{"id":88084,"date":"2022-09-15T11:42:15","date_gmt":"2022-09-15T09:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88084"},"modified":"2022-09-15T14:57:43","modified_gmt":"2022-09-15T12:57:43","slug":"auf-dem-ruecken-der-palaestinenser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88084","title":{"rendered":"Auf dem R\u00fccken der Pal\u00e4stinenser"},"content":{"rendered":"<p>Bundeskanzler Scholz will eine engere milit&auml;rische Zusammenarbeit mit Israel. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will israelisches Gas. Bundesgesundheitsminister Lauterbach will die engere medizinische Zusammenarbeit &bdquo;f&uuml;r zuk&uuml;nftige Pandemien&ldquo; und Bundesjugendministerin Lisa Paus hat mit ihrer israelischen Amtskollegin eine Absichtserkl&auml;rung zur Gr&uuml;ndung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks unterzeichnet. Warum? Soll die Interims-Regierung von Jair Lapid gegen eine Neuwahl von Netanyahu gest&auml;rkt werden? Will man Israel bes&auml;nftigen, damit es das Atomabkommen mit dem Iran nicht weiter torpediert? Soll Israel einer Seegrenze mit dem Libanon zustimmen, damit die EU schnell mehr Gas aus dem &ouml;stlichen Mittelmeer bekommt? Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Pal&auml;stinenser kommen in dem neuen Schulterschluss lediglich als &bdquo;Gefahr&ldquo; vor, der Israel wie gewohnt begegnen werde, so Lapid. Anfang August wurden bei einem Angriff auf den Gaza-Streifen &ndash; dem keine Gefahr vorausgegangen war &ndash; 39 Personen get&ouml;tet. 151 Kinder, 58 Frauen und 19 &auml;ltere Menschen wurden verletzt. Die J&uuml;dische Stimme f&uuml;r einen gerechten Frieden in Nahost hat beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe Strafanzeige gegen den Interimsministerpr&auml;sidenten Jair Lapid und Verteidigungsminister Benny Gantz wegen Kriegsverbrechen erstattet.<\/p><p><strong>Auf dem R&uuml;cken der Pal&auml;stinenser &ndash; Kolonialismus, Kriegsverbrechen und Apartheid im Staate Israel<\/strong><\/p><p>Nick Estes ist Professor f&uuml;r Amerikanische Studien an der Universit&auml;t in Neu Mexiko. Als er f&uuml;nf Jahre alt war, erz&auml;hlte ihm sein Vater, dass dort, wo heute der Missouri durch S&uuml;d-Dakota flie&szlig;t, fr&uuml;her seine Gro&szlig;eltern in einem Tal gelebt h&auml;tten. Ingenieure der US-Armee-Korps h&auml;tten deren Land &uuml;berflutet, um einen gro&szlig;en Stausee zu bauen. Der Damm, der das Wasser des Missouri aufstaute, sollte Strom f&uuml;r die nahegelegenen Gemeinden der Wei&szlig;en liefern und so geschah es. Die Indianer der Lower Brule Sioux in S&uuml;d-Dakota, zu denen auch die Familie von Nick Estes geh&ouml;rt, wurden entrechtet und in ein Reservat verbannt. <\/p><p>2019 reiste Nick Estes erstmals nach Pal&auml;stina. Er sei <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/57951116-determined-to-stay\">schockiert gewesen<\/a> von der Intensit&auml;t, Geschwindigkeit und Aggressivit&auml;t, mit der die israelischen Siedler pal&auml;stinensischen Boden besetzt h&auml;tten. Und &auml;hnlich wie in der Geschichte der USA werde die Landnahme, der Diebstahl des Bodens, von israelischen Gesetzen und israelischen Gerichten &bdquo;legalisiert&ldquo;. Auch sein Volk der Lower Brule Sioux seien entrechtet worden: &bdquo;Wir durften kein Eigentum besitzen. Wir brauchten einen Ausweis, um das Reservat zu verlassen. Wir brauchten eine Genehmigung, um unser Land zu bebauen oder um eine Viehherde zu haben.