{"id":8747,"date":"2011-03-21T09:25:11","date_gmt":"2011-03-21T08:25:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8747"},"modified":"2014-08-12T11:35:52","modified_gmt":"2014-08-12T09:35:52","slug":"deutsche-militarpolitik-a-la-absurdistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8747","title":{"rendered":"Deutsche Milit\u00e4rpolitik \u00e0 la Absurdistan"},"content":{"rendered":"<p>Egal wie man zu dem Mehrheitsbeschluss im UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die Durchsetzung eines Flugverbotes stehen mag, die Bundesregierung hat sich mit ihrer Begr&uuml;ndung f&uuml;r ihre Enthaltung auf allen nur denkbaren Argumentationsebenen in groteske Widerspr&uuml;che verwickelt und insgesamt unglaubw&uuml;rdig gemacht. Sie treibt eine Milit&auml;rpolitik &agrave; la Absurdistan. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMan kann sich, wie die Partei DIE LINKE auf den ethisch und nach historischen Erfahrungen gut vertretbaren Standpunkt stellen, dass Krieg kein Mittel zur L&ouml;sung von politischen Auseinandersetzungen ist, weil Krieg nicht nur immer auch Gewalt gegen Zivilisten bedeutet und Opfer unter Soldaten und Unschuldige kostet, sondern immer nur neue Gewalt hervorruft. <\/p><p>Wer eine solche Haltung einnimmt, muss Milit&auml;reins&auml;tze und Krieg (vielleicht bis auf den im Grundgesetz vorgesehen &bdquo;Verteidigungsfall&ldquo; und bis auf humanit&auml;re Eins&auml;tze von UN-Friedenstruppen) f&uuml;r welche Ziele und Zwecke auch immer grunds&auml;tzlich ablehnen. <\/p><p>Damit im Folgenden keine Missverst&auml;ndnisse aufkommen k&ouml;nnen: Ich neige unter den gegebenen Verh&auml;ltnissen auf der Welt eher dieser Position zu. <\/p><p>Die ersten Bombardements der 8 beteiligten NATO-Staaten best&auml;tigen die Bef&uuml;rchtung, dass es auch in Libyen schon zu zahlreichen zivilen Opfern gekommen ist und kommen wird. Was haben eigentlich Bomben und Raketen auch auf das nicht von Aufst&auml;ndischen beherrschte Tripolis und Angriffe mit Marschflugk&ouml;rpern auf Milit&auml;rfahrzeuge und Ziele auf dem Boden mit der Durchsetzung eines Flugverbots zu tun? Das fragt sich wohl nicht nur die Arabische Liga, die ja zuvor einer Flugverbotszone zugestimmt hatte.<br>\nGeht es hier um die Verhinderung von weiterer Gewalt durch einen Waffenstillstand oder um eine milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Gaddafi-Gegner, also letztlich um einen Krieg gegen den libyschen Herrscher? W&auml;re ein solcher Krieg durch die UN-Resolution gedeckt?<br>\nWird nicht schon jetzt deutlich, dass es einen langen Krieg geben wird? Denn Luftschl&auml;ge entscheiden keine Kriege und wie so oft, st&uuml;tzt Gewalt von au&szlig;en &ndash; jedenfalls zun&auml;chst einmal &ndash; die Gewalt und die Propaganda der Herrschenden im Innern.<\/p><p>Au&szlig;enminister Westerwelle nahm in seiner <a href=\"http:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/DE\/Infoservice\/Presse\/Reden\/2011\/110318_BM_Regierungserkl%C3%A4rung_Libyen.html?nn=570410\">Regierungserkl&auml;rung zur aktuellen Entwicklung in Libyen<\/a> zwar nicht eine moralisch fundierte Grundsatzposition einer Ablehnung von Milit&auml;reins&auml;tzen ein, aber hinsichtlich der Nutzen- und Risikoabw&auml;gung eines Milit&auml;reinsatzes in Libyen folgt er dieser Argumentation: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Es gibt keinen sogenannten chirurgischen Eingriff. Jeder Milit&auml;reinsatz wird auch zivile Opfer fordern. Das wissen wir aus leidvoller Erfahrung. Wenn wir abw&auml;gen, wie wir uns international verhalten und ob wir uns und wo wir uns beteiligen, dann muss in diese humanit&auml;re Abw&auml;gung immer auch mit einbezogen werden, dass es Opfer gibt, auch zivile Opfer gibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Beweist aber nicht gerade auch der Krieg in Afghanistan nahezu t&auml;glich, dass es keine