{"id":8809,"date":"2011-03-25T09:31:18","date_gmt":"2011-03-25T08:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8809"},"modified":"2014-08-12T11:52:44","modified_gmt":"2014-08-12T09:52:44","slug":"wahlen-in-baden-wurttemberg-die-krokodilstranen-des-stefan-mappus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8809","title":{"rendered":"Wahlen in Baden-W\u00fcrttemberg: Die Krokodilstr\u00e4nen des Stefan Mappus"},"content":{"rendered":"<p>Stefan Mappus ist die Verk&ouml;rperung der Redensart von den Krokodilstr&auml;nen, wonach diese r&auml;uberische Wesen wie Kinder weinen, um Menschen anzulocken, um sie verschlingen zu k&ouml;nnen. Mappus hat in seiner erst einj&auml;hrigen Regierungszeit bewiesen, dass er zu jedem opportunistischen Man&ouml;ver und zu jeder T&auml;uschung bereit ist, um an der Macht zu bleiben. Das gilt keineswegs nur f&uuml;r seine (angebliche) 180-Grad-Wende in der Atompolitik. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zur Erinnerung:<\/strong> <\/p><p>Mappus geh&ouml;rte zu den treibenden Kr&auml;ften, den ziemlich erfolglosen G&uuml;nther Oettinger als EU-Kommissar nach Br&uuml;ssel wegzuloben. Zwischen ihm und seinem Vorg&auml;nger schwelte eine oft hinterh&auml;ltige Rivalit&auml;t. Und als Merkel die Felle der CDU in Baden-W&uuml;rttemberg davonschwimmen sah und deshalb Oettinger als Kommissar nach Br&uuml;ssel entsorgte, schnappte Mappus ganz rasch zu. Genauso wie er schon in der Zeit davor in einer Kampabstimmung Peter Hauk als Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion wegbiss. <\/p><p>Mappus schielte, um seiner Machterhaltung willen, mehrfach auf den politisch &bdquo;rechten Rand&ldquo;. So machte er z.B. Druck, dass eine geplante Ausstellung &bdquo;Neofaschismus in der Bundesrepublik Deutschland&ldquo; in seinem Wahlkreis Pforzheim zun&auml;chst <a href=\"http:\/\/www.pz-news.de\/Home\/Nachrichten\/Pforzheim\/arid,254542_puid,1_pageid,17.html\">abgesagt werden musste<\/a>. In der Ausstellung sollten auch die Todesurteile des fr&uuml;heren baden-w&uuml;rttembergischen Ministerpr&auml;sidenten als &bdquo;furchtbarer Juristen&ldquo; (Rolf Hochhuth) noch am Ende der Nazi-Herrschaft aufgezeigt werden. Solche Ausschl&auml;ge nach &bdquo;Rechts&ldquo; waren jedoch kein Einzelfall. So verteidigte Mappus Oettinger, der sich in einer Trauerrede dazu verstiegen hatte, Filbinger als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,476898,00.html\">&bdquo;Gegner des NS-Regimes&ldquo;<\/a> zu &bdquo;w&uuml;rdigen&ldquo;. <\/p><p>Mappus hofierte zur Sicherung seiner W&auml;hlerbasis die <a href=\"http:\/\/www.domradio.de\/news\/61280\/mappus-auch-kirchgaenger-sind-waehler.html\">Vertriebenenverb&auml;nde<\/a>. Auch die konservativen katholischen W&auml;hlerschichten im S&uuml;den und Westen Baden-W&uuml;rttembergs waren ihm eine Messe wert: Obwohl Lutheraner reiste er kurz nach Amtsantritt <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.mappus-bei-benedikt-xvi-der-papst-ist-sehr-interessiert.73c56557-3c61-463e-8305-79f97c80a4ca.html\">zum Papst<\/a>.<\/p><p>Mappus zog in populistischer Manier &uuml;ber <a href=\"http:\/\/content.stuttgarter-zeitung.de\/stz\/page\/2314168_0_4431_-neuer-ministerpraesident-mappus-schwule-befuerchten-intoleranz.html\">Homosexuelle her<\/a>.