{"id":8797,"date":"2011-03-24T12:21:18","date_gmt":"2011-03-24T11:21:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8797"},"modified":"2014-11-25T10:16:05","modified_gmt":"2014-11-25T09:16:05","slug":"15-rendite-auf-kosten-der-patienten-ein-irrweg-der-privatisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8797","title":{"rendered":"15% Rendite auf Kosten der Patienten \u2013 ein Irrweg der Privatisierung"},"content":{"rendered":"<p>In letzter Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem sich die Mitarbeiter deutscher Krankenh&auml;user nicht wutentbrannt an die &Ouml;ffentlichkeit wenden, um auf untragbare Missst&auml;nde aufmerksam zu machen. Die meisten dieser F&auml;lle werden nur in der Lokalpresse wahrgenommen und von den professionell agierenden PR-Abteilungen der gro&szlig;en Krankenhausbetreiber als Einzelf&auml;lle heruntergespielt. Diese Einzelfalltheorie zerf&auml;llt jedoch wie ein Kartenhaus, wenn man die umfassenden Studien &uuml;ber den Pflegenotstand in deutschen Krankenh&auml;usern genauer betrachtet. Jahrelang wurde die Rendite der Betreiber auf dem R&uuml;cken des Personals erwirtschaftet. Nun scheint ein Punkt erreicht, an dem sich das Personal nicht mehr mit den immer katastrophaler werdenden Zust&auml;nden abfinden will und sich an die &Ouml;ffentlichkeit wendet. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\nDer j&uuml;ngst <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/45163\/Tarifverhandlungen_bei_Helios_Schwere_Vorwuerfe_an_die_Konzernspitze.htm\">ver&ouml;ffentlichte<\/a> Brandbrief von 688 &Auml;rztinnen und &Auml;rzten des Helios-Konzerns ist nur die Spitze des Eisbergs dieser Entwicklung. Dieser Brief ist ein Novum in der Geschichte der privaten Krankenhauskonzerne. In dem Schreiben, das den NachDenkSeiten vorliegt, beklagen die &Auml;rzte unter anderem den &bdquo;Kampf um die Einhaltung betriebswirtschaftlicher Vorgaben und Benchmark-Erf&uuml;llung&ldquo;, der &bdquo;an die Stelle medizinisch motivierter Entscheidungen&ldquo; getreten sei. Auch der &bdquo;vielfach als Abmahnungskultur empfundene Umgang&ldquo; und &bdquo;der zunehmend sch&auml;rfere Ton gegen&uuml;ber dem gesamten medizinischen Personal&ldquo; wird von den Helios-&Auml;rzten beklagt. Vorw&uuml;rfe wie diese h&ouml;rt man aus vielen deutschen Kliniken. Wie weit musste es kommen, dass sich ansonsten loyalen &Auml;rzte gezwungen sehen, sich auf diese Art und Weise Luft zu verschaffen?<\/p><p>Sowohl Krankenhaus&auml;rzte wie auch Krankenpfleger genie&szlig;en in der &Ouml;ffentlichkeit ein durchweg positives Image. Hinter den Kulissen br&ouml;ckelt dieses Image jedoch seit vielen Jahren, Anspruch und Wirklichkeit passen immer seltener zusammen. Kaum ein anderer Berufsstand leidet so h&auml;ufig unter stressbedingten Krankheiten. Eine <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Navigation\/Publikationen\/STATmagazin\/2009\/Gesundheit2009__08,templateId=renderPrint.psml__nnn=true\">Befragung des Statistischen Bundesamtes<\/a> ergab, dass jeder dritte Krankenpfleger massiv unter Zeitdruck und Arbeits&uuml;berlastung leidet. Krankenpfleger fallen pro Jahr durchschnittlich 38 Tage wegen arbeitsbedingter Gesundheitsprobleme aus &ndash; 16 Tage mehr als der Durchschnitt aller Arbeitnehmer. Anderen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,749750,00.html\">Studien zufolge<\/a> leidet fast jeder dritte Klinikarzt unter einem Burnout, jeder zehnte Arzt wird &ndash; Expertensch&auml;tzungen zufolge &ndash; mindestens einmal im Leben alkohol- oder drogenabh&auml;ngig, und die Selbstmordrate bei &Auml;rzten ist doppelt so hoch wie in der Gesamtbev&ouml;lkerung. Vor diesem Hintergrund lesen sich die Hochglanzbrosch&uuml;ren der Krankenhauskonzerne, in denen die Qualit&auml;t stets in den Mittelpunkt ger&uuml;ckt wird, wie blanker Zynismus.