{"id":8751,"date":"2011-03-21T09:53:03","date_gmt":"2011-03-21T08:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8751"},"modified":"2014-08-12T11:37:13","modified_gmt":"2014-08-12T09:37:13","slug":"nichts-neues-in-sachsen-anhalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8751","title":{"rendered":"Nichts Neues in Sachsen-Anhalt"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon zuvor gibt es auch im k&uuml;nftigen Landtag zwar eine &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit (DIE LINKE 23,7% = minus 0,4%, d.h. 29 Sitze; SPD 21,5% = plus 0,1; d.h. 26 Sitze), aber die CDU wird den Ministerpr&auml;sidenten stellen, obwohl sie deutlich an Stimmenanteilen verliert (32,5% = minus 3,7%; d.h. 41 Sitze). Die Gr&uuml;nen haben ihren Stimmanteil von 3,6 auf 7,1 % in etwa verdoppeln konnten und ziehen nach 13 Jahren mit 9 Mandaten wieder in den Landtag ein. Die FDP ist mit 3,8% (minus 2,9%) nicht mehr vertreten und hat ihr schlechtestes Ergebnis in diesem Land erzielt. Die rechtsextreme NPD scheitert mit 4,6% nur knapp, holt aber bei den jungen M&auml;nnern erschreckende 17%. Die CDU r&uuml;hmt sich mit einem knappen Drittel der abgegebenen Stimmen als &bdquo;st&auml;rkste Kraft&ldquo;, obwohl von den etwa 2 Millionen Wahlberechtigten nur etwas &uuml;ber eine Million (ca. 51,2%) &uuml;berhaupt zur Wahlurne ging. Die SPD hat ihr Wahlziel, st&auml;rker als die LINKE zu werden, nicht erreicht. Der SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn will auf keinen Fall Wulf Galert von der LINKEN zum Ministerpr&auml;sidenten w&auml;hlen; bleibt also nur die Fortsetzung der Gro&szlig;en Koalition unter Reiner Haseloff (CDU), dem blassen Nachfolger des ausscheidenden Ministerpr&auml;sidenten Wolfgang B&ouml;hmer. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nDie Wahlumfragen lagen <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/sachsen-anhalt.htm\">einigerma&szlig;en richtig<\/a>. Danach ist die CDU in etwa bei ihren Umfragewerten gelandet. Und das obwohl der amtierende und in den Umfragen als beliebt eingesch&auml;tzte Wolfgang B&ouml;hmer einem blassen Nachfolger Platz machte. Trotz des zweitschlechtesten Wahlergebnisses hat die CDU bis auf 5 Wahlkreise der insgesamt 45 alle Mandate direkt geholt. Die &bdquo;Rote-Socken&ldquo;-Kampagne von Haseloff scheint immer noch gewirkt zu haben. Der GAU bei der Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung hat sich auf das Wahlergebnis offenbar kaum ausgewirkt, obwohl bei Umfragen 72% der Befragten meinen, die &bdquo;neue Atompolitik&ldquo; der Bundesregierung sei ein reines Wahlkampfman&ouml;ver. (Vgl. zu den Umfragezahlen <a href=\"http:\/\/wahlarchiv.tagesschau.de\/wahlen\/2011-03-20-LT-DE-ST\/\">insgesamt ARD<\/a>) Auch die Verwirrung bei der Haltung der Bundesregierung gegen&uuml;ber Libyen hat wohl keinen Niederschlag gefunden. Allenfalls haben die Gr&uuml;nen von der Atomkatastrophe in Japan etwas profitiert; sie haben offenbar deutlichen Zulauf von bisherigen Nichtw&auml;hlern erhalten. <\/p><p>Bei der FDP, die 2002 einmal sensationelle 13,3% einfahren konnte, mag die negative Ausstrahlung Westerwelles das Aus mit verursacht zu haben. Da hat die Kampagne