{"id":86657,"date":"2022-08-08T09:00:47","date_gmt":"2022-08-08T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86657"},"modified":"2022-08-08T16:21:31","modified_gmt":"2022-08-08T14:21:31","slug":"kein-plan-kein-saft-foerderprojekt-zum-aufbau-von-ladesaeulen-fuer-e-autos-auf-der-kippe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86657","title":{"rendered":"Kein Plan, kein Saft &#8211; F\u00f6rderprojekt zum Aufbau von Lades\u00e4ulen f\u00fcr E-Autos auf der Kippe"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2030 braucht die BRD eine Million Lades&auml;ulen f&uuml;r Elektroautos, meint die Bundesregierung. F&uuml;r einen z&uuml;gigen Aufbau soll das &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo; sorgen, ein zwei Milliarden Euro teures Subventionsprogramm, das den teilnehmenden Unternehmen acht Jahre Sorgenfreiheit garantiert. Allerdings hat dessen Urheber, der fr&uuml;here Bundesverkehrsminister, das Modell nicht als Beihilfe bei der EU-Kommission angemeldet, wogegen jetzt mehrere Branchengr&ouml;&szlig;en auf EU-Ebene vorgehen. L&auml;uft es dumm, wie &uuml;blich bei Andreas Scheuer, k&ouml;nnte das ganze Projekt kurz vor der Umsetzung noch platzen &ndash; mit vielleicht erneut immensen Kosten f&uuml;r den Steuerzahler. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3801\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86657-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86657-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220808_Kein_Plan_kein_Saft_fuer_E_Autos_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Irgendwann, wohl so auf halber Strecke seiner Amtszeit, hatte Andreas Scheuer eine blendende Idee &ndash; scheinbar. Weil der sonst so unfehlbare freie Markt bei der Errichtung von Schnelllades&auml;ulen f&uuml;r E-Autos nicht in die G&auml;nge kommen wollte, sah sich der Bundesverkehrsminister berufen, der Zukunft auf die Spr&uuml;nge zu helfen. Also ersannen er und seine Leute einen, wie der CSU-Mann es nannte, &bdquo;Game Changer&ldquo; auf dem Weg zur Elektromobilit&auml;t und verpassten dem Ding auch gleich den standesgem&auml;&szlig;en Namen: &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo;. Der Plan dahinter: Bis Ende 2023 soll ein Geflecht aus 1.000 Ladeparks mit &uuml;ber 10.000 Ladepunkten h&ouml;chster technischer Reife der Sorte High Power Charging (HPC) die gesamte Republik &uuml;berspannen. Ganz egal, wie dicht oder d&uuml;nn eine Region besiedelt ist, von jedem Punkt auf der Landkarte m&uuml;sse die n&auml;chste Stromtankstelle in nicht mehr als zehn Minuten erreichbar sein. <\/p><p>Bei der offiziellen Pr&auml;sentation des Konzepts vor einem Jahr sparte Scheuer nicht mit gro&szlig;en T&ouml;nen. &bdquo;Laden muss <a href=\"https:\/\/www.bmvi.de\/SharedDocs\/DE\/Pressemitteilungen\/2021\/087-scheuer-1000-standorte-schnellladesaeulen-preismodell.html\">immer und &uuml;berall<\/a> in Deutschland m&ouml;glich sein. Nur so gelingt es uns, dass wir Menschen von einer klimafreundlichen Mobilit&auml;t begeistern und sie vom Verbrenner auf ein E-Auto umsteigen.