{"id":86991,"date":"2022-08-17T08:57:03","date_gmt":"2022-08-17T06:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86991"},"modified":"2022-08-17T12:47:51","modified_gmt":"2022-08-17T10:47:51","slug":"die-philippinen-im-sommer-2022-oder-aufbruch-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86991","title":{"rendered":"Die Philippinen im Sommer 2022 oder Aufbruch in die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Der 64-j&auml;hrige Diktatorensohn Ferdinand Marcos Junior &ndash; von seinen Anh&auml;ngern kurz &bdquo;Bongbong&ldquo; oder noch k&uuml;rzer &bdquo;BBM&ldquo; genannt &ndash; wurde am 30. Juni als 17. philippinischer Pr&auml;sident vereidigt. Und das ausgerechnet im Nationalmuseum der Metropole Manila, einem neoklassizistischen Bau, der 1921 von den damaligen US-amerikanischen Kolonialherren errichtet wurde und bis 1972 als Kongressgeb&auml;ude diente. Dort lie&szlig; sein Vater nach jeweils erfolgter <em>Rede an die Nation<\/em> Anfang 1970 und 1971 massenhafte Proteste gegen sein Regime brutal niederkn&uuml;ppeln. Im Zuge dieser Gewaltorgie fanden auch mehrere Studenten den Tod. Was ein Fanal setzte und die Bewegung des historischen <em>&bdquo;First Quarter Storm&ldquo; (&bdquo;Vierteljahresturm&ldquo;)<\/em> [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] entfachte. Ein Jahr sp&auml;ter rief Marcos Senior (1965-86) landesweit das Kriegsrecht aus, das de jure bis Anfang 1981, faktisch indes bis zu seinem Sturz Ende Februar 1986 w&auml;hrte. 36 Jahre sp&auml;ter f&uuml;hrt dessen einziger Sohn das v&auml;terliche Erbe fort. Ein R&uuml;ck- und Ausblick von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2587\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86991-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86991-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220817-Philippinen-Aufbruch-in-die-Vergangenheit-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Eine Notiz vorab<\/strong><\/p><p>Was lehrt uns das? Zumindest die Z&auml;hlebigkeit feudaler Strukturen unter dem d&uuml;nnen Firnis glitzernder Fassaden des Kapitalismus und einer hybriden &bdquo;Moderne&ldquo;. Am 4. Juli (sic!) 1946 entlie&szlig;en die USA die Philippinen als ihre einstige und einzige Kolonie in S&uuml;dostasien (1898-1946) in eine &bdquo;Flaggenunabh&auml;ngigkeit&ldquo;, die auf Jahre danach nichts anderem als einem neokolonialen Status entsprach. Sehr zum Vorteil der USA, die das s&uuml;dostasiatische Inselreich als logistischen Dreh- und Angelpunkt ihrer Aggressionen gegen die V&ouml;lker Vietnams, Kambodschas und Laos&lsquo; nutzen konnten. In Manila entstand sogar als Pendant zur NATO im Jahre 1954 die <em>SEATO (S&uuml;dostasiatische Paktorganisation <\/em>&ndash; auch als <em>Manila-Pakt<\/em> bekannt) [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], die nach dem Debakel der Amerikaner in &bdquo;Indochina&ldquo; 1977 unzeremoniell wieder von der politischen Bildfl&auml;che verschwand.<\/p><p>Die Kontinuit&auml;t politischer Clans und Beharrlichkeit von Familiendynastien ist zumindest in der gesamten Asien-Pazifik-Region nirgends so ausgepr&auml;gt wie in den Philippinen. Der frischgek&uuml;rte 17. Pr&auml;sident ist der Sohn des 10. Pr&auml;sidenten. Benigno S. Aquino III., dessen Amtszeit von 2010 bis 2016 w&auml;hrte, war als 15. Pr&auml;sident des Landes der Sohn von Corazon C. Aquino, die als 11. Pr&auml;sidentin die Geschicke im Pr&auml;sidentenpalast Malaca&ntilde;ang zu Manila lenkte. Gloria Macapagal-Arroyo amtierte als 14. Pr&auml;sidentin von 2001 bis 2010. Sie ist die Tochter von Ex-Pr&auml;sident Diosdado Macapagal, der als 9. Pr&auml;sident der Philippinen eben dem Vater des jetzigen Pr&auml;sidenten weichen musste. