{"id":88121,"date":"2022-09-16T09:00:37","date_gmt":"2022-09-16T07:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88121"},"modified":"2022-09-23T07:37:39","modified_gmt":"2022-09-23T05:37:39","slug":"hartz-iv-minus-peter-am-buergergeld-ist-manches-neu-das-prinzip-bleibt-das-alte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88121","title":{"rendered":"Hartz IV minus Peter. Am B\u00fcrgergeld ist manches neu, das Prinzip bleibt das Alte."},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung will das Hartz-IV-System &uuml;berwinden, sagt sie und tischt mit dem B&uuml;rgergeld alten Wein in neuen Schl&auml;uchen auf. L&auml;ngere Schonfristen hier, ein paar Bildungsangebote da, dazu ein bisschen weniger G&auml;ngelung &ndash; und schon hat der Sozialstaat sein freundliches Gesicht zur&uuml;ck. In Wirklichkeit geht es darum, den b&ouml;sen Geist von zwei Jahrzehnten Schr&ouml;der&rsquo;scher Arbeitsmarktreformen auszutreiben, um diese im Kern unter gef&auml;lligerem Namen und dem Deckm&auml;ntelchen vermeintlicher Fortschrittlichkeit fortwirken zu lassen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2817\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-88121-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=88121-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220919_Hartz_IV_minus_Peter_Am_Buergergeld_ist_manches_neu_das_Prinzip_bleibt_das_Alte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vielleicht werden es die Urheber des &bdquo;B&uuml;rgergelds&ldquo; in nicht allzu ferner Zukunft bereuen, ausgerechnet diesen Begriff zum Schlagwort zur &Uuml;berwindung des Hartz-IV-Systems auserw&auml;hlt zu haben. Laut Sprachregelung des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) steht dieses f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/DE\/Service\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/buergergeld-starkes-signal-fuer-sicherheit-und-mehr-respekt.html\">&bdquo;mehr Respekt&ldquo; und &bdquo;Sicherheit&ldquo;<\/a> f&uuml;r diejenigen, die sich mitunter jahrelang vergeblich abm&uuml;hen, aus der Falle der Langzeitarbeitslosigkeit zu entrinnen, und die daf&uuml;r ein Leben voller Einschr&auml;nkungen erdulden. Mehr noch soll es den Betroffenen suggerieren, nicht l&auml;nger Menschen zweiter oder dritter Klasse zu sein, die man g&auml;ngeln, herumschubsen und abstrafen kann, wie es dem &bdquo;Fallmanager&ldquo; im Jobcenter gef&auml;llt. &bdquo;Hartzer&ldquo;, &bdquo;Faulenzer&ldquo;, &bdquo;Schmarotzer&ldquo;, die in der &bdquo;sozialen H&auml;ngematte&ldquo; durchh&auml;ngen &ndash; sie alle gibt es ab sofort nicht mehr. Wer seinen Job verliert oder nie einen findet, ist kein Schuldiger, kein S&uuml;ndenbock, kein Paria, sondern ein vom Schicksal Gebeutelter, dem es aufzuhelfen gilt, ein B&uuml;rger eben, so gut wie jeder andere und kein bisschen schlechter als der Bestverdiener mit f&uuml;nf Wohnsitzen und zehn Edelkarossen. <\/p><p>Was aber, wenn wom&ouml;glich bald zehn-, hunderttausende oder mehr B&uuml;rger aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft &uuml;ber Nacht aller &bdquo;Sicherheit&ldquo; und allen &bdquo;Respekts&ldquo; beraubt und vor lauter Preisexplosionen und Firmenpleiten in die soziale Bed&uuml;rftigkeit gen&ouml;tigt werden? F&uuml;hlen die sich dann auch alle weiterhin gerne als B&uuml;rger wie alle anderen, auf gleicher H&ouml;he mit denen, die gestern statusm&auml;&szlig;ig noch weit unter ihnen kauerten? Und sind die dann alle froh und dankbar, dass sie f&uuml;r unabsehbare Zeit ein Dasein mit 502 Euro monatlich fristen m&uuml;ssen? So viel soll das B&uuml;rgergeld bei Inkrafttreten zum 1. Januar 2023 betragen. Und sollten in ein, zwei Jahren nicht mehr wie heute rund f&uuml;nf