{"id":86515,"date":"2022-08-02T12:44:05","date_gmt":"2022-08-02T10:44:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86515"},"modified":"2022-08-05T15:35:51","modified_gmt":"2022-08-05T13:35:51","slug":"die-welt-brennt-und-die-usa-zuendeln-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86515","title":{"rendered":"Die Welt brennt und die USA z\u00fcndeln weiter"},"content":{"rendered":"<p>In der Ukraine tobt ein Krieg, im Kosovo, im Irak und in Bergkarabach fehlt nur ein Funke, um einen Fl&auml;chenbrand zu entfachen. Anstatt diese Feuer zu l&ouml;schen, haben die USA nichts Besseres zu tun, also weiter zu z&uuml;ndeln &ndash; diesmal beim schwelenden Taiwan-Konflikt, der das Potenzial hat, sich zu einem dritten Weltkrieg zu entwickeln. Der f&uuml;r heute angek&uuml;ndigte Besuch der Sprecherin des US-Repr&auml;sentantenhauses, Nancy Pelosi, ist der bisherige H&ouml;hepunkt einer langen Serie von Provokationen, mit denen die USA China in einen milit&auml;rischen Konflikt ziehen wollen. Man kann nur hoffen, dass die Chinesen k&uuml;hlen Kopf bewahren und gleichzeitig den USA klar ihre Grenzen aufzeigen. Annalena Baerbock erkl&auml;rt den USA derweil in der &bdquo;Taiwan-Frage&ldquo; ihre volle Solidarit&auml;t und schl&auml;gt sich damit abermals auf die Seite der Kriegstreiber. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4725\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86515-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86515-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220802_Die_Welt_brennt_und_die_USA_zuendeln_weiter_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ein-China-Politik geh&ouml;rt eigentlich selbst in den USA zu den Grundpfeilern der Au&szlig;enpolitik. Die USA erkennen Taiwan nicht an und unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zur Insel, die von der Volksrepublik China als eine Art abtr&uuml;nnige Provinz gesehen wird, die zwar zum eigenen Staatsgebiet geh&ouml;rt, aber nicht unter der direkten Kontrolle Pekings steht. Geleitet wurde die US-Taiwan-Politik dabei schon immer von den egoistischen Machtinteressen der USA. Nach dem chinesischen B&uuml;rgerkrieg sahen die USA die rechtsgerichtete Ein-Parteien-Diktatur der Kuomintang auf Taiwan als den legitimen Vertreter des gesamten Chinas und verwehrten der kommunistischen Volksrepublik ihre Anerkennung. In den 1970ern wendete sich das Blatt und die USA versuchten, die Volksrepublik China als Gegenspieler zur Sowjetunion aufzubauen. Nun erkannten die USA die Volksrepublik als einzigen Vertreter Chinas an, dr&auml;ngten jedoch au&szlig;enpolitisch parallel dazu, den Status Quo einzuhalten und unterhielten inoffizielle Verbindungen zu Taiwan. Zuletzt erkannte der US-Pr&auml;sident Donald Trump &ndash; seiner antichinesischen Rhetorik zum Trotz &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-02\/us-praesident-donald-trump-china-taiwan-ein-china-politik-respektiert\">2017<\/a> die Ein-China-Politik der Volksrepublik als auch f&uuml;r die USA bindende Richtlinie an. <\/p><p>Dies &auml;nderte sich St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck mit der Amts&uuml;bernahme von Joe Biden. Biden war der erste US-Pr&auml;sident seit der Wende der US-China-Politik in den sp&auml;ten 1970ern, der zu seiner Amtseinf&uuml;hrung offiziell einen Gesandten Taiwans <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/new-guidelines-for-u-s-government-interactions-with-taiwan-counterparts\/\">empfing<\/a>. Im letzten Jahr erkl&auml;rte er dann, dass die USA Taiwan im Falle eines Angriffs Chinas <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/usa-joe-biden-china-taiwan-cnn-townhall\">milit&auml;risch beistehen w&uuml;rden<\/a> &ndash; das war &uuml;berraschend, da das offizielle Beistandsabkommen 1980 ausgelaufen ist und nie verl&auml;ngert wurde. Mit Bidens Amts&uuml;bernahme setzten sich auch die Waffenlieferungen der USA nach Taiwan <a href=\"https:\/\/www.forumarmstrade.org\/ustaiwan.html\">nahtlos fort<\/a>, die bereits unter seinen Vorg&auml;ngern Obama und Trump stets neue Rekordzahlen erreicht hatten. Zeitgleich verst&auml;rkte die US-Marine seitdem ihre Pr&auml;senz im Seegebiet vor Taiwan. Aktuell haben die USA die Tr&auml;gergruppe rund um die USS Ronald Reagan <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/military\/article\/3186803\/us-aircraft-carrier-group-heads-towards-taiwan-tension-over\">vor die Insel entsandt<\/a>, um die Reise von Nancy Pelosi abzusichern. Dies ist offenbar auch n&ouml;tig, da die USA ganz genau wissen, dass sie mit dem offiziellen Besuch der &bdquo;dritten Frau im Staate&ldquo; eine rote Linie &uuml;berschreiten. <\/p><p>Noch in der letzten Woche warnte der chinesische Staatschef Xi Jinping seinen US-Kollegen Biden eindringlich, den Pelosi-Besuch abzusagen: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/jul\/28\/xi-jinping-tells-joe-biden-not-to-play-with-fire-over-taiwan-in-two-hour-call\">&bdquo;Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um&ldquo;<\/a>, so