<\/p><p><strong>Privatisierung &ndash; die Wurzel des Problems<\/strong><\/p><p>Seit dem Beginn der gro&szlig;en Privatisierungswelle im Jahre 1995 sind alleine in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/gesundheit-soziales\/branchenpolitik\/krankenhaeuser\/krankenhaustagung-2010\">abgebaut worden<\/a>. Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25% mehr F&auml;lle als vor 15 Jahren. Eine gro&szlig; angelegte Befragung des Pflegepersonals durch das <a href=\"http:\/\/www.dip.de\/\">Deutsche Institut f&uuml;r angewandte Pflegeforschung<\/a> (dip) ergab, dass 60 Prozent der Befragten angaben, dass nicht in jeder Schicht ausreichend examiniertes Personal zur Verf&uuml;gung stehen w&uuml;rde, um die Versorgung fachlich abzusichern. 40 Prozent der Besch&auml;ftigten gaben an, ein &bdquo;arbeitsgef&auml;hrdendes &Uuml;berstundenkontingent&ldquo; angeh&auml;uft zu haben. Die jeden Monat geleisteten &Uuml;berstunden entsprechen dabei einem &Auml;quivalent von 15.000 Vollzeitstellen. Selbstverst&auml;ndlich geht diese &Uuml;berbelastung auch auf Kosten der Pflegequalit&auml;t. Die gro&szlig;e Mehrheit der vom dip befragten Pflegekr&auml;fte gab an, dass es im Arbeitsalltag zu oft gravierenden M&auml;ngeln bei der Patientensicherheit k&auml;me. Diese M&auml;ngel betreffen unter anderem Medikation, ausreichende Hygiene und mangelnde Beobachtung der Patienten.<\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/110323_kh_01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110323_kh_01_th.png\" alt=\"Pflege-Thermometer 2009\" title=\"Pflege-Thermometer 2009\"><\/a><\/p><p>Als letzter Ausweg bleibt den &uuml;berforderten Pflegekr&auml;ften oft nur eine &Uuml;berlastungsanzeige. Das Herrschaftsprinzip <em>divide et impera<\/em> (teile und herrsche) funktioniert jedoch vor allem in den privatisierten H&auml;usern, in denen der Betriebsrat oft systematisch behindert und das Personal unter Druck gesetzt wird. Das systemische Versagen wird auf die Angestellten abgew&auml;lzt, der Druck auf die Mitarbeiter bis zum Ma&szlig; der Unertr&auml;glichkeit gesteigert. Nicht wenige Mitarbeiter zerbrechen an diesem Druck und k&uuml;ndigen ihren Job.<\/p><p><strong>Traumrenditen beim Gesch&auml;ft mit der Gesundheit<\/strong><\/p><p>Diese katastrophalen Zust&auml;nde, die oft unter dem Begriff &bdquo;Pflegenotstand&ldquo; zusammengefasst werden, sind untrennbar mit dem Privatisierungswahn verbunden. Private Krankenhausbetreiber wie Asklepios, Helios oder Rh&ouml;n-Klinikum erzielen Renditen, die sich im Vergleich zu anderen Branchen wahrlich nicht verstecken m&uuml;ssen. Die Zielvorgabe der Branche liegt bei rund 15% <a href=\"http:\/\/www.vlk-online.de\/files\/articles\/2009-04\/200904_9a8fd6173f.pdf\">Eigenkapitalrendite [PDF &ndash; 730 KB]<\/a> und 15% <a href=\"http:\/\/www.wz-newsline.de\/lokales\/wuppertal\/helios-mitarbeiter-beunruhigt-8211-grundlos-sagen-die-chefs-1.179896\">Umsatzrendite<\/a>. Die drei gro&szlig;en Krankenhausbetreiber Asklepios, Helios und Rh&ouml;n-Klinikum erzielten 2009 einen Umsatz von fast sieben Milliarden Euro. Die angestrebte Umsatzrendite von 15% betr&auml;gt somit eine Milliarde Euro. Dieses Geld flie&szlig;t Jahr f&uuml;r Jahr aus dem Gesundheitssystem an die privaten Investoren. Dieses Geld muss Jahr f&uuml;r Jahr vor allem bei den Besch&auml;ftigten eingespart werden.