{"id":86999,"date":"2022-08-17T10:47:23","date_gmt":"2022-08-17T08:47:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86999"},"modified":"2022-08-22T16:56:27","modified_gmt":"2022-08-22T14:56:27","slug":"gasumlage-warum-blickt-niemand-auf-den-elefanten-im-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86999","title":{"rendered":"Gasumlage \u2013 Warum blickt niemand auf den Elefanten im Raum?"},"content":{"rendered":"<p>Die H&ouml;he der als &bdquo;Gasumlage&ldquo; bezeichneten Abgabe, mit der die Bundesregierung die &bdquo;Rettung&ldquo; des gro&szlig;en Gasimporteurs Uniper finanzieren will, steht nun fest. Es sind 2,419 Cent. Nachrichtenformate wie die Tagesschau <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-52725.html\">beziffern<\/a> die Mehrbelastung eines durchschnittlichen Haushalts auf 484 Euro pro Jahr. Dabei geht meist unter, dass diese Umlage nur ein kleinerer Teil der Mehrbelastung ist und die massiv gestiegenen Gaspreise ja noch hinzugerechnet werden m&uuml;ssen. Auch Kritiker, vor allem aus der politischen Linken, haben sich nun auf diese Gasumlage eingeschossen und wollen in Protesten gegen diese Umlage mobilisieren. Das ist ein Scheingefecht, das an der L&ouml;sung des Gesamtproblems vorbeigeht. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2933\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86999-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86999-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220817_Gasumlage_Warum_blickt_niemand_auf_den_Elefanten_im_Raum_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86415\">Mehrkosten im mittleren vierstelligen Bereich &ndash; das wird ein hei&szlig;er Winter trotz kalter Wohnungen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86619\">Ist nur Russland schuld an den hohen Gaspreisen?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86817\">Gasmangel &ndash; der Wahnsinn nimmt seinen Lauf<\/a>\n<\/p><\/div><p>Um eine grobe Ahnung von den k&uuml;nftig noch zu erwartenden Preissteigerungen f&uuml;r Erdgas zu bekommen, ist es ganz hilfreich, sich einmal den aktuellen B&ouml;rsenpreis f&uuml;r Erdgas an der Leipziger Energieb&ouml;rse EEX <a href=\"https:\/\/www.eex.com\/de\/marktdaten\/erdgas\/egix-index\">anzuschauen<\/a>. Dort wurde eine Megawattstunde gestern f&uuml;r 234 Euro gehandelt. Das ist erstmal ein abstrakter Wert. Rechnet man dies jedoch auf die f&uuml;r Haushalte relevante Gr&ouml;&szlig;e um, kommt man auf 23,4 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Gaspreis f&uuml;r Haushalte betr&auml;gt zurzeit bei den Versorgern, die den Arbeitspreis bereits angepasst haben, inklusive der Gasumlage, 19,56 Cent und liegt damit rund vier Cent unter dem B&ouml;rsenpreis, der jedoch ein Gro&szlig;handelspreis ohne Steuern und Abgaben und ohne Netzentgelte sowie die Kosten der Endversorger ist, die ja beim Endkundenpreis noch hinzugez&auml;hlt werden m&uuml;ssen. <\/p><p>Ist der B&ouml;rsenpreis ma&szlig;geblich f&uuml;r den Endkundenpreis? Ja! Denn seit einigen Jahren orientieren sich auch langfristige Liefervertr&auml;ge &uuml;ber ihre Preisanpassungsklauseln an diesem B&ouml;rsenpreis; nur halt zeitversetzt. Dies im Hinterkopf, sollte klar sein, dass wir bei der nun hei&szlig; debattierten Gasumlage leider tats&auml;chlich nur &uuml;ber einen kleinen Teil der bereits in diesem Herbst und sp&auml;ter zu erwartenden Mehrbelastungen f&uuml;r Verbraucher sprechen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220817_Gasumlage-p2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220817_Gasumlage-p2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>&Uuml;bertr&auml;gt man die bereits heute von vielen Versorgern vorgenommenen Preissteigerungen auf einen durchschnittlichen, in einem Einfamilienhaus lebenden Haushalt, kommt man auf einen neuen Gaspreis von 3.912 Euro pro Jahr &ndash; das sind 2.582 Euro mehr als im Jahr zuvor, da zu den von Tagesschau und Co. genannten 484 Euro f&uuml;r die Gasumlage noch 2.098 Euro f&uuml;r den h&ouml;heren Arbeitspreis kommen. Wie bereits gesagt: Das betrifft alle Haushalte, auch wenn einige Versorger immer noch mit den neuen Preisen ab Oktober hinter dem Berg halten. Auch bei ihnen wird eine Preiserh&ouml;hung folgen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und: Die hier genannten Zahlen betreffen &bdquo;nur&ldquo; die erste Preiserh&ouml;hungsrunde. Alleine der Umstand, dass der Endkundenpreis inkl. Steuern, Abgaben und Margen zurzeit unter dem Gro&szlig;handels-Nettopreis liegt, zeigt, dass hier das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist.<\/p><p>Und was macht die Politik? Man zofft sich derzeit, ob auf die Umlage noch Umsatzsteuern erhoben werden. Nat&uuml;rlich, das ist vor allem f&uuml;r finanzschwache Haushalte eine wichtige Frage, wirkt bei Betrachtung der Gesamtbelastungen aber so, als streite man sich bei einem Haus mit wegbrechendem Fundament dar&uuml;ber, ob die Fensterfarbe wetterfest ist. Und wer die Nachrichten nur oberfl&auml;chlich verfolgt, wiegt sich dabei oft immer noch in Sicherheit, dass die zu erwartenden Mehrkosten mit einem dreistelligen Betrag pro Jahr ja noch halbwegs &uuml;berschaubar sind und man das schon irgendwie hinbekommt. <\/p><p>Der Bundesregierung kann dies nur recht sein. Ein Volk, das sich seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten in einer Duldungsstarre eingerichtet hat, braucht schon ein ordentliches &bdquo;Hallo Wach!&ldquo;, um auf die Stra&szlig;e zu gehen und seinen gew&auml;hlten Volksvertretern Feuer unter dem Hintern zu machen. Die kommunizierten 484 Euro sind &ndash; gerade f&uuml;r viele Angeh&ouml;rige der politisch passiven Mittelschicht &ndash; noch kein &bdquo;Hallo Wach!&ldquo;. Mehrbelastungen im mittleren vierstelligen Bereich w&auml;ren es jedoch. Honi soit qui mal y pense &ndash; das Fokussieren auf die Gasumlage ist also durchaus staatstragend und passt damit eigentlich recht gut in den auch ansonsten staatstragenden Kurs der Medienberichterstattung.<\/p><p>Nicht wirklich einleuchtend ist jedoch, warum diejenigen, die dennoch auf die Stra&szlig;e gehen werden, sich auf diesen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/gasumlage-linken-politiker-soeren-pellmann-ruft-zu-montagsdemos-auf-a-ed60e000-0165-4203-88d9-7db78831ee4f\">Randaspekt fokussieren sollten<\/a>. Sicher, man k&ouml;nnte die Umlage auch &uuml;ber Steuern finanzieren und damit gerechter verteilen. Dann w&uuml;rden einkommensschwache Haushalte, die mit Gas heizen, ein wenig entlastet werden. Aber auch das ist letztlich nur ein Scheingefecht, bei dem es &bdquo;nur&ldquo; um einen kleinen Teil der horrenden Mehrbelastung geht. Die Gaspreiserh&ouml;hung selbst ist der Elefant im Raum. Alle sehen ihn, aber keiner nimmt ihn wahr.<\/p><p>Auch das folgt einer gewissen Logik. Denn ein wenig Kosmetik rund um die Gasumlage ist ja durchaus innerhalb des Koordinatensystems der Regierungspolitik. Man federt hier ein wenig ab, verteilt dort ein wenig um &ndash; ein paar Euro reichen. Und schon hat die Umlage ein soziales M&auml;ntelchen. Man streicht die Fenster rot &hellip; und das wegbrechende Fundament ignoriert man. <\/p><p>Wer sich auf die Gasumlage fokussiert, muss sich halt nicht mehr der eigentlich wichtigen Frage widmen: Wie schaffen wir es, dass der Gaspreis wieder auf das langj&auml;hrige Mittel sinkt und die Menschen es im Winter warm haben, ohne daf&uuml;r Unsummen zu bezahlen? Wie schaffen wir es, dass Energie f&uuml;r Industrie und Wirtschaft wieder ein bezahlbares Gut wird und die energiebedingten Kostensteigerungen nicht derart auf die Produktpreise umgelegt werden, dass dies die Inflation antreibt und gleichzeitig die Konkurrenzf&auml;higkeit deutscher Hersteller ruiniert? <\/p><p>Aber diese Debatte ist nun einmal f&uuml;r die Bundesregierung und die gro&szlig;en Medien unbequem. Wer f&uuml;r &bdquo;die Ukraine&ldquo; oder gar &bdquo;die Freiheit&ldquo; frieren will und den steigenden Preisen im Angesicht der n&ouml;tigen Energiewende durchaus was abgewinnen kann, wird die L&ouml;sungen f&uuml;r das Energiepreisproblem als Tabu ansehen. Dabei gen&uuml;gt ein Blick auf die Landkarte. Deutschland braucht Gas, Russland hat Gas. Die vergangenen 50 Jahre haben gezeigt, dass Russland dieses Gas seinen westlichen Nachbarn bei allen Schwankungen in den gemeinsamen Beziehungen auch gerne zuverl&auml;ssig und zu fairen Preisen verkauft. Zumindest so lange, wie Deutschland den Bogen nicht &uuml;berspannt hat und seinem Nachbarn einen als &bdquo;Sanktionen&ldquo; besch&ouml;nigten Wirtschaftskrieg erkl&auml;rt hat und sich von den USA in einen Stellvertreterkrieg gegen Russland ziehen lie&szlig;. Die Folgen dieser Politik sehen wir nun auf unserer Gasrechnung. Dass die Bundesregierung nicht daran erinnert werden will, versteht sich von selbst.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87099\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Screenshot Tagesschau<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/d004de644298409fbe434390edc4deaa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H&ouml;he der als &bdquo;Gasumlage&ldquo; bezeichneten Abgabe, mit der die Bundesregierung die &bdquo;Rettung&ldquo; des gro&szlig;en Gasimporteurs Uniper finanzieren will, steht nun fest. Es sind 2,419 Cent. Nachrichtenformate wie die Tagesschau <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-52725.html\">beziffern<\/a> die Mehrbelastung eines durchschnittlichen Haushalts auf 484 Euro pro Jahr. 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