{"id":86954,"date":"2022-08-16T11:00:30","date_gmt":"2022-08-16T09:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86954"},"modified":"2022-08-16T11:08:02","modified_gmt":"2022-08-16T09:08:02","slug":"rette-sich-wer-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86954","title":{"rendered":"Rette sich, wer kann &#8230;?"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend in Nachbarl&auml;ndern wie D&auml;nemark bereits weitgehend Normalit&auml;t eingekehrt ist und man CORONA inzwischen auf eine Stufe mit beispielsweise einer mittelschweren Grippe stellt und damit die Pandemie f&uuml;r beendet erkl&auml;rt, diskutiert man hierzulande allen Ernstes bereits wieder &uuml;ber m&ouml;gliche freiheitseinschr&auml;nkende Ma&szlig;nahmen gegen die Ausbreitung von CORONA f&uuml;r den kommenden Herbst\/Winter. In diesem, inzwischen hinl&auml;nglich bekannten Sammelsurium von Folterwerkzeugen finden sich nach wie vor Maskenzwang, Abstandsregeln, Zugangsbeschr&auml;nkungen und manche Landespolitiker m&ouml;chten sich sogar mit neuerlichen Lockdowns oder sogar einer Impfpflicht besch&auml;ftigen, so als w&auml;re es eine wahre Lust, auf diese Weise mit staatlicher Macht in das Leben von vor allem gesunden und symptomfreien B&uuml;rgern einzugreifen. Von <strong>Michael Fitz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDabei beruft man sich nach wie vor haupts&auml;chlich auf Inzidenzzahlen, die inzwischen aber erwiesenerma&szlig;en g&auml;nzlich ungeeignet sind. Die Medien sprechen in sch&ouml;ner Einm&uuml;tigkeit hier auch gerne &uuml;ber Fallzahlen. Strenggenommen handelt es sich hierbei aber lediglich um positive Testergebnisse. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie und massenhaft neuen Erkenntnissen diesbez&uuml;glich werden diese meist absoluten Zahlen immer noch unkommentiert, z.B. auch ohne Nennung der aktuell vorgenommenen Anzahl der Testungen, von Beh&ouml;rden und Leit-Medien verbreitet. Das hat Folgen, unter anderem f&uuml;r die Kultur- und Veranstaltungsbranche.<\/p><p>Vor CORONA waren dort, im gesamten Bundesgebiet laut SZ-Magazin in 258.790 Firmen aller Gr&ouml;&szlig;enordnungen, 1,8 Millionen Menschen besch&auml;ftigt und haben einen Jahresumsatz von 174 Milliarden Euro erwirtschaftet. Laut einem Papier des BMI ist bzw. war die Kulturbranche nach der Automobilwirtschaft die umsatzst&auml;rkste Branche hierzulande, getragen von einigen wenigen gro&szlig;en und einer beachtlichen Zahl von zumeist kleinen, mittelst&auml;ndischen Unternehmen und zahlreichen Solo-Selbst&auml;ndigen.<\/p><p>Die fetten Jahre sind inzwischen vorbei. Konzertveranstalter haben von 2019 bis 2021 Umsatzeinbu&szlig;en bis zu 98 Prozent hinnehmen m&uuml;ssen, K&uuml;nstler verdienen 85 Prozent weniger als vor CORONA. Das ist ein Desaster, schreibt sogar das SZ-Magazin.<\/p><p>Es ist bis dato noch gar nicht absehbar, wie viele wirtschaftliche Existenzen von Veranstaltern, K&uuml;nstlern, Technikern und auch Agenten diesem Kahlschlag bisher zum Opfer gefallen sind. Das trifft vor allem auch ehrenamtliche und selten gewinnorientierte Kulturvereine, die es bis CORONA in Deutschland zuhauf als r&uuml;hrige Veranstalter von Kleinkunst- und Konzertevents gab, kleine Clubs und Konzerth&auml;user, die bei Zuschauerkapazit&auml;ten von bis zu 200 Personen, auch schon ohne CORONA, knapp am Existenzminimum unterwegs waren, macht aber auch nicht Halt vor allen Firmen und Veranstaltungsr&auml;umen, die ein Fassungsverm&ouml;gen von unter 1000 Zuschauern haben. Selbstverst&auml;ndlich trifft es auch alle K&uuml;nstler, die bisher ihr Leben mit Auftritten in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung in ganz Deutschland bestreiten konnten. Gerade diese Personengruppe wurde, was staatliche CORONA-Hilfen angeht, offenbar mangels lautstarker politischer Lobby faktisch mit Almosen abgespeist.