{"id":8794,"date":"2011-03-24T09:37:17","date_gmt":"2011-03-24T08:37:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8794"},"modified":"2014-08-12T11:46:33","modified_gmt":"2014-08-12T09:46:33","slug":"die-reichtumsuhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8794","title":{"rendered":"Die \u201eReichtumsuhr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Fernsehen wird st&auml;ndig die &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; des Bundes der Steuerzahler, einer neoliberalen <a href=\"?p=8073\">Lobbyorganisation f&uuml;r Steuersenkungen zu Gunsten von Unternehmen und Gutverdienenden<\/a> gezeigt. Dieser &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; eine &bdquo;Reichtumsuhr&ldquo; gegen&uuml;ber zu stellen, die den Zuwachs an Geldverm&ouml;gen in Deutschland in jeder Sekunde misst, das war eine Idee, die wir auf den NachDenkSeiten schon <a href=\"?p=475\">vor sechs Jahren vorgeschlagen haben<\/a>. Damit k&ouml;nnte n&auml;mlich das Auseinanderfallen von &ouml;ffentlicher Armut und privatem Reichtum versinnbildlicht werden. Der Betrachter w&uuml;rde dann staunen, dass die &bdquo;Reichtumsuhr&ldquo; erheblich schneller l&auml;uft als die &bdquo;Schuldenuhr&ldquo;. Dar&uuml;ber haben wir <a href=\"?p=5967\">oft berichtet<\/a>.<br>\nDer DGB Landesverband Hessen-Th&uuml;ringen hat nun diese Idee umgesetzt. Gratulation!<br>\nHier k&ouml;nnen Sie sehen wie das Nettoprivatverm&ouml;gen in Deutschland steigt, wie viel das reichste Zehntel der Bev&ouml;lkerung besitzt und demgegen&uuml;ber die Schulden des &auml;rmsten Zehntels wachsen. Quelle: <a href=\"http:\/\/www.handlungsfaehiges-hessen.de\/index.php?id=42\">Plattform handlungsf&auml;higes Hessen<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nAuch Heiner Flassbeck hat in einem <a href=\"?p=2129\">Beitrag in der FR schon im Februar 2007<\/a> vorgeschlagen, &bdquo;neben die Schuldenuhr eine Uhr zu stellen, die den Verm&ouml;genszuwachs in jeder Sekunde in Deutschland misst (&hellip;) Dann w&uuml;rden die staunenden Fernsehzuschauer oder die staunenden Touristen vor dem B&uuml;ro des Steuerzahlerbundes in Berlin aber sehen, dass die Verm&ouml;gensuhr viel schneller l&auml;uft als die Schuldenuhr und w&uuml;rden sich vielleicht fragen, wieso das bei ihnen pers&ouml;nlich eigentlich nicht der Fall ist.&ldquo;  <\/p><p>Heiner Flassbeck weiter: &bdquo;M&uuml;ssten nicht diejenigen, die so gerne den Schuldenrechner zeigen, fordern, die Gruppen der Gesellschaft, die enorm hohe Ersparnisse haben, so zu besteuern, dass sie einen gr&ouml;&szlig;eren Teil der allgemeinen Lasten tragen, statt genau f&uuml;r diese Gruppe, wie in den vergangenen Jahren in gro&szlig;em Stil geschehen, dauernd die Steuern zu senken? Deutschland hatte im vergangenen Jahr die niedrigste Steuerquote aller Zeiten. Warum wird gerade da der Schuldenrechner so h&auml;ufig bem&uuml;ht, statt zu sagen, es k&ouml;nne etwas im Lande nicht in Ordnung sein, wenn der Staat so gro&szlig;e Aufgaben hat, sich aber ausgerechnet die Wohlhabenden im Land nicht mehr an deren Finanzierung beteiligen wollen.<br>\nPerfide wird die Sache aber dadurch, dass man die einzige Art und Weise, wie der Staat das Geld auf Zeit von denen zur&uuml;ckholen kann, auf das er durch seine Steuersenkung verzichtet hat, mit Mitteln wie der Schuldenuhr verteufelt. Dann bleibt &ldquo;nat&uuml;rlich&rdquo; nur die L&ouml;sung, die kleinen Leute via K&uuml;rzung des Sozialhaushalts daf&uuml;r sorgen zu lassen, dass der Staat die zuk&uuml;nftigen Generationen nicht belastet.&ldquo;<\/p><p>Die Schuldenrechnerei sei auch deswegen besonders d&uuml;mmlich, weil man ja nur eine Uhr daneben stellen m&uuml;sste, die die Einkommen z&auml;hlte, die dem Staat in den vergangenen Jahren durch seine unverantwortliche Steuersenkungspolitik entgangen sind, und schon w&uuml;rde das Tempo der Uhr erheblich relativiert.