{"id":86680,"date":"2022-08-09T09:00:25","date_gmt":"2022-08-09T07:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86680"},"modified":"2022-08-09T16:31:03","modified_gmt":"2022-08-09T14:31:03","slug":"die-ahnungslosigkeit-deutscher-aussenpolitik-in-bezug-auf-taiwan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86680","title":{"rendered":"Die Ahnungslosigkeit deutscher Au\u00dfenpolitik in Bezug auf Taiwan"},"content":{"rendered":"<p>Von hiesigen Medien und Politikern hei&szlig;t es, Taiwan sei eine &bdquo;gefestigte Demokratie&ldquo;, der man gegen den potentiellen chinesischen &bdquo;Aggressor&ldquo; solidarisch beistehen m&uuml;sse. Dabei handelt es sich um eine extrem vereinfachende und so nicht haltbare Einsch&auml;tzung. Politik und Medien hier im Land ignorieren zudem komplett, wie stark Taiwan kulturell, sprachlich und politisch gespalten ist. Diese Spaltung zeigt sich exemplarisch darin, dass aus innenpolitischen Gr&uuml;nden selbst eine Partnerschaft der Landkreise Cuxhaven und Hualien auf Taiwan nicht zustande kam. Von Dr. <strong>Rolf Geffken<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3548\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86680-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86680-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220809_Die_Ahnungslosigkeit_deutscher_Aussenpolitik_in_Bezug_auf_Taiwan_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Der Verfasser hat China und Taiwan in den letzten 20 Jahren mehrfach zu l&auml;ngeren Forschungsaufenthalten besucht und war am Deutsch-Chinesischen Rechtsstaatsdialog ebenso beteiligt wie an der Arbeit der &bdquo;Deutsch-Taiwanischen Juristenvereinigung&ldquo;. Er legte zahlreiche Vero&#776;ffentlichungen zu China und Taiwan vor, zuletzt sein Buch &bdquo;Mein China&ldquo;, das eine &bdquo;andere Sicht auf China&ldquo; beschreibt und einfordert. Zuvor hatte er sich vergeblich um eine Partnerschaft der Landkreise Hualien und Cuxhaven bemu&#776;ht. Die Gru&#776;nde daf&uuml;r liegen in den inneren Verha&#776;ltnissen Taiwans begru&#776;ndet.<\/em> <\/p><p>Die deutsche Au&szlig;enministerin betont ein ums andere Mal, sie sei &bdquo;Vo&#776;lkerrechtlerin&ldquo;. Abgesehen davon, da&szlig; dies kein Beruf ist und man mindestens examinierter Jurist sein muss, wenn man einen a&#776;hnlichen Titel fu&#776;hren will, besitzt die Ministerin keinerlei nachgewiesene Qualifikation auf diesem Gebiet und ist erst recht keine examinierte Juristin. Mehr noch: Mit ihren fahrla&#776;ssigen und oberfla&#776;chlichen A&#776;u&szlig;erungen zum &bdquo;Vo&#776;lkerrecht&ldquo; beweist sie zusa&#776;tzlich ihre Unkenntnis und gefa&#776;hrdet die nationalen Interessen des Landes. Deutlich wurde dies vor allem angesichts der Parallelen, die Frau Baerbock im Falle des Konflikts um Taiwan zum Ukrainekonflikt zog. Fu&#776;r die Ukraine verwendet sie stets die Formel von dem &bdquo;vo&#776;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands&ldquo;. Bezogen auf Taiwan und China bedeutet dies, dass jede milita&#776;rische Drohung Chinas und jede Inanspruchnahme taiwanischen Territoriums durch China &bdquo;vo&#776;lkerrechtswidrig&ldquo; sei. <\/p><p><strong>Baerbocks Aussagen stehen im Widerspruch zur China-Politik der Bundesregierung<\/strong><\/p><p>Hier aber irrt die Ministerin nicht nur. Sie wei&szlig; noch nicht einmal, dass dies der Politik ihrer eigenen Regierung widerspricht. Die erkennt na&#776;mlich die VR China als alleinige Vertreterin Chinas an. Ebenso die Regierung der USA und der meisten Staaten der Vo&#776;lkergemeinschaft: Nur die VR China ist Mitglied der UN. Taiwan nicht. Deutschland unterha&#776;lt in Taipei nur ein &bdquo;Kulturbu&#776;ro&ldquo; und keine Botschaft. Umgekehrt hat die Vertretung Taiwans durch das &bdquo;Taipei-Bu&#776;ro&ldquo;in Berlin keinen diplomatischen Status. Das Gleiche gilt fu&#776;r die USA. Die staatliche Selbstst&auml;ndigkeit Taiwans wird von der gro&szlig;en Mehrheit der Staaten verneint. Das war 1972 eine bewusste Entscheidung des US-Pra&#776;sidenten Nixon, der mit seiner Ping-Pong- Diplomatie Maos China umgarnen und der Sowjetunion, die mit China damals im Konflikt lag, schaden wollte. Taiwan, das sich damals noch &bdquo;Nationalchina&ldquo; nannte, verlor nicht nur seine UNO-Mitgliedschaft, sondern auch seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Die UN-Vollversammlung stimmte mit u&#776;berwa&#776;ltigender Mehrheit fu&#776;r die alleinige Aufnahme der VR China in die UN. Wer diese Politik heute nicht mehr vertreten will und diplomatische Beziehungen zu Taiwan aufnehmen will, kann das tun. Allerdings um den Preis des Abbruchs aller Beziehungen zu China. Beziehungen zu China u n d Taiwan wie in fru&#776;heren Zeiten etwa zur BRD und zur DDR sind ausgeschlossen. China vertritt einen Alleinvertretungsanspruch fast so wie die Bundesregierung unter Kanzler Adenauer noch bis in die 1960er Jahre. Doch mit dem Unterschied, da&szlig; dieser Alleinvertretungsanspruch von der Staatenmehrheit anerkannt wird. Wa&#776;hrend er in Deutschland durch die Entspannungspolitik der 1970er Jahre zur Makulatur wurde. <\/p><p>Das hat zur Folge, dass Taiwan nicht nur nach der chinesischen Verfassung als Teil Chinas betrachtet wird, sondern diese Sichtweise auch die einzige vo&#776;lkerrechtlich vorherrschende Sichtweise ist. <\/p><p>Vo&#776;lkerrecht ist das zwischen den Staaten geltende Recht. Frau Baerbock hat eine Sichtweise des Vo&#776;lkerrechts, die wenig mit dem realen zwischenstaatlichen Recht zu tun hat, aber viel mit Wunschdenken. Das Kuriose ist, dass die &bdquo;One-China-Policy&ldquo; auch weiterhin von Washington und auch von Berlin verfolgt wird. Sie ist seit 1972 wesentlicher Bestandteil deutscher Politik, ob dies nun der Ministerin passt oder nicht. <\/p><p><strong>Wenn &bdquo;V&ouml;lkerrecht&ldquo; mit &bdquo;Menschenrechtspolitik&ldquo; verwechselt wird<\/strong><\/p><p>Die von einigen wenigen westlichen Politikern verlangte &bdquo;wertebasierte&ldquo; Au&szlig;enpolitik verwechselt das Vo&#776;lkerrecht mit Menschenrechtspolitik und spricht sogenannten &bdquo;autorita&#776;ren Staaten&ldquo; die Legitimita&#776;t ab, um so zu versuchen, auch ihre Souvera&#776;nita&#776;t zu untergraben. Das konnte man schon im Jugoslawienkrieg beobachten. Die einzelnen Provinzen des Landes wurden von Deutschland mittels diplomatischer Anerkennung verselbststa&#776;ndigt. Dies geschah ausgerechnet unter Berufung auf das demokratische &bdquo;Selbstbestimmungsrecht&ldquo;, aber ohne dass &ndash; anders als etwa nach dem Versailler Vertrag in Ostpreu&szlig;en und Oberschlesien sowie in Schleswig &ndash; tatsa&#776;chlich Volksabstimmungen durchgefu&#776;hrt wurden. Die gewaltsame Zerstu&#776;ckelung eines Landes war die Folge. Dort hingegen, wo sich in den Zentralstaaten Westeuropas Bestrebungen nach Selbststa&#776;ndigkeit zeigten, wurden diese unterdru&#776;ckt und verfolgt, wie die Beispiele Katalonien und Nordirland zeigen. Naive Befu&#776;rworter einer Unabha&#776;ngigkeit Taiwans glauben bisweilen, auch in Deutschland sei es ohne weiteres mo&#776;glich, da&szlig; sich Landesteile durch