&ldquo; Auch die Israelis benutzten &bdquo;rassistische Gesetze, um immer mehr Pal&auml;stinenser aus ihren D&ouml;rfern zu vertreiben.&ldquo; Die Pal&auml;stinenser h&auml;tten seit Generationen nachhaltige Landwirtschaft betrieben und das Land am Rande der W&uuml;ste zur Bl&uuml;te gebracht. Erst die israelische Bodenpolitik habe die unterirdischen Wasser-Aquiferen zerst&ouml;rt. Tausend Jahre alte Olivenb&auml;ume seien entwurzelt, das fragile &Ouml;kosystem der Region sei zugrunde gerichtet worden. <\/p><p>Inzwischen hat sich die Lage f&uuml;r die Pal&auml;stinenser so sehr verschlechtert, dass selbst Amnesty International Israel einen Apartheid-Staat nennt. Daf&uuml;r ist die Organisation beschimpft und kritisiert worden, denn das, was der Indianer Nick Estes auf den ersten Blick erkannt hat, darf heute in den L&auml;ndern, die mit Israel verb&uuml;ndet sind, nicht ausgesprochen werden. Das gilt auch in Deutschland, wo Israel als &bdquo;einzige Demokratie&ldquo; im Mittleren Osten gelobt wird und die Sicherheit Israels als &bdquo;deutsche Staatsr&auml;son&ldquo; jede neue Regierung dazu verpflichtet, die Verbrechen des Staates Israel nicht beim Namen zu nennen. <\/p><p>Die Regierung Scholz will nun die ohnehin schon enge Zusammenarbeit mit Israel weiter vertiefen. Damit r&uuml;ckt die Bundesregierung quasi auf den Scho&szlig; einer Regierung, der schwere Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Bei der letzten Attacke der israelischen Armee auf den abgeriegelten Gazastreifen Anfang August 2022 starben 38 mehrheitlich zivile Opfer. Darunter waren 18 Kinder und vier Frauen. Manche von ihnen starben sofort, andere erlagen Tage sp&auml;ter ihren Verletzungen. Von den 360 Verletzten waren etwa zwei Drittel Zivilisten: 151 Kinder, 58 Frauen und 19 &auml;ltere Menschen. Die Bombenangriffe f&uuml;hren meist zu Verletzungen, die das Leben der Betroffenen f&uuml;r immer beeintr&auml;chtigen.<\/p><p><strong>Strafanzeige wegen Kriegsverbrechens<\/strong><\/p><p>Die J&uuml;dische Stimme f&uuml;r gerechten Frieden in Nahost e.V. hat deswegen am 10. September 2022 beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe Strafanzeige gegen den israelischen Premierminister Jair Lapid und gegen Verteidigungsminister Benny Gantz wegen Kriegsverbrechen <a href=\"https:\/\/www.juedische-stimme.de\/2022\/09\/11\/4098\/\">erstattet<\/a>. Beide seien &bdquo;f&uuml;r Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit&ldquo; verantwortlich, &bdquo;die im August dieses Jahres unter ihrer F&uuml;hrung im Gazastreifen begangen wurden&ldquo;. <\/p><p>Bei der &bdquo;Operation Breaking Dawn&ldquo; sei Gaza vom 5. bis zum 8. August intensiv bombardiert worden, hei&szlig;t es in der Presseerkl&auml;rung. Der Angriff sei als &bdquo;Pr&auml;ventivschlag&ldquo; gerechtfertigt worden, doch eine konkrete Bedrohung habe es nicht gegeben. Ministerpr&auml;sident Jair Lapid habe behauptet, sein Volk verteidigt zu haben, und Verteidigungsminister Benny Gantz k&uuml;ndigte an, &bdquo;falls n&ouml;tig auch in Zukunft weitere Pr&auml;ventivschl&auml;ge&ldquo; durchf&uuml;hren zu wollen. Egal ob gegen Khan Younis (Fl&uuml;chtlingslager in Gaza) oder gegen Teheran. Die J&uuml;dische Stimme wirft den beiden Politikern und der israelischen F&uuml;hrung vor, &bdquo;angesichts der westlichen Atomverhandlungen mit dem Iran durch das T&ouml;ten pal&auml;stinensischer Kinder St&auml;rke zeigen&ldquo; zu wollen.