&ldquo; Daf&uuml;r nehme die Regierung &bdquo;rund zwei Milliarden Euro in die Hand&ldquo;, das sei ein starkes Signal, &bdquo;wie ernst es uns mit dem Umstieg auf klimafreundliche Mobilit&auml;t ist&ldquo;. Was er nicht sagte und wof&uuml;r sich einer wie seinesgleichen eigentlich sch&auml;men m&uuml;sste: Das Projekt mutet an, als w&auml;re es direkt aus der Mottenkiste der Planwirtschaft gefischt. Als gro&szlig;er Regulator f&uuml;hrt dabei n&auml;mlich der Staat das Zepter, wenn es darum geht, die vielen &bdquo;wei&szlig;en Flecken&ldquo; zu tilgen (O-Ton Scheuer), die die Privatwirtschaft beim Aufbau einer eben nicht fl&auml;chendeckenden Ladeinfrastruktur zur&uuml;ckgelassen hat. <\/p><p><strong>Rosinen und saure &Auml;pfel<\/strong><\/p><p>Bisher machen sich die Anbieter vor allem dort breit, wo sich die Kundschaft tummelt, also in Ballungsgebieten, in St&auml;dten und entlang der gro&szlig;en Fernstra&szlig;enrouten. Au&szlig;erdem setzen sie darauf, ihre Klientel mit Vertr&auml;gen und Mitgliedschaften an sich zu binden und Vieltanker mit Rabatten zu locken. In der Abgeschiedenheit auf dem Land finden sich in riesigem Umkreis mithin gar keine Stationen und wenn doch, m&uuml;ssen sich einen einzigen Ladepunkt die E-Fahrer aus mehreren Gemeinden teilen. Wer entwickelt da schon die rechte Lust, vom Benziner auf den Tesla umzusteigen? <\/p><p>Um den Dingen den richtigen Dreh zu geben, zauberte Scheuer daher ziemlich lukrative Anreize aus dem Hut. Unternehmer, die bei der Ausschreibung zum Zug kommen, erhalten als CPO (Charge Point Operator) &ouml;ffentliche Zuwendungen sowohl f&uuml;r den Aufbau von Ladeparks als auch den Betrieb. Dessen Kosten &uuml;bernimmt der Bund komplett f&uuml;r die folgenden acht Jahre. Damit nicht erneut nur Sahnestandorte das Rennen machen, werden attraktive und weniger profitable Spots in Regionallosen zusammengefasst. Um eine Rosine zu ergattern, m&uuml;ssen Anw&auml;rter also nebenbei in den sauren Apfel bei&szlig;en. Indem die federf&uuml;hrende <a href=\"https:\/\/nationale-leitstelle.de\/\">&bdquo;Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur&ldquo;<\/a> sowohl gro&szlig;e als auch kleinere Lose offeriert, soll zudem gew&auml;hrleistet sein, dass nicht blo&szlig; finanzstarke Konzerne, sondern ebenso kleine und mittelst&auml;ndische Firmen eine Chance haben. Pro Station m&uuml;ssen gem&auml;&szlig; der zu erwartenden Frequentierung vier bis maximal 16 Ladepunkte errichtet werden und je komfortabler das Drumherum (Dach, Gastronomie, sanit&auml;re Anlagen), desto besser stehen die Chancen, den Zuschlag zu erhalten. <\/p><p>Was nach einer runden Sache klingt, hat freilich etliche Haken, angefangen beim gr&ouml;&szlig;ten, dem Irrwitz, den motorisierten Individualverkehr zu konservieren und Dutzende Millionen mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge mittel- und langfristig durch E-Autos ersetzen zu wollen. Nicht nur bleiben der enorme Energiebedarf und die damit einhergehenden CO2-Emissionen bei der Produktion insbesondere der Batterien beim Bemessen des Klimareifenabdrucks der E-Mobilit&auml;t gerne unber&uuml;cksichtigt. Dazu kommen die Sch&auml;den f&uuml;r Natur und Menschen, die die Ausbeutung von B&ouml;den &ndash; zumeist in sehr armen L&auml;ndern &ndash; verursachen, um den &ndash; absehbar zur Neige gehenden &ndash; Nachschub an Rohstoffen wie Kobalt, Lithium, Nickel sowie an seltenen Erden zu gew&auml;hrleisten. <\/p><p><strong>Sp&auml;twerk des Scheiterns<\/strong><\/p><p>Steckte man die so verpulverten Ressourcen in den Ausbau der Bahn und w&uuml;rde den Schienenverkehr zur echten Alternative zur Stra&szlig;e ert&uuml;chtigen, w&auml;re dem Planeten um vieles mehr geholfen. Das