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Alles klar? Na, dann sei halt noch die Prognose gewagt, dass &ndash; bleibt es bei der jeweils sechsj&auml;hrigen Amtszeit eines Pr&auml;sidenten jenseits revolution&auml;rer Erhebungen &ndash; 2028 die dann 50-j&auml;hrige Sara Duterte Marcos Junior beerbt und 2034 ihr Amt ihrerseits an Marcos&lsquo; &auml;ltesten Sohn, den 1994 geborenen Sandro, &uuml;bergibt.<\/p><p>Allein was die diesj&auml;hrige Pr&auml;sidentenwahl betrifft, so bleibt deren Vorbereitung, Durchf&uuml;hrung und Ausz&auml;hlung h&ouml;chst umstritten. Niemals trieben so viele Trolle ihr Unwesen und waren derma&szlig;en erbitterte Fehden in den sozialen Medien virulent, wie das im Fr&uuml;hjahr 2022 der Fall war:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es sollte festgehalten werden, dass die Pr&auml;sidentschaftswahlen im Mai 2022 keine fairen, demokratischen Wahlen darstellten. Stattdessen war es die Eroberung des &ouml;ffentlichen Raums. Die Daten-basierten Techniken der Debattenf&uuml;hrung in den Sozialen Medien waren h&ouml;chstwahrscheinlich unethisch, denn sie beinhalteten die Verletzung der Privatsph&auml;re, unnachgiebige Attacken auf den Ruf oppositioneller Kandidat:innen &uuml;ber den Verlauf von sechs Jahren und die Mobilisierung von tausenden Klick-Armeen und Online-Trollen im Inland sowie im Ausland. Es gab nie faire Wettbewerbsbedingungen. Die Demokratie wurde untergraben. Im Dokumentarfilm &sbquo;Der gro&szlig;e Hacker&lsquo;, sagt Brittany Kaiser, dass die britische Regierung microtargeting und die Methoden von Cambridge Analytica als export-kontrolliert einstuft, das hei&szlig;t sie wurden als Waffe konstruiert, eine taktische Kommunikationswaffe. Kaiser sagte der Wert von Google und Facebook ist, dass sie pers&ouml;nliche Daten von Menschen &uuml;ber alle Kontinente hinweg besitzen und wissen diese als Ware und als Waffe zu nutzen. Der beste Weg nach vorne, sagt sie, &sbquo;ist es f&uuml;r Menschen sich ihre eigenen Daten wie ein Besitzst&uuml;ck anzueignen&lsquo;&ldquo;.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ausgesetzte Friedensverhandlungen<\/strong><\/p><p>Seit dem Sturz seines Vaters vor 36 Jahren geh&ouml;rte es zum guten Ton jeder neuen Regierung in Manila, wenigstens als Geste von Goodwill die Bereitschaft zu Friedensgespr&auml;chen mit der Nationalen Demokratischen Front der Philippinen (NDFP) zu signalisieren. Die NDFP ist ein seit dem Fr&uuml;hjahr 1973 bestehendes Dachb&uuml;ndnis, das im politischen Untergrund agiert und heute 18 Organisationen mit der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) und deren Guerillaformation der Neuen Volksarmee (NPA) als Kern umfasst. Maximalziel der NDFP ist die Schaffung einer Volksdemokratischen Republik der Philippinen, um die ihrer Meinung nach fatale Herrschaft von &bdquo;Imperialismus-Feudalismus-b&uuml;rokratischem Kapitalismus&ldquo; zu brechen.<\/p><p>Noch bevor &bdquo;Bongbong&ldquo; seinen Amtseid leistete (bei demonstrativ ausgestreckter Zunge der First Lady Liza Araneta Marcos!), wies er die von ihm zur neuen Nationalen Sicherheitsberaterin ernannte Politologin Clarita R. Carlos an, im Namen der neuen Regierung keine Verhandlungen mehr mit der NDFP zu f&uuml;hren. W&ouml;rtlich erkl&auml;rte Frau Carlos, die von 1998 bis 2001 als Pr&auml;sidentin des Nationalen Verteidigungskollegs der Philippinen gedient hatte, dass ihre Regierung &bdquo;mit den Friedensgespr&auml;chen fertig&ldquo; sei.