{"id":88129,"date":"2022-09-16T10:20:49","date_gmt":"2022-09-16T08:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88129"},"modified":"2026-01-27T11:42:51","modified_gmt":"2026-01-27T10:42:51","slug":"ein-riesiges-geschaeft-bei-dem-bedenkenlos-ueber-berge-von-leichen-spaziert-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88129","title":{"rendered":"\u201eEin riesiges Gesch\u00e4ft, bei dem bedenkenlos \u00fcber Berge von Leichen spaziert wird\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie k&ouml;nnten sich die Gesellschaften von ihren Energieproblemen l&ouml;sen? F&uuml;r den Autor <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/autoren\/timm_koch\/\"><strong>Timm Koch<\/strong><\/a> hei&szlig;t die L&ouml;sung: Wasserstoff! Doch dem stehen skrupellose Energiekartelle im Weg, so Koch im Interview mit den NachDenkSeiten. Koch ist aber &uuml;berzeugt: Der Wandel hin zum Wasserstoff hat l&auml;ngst begonnen. Im Interview mit den NachDenkSeiten gew&auml;hrt Koch einen Einblick in den Inhalt seines gerade erschienenen Buches &bdquo;Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt! Die L&ouml;sung unseres Energieproblems&ldquo; und zeigt auf, dass ein Weg zur &bdquo;freien Energie&ldquo; m&ouml;glich ist. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6460\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-88129-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=88129-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220919_Ein_riesiges_Geschaeft_bei_dem_bedenkenlos_ueber_Berge_von_Leichen_spaziert_wird_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Koch, wie bewerten Sie den Zustand unserer Erde aus &ouml;kologischer Sicht? <\/strong><\/p><p>Mit einem Wort: deprimierend. Wir befinden uns inmitten einer gelebten Dystopie.<\/p><p><strong>So schlimm? <\/strong><\/p><p>Wer abseits der Touristenresorts &uuml;ber die Traumstr&auml;nde der Karibik oder des Mittelmeeres spazieren geht, w&auml;hnt sich auf einer Deponie f&uuml;r Plastikm&uuml;ll. In der Dominikanischen Republik sah ich einen Einsiedlerkrebs, der mangels Muscheln den Schraubverschluss einer Limonadenflasche auf seinem R&uuml;cken herumschleppte. Dazu kommt die gnadenlose &Uuml;berfischung mit industriellen Fangflotten, &Ouml;lkatastrophen, die unter anderem das komplette Nigerdelta und gigantische Teile der Landmasse Russlands in Todeszonen verwandelt haben, Lebensraumzerst&ouml;rungen durch eine v&ouml;llig aus dem Ruder gelaufene Landwirtschaft, Abholzung und eine geradezu stupide agierende Forstwirtschaft, die partout nicht kapieren will, was eigentlich ein Wald ist. Die Bilder der brennenden Monokulturen, die wir diesen Sommer mal wieder gesehen haben, sprechen f&uuml;r sich. Diese Liste lie&szlig;e sich beliebig verl&auml;ngern. <\/p><p>Besonders besch&auml;mend sind in dieser Hinsicht die Verbrechen gegen die Natur und viele indigene V&ouml;lker, die im Namen des &bdquo;Klimaschutzes&ldquo; stattfinden. Die von der Merkel-Regierung ersonnene Beimischungspflicht f&uuml;r Bio-Kraftstoffe zeitigt verheerende Folgen nicht nur f&uuml;r die Regenw&auml;lder der Tropen, sondern auch f&uuml;r die heimische Artenvielfalt hier bei uns. Wo sich am Amazonas vor kurzem noch Jaguar und Ara Gute Nacht gesagt haben, gedeihen heute pestizidgetr&auml;nkte Zuckerrohrfelder, auf denen Menschen unter sklaven&auml;hnlichen Bedingungen unser E10-Benzin kultivieren. Gleiches gilt f&uuml;r die &Ouml;lpalmen in Indonesien, wo der Lebensraum unserer n&auml;chsten Verwandten, der Orang-Utans, dem Bio-Diesel-Wahnsinn weichen musste, oder f&uuml;r die