{"id":86575,"date":"2022-08-04T09:00:40","date_gmt":"2022-08-04T07:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86575"},"modified":"2022-08-05T08:50:49","modified_gmt":"2022-08-05T06:50:49","slug":"ein-weiterer-sargnagel-fuer-den-sozialstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86575","title":{"rendered":"Ein weiterer Sargnagel f\u00fcr den \u201eSozialstaat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Finanzminister Christan Lindner hat sich, getreu der alten FDP-Wahlkampfparole &bdquo;Leistung muss sich lohnen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/hartz-4-buergergeld-fdp-christian-lindner-neuberechnung-buergergeld-sanktionen-heil-spd-91682635.html\">gegen eine Neuberechnung der Hartz-4-Regels&auml;tze<\/a> ausgesprochen und dabei auf den gemeinsamen Koalitionsvertrag gepocht. Im Rahmen des Umbaus zum sogenannten B&uuml;rgergeld hatte Arbeitsminister Hubertus Heil neben einigen mehr oder minder gro&szlig;en &Auml;nderungen auch eine leichte Korrektur der Berechnungsgrundlage angek&uuml;ndigt. Dass ihm nun dabei die FDP in die Parade f&auml;hrt, kommt angesichts deren neoliberaler Ausrichtung zwar nicht v&ouml;llig &uuml;berraschend, ist dennoch an sozialer Kaltschn&auml;uzigkeit kaum zu &uuml;berbieten. Ein Kommentar von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2722\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86575-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86575-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220804_Ein_weiterer_Sargnagel_fuer_den_Sozialstaat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Angesichts der teils enormen Preissteigerungen in vielen Lebensbereichen ist die Unruhe in der Bev&ouml;lkerung gro&szlig; und bei vielen steigt die Angst vor der nahen Zukunft. Massive Preissteigerungen, die &uuml;brigens schon Ende des letzten Jahres begannen und nur mit Beginn des Ukrainekrieges und den Wirtschaftssanktionen gegen Russland eine neue Stufe z&uuml;ndeten. Mein Stromversorger beispielsweise hatte zum 1. Januar 2022 den Strompreis um mehr als 13 Prozent (gewichteter Wert der Anhebungen von Grund- und Arbeitspreis) erh&ouml;ht, im April 2022 folgte eine weitere Preiserh&ouml;hung von knapp 20 Prozent. Im Juni lag die Inflation &uuml;ber alle Haushalte hinweg bei <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/pressemitteilungen-2675-einkommensschwache-haushalte-auch-im-juni-besonders-stark-belastet-42376.htm\">durchschnittlich 7,6 Prozent<\/a>, wobei gerade &auml;rmere Haushalte mit einer noch h&ouml;heren Inflationsrate belastet sind.<\/p><p><strong>Die Armut steigt und steigt<\/strong><\/p><p>Und die Armut in Deutschland steigt weiter und weiter. Der <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/fileadmin\/user_upload\/Schwerpunkte\/Armutsbericht\/doc\/broschuere_armutsbericht-2022_web.pdf\">Armutsbericht des Parit&auml;tischen Gesamtverbandes<\/a> registrierte einen Anstieg der Armutsquote innerhalb von 2 Jahren von 15,9 Prozent (2019) auf 16,6 Prozent (2021), den bisher h&ouml;chsten Wert. Das sind 13,8 Millionen Menschen. Und dies war, wohlgemerkt, der Stand 2021, also noch ganz zu Beginn der aktuell wahrzunehmenden deutlichen Preissteigerungen. Zu den &Auml;rmsten der Armen geh&ouml;ren die Empf&auml;nger von Grundsicherungsleistungen, egal ob diese nun von Arbeitslosigkeit oder Teilzeitarbeit betroffen sind, ob sie Teil eines Haushalts in Form einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft oder Rentner mit einer Armutsrente sind.