<\/p><p><strong>Gaza ins Mittelalter bomben<\/strong><\/p><p>Man fordere &bdquo;Konsequenzen f&uuml;r die beiden M&auml;nner, die dieses Leid vor allen anderen zu verantworten haben&ldquo;, so die Stellungnahme der J&uuml;dischen Stimme weiter. Benny Gantz sei schon 2014 als Generalstabschef der Israelischen Streitkr&auml;fte (IDF) &bdquo;in hohem Ma&szlig;e f&uuml;r die noch viel gr&ouml;&szlig;eren Verw&uuml;stungen verantwortlich, die unter dem Namen &bdquo;Operation Protective Edge&ldquo; ca. 1.500 zivile Opfer (500 davon Kinder) in Gaza forderten. Im n&auml;chsten Wahlkampf prahlte er damit, Gaza &bdquo;ins Mittelalter zur&uuml;ckgebombt&ldquo; zu haben&ldquo;. Alle Kriegsverbrecher sollten auf die gleiche Weise behandelt werden, auch solche aus Israel.<\/p><p><strong>Bundesregierung sieht weg<\/strong><\/p><p>Bundeskanzler Scholz beeindruckt das nicht. Der Sozialdemokrat will eine engere milit&auml;rische Zusammenarbeit mit Israel. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will israelisches Gas. Bundesgesundheitsminister Lauterbach will die engere medizinische Zusammenarbeit &bdquo;f&uuml;r zuk&uuml;nftige Pandemien&ldquo; und Bundesjugendministerin Lisa Paus hat mit ihrer israelischen Amtskollegin eine Absichtserkl&auml;rung zur Gr&uuml;ndung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks unterzeichnet.<\/p><p>Warum? Soll die Interims-Regierung von Jair Lapid gegen eine Neuwahl von Netanyahu gest&auml;rkt werden? Will man Israel bes&auml;nftigen, damit es das Atomabkommen mit dem Iran nicht weiter torpediert? Soll Israel einer Seegrenze mit dem Libanon zustimmen, damit die EU schnell mehr Gas aus dem &ouml;stlichen Mittelmeer bekommt? Jair Lapid k&uuml;ndigte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Scholz in Berlin an, Israel k&ouml;nne &bdquo;zehn Prozent des russischen Gases ersetzen&ldquo;, das Russland im vergangenen Jahr nach Europa geliefert habe.<\/p><p><strong>Unter Freunden<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir sind Freunde&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.bundeskanzler.de\/bk-de\/aktuelles\/pressekonferenz-von-bundeskanzler-scholz-und-dem-ministerpraesidenten-des-staates-israel-lapid-am-12-september-2022-in-berlin-2125198\">begr&uuml;&szlig;te<\/a> Bundeskanzler Olaf Scholz den israelischen Interims-Ministerpr&auml;sidenten Jair Lapid, als dieser vor wenigen Tagen zu Gespr&auml;chen im Kanzleramt in Berlin eintraf. Man duzte sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz, Scholz freute sich &uuml;ber &bdquo;einen wunderbaren Reigen deutsch-israelischer Begegnungen&ldquo;, die in den letzten Tagen zwischen beiden Regierungen stattgefunden h&auml;tten. <\/p><p>Die &bdquo;Dichte an Begegnungen&ldquo; zeige: &bdquo;Wir sind enge Verb&uuml;ndete, strategische Partner, wir sind Freunde.