{"id":87784,"date":"2022-09-08T12:30:21","date_gmt":"2022-09-08T10:30:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87784"},"modified":"2022-09-12T08:40:17","modified_gmt":"2022-09-12T06:40:17","slug":"dramatische-tage-in-donezk-alltag-fuer-die-bewohner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87784","title":{"rendered":"Dramatische Tage in Donezk \u2013 Alltag f\u00fcr die Bewohner"},"content":{"rendered":"<p>Die Innenstadt von Donezk wird seit dem 24. Februar immer wieder gezielt von der ukrainischen Armee beschossen. Obwohl es sich um ein ziviles Gebiet ohne Milit&auml;rstellungen handelt. Doch offenbar wollen die ukrainischen Truppen den Teil der Bev&ouml;lkerung von Donezk, der noch in der Stadt ausharrt, zerm&uuml;rben, vertreiben oder t&ouml;ten. Fast t&auml;glich gibt es in Donezk durch ukrainischen Beschuss mehrere Tote und Verletzte, wie der russischsprachige Telegram-Kanal der <a href=\"https:\/\/t.me\/TRO_DPR\">&bdquo;Territorialverteidigung&ldquo;<\/a>  berichtet. Doch in westlichen Medien wird &uuml;ber diesen Beschuss nur am Rande berichtet, wenn &uuml;berhaupt. Informationen aus dem Donbass sind allgemein rar. Seine pers&ouml;nlichen Erfahrungen in der Region schildert in diesem Bericht aus Donezk <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5946\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-87784-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=87784-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220909_Dramatische_Tage_in_Donezk_Alltag_fuer_die_Bewohner_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es war am 23. August 2022, einem sonnigen Tag. Das Thermometer zeigte schon morgens fast 30 Grad. Ich hatte am B&uuml;fett des Park-Inn-Hotels in Donezk in der &bdquo;Volksrepublik&ldquo; Donezk (DVR) mein Fr&uuml;hst&uuml;ck zusammengestellt und mich mit meinem Tablett auf die Terrasse gesetzt. Dort trank ich in Ruhe meinen Kaffee. Von der Terrasse hat man einen sch&ouml;nen Blick auf den Puschkin-Boulevard, einem Park, der sich durch die Stadt zieht. <\/p><p>Sp&auml;ter in meinem Zimmer auf der zweiten Etage &uuml;berflog ich meine Notizen und machte ein paar Anrufe, um mich mit Interviewpartnern zu verabreden. Ich war in Donezk f&uuml;r RT DE unterwegs. Das Fenster war ge&ouml;ffnet. Auf der Stra&szlig;e vor dem Hotel war es ruhig. Nur der L&auml;rm eines Rasenm&auml;hers war zu h&ouml;ren. Ich guckte raus und sah, dass ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Gr&uuml;nstreifen m&auml;hte. <\/p><p><strong>Ab in den Keller<\/strong><\/p><p>Um 11 Uhr 37 h&ouml;rte ich von drau&szlig;en etwas mit einem Pfeifton durch die Luft fliegen und dann ein lautes Krachen. Der Rasenm&auml;her war pl&ouml;tzlich still. Alles war still. 11 Uhr 39: Ein zweites Mal h&ouml;rte ich den Pfeifton und das Krachen, doch diesmal viel n&auml;her. 11:40 Uhr nochmal ein Pfeifen und ein Krachen. Mir war klar, die Innenstadt von Donezk wird von ukrainischen Truppen beschossen. Und die Einschl&auml;ge sind sehr nah. In einer Foto-Reportage habe ich <a href=\"https:\/\/ulrich-heyden.de\/article\/Foto_Reportage_LVR_August_2002\">Fotos von den Folgen des Raketenbeschusses ver&ouml;ffentlicht<\/a>.<\/p><p>Ich packe meinen Computer, meinen Ausweis und rannte nach unten. Ich sah, wie viele Journalistenkollegen und Hotelpersonal ebenfalls in den Keller eilten. Ein Mitarbeiter des Hotels forderte dazu auf, schnell das komplett verglaste Foyer des Hotels zu r&auml;umen. Eine zerborstene Scheibe kann lebensgef&auml;hrliche Folgen haben.