chirurgischen Eingriffe gibt und jeder Milit&auml;reinsatz auch zivile Opfer kostet? <\/p><p>Er selbst erinnert an die <em>&bdquo;leidvollen Erfahrungen&ldquo;<\/em> bei den Irak- oder den Afghanistaneins&auml;tzen. Er zieht allerdings daraus nicht etwa die logische Schlussfolgerung, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan &ndash; weil es ja auch dort vor allem auch tausende &bdquo;zivile Opfer&ldquo; gab und gibt &ndash; f&uuml;r nicht vertretbar zu halten, geschweige denn &ndash; wenn man schon auf die Opfer abstellt &ndash; die deutschen Soldaten zur&uuml;ckzuholen. <\/p><p>Im Gegenteil: Westerwelle deutete in seiner Regierungserkl&auml;rung schon an, dass die Frage m&ouml;glicher Luft&uuml;berwachungseins&auml;tze in Afghanistan mit deutschen AWACS-Flugzeugen jetzt <em>&bdquo;auf der Tagesordnung&ldquo;<\/em> stehe. Und die Kanzlerin machte deutlich was damit gemeint ist: N&auml;mlich, dass Deutschland <em>&bdquo;zus&auml;tzliche Anforderungen&ldquo;<\/em> z.B. mit AWACS-Aufkl&auml;rungsfl&uuml;ge in Afghanistan &uuml;bernehmen k&ouml;nnte, um amerikanische Kapazit&auml;ten f&uuml;r den Einsatz gegen Libyen <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/kaempfe-in-libyen-militaerflugzeug-ueber-bengasi-abgeschossen-1665360-video.html\">freizusetzen<\/a>.<\/p><p>Wie will aber die Bundesregierung begr&uuml;nden, dass zus&auml;tzliche Milit&auml;reins&auml;tze der Bundeswehr in Afghanistan im Gegensatz zur Durchsetzung eines Flugverbots in Libyen gerechtfertigt seien?<\/p><p>Da es in Afghanistan um die Entlastung der amerikanischen Armee gehen soll, sind also nicht nur das ISAF-Mandat (&ldquo;International Security Assistance Force&rdquo;), sondern auch die &bdquo;Operation Enduring Freedom&ldquo; (OEF) ber&uuml;hrt. Eine solche Ausweitung von AWACS-Eins&auml;tzen ist schon deshalb widerspr&uuml;chlich, weil es f&uuml;r diesen von den USA ausgerufenen Kriegseinsatz (im Rahmen der OEF) bis heute &ndash; im Gegensatz zu Libyen &ndash;  noch nicht einmal ein Mandat der Vereinten Nationen gibt. In Afghanistan soll also die Bundeswehr (jedenfalls auch) einen Kriegseinsatz unterst&uuml;tzen, f&uuml;r den es kein UN-Mandat gibt. Bei einem Milit&auml;reinsatz durch die Ausrufung einer Flugverbotszone &uuml;ber Libyen auf der Grundlage eines Beschlusses des UN-Sicherheitsrats und dazu noch mit Unterst&uuml;tzung der Arabischen Liga sollen jedoch noch nicht einmal deutsche Aufkl&auml;rungsflugzeuge eingesetzt werden d&uuml;rfen. Diese Logik verstehe, wer wolle.<\/p><p>Die Bundesregierung legt also auf unterschiedlichen Argumentationsebenen zweierlei Ma&szlig; an:<\/p><ul>\n<li>Sie unterst&uuml;tzt einen Milit&auml;reinsatz in Afghanistan, der erwiesenerma&szlig;en sogar durch deutschen Befehl (z.B. durch den Angriff auf einen Tanklastwagen in der N&auml;he von Kundus) zivile Opfer kostete und weiter kosten wird. Sie lehnt eine Flugverbotszone &uuml;ber Libyen jedoch ab, obwohl die Luftangriffe durch die Gaddafi ergebene Luftwaffe zivile Opfer forderte.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung entzieht sich einem Mehrheitsbeschluss des UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf Libyen und bietet als Kompensation f&uuml;r ihre Enthaltung die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r einen zus&auml;tzlichen Milit&auml;reinsatz in Afghanistan an, ohne dass &ndash; jedenfalls f&uuml;r Eins&auml;tze im Rahmen der &bdquo;Operation Enduring Freedom&ldquo; &ndash; ein solches UN-Mandat vorhanden w&auml;re.