{"id":871,"date":"2005-09-12T15:22:48","date_gmt":"2005-09-12T13:22:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=871"},"modified":"2016-03-04T12:17:40","modified_gmt":"2016-03-04T11:17:40","slug":"szenario-schwarz-rot-kirchhof-ist-nicht-dabei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=871","title":{"rendered":"\u201eSzenario Schwarz-Rot Kirchhof ist nicht dabei\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das ist die prognostische Aussage eines <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498\/Doc~E10FB836856414C35893694BEFBE265BD~ATpl~Ecommon~Scontent.html#top\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498\/Doc~E10FB836856414C35893694BEFBE265BD~ATpl~Ecommon~Scontent.html#top\">Artikels<\/a> in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Beitrag von Eckart Lohse ist in mehrfacher Hinsicht interessant:<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>Er skizziert den wahrscheinlichen Ablauf nach dem Wahltag ziemlich genau. Schr&ouml;der hat ehrenhaft gek&auml;mpft, so die Parole, und hat mit den Neuwahlen daf&uuml;r gesorgt, dass der &bdquo;Reformkurs&ldquo; weitergefahren werden kann. Er kann unter Angela Merkel in einer gro&szlig;en Koalition verst&auml;ndlicherweise nicht Kanzler bleiben und sich getrost zur&uuml;ckziehen, ohne dass es eine Debatte &uuml;ber sein politisches Scheitern gibt.<\/li>\n<li>Der Artikel zeigt deutlich, was in der neoliberalen Fraktion innerhalb der SPD gedacht wird. (Lohse ist der Spezialist der FAZ f&uuml;r die SPD. Er kennt sich dort gut aus).<\/li>\n<li>Der Artikel &ndash; wie &uuml;brigens auch ein Kommentar des Berliner Korrespondenten der S&uuml;ddeutschen Zeitung Kister vom 10.9. &ndash; zeigt, dass bei den Verfechtern des Agenda-Kurses versucht wird, jetzt schon die Pfl&ouml;cke zur Fortsetzung des neoliberalen Kurses auch auf Seiten der SPD einzuschlagen. Mit der absichtsvollen Spekulation, Steinbr&uuml;ck werde der Vizekanzler einer gro&szlig;en Koalition unter der F&uuml;hrung von Angela Merkel, wird der von Schr&ouml;der eingeleitete Kurs des Scheiterns der SPD durch Bef&ouml;rderung der in Nibelungentreue Gescheiterten fortgesetzt: Wichtigste Voraussetzung f&uuml;r eine Karriere in der &bdquo;modernisierten&ldquo; SPD ist das Versagen und die Wahlniederlage mit Abwahl aus dem Amt: Eichel wurde als Ministerpr&auml;sident in Hessen abgew&auml;hlt &ndash; und prompt drei Monate sp&auml;ter Finanzminister bei Schr&ouml;der. Clement hat in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen und die Europawahlen dramatisch verloren und war auf einem Stimmungstief angelangt, auch weil er ein Projekt nach dem andern in den Sand gesetzt hatte &ndash; daf&uuml;r wurde er mit dem Superministerium f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit in Berlin belohnt. Klimmt wurde im Saarland abgew&auml;hlt &ndash; und daraufhin Verkehrsminister in Berlin. Mirow wurde in Hamburg als Erster B&uuml;rgermeister abgew&auml;hlt &ndash; und in Berlin zum Wirtschaftsberater des Bundeskanzlers gemacht. Siegmar Gabriel wurde als Ministerpr&auml;sident in Niedersachsen abgew&auml;hlt &ndash; und gilt seitdem als Hoffnungstr&auml;ger der SPD insgesamt.<\/li>\n<li>Mit Steinbr&uuml;ck w&uuml;rde eine Person zum Vizekanzler, die sowohl als schleswig-holsteinischer Wirtschafts- als auch als nordrhein-westf&auml;lischer Finanzminister und schlie&szlig;lich als Ministerpr&auml;sident &bdquo;Kurs gehalten&ldquo; hat. Mit der akkuraten Verteidigung des Schr&ouml;der-Kurses meinte er sogar die nordrhein-westf&auml;lischen Landtagswahlen gewinnen zu k&ouml;nnen. Er ist ein &uuml;berzeugter und linientreuer Anh&auml;nger einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, er hat den ganzen Wust von Vorurteilen gegen konjunkturankurbelnde Ma&szlig;nahmen bedient und mobilisiert. Er hat, obwohl er als Finanzminister eigentlich aus seinen eigenen Fehlern h&auml;tte lernen m&uuml;ssen, nie verstanden, dass volkswirtschaftlich betrachtet Sparabsicht und Sparerfolg nicht dasselbe sind. Wenn ein Finanzminister in die Krise hineinspart, dann versch&auml;rft er die Krise, nimmt weniger an Steuern ein und erh&ouml;ht die Schulden, statt sie abzubauen. Siehe Denkfehlernummer 31 in &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&rdquo;. Das alles wei&szlig; Steinbr&uuml;ck nicht. Vermutlich bedeutete er sogar eine Radikalisierung der Sparabsichtspolitik gegen&uuml;ber Eichel.<\/li>\n<li>Er w&auml;re auch ein Beleg f&uuml;r die programmatische und qualitative personelle Ausblutung der SPD. Das Mittelma&szlig; triumphiert. Und bemerkenswert: Hier werden Personalentscheidungen vorweg und nicht durch die berufenen Gremien getroffen, sondern im Zusammenspiel der neoliberalen Bewegung in und au&szlig;erhalb der SPD.<\/li>\n<li>In verantwortlicher Regierungsfunktion k&ouml;nnte er dann einmal mehr auf die schon sprichw&ouml;rtliche sozialdemokratische Disziplin setzen und eine Aufarbeitung des Scheiterns der Agenda-SPD verhindern.<\/li>\n<\/ol><p>Der Artikel in der FAS ist insgesamt lesenswert f&uuml;r alle, die wissen wollen, was auf uns zukommt, wenn der Steinbr&uuml;ck-Clement-Schily-Schr&ouml;der-M&uuml;ntefering-Fl&uuml;gel auch nach einer verlorenen Wahl das Sagen beh&auml;lt. Wir werden auch erleben, dass jeder Prozentpunkt oberhalb von 32% f&uuml;r die SPD als gro&szlig;er Sieg verkauft wird. Auch das deutet sich heute schon an. Und diese besch&ouml;nigende Interpretation wird benutzt, um den neoliberalen Fl&uuml;gel in der SPD an der Macht zu halten, auch ohne Schr&ouml;der. Mit seiner Neuwahlentscheidung hatte dieser ja ohnehin zu erkennen gegeben, dass er pers&ouml;nlich nicht weiterregieren will (dass er das nicht schafft, war f&uuml;r jeden Wahlforscher ziemlich klar), sondern dass es ihm im besten Falle nur noch um die Fortsetzung des von ihm brachial durchgesetzten Kurswechsel hin zu einer neoliberalen &bdquo;Reformpolitik&ldquo; ging &ndash; ob durch Schwarz-Gelb oder durch eine gro&szlig;e Koalition.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die prognostische Aussage eines <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498\/Doc~E10FB836856414C35893694BEFBE265BD~ATpl~Ecommon~Scontent.html#top\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498\/Doc~E10FB836856414C35893694BEFBE265BD~ATpl~Ecommon~Scontent.html#top\">Artikels<\/a> in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 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