"https:\/\/thewire.in\/world\/nelson-mandela-said-viva-fidel\">erkl&auml;rte<\/a> er unter anderem, dass dem kubanischen Engagement und deren milit&auml;rischem Sieg gegen die Truppen des s&uuml;dafrikanischen Apartheidsregimes die Legalisierung des ANCs sowie seine Freilassung zu verdanken sei: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kubas Anwesenheit dort und die f&uuml;r die Schlacht von Cuito Cuanavale (Entscheidungsschlacht zwischen s&uuml;dafrikanischen Truppen und kubanisch-angolanischen) zwischen Oktober 1987 und M&auml;rz 1988) entsandten Verst&auml;rkungen haben eine historische Bedeutung. Die entscheidende Niederlage der rassistischen Armee in Cuito Cuanavale war ein Sieg f&uuml;r ganz Afrika. Dieser Sieg in Cuito Cuanavale hat es Angola erm&ouml;glicht, Frieden zu schlie&szlig;en und seine eigene Souver&auml;nit&auml;t zu erlangen. Die Niederlage der rassistischen Armee erm&ouml;glichte es dem namibischen Volk, seine Unabh&auml;ngigkeit zu erlangen. Die entscheidende Niederlage der aggressiven Apartheidkr&auml;fte zerst&ouml;rte den Mythos der Unbesiegbarkeit des wei&szlig;en Unterdr&uuml;ckers. Die Niederlage der Apartheidarmee diente als Inspiration f&uuml;r das k&auml;mpfende Volk S&uuml;dafrikas. Ohne die Niederlage von Cuito Cuanavale w&auml;ren unsere Organisationen nicht legalisiert worden. Die Niederlage der rassistischen Armee in Cuito Cuanavale hat es mir erm&ouml;glicht, heute hier bei Ihnen zu sein. Lang lebe die Kubanische Revolution, lang lebe der Genosse Fidel Castro!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Dankbarkeit S&uuml;dafrikas manifestierte sich auch w&auml;hrend den Trauerfeierlichkeiten zum Staatsbegr&auml;bnis von Nelson Mandela im Dezember 2013. Viele westliche Medienvertreter zeigten ihr Unverst&auml;ndnis, als Ra&uacute;l Castro, als einem von sechs der anwesenden 91 Staatsoberh&auml;upter, die Ehre erteilt wurde, bei der Zeremonie zu sprechen. Die Worte des Pr&auml;sidenten des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Jacob Zuma, mit denen er Ra&uacute;l Castro begr&uuml;&szlig;te, fanden keinen Eingang in die westliche Berichterstattung:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Jetzt werden wir Ihnen den Staatschef vorstellen, der von einer kleinen Insel kommt, den Vertreter einer kleinen Insel, eines Volkes, das uns befreite, das f&uuml;r uns k&auml;mpfte, das Volk von Kuba&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Den meisten anwesenden afrikanischen Staatschefs und den Millionen Afrikanern, die das Staatsbegr&auml;bnis am Fernseher verfolgten, war im Gegensatz zu westlichen Medienvertretern und Politikern bewusst, wieso ausgerechnet jener Karibikinsel diese zentrale Rolle beim Staatsbegr&auml;bnis von Nelson Mandela einger&auml;umt wurde.<\/p><p><strong>Historische R&uuml;ckschau auf Kubas Rolle in Angola und Kampf gegen die s&uuml;dafrikanische Apartheids-Armee<\/strong><\/p><p>Durch die Nelkenrevolution im April 1974 in Portugal kam es zum Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreiches, aus denen vier unabh&auml;ngige Staaten hervorgingen, deren politische F&uuml;hrungen eng mit Kuba verbunden waren. W&auml;hrend in Mosambik, Kap Verde und Guinea-Bissau der Prozess der Unabh&auml;ngigkeitswerdung relativ unproblematisch verlief, kam es in Angola zu einem B&uuml;rgerkrieg zwischen den drei Hauptguerillagruppen FNLA, UNITA und MPLA.