{"id":88101,"date":"2022-09-15T14:43:36","date_gmt":"2022-09-15T12:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88101"},"modified":"2022-09-16T16:50:28","modified_gmt":"2022-09-16T14:50:28","slug":"giga-oder-gaga-der-bizarre-blick-deutscher-denkfabriken-auf-das-sanktionsregime-gegen-russland-und-den-rest-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88101","title":{"rendered":"GIGA oder GAGA? &#8211; Der bizarre Blick deutscher Denkfabriken auf das \u201eSanktionsregime\u201c gegen Russland und den Rest der Welt"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Motto &bdquo;Wirtschaftssanktionen &ndash; stumpfes Schwert oder Teil effektiver Au&szlig;enpolitik?&ldquo; trafen sich am 14. September der Leiter des Forschungsschwerpunkts &bdquo;Frieden und Sicherheit&rdquo; am German Institute for Global and Area Studies (GIGA), Dr. Christian von Soest, sowie Dr. Patrick Weber, Unternehmensberater bei Brunswick Group, mit Journalisten, Wirtschaftsvertretern und Diplomaten (darunter der iranische Botschafter sowie Vertreter der russischen Botschaft) zu einem &bdquo;Experten-Gespr&auml;ch&ldquo;. Die NachDenkSeiten waren dabei, fragten nach und dokumentieren f&uuml;r unsere Leser das Gespr&auml;ch, welches aufschlussreiche Einblicke vermittelt, wie ranghohe Vertreter einflussreicher deutscher Denkfabriken (GIGA ber&auml;t unter anderem das Ausw&auml;rtige Amt) das Thema Sanktionen betrachten. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6864\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-88101-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=88101-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220916_GIGA_oder_GAGA_Der_bizarre_Blick_deutscher_Denkfabriken_auf_das_Sanktionsregime_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Sitzungsraum des &bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo; im Steigenberger-Hotel, gelegen zwischen Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof, war erneut gut gef&uuml;llt an diesem 14. September. Im Gegensatz zu den Terminen mit Botschafter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85517\">Wolfgang Ischinger<\/a> und dem Vorsitzenden des Ausw&auml;rtigen Ausschusses, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86125\">Michael Roth<\/a>, waren diesmal interessanter Weise mehr diplomatische Vertreter als Journalisten anwesend.<\/p><p>Nach einer kurzen Einf&uuml;hrung durch den Leiter des &bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo;, den &ouml;sterreichischen Journalisten Ewald K&ouml;nig (der einzige Auslandskorrespondent, der bis 1989 gleichzeitig in der BRD und der DDR akkreditiert war), erging das Wort an Christian von Soest. Kurze Einordnung f&uuml;r unsere Leser: Von Soest forscht und ber&auml;t in <a href=\"https:\/\/www.giga-hamburg.de\/en\/the-giga\/team\/von-soest-christian\">leitender Position am GIGA<\/a> zu den Auswirkungen von Sanktionen. Zuvor arbeitete er im Planungsstab des Ausw&auml;rtigen Amtes und war &bdquo;Transatlanic Fellow&ldquo; an der Harvard University. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich m&ouml;chte mich vor allem einer Frage widmen, die ich seit dem 24. Februar ganz oft zu h&ouml;ren bekomme. Wirken die Sanktionen gegen Russland &uuml;berhaupt?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach diesem Einstieg verwies er darauf, dass vor allem die USA, die EU und die Vereinten Nationen am h&auml;ufigsten Sanktionen anwenden, und lieferte dann seine Arbeits-Definition von Sanktionen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Beschr&auml;nkungen diplomatischer oder wirtschaftlicher Art, um ein politisches Ziel zu erreichen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter f&uuml;hrte von Soest aus, dass &bdquo;wir uns mittlerweile in einer &Auml;ra der Sanktionen befinden&ldquo;, in welcher &bdquo;dieses Mittel der internationalen Politik h&auml;ufig angewandt wird.