{"id":87726,"date":"2022-09-07T09:00:12","date_gmt":"2022-09-07T07:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87726"},"modified":"2022-09-07T09:28:05","modified_gmt":"2022-09-07T07:28:05","slug":"hat-wieder-die-stunde-der-denunzianten-geschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87726","title":{"rendered":"Hat wieder die Stunde der Denunzianten geschlagen?"},"content":{"rendered":"<p>Man erinnere sich: Dass B&uuml;rger B&uuml;rger verraten &ndash; an die Polizei und\/oder an andere Beh&ouml;rden &ndash; in den vergangenen zwei Jahren der Pandemie geschah dies in unserem Land sehr oft. Zu oft. Und nun? Jetzt, nachdem wieder passend zu einer weiteren Krise (die nicht vom Himmel fiel) eine neues, ma&szlig;regelndes Regulierungswerk von den Mitverursachern der Krise geschaffen wurde, die hei&szlig;t Energieeinsparverordnung, geht der Schuss erneut nach hinten los: Menschen melden wieder Menschen. Nein, in der Verordnung steht nicht, zum Denunzianten zu werden. Schon beginnt das Petzen, wie ein Beispiel derlei Verrats aus meiner Heimatstadt zeigt, welches unter B&uuml;rgern f&uuml;r Emp&ouml;rung sorgt. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86319\">Der Backofen bleibt hei&szlig; &ndash; trotz allem<\/a>&ldquo; habe ich vor ein paar Wochen einen in Plauen\/Vogtland &uuml;beraus gesch&auml;tzten B&auml;cker vorgestellt. Er und seine Kollegen runzeln gerade noch mehr die Stirn ob des b&uuml;rokratischen Konstrukts, welches das Energiesparen nicht nur anregen, sondern auch bei Nichtbeachten zur Bestrafung f&uuml;hren kann. Bei einem B&auml;ckerkollegen geschah nun Folgendes, Ungeheuerliches (Quelle: Facebook):<\/p><blockquote><p>\nWerter Mitb&uuml;rger, der uns bei der Polizeibeh&ouml;rde auf Grund nicht beachten des neuen Energiespargesetzes angezeigt hat! <\/p>\n<p>Wir w&uuml;rden im Vorfeld dazu raten sich damit genauer auseinander zu setzen. Denn wenn in einem Ladengesch&auml;ft weder Klimaanlage noch Heizung in Betrieb sind, gilt es nicht als Energiemissbrauch die T&uuml;re ge&ouml;ffnet zu halten. Im Gegenteil zu hohen Temperaturen am Arbeitsplatz ist laut Arbeitsschutzgesetz Abhilfe zu schaffen. Eben z.B. durch dauerhaftes l&uuml;ften. <\/p>\n<p>Daher eine v&ouml;llig unn&ouml;tige Aktion, die Kosten f&uuml;r eine Angestellte des Ordnungsamtes (die extra deswegen zu Samstag vor Ort vorstellig wurde) und die zust&auml;ndige Polizeibeh&ouml;rde, die zus&auml;tzliche Schreibarbeit hat. <\/p>\n<p>Bitte beim n&auml;chsten Mal einfach mit uns sprechen und die eigene Energie nicht f&uuml;r solche Aktionen ausgeben.\n<\/p><\/blockquote><p>Dem B&auml;cker im Plauener Norden wurde ein Stichwort der neuen Verordnung &bdquo;zum Verh&auml;ngnis&ldquo;, welche ein aufmerksamer B&uuml;rger wohl zum Anlass nahm, beim Ordnungsamt Meldung zu machen: Geschlossene T&uuml;ren. Im Einzelhandel d&uuml;rfen danach die Ladent&uuml;ren &bdquo;nicht dauerhaft offengehalten&ldquo; werden, so steht es in der Verordnung aus Berlin. Die ARD meldete zur Aufmunterung, dass der Handelsverband Deutschland ein optimistisches Motto in all der Pein formuliert hat: &bdquo;T&uuml;ren zu, Gesch&auml;fte offen.&ldquo; Statt zu protestieren, &bdquo;Nein&ldquo; zu sagen gegen&uuml;ber ma&szlig;losen Ma&szlig;nahmenvorgaben aus den Federn von Beamten in noch warmen Ministerien, die sich mit ihren &bdquo;Ideen&ldquo; geradezu &uuml;berschlagen &ndash; der Verband beteiligt sich sozusagen daran und fordert seine Gefolgschaft zur Gefolgschaft auf. Wiedermal, denn wie war das nicht noch vor wenigen Monaten? Da wurde gleichfalls in dieser Zeit eben pandemische Gefolgschaft verlangt und gelebt.