<\/p><p>Sie alle treffen die Preissteigerungen mit ihrer gr&ouml;&szlig;ten Wucht. 12,7 Prozent Inflation bei Nahrungsmitteln und 38 Prozent h&ouml;here Preise f&uuml;r Energie schlagen gerade bei den &Auml;rmsten besonders heftig zu Buche. Geben diese doch aufgrund ihres geringen Einkommens einen besonders hohen Anteil davon zur Lebenssicherung aus. Steigende Kosten in diesen Bereichen verringern gezwungenerma&szlig;en die Ausgaben in anderen, weniger (&uuml;ber-)lebensnotwendigen Bereichen &ndash; sofern ihnen dies &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist. Die Leistungen des sogenannten &bdquo;Entlastungspakets&ldquo; kommen nur reduziert (Energiepreispauschale von 200 Euro f&uuml;r Erwerbslose im Gegensatz zu 300 Euro f&uuml;r Erwerbst&auml;tige, was selbst f&uuml;r Steuerzahler, die dem Spitzensteuersatz unterliegen, noch <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/ratgeber\/finanzen\/energiepauschale-wann-auszahlung-100.html\">181,80 Euro netto<\/a> ergibt) oder gar nicht (Tankrabatt aufgrund nicht vorhandener PKW zumeist unwirksam, keine Energiepreispauschale f&uuml;r Rentner) in dieser Bev&ouml;lkerungsgruppe an. Die Inflation schl&auml;gt bei ihnen besonders stark durch, w&auml;hrend die Entlastungsma&szlig;nahmen zum gro&szlig;en Teil ins Leere laufen.<\/p><p>Die von Sozialminister Hubertus Heil angek&uuml;ndigte neue Berechnung des Regelsatzes k&ouml;nnte dies f&uuml;r Grundsicherungsempf&auml;nger zumindest ansatzweise abfedern. Gibt es doch schon seit Jahr und Tag aus den unterschiedlichsten Richtungen Kritik an der Berechnung. Doch dies sind zumeist Detailfragen, die nur zu Verbesserungen kosmetischer Natur f&uuml;hren w&uuml;rden. Sie waren (und sind) deswegen sachlich nicht falsch, dennoch bleibt eine grunds&auml;tzliche Auseinandersetzung mit der Berechnungsmethode aus. Einer Berechnungsmethode, die Sozialminister Heil auch f&uuml;r das nun neue B&uuml;rgergeld zu nutzen gedenkt, sofern man dies seinen vorsichtigen Andeutungen &uuml;berhaupt zu entnehmen vermag. Zur Erl&auml;uterung der Kritik daran muss man jedoch etwas in die Tiefe gehen.<\/p><p><strong>Zum Schutz vor Armut deklariert das B&uuml;rgergeld andere Arme als Referenz<\/strong><\/p><p>Seit dem 1. Juli 1990 werden die Sozialleistungen mithilfe der sogenannten Statistikmethode berechnet. Dabei wird auf Daten der <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen\/Einkommen-Einnahmen-Ausgaben\/Methoden\/einkommens-verbrauchsstichprobe.html\">Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS)<\/a> zur&uuml;ckgegriffen, die aller f&uuml;nf Jahre durch eine Befragung von etwa 0,2 Prozent der Haushalte, in der Regel zwischen 60.000 und 75.000 Haushalten, ermittelt wird. Ausgeschlossen werden dabei jedoch Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 18.000 Euro und dar&uuml;ber. Nachdem die teilnehmenden Haushalte anhand verschiedener Quoten (u.a. Bundesland, Haushaltstyp, Haushaltsnettoeinkommen) gruppiert wurden, erfolgt die Erfassung sozio&ouml;konomischer und soziodemografischer Daten, von Informationen zu Geld- und Sachverm&ouml;gen sowie Schulden. Daran schlie&szlig;t sich die Selbsterfassung aller Einnahmen und Ausgaben durch alle teilnehmenden Haushalte f&uuml;r drei Monate an. In einem Feinaufzeichnungsheft listet ein F&uuml;nftel dieser Haushalte detailliert alle Ausgaben f&uuml;r Nahrungsmittel, Getr&auml;nke und Tabakwaren nach Mengen und Preisen f&uuml;r einen Monat auf.