&ldquo;<\/p><p>Er verwies dann auf den &bdquo;Trend&ldquo;, dass zahlreiche Staaten in Afrika und dem Nahen Osten sanktioniert werden, vor allem durch die USA und die Europ&auml;ische Union, aber eben auch zwei wichtige internationale Akteure und Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, China seit 1989 mit einem Waffenembargo und Russland seit 2014. Es g&auml;be aktuell &bdquo;14 UN-Sanktionsregime&ldquo; und &bdquo;nochmal weit mehr&ldquo; durch die USA und die EU. <\/p><p>Sanktionen, so der GIGA-Vertreter erneut betonend, seien &bdquo;ein zentrales Mittel der internationalen Politik&ldquo; und in den letzten Jahren h&auml;tte man einen Fokus auf sogenannte &bdquo;zielgerichtete Sanktionen&ldquo; gelegt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man versuchte also nicht mehr, ganze Nationen und Volkswirtschaften zu treffen, sondern nur bestimmte Sektoren oder Entscheidungstr&auml;gerInnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dies sei bei Russland nicht der Fall, hier k&ouml;nne man von sehr umfassenden Sanktionen sprechen. Beispielhaft verwies er auf das Einfrieren der Guthaben der Russischen Zentralbank und die kommenden Embargos auf &Ouml;l, Kohle und Gas. Er nannte dann erstmals im Vortrag konkrete Zahlen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Moment hat die EU 108 russische Organisationen und 1.214 Personen sanktioniert. Das hei&szlig;t, das Verm&ouml;gen ist eingefroren und die betroffenen Personen d&uuml;rfen die Staaten der Europ&auml;ischen Union nicht mehr betreten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Des Weiteren verwies er auf Analysen von <a href=\"https:\/\/www.conflictarm.com\">Conflict Armament Research<\/a>, laut denen bei in der Ukraine gefundenen &Uuml;berresten von russischen Raketenteilen 140 Bauteile wie Chips und Halbleiter identifiziert wurden, die nicht aus russischer Produktion stammen und zumeist von westlichen Zulieferern stammen.<\/p><p>Diese Erkenntnis mache es so wichtig, die Lieferung von solchen Bauteilen aus US- und EU-Produktion komplett zu unterbinden. <\/p><p>Erg&auml;nzend erl&auml;uterte der GIGA-Forscher noch, wie sich seine Forschung der Frage nach der Wirksamkeit von Sanktionen n&auml;hert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir stellen Datens&auml;tze von existierenden Sanktionen zusammen, codieren, wie die Ma&szlig;nahmen aufgebaut sind, welche Ziele damit verfolgt werden und was die Outcomes sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als &bdquo;Erfolgsfaktoren&ldquo; f&uuml;r Sanktionen benannte er, unter Verweis darauf, dass angeblich &bdquo;ein Drittel&ldquo; der weltweit implementierten Sanktionen Wirkungen im Sinne &bdquo;einer Verhaltens&auml;nderung&ldquo; erreichen w&uuml;rden, mehrere Punkte: <\/p><ol>\n<li>Besonders erfolgreich seien Sanktionen, wenn eine Demokratie sanktioniert wird. Das Problem hierbei sei allerdings, dass 80 Prozent aller Sanktionen sich gegen L&auml;nder richten, die keine Demokratien seien;<\/li>\n<li>Sanktionen seien oft erfolgreich, wenn die L&auml;nder &bdquo;vulnerabel&ldquo; sind, &bdquo;also Entzug von Entwicklungshilfe als Sanktion gegen sich haben&ldquo;;<\/li>\n<li>Breite Sanktionskoalition;<\/li>\n<li>Umfassender Charakter der Sanktionen.<\/li>\n<\/ol><p>Laut von Soest w&uuml;rden zumindest die letzten beiden Aspekte auf die Russland-Sanktionen zutreffen, so g&auml;be es beispielsweise &bdquo;&uuml;ber 30 L&auml;nder, die Russland sanktioniert haben.&ldquo; <\/p><p><em>(<strong>Anmerkung Florian Warweg:<\/strong> Wobei er dabei verga&szlig; zu erw&auml;hnen, dass es derzeit insgesamt 192 von den UN anerkannte L&auml;nder gibt. Das ergibt eine Sanktionsbeteiligungsquote von 15,6 Prozent. Ob man angesichts dieser Zahl wissenschaftlich fundiert von einer &bdquo;breiten Sanktionskoalition gegen Russland&ldquo; sprechen kann, &uuml;berlassen wir der Einsch&auml;tzung unserer Leser.)<\/em><\/p><p>Abschlie&szlig;end verwies er noch auf die Herausforderung, dass Sanktionen fast immer nur mittel- und langfristig Wirkung zeigen w&uuml;rden, die Sanktionierenden (in seinem akademischen Diskurs die &bdquo;Sanktions-Sender&ldquo;), allen voran USA und EU, aber einen kurzfristigen Aspekt, n&auml;mlich im konkreten Fall den R&uuml;ckzug Russlands aus der Ukraine, erzielen wollen.