{"id":86588,"date":"2022-08-04T11:24:04","date_gmt":"2022-08-04T09:24:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86588"},"modified":"2022-08-04T12:04:06","modified_gmt":"2022-08-04T10:04:06","slug":"so-verschieben-sich-die-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86588","title":{"rendered":"So verschieben sich die Perspektiven"},"content":{"rendered":"<p>Der Blick aus der EU in den Nahen und Mittleren Osten und der Blick aus dem Nahen und Mittleren Osten in die EU: Sie er&ouml;ffnen sehr unterschiedliche Perspektiven. Verschieden ist auch, wer auf die jeweils andere Region blickt. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel ist zuerst <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/so-verschieben-sich-die-perspektiven\/\">auf &bdquo;Global Bridge&ldquo; erschienen<\/a>, wir danken f&uuml;r die freundliche Erlaubnis der &Uuml;bernahme.<\/em><\/p><p>Die Perspektiven der EU-Institutionen und der reichen europ&auml;ischen Regierungen sind geleitet von geostrategischen und &ouml;konomischen Interessen. Auch wenn das mit sch&ouml;nen Worten und edlen Absichten verkleidet wird, geht es um Machtpolitik. Begriffe wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, Wohlstand, Sicherheit und Partnerschaft versprachen vor 20 Jahren den Ziell&auml;ndern eine gute Zukunft, wenn sie mit der EU kooperierten.&nbsp;<\/p><p>Dialog und Partnerschaftsabkommen waren Teil des neuen au&szlig;enpolitischen Konzepts der EU-Nachbarschaftspolitik, die 2004 verk&uuml;ndet wurde. Es erg&auml;nzte strategisch das US-Konzept eines &bdquo;Gr&ouml;&szlig;eren Mittleren Ostens&ldquo;, mit dem eine Region von Afghanistan &uuml;ber die Arabische Welt bis Nordafrika als <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:GreaterMiddleEast2.png#\/media\/File:GreaterMiddleEast2.png\">Interessens- und Einfluss-Sph&auml;re<\/a> f&uuml;r den von den USA gef&uuml;hrten Westen, EU und NATO markiert wurde.<\/p><p>Die Ziell&auml;nder der <a href=\"https:\/\/crp-infotec.de\/eu-nachbarschaftspolitik-enp\/\">EU-Nachbarschaftspolitik<\/a> umfassten im Nordosten Belarus, Ukraine, Moldau, im Osten Georgien, Aserbeidschan und Armenien, im S&uuml;dosten Syrien, Libanon, Jordanien, Israel, Pal&auml;stina und im S&uuml;den &Auml;gypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. Innerhalb des Gebietes lagen das Schwarze Meer, das Asowsche Meer, das Kaspische Meer, der n&ouml;rdliche Suez-Kanal und das gesamte Mittelmeer einschlie&szlig;lich der Stra&szlig;e von Gibraltar.<\/p><p>Heute ist klar, dass es Br&uuml;ssel mit seiner &bdquo;Nachbarschaftspolitik&ldquo; im engen Kontakt mit Washington und der NATO um die geostrategische Ausweitung nach Osten und S&uuml;dosten geht. Ziel ist die Eind&auml;mmung von Russland, das sich nach der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion und des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses Warschauer Pakt wirtschaftlich, milit&auml;risch und politisch wieder stabilisiert hat.<\/p><p>Der US-gef&uuml;hrte westliche Block will Russland zur&uuml;ckdr&auml;ngen und hat das Land mit der Osterweiterung von EU und NATO und mit US-Milit&auml;rbasen in Asien und im Nahen und Mittleren Osten geradezu umzingelt. Begleitet wurde das westliche Vorgehen von einer Dialogverweigerung &uuml;ber die russischen Sicherheitsinteressen. Das aufgebaute Konfliktpotential entlud sich mit dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine.<\/p><p>USA, EU und NATO waren darauf vorbereitet. Alle Kontakte &ndash; politisch, wirtschaftlich, diplomatisch, humanit&auml;r, wissenschaftlich, kulturell &ndash; zu Russland wurden abgebrochen und eine Kaskade von Sanktionen wurde gegen das Land verh&auml;ngt. Jahrzehntelang haben Gaslieferungen aus Russland den Wohlstand der EU zuverl&auml;ssig aufgebaut, doch nun soll diese &bdquo;Abh&auml;ngigkeit von russischen Gaslieferungen&ldquo; gestoppt werden und die EU sucht nach Alternativen. Was also liegt n&auml;her, als sich an die &bdquo;Nachbarn&ldquo; zu wenden?