<\/p><p>Konzerne wie Asklepios r&uuml;hmen sich in ihren Hochglanzprospekten ihrer &bdquo;im Vergleich zur Gesamtwirtschaft &uuml;berdurchschnittlichen operativen Ertragskraft&ldquo;, die von einer Rating-Agentur mit der Investment-Grade-Bewertung BBB belohnt wurde. Das Gesch&auml;ft rund um die Gesundheit ist sehr rentabel, nur h&auml;lt man solche Informationen als Betreiber nat&uuml;rlich gerne geheim. Wie sonst k&ouml;nnte man die Mitarbeiter davon &uuml;berzeugen, Lohnk&uuml;rzungen hinzunehmen? Wie sonst k&ouml;nnte man den Staat &uuml;berzeugen, immer mehr Geld in die Klinken zu pumpen? Wie sonst k&ouml;nnte man Kommunen &uuml;berzeugen, ihre Krankenh&auml;user zu Discountpreisen zu verschleudern?<\/p><p>Das Erfolgsrezept der privaten Krankenhauskonzerne beginnt dabei bereits im Vorfeld der Privatisierung. &Uuml;ber wohlgesonnene Unternehmensberatungen wie Ernst &amp; Young werden den kommunalen Tr&auml;gern katastrophale Gutachten ausgestellt, in denen die Privatisierung als letzter Ausweg aus einer vermeintlichen Finanzierungsfalle angepriesen wird. Dadurch wechseln die H&auml;user dann f&uuml;r einen Bruchteil des tats&auml;chlichen Wertes in die H&auml;nde der privaten Betreiber. So lassen sich dann nat&uuml;rlich auch traumhafte Eigenkapitalrenditen erzielen. Das Gesch&auml;ft lohnt sich vor allem dann, wenn man sich eine vertragliche Investitionsf&ouml;rderung durch die &ouml;ffentliche Hand zusichern l&auml;sst. Warum f&ouml;rdern wir eigentlich private Gesch&auml;ftsinteressen mit &ouml;ffentlichen Mitteln? Diese  Mittel werden nat&uuml;rlich auch reichlich in Anspruch genommen. So werden &ndash; je nach Betreiber &ndash; zwischen 30,3% und 57,6% <a href=\"http:\/\/www.vlk-online.de\/files\/articles\/2009-04\/200904_9a8fd6173f.pdf\">der Investitionen [PDF &ndash; 730 KB]<\/a> aus den &ouml;ffentlichen Kassen getragen. Die F&ouml;rderquote der privaten Betreiber ist damit oftmals h&ouml;her als die der &ouml;ffentlichen H&auml;user. <\/p><p>Um weiter Kosten zu senken, greifen Konzerne wie Asklepios, Helios oder Rh&ouml;n-Klinikum gerne auf schlecht ausgebildetes Personal zur&uuml;ck, das wesentlich preiswerter zu haben ist. Zeitvertr&auml;ge von examinierten Krankenpflegern werden dabei <a href=\"http:\/\/www.goslarsche.de\/Home\/harz\/region-harz_arid,161118.html\">nicht mehr verl&auml;ngert<\/a> und ihre Stellen werden mit sogenannten &bdquo;Gesundheitsassistenten&ldquo; besetzt &ndash; dies sind meist ehemalige Arbeitslose, die nach einem halbj&auml;hrigen Kurzlehrgang auf die Patienten losgelassen werden. In der Theorie sind sie als Servicekr&auml;fte nur f&uuml;r T&auml;tigkeiten vorgesehen, die keine besonderen Kenntnisse erfordern. In der Praxis z&auml;hlt dies bei einer chronischen Unterbesetzung nat&uuml;rlich wenig. Examinierte Kr&auml;fte und Gesundheitsassistenten erg&auml;nzen sich nicht, sie verdr&auml;ngen einander. In einigen H&auml;usern f&uuml;hrt dies dazu, dass kein einziger ausgebildeter Pfleger nach Abschluss seiner dreij&auml;hrigen, hochqualifizierten Ausbildung &uuml;bernommen wird. Stattdessen stellt man lieber die g&uuml;nstigeren Gesundheitsassistenten ein. Examinierte Kr&auml;fte m&uuml;ssen daf&uuml;r immer mehr die Arbeit der &Auml;rzte &uuml;bernehmen, wie das Abnehmen von Blut oder das Legen von Zug&auml;ngen. Durch diese Mehrbelastung bleiben allerdings oft andere Bereiche liegen. Wenn man nicht mehr genug Zeit hat, alle Patienten zu f&uuml;ttern, so werden halt Magensonden oder ven&ouml;se Zug&auml;nge gelegt &ndash; das geht schneller als mit der Hand zu f&uuml;ttern.<\/p><p><strong>Auf dem R&uuml;cken der Arbeitnehmer<\/strong><\/p><p>Diese offensichtlichen M&auml;ngel sind eindeutig auf den Wunsch, Kosten zu reduzieren, zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Dabei sind die deutschen Krankenh&auml;user im internationalen Vergleich bereits seit langem Spitzenreiter in Sachen betriebswirtschaftlicher Effizienz. Die durchschnittlichen Krankhausausgaben pro Einwohner und Jahr liegen hierzulande bei 787 Euro. In der Schweiz sind es 1.136 Euro, in D&auml;nemark 1.174 Euro, in Norwegen 1.185 Euro und in den USA sogar 1.568 Euro &ndash; rund das Doppelte des deutschen Werts. Interessanterweise sind dies genau die L&auml;nder, in die gut ausgebildete deutsche &Auml;rztinnen und &Auml;rzte gerne abwandern.  