<\/p><p>Die darauf anschlie&szlig;ende Fragerunde begann der anwesende NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg mit Verweis auf die Anfangsaussage des GIGA-Forschers, Sanktionen seien &bdquo;Mittel der internationalen Politik&ldquo;, und der damit verbundenen Behauptung, es g&auml;be eine breite Sanktionsallianz gegen Russland: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie vertreten den Anspruch, dass Sanktionen Teil einer internationalen Politik seien. Wenn man sich jetzt aber die Pfadabh&auml;ngigkeit von Sanktionen anschaut, dann f&auml;llt auf, dass fast nur die USA und die EU dieses Mittel einsetzen. Sie werden fast nie L&auml;nder im Globalen S&uuml;den finden, die dieses Mittel nutzen und auch China und Russland verh&auml;ngen nur sehr selten proaktiv Sanktionen. Daher meine Frage, ob Sie nicht die Gefahr sehen, dass man Sanktionen im Rest der Welt als neokoloniales Instrument der USA und der EU betrachtet?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zudem wollte Warweg wissen, welche konkreten Beispiele von Soest nennen k&ouml;nnte, in denen Sanktionen wirklich nachweislich Wirkung im Sinne der Sanktionierenden gezeigt h&auml;tten und verwies dabei auf Iran, Syrien und Kuba als Gegenbeispiele. <\/p><p>Darauf antwortete GIGA-Vertreter Soest: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie haben recht, die EU und vor allem die USA sind die aktivsten Sanktionssender. Es ist aber nicht so, dass die Russen und China keine Sanktionen verh&auml;ngt h&auml;tten. Um das mal so klar zu sagen. Als ein Beispiel die Sanktionen der Russischen F&ouml;deration gegen die T&uuml;rkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges &uuml;ber Syrien. Es ist also nicht so, dass der Westen ein Monopol auf die Anwendung dieses Mittels hat. Auch China nutzt zunehmend dieses Mittel der internationalen Politik. <\/p>\n<p>Gleichzeitig ist es so, dass es im Globalen S&uuml;den tats&auml;chlich, ich arbeite auch viel zu Afrika, Unbehagen nenne ich es mal ganz vorsichtig, mit der bilateralen Anwendung dieses Druckmittels gibt. Es gibt die Haltung in einigen Staaten, nur UN-Sanktionen als legitim zu erachten. Im Artikel 41 der UN-Charta sind Zwangsma&szlig;nahmen der UN festgelegt. Also diese Perspektiven gibt es, und bei der Anwendung dieses Mittels w&auml;re meine pers&ouml;nliche Einsch&auml;tzung, dass man dieses Mittel sparsam anwenden soll. Ich denke aber, dass im Falle des russischen Angriffskrieges dies ziemlich klar ist. Der Bruch des V&ouml;lkerrechts ist glasklar aus meiner Sicht. Da gab es wenig Alternativen.<\/p>\n<p>Zu den positiven Beispielen, Sie haben schon sehr recht, als Sie in einem Nebensatz kurz erw&auml;hnten, dass es auch davon abh&auml;ngt, wie man Erfolg definiert. Da gibt es in der akademischen Diskussion sehr virulente Diskussionen. Da kann ich Sie gerne mal zu unserer Arbeitsgruppe einladen. Aber zum Beispiel die Beendigung der Apartheid in S&uuml;dafrika gilt als ein klassisches Beispiel, wo Sanktionen einen Beitrag dazu geleistet haben. <\/p>\n<p>Und ebenso die Sanktionen gegen den Iran vor dem JCPOA (der Joint Comprehensive Plan of Action, auch als Iran-Deal bekannt) hatten zu einer Ver&auml;nderung der Kosten-Nutzen-Verh&auml;ltnisse auf Seiten der iranischen Regierung gef&uuml;hrt. Das als zwei Beispiele. Wobei ich noch auf Kuba verweisen will. Die Sanktionen gegen Kuba oder auch Nordkorea sind Beispiele f&uuml;r Sanktionen, die nicht funktionieren. Seit den 50er Jahren (Anmerkung Redaktion: Die US-Sanktionen wurde offiziell erst ab Juli 1960 verh&auml;ngt). Es gibt nur einen Sender, es gibt keine Koalition und nur aus politischen Gr&uuml;nden in den USA, dass diese Sanktionen noch aufrechterhalten werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(<em><strong>Anmerkung Florian Warweg<\/strong>: Von der zuvor im Vortrag erw&auml;hnten angeblichen &uuml;ber 30-prozentigen Erfolgsquote bei verh&auml;ngten Sanktionen war bei der Antwort auf die Frage nach konkreten Beispielen pl&ouml;tzlich nicht mehr die Rede. Zudem ist auff&auml;llig, dass als Antwort f&uuml;r Erfolgsbeispiele auf die weit &uuml;ber drei Jahrzehnte zur&uuml;ckliegende Sanktionierung des Apartheid-Regimes in S&uuml;dafrika verwiesen wird. Und selbst dieses Beispiel gilt in der aktuellen Forschung als umstritten. Auch Nelson Mandela f&uuml;hrte seine Befreiung und das Ende des Apartheid-Regimes haupts&auml;chlich auf die krachenden milit&auml;rischen Niederlagen S&uuml;dafrikas gegen vor allem kubanische Truppen in Angola und den damit verlorenen Nimbus der &bdquo;Unbesiegbarkeit&ldquo; zur&uuml;ck. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86486\">NachDenkSeiten berichteten &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde.<\/a>)<\/em><\/p><p>Als n&auml;chster Fragesteller kam ein ehemaliger Washington-Korrespondent der ARD an die Reihe, welcher nach &bdquo;informellen&ldquo; Sanktionsdrohungen fragte und ein aufschlussreiches Beispiel aus seiner Korrespondentenzeit in den USA lieferte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich war wie gesagt Korrespondent in den USA und da liefen die Verhandlungen &uuml;ber Entsch&auml;digungen f&uuml;r Zwangsarbeiter in der Nazi-Zeit. Das wei&szlig; ich selber, weil ich die Interviews gemacht habe, dass wirklich gesagt wurde von US-Seite, wenn Ihr jetzt nicht aus den f&uuml;nf Milliarden zehn Milliarden macht, dann klappt das auch nicht mit der Fusion von Bankers Trust und Deutscher Bank. Das kann ich belegen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Danach meldete sich der iranische Botschafter in Deutschland, Mahmoud Farazandeh, zu Wort. Da man in der deutschen Medienlandschaft kaum ungefilterte Stimmen offizieller iranischer Vertreter vernehmen kann, dokumentieren die NachDenkSeiten dessen Stellungnahme im Wortlaut: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie sprechen von Sanktionen. Das Wort &sbquo;Sanktion&lsquo; ist an sich neueren Ursprungs, insbesondere die legalen Implikationen. Aber das Prinzip dahinter, die Anwendung von Druck, also eine Form von Mobbing, gibt es seit Menschengedenken. In einer Schule gibt es den Schulhof-Tyrannen, der erkl&auml;rt, mit dem darfst du nicht sprechen, du gibst mir dein Sandwich, ihr gibst du nicht das Buch usw.. Dieses Konzept waren in den letzten 10, 20 Jahren Sanktionen. Wie mein Vorredner schon sagte, handelt es sich hierbei um ein neokoloniales Konzept. Zu Zeiten der Unabh&auml;ngigkeitswerdung in der zweiten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts waren es die (ehemaligen) Kolonialm&auml;chte, die den neuen unabh&auml;ngigen Nationen nicht mehr ihre Produkte abkauften, Stichwort hier auch &bdquo;Holl&auml;ndische Krankheit&ldquo;. Dies zeigt auch, wie leicht man Druck aufbauen kann auf L&auml;nder, die vor allem ein zentrales Produkt\/Rohstoff verkaufen (z.B. Kupfer im Falle von Chile oder Zuckerrohr im Falle Kubas). Um es auf einen Nenner zu bringen: Sanktionen sind ein wirtschaftliches Werkzeug, ein Werkzeug f&uuml;r eine Form des Krieges, eines Wirtschaftskrieges. <\/p>\n<p>Iran ist ein Land, welches seit 42 Jahren unter Sanktionen leidet. Sanktionen sind ein Instrument, um gewisse L&auml;nder zu schw&auml;chen. Sie wollen Russland schw&auml;chen wegen der Aggression gegen die Ukraine, also eine Art Bestrafungsinstrument und oft ein Vorspiel zu einem Krieg, zu einem Regime-Change-Versuch. Ein Instrument, das vor allem westliche Staaten, unter F&uuml;hrung der Vereinigten Staaten, anwenden. Daf&uuml;r haben die USA bisher den Dollar, die milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit und ihre Marktmacht zur Verf&uuml;gung gehabt. Doch alle diese Faktoren verlieren an Wert. Die Relevanz des Dollars nimmt ab, ebenso nimmt die milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit ab, andere holen in diesem Bereich auf.