<\/p><p>Im Keller versammelten wir uns dicht gedr&auml;ngt. Ein Hotelmitarbeiter verteilte St&uuml;hle. Den Hotelmitarbeiterinnen merkt man an, dass der Gang in den Keller f&uuml;r sie schon Routine ist. Sie klagten nicht und sa&szlig;en still mit m&uuml;den Gesichtern. <\/p><p>Die Journalisten &ndash; auch von ihnen haben wohl schon einige die ukrainischen Geschoss-Attacken erlebt &ndash;  wirkten nerv&ouml;s und angespannt. <\/p><p>Nach etwa einer Stunde, als l&auml;ngere Zeit keine Einschl&auml;ge mehr zu h&ouml;ren waren, gingen einige von uns durch den Hoteleingang nach drau&szlig;en. Ich sah, dass ein Geschoss-Splitter eine Scheibe in der oberen Etage des Hotels getroffen hatte. Scherben lagen vor dem Geb&auml;ude, wurden aber schon kurze Zeit sp&auml;ter von Hotel-Mitarbeiterinnen zusammengefegt. Etwas weiter auf einem gefliesten Weg lag ein scharfkantiger Stein, der offenbar durch die ukrainischen Geschosse irgendwo herausgesprengt worden war. <\/p><p><strong>Zielgenaue Raketen auf den Amtssitz des DVR-Leiters<\/strong><\/p><p>Meine Kollegen zeigten hin&uuml;ber auf das hohe Geb&auml;ude, in dem das Oberhaupt der Volksrepublik Donezk (DVR), Denis Puschilin, seinen Sitz hat. Erst jetzt sah ich es. &Uuml;ber dem Geb&auml;ude stand Rauch. In den oberen Etagen klaffte ein gro&szlig;es Loch in der Fassade. Sp&auml;ter wurde gemeldet, dass in dem Geb&auml;ude ein Brand ausgebrochen, aber niemand zu Schaden gekommen war. <\/p><p>Der Leiter der &bdquo;Volksrepublik&ldquo;, Denis Puschilin, hielt zwei Stunden nach dem Angriff vor dem Geb&auml;ude inmitten von Tr&uuml;mmern eine Videoansprache. Er beschuldigte westliche Staaten, terroristische Akte gegen die Volksrepublik Donezk zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p><strong>Attacke auch auf &bdquo;Hotel Zentral&ldquo; und Wohnh&auml;user<\/strong><\/p><p>Bei dem Angriff am 23. August in Donezk wurde nicht nur die Puschilin-Residenz, sondern auch das Hotel &bdquo;Zentral&ldquo; sowie Wohngeb&auml;ude im Stadtzentrum beschossen (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A7hCoYl_kEY\">Video<\/a>). Insgesamt wurden drei Menschen get&ouml;tet und sechs verletzt. <\/p><p>Wie &ouml;rtliche Milit&auml;rs mitteilten, schoss die ukrainische Seite mit &bdquo;NATO-Kaliber&ldquo; 155 mm sowie mit 227-Millimeter-Geschossen des in den USA hergestellten Mehrfachraketenwerfers HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System). &Uuml;berreste von HIMARS-Geschossen wurden am 23. August in Donezk gefunden. Die HIMARS-Raketenwerfer im Bestand der ukrainischen Armee haben eine Reichweite von 80 Kilometern. <\/p><p><strong>Fast jeden Tag Tote in Donezk<\/strong><\/p><p>Beschie&szlig;ungen des Stadtzentrums von Donezk gibt es alle paar Tage. Am Abend des 3. September trafen ukrainische Geschosse Stra&szlig;en am Lenin-Platz von Donezk, dem zentralen Platz der Stadt, auf dem aber auch tags&uuml;ber kaum Menschen unterwegs sind und rissen sechs ein Meter tiefe Krater. Eine Frau wurde get&ouml;tet.<\/p><p>Die ukrainische Artillerie versucht auch, f&uuml;hrende Beamte und Milit&auml;rs der DVR zu t&ouml;ten. Am 4. August versuchten ukrainische Artillerie-Sch&uuml;tzen, das Dramatische Theater in Donezk zu treffen, wo eine Trauerveranstaltung f&uuml;r die get&ouml;tete DVR-Soldatin Olga Katschura stattfand und hohe Beamte und Milit&auml;rs der Volksrepublik anwesend waren. Die Beschie&szlig;ung verfehlte ihr Ziel. Geschosse schlugen aber unter anderem vor dem teuren Hotel Donbass Palace ein und zerst&ouml;rten dort den Eingangsbereich. Sechs Menschen wurden get&ouml;tet, vier verletzt. <\/p><p>Bei meinem Besuch im August in der Stadt besuchte ich das Hotel Donbass Palace, wo meist Journalisten und russische Beamte wohnen, die am Wiederaufbau beteiligt sind. Ich sah, dass die Fenster des Hotels im Erdgeschoss immer noch mit Holzplatten