<\/p><p>FNLA und UNITA, unterst&uuml;tzt von den USA und S&uuml;dafrika (im sp&auml;teren Verlauf auch China), k&auml;mpften gegen die als prosowjetisch geltende MPLA, die allerdings auf Grund von ideologischen Differenzen vor&uuml;bergehend keine sowjetische Milit&auml;rhilfe erhielt. Sowohl MPLA als auch die UNITA hatten jeweils eigene Regierungen ernannt. Im Juni 1975 rief Agosthino Neto, Pr&auml;sident der MPLA-Regierung, Kuba das erste Mal um Hilfe. Daraufhin schickte Kuba, welches seit Mitte der 1960er Jahre enge Kontakte zur MPLA pflegte, 230 Milit&auml;rberater. Doch die FNLA- und UNITA-Truppen, verst&auml;rkt durch Soldaten S&uuml;dafrikas, drangen immer weiter in das Gebiet der MPLA ein und ab August 1975 zeichnete sich die Niederlage der MPLA ab.<\/p><p><strong>&bdquo;Operation Carlotta&ldquo; &ndash; &Uuml;ber 30.000 kubanische Soldaten landen in Angola<\/strong><\/p><p>Die Kubaner reagierten, indem sie im September 1975 die Operation Carlotta (benannt nach der Anf&uuml;hrerin des Sklavenaufstandes von 1843, dem gr&ouml;&szlig;ten in der kubanischen Geschichte) initiierten. Tausende von kubanischen Kampftruppen wurden nachweislich ohne R&uuml;cksprache und Unterst&uuml;tzung der UdSSR nach Angola verschifft. Allerdings nahm die UdSSR ab Juni ihre Waffenlieferungen an die MPLA wieder auf. Die s&uuml;dafrikanische Armee (SDAF) startete im Oktober 1975 eine Offensive mit mehr als 10.000 Mann und gepanzerten Fahrzeugen, unterst&uuml;tzt von UNITA und FNLA, gegen die MPLA.<\/p><p>Kuba verst&auml;rkte daraufhin, diesmal unterst&uuml;tzt durch von den Sowjets bereitgestellte Il-62-Langstreckenflieger, die Truppenverlegung. Bis Mitte November waren so mehr als 20.000 kubanische Soldaten nach Angola verlegt worden. Diesen Truppen gelang es, die gemeinsame Offensive von SDAF und UNITA im S&uuml;den Angolas sowie die Offensive der FNLA und der neu in den Krieg getretenen zairischen Truppen, die kurz vor der Hauptstadt Luanda standen, zu stoppen. Durch die fortgesetzte Luftbr&uuml;cke wurde das kubanische Truppenkontingent bis Mitte Dezember auf 36.000 erh&ouml;ht, was in der Folge zur Zerschlagung der FNLA und dem R&uuml;ckzug der UNITA-Rebellen, den s&uuml;dafrikanischen und zairischen Truppen im Januar 1976 f&uuml;hrte.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Foto2.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Foto2.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: Granma (gemeinfrei)<\/small><\/p><p><strong>Kuba zwingt S&uuml;dafrika zum R&uuml;ckzug<\/strong><\/p><p>Kuba hatte somit fast im Alleingang die s&uuml;dafrikanische Armee zum R&uuml;ckzug gezwungen, die von S&uuml;dafrika und den USA unterst&uuml;tzten Guerillagruppen zur&uuml;ckgedr&auml;ngt oder ganz zerschlagen und zum anderen die MPLA, die vorher kurz vor der Niederlage stand, zur dominierenden Kraft in Angola gemacht. Zudem hatte sie die damalige Supermacht UdSSR durch ihr Engagement in eine Lage gebracht, in der die Sowjets gezwungen waren, gegen ihren anf&auml;nglichen Willen aktiv in den Angola-Krieg einzugreifen, um so einen Gesichtsverlust gegen&uuml;ber der &bdquo;Dritten Welt&ldquo; zu vermeiden.<\/p><p>Der au&szlig;enpolitische Gewinn, den Kuba aus seinem Milit&auml;reinsatz zog, war betr&auml;chtlich. Das milit&auml;rische Engagement in Angola &bdquo;transformierte Kuba von einer Regionalmacht mit gr&ouml;&szlig;eren Ambitionen zu einem vollwertigen Player auf der internationalen B&uuml;hne&ldquo;. So die Einsch&auml;tzung von Prof. Dr. H. Michael Erisman, einem der bekanntesten US-amerikanischen Politologen mit Lateinamerika-Schwerpunkt und Verfasser des Standardwerkes &bdquo;Kuba in den internationalen Beziehungen&ldquo;.