<\/p><p>Mappus entschied auf Dr&auml;ngen der FDP, dass dem Land angebotene <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,680783,00.html\">Steuerhinterziehungs-CDs weder angekauft<\/a> noch an das Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern weitergeleitet wurden, weil er im Steuer(-hinterziehungs)-Wettbewerb zwischen den L&auml;ndern wohl einen Wettbewerbsnachteil f&uuml;r sein L&auml;ndle sah. <\/p><p>Mappus verurteilte die demokratischen Protesten gegen das ausgekungelte <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/news\/bahnhofbau-in-stuttgart-monopoly-21-die-strategie-der-investoren-1613131.html\">Immobilienprojekt Stuttgart 21<\/a> als einen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~E43FF94B602A84FE08C163DBD64C620CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;Fehdehandschuh&ldquo;<\/a> von &bdquo;Berufsdemonstranten&ldquo;. Diesen &bdquo;Fehdehandschuh&ldquo; griff er dann auch trotzig auf, indem er am 30. September 2010, am sog. &bdquo;schwarzen Donnerstag&ldquo; seine Polizei einen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,720581,00.html\">&bdquo;B&uuml;rgerkrieg&ldquo;<\/a> gegen den B&uuml;rgerprotest f&uuml;hren lie&szlig;. Und w&auml;re ihm nicht sein Parteifreund Heiner Gei&szlig;ler mit seiner <a href=\"?p=7592\">&bdquo;Schlichtung&ldquo;<\/a> zur Seite gesprungen, so w&auml;re der konservative Rammbock nach dem Einsatz von Wasserwerfern und Hunderter teilweise schwer verletzter Demonstranten im Sp&auml;therbst letzten Jahres politisch am Ende gewesen. In Umfragen sackte die CDU auf f&uuml;r diese Partei im S&uuml;den Deutschlands historisch einmalige <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/baden-wuerttemberg.htm\">Drei&szlig;igprozentwerte<\/a>.  <\/p><p>Obwohl er mit seiner rabaukenhaften Tonlage den Gewalteinsatz der Polizeikr&auml;fte systematisch anheizte, ist er &ndash; typischerweise &ndash;  anschlie&szlig;end vor allem auch im Untersuchungsausschuss in die Rolle des Unschuldlamms geschl&uuml;pft und hat jede Einflussnahme auf die Polizei&uuml;bergriffe auf friedliche Demonstranten scheinheilig von sich gewiesen. <\/p><p>Gerade jetzt, wenige Tage vor der Wahl, bringt ihn allerdings ein &bdquo;Sprechzettel&ldquo; aus seinem Staatsministerium erneut in die Bredouille. Wie in autorit&auml;ren Staaten wurde offenbar aus der Regierungszentrale unmittelbar nach dem Polizeieinsatz eine &bdquo;Sprachregelung&ldquo; herausgegeben, die erstens dem Untersuchungsausschuss vorenthalten wurde und die zweitens belegt, dass es tats&auml;chlich vor der Gewaltorgie im Schlosspark Besprechungen mit der Polizei gegeben hatte. Laut Sprachregelung soll es dabei aber nur um die &bdquo;geplanten Bauma&szlig;nahmen&ldquo; und nicht um die <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.30-september-im-schlossgarten-sprachregelung-zum-polizeieinsatz.4db98d49-1ac0-4529-8350-a9668f964ce1.html\">&bdquo;polizeiliche Einsatztaktik&ldquo; gegangen sein<\/a>. Wenn man tats&auml;chlich ein so reines Gewissen hatte, warum bedurfte es dann &uuml;berhaupt einer solchen Argumentationshilfe und warum hat man diesen Sprechzettel bisher versteckt?<\/p><p>Wes Geistes Kind Mappus ist, belegt auch seine Bewunderung gegen&uuml;ber dem &ndash; nach der arabischen Revolution auch bei uns inzwischen als despotisch eingestuften &ndash; saudi-arabischen Regime. <a href=\"http:\/\/www.pz-news.de\/Home\/Nachrichten\/Suedwest\/arid,224540_puid,1_pageid,26.html\">&ldquo;Wir bewundern, mit welcher Schnelligkeit sie Projekte angehen und realisieren&rdquo;<\/a>, wiederholte er dort st&auml;ndig in Anspielung auf die lange Vorgeschichte von Stuttgart 21. <\/p><p>Seine Krokodilstr&auml;nen bei der Atompolitik m&uuml;ssten eigentlich jedermann erkennbar sein. Noch im Sommer letzten Jahres erkl&auml;rte er den Verzicht auf Kohle- und Gasenergie f&uuml;r wichtiger als den Ausstieg aus der Atomenergie. Er forderte eine Verl&auml;ngerung der AKW-Laufzeiten um <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article8422967\/Stefan-Mappus-fordert-laengere-AKW-Laufzeiten.html\">&bdquo;15 plus x Jahre&ldquo;<\/a>. Der &bdquo;Schreihals&ldquo; wollte sogar seinen Parteifreund und Bundesumweltminister R&ouml;ttgen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~E6305C855E7E14535B7DAC641773B67C9~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;feuern&ldquo; lassen<\/a>, weil