Nur in Kanada und Spanien sind die Krankenhausausgaben niedriger als hierzulande. <\/p><p>Diese Effizienz begr&uuml;ndet sich vor allem in den niedrigen Kosten. Pro Fall fallen hierzulande durchschnittlich 3.908 Euro an &ndash; der Durchschnitt aller Industriel&auml;nder liegt bei 6.942 Euro. Sowohl beim Pflegepersonal als auch bei den &Auml;rzten nimmt Deutschland bei der &bdquo;Arbeitsproduktivit&auml;t&ldquo; einen Spitzenplatz ein. Bereits heute wird diese Produktivit&auml;t vor allem auf dem R&uuml;cken der Besch&auml;ftigten erreicht. Die Geh&auml;lter im Pflegebereich liegen im Vergleich mit anderen Industriel&auml;ndern im unteren Drittel. Sogar die Unternehmensberatung McKinsey, die ansonsten komplett unverd&auml;chtig ist, Arbeitnehmerinteressen zu erkennen und zu vertreten, brandmarkt diese offensichtliche Diskrepanz: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenngleich die Besch&auml;ftigten in deutschen Krankenh&auml;usern sehr viel leisten, verdienen sie keinesfalls mehr als ihre Kollegen im Ausland. Im Gegenteil: Die h&ouml;chste Produktivit&auml;t geht einher mit dem niedrigsten Gehaltsniveau.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><a href=\"https:\/\/gesundheit-soziales.verdi.de\/branchenpolitik\/krankenhaeuser\/data\/flyer_a4_mc_kinsey.pdf\">McKinsey-Studie &bdquo;Modernes Krankenhausmanagement&ldquo; [PDF &ndash; 1.3 MB]<\/a>, Salfeld, Rainer u.a., 2007<\/p><p>20 Prozent aller vollzeitbesch&auml;ftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1.500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Der Berufsstand, der so sehr wie kaum ein anderer f&uuml;r unser Wohlbefinden verantwortlich ist, geh&ouml;rt zu den schlechtestbezahlten Berufen unseres Landes &ndash; das ist eine Schande. Vor allem im S&uuml;den der Republik f&auml;llt es den Krankenhausbetreibern immer schwerer, &uuml;berhaupt noch geeignete Kr&auml;fte zu diesen Konditionen finden. Die eigentliche Bombe tickt jedoch bereits bundesweit. In keinem anderen Berufszweig ist der Altersdurchschnitt so hoch wie in der Krankenpflege. Da sich aber nur jeder zweite Besch&auml;ftigte vorstellen kann, diesen physisch wie psychisch anspruchsvollen Job bis zum Eintritt ins Rentenalter auszu&uuml;ben, wird die Branche schon bald ein Nachwuchsproblem bekommen. Da die Zahl der Ausbildungspl&auml;tze bundesweit stark r&uuml;ckl&auml;ufig ist, d&uuml;rften die Konzerne schon bald Schwierigkeiten haben, die vorhandenen Stellen &uuml;berhaupt noch besetzen zu k&ouml;nnen. <\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/110324_kh_02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110324_kh_02_th.png\" alt=\"Einkommensverteilung in Krankenpflegeberufen\" title=\"Einkommensverteilung in Krankenpflegeberufen\"><\/a><\/p><p>Bei den Klinik&auml;rzten gibt es bereits jetzt einen Engpass. Es gibt keinen Krankenhausbetreiber, der nicht &uuml;ber Personalnot hinsichtlich des &auml;rztlichen Personals klagen w&uuml;rde. Erstaunlicherweise vergessen die Betreiber jedoch gerade im Personalbereich ihr Geschw&auml;tz vom freien Markt und Angebot und Nachfrage. Wie kann eine Klinik daf&uuml;r sorgen, dass sie einen vakanten Arbeitsplatz besetzt, der schlecht bezahlt ist und miserable Arbeitsbedingungen bietet? Ganz einfach, sie bietet mehr Geld als die Konkurrenz, und verbessert die Arbeitsbedingungen. Die Krankenhauskonzerne machen jedoch das genaue Gegenteil.