<\/p><p>Die EVS bildet die Grundlage f&uuml;r eine Vielzahl weiterer Statistiken, zum Beispiel den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, sowie f&uuml;r die Berechnung des sozio&ouml;konomischen Existenzminimums, bislang in Form der Grundsicherungsleistungen, zuk&uuml;nftig als sogenanntes B&uuml;rgergeld. Denn mittels der Statistikmethode werden die &auml;rmsten Haushalte aus der EVS (fr&uuml;her: die 20 Prozent &auml;rmsten Haushalte; aktuell: die 15 Prozent &auml;rmsten Haushalte) ausgew&auml;hlt und anschlie&szlig;end deren Ausgaben als Grundlage zur Ermittlung des Regelsatzes genutzt. Und exakt an dieser Stelle entsteht das grundlegende Problem des Berechnungsverfahrens. Die rechnerische Bezugnahme auf diese Referenzgruppe sichert keinesfalls, dass diese nicht schon selbst unter Armut leidet. Daran &auml;ndert auch der nachtr&auml;gliche Ausschluss von Grundsicherungs-Haushalten aus der Referenzgruppe nichts. Denn dies birgt einen Zirkelschluss in sich. Je niedriger anf&auml;nglich die H&ouml;he des Regelsatzbetrages gew&auml;hlt wurde, umso niedrigere Einkommensbetr&auml;ge flie&szlig;en in die anschlie&szlig;ende Berechnung mit ein. Wird der anf&auml;ngliche Betrag hingegen h&ouml;her angesetzt, wird ein Teil der Einkommen, n&auml;mlich die darunter liegenden, die &auml;rmsten, bei der Berechnung ausgeschlossen und nur die etwas h&ouml;heren Einkommen finden Eingang in die Referenzgruppe.<\/p><p><em>Detailliertere Erl&auml;uterungen zu den verschiedenen Berechnungsmethoden und weiterer Grundlagen sowie eine Berechnung des Existenzminimums f&uuml;r 2015 anhand eines Warenkorbmodells, mit welchem statt des damals g&uuml;ltigen Regelsatzes von 399 Euro ein notwendiger Betrag von rund 734 Euro ermittelt wurde, k&ouml;nnen Sie in der Studie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/Studie_Was_der_Mensch_braucht_2015.pdf\">&bdquo;Was der Mensch braucht &ndash; 2015&ldquo;<\/a> nachlesen.<\/em><\/p><p><strong>Methode zur Perpetuierung von Armut<\/strong><\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich also feststellen, dass die aktuelle Berechnungsmethode, die Statistikmethode, prinzipiell nicht zur Berechnung von Sozialleistungen geeignet ist. Sozialleistungen m&uuml;ssen das Existenzminimum sch&uuml;tzen, welches nach Feststellung durch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 9. Februar 2010 sowohl das physische Existenzminimum wie auch ein Mindestma&szlig; an kultureller und sozialer Teilhabe sicherstellen muss. Diese Bedingung kann, wie zuvor ausgef&uuml;hrt, schon theoretisch als nicht gesichert angesehen werden, in der gesellschaftlichen Praxis wird diese Annahme seit vielen Jahren best&auml;tigt.<\/p><p>Gegen eine Vielzahl von Details der Statistikmethode lie&szlig;en sich Widerspr&uuml;che formulieren. So z.B. gegen die ge&uuml;bte Praxis, nachtr&auml;glich einzelne Positionen aus den Ausgaben der ohnehin schon armen Referenzgruppe, die diese im Rahmen ihrer sozialen Teilhabe t&auml;tigen, als angeblich &bdquo;nicht regelsatzrelevant&ldquo; ganz herauszustreichen oder in billige Alternativen umzuwidmen. Eine weitere Frage wurde hingegen noch nirgends formuliert: Wie zuverl&auml;ssig und realit&auml;tsbezogen sind eigentlich die Daten aus der EVS? Ich m&ouml;chte an dieser Stelle gar nicht die Daten der EVS an sich in Zweifel ziehen. Doch es gibt Ansatzpunkte, die die Plausibilit&auml;t der Daten punktuell fragw&uuml;rdig erscheinen lassen.