<\/li>\n<\/ul><p>Geradezu absurd erscheint die Enthaltung im Sicherheitsrat, wenn man die Begr&uuml;ndung der Bundesregierung daf&uuml;r mit der inzwischen offiziellen Sicherheitsdoktrin f&uuml;r den Einsatz der Bundeswehr vergleicht. <\/p><p>Schon im Wei&szlig;buch zur Bundeswehr aus dem Jahre 2006 (<a href=\"http:\/\/www.bundeswehr.de\/resource\/resource\/MzEzNTM4MmUzMzMyMmUzMTM1MzMyZTM2MzEzMDMwMzAzMDMwMzAzMDY3NmE2ODY1NmQ2NTY0MzAyMDIwMjAyMDIw\/kapitel6_mB_sig.pdf.pdf\">abrufbar hier [PDF &ndash; 1.3 MB]<\/a>) &ndash; also noch unter der Gro&szlig;en Koalition &ndash; wird als Ziel der deutschen Sicherheitspolitik unter anderem definiert, &ldquo;den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu f&ouml;rdern&rdquo;. Und der zur&uuml;ckgetretene Verteidigungsminister zu Guttenberg hat im letzten November auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz ein klares Pl&auml;doyer f&uuml;r einen offenen und unverklemmten Umgang beim Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-11\/guttenberg-militaer-wirtschaftsinteressen\">wirtschaftlichen Interessen gehalten<\/a>. <\/p><p>Milit&auml;reins&auml;tze zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen also ja, der Einsatz von AWACS-Aufkl&auml;rungsflugzeugen f&uuml;r diejenigen, <em>&bdquo;die wegen ihres Eintretens f&uuml;r demokratische Prinzipien unterdr&uuml;ckt, gequ&auml;lt, gefoltert oder gemordet werden&ldquo;<\/em> (Westerwelle) aber nein. Da mag Westerwelle noch so viel &uuml;ber das weltweite Eintreten der Bundesregierung f&uuml;r <em>&bdquo;freiheitliche und demokratische Werte&ldquo;<\/em> fabulieren, ein groteskeres Missverh&auml;ltnis zwischen Pathos und Handeln gibt es kaum noch. <\/p><p>Nebenbemerkung: Unbestreitbar ist Gaddafi ein korrupter Despot und &uuml;bt seit 40 Jahren eine Willk&uuml;rherrschaft aus, das hat den Westen insgesamt und speziell den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten bis vor kurzem aber nicht daran gehindert, den libyschen Herrscher &ndash; wenn es ums Gesch&auml;ft ging &ndash; zu hofieren. Und ist es denn so sicher, dass es sich bei den &bdquo;Aufst&auml;ndischen&ldquo; in Libyen tats&auml;chlich um eine Demokratiebewegung wie in &Auml;gypten und Algerien handelt oder herrscht nicht vielmehr ein Stammeskrieg? M&uuml;sste &bdquo;der Westen&ldquo; mit der gleichen Rechtfertigung nicht auch in Bahrain, im Jemen oder in Syrien milit&auml;risch zugunsten der Demonstranten eingreifen?<\/p><p>Die Bundesregierungen unter den Kanzlerschaften von Schr&ouml;der und von Merkel haben sich beim Milit&auml;reinsatz in Afghanistan auf die Anschl&auml;ge vom 11. September 2001 in den USA auf Art. 24 Abs. 2 GG berufen.<br>\nDort hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen; er wird hierbei in die Beschr&auml;nkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den V&ouml;lkern der Welt herbeif&uuml;hren und sichern.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Endlos wurde betont, dass man sich bei dem ISAF-Mandat auf Resolutionen des UN- Sicherheitsrates und auf die &bdquo;B&uuml;ndnistreue&ldquo; (kollektive Sicherheit) zu den NATO-Staaten, vor allem auch gegen&uuml;ber den (angeblich von aus Afghanistan gesteuerten al-Quaida-Terroristen) angegriffenen USA berufe. Bei dem Beschluss zur Einrichtung einer Flugverbotszone &uuml;ber Libyen, haben jedoch die USA und auch die anderen NATO-Staaten im Sicherheitsrat gleichfalls daf&uuml;r gestimmt. Nur die nicht diesem westlichen Milit&auml;rb&uuml;ndnis angeh&ouml;rigen Mitglieder Russland, China, Indien, Brasilien und Deutschland haben sich enthalten bzw. haben an der Abstimmung nicht teilgenommen. <\/p><p>Warum gelten ein UN-Mandat und die &bdquo;B&uuml;ndnistreue&ldquo; oder die &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; mit den NATO-Staaten als Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Afghanistan-Milit&auml;reinsatz, f&uuml;r die Einhaltung einer Flugverbotszone &uuml;ber Libyen aber nicht?