{"id":86503,"date":"2022-08-02T09:30:48","date_gmt":"2022-08-02T07:30:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86503"},"modified":"2022-08-02T09:40:52","modified_gmt":"2022-08-02T07:40:52","slug":"wir-muessen-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86503","title":{"rendered":"Wir m\u00fcssen reden"},"content":{"rendered":"<p>Der Sommer 2022 ist in seiner hei&szlig;en Phase, der Weizen bereits geerntet, ein paar D&ouml;rfer weiter findet ein Stock-Car-Rennen statt. H&ouml;rt sich hier bei uns an wie ein wildgewordener Hornissenschwarm, aber st&ouml;rt nicht weiter. Hornissen hat es hier viele. Und irgendwo muss der Sprit ja hin, so mutet das an. Die Welt wirkt beinah harmonisch und entspannt, m&ouml;chte man zumindest meinen. All das real existierende Ungemach und auch das, was man jetzt bereits medial herbeiredet und kommen sieht, ist noch zu weit weg, um die Menschen erstarren zu lassen. Das werden sie erst, wenn all das bisher Erwartbare und vielleicht sogar mehr im kommenden Herbst\/Winter und Fr&uuml;hjahr Realit&auml;t und f&uuml;r die Menschen konkret f&uuml;hlbar wird. Im Geldbeutel, im Kopf, im K&ouml;rper und in der Seele. Von <strong>Michael Fitz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8246\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86503-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86503-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220801_Wir_muessen_reden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>W&auml;hrenddessen spaltet sich die Gesellschaft immer weiter. Man redet &uuml;bereinander, aber nicht miteinander, egal ob auf Twitter oder YouTube. In den Leitmedien arbeitet man sich ab an einer angeblichen &bdquo;Fundamental-Opposition&ldquo;, die mit ihrer &bdquo;Systemkritik&ldquo; nichts anderes im Sinn hat, als brave B&uuml;rger zu Fanatikern zu machen, die diese unsere Demokratie zerst&ouml;ren wollen. Das Gegen&uuml;ber, die alternativen Medien sowie die zahlreichen, auch selbsternannten Propheten auf Youtube und vor allem auf Twitter, tun alles, um mit Fakten, Sensationen oder auch gut recherchiertem Aufdeckungs-Journalismus dagegenzuhalten. Diese Fakten werden dann von sogenannten Faktencheckern der Leitmedien wiederum durch den Fleischwolf gedreht und der Mehrheit quasi als nochmal, aber nun richtig Verdautes auf den Abendbrot-Tisch geknallt. Das Framing Andersdenkender wird zum Standard-Werkzeug, um unliebsame kritische Stimmen mundtot und vor allem unglaubw&uuml;rdig zu machen.<\/p><p>Das mutet tats&auml;chlich an wie ein Glaubenskrieg, der zwei sich diametral gegen&uuml;berstehende Fronten erzeugt, in deren geschlossener Blase jeweils die einen &uuml;ber die anderen reden. Die schmerzliche Erfahrung, dass Freundschaften, Familien und intakte Kollegenschaften sich aufgrund dieses Glaubenskrieges dogmatisch auseinanderdividieren, wird jeder, der mit der anderen Blase fr&uuml;her oder sp&auml;ter in Ber&uuml;hrung kommt, machen. Die Normopathie (das &uuml;bersteigerte Streben nach Konformit&auml;t), die Ideologisierung hat beide Seiten inzwischen weitgehend im Griff und das Einzige, was hier zu helfen scheint, ist, die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden schlicht und einfach zu vermeiden.<\/p><p>Was f&auml;llt einem da noch ein, wenn selbst Landesbeh&ouml;rden wie die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung und nicht nur die, finanziert mit Steuergeldern, inzwischen ganz unverhohlen Geschichtsf&auml;lschung durch Weglassen und Vereinfachen betreiben, um eine Mehrheit auf Kurs zu halten und damit den gesamten alternativen Bem&uuml;hungen, wahrhaftig, sachlich und umfassend informieren zu wollen, den Stinkefinger zeigen. Nach dem Motto: Wir erkl&auml;ren Euern Kindern und den m&uuml;ndigen B&uuml;rgern, die noch an seri&ouml;se Verlautbarungen von Amts wegen glauben m&ouml;gen, wie es wirklich ist. Die werden, so gebrieft, dann schon daf&uuml;r sorgen, dass Ihr als Querdenker und Staatsfeinde f&uuml;rderhin gecancelt werdet.<\/p><p>Da wird eine Realit&auml;t und ein Geschichtsverst&auml;ndnis hergeschnitzt, das zum augenblicklichen Selbstmordkurs der Politikgestalter gef&auml;lligst passen soll. Der zersplitterten Opposition im Land, innerhalb und au&szlig;erhalb der Parlamente, macht das verst&auml;ndlicherweise Schaum vor dem Mund. Entsprechend hart und h&auml;rter werden die Kommentare, die Anw&uuml;rfe. Wir bewegen uns in einer ideologischen Spirale, die ganz unabh&auml;ngig davon, zu welcher Seite man sich z&auml;hlt, immer aggressiver und bisweilen fanatischer zu werden scheint.