&ldquo; Was f&uuml;r ein &bdquo;kostbares Geschenk, f&uuml;r das wir sehr dankbar sind&ldquo;, so Bundeskanzler Scholz. Man habe &uuml;ber die &bdquo;immerw&auml;hrende Verpflichtung&ldquo; der Vergangenheit gesprochen, &uuml;ber &bdquo;einen strategischen Dialog&ldquo; zwischen beiden L&auml;ndern, der schon im M&auml;rz vereinbart worden sei, so Scholz. In dem Rahmen h&auml;tten sich bereits &bdquo;Spitzenbeamte in Jerusalem f&uuml;r einen ersten interministeriellen strategischen Dialog getroffen&ldquo;. Ein Memorandum of Understanding (Absichtserkl&auml;rung) zur Gr&uuml;ndung eines deutsch-israelischen Jugendwerks sei unterzeichnet worden, um den Austausch der Jugend beider L&auml;nder zu intensivieren, was eine &bdquo;Investition in die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel&ldquo; sei, sagte Kanzler Scholz vor den Journalisten. Gemeinsam stehe man &bdquo;eng an der Seite der Ukraine&ldquo; und werde aufgrund der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise &uuml;berall &ndash; &bdquo;eine Folge des russischen Angriffskriegs&ldquo; &ndash; &bdquo;gemeinsame Anstrengungen&ldquo; unternehmen, um die Kriegsfolgen zu d&auml;mpfen. Im Rahmen der Scholz&rsquo;schen &bdquo;Zeitenwende&ldquo; seien f&uuml;r die Verteidigung Deutschlands 100 Milliarden Euro vorgesehen, bei der die Bundesregierung &bdquo;auch sehr gerne mit Israel zusammenarbeiten&ldquo; wolle. &bdquo;Etwa im Bereich der Luftverteidigung, wo Israel mit dem Arrow-3-System &uuml;ber ein sehr leistungsf&auml;higes Angebot&ldquo; verf&uuml;ge.<\/p><p>Thema sei weiterhin der &bdquo;Nahost-Friedensprozess&ldquo; gewesen, der nur erfolgreich sein k&ouml;nne, wenn &bdquo;beide Seiten&ldquo; eine Zweistaatenl&ouml;sung aushandelten, sagte Scholz. Die Lebensbedingungen der Pal&auml;stinenser m&uuml;ssten sich verbessern, die &bdquo;pal&auml;stinensische F&uuml;hrung (m&uuml;sse) ihrer Verantwortung f&uuml;r den Aufbau eines friedlichen und demokratischen Pal&auml;stinas endlich nachkommen. Nat&uuml;rlich w&uuml;nsche ich auch von Israel, dass nicht einseitig Fakten geschaffen werden.&ldquo; Soviel zum illegalen israelischen Siedlungsbau in der Westbank und in und um Ostjerusalem. <\/p><p>Als weiteres Gespr&auml;chsthema mit Lapid nannte Scholz das Nuklearabkommen mit dem Iran. Man sei sich &bdquo;mit Israel einig: Der Iran darf keine Atomwaffen erlangen.&ldquo; Das Abkommen sei daf&uuml;r der richtige Weg, man bedauere, dass der Iran die Fragen des Westens nicht beantworte. Schlie&szlig;lich h&auml;tten die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel und Deutschland &bdquo;Potenzial&ldquo;, beispielsweise bei der &bdquo;Entwicklung und Gewinnung erneuerbarer Energien&ldquo;.<\/p><p>Tats&auml;chlich hat die Bundesregierung die milit&auml;risch-geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Israel seit langem <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2010\/feb\/16\/dubai-murder-fake-identities-hamas?DCMP=EMC-thewrap08\">vertieft und ausgebaut<\/a>. Deutsche Drohnenpiloten werden in Israel geschult, gemeinsame Man&ouml;ver finden statt. Der israelische Mossad darf ungestraft deutsche P&auml;sse bei seinen geheimen, auch t&ouml;dlichen Auslandsoperationen einsetzen.<\/p><p>Deutschland will israelisches Gas aus dem &ouml;stlichen Mittelmeer und der israelische Interims-Ministerpr&auml;sident Lapid bot seinerseits Gasexporte nach Europa an. &bdquo;Wir k&ouml;nnen aktuell etwa zehn Prozent des russischen Gases ersetzen, das Russland letztes Jahr nach Europa exportiert hat&ldquo;, sagte er. Zudem habe man in Israel &bdquo;viele Start-ups im Bereich der erneuerbaren Energien und alle m&ouml;glichen alternativen L&ouml;sungen f&uuml;r die Energiekrise&ldquo;. <\/p><p>Lapid lobte den Bundeskanzler, dass der sich mit seiner Politik gegen&uuml;ber Israel entschieden habe, &bdquo;auf der Seite des