dieser daf&uuml;r eintrat, dass die Atommeiler nach 12 Jahren vom Netz genommen werden sollten. Der Ausstieg aus dem Ausstieg der Bundesregierung war ihm viel zu schlaff. Eine Abschaltung von Neckarwestheim I sei &bdquo;v&ouml;llig indiskutabel&ldquo; und w&auml;re &bdquo;das schiere Gegenteil von dem, was man unter Redlichkeit in der Politik versteht&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.themenportal.de\/nachrichten\/mappus-abschaltung-von-neckarwestheim-i-voellig-inakzeptabel-27270\">erkl&auml;rte er<\/a> noch einen Monat vor der Atomkatastrophe in Japan. <\/p><p>Dass Mappus der h&auml;rteste Atomlobbyist war, erkl&auml;rt sich aus schierem Eigeninteresse, hatte er hinter dem R&uuml;cken von &Ouml;ffentlichkeit und Parlament in einem 4,67-Milliarden-Deal eine 45-Prozent-Beteiligung an der Energie Baden-W&uuml;rttemberg (EnBW) vom franz&ouml;sischen Atomriesen EDF abgekauft. Und EnBW macht eben 75% seiner Gewinne aus der <a href=\"?p=8707\">Stromsparte aus den Atommeilern<\/a>. Mit der vor&uuml;bergehenden Abschaltung von Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 ist dieser Deal gleichfalls vor&uuml;bergehend ziemlich unattraktiv geworden. Der Steuerzahler d&uuml;rfte nach der Wahl die Rechnung daf&uuml;r ausgestellt bekommen.<\/p><p>Doch auch Mappus hat wohl erkannt, dass die Energiepolitik gerade auch im Baden-W&uuml;rttembergischen sozusagen &uuml;ber Nacht f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zum <a href=\"http:\/\/m.ftd.de\/artikel\/60030246.xml?v=2.0.\">&bdquo;wichtigsten Problem&ldquo; geworden ist<\/a> und deshalb machte er pl&ouml;tzlich den Wendehals. Deshalb muss es f&uuml;r Mappus eine ganz eigene Atom-Katastrophe sein, dass nun gerade ein Aush&auml;ngeschild seines Koalitionspartners, Wirtschaftsminister Br&uuml;derle, vor den versammelten Industriellen die Katze aus dem Sack gelassen hat. Zum von der Bundesregierung ausgerufenen dreimonatigen Moratorium erkl&auml;rte er laut Protokoll, &bdquo;dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/atompolitik-und-landtagswahlen-bruederle-und-die-bosse-1.1076394\">Entscheidungen daher nicht immer rational seien<\/a>&ldquo;. (Siehe die umstrittenen Passagen <a href=\"?p=8802\">im Original<\/a>) Nat&uuml;rlich lie&szlig; der BDI seinen Handlanger in der Bundesregierung nicht h&auml;ngen und sprach von einem <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/rundschau\/atompolitik-regierung-libyen-ID1300956695209.xml\">&bdquo;Protokollfehler&ldquo;<\/a>. Was Br&uuml;derle tats&auml;chlich gesagt hat, will aber auch keiner der Atomlobbyisten wiederholen. <\/p><p>Damit, dass der rheinland-pf&auml;lzische FDP-Vorsitzende Br&uuml;derle ausgeplaudert hat, was eigentlich hinter dem Moratorium steckt, bringt er Mappus nicht nur in atompolitische Kalamit&auml;ten sondern die CDU verliert damit vielleicht sogar ihren zum Machterhalt dringend notwendigen Koalitionspartner. Die FDP d&uuml;mpelte selbst im ehemaligen Stammland der Liberalen n&auml;mlich schon vor Br&uuml;derles geschw&auml;tzigem und gegen&uuml;ber seiner Klientel anbiedernden Eingest&auml;ndnis um die 5 Prozent und droht aus dem Landtag gew&auml;hlt zu werden. Selbst unverbesserliche Atomkraftanh&auml;nger m&uuml;ssten eigentlich der FDP wegen der T&ouml;lpelhaftigkeit ihrer Parteispitzen nicht nur in der Atompolitik sondern auch wegen deren widerspr&uuml;chlichen Verhalten in der Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber Libyen einen Denkzettel verpassen. <\/p><p>Rationalit&auml;t, die Br&uuml;derle hinter dem Moratorium nicht sehen kann, ist auch f&uuml;r Mappus ein Kernbegriff bei seiner nach wie vor aufrecht erhaltenen Bef&uuml;rwortung der Atomenergie: er habe sich bisher <strong>rational<\/strong> zur Atomkraft bekannt und aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden die Verl&auml;ngerung der Laufzeiten der Meiler bef&uuml;rwortet, lie&szlig; Mappus noch nach der Atomkatastrophe in Japan <a href=\"http:\/\/www.stm.baden-wuerttemberg.de\/de\/Mappus_informiert_Landtag_ueber_Lage_in_Japan_und_Folgen_fuer_Energiepolitik\/249491.html\">aus dem Staatsministerium verlauten<\/a>. Man kann wohl davon ausgehen, dass sich Mappus Rationalit&auml;t auch nach drei Monaten nicht ver&auml;ndert haben wird. Mappus und Br&uuml;derle sind eben Br&uuml;der in ihrer energiepolitischen Rationalit&auml;t und f&uuml;r sie gilt, dass nach den drei Monaten diese Rationalit&auml;t in auch in Berlin wieder politisch einkehren wird.  <\/p><p>Br&uuml;derle hat wohl in der Erwartung der Verschwiegenheit seiner &bdquo;Freunde&ldquo; im Industrieklub nur ausgeplappert, was nach einer Emnid-Umfrage ohnehin 69 Prozent der Befragten denken: n&auml;mlich dass das Moratorium ein Wahlkampftrick ist. Nur 26 Prozent meinen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung ernsthaft den <a href=\"http:\/\/www.open-report.de\/artikel\/Umfrage%3A+Mehrheit+h%C3%A4lt+Atom-Moratorium+f%C3%BCr+Wahlkampftrick\/108164.html\">Ausstieg aus der Atomenergie pr&uuml;ft<\/a>. Wie sollten also W&auml;hlerinnen und W&auml;hler Parteien wie die CDU und die FDP w&auml;hlen, von denen sie von vorneherein annehmen, dass sie von diesen ausgetrickst werden?<\/p><p>Wenn also mehr als ein gutes Viertel der Menschen am Sonntag Mappus und der FDP immer noch ihre Stimme geben, dann m&uuml;ssen sie &ndash; um mit Erich K&auml;stner zu sprechen &ndash; so tief gesunken sein, dass sie den Kakao, durch den man sie zieht, auch noch trinken. <\/p><p>Es steht aber aufgrund der massiven Kampagne des Gro&szlig;en Geldes zu bef&uuml;rchten, dass mehr Badener und die W&uuml;rttemberger am kommenden Sonntag statt ihren guten Wein den Kakao trinken werden, durch den man sie zieht. Die Umfrageergebnisse sind f&uuml;r die CDU nach dem Stimmungseinbruch durch Stuttgart 21 im letzten Herbst wieder angestiegen und liegen bei 40 Prozent. Der Koalitionspartner FDP pendelt in den letzten Umfragen zwischen 5 und 7 Prozent. Die SPD und die Gr&uuml;nen schwanken je nach Umfrageinstitut um die <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/baden-wuerttemberg.htm\">23 bis 25 Prozent<\/a>. Die Wahlprognostiker sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen. <\/p><p>Doch man sollte sich von solchen Umfragen nicht auf eine falsche F&auml;hrte locken lassen. Das Einstimmenwahlrecht in Baden-W&uuml;rttemberg bevorzugt die relativ st&auml;rkste Partei. So hat die CDU bei der Wahl 2006 zwar &bdquo;nur&ldquo; 44,2 Prozent der Stimmen erhalten, aber fast die H&auml;lfte der Sitze (69 von 139) im Landtag zugesprochen bekommen. Wenn also die FDP wieder in den Landtag kommt, so k&ouml;nnte schwarz-gelb dennoch wieder eine &ndash; wenn auch knappe &ndash; Mehrheit der Sitze im Landtag schaffen. <\/p><p>Auch nach dem seit 2006 ver&auml;nderten Wahlrecht, das fr&uuml;her die kleinen Parteien doch zu sehr benachteiligte, bevorzugt immer noch diejenige Partei mit den meisten &Uuml;berhangmandaten (mit mehr direkten Mandaten als ihrem prozentualen Stimmenanteil):<\/p><blockquote><p>&bdquo;Gewinnt eine Partei in den Wahlkreisen eines Regierungsbezirkes mehr Mandate als ihr nach dort dem Verh&auml;ltnisausgleich zustehen, verbleiben diese Sitze der Partei. Die &uuml;brigen Parteien erhalten gegebenenfalls Ausgleichsmandate.<\/p>\n<p>Dazu wird die Gesamtzahl der Abgeordneten im Regierungsbezirk so lange erh&ouml;ht, bis unter Einbeziehung der &Uuml;berhangmandate ein Sainte-Lagu&euml;-konformes Verh&auml;ltnis auf Regierungsbezirksebene erreicht ist. Die Gesamtzahl der Abgeordneten landesweit erh&ouml;ht sich &uuml;ber 120 hinaus entsprechend.