{"id":8722,"date":"2011-03-18T10:42:59","date_gmt":"2011-03-18T09:42:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8722"},"modified":"2014-08-12T11:34:51","modified_gmt":"2014-08-12T09:34:51","slug":"nachtrag-zur-frage-ob-die-demokratische-sanktion-noch-funktioniert-ein-nachdenkseiten-leser-meint-im-blick-auf-baden-wurttemberg-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8722","title":{"rendered":"Nachtrag zur Frage, ob die demokratische Sanktion noch funktioniert. Ein NachDenkSeiten-Leser meint im Blick auf Baden-W\u00fcrttemberg: Nein!"},"content":{"rendered":"<p>Seine Beobachtungen sind von allgemeinem Interesse. Hier seine Mail: Ihre vor kurzem im Sonderbeitrag <a href=\"?p=8686\">&bdquo;Spannendes Gro&szlig;experiment zur Frage, ob die demokratische Sanktion, also die Bestrafung f&uuml;r Fehlverhalten, noch funktioniert&ldquo;<\/a> (15. M&auml;rz 2011) gestellte Frage, ob das System der demokratischen Meinungsbildung noch funktioniert, kann ich zumindest f&uuml;r Baden-W&uuml;rttemberg mit ziemlicher Gewissheit vorhersagen: es funktioniert nicht.  Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDies mache ich an zwei Punkten fest und verweise dazu zun&auml;chst auf das am 16.3. gelaufene <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/nachrichten\/wahl\/-\/id=7501710\/did=7776130\/pv=video\/nid=7501710\/1qd7wxd\/index.html\">TV-Duell<\/a> im SWR-Fernsehen zwischen Mappus (CDU) und  Schmid (SPD):<\/p><ol>\n<li>Ohne jetzt auf das gesamte Duell einzugehen, habe ich f&uuml;r mich die Beobachtung gemacht, dass Hr. Mappus an drei Stellen des Abends so ziemlich hilflos dastand: Zum einen nat&uuml;rlich erwartungsgem&auml;&szlig; beim Thema Energiepolitik. Die Widerspr&uuml;che, in der sich seine Partei und auch er selbst verstrickt haben, konnte er auch an diesem Abend nicht aufl&ouml;sen. Zum zweiten, als es um den Kauf der EnBW-Anleihen ging. In welchem Dilemma sich Hr. Mappus in diesem Fall befindet, haben Sie ja auf den Nachdenkseiten am17.3. bereits ausf&uuml;hrlich dargelegt. Und zu guter Letzt beim Thema Stuttgart 21 und zwar, als es konkret um die Frage ging, wie Hr. Mappus zu den Planungsunsicherheiten bez&uuml;glich des Filderbahnhofs steht. Hier versuchte er aus meiner Sicht sehr plump, der eigentlichen Frage auszuweichen und wurde &uuml;berraschend deutlich von den Moderatoren darauf hingewiesen. Letztlich blieb er aber eine wirkliche Antwort schuldig.\n<p>Nach dem Duell wurden dann die drei Chefredakteure der gr&ouml;&szlig;ten Tageszeitungen des S&uuml;dwestens (Hr. Hauser von der Badischen Zeitung, Hr. Wiedenhaus von der S&uuml;dwestpresse und Hr. Dorfs von der Stuttgarter Zeitung) im Studio zu ihren Eindr&uuml;cken befragt. Alle kamen mehr oder weniger zum Schluss, dass sich kein Kandidat einen Vorteil erarbeiten konnte und ein Duell &ldquo;auf Augenh&ouml;he&rdquo; stattgefunden habe. Kein Wort &uuml;ber die f&uuml;r mich sehr deutlichen Widerspr&uuml;che in den Ausf&uuml;hrungen von Hr. Mappus, keine Kritik oder wenigstens eine Anmerkung zu seinen Ausweichman&ouml;vern. Wenn es noch eines weiteren Beweises bed&uuml;rfte, wie unkritisch die Medien in Baden-W&uuml;rttemberg mit &ldquo;ihrer&rdquo; CDU umgehen, dann haben wir ihn gestern alle live vor laufenden Kameras erleben m&uuml;ssen. Von einem &bdquo;Duell auf Augenh&ouml;he&ldquo; h&auml;tte man n&auml;mlich nur sprechen k&ouml;nnen, wenn auch Hr. Schmid in einzelnen Punkten in solch eine arge Bedr&auml;ngnis gekommen w&auml;re, dies ist mir jedoch nicht aufgefallen. Also kann man sich folgerichtig die Frage stellen: weshalb hofieren unsere unabh&auml;ngigen Medien den Ministerpr&auml;sidenten so offensichtlich? Falls ich tats&auml;chlich plausible Antworten der jeweiligen Chefredakteure auf diese Frage erhalten sollte, werde ich Ihnen diese gerne mitteilen. <\/p><\/li>\n<li>Was f&uuml;r mich pers&ouml;nlich aber deutlich erschreckender war: zeitgleich zum Duell wurde an der Uni Hohenheim eine &ldquo;Blitzanalyse&rdquo; durchgef&uuml;hrt: 120 ausgew&auml;hlte B&uuml;rger (&ldquo;ein bunter Querschnitt der Bev&ouml;lkerung&rdquo;) sollten w&auml;hrend des Duells per Regler mitteilen, wer aus ihrer Sicht den besseren Eindruck bei ihnen hinterl&auml;sst. Dieser Regler konnte jederzeit w&auml;hrend der gesamten Veranstaltung zugunsten eines Kandidaten gedreht werden, um so anschlie&szlig;end sekundengenau eine Auswertung zu den jeweiligen Themenbl&ouml;cken vornehmen zu k&ouml;nnen. Herausragendes Ergebnis: Hr. Mappus erntete die st&auml;rkste Zustimmung (auch auf Seiten der Menschen, die sich zuvor dem SPD-Lager zugeh&ouml;rig gef&uuml;hlt haben!) exakt in dem Moment, als er beim Thema Spitzensteuersatz ein &ldquo;Argument&rdquo; (hohle Phrase trifft es wohl besser) gegen eine Erh&ouml;hung vorbrachte, welches wir alle sehr gut kennen, n&auml;mlich: Leistung muss sich lohnen [sic].