Volksabstimmung verselbststa&#776;ndigen ko&#776;nnten. Das Gegenteil ist richtig. Volksabstimmungen gelten nach dem Grundgesetz als grundsa&#776;tzlich unzula&#776;ssig, insbesondere auch Abstimmungen u&#776;ber die Loslo&#776;sung von Landesteilen. Deutschland nimmt wie die meisten Staaten &ndash; auch China &ndash; den Grundsatz der &bdquo;Unteilbarkeit&ldquo; in Anspruch und zwar vo&#776;llig unabha&#776;ngig davon, ob dieses &bdquo;legitim&ldquo; erscheint oder nicht. Wer hier stattdessen eine &bdquo;menschenrechtsbasierte&ldquo; Politik verfolgen will, mo&#776;ge im eigenen Land anfangen. <\/p><p>Was aber bringt die von der deutschen Au&szlig;enministerin Taiwan zugesicherte &bdquo;Solidarita&#776;t&ldquo;? Sicherlich keine milita&#776;rische Hilfe. So etwas wu&#776;rde die wirtschaftlichen Beziehungen und Verflechtungen Chinas mit Deutschland auf einen Schlag beenden. Um den sonstigen &bdquo;Nutzen&ldquo; einer solchen Politik einscha&#776;tzen zu ko&#776;nnen, muss man zuna&#776;chst den Grundcharakter Taiwans zur Kenntnis nehmen. Dazu hei&szlig;t es in den hiesigen Medien nur, es sei eine &bdquo;gefestigte&ldquo; Demokratie. Das ist eine kaum ausreichende Einscha&#776;tzung. <\/p><p><strong>Taiwan &ndash; Ein extrem gespaltenes Land<\/strong><\/p><p>Taiwan ist na&#776;mlich zuna&#776;chst ein kulturell, sprachlich und politisch vielfach gespaltenes Land. Es war 50 Jahre lang quasi eine Kolonie Japans. Erst nach Ende des chinesischen Bu&#776;rgerkrieges wanderten zahlreiche Han-Chinesen vom Festland aus ein. Sie sprachen das hochchinesische Mandarin. Daneben gab es schon seit einigen Jahrhunderten die Nachfahren des Stammes der Hakka aus Guandong, deren &bdquo;Dialekt&ldquo; mit dem Kantonesischen verwandt ist. Die gro&#776;&szlig;te Minderheit im Land waren die Hokklo, die urspru&#776;ngich aus Fujian stammten. Nur ein kleiner Teil der Bevo&#776;lkerung geho&#776;rt zu den sogenannten Ureinwohnern. <\/p><p>Die ehemals oppositionelle Demokratische Fortschrittspartei stellt zurzeit die Pra&#776;sidentin. Ihre Partei fu&#776;hrte jahrelang einen regelrechten Kulturkampf, indem sie versuchte, den Fujian-Dialekt zur Amtssprache zu machen und das Mandarin als Amtssprache zuru&#776;ckzudra&#776;ngen. Da das Mandarin hauptsa&#776;chlich von den Anha&#776;ngern der Guomindang gesprochen wurde und diese zumeist zu den vom Festland kommenden Han-Chinesen geho&#776;rten, vermischte sich dieser zum Teil erbitterte Kulturkampf mit dem politischen Konflikt zwischen DPP und GMD. Jede Partei, die jeweils die Macht ausu&#776;bte, versuchte gerade im kulturellen Bereich, insbesondere im Erziehungswesen, ihren Standpunkt der jeweiligen &bdquo;Minderheit&ldquo; aufzuzwingen. Die Kunst des Kompromisses wird in der Taiwanischen Innenpolitik nicht geu&#776;bt. Schlimmer noch: Auch in anderen Bereichen der Politik setzt sich die Spaltung fort. So sind die Gewerkschaften blo&szlig;e Anha&#776;ngsel der Parteien. Eine Einheitsgewerkschaft, die parteipolitisch unabha&#776;ngig ist, sucht man in Taiwan vergebens. Das Ergebnis ist eine weitere Spaltung der Bevo&#776;lkerung. <\/p><p>Zu welch absurden Ergebnissen die kulturelle Spaltung fu&#776;hrte, durfte der Verfasser selbst erfahren, als er nach dem ersten Wahlsieg der DPP zahlreiche Lehrer traf, die ihren Beruf aufgeben mussten, weil sie ab sofort eine &bdquo;andere Geschichte&ldquo; und auch gleich noch eine andere &bdquo;Sprache&ldquo; (der sog. Fujian-Dialekt unterscheidet sich grundlegend vom &bdquo;Mandarin&ldquo;) zu lehren hatten. <\/p><p>Er musste es aber auch erfahren, als