Rapsproduktion in Deutschland, die genau wie die Maisw&uuml;sten zur Biogasproduktion keinerlei Platz mehr f&uuml;r Brachen l&auml;sst, auf denen Rebh&uuml;hner, Schmetterlinge oder Wildbienen ein Zuhause finden k&ouml;nnten. <\/p><p><strong>Es brennt also an vielen Stellen? <\/strong><\/p><p>Und wie! Besonders perfide ist, wie uns solche Sauereien als Ma&szlig;nahmen zur Rettung des Planeten verkauft werden. Hinzu kommen die nukleare Problematik und das nicht zu l&ouml;sende Problem des Atomm&uuml;lls. Diesen einfach vor der K&uuml;ste Somalias zu verklappen, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist, halte ich nicht f&uuml;r besonders gescheit. Bessere L&ouml;sungen sind aber leider auch keine in Sicht. Ausgerechnet diese supergiftige, supergef&auml;hrliche Technologie wurde gerade gr&uuml;n gewaschen, weil sie angeblich &bdquo;klimaneutral&ldquo; sein soll. Die Diskussion um die berechtigte Sorge, dass wir mit dem sorglosen Verbrennen jener fossilen Kohlenwasserstoffe, die sich in Jahrmillionen pflanzlichen Lebens auf dem Planeten Erde angesammelt haben, unser Klima aus dem Gleichgewicht kippen, ist von trickreichen Propagandahalunken gekapert worden, um von dieser Diskussion vor allem die finsteren Gestalten von Big Agrar und der Atom-Mafia profitieren zu lassen. <\/p><p>Dazu muss uns eine Sache ganz klar sein: Selbst wenn wir morgen schon aufh&ouml;ren damit, kohlenstoffbasierte Brennstoffe zu verfeuern, und unsere Energiewirtschaft komplett auf Wasserstoff umbauen, wird uns kein Klimaforschungsinstitut der Welt sagen k&ouml;nnen, wie in hundert Jahren das Wetter wird. Geschweige denn, welche klimatischen Bedingungen in einem Jahrtausend bei uns herrschen werden. Das Klima des Planeten Erde ist n&auml;mlich auch ohne menschliches Zutun einem steten Wandel unterworfen. Wer dies nicht glauben will, der werfe einen Blick zur&uuml;ck auf die Erdgeschichte. Was hingegen absolut sicher ist, sind die Tatsachen, dass in diesen fernen Zeiten unser Atomm&uuml;ll immer noch seine t&ouml;dliche Strahlung aussenden wird und dass die bis dahin vom Menschen ausgerotteten Tier- und Pflanzenarten f&uuml;r alle Ewigkeit verloren sein werden.<\/p><p><strong>Wie gro&szlig; ist unser Energieproblem? <\/strong><\/p><p>Energie ist der Schl&uuml;ssel zur Evolution des modernen Menschen. Am Anfang stand die Z&auml;hmung des Feuers, die uns erm&ouml;glichte, mehr Energie aus unserer Nahrung zu ziehen. Die Entwicklung setzte sich fort mit der Ausbeutung von Last- und Zugtieren und kulminierte schlie&szlig;lich in den Erfindungen, der Dampfmaschine, der Verbrennungsmotoren, und der Entdeckung des elektrischen Stroms mit seinen vielf&auml;ltigen Anwendungsm&ouml;glichkeiten. Je weiter der Mensch fortschreitet in seiner technischen Entwicklung, desto gr&ouml;&szlig;er ist sein Hunger nach Energie. Hinzu kommt sein Hang zur Energieverschwendung. Er macht die Nacht zum Tag und legt, sofern er es sich leisten kann, kaum noch einen Meter zu Fu&szlig; zur&uuml;ck. Segeln und Reiten haben eine Wandlung von Transport zum Sport (f&uuml;r Reiche) durchlaufen. Wer in nordischen L&auml;ndern &uuml;berwintern will, der braucht eine wie auch immer geartete Form von Heizung, wenn er nicht Gefahr laufen will zu erfrieren. Ohne Sprit bricht unsere Logistik zusammen. Die Industrieproduktion findet ohne Energie nicht mehr statt und der Hunger wird um sich greifen. Der beste Weizen nutzt wenig, wenn man ihn nicht mit hohem Energieaufwand zu Mehl mahlt und anschlie&szlig;end zu Brot b&auml;ckt. Ohne Strom sind Handys und Computer nutzloser Elektroschrott. <\/p><p>Angesichts des Energiekriegs mit Russland r&uuml;cken solche Horrorszenarien in greifbare N&auml;he, genau wie die M&ouml;glichkeit der n&auml;chsten Reaktorkatastrophe. Die Bombardierungen des ukrainischen AKWs Saporischschja ist im weiteren Sinne ja ebenfalls ein &bdquo;Energieproblem&ldquo;.