allerdings hie&szlig;e, der deutschen Autoindustrie den Saft abzudrehen oder mehr noch, gleich die desastr&ouml;se kapitalistische Wachstumsideologie zu annullieren. Dies jedoch ist bekanntlich so wenig Scheuers Sache wie die seines Nachfolgers Volker Wissing (FDP) oder des ganzen Rests an Ampelm&auml;nnern und -frauen am Kabinettstisch. Wobei mit Scheuer die bis dato peinlichste Industriemarionette nicht mehr unter den Regierenden weilt. Aber sein langer Schatten munkelt eifrig weiter, etwa aus den beiden Milliardengr&auml;bern &bdquo;Autobahngesellschaft&ldquo; oder &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo;, die er hauptverantwortlich verbockt hat. <\/p><p>Und als gen&uuml;gte das nicht, droht nun auch das &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo; nachtr&auml;glich unter die R&auml;der seiner Untauglichkeit zu kommen und seine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83653\">regierungsamtliche Pleitebilanz<\/a> um ein Sp&auml;twerk des Scheiterns zu erweitern. Denn wie das &bdquo;Handelsblatt&ldquo; am Dienstag der Vorwoche berichtete, haben gleich mehrere Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/ladeinfrastruktur-zwei-milliarden-euro-eines-der-wichtigsten-auto-projekte-deutschlands-droht-zu-scheitern\/28521330.html\">Beschwerden bei der EU-Kommission<\/a> eingereicht, um das Vorhaben kurz vor der Umsetzung zu kippen. Zu den Antragstellern z&auml;hlen der Lades&auml;ulenbetreiber Allego sowie das Inspire-Institut, ein Verein, dem mehrere Branchenvertreter wie Fastned, Ionity und EWE Go angeh&ouml;ren. Sie alle monieren einen rechtswidrigen Eingriff in den freien Wettbewerb und sehen ihre Position auf dem Markt gef&auml;hrdet. <\/p><p>Tats&auml;chlich hat das Arrangement eindeutig Z&uuml;ge einer staatlichen Beihilfe, die innerhalb der EU-Wirtschaftsunion nur in Ausnahmen gestattet ist. Zum Beispiel gilt dies f&uuml;r den Fall eines Marktversagens. Scheuer hatte das Programm seinerzeit mit der Begr&uuml;ndung aufgelegt, die Schaffung einer fl&auml;chendeckenden Infrastruktur sei ohne staatliches Zutun nicht in der gebotenen Eile zu bew&auml;ltigen. Sowohl das Bundeskartellamt als auch die Monopolkommission bescheinigten der BRD inzwischen in eigenen Analysen aber sehr wohl einen funktionierenden Markt f&uuml;r Lades&auml;ulen, der eine weitere Expansion erwarten lasse. So nennt es das Kartellamt in einem Sachstandsberichts vom Oktober 2021 &bdquo;zweifelhaft, ob hinreichende Gr&uuml;nde daf&uuml;r gegeben sind, dass der Bund als Auftraggeber durch eine sehr <a href=\"https:\/\/www.bundeskartellamt.de\/SharedDocs\/Publikation\/DE\/Sektoruntersuchungen\/Sektoruntersuchung_Ladesaeulen_Sachstandsbericht.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">weitgehende &Uuml;bernahme des Betriebs- und Auslastungsrisikos<\/a> faktisch selbst im Bereich des Angebots von Ladeinfrastruktur t&auml;tig wird&ldquo;. <\/p><p><strong>Staatliche Einmischung unerw&uuml;nscht<\/strong><\/p><p>Insbesondere st&ouml;ren sich die Wettbewerbsh&uuml;ter an dem Plan, eine &bdquo;atmende&ldquo; Preisobergrenze f&uuml;r die teilnehmenden Unternehmen einzuziehen. Diese sollte nach den urspr&uuml;nglichen &Uuml;berlegungen bei 44 Cent pro Kilowattstunde liegen, was umgerechnet einem Literpreis f&uuml;r Diesel von knapp 1,35 Euro entspricht. Auch damit will das Bundesministerium f&uuml;r Digitales und Verkehr (BMDV) Anreize zum Umstieg auf einen Stromer-Pkw setzen. Diesem Ziel dient ferner die &bdquo;Offenheit&ldquo; des Systems dahingehend, dass die beteiligten Anbieter keine Vertragsbindungen mit Kunden eingehen d&uuml;rfen. Jeder kann tanken, wo er will, und bezahlen, wie er will.  <\/p><p>Das alles w&auml;re freilich ein Schlag gegen die Etablierten. Die <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/milliarden-subventionen-ladenetzbetreiber-wollen-deutschlandnetz-noch-stoppen-2208-167378.html\">Konkurrenz<\/a> kassiert schon heute deutlich mehr als besagte 44 Cent. Tesla zum Beispiel verlangt 58 Cent pro kWh, Ionity von Vertragslosen sogar 79 Cent. Die Fixierung von H&ouml;chsttarifen durch einen staatlichen Oberaufseher schie&szlig;t aus Sicht des Kartellamts selbstredend &bdquo;&uuml;ber das Ziel hinaus&ldquo;. Insbesondere k&ouml;nnten durch die Festlegung einer zu niedrigen Preisobergrenze bereits bestehende oder derzeit geplante Gesch&auml;ftsmodelle und privatwirtschaftliche Investitionsvorhaben wirtschaftlich weniger tragf&auml;hig werden. So w&uuml;rden &bdquo;regulierungs&auml;hnliche Ma&szlig;st&auml;be gesetzt, die insbesondere ein Risiko der Verdr&auml;ngung und Frustration privater Angebote mit sich bringen k&ouml;nnen&ldquo;. <\/p><p>Nat&uuml;rlich malt die Beh&ouml;rde den Teufel an die Wand. Schlie&szlig;lich kalkuliert die Bundesregierung bis 2030 mit nicht weniger als einer Million Lades&auml;ulen. Bei aktuell etwas mehr als 50.000 Punkten gibt es f&uuml;r die Platzhirsche noch reichlich Geld zu verdienen. Gleichwohl ist die Warnung vor Dyssynergien nicht v&ouml;llig von der Hand zu weisen, sobald freie und staatlich subventionierte Marktteilnehmer neben- und gegeneinander agieren. Das &bdquo;Handelsblatt&ldquo; verwies auf eine Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), wonach heute schon an 28 Prozent der geplanten Standorte des &bdquo;Deutschlandnetzes&ldquo; HPC-S&auml;ulen mit einer Leistung von mehr als 150 Kilowatt installiert sind, in weiteren 29 Prozent solche mit mit bis zu 150 Kilowatt. So betrachtet k&auml;men die &ouml;ffentlich gepamperten Wettbewerber vielfach einfach zu sp&auml;t oder es drohen, falls man sie trotzdem von der Leine l&auml;sst, Doppelstrukturen und Verdr&auml;ngungsprozesse. In diesem Fall tr&uuml;ge der &bdquo;Aufbau&ldquo; von Staats wegen mithin zum Abbau schon bestehender Angebote bei.<\/p><p><strong>&bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en<\/strong><\/p><p>&bdquo;Das ist Planwirtschaft statt Marktwirtschaft&ldquo;, emp&ouml;rte sich Allego-Chef Ulf Schulte gegen&uuml;ber dem &bdquo;Handelsblatt&ldquo;. Und die Inspire-Vorsitzende Katharina Boesche bemerkte: &bdquo;Unternehmen, die in den vergangenen zehn Jahren privatfinanziert Lades&auml;ulen aufgebaut haben, m&uuml;ssen und wollen im Wettbewerb bestehen. Dies k&ouml;nnen sie aber nicht, wenn der Staat nun quasi als staatlicher Betreiber auftritt und sich in den Markt einmischt.