<\/p><p>Im &Uuml;brigen hatte doch gerade Angela Merkel (gegen Schr&ouml;der und Fischer) sogar den nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,372819,00.html\">v&ouml;lkerrechtswidrig<\/a> eingestuften Irak-Krieg politisch unterst&uuml;tzt. <\/p><p>Man k&ouml;nnte als Begr&uuml;ndung vielleicht die Behauptung des damaligen Verteidigungsministers Peter Struck anf&uuml;hren, Deutschlands Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt. Also weil angeblich afghanische oder in Afghanistan ausgebildete Terroristen einen (asymmetrischen) Krieg gegen L&auml;nder der westlichen Welt f&uuml;hrten. Tats&auml;chlich wird jedoch in Afghanistan schon l&auml;ngst kein Krieg mehr gegen al-Quaida-Terroristen (die gibt es <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2009-09\/al-qaida-afghanistan\">dort gar nicht mehr<\/a>) sondern gegen &bdquo;den Taliban&ldquo; gef&uuml;hrt, der Frauen und M&auml;dchen und den angeblichen Wunsch der Afghanen nach Freiheit und Demokratie unterdr&uuml;cke. Wo ist da also der Unterschied zu dem <em>&bdquo;schrecklichen Krieg gegen das eigene Volk&ldquo;<\/em> (Westerwelle), den Gaddafi und seine Getreuen f&uuml;hren? Warum steht man da nicht <em>&bdquo;an der Seite derjenigen, die wegen ihres Eintretens f&uuml;r demokratische Prinzipien unterdr&uuml;ckt, gequ&auml;lt, gefoltert oder gemordet werden.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Und hatte der &bdquo;Diktator&ldquo; Gaddafi mit dem Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug &uuml;ber dem schottischen Lockerbie und dem von den Amerikanern gleichfalls dem libyschen Geheimdienst zugeschriebenen Attentat auf die Berliner Diskothek &bdquo;La Belle&ldquo; nicht etwa auch westliche L&auml;nder &bdquo;angegriffen&ldquo;? <\/p><p>Auch im Hinblick auf die Bezugnahme auf ein UN-Mandat, auf die &bdquo;B&uuml;ndnistreue&ldquo; und den Einsatz f&uuml;r Menschenrechte und Demokratie verstrickt sich die Bundesregierung mit ihrer Haltung im Sicherheitsrat somit nur in Widerspr&uuml;che.<\/p><p>Diese Widerspr&uuml;chlichkeiten finden sich allerdings keineswegs nur in der Haltung der Bundesregierung. So warnte etwa auch Gr&uuml;nen-Fraktionschef J&uuml;rgen Trittin: &ldquo;Wer einen solchen Luftkrieg in Libyen m&ouml;chte, tut gut daran, &uuml;ber die Folgen samt aller <a href=\"http:\/\/www.rolfmuetzenich.de\/pressespiegel\/index_2010.php?oid=2168\">Kollateralsch&auml;den nachzudenken<\/a>.&rdquo; Dennoch hat seine Fraktion die letzte Verl&auml;ngerung des Afghanistan-Mandats nicht etwa grunds&auml;tzlich abgelehnt, sondern nur deshalb, weil es zu <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/afghanistanmandat110.html\">&bdquo;schwammig&ldquo; sei<\/a>. Deshalb konnte auch Renate K&uuml;nast bei ihrer Rede im Bundestag nur herumeiern, in dem sie zwar f&uuml;r die Gr&uuml;nen die UN-Resolution begr&uuml;&szlig;te, aber von Westerwelle nicht mehr abverlangte, als dass er in Sachen Menschenrechte &bdquo;aktiver&ldquo; werde. <\/p><p>Auch die SPD verhedderte sich in diesen Widerspr&uuml;chen. Vor der Sitzung des UN-Sicherheitsrates erkl&auml;rte ihr au&szlig;enpolitischer Sprecher Rolf M&uuml;tzenich noch &bdquo;Die Erw&auml;gungen einzelner Staaten &uuml;ber milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen sind weder hilfreich noch effektiv&hellip;Im schlimmsten Fall k&ouml;nnen sie eine weitere Eskalation bef&ouml;rdern. Sie erschweren eine <a href=\"http:\/\/www.rolfmuetzenich.de\/pressespiegel\/index_2010.php?oid=2168\">gemeinsame internationale Haltung<\/a>.&ldquo; <\/p><p>In der Bundestagsdebatte um die Regierungserkl&auml;rung Westerwelles h&ouml;rte sich das dann ganz anders an. Deutschland habe bei Krisen immer ein m&ouml;glichst gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft unterst&uuml;tzt:  &bdquo;Es war deshalb ein Fehler, dass Au&szlig;enminister Guido Westerwelle die Drohung mit einer Flugverbotszone kategorisch ausgeschlossen hat. Damit hat er seine Handlungsfreiheit (?) <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~ED312B95E587744ED99B9421BC333A5F5~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">ohne Not eingeschr&auml;nkt<\/a>.