<\/p>\n<p>Die iranische Gesellschaft hat gelernt, mit diesen Sanktionen umzugehen, doch das &auml;ndert nichts daran, dass die iranische Bev&ouml;lkerung unter den Sanktionen leidet. Es fehlt zum Beispiel an gewissen medizinischen G&uuml;tern, an grundlegenden G&uuml;tern, die die Flugsicherheit sicherstellen. Daher haben wir viele Probleme und Defekte in der Zivilluftfahrt. Wir haben Kinder, die an Tuberkulose sterben. Ich habe hier in Deutschland versucht, Medikamente zu erwerben, doch die Banken verweigerten die &Uuml;berweisung. Das sind die grausamen Seiten der Sanktionen.<\/p>\n<p>Der Westen definiert gerne, wer gut und wer b&ouml;se ist. Doch das ist alles eine Frage der Definition. Wir sollten hier flexibler sein gegen&uuml;ber den weltweiten Ans&auml;tzen und unterschiedlichen Realit&auml;ten. Wenn es uns nicht gelingt, uns besser zu verstehen, dann haben wir Krieg. Und Krieg ist grausam. Krieg hat keinen Gewinner. Der Zweite Weltkrieg hatte keinen Gewinner in Europa, au&szlig;er jene Macht auf der anderen Seite des Ozeans.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Abschlie&szlig;end meldete sich noch ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag, der darum bat, dass weder sein Name noch die Fraktion benannt wird, f&uuml;r die er arbeitet. An den GIGA-Vertreter gewandt erkl&auml;rte er: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie haben sehr legalistisch und sehr moralisch argumentiert. Legalistisch in dem Sinne, klarer V&ouml;lkerrechtsbruch durch Russland, also waren Sanktionen unumg&auml;nglich. Doch wenn man so argumentiert, dann h&auml;tten wir ja auch beim Irak-Krieg, beim Libyen-Krieg, bei der anhaltenden v&ouml;lkerrechtswidrigen Besatzung durch US-Truppen in Teilen Syriens Sanktionen verh&auml;ngen m&uuml;ssen. Das haben wir aber nicht gemacht. Es gab weder Sanktionen gegen die USA, Gro&szlig;britannien oder Frankreich, noch gab es politischen Druck auf beispielsweise Volkswagen, den US-Markt zu verlassen. Wir haben auch nicht Coca-Cola aus den Supermarktregalen ger&auml;umt. Insofern w&auml;re also die Frage, inwiefern liegt der gegenw&auml;rtigen Sanktionspolitik gegen Russland moralische oder rechtliche &Uuml;berlegungen zu Grunde. Oder inwiefern ist das nicht einfach Macht- und Realpolitik. Wir haben einen Konflikt der USA, gegen die erkl&auml;rten Widersacher Russland und China, wir sind Teil der US-amerikanischen Einflusssph&auml;re und m&uuml;ssen daher diesen Wirtschaftskrieg mittragen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die lapidare und in der Endkonsequenz in sich doch recht widerspr&uuml;chliche Antwort des GIGA-Vertreters: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nat&uuml;rlich guckt man auf die eigenen Kosten. Die Wahrscheinlichkeit ist niedriger, dass bei NATO-Partnern oder Partnern, die politisch eng verbunden sind mit Deutschland oder &Ouml;llieferanten zum Beispiel, Sanktionen implementiert werden. Das zeigt aber auch nochmal, welch gravierendes ausl&ouml;sendes Moment es im Fall von Russland gab. Denn die strukturellen H&uuml;rden, Russland zu sanktionieren, waren extrem hoch.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em><strong>Anmerkung Florian Warweg:<\/strong> Der Redebeitrag des zweiten Referenten, dem Unternehmensberater Dr. Patrick Weber, war derma&szlig;en banal und oberfl&auml;chlich, dass ich darauf verzichtet habe, diesen wiederzugeben. Dessen Vortrag h&auml;tte maximal die Grundlage f&uuml;r eine Glosse gegeben, doch entspricht dies nicht der Natur der Berichterstattung &uuml;ber ein Pressegespr&auml;ch. <\/em><\/p><p>Titelbild: Florian Warweg<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86125\">&bdquo;Werden am Ende 20 bis 30 Prozent &auml;rmer sein&ldquo; &ndash; DIHK-Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer zu Auswirkungen von Sanktionen und Ukraine-Krieg auf Deutschland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87976\">Exklusiv: Endverbleibserkl&auml;rung f&uuml;r deutsche Waffen in der Ukraine erm&ouml;glicht Einsatz gegen Ziele in Russland<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/f6a4d492af4a42e690464778bd531a96\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Motto &bdquo;Wirtschaftssanktionen &ndash; stumpfes Schwert oder Teil effektiver Au&szlig;enpolitik?&ldquo; trafen sich am 14. 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