<\/p><p>Wieder setzt man voraus, die kleinen und die mittleren Handwerksbetriebe halten schon durch, die haben ja unternehmerisches Geschick und Kraft und sie machen tapfer mit. Nach all den nutzlosen  Rettungspaketen, nach all der geforderten und durchgezogenen Dem&uuml;tigung gegen&uuml;ber Kunden, die unwilligen Gesundheitsmuffel sind konkret gemeint, wird Erziehungsma&szlig;regelpolizei gespielt und zum Teilnehmen aufgefordert. Optimistisch ausgedr&uuml;ckt hei&szlig;t das &bdquo;Hand in Hand&ldquo;: Das freut die B&uuml;rger, die das Melden von &bdquo;Unregelm&auml;&szlig;igkeiten&ldquo; als ihre Pflicht sehen oder Freude am boshaften Nachbarverpfeifen haben. Man stelle sich vor, der Meldende der B&auml;ckerei (wegen einer offenen Ladent&uuml;r) &ndash; dieser Meldende hat vielleicht vorher noch Br&ouml;tchen und Kuchen eingekauft (musste durch die offene T&uuml;r). Dann verabschiedete sich der sp&auml;ter Meldende vielleicht schei&szlig;freundlich von der Verk&auml;uferin. Um sogleich zum Smartphone zu greifen &hellip;? <\/p><p>Dass derlei Handeln nicht nur Freunde macht, liest sich in sozialen Medien unter anderem so:<\/p><blockquote><p>\nErste Wortmeldung: Weiter gehts, diese Regierung schafft immer wieder neue Gr&uuml;nde f&uuml;r Denunzianten, aktiv zu werden. Weil die T&uuml;r aufstand&hellip;.ich fasse das einfach nicht. Wo sind wir denn, das ist doch nicht real. Bei Herrn M&uuml;ller von nebenan l&auml;uft das Wasser zu lange, Frau Kuntze vom dritten Stock kocht 2x am Tag, das junge Ding vom Erdgeschoss links f&ouml;nt eine viertel Stunde lang die Haare usw. Was soll das werden, will man in so einer Gesellschaft leben ? <\/p>\n<p>Weitere Wortmeldung: Unglaublich, was in diesem Land zwischenmenschlich los ist. Das macht fassungslos: Der gr&ouml;&szlig;te Schuft im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. <\/p>\n<p>Auf die Frage in der ersten zitierten Wortmeldung &bdquo;Will man in so einer Gesellschaft leben?&ldquo; antworte ich entschieden: Nein! Ich fordere als einfacher B&uuml;rger die Mitb&uuml;rger auf, unsere Gesellschaft nicht weiter an die Wand zu fahren, diesen erneuten, neuerlichen Wahnsinn nicht mitzumachen, denen entgegen zu treten, die mit derlei kleinen, gro&szlig;en, giftigen Aktionen Mosaikstein artig unser Zusammenleben erkalten, verarmen, verwahrlosen lassen.\n<\/p><\/blockquote><p>Die Lage ist so ernst. Die B&auml;cker haben andere Sorgen als geschlossene T&uuml;ren und &auml;rgerliche Vorortdebatten mit Ordnungskr&auml;ften (die tats&auml;chlich noch genug Zeit haben, nach offenen T&uuml;ren Ausschau zu halten). Die Berichte, dass Menschen, die unser Brot backen, ihre L&auml;den, ihre Backstuben aufgeben, mehren sich. Auch in Plauen haben schon B&auml;cker aufgegeben. Im Artikel &bdquo;Der Backofen bleibt hei&szlig; &ndash; trotz allem&ldquo; ist wohl einerseits zu lesen, dass B&auml;cker tapfere Menschen sind und alles tun wollen und m&uuml;ssen, ihrem Versorgungsauftrag der Bev&ouml;lkerung nachzukommen. B&auml;cker Rico Wagner (Konditorei M&uuml;ller) gibt sich auch weiter k&auml;mpferisch. &bdquo;Doch die Preise f&uuml;r Energie sind einfach viel zu hoch, da muss eine Deckelung, eine Umkehr her. Was uns die Politik anbietet, das ist nichts&ldquo;, sagte Wagner j&uuml;ngst mir gegen&uuml;ber. Der B&auml;ckermeister berichtete von einem Termin mit einer wichtigen Frau aus dem Parlament. Die Vizepr&auml;sidentin des Deutschen Bundestages, Yvonne Magwas (CDU), kam vorbei, h&ouml;rte zu und redete &uuml;ber Hilfen und &Uuml;berbr&uuml;ckungen. &bdquo;Das &Uuml;bliche halt&ldquo;, so Wagner. Dass er vielleicht n&auml;chstes Jahr mit seiner Frau allein im Laden steht, weil er Kosten sparen muss, bis es an die Existenz geht, das bringe die gro&szlig;e Politik bis heute nicht zum Handeln, zum Kurs Wechseln, klagt er an. <\/p><p>Titelbild: imnoom\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man erinnere sich: Dass B&uuml;rger B&uuml;rger verraten &ndash; an die Polizei und\/oder an andere Beh&ouml;rden &ndash; in den vergangenen zwei Jahren der Pandemie geschah dies in unserem Land sehr oft. Zu oft. Und nun? 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