&ldquo; Das ist gewiss Jammern auf hohem Niveau und &uuml;ber die gro&szlig;en Fische sollte man sich keine Sorgen machen. Sorgen sollte man sich vielmehr um das sch&ouml;ne Steuergeld, das von Neuem verbrannt werden k&ouml;nnte, weil ein Ex-Minister einen miesen Job gemacht hat. Laut Regierung ist die Eingabefrist zur Teilnahme bereits abgelaufen, &uuml;ber 400 Antr&auml;ge wurden eingereicht. Dieser Prozess allein hat gewiss schon viele Millionen Euro verschlungen. Was, wenn das ganze Projekt auf den letzten Metern noch abgeblasen wird? M&uuml;ssen die Gelackmeierten dann entsch&auml;digt werden &ndash; wie absehbar die verhinderten Betreiber der geplatzten Pkw-Maut? <\/p><p>Man erinnert sich: Auch dabei hatte Scheuer ohne R&uuml;cksicht auf die EU-Gesetzgebung agiert, so wie jetzt beim &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo;. Offenbar hielt er es gar nicht f&uuml;r n&ouml;tig, das Modell als Beihilfe bei der EU-Kommission anzumelden. H&auml;tte er dies getan &ndash; etwa unter Verweis auf ein Marktversagen &ndash; g&auml;be es dazu einen ver&ouml;ffentlichten Beschluss, von dem aber jede Spur fehlt. Dem &bdquo;Handelsblatt&ldquo; teilte das BMDV zwar mit, es werde ein &bdquo;transparentes und beihilferechtskonformes Vergabeverfahren&ldquo; durchgef&uuml;hrt. Eine &bdquo;abschlie&szlig;ende beihilferechtliche Bewertung&ldquo; durch die Kommission k&ouml;nne indes erst bei Vorliegen der &bdquo;finalen Fassung der Vorgaben f&uuml;r die Errichtung und den Betrieb der HPC-Ladeinfrastruktur&ldquo; erfolgen. Das mag zwar sein, sch&uuml;tzt Amtsnachfolger Wissing aber nicht davor, am Ende doch eine Abfuhr erteilt zu bekommen. Dann m&uuml;sste die BRD das Projekt m&ouml;glicherweise wieder stoppen oder in einem anderem Format neu ausschreiben. <\/p><p><strong>Hauptsache &Ouml;PP<\/strong><\/p><p>Und dann ist da eine Parallele mehr zur &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo;. Eigentlich k&ouml;nnte der Bund den Aufbau der Ladeinfrastruktur in unternehmerischer Eigenverantwortung erledigen, &uuml;ber eine klassische staatliche Beschaffungsma&szlig;nahme. Dann h&auml;tte er die volle Kontrolle, was Preise, Verteilung und Bedarfserf&uuml;llung angeht. So viel &bdquo;Planwirtschaft&ldquo; war Scheuer aber doch zuwider, weshalb er abermals auf eine &ouml;ffentlich-private Partnerschaft (&Ouml;PP) setzte &ndash; mit den &uuml;blichen unkalkulierbaren Risiken f&uuml;r die Allgemeinheit. Laut Carl Wa&szlig;muth, Sprecher des Vereins Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB), &bdquo;geht E-Mobilit&auml;t auf der Schiene zwar grunds&auml;tzlich viel besser als auf der Stra&szlig;e&ldquo;. Gleichwohl sollte sich der Staat bei der Ladeinfrastruktur und Speicherkapazit&auml;t von Millionen Batterien &bdquo;nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen&ldquo;, wie er gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten &auml;u&szlig;erte. &bdquo;Wenn schon Autoakkus, dann sollten sie als Zwischenspeicher f&uuml;r die Energiewende genutzt werden k&ouml;nnen. Das geht technisch, aber die Autoindustrie m&ouml;chte das nicht.&ldquo; In puncto &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo; ahnt Wa&szlig;muth nichts Gutes: &bdquo;Das wird das n&auml;chste Milliardengrab f&uuml;r die Steuerzahlenden.&ldquo;<\/p><p>Titelbild: AllesSuper\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/449fdf40324a4bce82358470f3c6790d\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2030 braucht die BRD eine Million Lades&auml;ulen f&uuml;r Elektroautos, meint die Bundesregierung. F&uuml;r einen z&uuml;gigen Aufbau soll das &bdquo;Deutschlandnetz&ldquo; sorgen, ein zwei Milliarden Euro teures Subventionsprogramm, das den teilnehmenden Unternehmen acht Jahre Sorgenfreiheit garantiert. 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