<\/p><p>H&auml;tten denn nicht die ber&uuml;hmten &ldquo;Leistungstr&auml;ger&rdquo;, die den Staat &uuml;ber Jahre gedr&auml;ngt haben, Steuern f&uuml;r sie zu senken, damit sie mehr leisten k&ouml;nnen, nun dem Staat das Geld in Form von Staatsanleihen zur&uuml;ckgegeben und w&uuml;rden nicht gerade diese &bdquo;Gewinner&ldquo;, die offenbar gar nicht gewusst haben, was sie sonst mit ihrem Geld machen sollten als es dem Staat zu leihen, sich durch Steuerentlastungen und durch Zinsgewinne doppelt die Taschen gef&uuml;llt?<\/p><p>In einem <a href=\"?p=7794\">Beitrag &uuml;ber eine Studie des DIW<\/a> (deren Abruf aus dem Netz mir merkw&uuml;rdigerweise nicht mehr gelingt) haben wir referiert, dass die privaten Nettoverm&ouml;gen von 1991 bis 2009 um 99% auf 7.370 Milliarden, das sind 307% des BIP betr&auml;chtlich gestiegen sind, und dass die staatliche Verm&ouml;genssubstanz im gleichen Zeitraum von 52% des BIP auf einen Anteil von 6% im Jahr 2009 zunehmend ausgezehrt wurde. Es wird konstatiert, dass sich die gesamtstaatliche Verschuldung bis Ende 2010 gegen&uuml;ber dem Stand Ende 2007 durch die Finanz- und Wirtschaftskrise um etwa 300 Milliarden (oder 12% des BIP bzw. 3.800 Euro pro Kopf) erh&ouml;ht hat und damit die Relation der Staatsverschuldung zum BIP von 65% auf 75,5% gestiegen ist.<\/p><p>Nach den Berechnungen zur gesamtwirtschaftlichen Verm&ouml;gensbilanz der privaten Haushalte mache das private Nettoverm&ouml;gen im engeren Sinn aktuell (2009) 307 Prozent des BIP aus, das summiere sich auf &uuml;ber 7 Billionen (!) Euro. Zusammen mit dem &uuml;brigen Nettoverm&ouml;gen k&auml;men die privaten Haushalte sogar auf ein gesamtes Nettoverm&ouml;gen von 405 Prozent des BIP oder 9,7 Billionen Euro.<br>\nDemgegen&uuml;ber n&auml;hme sich die explizite Staatsschuldenquote (2009) in H&ouml;he von 73 Prozent des BIP (1,76 Billionen Euro) recht moderat aus. Insoweit bestehe auch noch Spielraum f&uuml;r die Abdeckung der impliziten Staatsverschuldung.<\/p><p>Das Problem sei allerdings, dass vor allem der Nettoverm&ouml;gensbesitz sehr ungleich verteilt sei: 30 Prozent der Bev&ouml;lkerung besitzen &uuml;ber 90 Prozent des Verm&ouml;gens und die reichsten zehn Prozent gar &uuml;ber 60 Prozent.<\/p><p>Die st&auml;ndig beschworene <strong>inter<\/strong>generative Belastung, also die Belastung der k&uuml;nftigen Generationen durch die Staatsverschuldung sei nicht das Problem, sondern die <strong>intra<\/strong>generativen Belastungswirkungen (also die Kluft zwischen Arm und Reich), wenn etwa zur Refinanzierung der Staatsschulden Steuern erh&ouml;ht oder &ouml;ffentliche Leistungen gek&uuml;rzt werden m&uuml;ssten.<\/p><p>Die &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; wird auch immer wieder ins Bild gesetzt, wenn den Leuten vorgegaukelt werden soll, dass wir &bdquo;&uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse&ldquo; lebten. Auch dazu hat Heiner Flassbeck schon das Passende entgegnet: &ldquo;F&uuml;r Fernsehjournalisten ist das Ding unbezahlbar. Wann immer sie eine rei&szlig;erische Reportage &uuml;ber Alterung und die B&uuml;rden derselben unter die Menschen bringen wollen, schicken sie schnell eine Kamera zum B&uuml;ro des Bundes der Steuerzahler in Berlin, die dort ein paar Sekunden lang filmt, wie der Schuldenrechner der &ouml;ffentlichen Hand in unglaublichem Tempo vor sich hin rennt und das ganze Volk fr&uuml;her oder sp&auml;ter ins Verderben st&uuml;rzt. (&hellip;) Deutschland hatte im vergangenen Jahr die niedrigste Steuerquote aller Zeiten. Warum wird gerade da der Schuldenrechner so h&auml;ufig bem&uuml;ht, statt zu sagen, es k&ouml;nne etwas im Lande nicht in Ordnung sein, wenn der Staat so gro&szlig;e Aufgaben hat, sich aber ausgerechnet die Wohlhabenden im Land nicht mehr an deren Finanzierung beteiligen wollen? (&hellip;) Perfide wird die Sache aber dadurch, dass man die einzige Art und Weise, wie der Staat das Geld auf Zeit von denen zur&uuml;ckholen kann, auf das er durch seine Steuersenkung verzichtet hat, mit Mitteln wie der Schuldenuhr verteufelt. Dann bleibt &bdquo;nat&uuml;rlich&ldquo; nur die L&ouml;sung, die kleinen Leute via K&uuml;rzung des Sozialhaushalts daf&uuml;r sorgen zu lassen, dass der Staat die zuk&uuml;nftigen Generationen <a href=\"?p=8249\">nicht belastet werden<\/a>.