Guten&ldquo; zu stehen, um die &bdquo;strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Israel&ldquo; zu vertiefen. Man werde &bdquo;zusammenhalten, zusammenarbeiten gegen&uuml;ber der Bedrohung, dass Iran ein nuklearer Staat werden k&ouml;nnte&ldquo;. Es sei an der Zeit, die &bdquo;gescheiterten Verhandlungen mit Iran hinter uns zu lassen&ldquo;, so Lapid, obwohl Israel offiziell nicht mit am Verhandlungstisch bei dem Abkommen sitzt. Man brauche eine &bdquo;neue Strategie, um das iranische Problem anzugehen&ldquo;. Nur so k&ouml;nnten &bdquo;neue terroristische Wellen, nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in ganz Europa&ldquo;, vermieden werden. Dar&uuml;ber hinaus warb Lapid f&uuml;r die von den USA vorgeschlagenen &bdquo;Abraham Accords&ldquo; und versicherte: &bdquo;Wir reichen die Hand f&uuml;r Frieden mit all unseren Nachbarn und das werden wir auch immer tun.&ldquo; Man gedenke in Berlin der Vergangenheit und strebe &bdquo;eine gemeinsame Vision der Zukunft&ldquo; an. <\/p><p><strong>Journalisten und ihre Fragen<\/strong><\/p><p>Die Fragen der Journalisten kreisten um die Energiefrage und die milit&auml;rische Zusammenarbeit. Eine Frage bezog sich darauf, was es f&uuml;r Israel bedeute, wenn &bdquo;die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde immer weniger gegen Terror in ihren Gebieten&ldquo; agiere und zusammenbrechen k&ouml;nne. Man habe nat&uuml;rlich &bdquo;gro&szlig;e Sorge vor Terror, gerade in Jenin und Nablus, wo dieser gerade gestiegen&ldquo; sei, antwortete Lapid. &bdquo;Wir werden nat&uuml;rlich etwas gegen den Terror machen, wie wir das schon immer gemacht haben. So wird es auch bleiben.&ldquo;<\/p><p>Eine andere &bdquo;Frage&ldquo; bezog sich auf die Zweistaatenl&ouml;sung. Lapid wurde gefragt, ob er Mahmud Abbas, der &bdquo;auf eine gewisse Weise ein Holocaust-Leugner&ldquo; sei, &uuml;berhaupt noch als &bdquo;Partner f&uuml;r Frieden&ldquo; ansehe. Und was mit der &bdquo;Terrororganisation Hamas&ldquo; sei. Lapid ging darauf nicht weiter ein, sondern antwortete, das Problem sei das pal&auml;stinensische Erziehungssystem. &bdquo;Einseitige, &uuml;ble Sachen &hellip; gegen uns&ldquo; w&uuml;rden in den Lehrb&uuml;chern stehen. &bdquo;Wir m&uuml;ssen etwas dagegen tun, und das werden wir auch weiterhin machen. Das ist nicht nur unsere Aufgabe, sondern die wahre moralische Wahrheit steht auf unserer Seite. Es ist so!&ldquo;<\/p><p>Kein Journalist stellte eine Frage zur Ermordung der langj&auml;hrigen Al-Jazeera-Reporterin Shireen Abu Akleh durch die israelischen Streitkr&auml;fte. Die hatten sich k&uuml;rzlich selbst mit einem eigenen Untersuchungsbericht von jeder Verantwortung freigesprochen.<\/p><p><strong>Die pal&auml;stinensische Realit&auml;t<\/strong><\/p><p>Die Realit&auml;t der Pal&auml;stinenser wurde bei der gemeinsamen Pressekonferenz ausgeblendet. Weder die beiden Staatschefs noch die Vertreter und Vertreterinnen der Presse, die eigentlich eine kl&auml;rende und korrigierende Funktion haben sollte, gingen auf die Gewalt ein, die von Seiten der israelischen Besatzungsarmee gegen die Pal&auml;stinenser gerade in Jenin und in der Westbank (Westjordanland) in den vergangenen Wochen versch&auml;rft wurde. <\/p><p>T&auml;glich werden junge M&auml;nner in Jenin verletzt oder sterben bei Auseinandersetzungen mit den israelischen Truppen. Das Fl&uuml;chtlingslager Jenin liegt im Westjordanland, der Westbank, die israelischen Streitkr&auml;fte nennen es &bdquo;Das Wespennest&ldquo;. 