Xi Jinping. Im Wei&szlig;en Haus stie&szlig;en die Bitten und Drohungen der Chinesen jedoch offenbar auf taube Ohren. Aktuell befindet sich die Boeing mit Pelosi an Bord <a href=\"https:\/\/www.flightradar24.com\/SPAR19\/2ce4f83f\">&uuml;ber der indonesischen Insel Borneo<\/a> &ndash; die Ankunft in Taipeh d&uuml;rfte in wenigen Stunden bevorstehen. Wie China darauf reagieren wird, ist noch offen. Dass China reagieren wird, steht jedoch fest. <\/p><p>Diese Politik der USA zeigt klare Parallelen zu anderen Konfliktherden. Auch in der Ukraine z&uuml;ndelte man so lange, bis Russland letztlich der Kragen platzte und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass dieses Vorgehen eine Art Blaupause f&uuml;r den Taiwan-Konflikt darstellt. Die <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/U.S.-Indo-Pacific-Strategy.pdf\">&bdquo;Indo-Pazifik-Strategie&ldquo;<\/a> von Joe Biden sieht eine stetige Ausweitung der US-Milit&auml;rpr&auml;senz direkt vor Chinas K&uuml;ste vor &ndash; einem Gebiet, das China als seinen Vorhof betrachtet und in dem man vitale Verteidigungsinteressen geltend macht. China hat dabei mehr als einmal klargestellt, dass jegliche Unterst&uuml;tzung der taiwanischen Separationsbestrebungen als &bdquo;rote Linie&ldquo; betrachtet wird. Mit dem Besuch Pelosis ist diese rote Linie &uuml;berschritten. Ein schwelender Konflikt wird von den USA angefacht &ndash; ohne Not, ohne Verstand, ohne R&uuml;cksichtnahme. Die m&ouml;glichen Folgen, die bis zum offenen Krieg zwischen den beiden Nuklearm&auml;chten reichen, sind potenziell verheerend. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass China seine ohnehin m&auml;chtigen &ouml;konomischen Muskeln spielen l&auml;sst &ndash; und dies in einer Zeit, in der Stagnation und Inflation weltweit die Wirtschaft belasten. <\/p><p><strong>Die Thukydides-Falle<\/strong><\/p><p>Was treibt die USA zu einem derart zerst&ouml;rerischen Verhalten? Dazu hat der ehemalige Diplomat Shi Jiangtao einen klugen Aufsatz in der in Hong Kong erscheinenden South China Morning Post <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/diplomacy\/article\/3185624\/strained-china-us-relationship-spiralling-towards-thucydides\">verfasst<\/a>. Jiangtao greift dabei auf den historischen Begriff der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thukydides-Falle\">&bdquo;Thukydides-Falle&ldquo;<\/a> zur&uuml;ck. Thukydides war ein antiker athenischer Historiker, der den Peloponnesischen Krieg vor allem auf die Furcht der stagnierenden &bdquo;Supermacht&ldquo; Sparta vor dem unweigerlich aufsteigenden Athen schob. Die stagnierende Supermacht der Gegenwart sind die USA. In einer weitestgehend regelorientierten und friedlichen Zeit mussten sie dem unweigerlich steigenden Einfluss und der steigenden Macht Chinas zuschauen. In einem friedlichen und prosperierenden Umfeld scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis China die USA ein- und dann auch &uuml;berholt. Das wollen die Falken in Washington verhindern und darum z&uuml;ndeln die USA an allen Ecken und Enden der Welt. Ob dieser Plan im Falle Taiwans aufgeht, liegt dabei im Verantwortungsbereich Chinas. Reagiert China besonnen und verlagert seine Reaktionen auf den &ouml;konomischen Bereich, bleibt der Welt erst einmal ein weiterer Krieg erspart. Es w&auml;re jedoch naiv anzunehmen, dass die USA sich damit abfinden und ihre Provokationen einstellen. <\/p><p>Europa und allen voran Deutschland sind leider mittlerweile nur noch Randfiguren in diesem globalstrategischen Konflikt einer stagnierenden und einer aufsteigenden, kommenden Supermacht. Die deutsche Au&szlig;enministerin Baerbock hat sich bereits klar mit den USA in der Taiwan-Frage <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/annalena-baerbock-verspricht-taiwan-unterstuetzung-bei-moeglichem-ueberfall-durch-china-a-bd14bf74-dddd-4eab-9c09-f7c6d4bc2c4a\">solidarisiert<\/a> und versprach Taiwan gestern die volle deutsche Unterst&uuml;tzung im Falle einer &bdquo;chinesischen Aggression&ldquo;. Anstatt auf diplomatischem Wege m&auml;&szlig;igend auf die USA einzuwirken, hat sich die Bundesregierung offenbar dazu entschlossen, den USA in blindem Kadavergehorsam &uuml;berallhin zu folgen. Das ist traurig und erb&auml;rmlich, aber auch nicht &uuml;berraschend. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86635\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Tomasz Makowski\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/a84d4e84e7224293a5a14d824bcde8bc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Ukraine tobt ein Krieg, im Kosovo, im Irak und in Bergkarabach fehlt nur ein Funke, um einen Fl&auml;chenbrand zu entfachen. Anstatt diese Feuer zu l&ouml;schen, haben die USA nichts Besseres zu tun, also weiter zu z&uuml;ndeln &ndash; diesmal beim schwelenden Taiwan-Konflikt, der das Potenzial hat, sich zu einem dritten Weltkrieg zu entwickeln. 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