<\/p><p>Hierzu ein Beispiel. Die Anzahl der Lebensmitteltafeln und deren Kunden steigt seit Jahren ungebremst. Mittlerweile versorgen sich <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/sprunghafter-anstieg-zwei-millionen-menschen-nutzen-die-tafel-li.246670\">&uuml;ber 2 Millionen Menschen in Deutschland<\/a> &uuml;ber die bundesweit 962 Tafeln zumindest teilweise mit Lebensmitteln. Hierbei ist es nicht zwingend, dass jeder dieser Tafelnutzer Bezieher von Sozialleistungen ist, welcher also bei der Berechnung der Grundsicherung mittels der Statistikmethode ausgeschlossen w&uuml;rde. W&uuml;rde nun eine solche Person als Teilnehmer der EVS ausgew&auml;hlt werden, so w&uuml;rde er\/sie &ndash; ohne sich einer L&uuml;ge oder Unwahrheit schuldig zu machen &ndash; nat&uuml;rlich weniger Ausgaben f&uuml;r Lebensmittel bei der Befragung angeben, da er\/sie Teile seines Lebensmittelbedarfs ja bei der Tafel gedeckt hat. Der Teilnehmer h&auml;tte nicht gelogen und auch das Statistische Bundesamt h&auml;tte sich exakt an seine Vorgaben gehalten. Dennoch w&uuml;rden die Angaben zu den Ausgaben f&uuml;r Lebensmittel nicht der Realit&auml;t entsprechen. Und dies nur als ein Beispiel von mehreren, dass es auch noch innerhalb der Logik der Statistikmethode zu mehreren realit&auml;tsverzerrenden Br&uuml;chen kommt.<\/p><p>Ein entscheidender Kritikpunkt an der Statistikmethode ist, dass sich aus seiner (Schein-)Logik Folgendes ergibt: Jeder (f&uuml;r die Berechnung relevante) Bedarf basiert auf einer anhand der EVS gemessenen Ausgabe der Referenzgruppe. Daraus folgt: keine Ausgabe &ndash; kein Bedarf. Dies l&auml;sst allerdings die zuvor beschriebene M&ouml;glichkeit au&szlig;er Acht, dass von einzelnen (oder auch einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl von) Personen kostenfreie oder mit geringeren als markt&uuml;blichen Kosten versehene, zum Grundbedarf notwendige Produkte oder Leistungen erworben werden k&ouml;nnen, sprich: dem Bedarf keine oder eine un&uuml;bliche, erheblich unterdurchschnittliche Ausgabe gegen&uuml;bersteht.<\/p><p>Gleichfalls bleibt bei der Statistikmethode unbeachtet, dass gerade innerhalb der armen Referenzgruppe &ndash; aufgrund ihres zu geringen Einkommens &ndash; h&auml;ufig diverse Ausgaben erst gar nicht erfolgen (k&ouml;nnen), obschon sie zweifelsfrei einem &bdquo;Mindestma&szlig; an kultureller und sozialer Teilhabe&ldquo; zuzuordnen sind. Mag dies nun ein Geburtstagsgeschenk f&uuml;r Angeh&ouml;rige, gelegentliche Treffen mit Freunden in der Gastronomie oder Besuche in kulturellen Einrichtungen, eine Bewirtung von Freunden zuhause oder ganz einfach auch mal <a href=\"https:\/\/taz.de\/Armut-und-Inflation\/!5859671\/\">nur ein Eis auf die Hand<\/a> darstellen. Wer das Geld f&uuml;r die allernotwendigsten Dinge ben&ouml;tigt, der kann sich nichts davon mehr leisten. Und da die Referenzgruppe solcherart Ausgaben nicht t&auml;tigen kann, finden sich diese auch nicht in der EVS-Statistik wieder, was sich aufgrund der Logik der Statistikmethode anschlie&szlig;end als &bdquo;kein Bedarf&ldquo; in der Berechnung niederschl&auml;gt.<\/p><p><strong>B&uuml;rgergeld statt Hartz 4: Aus Raider wird jetzt Twix<\/strong><\/p><p>Doch genau diese Berechnungsmethode will nun offensichtlich Sozialminister Hubertus Heil auch weiterhin, mit kleinen Korrekturen, zur Grundlage des B&uuml;rgergelds nehmen. Auch seine vorsichtigen Hinweise, die Referenzgruppe von aktuell den 15 Prozent der &auml;rmsten Haushalte auf einen h&ouml;heren Prozentsatz zu erweitern, &auml;ndern daran nur wenig. Denn abgesehen von allen bisher schon aufgef&uuml;hrten Kritikpunkten muss darauf verwiesen werden, dass durch die <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/fileadmin\/user_upload\/Schwerpunkte\/Armutsbericht\/doc\/broschuere_armutsbericht-2022_web.pdf\">noch