11.000 Menschen leben hier zusammengepfercht auf einem Quadratkilometer, 65 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind j&uuml;nger als 24 Jahre. Niemand dieser Generation hat jemals in einem freien Land, einem freien Staat gelebt. <\/p><p>J&auml;hrlich werden bis zu 700 pal&auml;stinensische Jugendliche von Israel ins Gef&auml;ngnis gesteckt. Hinzu kommt der uners&auml;ttliche illegale Landraub durch Siedler, die Verfolgung von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Der Leiter des Jenin Freedom Theaters, Bilal Al Saadi, wurde am vergangenen Sonntag (11.09.22) an einem israelischen Armee-Kontrollpunkt aus unbekannten Gr&uuml;nden <a href=\"https:\/\/jerusalem.24fm.ps\/16842.html\">verhaftet<\/a>, als er mit einem Kollegen auf dem R&uuml;ckweg von Ramallah nach Jenin war.<\/p><p>Nach Angaben der pal&auml;stinensischen <a href=\"https:\/\/www.addameer.org\/\">Gefangenenorganisation ADAMEER<\/a> sind aktuell 4.650 Pal&auml;stinenser in israelischen Gef&auml;ngnissen in Israel und in den besetzten Gebieten (Stand 14.09.22). 743 befinden sich in so genannter Administrativhaft, die ohne Verfahren willk&uuml;rlich verl&auml;ngert werden kann. 180 der Gefangenen sind Kinder, 32 sind Frauen.<\/p><p><strong>Pal&auml;stina wird frei sein<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die beiden Regierungsdelegationen am Montag (12.09.22) im Kanzleramt zusammenkamen und sich ihrer gegenseitigen Freundschaft und den daraus entwachsenen Gesch&auml;ften versicherten, demonstrierten vor dem Geb&auml;ude Pal&auml;stinenser und Pal&auml;stinenserinnen f&uuml;r die Freiheit ihres Landes und f&uuml;r ihre Rechte. &bdquo;Pal&auml;stina wird frei sein&ldquo;, riefen sie. Die Hoffnungen und Forderungen der Pal&auml;stinenser, deren Rechte in UN-Resolutionen garantiert sind, verhallten in den deutschen Medien weitgehend ungeh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Vor 40 Jahren: Das Massaker in Sabra und Schatila<\/strong><\/p><p>Nicht so in den Nachbarl&auml;ndern Israels, die alle von der ungebremsten Bereitschaft zur Gewalt und politischen Arroganz Israels betroffen sind. Staaten, die unter den Erpressungsversuchen und dem wirtschaftlichen Druck der israelischen Unterst&uuml;tzer in der Europ&auml;ischen Union und in den USA ein Leben im permanenten Kriegs- und Krisenmodus gestalten m&uuml;ssen. <\/p><p>Libanon, das in seiner Geschichte von der israelischen Armee immer wieder angegriffen und besetzt wurde. Vor genau 40 Jahren fand zwischen dem 16. und 18. September 1982 unter den Augen der israelischen Besatzungsmacht und des damaligen israelischen Verteidigungsministers Ariel Sharon in Beirut in den Fl&uuml;chtlingslagern Sabra und Schatila ein Massaker <a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2001\/11\/28\/at-last-the-truth-about-sabra-and-chatila-massacres\/\">statt<\/a> , bei dem die dort lebenden Menschen abgeschlachtet wurden. Die Zahl der Opfer wird unterschiedlich mit 800 bis 2.000 angegeben, die T&auml;ter waren christlich-libanesische Falange-Milizen unter F&uuml;hrung von Eli Hobeika, die mit Israel verb&uuml;ndet waren. Die Opfer waren Pal&auml;stinenser, Libanesen, Syrer, Algerier und andere Araber, die in den Fl&uuml;chtlingslagern lebten.