<\/p><p><strong>EU-Nachbarschaftspolitik &ndash; Traum und Wirklichkeit<\/strong><\/p><p>Die urspr&uuml;nglichen &bdquo;Ziell&auml;nder&ldquo; der EU-Nachbarschaftspolitik im Nahen und Mittleren Osten versprachen sich vor 20 Jahren vermutlich wirklich Fortschritt und die L&ouml;sung so mancher Probleme. Syrien machte seine Tore weit auf f&uuml;r Hunderte ausl&auml;ndischer Organisationen, der Libanon sch&ouml;pfte Hoffnung, zumal sich fast zeitgleich die israelischen Besatzungstruppen nach mehr als 20 Jahren Widerstand &uuml;ber Nacht davongestohlen hatten. Jordanien und die Pal&auml;stinenser hofften auf Vermittlung mit Israel. Israel baute eine Mauer.&nbsp;<\/p><p>EU-Assoziierungsabkommen wurden verhandelt. Bilaterale Programme mit europ&auml;ischen L&auml;ndern wurden aufgelegt, von denen vor allem die Jugend profitierte. Wirtschaftliche Kontakte wurden gekn&uuml;pft und vertieft. Man war sogar bereit, bei dem von Frankreich favorisierten Mittelmeerdialog am gleichen Tisch Platz zu nehmen wie Israel. Dieser stets &bdquo;unfreundliche Nachbar&ldquo; hatte das Land seiner Nachbarn gestohlen, die Menschen von dort vertrieben und v&ouml;lkerrechtswidrig Milit&auml;rbasen und Siedlungen gebaut. Israel blockierte die wirtschaftliche Entwicklung seiner Nachbarn durch seine Besatzungspolitik und Drohungen. Doch dieser &bdquo;unfreundliche Nachbar&ldquo; war ein guter Freund von USA und EU, die stets zu ihm standen. USA, Frankreich, Gro&szlig;britannien und das reiche Deutschland bewaffneten Israel Jahr f&uuml;r Jahr bis an die Z&auml;hne &ndash; und das schon seit Jahrzehnten. Vielleicht konnten sie Israel dazu bringen, die Rechte seiner arabischen Nachbarn zu respektieren? Vielleicht konnten sie helfen, die Konflikte mit diesem &bdquo;unfreundlichen Nachbarn&ldquo; zu l&ouml;sen?&nbsp;<\/p><p>Es kam nicht dazu. Der Mittelmeerdialog wurde eingestellt, die EU-Nachbarschaftspolitik entwickelte ein b&uuml;rokratisches Monster, das die potentiellen Partnerl&auml;nder mit immer neuen Forderungen konfrontierte. So sollte Syrien beispielsweise innenpolitisch umfangreiche Reformen in Justiz und Politik entsprechend EU-Standards durchsetzen. Damaskus sollte zudem seine Partnerschaft mit dem Iran einstellen, mit Israel einen Friedensvertrag abschlie&szlig;en und die israelisch besetzten Golan-H&ouml;hen vergessen. Syrien und Libanon &ndash; die zusammen seit 1948 rund eine Million pal&auml;stinensischer Fl&uuml;chtlinge aufgenommen hatten &ndash; sollten ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den pal&auml;stinensischen Widerstand einstellen und vieles mehr. Es regte sich Widerspruch in den L&auml;ndern, die ihre nationalen Interessen behaupten wollten. Gespr&auml;che und Verhandlungen zogen sich in die L&auml;nge.&nbsp;<\/p><p><strong>Kein Respekt, kein Frieden<\/strong><\/p><p>Niemand kann in Frieden leben, wenn ein &bdquo;unfreundlicher Nachbar&ldquo; es nicht will. Dieses gefl&uuml;gelte Wort gilt gerade im Nahen und Mittleren Osten, wo die israelische Besatzungspolitik gegen die Pal&auml;stinenser immer neue Z&uuml;ge annimmt, sich immer weiter versch&auml;rft und wohl am sch&auml;ndlichsten im Gazastreifen zu sehen ist.&nbsp;<\/p><p>Von dort hatte sich die israelische Besatzungsarmee 2005 zur&uuml;ckgezogen, verhinderte aber gleichzeitig eine Vereinigung des Gebietes mit Ostjerusalem und dem pal&auml;stinensischen Westjordanland. Bei den Wahlen 2006 zum Pal&auml;stinensischen gesetzgebenden Rat (Parlament) siegte die Hamas mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit. Internationale Wahlbeobachter, u.a. aus der EU und auch der ehemalige US-Pr&auml;sident Jimmy Carter bescheinigten den Wahlen, &bdquo;frei und fair&ldquo; gewesen zu sein, eine neue Hamas-gef&uuml;hrte Pal&auml;stinensische Autonomieregierung wurde vereidigt.