Millionen, sondern eventuell acht oder zehn Millionen Menschen am staatlichen Tropf h&auml;ngen &ndash; stellen sich die frisch Abgeschmierten dann hin und sagen: Schau an, wir sind zwar am Boden, aber immer noch B&uuml;rger? <\/p><p><strong>Politik aus der Marketingabteilung<\/strong><\/p><p>Nun gut, die Ampelparteien konnten, als sie das B&uuml;rgergeld in ihren Koalitionsvertrag schrieben, nicht ahnen, dass durch ihr grobes Mitverschulden wenige Monate sp&auml;ter eine Inflation historischen Ausma&szlig;es herrschen und betr&auml;chtliche Teile der Wirtschaft in Bedr&auml;ngnis geraten werden. Die Abschaffung von Hartz IV war ein Wahlkampfschlager der Gr&uuml;nen und allen voran der SPD, die den W&auml;hlern nach &uuml;ber 20 Jahren &bdquo;sozialer K&auml;lte&ldquo; wieder mit &bdquo;Herz&ldquo; und &bdquo;W&auml;rme&ldquo; begegnen und den schlimmen Peter, alias Peter Hartz, Namensgeber der seinerzeit von Rot-Gr&uuml;n durchgeboxten &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo;, endlich vergessen machen wollten. Deshalb verdankt sich die Z&auml;sur nat&uuml;rlich weit weniger politischer Einsicht oder &Uuml;berzeugung, sondern ist zuallererst ein Coup aus der Marketingabteilung. <\/p><p>Gleichwohl fiele es den Leuten auf, wenn eine vergiftete Formel nur durch eine wohlklingendere ersetzt w&uuml;rde, aber sonst alles beim Alten bliebe. Und deshalb muss anerkannt werden: Das am Mittwoch per Kabinettsbeschluss auf den Weg gebrachte B&uuml;rgergeld verspricht f&uuml;r die Betroffenen tats&auml;chlich Verbesserungen und Erleichterungen. Allerdings bleibt bei all dem das System im Kern, n&auml;mlich Menschen mit Druck und Ma&szlig;regelung zur Aufnahme von mithin unzumutbarer und schlecht bezahlter Arbeit zu zwingen, im Kern bestehen. Oder anders: Hartz IV verschwindet nicht, sondern wird lediglich mit ein paar Bl&uuml;mchen und Smileys aufgeh&uuml;bscht. <\/p><p>Losgehen soll dies mit den Umgangsformen im Zeichen <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/news\/politik-wirtschaft\/was-sie-ueber-das-buergergeld-wissen-sollten\/\">&bdquo;von Ermutigung, von Bef&auml;higung&ldquo;<\/a> und nicht mehr des &bdquo;Misstrauens&ldquo;, wie Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) schw&auml;rmte. Die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen sollen ihre &bdquo;Kunden&ldquo; auf &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; behandeln und selbst amtliche Anschreiben in freundlicherem und leichter verst&auml;ndlichem Ton verfasst werden. Der Vorsatz ist l&ouml;blich, d&uuml;rfte aber angesichts der personell leergefegten Beh&ouml;rden eher Wunschdenken entspringen als der echten Absicht, dem allt&auml;glichen Stressregiment mit mehr Manpower beizukommen. Man kennt dies aus vielen Bereichen des &ouml;ffentlichen Dienstes: Die Besch&auml;ftigten bekommen immer mehr Aufgaben und Pflichten aufgehalst, ohne dass daf&uuml;r ein Kollege mehr eingestellt w&uuml;rde (&Auml;rzte, Pfleger, Lehrer). <\/p><p><strong>L&auml;ngere Galgenfristen<\/strong><\/p><p>Griffiger sind die neuen Vorgaben in puncto Schonfristen. B&uuml;rgergeld-Bezieher werden k&uuml;nftig zwei Jahre lange eine Wohnung bei voller Mietkosten&uuml;bernahme behalten d&uuml;rfen, auch wenn diese wider den Vorschriften zu gro&szlig; ist. Eine Karenzzeit von 24 Monaten gilt ebenso f&uuml;r vorhandene Verm&ouml;genswerte. Erspartes in H&ouml;he von bis zu 60.000 Euro wird in diesem Zeitraum nicht auf die staatlichen Leistungen angerechnet, f&uuml;r weitere Haushaltsangeh&ouml;rige wird die Grenze bei 30.000 Euro gezogen. Das ist nicht wirklich neu, sondern verstetigt nur eine schon in der Corona-Krise eingef&uuml;hrte Regelung. Aber: Nach Ablauf der zwei Jahre muss das Sparschwein bei dann reduzierten