<\/p><p>Libanon, dem der Zugang zu den eigenen Gasressourcen im &ouml;stlichen Mittelmeer wegen der Weigerung Israels, eine gerechte Seegrenze zu markieren, und der Gier Israels, alles zu kontrollieren und auszubeuten, blockiert wird. Libanon, das t&auml;glich mehrfach v&ouml;lkerrechtswidrig von israelischen Drohnen und Kampfjets &uuml;berflogen und ausgesp&auml;ht wird. Libanon, dessen Bev&ouml;lkerung auf ihren Mobiltelefonen von Israel abgeschickte Drohungen und Beleidigungen empfangen muss. <\/p><p>Syrien, dessen fruchtbarer Boden auf den Golan-H&ouml;hen von Israel 1967 v&ouml;lkerrechtswidrig besetzt und 1981 annektiert wurde. Syrien, das von der israelischen Armee und Luftwaffe seit Jahren Hunderte Mal v&ouml;lkerrechtswidrig angegriffen wurde. Es traf die H&auml;fen in Banias, Tartus und Latakia ebenso wie die Flugh&auml;fen von Aleppo und Damaskus. Dutzende syrische Soldaten und Zivilisten kamen ums Leben, Infrastruktur wurde zerst&ouml;rt. Der Luftangriff auf den Flughafen von Damaskus im Juni 2022 f&uuml;hrte dazu, dass die UNO ihre Hilfslieferungen an das Land f&uuml;r zwei Wochen <a href=\"https:\/\/english.alarabiya.net\/News\/middle-east\/2022\/09\/14\/Israeli-strike-on-Damascus-airport-in-June-halted-aid-in-Syria-for-two-weeks-UN\">einstellen musste<\/a>.<\/p><p>Jordanien, dem Israel seit Jahrzehnten das Wasser des Jordan abgr&auml;bt, um es auf die Felder und in die H&auml;user der illegalen Siedlungen umzuleiten. Jordanien, das Hunderttausende Pal&auml;stinenser aufnehmen musste, die 1948 vor der Gewalt j&uuml;discher Milizen w&auml;hrend der Nakba fliehen mussten, Fl&uuml;chtlinge, die 1967 und 1973 von der israelischen Armee im Krieg gegen seine arabischen Nachbarn vertrieben wurden. <\/p><p><strong>Eine Sch&uuml;lerin sieht die Apartheid<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<i>Ich bin wieder in der Schule&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/57951116-determined-to-stay\">schreibt<\/a> die Sch&uuml;lerin Ericka (2012) in ihr Tagebuch. Sie hatte mit ihrer Mutter, der Lehrerin Jody Sokolower aus Kalifornien, eine Reise in die besetzten pal&auml;stinensischen Gebiete gemacht. Sie hatten das Fl&uuml;chtlingslager Dheisheh bei Jerusalem besucht, waren in Jerusalem, Hebron und Ramallah gewesen. Zuletzt besuchten sie noch Silwan, den Ort gerade vor den Mauern der Altstadt von Ostjerusalem. Nun war sie wieder zur&uuml;ck und schrieb in ihr Tagebuch: &bdquo;In der Schule gab es eine Diskussion dar&uuml;ber, wer im Recht sei, die Pal&auml;stinenser oder die Israelis. Aber in Pal&auml;stina ist v&ouml;llig klar, dass die Pal&auml;stinenser unter der schlimmsten Unterdr&uuml;ckung leben. Ich sah selber Apartheid, in jeder Stadt, die wir besuchten einen anderen Aspekt: In Bethlehem bildet die israelische Apartheid-Mauer eine gro&szlig;e Schlaufe mitten durch das Zentrum der Stadt und schneidet die Pal&auml;stinenser von ihren Familien, Schulen, Krankenh&auml;usern und Olivenhainen ab. In Hebron haben israelische Siedler ihre H&auml;user direkt oberhalb der einzigen pal&auml;stinensischen Marktstra&szlig;e gebaut, die durch die Altstadt von Hebron f&uuml;hrt und nicht geschlossen wurde. Sie werfen ihren M&uuml;ll auf die Leute, die einkaufen und auf die Marktst&auml;nde. Wir sahen das Haus einer pal&auml;stinensischen Familie, die in ihr Haus durch ein r&uuml;ckw&auml;rtiges Fenster ein- und aussteigen musste, weil sie nicht durch die Eingangst&uuml;r gehen durften. Die Stra&szlig;e dort war nur f&uuml;r Israelis.