<\/p><p>Diese Erkl&auml;rung ignoriert s&auml;mtliche Friedensabkommen, die zwischen der Regierung der Republik der Philippinen und der NDFP von 1992 bis zum j&uuml;ngsten Abkommen von 2018 unterzeichnet wurden. Am 1. September 1992 hatten beide Parteien die <em>Gemeinsame Erkl&auml;rung von Den Haag<\/em> unterzeichnet, ein formelles Abkommen &uuml;ber Nicht-Kapitulation und Parit&auml;t, das den Weg zur L&ouml;sung der Ursachen des seit der Jahreswende 1968\/69 gef&uuml;hrten bewaffneten Konflikts in dem Inselstaat durch Verhandlungen ebnen sollte. Drei Jahre sp&auml;ter gew&auml;hrte das <em>Gemeinsame Abkommen &uuml;ber Sicherheits- und Immunit&auml;tsgarantien<\/em> allen Teilnehmern an den Friedensgespr&auml;chen, sowohl von der NDFP als auch von der GRP, Sicherheit und Immunit&auml;t. 1998 wurde schlie&szlig;lich in Den Haag das bahnbrechende <em>Umfassende Abkommen &uuml;ber die Achtung der Menschenrechte und des humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts<\/em> unterzeichnet. Die Pr&auml;sidenten der Republik der Philippinen und der Verhandlungsf&uuml;hrer der NDFP, Luis G. Jalandoni, setzten jeweils ihre Unterschriften unter diese Abkommen<em>. <\/em>Jalandoni lebt seit 45 Jahren im Exil im niederl&auml;ndischen Utrecht. Er war langj&auml;hriger internationaler Chefrepr&auml;sentant der NDFP und bis zum Herbst 2016 Delegationsleiter der NDFP bei den Friedensverhandlungen mit Vertretern der Republik der Philippinen.<\/p><p>Noch am 8. Juni 2018 hatten offizielle Vertreter der NDFP und der Regierung das sogenannte &bdquo;Stand-Down-Abkommen&ldquo; avisiert. Demnach sollte eine vor&uuml;bergehende Einstellung der Feindseligkeiten genutzt werden, um ein Treffen zwischen Pr&auml;sident Duterte und dem politischen Chefberater der NDFP, Jos&eacute; Maria Sison, in Norwegen vorzubereiten, unter dessen politisch-diplomatischer Schirmherrschaft die Friedensgespr&auml;che in den vergangenen Jahren gestanden und stattgefunden hatten. Dieses Abkommen sah auch die Unterzeichnung einer Amnestieerkl&auml;rung und die Freilassung politischer Gefangener vor. Dazu kam es aber nicht.<\/p><p><strong>Anhaltende Aufstandsbek&auml;mpfung<\/strong><\/p><p>Nunmehr ist zu bef&uuml;rchten, dass all diese Vertragswerke Makulatur werden. Schlimmer noch: Frau Carlos erkl&auml;rte nicht nur das Ende der Friedensgespr&auml;che mit der NDFP, sondern gleichzeitig auch ihre Absicht, die Dienste der <em>Nationalen Task Force zur Beendigung lokaler kommunistischer bewaffneter Konflikte (NTF-ELCAC)<\/em> beizubehalten. Diese Task Force war am 4. Dezember 2018 qua pr&auml;sidialer Exekutivorder Nr. 70 gebildet worden, um einen &bdquo;gesamtnationalen&ldquo; Ansatz der Regierung bei der Bek&auml;mpfung der anhaltenden kommunistischen Rebellion unter F&uuml;hrung der CPP und NPA zu institutionalisieren. Mittlerweile sind s&auml;mtliche Mitgliedsorganisationen der NDFP als &bdquo;terroristisch&ldquo; eingestuft. Ein Schicksal, das seit dem 15. Juni nunmehr auch den 87-j&auml;hrigen Jalandoni einschlie&szlig;t. Die unter Duterte landesweit entfesselte <em>Counterinsurgency<\/em> (Aufstandsbek&auml;mpfung) bleibt an der Tagesordnung. Ebenso das <em>red-tagging<\/em> in einem Klima aufgepeitschten Antikommunismus &ndash; gezieltes Denunzieren von Sozialaktivisten unterschiedlicher Couleur als &bdquo;Kriminelle&ldquo; und\/oder &bdquo;Terroristen&ldquo;.<\/p><p>Letztes prominentes Opfer des <em>red-tagging<\/em> wurde mit Walden Bello ein bekannter philippinischer Soziologe, Politiker und im Jahre 2003 mit dem alternativen Nobelpreis geehrter Sozialaktivist. Der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Linken, Heinz Bierbaum, &auml;u&szlig;erte sich am 10. August besorgt zur Inhaftierung Bellos wegen angeblicher Verleumdung der Vizepr&auml;sidentin Sara Duterte. Alles spricht f&uuml;r eine Racheaktion Dutertes, weil Bello es nicht nur gewagt hatte, gegen sie im Wahlkampf zu kandidieren, sondern weil er &uuml;berdies eine enge Mitarbeiterin der nunmehrigen Vizepr&auml;sidentin des Drogenschmuggels zieh.