<\/p><p><strong>Wo sehen Sie die Hauptschwierigkeiten? <\/strong><\/p><p>Die Hauptschwierigkeit sehe ich in der Zentralisierung der Energieversorgung. Energiekonzerne und energieproduzierende Staaten haben sich zu Kartellen zusammengeschlossen und achten gemeinsam mit ihren Marionetten in den Regierungen eifers&uuml;chtig darauf, dass die Massen weiterhin in energetischer Abh&auml;ngigkeit gehalten werden. Es ist ein riesiges Gesch&auml;ft, bei dem bedenkenlos &uuml;ber Berge von Leichen spaziert wird. Die durch die USA vom Zaun gebrochenen Irak-Kriege sind hierf&uuml;r ein mahnendes Beispiel unter vielen.<\/p><p><strong>Sie sind der &Uuml;berzeugung, dass eine Energiewende durchaus m&ouml;glich ist &ndash; und zwar mit Wasserstoff. Warum Wasserstoff? <\/strong><\/p><p>Bereits der Vater der Science-Fiction, der franz&ouml;sische Romanautor Jules Verne, prognostizierte, dass der Mensch der Zukunft Wasser statt Kohle verbrennen w&uuml;rde. Diese Vision ist gerade dabei, Realit&auml;t zu werden. Wasserstoff ist das fehlende Puzzlest&uuml;ck bei der Bereitstellung der &bdquo;ewigen Energien&ldquo;, die Sonne, Wind und Str&ouml;mung uns Tag f&uuml;r Tag frei Haus liefern. Mit ihm k&ouml;nnen wir diese Energien nach der &bdquo;Ernte&ldquo; verstofflichen und folglich konservieren, damit sie uns genau dann zur Verf&uuml;gung steht, wenn wir sie brauchen. Wasserstofftechnik erm&ouml;glicht uns, dies in wirklich gro&szlig;em Umfang zu leisten.<\/p><p><strong>Bitte konkret. Wie w&uuml;rde das aussehen? <\/strong><\/p><p>Mithin ist durch ihn eine Dezentralisierung der Energieversorgung zu schaffen. Jedes Hausdach, jede Fabrik, fast jedes Stra&szlig;enbauwerk kann mit Solarzellen best&uuml;ckt werden und Energie liefern, ohne dass Natur weiter zerst&ouml;rt zu werden braucht. Aus abh&auml;ngigen Konsumenten w&uuml;rden &uuml;ber Nacht selbstst&auml;ndige Produzenten. Der &Uuml;berschuss, der nicht sofort verbraucht wird, kann per Elektrolyse in beliebigem Umfang gespeichert werden und zum Einsatz kommen, wenn die Sonne einmal nicht scheint oder der Wind nicht weht. Allein eine &Uuml;berdachung der 13.000 Kilometer Autobahn mit Solarzellen w&uuml;rde gigantische Strommengen erzeugen, die in Form von H2 direkt dort in Wasserstoffautos vertankt werden k&ouml;nnten, wo sie produziert werden. Ein Stichwort hier ist der Begriff &bdquo;Sektorenkopplung&ldquo;. <\/p><p><strong>Was hei&szlig;t das? <\/strong><\/p><p>Man koppelt die Sektoren Transport, Infrastruktur und Energiegewinnung zusammen &ndash; Dinge, die bislang immer getrennt betrachtet wurden. W&auml;hrend man in Deutschland noch an vom Fraunhofer-Institut begleiteten Pilotprojekten herumbastelt, geht es im Nachbarland Schweiz wohl schon n&auml;chstes Jahr an die Ausschreibungen f&uuml;r konkrete Bauvorhaben. Die Schweizer gehen davon aus, dass allein 700 ihrer 1.500 Autobahnkilometer, mit Solar &uuml;berdacht, circa 10 Terrawattstunden Strom pro Jahr liefern werden, also etwa zwei Drittel jener Energiemenge, die derzeit durch die Schweizer Atommeiler zum Strom-Mix beigesteuert werden. <\/p><p>In diesen Tagen werden in gro&szlig;er Eile LNG-Terminals an unseren K&uuml;sten gebaut, um Erdgas, das wieder einmal von fremden M&auml;chten geliefert werden soll, anzulanden. Die Fracking-Umwelts&auml;ue in den USA reiben