&ldquo;<\/p><p>Die &bdquo;Reichtumsuhr&ldquo; kann auch zeigen, dass die nun auch in Hessen angestrebte <a href=\"?p=3758\">&bdquo;Schuldenbremse&ldquo; ein Irrweg ist<\/a>, weil sie die wirtschaftspolitische Handlungsf&auml;higkeit des Staates nicht nur einschr&auml;nkt, sondern &ndash; zumal in der gegenw&auml;rtigen Situation &ndash; v&ouml;llig abw&uuml;rgt.<br>\nEin Holzweg ist &ndash; wie Albrecht M&uuml;ller immer wieder dargelegt hat &ndash; die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; auch vor allem deshalb, weil mit diesem Instrument tats&auml;chlich n&auml;mlich nicht weniger &ouml;ffentliche Schulden gemacht werden, sondern k&uuml;nftig keine Konjunkturpolitik mehr betrieben werden kann staatliche Wachstumsimpulse eher abgew&uuml;rgt werden, so dass weniger Steuern eingenommen werden k&ouml;nnen und eher noch mehr Schulden entstehen. <\/p><p>Die &bdquo;Reichtumsuhr&ldquo; ist gleichzeitig ein Sinnbild daf&uuml;r, wie richtig es w&auml;re wieder eine Verm&ouml;genssteuer einzuf&uuml;hren, um weiteren unsozialen Leistungsk&uuml;rzungen und dem weiteren Abbau von Leistungen der Daseinsvorsorge oder Privatisierungen in Bund, L&auml;ndern und Gemeinden eine gerechte Alternative entgegenzusetzen. Eine gerechtere Einkommensvorteilung w&uuml;rde dar&uuml;ber hinaus auch die stagnierende Konsumnachfrage im Inland stimulieren und k&ouml;nnte so die Exportabh&auml;ngigkeit der deutschen Wirtschaft mindern und damit <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++d2ef3348-4be4-11e0-761d-00188b4dc422\">f&uuml;r mehr Besch&auml;ftigung sorgen<\/a>.<\/p><p>Darum unterst&uuml;tzen Sie bitte die Initiativen <a href=\"http:\/\/www.handlungsfaehiges-hessen.de\/index.php?id=3\">&bdquo;Nein zur Schuldenbremse&ldquo;<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.vermoegensteuerjetzt.de\/\">&bdquo;Verm&ouml;genssteuer jetzt!&ldquo;<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fernsehen wird st&auml;ndig die &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; des Bundes der Steuerzahler, einer neoliberalen <a href=\"?p=8073\">Lobbyorganisation f&uuml;r Steuersenkungen zu Gunsten von Unternehmen und Gutverdienenden<\/a> gezeigt. Dieser &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; eine &bdquo;Reichtumsuhr&ldquo; gegen&uuml;ber zu stellen, die den Zuwachs an Geldverm&ouml;gen in Deutschland in jeder Sekunde misst, das war eine Idee, die wir auf den NachDenkSeiten schon <a href=\"?p=475\">vor sechs Jahren<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8794\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1,129,137,132],"tags":[934,364,392,278,291],"class_list":["post-8794","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-das-kritische-tagebuch","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-steuern-und-abgaben","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-bund-der-steuerzahler","tag-flassbeck-heiner","tag-schuldenbremse","tag-steuersenkungen","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8794"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8794\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8796,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8794\/revisions\/8796"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}