&ldquo; <\/i>\n<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;berall in der Westbank habe sie verschiedene Stra&szlig;en f&uuml;r Israelis und Touristen gesehen, die von den Pal&auml;stinensern nicht benutzt werden d&uuml;rften, schreibt die Sch&uuml;lerin Ericka. Die Autos h&auml;tten sogar verschiedene Autokennzeichen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<i>F&uuml;r die Pal&auml;stinenser wird das Wasser rationiert und ist sehr teuer. Man kann die pal&auml;stinensischen H&auml;user immer daran erkennen, dass sie einen Wassertank auf dem Dach haben. Die Israelis dagegen haben unbegrenzten Zugang zu Wasser, selbst wenn sie direkt T&uuml;r an T&uuml;r mit Pal&auml;stinensern leben. Sie haben Schwimmb&auml;der und G&auml;rten und waschen ihre Autos. Die Schulen sind getrennt; Pal&auml;stinenser haben nicht die gleichen Rechte wie die Israelis; alles ist voneinander getrennt. Es erinnert mich an das, was ich &uuml;ber Jim Crow im S&uuml;den gelernt habe.&ldquo;<\/i>\n<\/p><\/blockquote><p>Zur Erinnerung: Die <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/event\/Jim-Crow-law\">Jim Crow Gesetze<\/a> waren in den US-S&uuml;dstaaten seit der zweiten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre Gesetze, die eine rassistische Trennung zwischen Schwarz und Wei&szlig;, genauer: die Ausgrenzung der Schwarzen aus dem &ouml;ffentlichen, von Wei&szlig;en beherrschten Leben anordneten. <a href=\"https:\/\/www.ferris.edu\/jimcrow\/what.htm\">&bdquo;Jim Crow&ldquo;<\/a> war eine entw&uuml;rdigende Bezeichnung f&uuml;r afrikanische Amerikaner.<\/p><p>Titelbild: zapomicron\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundeskanzler Scholz will eine engere milit&auml;rische Zusammenarbeit mit Israel. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will israelisches Gas. Bundesgesundheitsminister Lauterbach will die engere medizinische Zusammenarbeit &bdquo;f&uuml;r zuk&uuml;nftige Pandemien&ldquo; und Bundesjugendministerin Lisa Paus hat mit ihrer israelischen Amtskollegin eine Absichtserkl&auml;rung zur Gr&uuml;ndung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks unterzeichnet. Warum? Soll die Interims-Regierung von Jair Lapid gegen eine Neuwahl von Netanyahu gest&auml;rkt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88084\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":88085,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,159,20,171],"tags":[2580,877,2745,302,2163,2175,1557,1584,304,3281,1583,303,831,2039,1553,2360,2920],"class_list":["post-88084","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-apartheid","tag-erdgas","tag-gantz-benny","tag-gaza","tag-gefaengnis","tag-interventionspolitik","tag-israel","tag-jordanien","tag-kriegsverbrechen","tag-lapid-jair","tag-libanon","tag-palaestina","tag-scholz-olaf","tag-siedlungspolitik","tag-syrien","tag-zivile-opfer","tag-zweistaatenloesung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Shutterstock_773670736.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88084"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88084\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88107,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88084\/revisions\/88107"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/88085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}