Bez&uuml;gen doch gek&ouml;pft werden, wenngleich die Anrechnung dann weniger ins Kontor schl&auml;gt als bisher. Und auch aus einer zu ger&auml;umigen Bleibe muss ausziehen, wer sich keine Leistungsk&uuml;rzungen einhandeln will. Faktisch werden damit bisher g&auml;ngige Zumutungen lediglich leicht abgeschw&auml;cht und die Galgenfristen verl&auml;ngert. <\/p><p>Dazu sollen die neuen Freir&auml;ume gewinnbringender genutzt werden und B&uuml;rgergeld-Empf&auml;nger die Chance erhalten, sich fit f&uuml;r den Arbeitsmarkt zu machen. Bei entsprechender Mitwirkung winken sogar ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro sowie Pr&auml;mien f&uuml;r Abschl&uuml;sse. Die Ma&szlig;nahme ist ohne Frage zu begr&uuml;&szlig;en. Bisher wurden Menschen mithin in Serie in mies bezahlte Aushilfsjobs gedr&auml;ngt, um nur immer wieder und ohne jeden Qualifizierungsfortschritt zur&uuml;ck auf dem Amt zu landen. Grund daf&uuml;r war der sogenannte Vermittlungsvorrang, der eine Arbeitsaufnahme h&ouml;her wertet als eine Aus- oder Weiterbildung. Dieser Mechanismus soll wegfallen. Auch das w&auml;re, so die Umsetzung hinhaut, ein gro&szlig;er Pluspunkt.  <\/p><p><strong>&bdquo;Sozialer Arbeitsmarkt&ldquo; vor dem Aus<\/strong><\/p><p>Aber auch diese frohe Kunde hat einen Haken. Die Bildungsoffensive wird auch weiterhin an die adressiert sein, deren Vermittlungschancen vergleichsweise gut stehen. Die Anstrengungen f&uuml;r die &bdquo;schweren F&auml;lle&ldquo;, die schon lange &bdquo;auf St&uuml;tze&ldquo; leben und etwa wegen ihres fortgeschrittenen Alters auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind, sollen dagegen gez&uuml;gelt werden. Zwar sollen die entsprechenden Regelungen des 2019 gestarteten und urspr&uuml;nglich bis Ende 2024 terminierten &bdquo;sozialen Arbeitsmarkts&ldquo; laut <a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Gesetze\/Regierungsentwuerfe\/reg-buergergeld.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\">Gesetzentwurf<\/a> entfristet werden. Zuletzt hatte allerdings Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) empfindliche K&uuml;rzungen bei den Eingliederungsma&szlig;nahmen f&uuml;r Langzeiterwerbslose angek&uuml;ndigt. Soll hei&szlig;en: Die F&ouml;rderung wird auf Dauer gestellt, aber eben auf Sparflamme betrieben. Wie Anfang Juli &bdquo;Spiegel Online&ldquo; konstatierte, st&uuml;nde der soziale Arbeitsmarkt damit <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/die-linke-proteste-gegen-kuerzung-bei-foerderung-langzeitarbeitsloser-a-e95c6894-075f-4e70-8267-f94ff3139efd\">&bdquo;de facto vor dem Aus&ldquo;<\/a>.    <\/p><p>Nicht widerspruchsfrei sind ebenso die geplanten &Auml;nderungen in Sachen Sanktionsregime. Im ersten halben Jahr des B&uuml;rgergeld-Bezugs (&bdquo;Vertrauenszeit&ldquo;) soll es keine Bestrafung mehr beim  Ausschlagen eines Jobangebots geben und Leistungsminderungen w&auml;ren nur bei wiederholten &bdquo;Meldevers&auml;umnissen&ldquo; f&auml;llig. Danach kann jedoch wieder bis zu 30 Prozent gek&uuml;rzt werden, sofern die Betroffenen nicht spuren wie verlangt. Das entspricht der Grenze, die das Bundesverfassungsgericht 2019 f&uuml;r gerade noch zul&auml;ssig erachtet hatte. Damit geh&ouml;ren demn&auml;chst auch die bislang m&ouml;glichen sch&auml;rferen Sanktionen gegen unter 25-J&auml;hrige der Vergangenheit an. Allerdings wollte Heil noch deutlich st&auml;rker abr&uuml;sten. Die Gr&uuml;nen waren im Wahlkampf gar daf&uuml;r eingetreten, s&auml;mtliche Sanktionen zu streichen. Dass es nicht so kam, verbucht einmal mehr die FDP f&uuml;r sich. <\/p><p><strong>Sanktionen machen krank<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die deutsche Wirtschaft ist die Neuordnung dennoch Teufelszeug. Im