<\/p><p>Die summierten staatlichen Zuwendungen beliefen sich, wenn sie denn &uuml;berhaupt flossen, auf maximal 10 Prozent des oben genannten Umsatzausfalles. Dieser ergab sich vor allem durch w&auml;hrend der Lockdownphasen der letzten Jahre nicht stattgefundene Gastspiele und die damit verbundenen Ausf&auml;lle von GEMA-Einnahmen oder auch Merchandising-Ums&auml;tzen, aber auch aufgrund der medial und erfolgreich heraufbeschworenen und selbst in den Sommern wirkenden CORONA-Angst und dadurch entsprechend schlechtbesuchten Indoor- und Outdoor-Konzerten ohne Masken- oder Testpflicht und Abstandsregeln. Halbvoll ist das neue &bdquo;Ausverkauft&ldquo;, ist inzwischen die bittere Erkenntnis in der Branche. So mancher Veranstaltungstechnik-Unternehmer muss seine Ger&auml;tschaften inzwischen wieder selbst laden, aufbauen und bedienen, weil ihm sein Personal meist unwiederbringlich in andere Branchen abgewandert ist. Auch viele K&uuml;nstler haben inzwischen das Handtuch geworfen und sich in das wachsende Heer der Arbeitslosen oder prek&auml;r Besch&auml;ftigten eingereiht.<\/p><p>Da klingt auch die Best&uuml;rzung des SZ-Magazins bez&uuml;glich der o.g. Zahlen ein wenig zynisch, war und ist doch gerade die S&uuml;ddeutsche Zeitung, einstmals S&auml;ule eines eher regierungskritischen und investigativen Journalismus, einer der Haupteinpeitscher, wenn es um Angst vor CORONA und die Notwendigkeit einer Impfung dagegen ging. Kaum ein Tag verging &uuml;ber Monate, ohne dass sich die SZ da nicht als gro&szlig;er Warner vor drohenden neuen Wellen von hochgef&auml;hrlichen CORONA-Mutationen hervorgetan h&auml;tte.<\/p><p>Die Angst ist bei vielen Menschen immer noch pr&auml;sent. Man sieht selbst im Sommer 2022 noch Menschen mutterseelenallein, aber mit Maske in ihrem Auto sitzen oder in der freien Natur unterwegs gehen. Ganz zu schweigen von Superm&auml;rkten, Veranstaltungen in Innenr&auml;umen und &auml;hnlichen Events. Interessant auch die Bundespressekonferenz, in der mitten im Sommer 2022 alle anwesenden Pressevertreter bar jeden Zwanges Masken tragen, im Gegensatz zu den Offiziellen auf dem Podium.<\/p><p>Die wissen offenbar nicht oder nehmen nicht wahr, was sie Otto Normalverbraucher mit einer Dauerangstkampagne &uuml;ber mehr als zwei Jahre angetan haben. Die sogenannte &ldquo;Neue Normalit&auml;t&ldquo; ist keine Normalit&auml;t, sondern ein dystopischer Alptraum, aus dem wir alle l&auml;ngst aussteigen m&uuml;ssten, um &uuml;berhaupt noch etwas zu retten.<\/p><p>F&uuml;r die Veranstaltungsbranche und f&uuml;r uns K&uuml;nstler wird auch der Herbst\/Winter 2022, genauso wie in den Jahren 2020 und 2021, ein nicht planbarer Eiertanz mit unkalkulierbarem Ausgang. Wer kauft sich heute f&uuml;r den Herbst schon ein Ticket f&uuml;r die Kleinkunstveranstaltung um die Ecke, wenn damit zu rechnen ist, dass er\/sie daf&uuml;r einen PCR- oder Schnelltest vorzulegen hat und dort zwei Stunden mit Maske oder Abstandsregel sitzen wird, m&ouml;glicherweise dann auch noch, auf beh&ouml;rdliche Anordnung hin, mit heruntergefahrener Raumtemperatur? Das alles mit der Infektionsangst im Nacken, die man uns so erfolgreich eingetrichtert hat.<\/p><p>Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss auf derlei Luxus ohnehin nach wie vor verzichten. Nach allem, was wir inzwischen &uuml;ber die Wirksamkeit der &bdquo;Impfung&ldquo; wissen, ein Absurdum sondergleichen. &bdquo;Halbvoll ist das neue Ausverkauft&ldquo; &hellip; nur dass niemand der hier Beteiligten damit seine Ausgaben decken kann und somit der existentielle Ruin in bedrohliche N&auml;he r&uuml;ckt. Weder der K&uuml;nstler noch der Agent, kein Veranstalter, Technik-Supplier oder Caterer wird mit &bdquo;halbvoll&ldquo; und dem Niveau der stagnierenden Eintrittspreise f&uuml;r Kleinveranstaltungen auf die Dauer seine Kosten decken k&ouml;nnen, geschweige denn Gewinne erzielen.