&nbsp;<\/p><p>Israel verh&auml;ngte umgehend Sanktionen gegen die pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde und zus&auml;tzlich gegen die Hamas. Das Nahost-Quartett bestehend aus UNO, EU, USA und Russland, das zwischen Israel und Pal&auml;stina vermitteln sollte, forderte &ndash; mit Israel &ndash; von der neuen Hamas-gef&uuml;hrten Autonomiebeh&ouml;rde Bedingungen einzuhalten, wenn sie weiter unterst&uuml;tzt werden wollten: Sie sollten Israel anerkennen, der Gewalt abschw&ouml;ren, alle Abkommen zwischen Israel und der PA einhalten. Dazu geh&ouml;rten auch die Oslo Vertr&auml;ge.&nbsp;<\/p><p>Die Hamas lehnte das ab, Israel verh&auml;ngte Sanktionen und installierte 2007 zu Land, in der Luft und zu Wasser eine komplette Blockade gegen den Gazastreifen. Beobachter warnten, dass aus dem Gazastreifen ein &bdquo;Open Air Gef&auml;ngnis&ldquo; werden w&uuml;rde. Selbst wenn die israelische Armee &ndash; aus Gr&uuml;nden der Selbstverteidigung gegen Angriffe &ndash; den dicht bewohnten K&uuml;stenstreifen fortan bombardierte, gab und gibt es keinen Ort f&uuml;r die Menschen, wo sie sicher sein, wohin sie fliehen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Keine Sicherheit, keine Zukunft<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Pal&auml;stinenser ist der Alltag nie sicher. T&auml;glich gibt es Festnahmen und Tote, t&auml;glich gibt es Hauszerst&ouml;rungen. T&auml;glich werden sie an den zahllosen milit&auml;rischen Kontrollpunkten erniedrigt, t&auml;glich wird ihnen klargemacht, dass es f&uuml;r sie weder Bewegungsfreiheit noch Sicherheit gibt.<\/p><p>Auch j&uuml;dische Israelis haben Angst. Viele verachten und hassen die Pal&auml;stinenser. Ein Beispiel ist der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Qg9BVnEsj2s\">j&auml;hrliche &bdquo;Flaggentag&ldquo;<\/a> im Mai, wenn vorwiegend junge Israelis mit einem Meer israelischer Fahnen durch die Altstadt von Ostjerusalem laufen und fordern, dass die Pal&auml;stinenser verschwinden sollen. Die rassistischen Beleidigungen und Beschimpfungen, die sie ihnen entgegenschleudern, gipfeln in Rufen wie &bdquo;Tod den Arabern&ldquo;. Kein israelischer Politiker, kein israelischer Soldat oder Polizist schreitet ein. In europ&auml;ischen Medien wird &uuml;ber diese Provokationen kaum berichtet.<\/p><p>Auf die Frage, wie die EU-Politik die Pal&auml;stinenser unterst&uuml;tzen k&ouml;nnte, sagte eine Pal&auml;stinenserin (der Autorin im Interview): &bdquo;Die EU ist reich, aber sie kann nichts machen. Sie gibt uns Geld, damit wir etwas aufbauen k&ouml;nnen. Dann kommt die israelische Armee und zerst&ouml;rt es, und dann kommt wieder die EU, um es wieder aufzubauen.&ldquo; Der von der EU finanzierte Gaza International Airport liegt heute in Tr&uuml;mmern.<\/p><p>Fragt man Menschen in der EU, in Deutschland, was sie &uuml;ber den Nahen und Mittleren Osten wissen, geht es ganz allgemein um die vielen Fl&uuml;chtlinge, um Krisen und Kriege, um Gewalt und Islamisten. Es geht darum, dass die Pal&auml;stinenser &bdquo;Antisemiten&ldquo; seien, weil sie Israel bek&auml;mpften, und darum, dass &bdquo;die Mullahs im Iran&ldquo; den Westen bedrohten.<\/p><p>Fragt man die Menschen im Nahen und Mittleren Osten, was f&uuml;r sie Europa, die EU bedeutet, denken sie zuerst an die Zukunft, die sie und ihre Kinder in der EU haben k&ouml;nnten. Sie denken, dort sei man reich, habe Arbeit, eine gute Wohnung mit Strom und flie&szlig;end Wasser. Die Schulen seien gut, die Menschen tolerant, dort k&ouml;nne man ein gutes Leben leben. &Uuml;ber die Rolle der EU in ihren L&auml;ndern sagen sie: &bdquo;Die EU macht, was die USA ihr sagen&ldquo;. Eine eigene Politik habe die EU nicht.