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus konnte Kuba der UdSSR seinen Wert als sozialistisches F&uuml;hrungsland der Dritten Welt beweisen und somit seine autonomen Handlungsspielraum ausweiten sowie gleichzeitig zus&auml;tzliche &ouml;konomische Unterst&uuml;tzung einfordern. Diese erhielt es auch. 1976 erh&ouml;hte sich das Handelsvolumen Kubas mit der Sowjetunion um das 250-Fache.<\/p><p>Zudem erh&ouml;hte Kuba seine Reputation und Einfluss als erfolgreicher Vork&auml;mpfer der Entwicklungsl&auml;nder gegen Rassismus und US-Imperialismus sowie seiner Alliierten, in diesem Fall exemplarisch dargestellt durch den erzwungenen R&uuml;ckzug S&uuml;dafrikas. Auch die Wahl Kubas zum Vorsitz der Blockfreien Staaten im Jahr 1979 basierte vor allem auf dem milit&auml;rischen Engagement Kubas in Angola.<\/p><p>Im Gegensatz zu der Stationierung von kubanischen Truppen in Algerien und Syrien, die nach Beendigung der Kampfhandlungen zum gro&szlig;en Teil wieder abgezogen wurden, sollte die Truppenstationierung in Angola 16 Jahre anhalten. Dies war nicht von vornherein so geplant worden, aber angesichts der immer wieder erfolgten &Uuml;bergriffe von Seiten der UNITA sowie der SADF im S&uuml;den Angolas entschlossen sich die Kubaner, zur Konsolidierung der Regierung Neto l&auml;ngerfristig im Land zu bleiben. Dazu unterzeichneten die Kubaner 1977 einen Milit&auml;rvertrag mit Angola, der ihnen uneingeschr&auml;nkt alle Rechte, die zur Verteidigung notwendig sein sollten, einr&auml;umte. Angola wurde von den Kubanern zudem zum Haupttrainingzentrum f&uuml;r s&uuml;dafrikanische Befreiungsbewegungen wie der namibischen SWAPO und des ANC ausgebaut, die so unter dem Schutz und Anleitung von kubanischen Truppen trainieren konnten.<\/p><p><strong>Das &bdquo;Stalingrad S&uuml;dafrikas&ldquo; und das Ende des Apartheid-Regimes<\/strong><\/p><p>Im Oktober 1987 begannen SADF-Truppen in Zusammenarbeit mit der UNITA eine erneute Gro&szlig;offensive mit dem Ziel, doch noch die Macht in Angola zu erringen. Diese Offensive wurde in Cuito Cuanevale von einem fast reinen angolanischen MPLA-Heer zum Stehen gebracht. Nach zehn Jahren milit&auml;rischem Training unter kubanischer Anleitung waren angolanische Truppen in die Lage versetzt worden, eigenst&auml;ndig, auch ohne direkte kubanische Truppenunterst&uuml;tzung, gegen die einst als unbesiegbar geltende SADF-Armee zu bestehen. Damit hatten die Kubaner einen bedeutenden Wandel im milit&auml;rischen Gleichgewicht der s&uuml;dafrikanischen Region erreicht. <\/p><p>Dies f&uuml;hrte schlussendlich zu einer strategisch sehr nachteiligen Situation f&uuml;r S&uuml;dafrika, da auf dem Boden selbst rein angolanische MPLA-Einheiten ihnen Paroli bieten konnten, und in der Luft kubanische und angolanische MIG-23-Piloten gegen die s&uuml;dafrikanischen Mirage-III-Kampfflugzeuge die Lufthoheit erobert hatten. Aufbauend auf dieser strategischen Ausgangslage griffen die kubanischen Bodentruppen nun selbst in den Kampf ein. Aufgestockt auf inzwischen 40.000 Mann begannen die Kubaner im Fr&uuml;hjahr 1988 eine Gegenoffensive mit 400 Panzerfahrzeugen und 200 MIG-23, die sich auch auf Namibia ausweitete und in der Schlacht von Calenque ihren H&ouml;hepunkt fand. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Foto3_Angona.jpeg.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220805-Mandela-Foto3_Angona.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: Granma<\/small><\/p><p>Diese gilt als die gr&ouml;&szlig;te konventionelle Schlacht in Afrika nach dem Zweiten Weltkrieg. Im sogenannten &bdquo;Stalingrad S&uuml;dafrikas&ldquo; erlitt die s&uuml;dafrikanische Armee die gr&ouml;&szlig;ten Verluste ihrer Geschichte und zog sich daraufhin hinter die namibische Grenze zur&uuml;ck.