sich bereits gierig die H&auml;nde. Da fragt man sich schon, warum nicht mit dem gleichen Elan an den sogenannten &bdquo;Knotenpunkten&ldquo; in Norddeutschland, an denen die Stromleitungen der Off-Shore-Windparks auf das Gasnetz treffen, leistungsstarke Elektrolyseure errichtet werden, um gr&uuml;nen Wasserstoff bereitzustellen, der in eben jenes Gasnetz eingespeist werden kann, sollte es im Winter wirklich zu Engp&auml;ssen kommen. Greenpeace Energy zeigt beispielsweise am Standort Brunsb&uuml;ttel, dass dies problemlos m&ouml;glich ist. Es werden dort j&auml;hrlich bis zu 1.800 Megawattstunden des &bdquo;Windgases&ldquo; aus &uuml;bersch&uuml;ssigem Windstrom produziert. &ndash; &Uuml;bersch&uuml;ssig &uuml;brigens deshalb, weil bei guten Windverh&auml;ltnissen viele der Rotoren abgeregelt werden m&uuml;ssen, da Kohle-, Gas-, Atom- oder Solarstrom die Leitungen blockieren.<\/p><p><strong>Welche Gr&uuml;nde sprechen noch f&uuml;r Wasserstoff? <\/strong><\/p><p>Abseits der direkten Energieversorgung hat Wasserstoff enorme Potentiale in der industriellen Fertigung von chemischen Produkten, von Stahl und auch von Ammoniak, der wiederum in der Produktion von Kunstd&uuml;nger und Sprengstoff eine Schl&uuml;sselrolle spielt. Die Art, wie wir fliegen, k&ouml;nnte sich mit ihm nicht nur in Form fliegender Autos, die derzeit als &bdquo;Flugtaxis&ldquo; in der Praxiserprobung sind, sondern durch eine Wiederbelebung der Zeppelintechnik grundlegend ver&auml;ndern. Das kalifornische Projekt H2-Clipper etwa denkt, mit seinen Zeppelinen einen Gro&szlig;teil der LKW- und Containerschiffflotten &uuml;berfl&uuml;ssig machen zu k&ouml;nnen. Diese Zeppeline sollen demnach in der Lage sein, bei einem Tempo von 280 km\/h das Drei&szlig;igfache eines Frachtflugzeugs zu einem Drittel des Preises innerhalb von zwei Tagen von einer x-beliebigen Fabrik in China zu jedem Ort in den USA liefern zu k&ouml;nnen. Da sie sowohl senkrecht starten als auch landen k&ouml;nnen, reicht ein Parkplatz als Flughafen. Nat&uuml;rlich arbeitet auch der klassische Flugzeugbauer Airbus an Wasserstoffmodellen, um mitgenommen werden zu k&ouml;nnen in die neue Zeit.<\/p><p><strong>Die Realit&auml;t sieht aber anders aus. Die Politik setzt nicht auf Wasserstoff. E-Autos, das scheint die &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; zu sein. Wo liegt das Problem? Warum greifen Politiker nicht auf die Option Wasserstoff zu? <\/strong><\/p><p>Meiner festen &Uuml;berzeugung nach hat die Realit&auml;t bereits begonnen, ganz genau die Gestalt anzunehmen, wie Jules Verne sie damals vorhergesagt hat. Die Wasserstoff-Schatzsuche-Reise von Kanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck nach Kanada hat gezeigt, dass selbst bei deutschen Politikern sich allm&auml;hlich die Erkenntnis durchsetzt, was die Stunde geschlagen hat. Die Abwesenheit einer Frau Merkel, mitsamt ihrer Entourage, von den Schaltstellen der Macht ist hier sicherlich hilfreich. <\/p><p>Bei Wasserstoff handelt es sich um einen Megatrend, der bereits den ganzen Globus erfasst hat. Ob in Australien, Kanada, Marokko, Chile oder Indien, &uuml;berall entstehen die ersten Wasserstofffabriken. Derzeit erleben wir das Hochfahren der Produktion des gr&uuml;nen Wasserstoffs. Wer sich mit der H2-Thematik befasst, sieht schnell, dass es bei Wasserstoff um viel, viel mehr geht als nur um Autos. Sobald der gr&uuml;ne Wasserstoff jedoch in ausreichend skaliertem Ma&szlig;stab bereitgestellt wird, werden wir ihn ganz sicher auch benutzen, um damit durch die Gegend zu fahren. Im Schwerlastverkehr sind hierf&uuml;r bereits