<\/p><p><strong>Amtseinf&uuml;hrung mit massiven Protesten<\/strong><\/p><p>Die Amtseinf&uuml;hrung von Ferdinand Marcos jr. am 30. Juni wurde von Protesten in der Hauptstadt Manila, in anderen philippinischen St&auml;dten sowie in den USA begleitet. Die Demonstranten wiesen den &bdquo;illegitimen Marcos II.&ldquo; zur&uuml;ck, der die Wahlen &bdquo;durch L&uuml;gen und Geschichtsrevisionismus&ldquo; gewonnen habe. Sie forderten au&szlig;erdem h&ouml;here L&ouml;hne, die Abschaffung der Verbrauchssteuer auf Treibstoff, eine Senkung der Preise f&uuml;r Grundnahrungsmittel sowie die Wahrung der Menschenrechte und ein Ende der sogenannten Kultur der Straffreiheit f&uuml;r T&auml;ter, die meist im Umfeld staatlicher &bdquo;Sicherheits&ldquo;kr&auml;fte verortet werden.<\/p><p>Marcos&lsquo; Antrittsrede wie auch seine am 25. Juli erfolgte erste Ansprache an seine Landsleute in Rahmen der allj&auml;hrlich pr&auml;sidialen <em>Rede zur Lage der Nation (SONA)<\/em> waren, was die formale Pr&auml;sentation betraf, gut vorgetragen und diszipliniert skriptgebunden. Ganz im Gegenteil zu seinem Vorg&auml;nger, der gern improvisierte, dabei jedoch h&auml;ufig in einen Gossen- und Gassenjargon abdriftete, der allenfalls Kleingaunern gut zu Gesicht gestanden h&auml;tte.<\/p><p>Wenngleich er auch bei diesen Gelegenheiten betonte, nicht zur&uuml;ckblicken und in Vergangenem schwelgen zu wollen, w&uuml;rdigte Marcos explizit die Taten seines Vaters, in dessen Fu&szlig;stapfen er nun trete. So wie Marcos Senior Ende 1965 bei seiner Amtseinf&uuml;hrung den Slogan ausgab: &bdquo;Wir werden wieder eine gro&szlig;e Nation werden&ldquo;, so lautete die Botschaft von Marcos Junior im Rahmen der SONA:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich wei&szlig; es in meinem Kopf, ich wei&szlig; es in meinem Herzen, ich wei&szlig; es in meiner Seele: Der Zustand der Nation ist gesund.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aus Sicht seiner politischen Widersacher und Kritiker ist das mitnichten der Fall. F&uuml;r sie verdr&auml;ngte Marcos schlicht die Tatsache, dass sich das Land in einer tiefen Krise befindet. Selbst verw&auml;sserte offizielle Statistiken zeigen, dass 26,14 Millionen Filipinos in absoluter Armut und 10,19 Millionen weitere am Existenzminimum leben. Die neuesten verf&uuml;gbaren Daten weisen die Philippinen als das in der westlichen Pazifikregion &auml;rmste Land aus, was die Arbeitslosen- und Inflationsraten betrifft.<\/p><p>Unter Duterte sind vor allem die Staatsschulden immens gestiegen: von 5,7 Billionen Peso (umgerechnet 103 Mrd. US$) im Jahr 2016 auf 12,7 Billionen Peso (229,5 Mrd. US$) im ersten Quartal 2022! Marcos Jr. unterlie&szlig; es ebenfalls, den von seinem Vorg&auml;nger entfesselten &bdquo;Anti-Drogenkrieg&ldquo; mitsamt groben Menschenrechtsverletzungen zu erw&auml;hnen. &Uuml;berhaupt waren in beiden Marcos-Reden das Markanteste die Tatsachen, die er geflissentlich unerw&auml;hnt lie&szlig; und tunlichst mied.<\/p><p><strong>Die Botschaft des Ungesagten<\/strong><\/p><p>In seiner allsonnt&auml;glichen Kolumne in der auflagenstarken Tageszeitung <em>The Philippine Daily Inquirer<\/em> schrieb der emeritierte Soziologe Randy David am 3. Juli:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&sbquo;Ich habe in diesem Wahlkampf nicht viel geredet. Ich habe mir nicht die M&uuml;he gemacht, meine Rivalen zu widerlegen. Stattdessen habe ich nach vielversprechenden Ans&auml;tzen gesucht, die besser sind als die &uuml;blichen L&ouml;sungen. Ich habe Ihnen zugeh&ouml;rt.