<\/li>\n<\/ol><p>Nun kann man sich nat&uuml;rlich die Frage stellen, ob die Menschen entweder einfach nicht richtig zuh&ouml;ren, oder es doch tats&auml;chlich so ist, dass die Mehrzahl ein &ldquo;weiter so&rdquo; bef&uuml;rwortet und somit die seit einigen Jahren faktisch zunehmende steuerliche Entlastung unserer &ldquo;Leistungstr&auml;ger&rdquo; von weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung zustimmend mitgetragen wird. Was nun der Fall ist, wei&szlig; ich ehrlich gesagt nicht. <\/p><p>Allein diese beiden Beobachtungen lassen in mir die Hoffnung schwinden, dass sich im L&auml;ndle irgend etwas in naher Zukunft ver&auml;ndern wird.<\/p><p>Mein Prognose f&uuml;r den 27. M&auml;rz 2011: Da es Die Linke leider nicht in den Landtag schaffen wird, reicht der schwarz-gelben Regierung eine denkbar knappe Mehrheit, um weiter regieren zu k&ouml;nnen. Zum Thema Energiepolitik wird Fr. Merkel in einem knappen Vierteljahr etwas von einem wirtschaftlich vern&uuml;nftigen und moralisch vertretbaren Energiemix erz&auml;hlen. Die Sicherheits&uuml;berpr&uuml;fungen werden ergeben haben, dass tats&auml;chlich am ein oder anderem Kraftwerk ein paar Schrauben nachgezogen werden m&uuml;ssen, aber zusammengefasst besteht f&uuml;r die B&uuml;rger keine unmittelbare Gef&auml;hrdung, was dann eben auch rechtlich ein R&uuml;cknahme der Laufzeitverl&auml;ngerungen erschwert.<\/p><p>Kurz gesagt: Mund abwischen und weiter geht&rsquo;s.<\/p><p>Leider nicht arg hoffnungsvolle Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nBj&ouml;rn Barthold<\/p><p><strong>Anmerkungen Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><p><strong>Erstens:<\/strong> In diesem Bericht wird wieder einmal deutlich, dass es eine klar erkennbare Asymmetrie im Verhalten wichtiger Medien &ndash; siehe die Einsch&auml;tzung der Chefredakteure &ndash; gegen&uuml;ber &bdquo;ihrem&ldquo; konservativen Lager und gegen&uuml;ber der Alternative links von der Mitte gibt. Die Parteien links von der Mitte ziehen aus dieser Einseitigkeit leider nicht die notwendigen Schl&uuml;sse: Weder in Baden-W&uuml;rttemberg noch in Rheinland-Pfalz, wo am gleichen Tag, am 27. M&auml;rz, gew&auml;hlt wird, wird von Seiten der SPD und der Gr&uuml;nen diese spezielle Medienbarriere thematisiert. Ob von der Linkspartei, konnte ich nicht feststellen. <\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Noch ist die Wahl nicht gelaufen. Wenn die Gefahr besteht, wie Bj&ouml;rn Barthold feststellt, dass die Linke scheitert und damit Mappus gerettet wird, dann kann das doch auch hei&szlig;en, der Linken &uuml;ber die 5%-H&uuml;rde zu helfen. Progressive Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne haben eh ein Interesse daran, dass der Druck auf ihre Parteif&uuml;hrungen von Seiten der Linkspartei erhalten bleibt. Also ist doch klar, was zu tun ist. <\/p><p>P.S.: Nachtrag am Mittag &ndash; die einschl&auml;gige Mail eines NDS-Nutzers:<\/p><blockquote><p><em>Guten Tag,<\/em><\/p>\n<p><em>zur schlechten Rolle der Badischen Zeitung m&ouml;chte ich erg&auml;nzen:<\/em><br>\n<em>K&uuml;rzlich hat die BZ ( Herr R&uuml;skamp ) zu suggerieren versucht, dass die Linke bei ca. 2 % Zustimmung liege und Linke-Stimmen folglich verlorene Stimmen seien.<\/em><br>\n<em>Herr R&uuml;skamp berief sich dabei auf eine Umfrage, deren Methode als verf&auml;lschend zuvor bereits bekannt war (Umfrage nur bei Festnetzanschlussinhabern). Es war also eine gewollte L&uuml;ge.<\/em><br>\n<em>Seit ich mit dem Presserat gedroht habe und die Landeswahlleiterin angeschrieben habe, hat die BZ es unterlassen, diese L&uuml;ge weiterzuverbreiten.<\/em><br>\n<em>Falls man einen Erfolg der L&uuml;ge aus dem Wahlergebnis herauslesen kann, w&auml;re dieses Verhalten ein Wahlanfechtungsgrund im Verbreitungsgebiet der BZ.<\/em><\/p>\n<p><em>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e  W. B. Breisach<\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Beobachtungen sind von allgemeinem Interesse. Hier seine Mail: Ihre vor kurzem im Sonderbeitrag <a href=\"?p=8686\">&bdquo;Spannendes Gro&szlig;experiment zur Frage, ob die demokratische Sanktion, also die Bestrafung f&uuml;r Fehlverhalten, noch funktioniert&ldquo;<\/a> (15. 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