mit dem &bdquo;Altstar&ldquo; Hans-Dietrich Genscher nichts geholfen &ndash; wer kennt ihn &uuml;berhaupt noch? <\/p><p>Die SPD hat weniger Anteile erhalten als vorhergesagt; ohne sie kann zwar nicht regiert werden, doch ihre Hoffnung auf einen R&uuml;ckenwind aus dem Wahlerfolg in Hamburg war vergebens. Sie d&uuml;mpelt seit drei Wahlen um die 20 Prozent. Obwohl Bullerjahn (mit 46%) im Kandidatenvergleich gegen&uuml;ber seinem relativ unbekannten Gegenkandidaten Haseloff (36%) deutlich besser abschnitt, hat das der SPD nichts gebracht. Bullerjahns Anbiederung an die CDU hat sich f&uuml;r die SPD nicht ausgezahlt. <\/p><p>DIE LINKE, die zwar leicht verloren hat, aber immerhin noch ihr bisher zweitbestes Ergebnis erzielte, wird die SPD auch k&uuml;nftig damit in die Enge treiben k&ouml;nnen, dass die Sozialdemokraten zwar vor Wahlen etwa einen Mindestlohn, die Tarifbindung oder l&auml;ngeres gemeinsames Lernen in der Schule fordern, aber wenn es zum Schwur kommt, dann doch lieber mit der CDU &bdquo;ins Bett geht&ldquo;, statt  &ndash; wenn man noch die Gr&uuml;nen dazu z&auml;hlte &ndash; einer deutlichen politischen Mehrheit jenseits der Union zum Durchbruch zu verhelfen. Weil laut Umfragen auch die Mehrheit der SPD-Anh&auml;nger f&uuml;r die Fortsetzung der Gro&szlig;en Koalition ist, wird es einen Wechsel im fr&uuml;her wechselfreudigen Sachsen-Anhalt nicht geben. Daran &auml;ndert auch nichts, dass das sog. &bdquo;b&uuml;rgerliche Lager&ldquo; von CDU und FDP zusammen &uuml;ber sieben Prozent Stimmenanteile verloren hat. <\/p><p>Die NPD hat mit 4,6% den gr&ouml;&szlig;ten Stimmenanteil dazu gewonnen. Da mag die Generalsekret&auml;rin der SPD Andrea Nahles noch so sehr &bdquo;die demokratische Kultur&ldquo; als den gro&szlig;en Gewinner dieser Wahl bezeichnen, dieser Zuwachs der Rechtsextremen und dazu noch, dass sich &uuml;berhaupt nur die H&auml;lfte aller Wahlberechtigten an der Wahl beteiligten, sind Alarmzeichen f&uuml;r die Demokratie. Das gilt um so mehr, wenn die Wahlanalysen zutr&auml;fen, dass die Neonazis bei den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern unter 30 Jahren um 12% zulegten (w&auml;hrend alle anderen Parteien in dieser Gruppe deutlich verloren), bei jungen M&auml;nnern um 17% und bei Arbeitern und Hartz IV-Empf&auml;ngern um 11%. Nur die etwas h&ouml;here Wahlbeteiligung gegen&uuml;ber 2006 konnte die Rechtsextremen aus dem Parlament halten. <\/p><p>Es muss f&uuml;r den nicht nur auf das Selbstlob der Wahlk&auml;mpfer achtenden Beobachter geradezu komisch wirken, wenn angesichts einer schwachen Wahlbeteiligung von 51,2% der Anstieg gegen&uuml;ber der miserablen Wahlbeteiligung von 44,4 Prozent bei der Wahl im Jahre 2006 geradezu als Erfolg gefeiert wird. Es wirkt l&auml;cherlich, wenn sich die CDU-Riege am Wahlabend angesichts eines Anteils der Nichtw&auml;hler von fast 49% ihre Partei mit gerade mal einem Drittel der abgegebenen Stimmen zur &bdquo;st&auml;rksten Kraft&ldquo; erkl&auml;rt und wenn die SPD und die Linken behaupten, sie h&auml;tten ihr Wahlergebnis &bdquo;gehalten&ldquo; oder wenn die Spitzenkandidatin der Gr&uuml;nen  Claudia Dalbert mit gerade mal 7 Prozent schw&auml;rmt, &bdquo;die Menschen haben uns ihr Vertrauen ausgesprochen&ldquo;. Realisieren diese Parteien &uuml;berhaupt noch wie klein der jeweilige Bruchteil der Bev&ouml;lkerung ist, der hinter ihnen steht. <\/p><p>Wer diese extrem niedrige Wahlbeteiligung als Ausdruck der Zufriedenheit mit der jeweiligen Regierung interpretiert, k&ouml;nnte absehbar ein bitteres Erwachen erleben.