einmal weiter zugenommene Armut<\/a>, die soeben erst wieder durch den Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverband festgestellt wurde, sich durch eine leichte Erweiterung der Referenzgruppe kaum etwas &auml;ndern w&uuml;rde. Die Referenzgruppe w&uuml;rde voraussichtlich nur um einen Bev&ouml;lkerungsteil vergr&ouml;&szlig;ert, der inzwischen selbst unter Armut leidet. Und aus der Armut einer Referenzgruppe lassen sich mit der derzeitigen Berechnungsmethode auch nur Armutsleistungen f&uuml;r die Betroffenen berechnen. Damit steht diese Art der Berechnung einer zunehmenden Pauperisierung der Gesellschaft, einer Verelendung gro&szlig;er Bev&ouml;lkerungsteile, Pate.<\/p><p>Dass nun Christian Lindner Heils Korrekturminimalismus gei&szlig;elt, weil es ja <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/hartz-4-buergergeld-fdp-christian-lindner-neuberechnung-buergergeld-sanktionen-heil-spd-91682635.html\">&bdquo;ein bew&auml;hrtes Verfahren&ldquo;<\/a> g&auml;be, l&auml;sst sich nur noch mit v&ouml;lliger Ahnungslosigkeit in Bezug auf dieses Thema oder mit Kaltschn&auml;uzigkeit begr&uuml;nden. Ein Verfahren, welches einer zunehmenden Verarmung immer gr&ouml;&szlig;erer Bev&ouml;lkerungsteile Vorschub leistet, darf wohl kaum als &bdquo;bew&auml;hrt&ldquo; im Sinne des Grundgesetzes gelten. Die Indikatoren f&uuml;r diese Verarmung lie&szlig;en sich zuhauf finden, wenn man sie nur finden w&ouml;llte.<\/p><p>So bleibt zu guter Letzt der Punkt bestehen, dass Hubertus Heils Reformbestrebungen v&ouml;llig unzureichend sind. Sie werden in dieser Form kaum etwas an der ausufernden Armut in Deutschland &auml;ndern. Und f&uuml;r die augenblickliche Situation der &Auml;rmsten bieten sie ohnehin keine Hilfe. Die Inflation galoppiert und die Armen, die schon zuvor zu Ende jedes Monats nicht mehr wussten, wie sie das Notwendigste bezahlen sollten, sind nun einen Schritt weiter: Sie wissen es schon Mitte des Monats nicht mehr.<\/p><p>Titelbild: Alexandra Lande\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finanzminister Christan Lindner hat sich, getreu der alten FDP-Wahlkampfparole &bdquo;Leistung muss sich lohnen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/hartz-4-buergergeld-fdp-christian-lindner-neuberechnung-buergergeld-sanktionen-heil-spd-91682635.html\">gegen eine Neuberechnung der Hartz-4-Regels&auml;tze<\/a> ausgesprochen und dabei auf den gemeinsamen Koalitionsvertrag gepocht. Im Rahmen des Umbaus zum sogenannten B&uuml;rgergeld hatte Arbeitsminister Hubertus Heil neben einigen mehr oder minder gro&szlig;en &Auml;nderungen auch eine leichte Korrektur der Berechnungsgrundlage angek&uuml;ndigt. Dass ihm nun<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86575\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86576,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,140,145,132],"tags":[881,1862,308,1253,365,675,214],"class_list":["post-86575","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-armut","tag-buergergeld","tag-existenzminimum","tag-heil-hubertus","tag-inflation","tag-lindner-christian","tag-regelsatz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/shutterstock_602015588.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86575"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86601,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86575\/revisions\/86601"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86576"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}