er eine Partnerschaft zwischen den Landkreisen Cuxhaven und Hualien vorbereitete. Als das Projekt kurz vor dem Abschluss stand, versuchte die taiwanische &bdquo;Generalkonsulin&ldquo; in Hamburg dem Verfasser den Landkreis Keelung &bdquo;anzudienen&ldquo;. Der &bdquo;Makel&ldquo; des Landkreises Hualien war: Der Gouverneur war der ehemalige Arbeitsminister in einer Guomindang-Regierung. Dessen Aufwertung durch das Ausland wollte die DPP-Regierung verhindern. Also dann lieber: Keelung, wo die DPP regierte. Von deutscher Seite war die Initiative durch den Kreistagsabgeordneten Wegener mit vielen konkreten Vorschla&#776;gen fu&#776;r eine ku&#776;nftige Zusammenarbeit der Kreise Hualien und Cuxhaven unterstu&#776;tzt worden. Es war zu keinem Zeitpunkt zu befu&#776;rchten, dass etwa SPD und CDU gegen eine solche Partnerschaft Einwa&#776;nde gehabt ha&#776;tten. Der Verfasser u&#776;bergab ein Modell des Cuxhavener Leuchtturms mit besten Wu&#776;nschen dem Gouverneur von Hualien. Die Presse berichtete. Doch dann kamen die Bedenken der &bdquo;Generalkonsulin&ldquo; dazwischen.<\/p><p>Ein solcherma&szlig;en gespaltenes Land spricht mitnichten mit einer Zunge. Zudem widerspricht die Politik der jetzigen Regierung eigenen Einscha&#776;tzungen. Der ehemalige Berater der Regierung Chen Chu Bian, der Professor Chen vom &bdquo;Chen Law Office&ldquo;, erkla&#776;rte dem Verfasser noch 2003, dass zum Zeitpunkt der Pekinger Olympiade 2008 der letzte denkbare Zeitpunkt fu&#776;r eine Selbststa&#776;ndigkeit erreicht sei. Danach sei es geopolitisch fu&#776;r Taiwan zu spa&#776;t und man mu&#776;sse sich auf die eine oder andere Art mit Peking arrangieren. Doch die jetzige Regierung und ihre Pra&#776;sidentin wollen davon nichts mehr wissen. Sie steuern tatsa&#776;chlich auf eine Unabha&#776;ngigkeit zu, ohne das Volk selbst hinter sich zu wissen. Sie und ihre Partei grenzen andere Volkszugeho&#776;rige aus und meinen trotzdem, im Namen g a n z Taiwans zu sprechen. <\/p><p>Wie kann die deutsche Au&szlig;enpolitik unterstellen, diese Regierung spra&#776;che im Namen aller Taiwaner? Demokratische Strukturen sind nicht alles. Zu einer stabilen Staatsfu&#776;hrung geho&#776;rt auch der Kompromiss und das Bekenntnis zur kulturellen und politischen Vielfalt. An diesem Bekenntnis mangelt es der jetzigen Pra&#776;sidentin. Ihre Politik der inneren Spaltung ist la&#776;ngst zu einem gefa&#776;hrlichen Anachronismus geworden. Taiwan und China sind wirtschaftlich, aber auch auf perso&#776;nlicher Ebene zwischen den Menschen vielf&auml;ltig verflochten. Die Taiwaner gelten in der VR China nicht als &bdquo;Ausla&#776;nder&ldquo;. Dadurch haben sie vielf&auml;ltige Privilegien. Es gibt ganze Landstriche im Su&#776;den Chinas, die nach der Politik der &bdquo;O&#776;ffnung&ldquo; Deng Xiao Pengs von taiwanischen Unternehmen beherrscht werden. In Shanghai za&#776;hlt man inzwischen u&#776;ber 400.000 taiwanische Arbeitnehmer. Es gibt zahllose taiwanisch-chinesische Ehen. <\/p><p><strong>Innerchinesischer Dialog ohne Einmischung durch die Bundesregierung<\/strong><\/p><p>All diese Kontakte und Beziehungen kann eine taiwanische Regierung nicht ignorieren. Anderenfalls wu&#776;rde die Regierung selbst zuru&#776;cktreten mu&#776;ssen oder abgewa&#776;hlt werden. Es macht keinen Sinn, ein politisch und kulturell gespaltenes Land in einen Konflikt mit seinem ma&#776;chtigen Nachbarn zu treiben. Hinzu kommt, dass die Guomindang keineswegs mehr wie zu Zeiten des chinesischen Bu&#776;rgerkrieges zu den erbitterten Gegnern der KP Chinas geho&#776;rt. Man