<\/p><p>Wie hoch die Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien ist, wird zus&auml;tzlich dadurch belegt, dass die sog. anderen Parteien immerhin auch noch 6,7% der abgegebenen Stimmen erhalten haben. <\/p><p><strong>Was es sonst noch zum Verlauf des Wahlabends im Fernsehen zu bemerken gibt:<\/strong> <\/p><p>Die sog. <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendungen_a-z\/3304234_ard-sondersendung\/6762790_ard-sondersendung\">Berliner Runde<\/a> mit den Generalsekret&auml;ren\/innen der Bundesparteien war auch wegen eines &uuml;berforderten und sich st&auml;ndig verhaspelnden Ulrich Deppendorf eher ein Kasperltheater. CSU-Dobrindt (warum sitzt die CSU bei Landtagswahlen au&szlig;erhalb Bayerns eigentlich immer dabei?), CDU-Gr&ouml;he und FDP-Lindner hatten &ndash; wie schon zuvor Westerwelle &ndash;  im Hinblick auf die Wahlen in Baden-W&uuml;rttemberg und Rheinland-Pfalz in der kommenden Woche wieder einmal nichts anderes anzubieten, als die SPD vor einem &bdquo;gef&auml;hrlichen Rumgeiere&ldquo; gegen&uuml;ber der LINKEN zu warnen &ndash; wohl wissend, dass wenn die Linke in Baden-W&uuml;rttemberg in den Landtag k&auml;me, schwarz-gelb von der Regierungsbank weg w&auml;re. Andrea Nahles fiel darauf einmal mehr herein und spielte die Beleidigte.<br>\nGeradezu mit dem Holzhammer wurde in der Runde versucht aus dem Wahlergebnis Stimmung f&uuml;r den n&auml;chsten Wahlsonntag zu machen. Was in minutenlange Sprach-Tumulte ausartete.<br>\nDiese Berliner Runde mit ihren Polit-Phrasendreschern kann eigentlich nur noch absto&szlig;end auf die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler wirken. <\/p><p>Bemerkenswert war noch, dass es im ZDF offenbar als politisch ausgewogen gilt, wenn im Journalisten-Gespr&auml;ch der fr&uuml;here Focus-Chefredakteur und Sarrazin-Fan Helmut Markwort, dem jetzt alleinigen Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo gegen&uuml;ber gestellt wird. Der offen f&uuml;r die Konservativen Partei ergreifende Focus-Mann und der rechtslastige Spiegel-Repr&auml;sentant stellen offenbar f&uuml;r das ZDF die Bandbreite des journalistischen Spektrums dar. Dazu passt, dass der CDU-nahe Politikprofesser Karl-Rudolf Korte die Wahlergebnisse interpretieren durfte. Aber diese politische Schlagseite &uuml;berrascht beim ZDF schon lange nicht mehr. Bei der ARD sieht es allerdings auch nicht viel besser aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon zuvor gibt es auch im k&uuml;nftigen Landtag zwar eine &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit (DIE LINKE 23,7% = minus 0,4%, d.h. 29 Sitze; SPD 21,5% = plus 0,1; d.h. 26 Sitze), aber die CDU wird den Ministerpr&auml;sidenten stellen, obwohl sie deutlich an Stimmenanteilen verliert (32,5% = minus 3,7%; d.h. 41 Sitze). 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