verschlossen waren. An der Rezeption sagte man mir, das Hotel sei weiter bewohnt. G&auml;ste sah ich kaum. <\/p><p>Der bisher brutalste Angriff auf Donezk ereignete sich am 14. M&auml;rz. &Uuml;ber der Innenstadt wurde eine anfliegende ukrainische Totschka-U-Rakete abgeschossen. Beim Absturz der Rakete explodierte eines der Kassetten-Geschosse und <a href=\"https:\/\/vk.com\/video-135670417_456240023\">t&ouml;tete<\/a> 23 Menschen. <\/p><p>&Ouml;rtliche Medien berichten, dass der Artilleriebeschuss der Gro&szlig;stadt Donezk wesentlich st&auml;rker ist als w&auml;hrend des Krieges 2014\/15. Die Stadt Donezk gilt als Symbol der Aufstandsbewegung gegen die ukrainische Armee im Fr&uuml;hjahr 2014 und ist deshalb ein bevorzugtes Ziel der ukrainischen Armee.<\/p><p><strong>Wassermangel und Hoffnung auf Frieden<\/strong><\/p><p>Die Bev&ouml;lkerung von Donezk hat sich &ndash; so merkw&uuml;rdig das f&uuml;r Au&szlig;enstehende auch klingen mag &ndash; an die st&auml;ndigen Beschie&szlig;ungen gew&ouml;hnt. Viele bleiben lieber zu Hause. Die Stra&szlig;en und Pl&auml;tze der Stadt sind ziemlich leer. Auch gibt es wenig Autoverkehr. <\/p><p>Nicht alle wollen nach Russland &uuml;bersiedeln. Oft aus ganz pers&ouml;nlichen Gr&uuml;nden versucht man, sich mit den Verh&auml;ltnissen zu arrangieren. So geht man nur noch zum Einkaufen raus, wie zum Beispiel ein pensionierter Rentner, den ich mit seiner Frau im Zentrum der Stadt traf. Er meinte, er k&ouml;nne Donezk nicht verlassen. Hier seien die Gr&auml;ber seiner Vorfahren und hier habe er eine Wohnung, f&uuml;r die er sein ganzes Leben lang gearbeitet habe. Sein Einkommen sei nicht gro&szlig; und die Wohnung k&ouml;nne er nicht irgendwohin mitnehmen. <\/p><p>Die Lebensmittell&auml;den in Donezk sind gut gef&uuml;llt. Aber es gibt zurzeit Riesenprobleme mit dem Wasser. In dem Hotel, in dem ich wohnte, gab es Wasser nur morgens und abends. Und man musste das Wasser auch immer erst laufen lassen, weil es zun&auml;chst braun war, weil es vermutlich aus irgendwelchen Ersatzreservoirs zugeleitet wurde. <\/p><p>Der f&uuml;r die Wasserversorgung der Stadt wichtige Kanal Sewerski Donez-Donbass wird wegen der Beschie&szlig;ungen von Seiten der Ukraine nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt, weshalb man Wasser aus anderen Reservoiren &ndash; wie dem Werchnekalmiuski-Stausee &ndash; entnimmt. Doch auch dort geht das Wasser jetzt zur Neige. Eine L&ouml;sung des Problems ist noch nicht gefunden. <\/p><p><strong>Eigentlich unpolitisch, aber &hellip;.<\/strong><\/p><p>Eine Studentin, die ich in Donezk traf, erkl&auml;rte mir ganz unverbl&uuml;mt, sie sehe keine Zukunft, aber sie versuche trotzdem, mit guter Stimmung zu leben. Sie sei in den sozialen Netzwerken aktiv und dort beliebt f&uuml;r ihre Witze &uuml;ber die Probleme mit der Wasserversorgung und andere Beschwernisse. Sie habe viele Follower.<\/p><p>Obwohl die Studentin mir gegen&uuml;ber unpolitisch auftrat, hatte sie doch schon Erfahrungen mit der Politik gemacht. Leute aus der Ukraine h&auml;tten sehr negativ auf ihre Posts reagiert und sie als schlimme Terroristin bezeichnet. <\/p><p>Ihren Freund habe sie zuhause versteckt, erkl&auml;rte die Studentin freim&uuml;tig. Denn er wolle einer Einberufung zum Milit&auml;r ausweichen. Die Eink&auml;ufe und das Wasser in die Wohnung schleppen, das erledige sie. <\/p><p>Ich traf in Donezk und auch in Lugansk zu meinem Erstaunen noch mehr Frauen, die mir freim&uuml;tig berichteten, sie h&auml;tten ihre M&auml;nner zuhause versteckt.