Unternehmerlager sieht man durch die Erleichterungen Anreize zur Arbeitsaufnahme schwinden. Zum Beispiel polterte zu Wochenanfang der Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, das neue Regelwerk ermuntere zum <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/buergergeld-sozialverband-kritisiert-neue-regelsaetze-als-zu-gering\/28675686.html\">Nicht-Arbeiten<\/a>. Ins selbe Horn stie&szlig; Holger Sch&auml;fer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). &bdquo;Es sei <a href=\"https:\/\/www.bsaktuell.de\/politik-regional-welt\/institut-der-deutschen-wirtschaft-bezeichnet-buergergeld-als-fatal\/340716\/\">eindeutig nachgewiesen<\/a>, dass die Sanktionen in der Regel eine schnellere Eingliederung in den Arbeitsmarkt bewirken&ldquo;. Das werde mit der &bdquo;Vertrauenszeit&ldquo; konterkariert. Dabei hatte erst zu Wochenbeginn der Verein Sanktionsfrei eine dreij&auml;hrige Langzeitstudie des Instituts f&uuml;r empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung Berlin (INES) ver&ouml;ffentlicht, die der Argumentation den Boden entzieht. Demnach verhelfen G&auml;ngelung und Ma&szlig;regelung gerade nicht zu einer &bdquo;besseren&ldquo; Integration in den Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Strafen seien <a href=\"https:\/\/sanktionsfrei.de\/assets\/Pressemitteilung%20Hartz%20Plus.pdf\">&bdquo;hinderlich statt unterst&uuml;tzend&ldquo;<\/a>, h&auml;tten einen &bdquo;einsch&uuml;chternden Effekt&ldquo; und &bdquo;k&ouml;nnen sogar Krankheiten verursachen&ldquo;.  <\/p><p>Kontra gab es auch vom Sozialverband VDK. &bdquo;Wir brauchen h&ouml;here L&ouml;hne im Niedriglohnsektor&ldquo;, erkl&auml;rte Pr&auml;sidentin Verena Bentele und weiter: &bdquo;B&uuml;rgergeld-Empf&auml;nger sollen nicht gegen Niedrigl&ouml;hner ausgespielt werden.&ldquo; F&uuml;r sie ist es <a href=\"https:\/\/www.vdk.de\/deutschland\/pages\/presse\/presse-statement\/85490\/vdk-praesidentin_buergergeld-empfaenger_nicht_gegen_niedrigloehner_ausspielen\">&bdquo;definitiv nicht ausreichend&ldquo;<\/a>, von 502 Euro im Monat bei galoppierender Inflation leben zu m&uuml;ssen. Vielmehr m&uuml;ssten die Zuwendungen &bdquo;ein menschenw&uuml;rdiges Leben in diesen unruhigen Zeiten mit steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen erm&ouml;glichen&ldquo;. <\/p><p>Tats&auml;chlich leistet das B&uuml;rgergeld genau das nicht, denn auch k&uuml;nftig muss der Bereich Haushaltsenergie vollumf&auml;nglich aus dem Regelsatz bestritten werden, so wie auch die Berechnung und Gewichtung der einzelnen Posten nach dem altem Hartz-IV-Muster erfolgen soll. Angesichts dessen nennt die Kampagne &bdquo;AufRecht bestehen&ldquo;, ein Zusammenschluss gewerkschaftlicher und gewerkschaftsnaher Erwerbslosengruppen, die nominelle Erh&ouml;hung um 53 Euro gegen&uuml;ber dem aktuellen Hartz-Regelsatz (449 Euro) eine <a href=\"https:\/\/www.erwerbslos.de\/images\/Aufruf_Aktionstag_14._Oktober_2022.pdf\">&bdquo;faktische K&uuml;rzung der Bez&uuml;ge&ldquo;<\/a>. Stattdessen m&uuml;ssten die Wohnkosten einschlie&szlig;lich der Heizkosten &bdquo;dauerhaft in voller H&ouml;he &uuml;bernommen&ldquo; und desgleichen bei anderen &bdquo;besonders relevanten Bereichen der Existenzsicherung&ldquo; wie etwa den Lebensmitteln rasche Anpassungen vorgenommen werden. Das B&uuml;ndnis warnt vor einem &bdquo;Etikettenschwindel&ldquo; und ruft f&uuml;r den 14. Oktober zu einem Aktionstag <a href=\"https:\/\/www.erwerbslos.de\/images\/Aufruf_Aktionstag_14._Oktober_2022.pdf\">&bdquo;f&uuml;r eine armutsfeste und repressionsfreie Grundsicherung&ldquo;<\/a> auf. <\/p><p><strong>Billiglohnsubvention<\/strong><\/p><p>Nicht dabei sein wird dann fraglos FDP-Chef Lindner, dessen ma&szlig;geblichem Wirken es geschuldet