&ldquo; Auf Konfrontation mit der Bundesregierung wollte M&uuml;tzenich im Gegensatz zu <a href=\"http:\/\/nachrichten.rp-online.de\/politik\/enthaltung-verbittert-unionspolitiker-1.579022\">Heidemarie Wieczorek-Zeul<\/a> jedoch nicht gehen. Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel dr&uuml;ckte sich um eine klare Aussagen und warf Westerwelle nur vor, Deutschland international <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/weitere-meldungen\/libyen-abstimmung-regierung-erntet-kritik-fuer-enthaltung-bei-libyen-abstimmung_aid_610375.html\">isoliert und Europa gespalten zu haben<\/a>. Ein inzwischen typisches sozialdemokratisches Sowohl-als-auch: F&uuml;r die UN-Resolution zu Milit&auml;reins&auml;tzen, aber gegen Milit&auml;reins&auml;tze der Bundeswehr. Sollen doch andere die Beschl&uuml;sse ausf&uuml;hren.<\/p><p>Auch die Gr&uuml;nen und die SPD m&uuml;ssen sich also vorhalten lassen, dass sie bei ihrer Position zu  Afghanistan und bei ihrer Haltung zu einer milit&auml;risch abzusichernden Flugverbotszone mit zweierlei Ma&szlig;st&auml;ben messen. Wie sollte es auch anders sein, da doch diese Parteien fr&uuml;her den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr beschlossen haben und weiter daran festhalten.  <\/p><p>M&uuml;tzenich warf der Bundesregierung vor, sie folge nur <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C\/Doc~E33040E0E2FD24D9CB176C0A154818900~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;innenpolitischen Motiven&ldquo;<\/a>. Das d&uuml;rfte die einzig rationale Erkl&auml;rung f&uuml;r die Enthaltung der Bundesregierung im UN-Sicherheitsrat sein: Merkel und Westerwelle erhofften wohl vor den anstehenden Wahlen &ndash; nachdem CDU und FDP in ihrer Atompolitik gerade einen GAU erlebten &ndash; vor allem einen Wahlkampfcoup landen zu k&ouml;nnen, indem sie &ndash; wie einstmals Schr&ouml;der kurz vor der Bundestagswahl 2002 &ndash; einen Milit&auml;reinsatz ablehnen und sich daf&uuml;r noch rasch die <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/telegramm\/news-ticker,rendertext=16852340.html\">Gunst einer Mehrheit<\/a> der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler erschleichen m&ouml;chten. <\/p><p>Vielleicht ist ja der &uuml;berwiegende Teil der Bev&ouml;lkerung gegen Milit&auml;reins&auml;tze, aber vielleicht erkennen die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger auch, wie opportunistisch und vor allem wie widerspr&uuml;chlich sich die Bundesregierung mit ihrer Politik gegen&uuml;ber Libyen und mit ihrer Abstimmung im UN-Sicherheitsrat verh&auml;lt. <\/p><p>Doch auf dem Sondergipfel von 22 Staatschefs in Paris &ndash; einen Tag nach der Regierungserkl&auml;rung &ndash; schlug Merkel schon wieder einen Haken: &ldquo;Aber jetzt gilt die Resolution, und wir wollen, dass sie erfolgreich durchgesetzt wird&rdquo;, sagte sie und setzt die Milit&auml;rpolitik der Bundesregierung &agrave; la Absurdistan fort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal wie man zu dem Mehrheitsbeschluss im UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die Durchsetzung eines Flugverbotes stehen mag, die Bundesregierung hat sich mit ihrer Begr&uuml;ndung f&uuml;r ihre Enthaltung auf allen nur denkbaren Argumentationsebenen in groteske Widerspr&uuml;che verwickelt und insgesamt unglaubw&uuml;rdig gemacht. Sie treibt eine Milit&auml;rpolitik &agrave; la Absurdistan. Wolfgang Lieb<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171],"tags":[351,1060,1052,639,448],"class_list":["post-8747","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militaereinsaetzekriege","tag-afghanistan","tag-al-gaddafi-muammar","tag-libyen","tag-uno","tag-westerwelle-guido"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8747"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8750,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8747\/revisions\/8750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}