<\/p><p>Die Region des Nahen und Mittleren Ostens ist bis heute von Konflikten, Krisen, Kriegen, von Armut und Gewalt gepr&auml;gt. Die Zahl der Fl&uuml;chtlinge und Inlandsvertriebenen w&auml;chst. Millionen Menschen &ndash; Pal&auml;stinenser, Iraker, Syrer &ndash; leben in Lagern und sind auf Hilfspakete angewiesen. Eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes, w&uuml;rdiges Leben haben sie nicht.<\/p><p>In den urspr&uuml;nglichen &bdquo;Ziell&auml;ndern&ldquo; f&uuml;r die EU-Nachbarschaftspolitik im Nahen und Mittleren Osten hat man verstanden, dass es nicht um Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, um Wohlstand, Sicherheit und Partnerschaft geht, sondern um Interessen und Einflussnahme. Dialog und Partnerschaft stellten sich als Worth&uuml;lsen heraus. Was bleibt, ist der Griff nach den Ressourcen.<\/p><p><strong>Der Griff nach den Ressourcen<\/strong><\/p><p>Die Gasvorkommen im Mittelmeer &ndash; die seit mehr als zehn Jahren darauf warten, gef&ouml;rdert zu werden &ndash; sollen nun z&uuml;gig an die Oberfl&auml;che bef&ouml;rdert werden, um Europa zu versorgen. EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen verhandelte innerhalb von nur zwei Tagen eine Absichtserkl&auml;rung mit Israel und &Auml;gypten, um israelisches Gas, verfl&uuml;ssigt in einer &auml;gyptischen Anlage, so schnell wie m&ouml;glich nach Europa zu schicken. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck war ebenfalls in Israel, um Gas f&uuml;r Deutschland zu sichern. Ihm auf den Fersen folgte der &ouml;sterreichische Kanzler Karl Nehammer, der auch Gas aus dem Mittelmeer f&uuml;r &Ouml;sterreich sichern will. Partner dieser Initiativen ist jeweils Israel, der &bdquo;unfreundliche Nachbar&ldquo;, der von der EU und den USA unterst&uuml;tzt wird, w&auml;hrend das Land die wirtschaftliche Entwicklung anderer Staaten behindert.<\/p><p>Beispiel ist der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon um die Markierung der seeseitigen Grenze. In dem Gebiet im &ouml;stlichen Mittelmeer befinden sich wichtige Gasfelder, die von beiden L&auml;ndern beansprucht werden. Anstatt sie zu teilen beansprucht Israel den kompletten Zugang. Verhandlungen unter Leitung der USA bringen keine Ergebnisse. Internationale Unternehmen, mit denen Libanon bereits 2019 Vertr&auml;ge f&uuml;r die Erschlie&szlig;ung und F&ouml;rderung des Gases unterzeichnet hat, d&uuml;rfen nicht mit der Arbeit beginnen, solange die Grenzziehung nicht geregelt ist. Israel dagegen hat bereits Teile des umstrittenen Gasfeldes Al Karish erschlossen und will mit der F&ouml;rderung im September beginnen.&nbsp;<\/p><p>Der Generalsekret&auml;r der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, machte k&uuml;rzlich klar, dass die libanesische Regierung im Interesse des Landes die Grenze festlegen m&uuml;sse. &bdquo;Wenn Libanon kein Gas f&ouml;rdern darf, wird auch Israel kein Gas f&ouml;rdern&ldquo;, drohte Nasrallah. Der milit&auml;rische Arm der Hisbollah sei dazu bereit.&nbsp;&nbsp;Die USA und Europa br&auml;uchten &Ouml;l und Gas, das sei f&uuml;r alle L&auml;nder in der Region, die &uuml;ber diese Ressourcen verf&uuml;gten, eine Gelegenheit. Wenn Libanon endlich sein eigenes Gas f&ouml;rdern k&ouml;nne, werde es dem Land besser helfen, als jeder Kredit des Internationalen W&auml;hrungsfonds, mit dem man sich nur noch weiter verschulde.&nbsp;<\/p><p><strong>Verweigerung der Ressourcen<\/strong><\/p><p>Hintergrund ist eine massive Wirtschaftskrise im Libanon, wo es t&auml;glich oft nicht mehr als zwei Stunden Strom gibt. &Ouml;l-, Gas- und Stromlieferungen aus &Auml;gypten, Syrien und Jordanien wurden gestoppt. Die syrischen &Ouml;lressourcen im Nordosten des Landes sind von US-Soldaten besetzt, so dass Syrien nicht &uuml;ber die eigenen Ressourcen verf&uuml;gen kann. Vor dem Krieg verkaufte Syrien &Ouml;l nach Europa und hatte genug, um die Versorgung des eigenen Landes zu gew&auml;hrleisten. Die &Ouml;l- und Gasvorkommen Syriens reichten auch, um Strom in den Libanon und nach Jordanien zu liefern.