ist, dass durch das neue &bdquo;Gesicht des Sozialstaats&ldquo; (O-Ton Heil) auch k&uuml;nftig die Fratze des alten durchschimmern wird. Dazu geh&ouml;rt nicht zuletzt die als Wohltat verkaufte Anhebung der Hinzuverdienstgrenzen f&uuml;r Jugendliche und Geringverdiener. Wer sich als B&uuml;rgergeld-Empf&auml;nger nebenher zwischen 520 Euro bis 1.000 Euro dazuverdient, soll davon demn&auml;chst 30 Prozent statt wie bisher 20 Prozent einbehalten d&uuml;rfen. Wie gro&szlig;z&uuml;gig und wie sch&ouml;n f&uuml;r solche Betriebe, die ihre unterbezahlten Jobs auf Kosten der Allgemeinheit subventionieren lassen (vgl. dazu diesen fr&uuml;heren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77445\">Beitrag<\/a> von Jens Berger). <\/p><p>Mit dem h&ouml;heren Freibetrag &bdquo;steigt der Anreiz zur Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Besch&auml;ftigung oberhalb der Geringf&uuml;gigkeitsgrenze&ldquo;, hei&szlig;t es dazu im Gesetzestext. Warum kappt die Regierung nicht umgekehrt die Nachschublinien f&uuml;r billige Arbeitskr&auml;fte, wodurch Unternehmen am Ende wieder bessere L&ouml;hne zahlen m&uuml;ssten? Das hie&szlig;e allerdings, an den Grundfesten der Schr&ouml;der&rsquo;schen Arbeitsmarktreformen zu r&uuml;tteln und das Mantra &bdquo;billige Arbeitskraft f&uuml;r den Exportweltmeister&ldquo; zu annullieren. Nicht mit dieser Regierung!  <\/p><p>Immerhin d&uuml;rfen sich &uuml;ber die h&ouml;heren Freigrenzen f&uuml;r Billigl&ouml;hner und die damit verbundenen Mehreinnahmen die Sozialkassen freuen. Das kommt gerade recht. Schlie&szlig;lich wird die ab 1. Oktober greifende Heraufsetzung der Minijob-Grenze von 450 Euro auf 520 Euro &ndash; auch das ein FDP-Projekt &ndash; daf&uuml;r sorgen, dass noch einmal mehr regul&auml;re Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse verschwinden, die dann wiederum zur Vermittlung an k&uuml;nftige B&uuml;rgergeld-Empf&auml;nger fehlen. Bei den drohenden Verheerungen am Arbeitsmarkt im Falle anhaltender Sanktionspolitik gegen Russland d&uuml;rfte das jedoch kaum ins Gewicht fallen. Wobei die Ampel auch das selbstredend nur f&uuml;r uns &bdquo;B&uuml;rger&ldquo; macht.  <\/p><p>Titelbild: Racamani\/shutterstock.com<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d0ebcfd037c24c6085e37a2cb4714fbf\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung will das Hartz-IV-System &uuml;berwinden, sagt sie und tischt mit dem B&uuml;rgergeld alten Wein in neuen Schl&auml;uchen auf. L&auml;ngere Schonfristen hier, ein paar Bildungsangebote da, dazu ein bisschen weniger G&auml;ngelung &ndash; und schon hat der Sozialstaat sein freundliches Gesicht zur&uuml;ck. In Wirklichkeit geht es darum, den b&ouml;sen Geist von zwei Jahrzehnten Schr&ouml;der&rsquo;scher Arbeitsmarktreformen auszutreiben,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88121\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":88416,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,107,140,85,145],"tags":[1862,1253,288,214,307,389,1773],"class_list":["post-88121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-audio-podcast","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-pr","category-sozialstaat","tag-buergergeld","tag-heil-hubertus","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-regelsatz","tag-sanktionen","tag-sozialrassismus","tag-zweiter-arbeitsmarkt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/shutterstock_2200201987.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88121"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88266,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88121\/revisions\/88266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/88416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}