{"id":878,"date":"2005-09-18T17:42:27","date_gmt":"2005-09-18T15:42:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=878"},"modified":"2016-03-04T11:49:54","modified_gmt":"2016-03-04T10:49:54","slug":"interview-mit-friedhelm-hengsbach-einem-der-letzten-intellektuellen-mit-einer-eigenen-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=878","title":{"rendered":"Interview mit Friedhelm Hengsbach \u2013 einem der letzten Intellektuellen mit einer eigenen Meinung"},"content":{"rendered":"<p>&ldquo;Ich halte die Linkspartei f&uuml;r einen Segen &ndash; Eine CDU-gef&uuml;hrte Regierung wird das fortsetzen, was Gerhard Schr&ouml;der angefangen hat: die Deformation des Sozialstaats und die Entsolidarisierung. Ein Drittel der Bev&ouml;lkerung ist im Parlament gar nicht mehr repr&auml;sentiert&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2005\/09\/17\/a0199.nf\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2005\/09\/17\/a0199.nf\/textdruck\">so Hengsbach<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nDen Eindruck, unsere Intellektuellen seien ansonsten unf&auml;hig oder unwillig, den Charakter und die Folgen der Reformpolitik wahrzunehmen, gewinnt man, wenn man das Interview mit Friedhelm Hengsbach liest und seine &Auml;u&szlig;erungen zum Beispiel mit der Rede von G&uuml;nter Grass vergleicht, die dieser im Wahlkampf pro Schr&ouml;der h&auml;lt und die in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/deutschland\/artikel\/517\/60457\/print.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.sueddeutsche.de\/deutschland\/artikel\/517\/60457\/print.html\">S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 14.9.<\/a> abgedruckt war. Grass spricht zu den Reformen nur nach, was g&auml;ngige Meinung ist und ihm vermutlich aufgeschrieben worden ist. <\/p><p>&Auml;hnlich ist das beim Aufruf der <a href=\"http:\/\/www.aktion-mehr-demokratie.de\/wahlaufruf2005\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.aktion-mehr-demokratie.de\/wahlaufruf2005\/\">&bdquo;Aktion f&uuml;r mehr Demokratie&ldquo;<\/a> In diesem Aufruf wird behauptet, es gehe bei der Wahl &bdquo;um eine Richtungsentscheidung&ldquo;. Und es findet sich dort die erstaunliche Feststellung: <\/p><blockquote><p>Nachdem sich die SPD von den gescheiterten neoliberal inspirierten Konzepten endlich wieder l&ouml;st und ihren eigenen sozialdemokratischen Weg der Reformen geht, ist sie dabei, auf den Feldern Besch&auml;ftigungspolitik und soziale Sicherung verlorenes Vertrauen zur&uuml;ckzugewinnen.<\/p><\/blockquote><p>Die vielen Intellektuellen, die dies unterschrieben haben, sind offensichtlich blind, jedenfalls nehmen sie nicht wahr, was um sie herum vorgeht und direkt die Folge der Reformpolitik Schr&ouml;ders und seiner Koalition ist: zum Beispiel die massive Propaganda f&uuml;r die Privatisierung der Altersvorsorge und gleichzeitig die gezielte Erosion des Vertrauens in die Gesetzliche Rente. <\/p><p>Ich mache dazu auf eine Kampagne von Allianz, Dresdner Bank und BILD aufmerksam: &bdquo;Bild.T-Online und Allianz Leben pr&auml;sentieren die Volks-Rente. Ohne sehen Sie ganz sch&ouml;n alt aus!&ldquo;, so hei&szlig;t es zu Beginn eines Textes bei Bild.T-Online. <\/p><p>&Auml;hnliche Texte finden Sie in einer Reihe von Anzeigen in BILD und anderen Werbemitteln, mit denen jetzt eine Offensive von Allianz und Dresdner Bank zur weiteren Privatisierung der Altersvorsorge beworben und begleitet wird. In den Texten wird den Menschen immer wieder eingeredet, die gesetzliche Rente reiche nicht mehr. W&ouml;rtlich: <\/p><blockquote><p>Wer nicht selbst f&uuml;rs Alter vorsorgt, ist sp&auml;ter arm dran. Denn die gesetzliche Rente l&auml;&szlig;t gegen&uuml;ber dem vorherigen Einkommen gro&szlig;e finanzielle L&uuml;cken. Ein sorgenfreier Lebensabend ist so kaum m&ouml;glich.<\/p><\/blockquote><p>Dar&uuml;ber, wie falsch diese Behauptungen sind, haben wir in den NachDenkSeiten schon mehrmals ausf&uuml;hrlich erl&auml;utert.<\/p><p>Die Regierung Schr&ouml;der hat den Vertrauensverlust der gesetzlichen Rente mit der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente und mit einer begleitenden Propaganda beschleunigt, nachdem in der Regierung Kohl damit begonnen worden war. Schwarz-gelb w&uuml;rde darauf aufbauen und vielleicht etwas schneller weitermachen. Das ist der einzige Unterschied. Eine Richtungsentscheidung steht da wie bei anderen Themen nicht an. Sie wird in diesem zutiefst verlogenen Wahlkampf immer nur behauptet. Wenn es eines Beweises der Richtigkeit des roten Fadens meines Buches &bdquo;Die Reformenl&uuml;ge&ldquo; bedurft h&auml;tte, der zu Ende gehende Wahlkampf hat wieder einmal gezeigt, wie nahe wir an dem sind, was George Orwell in &bdquo;1984&ldquo; so skizziert hat:<\/p><blockquote><p><strong>Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete L&uuml;ge glaubten &ndash; wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten &ndash;, dann ging die L&uuml;ge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.<\/strong><\/p><\/blockquote><p>Nahezu alle unsere Intellektuellen geben sich daf&uuml;r her. Um so dankbarer muss man Friedhelm Hengsbach sein, dass er seine Stimme gegen diese selbst betriebene Gleichschaltung erhebt.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&ldquo;Ich halte die Linkspartei f&uuml;r einen Segen &ndash; Eine CDU-gef&uuml;hrte Regierung wird das fortsetzen, was Gerhard Schr&ouml;der angefangen hat: die Deformation des Sozialstaats und die Entsolidarisierung. 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