<\/p><p>Wo soll das hinf&uuml;hren? B&uuml;rgerkrieg, Gewaltausbr&uuml;che, bei denen die Unvers&ouml;hnlichen auf der Stra&szlig;e aufeinander eindreschen. Vielleicht wird man in ein paar Jahrzehnten, wenn man es dann noch kann, r&uuml;ckwirkend analysieren, dass dieser Wahnsinn Methode hat. Das Prinzip hei&szlig;t &bdquo;Teile und herrsche.&ldquo; Hetze die Massen gegeneinander auf, dann sind sie mit sich selbst besch&auml;ftigt und kriegen die Durchsetzung der politischen Agenda einer Elite gar nicht wirklich mit. Und ehe wir uns versehen, stecken wir mitten in den Zw&auml;ngen einer von wem auch immer gewollten totalit&auml;ren Herrschaftswelt, in der ein Nicht-angepasst-Sein, ein Andersdenken, eine andere Meinung gegen den vorgegebenen Mainstream, a la George Orwell, nur noch in der Illegalit&auml;t m&ouml;glich sind.<\/p><p>Eine Dystopie? Vielleicht, aber wenn wir nicht aufh&ouml;ren, nur &uuml;bereinander zu reden, nur per Framing und Cancel Culture mit Andersdenkenden umzugehen und uns damit durchaus gewollten Zielen und Vorgaben willig zu unterwerfen, kann eine solche Dystopie schnell Realit&auml;t werden. W&auml;hrend wir uns im Netz gegenseitig beschimpfen und uns so immer weiter auseinanderdividieren lassen, reiben sich andere die H&auml;nde und sehen sehr genau, wie wir uns einer Welt anpassen, in der die Einengung des Meinungskorridors, aus welcher Richtung auch immer, mehr und mehr zur Selbstverst&auml;ndlichkeit wird. Vielleicht, und das gilt insbesondere f&uuml;r die Twitter-Gemeinde, sollten wir die Finger lieber von der Tastatur lassen, unseren Kopf leer machen, ausl&uuml;ften und uns gelegentlich mit den nach wie vor und tats&auml;chlich noch sch&ouml;nen Dingen um uns herum besch&auml;ftigen. Zum Beispiel in die Natur gehen, uns dadurch erden, wieder bei uns ankommen und diesen ganzen Gedankenm&uuml;ll, den wir t&auml;glich ansammeln, auch mal entsorgen.<\/p><p>Vielleicht sollten wir uns klar dar&uuml;ber werden, aus welchem Gef&uuml;hl heraus wir unsere Tiraden, unsere Schimpfkanonaden oder zynischen Herabw&uuml;rdigungen Anderer, oft im Affekt, ins Netz hacken. Wenn wir das f&uuml;hlen k&ouml;nnen, f&uuml;hlen wir m&ouml;glicherweise auch wieder Gemeinsamkeit, eine Verbindung zur uns meinungsm&auml;&szlig;ig gegen&uuml;berliegenden Seite. Der Mensch ist ein f&uuml;hlendes Wesen, ein auf Kommunikation und Gemeinschaft angewiesenes Herden-Tier, daran haben auch die zur massiven Vereinzelung f&uuml;hrende technische Entwicklung und all unsere so unverzichtbaren, modernen Spielzeuge nichts ge&auml;ndert, auch wenn manche das so sehen m&ouml;chten.<\/p><p>Es w&auml;re Zeit, sich vom digitalen Maschinen-Diktat langsam zu verabschieden und sich auf unsere ureigenen menschlichen Qualit&auml;ten und Bed&uuml;rfnisse zu besinnen. Handys auch mal ausschalten und weglegen, Fernseher aus lassen, Computer ebenso. Mit Menschen reden, Menschen f&uuml;hlen und herausfinden, wie es ihnen wirklich, abseits der Kakophonie unserer Informationswelt, geht. Zuh&ouml;ren, auch wenn man vielleicht eine andere Meinung als die eigene h&ouml;rt. Den anderen ausreden lassen und ihm seinen Standpunkt zugestehen, ihn respektieren. Das ist das Einzige, was zwischen Menschen Verbindung und eben nicht Trennung schaffen kann.<\/p><p>Hinter jeder Meinung verstecken sich &Auml;ngste, Bef&uuml;rchtungen, Vorstellungen von dem, was ist oder werden wird. Nur wenn wir andere Meinungen respektieren, k&ouml;nnen wir die Gemeinsamkeit darin zwischen uns und unserem Gegen&uuml;ber wahrnehmen und vielleicht auch mitf&uuml;hlen. Eben Mensch sein, nicht willf&auml;hriger, fanatischer und steuerbarer Roboter.<\/p><p>Titelbild: Lightspring\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sommer 2022 ist in seiner hei&szlig;en Phase, der Weizen bereits geerntet, ein paar D&ouml;rfer weiter findet ein Stock-Car-Rennen statt. H&ouml;rt sich hier bei uns an wie ein wildgewordener Hornissenschwarm, aber st&ouml;rt nicht weiter. Hornissen hat es hier viele. Und irgendwo muss der Sprit ja hin, so mutet das an. 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