<\/p><p>Jene zwei Schlachten von Cuito Cuanevale und Calenque gelten als definitiver Wendepunkt im s&uuml;dlichen Afrika und als Anfang vom Ende des Apartheid-Regimes. Die politischen, milit&auml;rischen sowie &ouml;konomischen Kosten wurden f&uuml;r alle Beteiligten, insbesondere aber f&uuml;r S&uuml;dafrika, zu hoch, sodass Pretoria sich im Mai 1988 gezwungen sah, Angola und Kuba Friedensverhandlungen anzubieten. <\/p><p>Aus diesen Friedensverhandlungen, so Harvard-Professor Jorge Dominguez in seinem wissenschaftlichen Standardwerk zu Kubas Au&szlig;enpolitik (To Make a World Safe for Revolution. Cuba&rsquo;s Foreign Policy) &bdquo;gingen die Kubaner als international anerkannte Vork&auml;mpfer f&uuml;r die Anliegen der Dritten Welt hervor.&ldquo; Abschlie&szlig;end betont er: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Erst durch den Einsatz der kubanischen Truppen wurde diese Ver&auml;nderung der Machtverh&auml;ltnisse in Afrika erreicht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mac Maharaj, einer der Hauptvertreter des ANC f&uuml;r den Verhandlungsprozess zur Beendigung der Apartheid und Minister unter Pr&auml;sident Nelson Mandela, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2016\/11\/30\/opinion\/fidel-castro-a-south-african-hero.html\">erkl&auml;rte<\/a> in einem Gastbeitrag f&uuml;r die New York Times anl&auml;sslich des Todes von Fidel Castro am 25. November 2016: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Einsatz Castros von Tausenden kubanischen Elitetruppen im Kampf f&uuml;r die Freiheit in Angola trug letztlich dazu bei, dass das Apartheidregime und die Befreiungskr&auml;fte unter F&uuml;hrung des ANC den &Uuml;bergang S&uuml;dafrikas von der wei&szlig;en Minderheitsregierung zur Demokratie aushandelten. Die Welt wird immer wissen, dass es einmal einen Mann namens Fidel Castro gab. Die Afrikaner werden ihn nie vergessen. Seine unersch&uuml;tterlichen antikolonialen und Anti-Apartheid-&Uuml;berzeugungen garantieren ihm einen besonderen Platz in den Herzen der S&uuml;dafrikaner.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/86cfe41b73c14790899e5621fba2b90d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die selbsternannte &bdquo;westliche Wertegemeinschaft&ldquo; versucht immer gerne vergessen zu machen, auf welcher Seite der Geschichte sie &uuml;ber Jahrzehnte im Kampf gegen Kolonialismus und Apartheid stand und auf welcher Seite die L&auml;nder des sozialistischen Blocks. Exemplarisch daf&uuml;r steht die Festnahme von Nelson Mandela am 5. August 1962, die nur &bdquo;dank&ldquo; des US-Geheimdienstes CIA gelang. Mandelas Freilassung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86486\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":86487,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,212,171,161],"tags":[3264,2580,2004,901,1792,1368,2238,1438,2700,1556],"class_list":["post-86486","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-angola","tag-apartheid","tag-castro-fidel","tag-geheimdienste","tag-kolonialismus","tag-kuba","tag-mandela-nelson","tag-suedafrika","tag-systemkonkurrenz","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/220805-Mandela-mandelacastroCover01.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86486"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86687,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86486\/revisions\/86687"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}