<\/p><p>Veranstalter in meinem Segment kalkulieren inzwischen mit Recht so, dass sie kaum mehr Garantien oder Fix-Gagen bezahlen k&ouml;nnen. Agenturen werden so keine wirtschaftlich kalkulierbaren Tourneen mehr f&uuml;r ihre K&uuml;nstler buchen k&ouml;nnen. Und diese werden nicht mehr auf Tournee gehen k&ouml;nnen, weil sie mit prozentualen Umsatzbeteiligungen aus maximal &bdquo;halbvoll&ldquo; auch ihre st&auml;ndig steigenden Kosten, insbesondere f&uuml;r Sprit, nicht mehr decken oder gar Gewinne erzielen k&ouml;nnen. Staatliche Hilfe ist in diesen Zeiten nirgendwo zu entdecken. Jedenfalls nicht in einer Form, die den besonderen Anforderungen und Bedingungen der Branche gerecht werden w&uuml;rde.<\/p><p>Die verantwortlichen Politiker in Bund und Land reagieren weder auf Fakten noch pers&ouml;nliche Briefe und Hilferufe und sind einfach nicht erreichbar. Die Herrschaften tun, wie in vielen anderen Problemfeldern auch, lieber so, als w&auml;re alles in bester Ordnung und sehen um sich herum offenbar nur &bdquo;bl&uuml;hende Landschaften&ldquo;.<\/p><p>Nein, da beschlie&szlig;t man lieber ein Sonderverm&ouml;gen von 100 Milliarden Euro f&uuml;r die Aufr&uuml;stung, als sich mit den Verlierern aus der Veranstaltungsbranche zu besch&auml;ftigen, denen mit echten und angemessenen Ausfallentsch&auml;digungen und einem Sonderfond von, sagen wir, 10 Milliarden Euro hierf&uuml;r schon gut geholfen w&auml;re.<\/p><p>Dazu braucht es politischen Willen und vor allem Einsicht in die Tatsache, dass man hierzulande, nicht zuletzt durch voreiliges, von Panik getriebenes Handeln, eine ganze Branche &ndash; und bei weitem nicht nur die &ndash; langsam, aber sicher und in aller Stille plattmacht. Von einer diversen, farbigen und facettenreichen Kulturlandschaft, die zugleich ja auch immer so etwas wie ein Vermittler von Nicht-Mainstream-Meinungen und -Lebensweisen sein kann, wird bald nicht mehr viel &uuml;brig sein, au&szlig;er einer stromlinienf&ouml;rmigen, rein profitorientierten, von Gro&szlig;konzernen getakteten Unterhaltungsmaschinerie.<\/p><p>Passend ist dann auch, dass der M&uuml;nchner Stadtrat sich aktuell entschlossen hat, ein Open-Air-Event der Band Rammstein f&uuml;r 150.000 Menschen mitten in M&uuml;nchen, auf der Theresienwiese, an SILVESTER 2022\/23 zu genehmigen, mit dem logischerweise das gleichzeitig stattfindende, traditionelle Winter-Tollwood praktisch obsolet w&uuml;rde und so, trotz bereits laufender Vorverk&auml;ufe, ganz sicher nicht stattfinden kann.<\/p><p>Hier ist, wie bei manch&lsquo; anderem politischen Personal, keinerlei Nachdenken, Abw&auml;gen und auch kein Ma&szlig; und Ziel erkennbar. Auch hier knickt man vor dem gro&szlig;en Geld ein und ist dem Druck eines weltweit agierenden Veranstaltungskonzerns schlicht erlegen. Na dann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend in Nachbarl&auml;ndern wie D&auml;nemark bereits weitgehend Normalit&auml;t eingekehrt ist und man CORONA inzwischen auf eine Stufe mit beispielsweise einer mittelschweren Grippe stellt und damit die Pandemie f&uuml;r beendet erkl&auml;rt, diskutiert man hierzulande allen Ernstes bereits wieder &uuml;ber m&ouml;gliche freiheitseinschr&auml;nkende Ma&szlig;nahmen gegen die Ausbreitung von CORONA f&uuml;r den kommenden Herbst\/Winter. 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