<\/p><p>Eine weitere Quelle f&uuml;r Energie war die Arabische Gaspipeline, die Gas aus &Auml;gypten &uuml;ber Jordanien und Syrien in den Libanon transportierte. Sie wurde 2012 wegen anhaltender Anschl&auml;ge geschlossen. Im Sommer 2021 einigten sich Libanon, Syrien, Jordanien und &Auml;gypten zwar darauf, die Arabische Gaspipeline wieder in Betrieb zu nehmen, um den Libanon zu versorgen, doch die von den USA gegen Syrien verh&auml;ngten Sanktionen, das so genannte &bdquo;Caesar-Gesetz&ldquo;, drohen jedem Staat, jedem Unternehmen und jeder Einzelperson damit, auf die US-Sanktionsliste gesetzt zu werden, sollten sie mit Syrien Gesch&auml;fte machen. Eine Entscheidung, diese Sanktionen im Falle der Inbetriebnahme der Arabischen Gaspipeline au&szlig;er Kraft zu setzen, wird seit Monaten von den USA herausgez&ouml;gert.<\/p><p>W&auml;hrend westliche Politiker und selbst US-Pr&auml;sident Joe Biden die Region bereisen, um &Ouml;l und Gas nach Europa zu lenken, m&uuml;ssen Pal&auml;stinenser, Libanesen und Syrer weiter mit Strom- und Gasmangel leben. Obwohl es sich um ihre nationalen Ressourcen handelt und obwohl es Abkommen untereinander gibt, k&ouml;nnen sie ihre Ressourcen nicht nutzen, um die eigene Wirtschaft und damit auch die staatliche Unabh&auml;ngigkeit zu f&ouml;rdern.&nbsp;<\/p><p><strong>Der Blick nach Osten<\/strong><\/p><p>Die EU-Nachbarschaftspolitik mit den L&auml;ndern im Nahen und Mittleren Osten ist gescheitert. Die EU und mit ihr die europ&auml;ischen L&auml;nder haben an Glaubw&uuml;rdigkeit verloren. In Syrien ist die Entt&auml;uschung &uuml;ber die EU besonders gro&szlig;. Angesichts des verheerenden Krieges und der Zerst&ouml;rung der bl&uuml;henden Wirtschaft des Landes versteht man nicht, warum europ&auml;ische L&auml;nder den bewaffneten Aufstand von Islamisten und Al Qaida gegen die syrische Regierung unterst&uuml;tzt haben. Man habe sein Haus ge&ouml;ffnet und eines Morgens Diebe in der K&uuml;che gefunden.<\/p><p>Immer mehr L&auml;nder der Region und vor allem auch die Jugend wenden sich nach Osten. Russland und China gelten heute als zuverl&auml;ssigere Verb&uuml;ndete als westliche Staaten oder die USA. Eine j&auml;hrliche <a href=\"https:\/\/arabyouthsurvey.com\/en\/about-the-survey\/\">Umfrage unter Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren<\/a> in 17 arabischen L&auml;ndern fragte auch danach, welchem Land sie als au&szlig;enpolitischem Verb&uuml;ndeten <a href=\"https:\/\/arabyouthsurvey.com\/en\/findings\/\">am meisten vertrauen<\/a>. Hinter &Auml;gypten (85%), den Vereinigten Arabischen Emiraten (83%) und Saudi-Arabien (80%) lag China mit 79% auf Platz vier und Russland mit 72% auf Platz f&uuml;nf. Frankreich und Gro&szlig;britannien lagen auf den Pl&auml;tzen sechs bzw. acht. Die USA landeten mit 57 % auf Platz neun.<\/p><p><em>(Der Text basiert auf einem Vortrag bei den Zeit-Fragen Sommergespr&auml;chen in Sirnach, 21. Juli 2022 und <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/so-verschieben-sich-die-perspektiven\/\">ist zuerst auf &bdquo;Global Bridge&ldquo; erschienen<\/a>)<\/em><\/p><p>Titelbild: Save nature and wildlife \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blick aus der EU in den Nahen und Mittleren Osten und der Blick aus dem Nahen und Mittleren Osten in die EU: Sie er&ouml;ffnen sehr unterschiedliche Perspektiven. Verschieden ist auch, wer auf die jeweils andere Region blickt. 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