<\/p><p>Das, was die Studentin erz&auml;hlte, war eine Mischung aus Hoffnungslosigkeit und einem Kopf-nicht-in-den-Sand-Stecken. Der Grund: Der Krieg dauert schon acht Jahre und es verbessert sich so wenig. Sie sagte, sie hoffe auf Frieden und Ruhe. <\/p><p>Eine Ablenkung vom Krieg sind Treffen mit Freundinnen in der eigenen Wohnung. Junge M&auml;nner kommen nicht, denn die sind alle eingezogen. Noch ein Erschwernis: Wegen der Sperrstunde m&uuml;ssen alle um zehn Uhr abends nach Hause gehen. <\/p><p><strong>Russlands Regionen &uuml;bernahmen Patenschaften f&uuml;r den Donbass<\/strong><\/p><p>Russische Milit&auml;rkolonnen mit Panzern, Haubitzen und Mannschaftswagen sah ich in den Volksrepubliken auf den Stra&szlig;en h&auml;ufig. Oft hatten die Soldaten in wei&szlig;er Schrift auf die Front ihrer Lastwagen in gro&szlig;en Buchstaben die Stadt oder Region geschrieben, aus der sie kamen. Kontakt mit Milit&auml;rs hatte ich nicht. An die Front kommt man wohl nur als russischer Staatsangeh&ouml;riger.<\/p><p>Es scheint, dass in den &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; alles furchtbar ist. Aber das stimmt nicht. Bei der Einreise in die &bdquo;Volksrepublik&rdquo; Lugansk am Grenzkontrollpunkt Iswarino staunte ich &uuml;ber die lange Schlange von Zivilisten, die mit leichtem Gep&auml;ck auf ihre Einreisegenehmigung warteten. Und ich sah auch eine lange Schlange von Lastwagen mit 50-cm-Plastikrohren, Holz-Material f&uuml;r den Innenausbau, feinen Schottersteinen und Containern, die in die &bdquo;Volksrepublik&ldquo; Lugansk fuhren. <\/p><p>Ausl&auml;nder werden bei der Ein- und Ausreise besonders gepr&uuml;ft, und zwar von der russischen Grenzkontrolle und der Grenzkontrolle der &bdquo;Volksrepubliken&ldquo;. <\/p><p>Auf meiner Reise durch die &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; Lugansk und Donezk sah ich &uuml;berall Baumaschinen aus Russland, die Stra&szlig;en neu asphaltieren und orangene Wasserwagen aus Moskau, welche Orte ohne Trinkwasser mit Wasser versorgen. In meinem Hotel in Donezk wohnte ein 39 Jahre alter Bauleiter aus Moskau, der mit seinen Arbeitern im gef&auml;hrlichsten Au&szlig;enbezirk von Donezk, dem Kujbischewski Rayon, zerschossene H&auml;user repariert. <\/p><p>In Rubeschnoje, einer schwer zerst&ouml;rten Stadt im Norden der &bdquo;Volksrepublik&ldquo; Lugansk, sah ich, wie die Bewohner eines Hauses vor dem Eingang eine Feuerstelle eingerichtet hatten, wo sie Wasser kochten, f&uuml;r das Bad und den Tee. Leitungswasser und Elektrizit&auml;t gibt es in vielen von der russischen Armee eroberten Gebieten nicht. In Rubeschnoje f&uuml;hrte mich eine Frau in ihre Wohnung und zeigte mir, dass sie f&uuml;r alle F&auml;lle zahlreiche Beh&auml;ltnisse mit Wasser auf dem Fu&szlig;boden stehen hatte. Zwischen Fenster und Bett hatte sie eine alte T&uuml;r gestellt. F&uuml;r alle F&auml;lle, damit sie nicht im Schlaf ein Geschosssplitter trifft, wie sie mit bitterem Lachen sagte.<\/p><p>Acht Jahre leben die Menschen in Donezk jetzt schon im Krieg. &Uuml;ber die psychische Belastung spricht niemand. Hauptsache, man lebt. Wenn es wenigstens die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Bomben-Terrors g&auml;be, w&auml;re schon viel gewonnen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/51ba653ced754a52a09c45f4acacece6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><p>Titelbild: Ulrich Heyden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Innenstadt von Donezk wird seit dem 24. Februar immer wieder gezielt von der ukrainischen Armee beschossen. Obwohl es sich um ein ziviles Gebiet ohne Milit&auml;rstellungen handelt. Doch offenbar wollen die ukrainischen Truppen den Teil der Bev&ouml;lkerung von Donezk, der noch in der Stadt ausharrt, zerm&uuml;rben, vertreiben oder t&ouml;ten. 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