darf nicht vergessen, dass GMD und KP in der Geschichte zweimal zusammenarbeiteten. Vor allem war die GMD immer ein Vertreter der &bdquo;One-China-Policy&ldquo;. Das euphorische Gerede hierzulande, die Taiwaner lehnten jede Ann&auml;herung an Festlandchina ab, ist falsch. <\/p><p>China kennt die innenpolitische Lage Taiwans ganz genau. Deutsche Politiker kennen sie offensichtlich nicht. Fu&#776;r sie ist ausgerechnet Taiwan &bdquo;so etwas&ldquo; wie die Ukraine und die braucht nach ihrer Auffassung &bdquo;Solidarita&#776;t&ldquo; gegen den potentiellen &bdquo;Aggressor&ldquo;. Taiwan braucht den innerchinesischen Dialog ohne Einmischung und Besserwisserei von au&szlig;en. Die Lage ist kompliziert genug. Rechthabereien einer nicht examinierten &bdquo;Vo&#776;lkerrechtlerin&ldquo; gehen am Thema vorbei. Peking wei&szlig;, dass es 24 Millionen Taiwaner nicht einfach &bdquo;vereinnahmen&ldquo; kann. Wer aber die Unabha&#776;ngigkeit Taiwans direkt oder indirekt proklamiert oder herbeiredet, gefa&#776;hrdet die Versta&#776;ndigung zwischen den Kontrahenten und damit zugleich den Weltfrieden. <\/p><p>Wie wa&#776;re es, wenn die gegenwa&#776;rtige Regierung Taiwans wenigstens ihre &bdquo;Bedenken&ldquo; gegen eine Partnerschaft zwischen Cuxhaven und Hualien aufgeben wu&#776;rde und nach innen und au&szlig;en etwas mehr Kompromissbereitschaft zeigte? Daran hat es n&auml;mlich gemangelt, seit die gegenw&auml;rtige Regierung von der DPP gestellt wird. <\/p><p><em><strong>Zum Autor:<\/strong> Autor und Rechtsanwalt. Ver&ouml;ffentlichte in &uuml;ber 20 Jahren zahlreiche Publikationen zu China und Taiwan. Forschungaufenthalte in Kanton, Tapei, Beijing und Tianjin. War am Runden Tisch des Deutsch Chinesischen Rechtstaatsdialogs beteiligt. Organisierte die 1. Deutsch Chinesische Anwaltskonferenz in Tianjin 2008 und die 1. Deutsch Chinesische Konferenz zum Arbeitsrecht. Gab 2016 in 5. Auflage einen dreisprachigen Kommentar zum chinesischen Arbeitsrecht heraus und berichtete zuletzt &uuml;ber seine Aktivit&auml;ten in dem 2021 erschienenen Band &ldquo;Mein China&rdquo;.<\/em><\/p><p>Titelbild: motioncenter \/ shutterstock<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78277\">Taiwan: US-Aufmarschgebiet gegen Festland-China &ndash; seit 1945<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86554\">Baerbocks Grundsatzrede &ndash; Die Gr&ouml;&szlig;enwahnsinnige<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4759108e331d42c7b2afd686b4458c51\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von hiesigen Medien und Politikern hei&szlig;t es, Taiwan sei eine &bdquo;gefestigte Demokratie&ldquo;, der man gegen den potentiellen chinesischen &bdquo;Aggressor&ldquo; solidarisch beistehen m&uuml;sse. Dabei handelt es sich um eine extrem vereinfachende und so nicht haltbare Einsch&auml;tzung. Politik und Medien hier im Land ignorieren zudem komplett, wie stark Taiwan kulturell, sprachlich und politisch gespalten ist. Diese Spaltung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86680\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20],"tags":[2665,379,2922,1703],"class_list":["post-86680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-baerbock-annalena","tag-china","tag-taiwan","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/shutterstock_1338953603.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86680"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86748,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86680\/revisions\/86748"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}