&lsquo; Dies ist ein Versuch, aus seiner (Marcos&lsquo; &ndash; RW) Weigerung, an den von der Comelec (staatlichen Wahlkommission &ndash; RW) gesponserten Pr&auml;sidentschaftsdebatten teilzunehmen, eine Tugend zu machen. Wie sollen die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler entscheiden, wenn die Regierungsprogramme aus Angst vor weiteren Meinungsverschiedenheiten nicht der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt werden? Wenn die Kandidaten sich weigern, Fragen &uuml;ber sich selbst zu beantworten, wie sollen die W&auml;hler dann erkennen, ob sie l&uuml;gen oder die Wahrheit sagen? Dazu sagt Herr Marcos Jr. nichts.&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Und David res&uuml;miert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Je mehr er (Marcos &ndash; RW) spricht, desto mehr wird er zum Schweigen gebracht. Er sagt nichts &uuml;ber die Probleme, die sein Vorg&auml;nger hinterl&auml;sst. Aber er hat Zeit, ihn zu loben: &sbquo;Pr&auml;sident Rodrigo Roa Duterte hat mehr und besser aufgebaut als alle Regierungen, die auf die meines Vaters folgten.&lsquo;&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Wie hei&szlig;t es so trefflich im Volksmund: &bdquo;Eine Kr&auml;he hackt der anderen kein Auge aus.&ldquo; Im &uuml;berschaubaren Zirkel philippinischer Elitenherrschaft erst recht nicht, egal wie gro&szlig; die Missetaten der Vorg&auml;nger und Vorv&auml;ter auch waren.<\/p><p>Titelbild: em_concepts\/shuttestock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <em>N&auml;heres in: Rainer Werning\/J&ouml;rg Schwieger (Hg.): <a href=\"https:\/\/www.regiospectra.de\/buecher\/handbuch-philippinen-detail\">Handbuch Philippinen<\/a> *<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Southeast_Asia_Treaty_Organization\">de.wikipedia.org\/wiki\/Southeast_Asia_Treaty_Organization<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.frwiki.wiki\/wiki\/Liste_des_pr%C3%A9sidents_des_Philippines\"><em>Liste der Pr&auml;sidenten der Philippinen * <\/em><\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <em>Eric D. U. Gutierrez und Lilli Breininger: <a href=\"https:\/\/www.asienhaus.de\/aktuelles\/praesidentschaftswahlen-in-den-philippinen-eroberung-der-oeffentlichkeit\/\">Pr&auml;sidentschaftswahlen in den Philippinen: Die Eroberung der &Ouml;ffentlichkeit *<\/a><\/em> &ndash; hier: S. 16<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <em>Randy David am 3. Juli 2022 im Philippine Daily Inquirer * <\/em><a href=\"https:\/\/opinion.inquirer.net\/154625\/ferdinand-marcos-jr-s-inaugural-speech\">opinion.inquirer.net\/154625\/ferdinand-marcos-jr-s-inaugural-speech<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Ebda.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 64-j&auml;hrige Diktatorensohn Ferdinand Marcos Junior &ndash; von seinen Anh&auml;ngern kurz &bdquo;Bongbong&ldquo; oder noch k&uuml;rzer &bdquo;BBM&ldquo; genannt &ndash; wurde am 30. Juni als 17. philippinischer Pr&auml;sident vereidigt. Und das ausgerechnet im Nationalmuseum der Metropole Manila, einem neoklassizistischen Bau, der 1921 von den damaligen US-amerikanischen Kolonialherren errichtet wurde und bis 1972 als Kongressgeb&auml;ude diente. Dort lie&szlig;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86991\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86992,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,190],"tags":[881,912,282,374,2161,3228,1971,1556],"class_list":["post-86991","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-wahlen","tag-armut","tag-buergerkrieg","tag-buergerproteste","tag-eliten","tag-friedensabkommen","tag-marcos-jr-ferdinand","tag-philippinen","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/shutterstock_1990540664.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86991"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87013,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86991\/revisions\/87013"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86991"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}