<\/p>\n<p>Im Falle von &Uuml;berhangmandaten wird also der an sich gew&auml;hrleistete landesweite Parteienproporz aufgegeben zugunsten eines nach Regierungsbezirken getrennten Verh&auml;ltnisausgleichs. Da hierbei die &uuml;berh&auml;ngende Partei stets das letzte zu verteilende Mandat erh&auml;lt, summieren sich auf Landesebene die Rundungsfehler zugunsten dieser Partei.<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch, dass s&auml;mtliche Ausgleichsmandate an jene Regierungsbezirke fallen, die durch die &Uuml;berhangmandate eh schon &uuml;berproportional im Landtag vertreten werden.<\/p>\n<p>Es gibt &ndash; bis auf die offenbar gewollte Bevorzugung der &uuml;berh&auml;ngenden Partei &ndash; keinen sachlichen Grund, die Berechnung der Ausgleichsmandate nicht auf Landesebene durchzuf&uuml;hren oder alternativ die &Uuml;berhangmandate mit den Zweitmandaten derselben Partei in anderen Regierungsbezirken zu verrechnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/landtage\/baden-wuerttemberg.htm\">Wahlsystem Baden-W&uuml;rttemberg<\/a><\/p><p>Ein Verlust der Regierungsmacht der CDU in Baden-W&uuml;rttemberg nach 58 Jahren ist demnach am Wahrscheinlichsten, wenn die Prozentanteile der Linkspartei nicht umverteilt werden, sondern wenn die Linke in den Landtag einz&ouml;ge. Wie man auch immer zur Partei der LINKEN stehen mag, so w&auml;re dies ein taktischer Grund, sie in den Landtag zu w&auml;hlen. <\/p><p>Das k&ouml;nnte geradezu zu einer politischen Epochenwende in Baden-W&uuml;rttemberg f&uuml;hren und w&auml;re ein politisches Erdbeben f&uuml;r die gesamte Bundesrepublik. <\/p><p>Aber: Dann w&auml;re zwar praktisch eine &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit im Parlament gegeben, aber noch lange nicht sicher, dass Mappus von der Macht verdr&auml;ngt w&auml;re, denn es w&auml;re dann auch noch eine schwarz-gr&uuml;ne Mehrheit denkbar. Mappus schlie&szlig;t zwar eine Koalition mit den Gr&uuml;nen aus. Aber der &bdquo;wertkonservative&ldquo; Spitzenkandidat der Gr&uuml;nen, Winfried Kretschmann, will auch mit Mappus &uuml;ber ein B&uuml;ndnis verhandeln und auch die Bundesvorsitzende der Gr&uuml;nen, Claudia Roth, will eine schwarz-gr&uuml;ne <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/nachrichten\/wahl\/bw\/-\/id=7502026\/nid=7502026\/did=7806196\/1pp5uvl\/index.html\">Koalition nicht ausschlie&szlig;en<\/a>. Auch &bdquo;Jamaika&ldquo; wie im Saarland w&auml;re denkbar.<\/p><p>Wetten, dass das &bdquo;Krokodil&ldquo; Mappus zuschnappt, wenn es nur noch zusammen mit den Gr&uuml;nen sein Revier verteidigen kann! Was Mappus in seiner Atompolitik m&ouml;glich ist, ist f&uuml;r ihn koalitionspolitische vermutlich ein Kinderspiel. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Mappus ist die Verk&ouml;rperung der Redensart von den Krokodilstr&auml;nen, wonach diese r&auml;uberische Wesen wie Kinder weinen, um Menschen anzulocken, um sie verschlingen zu k&ouml;nnen. Mappus hat in seiner erst einj&auml;hrigen Regierungszeit bewiesen, dass er zu jedem opportunistischen Man&ouml;ver und zu jeder T&auml;uschung bereit ist, um an der Macht zu bleiben. Das gilt keineswegs nur<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8809\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[163,126,74],"tags":[723,856,696,870,997],"class_list":["post-8809","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atompolitik","category-erosion-der-demokratie","category-stuttgart-21","tag-bruederle-rainer","tag-filbinger-hans","tag-mappus-stefan","tag-oettinger-guenther","tag-steuer-cd"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8809"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8809\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8811,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8809\/revisions\/8811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}