{"id":867,"date":"2005-09-07T15:15:14","date_gmt":"2005-09-07T13:15:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=867"},"modified":"2016-03-05T10:45:54","modified_gmt":"2016-03-05T09:45:54","slug":"angela-merkel-will-betriebliche-bundnisse-damit-die-weichen-wieder-aufwarts-gestellt-werden-wie-eine-aktuelle-betriebsrate-befragung-des-wsi-zeigt-gibt-es-solche-bu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=867","title":{"rendered":"Angela Merkel will \u201ebetriebliche B\u00fcndnisse\u201c, damit die \u201eWeichen wieder aufw\u00e4rts gestellt\u201c werden. Wie eine aktuelle Betriebsr\u00e4te-Befragung des WSI zeigt, gibt es solche B\u00fcndnisse schon massenhaft."},"content":{"rendered":"<p>Entweder fordert Frau Merkel etwas, was die Gewerkschaften schon l&auml;ngst mitmachen oder es steckt etwas ganz anderes hinter dieser scheinbar so harmlosen Forderung. In der Tat werden hier wieder einmal &bdquo;Tarnw&ouml;rter&ldquo; benutzt, die das Denken in die falsche Richtung lenken sollen(Oskar Lafontaine). In Wahrheit geht es darum, &bdquo;betriebliche B&uuml;ndnisse&ldquo; per Gesetz zu regeln. Das stellte aber eine staatliche Regulierung des Arbeitsmarktes dar und das bedeutete einen Eingriff in die verfassungsrechtlich garantierte Tarifautonomie. Noch 1999 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass Betriebsb&uuml;ndnisse ohne Zustimmung der Gewerkschaften illegal seien. IG-Metall Chef Peters hat also Recht, wenn er gegen einen solchen Systemwechsel eine Verfassungsklage einreichen will.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Betriebliche B&uuml;ndnisse l&auml;ngst keine Ausnahmen mehr <\/strong><\/p><p>Betriebliche B&uuml;ndnisse zur Besch&auml;ftigungssicherung sind in deutschen Unternehmen l&auml;ngst keine Ausnahmen mehr. Aktuell gibt es in jedem vierten Betrieb mit mehr als 20 Besch&auml;ftigten eine derartige Vereinbarung, die zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung ausgehandelt und von den Tarifparteien, also Gewerkschaft und Arbeitgeberverband, gebilligt wurde. Die B&uuml;ndnisse beschr&auml;nken sich auch nicht auf Unternehmen, die in akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung. Die Daten stammen aus der aktuellen Betriebsr&auml;te-Umfrage unter mehr als 2000 Betriebsr&auml;tinnen und Betriebsr&auml;ten.  <\/p><p>&ldquo;W&auml;hrend Politiker gesetzliche &Ouml;ffnungsklauseln fordern, haben sich Betriebs- und Tarifparteien l&auml;ngst auf betriebliche B&uuml;ndnisse geeinigt&rdquo;, res&uuml;mieren die WSI-Forscher Dr. Hartmut Seifert und Heiko Massa-Wirth. Die Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge lie&szlig;en erhebliche betriebliche Gestaltungsm&ouml;glichkeiten zu. Sie st&auml;rkten gleichzeitig die Position der Belegschaft, beispielsweise bei Verhandlungen &uuml;ber verbindliche Besch&auml;ftigungs- oder Standortzusagen als Gegenleistung f&uuml;r Zugest&auml;ndnisse bei Arbeitszeiten oder &uuml;bertariflichen Leistungen.  <\/p><p>Unter den Firmen mit schlechter Auftragslage sind Besch&auml;ftigungs-B&uuml;ndnisse am h&auml;ufigsten. 39 Prozent in dieser Gruppe haben eine Vereinbarung. Doch auch in gut 21 Prozent der Betriebe mit guter Auftragslage gibt es ein B&uuml;ndnis. Dient die Gewinnsituation als Ma&szlig;stab, ist der Abstand bei der Verbreitung noch geringer: In 30 Prozent  der Betriebe mit schlechter Ertragslage existiert ein B&uuml;ndnis, bei den Betrieben mit gutem Gewinn sind es 23 Prozent.  <\/p><p><strong>Betriebsr&auml;te sehen &ldquo;Verbetrieblichung&rdquo; skeptisch<\/strong><\/p><p>Auch unabh&auml;ngig von betrieblichen B&uuml;ndnissen gibt es vielf&auml;ltige M&ouml;glichkeiten, bei Arbeitszeit und Einkommen betriebsspezifische L&ouml;sungen zu finden. Drei von vier tarifgebundenen Betrieben nutzen inzwischen die M&ouml;glichkeiten der Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge, &uuml;ber &ldquo;Differenzierungs-&rdquo; und &ldquo;&Ouml;ffnungsklauseln&rdquo; von Standards abzuweichen. Die Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge erweisen sich damit als sehr flexibel: Gegen&uuml;ber der letzten WSI-Betriebsr&auml;te-Befragung von 2002 hat sich der Anteil der Betriebe etwa verdoppelt, die so auf besondere Situationen reagieren. Betriebsr&auml;tinnen und Betriebsr&auml;te sehen den allgemeinen Trend, dass wichtige Regelungen der Tarifpolitik auf die betriebliche Ebene verlagert werden, oft skeptisch. 53 Prozent finden sie &ldquo;generell problematisch&rdquo;, weitere 30 Prozent sehen sie &ldquo;zwiesp&auml;ltig&rdquo;. Lediglich 12 Prozent nennen die Entwicklung &ldquo;begr&uuml;&szlig;enswert&rdquo;. Im Vergleich zu 2002 ist der Anteil der positiven Bewertungen leicht gesunken.  <\/p><p>Weitere Informationen und Grafiken zu betrieblicher Mitbestimmung und Tarifautonomie im <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/252_36234.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/252_36234.html\">Online-Angebot der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entweder fordert Frau Merkel etwas, was die Gewerkschaften schon l&auml;ngst mitmachen oder es steckt etwas ganz anderes hinter dieser scheinbar so harmlosen Forderung. In der Tat werden hier wieder einmal &bdquo;Tarnw&ouml;rter&ldquo; benutzt, die das Denken in die falsche Richtung lenken sollen(Oskar Lafontaine). In Wahrheit geht es darum, &bdquo;betriebliche B&uuml;ndnisse&ldquo; per Gesetz zu regeln. 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