<\/p><p>Nur mit M&uuml;he und Not kann der Marburger Bund jedes Jahr zufriedenstellende Tarifvertr&auml;ge durchsetzen; die Verhandlungen mit dem Helios-Konzern dauern nun bereits &uuml;ber ein Jahr an. Wen mag es da verwundern, wenn den &Auml;rzten der Kragen platzt. Vor allem die von den Helios-&Auml;rzten erw&auml;hnten intransparenten Zielvorgaben, die intern in &bdquo;bester&ldquo; Unternehmensberatersprach &bdquo;Benchmarks&ldquo; genannt werden, sind vielfach ein Grund f&uuml;r Klagen. Es gibt kaum ein privatisiertes Krankenhaus, dessen Personal nicht mit sogenannten konzerninternen &bdquo;Benchmarks&ldquo; unter Druck gesetzt wird &ndash; man sei zu teuer, der Personalschl&uuml;ssel sei intern einer der ung&uuml;nstigsten. Woher diese Zahlen stammen und ob diese &bdquo;Benchmarks&ldquo; &uuml;berhaupt realistisch sind, l&auml;sst sich dabei nicht erkennen. Wie denn auch? Bei Konzernen wie Asklepios geh&ouml;re &bdquo;die Intransparenz schlie&szlig;lich zum Gesch&auml;ftsmodell&ldquo;, wie ein Gewerkschaftssekret&auml;r den NachDenkSeiten zu Protokoll gab.<\/p><p><strong>Die Privatisierung r&uuml;ckg&auml;ngig machen<\/strong><\/p><p>Wer einen Ausweg aus dem Pflegenotstand in den Krankenh&auml;usern sucht, kommt dabei um zwei L&ouml;sungsans&auml;tze nicht herum: <\/p><ul>\n<li>Zum Einen muss die Privatisierung der Krankenh&auml;user r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden.<\/li>\n<li>Zum Anderen m&uuml;ssen die Krankenh&auml;user besser finanziert werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beziffert den zus&auml;tzlichen Finanzierungsbedarf mit 56 Milliarden Euro. Woher dieses Geld kommen soll, l&auml;sst man jedoch wohlweislich offen. Das Gesundheitssystem krankt nicht nur auf der Ausgaben-, sondern auch auf der Einnahmenseite.<\/li>\n<\/ul><p>Es ist jedoch offensichtlich, dass eine solche Erh&ouml;hung bei privatisierten Krankenhausbetreibern ohnehin nicht bei den Arbeitnehmern, sondern als Renditesteigerung bei den Investoren landen w&uuml;rde. Diese w&uuml;rden das Geld dann entweder abziehen oder in die weitere Expansion der Krankenhauskonzerne stecken. Noch mehr Asklepios- oder Helios-Kliniken w&auml;ren jedoch nicht die Heilung, sondern die Versch&auml;rfung der Krankheit des Gesundheitssytems. Bevor man eine Erh&ouml;hung der Krankenhausfinanzierung in Betracht zieht, sollte man daher die Fehler der Privatisierung r&uuml;ckg&auml;ngig machen und die privaten H&auml;user rekommunalisieren. Dies ist die Politik der Gesellschaft schuldig, denn Gesundheit ist kein Handelsgut, sondern ein Teil der Daseinsvorsorge, der nicht den Renditew&uuml;nschen privater Investoren zum Fra&szlig; vorgeworfen werden darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem sich die Mitarbeiter deutscher Krankenh&auml;user nicht wutentbrannt an die &Ouml;ffentlichkeit wenden, um auf untragbare Missst&auml;nde aufmerksam zu machen. Die meisten dieser F&auml;lle werden nur in der Lokalpresse wahrgenommen und von den professionell agierenden PR-Abteilungen der gro&szlig;en Krankenhausbetreiber als Einzelf&auml;lle heruntergespielt. Diese Einzelfalltheorie zerf&auml;llt jedoch wie ein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8797\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,28],"tags":[1073,373,1074,588,412],"class_list":["post-8797","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-privatisierung","tag-aerzte","tag-oekonomisierung","tag-helios","tag-personalabbau","tag-privatkliniken"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8797"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8801,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8797\/revisions\/8801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}