die Weichen gestellt. Allein wegen ihres Eigengewichts ist die Batterie hier die denkbar schlechteste L&ouml;sung. &Uuml;berhaupt scheint mir das E-Auto eher als Wasserstoffverz&ouml;gerungstechnologie ersonnen worden zu sein. Es l&ouml;st vor allem derzeit die Probleme zentralistisch agierender Stromlieferanten, die diese Spielzeuge f&uuml;r reiche Leute, die als Back-Up gerne auch noch einen zus&auml;tzlichen Benziner in der Garage stehen haben, mit einem Strom-Mix betanken, bei dem Atom und fossiler Brennstoff nach wie vor gewichtige Rollen spielen.<\/p><p>W&uuml;rden die Batterien wirklich mit &Ouml;ko-Strom betankt, h&auml;tten sie sicherlich gegen&uuml;ber dem Stromspeicher Wasserstoff den Vorteil, dass der eingesetzte Strom fast eins zu eins gespeichert wird. Aber die Nachteile &uuml;berwiegen: lange Ladezeiten, unzureichende Verf&uuml;gbarkeit der Rohstoffe, Probleme beim Recycling und vor allem das hohe Gewicht! Wir werden niemals in der Lage sein, die Kraft etwa der Sahara-Sonne mit Hilfe von Batterien zu ernten und dem Rest der Welt zug&auml;nglich zu machen. Wasserstofftechnologie hingegen, deren Wirkungsgrad nebenbei bemerkt durch technische Innovationen stetig erh&ouml;ht wird, ist dazu durchaus in der Lage. Die neueste technologische &Uuml;berraschung liefert hier &uuml;brigens die Arbeit australischer Forscher, denen es gelungen ist, Wasserstoff aus der Luft herzustellen. Eine geringe Luftfeuchtigkeit von 20 Prozent, wie sie beispielsweise in der sonnenreichen, jedoch s&uuml;&szlig;wasserarmen Sahelzone zu finden ist, reicht hierf&uuml;r vollst&auml;ndig aus. <\/p><p><strong>Was m&uuml;sste getan werden, um die Energiewende mit Wasserstoff anzugehen und durchzuf&uuml;hren?<\/strong><\/p><p>Die Frage ist nicht mehr, ob die globale Wasserstoffrevolution kommt, sondern wie dieser Prozess gestaltet wird. Vor dem Angriff Russlands galt die Ukraine als Kandidat, wichtigster Lieferant von gr&uuml;nem Wasserstoff f&uuml;r die EU zu werden. Der Plan sah vor, das Gas vorerst mittels Elektrolyse aus Atomstrom herzustellen. Daf&uuml;r unternahm man extra die vom franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten initiierte Clown-Nummer, ausgerechnet Atomstrom zur &bdquo;gr&uuml;nen&ldquo; Energie zu erkl&auml;ren. Dass Deutschland nachzog und daf&uuml;r sorgte, dass auch Erdgas gr&uuml;ngewaschen wurde, lag sicherlich an dem Hintergedanken, russisches Gas aus Nordstream 2 per Dampfreformierung zur Herstellung &bdquo;gr&uuml;nen&ldquo; Wasserstoffs heranziehen zu k&ouml;nnen. Solche Verzweiflungstaten bringen uns nicht weiter. &ndash; Im Gegenteil. Sie zeigen, in welch heller Aufregung sich die Fossildinosaurier und ihre Kumpane von der Atom-Mafia befinden angesichts der technischen &Uuml;berlegenheit einer nachhaltigen, auf den ewigen Energien von Sonne, Wind und Str&ouml;mung basierenden Energiewirtschaft, an deren Anfang und Ende nur Wasser steht.<\/p><p>Als wichtigste Ma&szlig;nahme f&uuml;r Deutschland sehe ich die sofortige Aufl&ouml;sung des von Angela Merkel und ihrem Wirtschaftsminister Altmaier (dem Erw&uuml;rger der deutschen Solarindustrie, nota bene) ins Leben gerufenen &bdquo;Nationalen Wasserstoffrats&ldquo;, der &uuml;ber die &bdquo;Nationale Wasserstoffstrategie&ldquo; zu befinden hat. Abgesehen davon, dass gerade in Deutschland bei jedem die inneren Alarmglocken schellen sollten, wenn das Wort &bdquo;national&ldquo; so dominant ert&ouml;nt, ist der &bdquo;Nationale Wasserstoffrat&ldquo; eine reinrassige Lobbyveranstaltung. Die &bdquo;Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft&ldquo; informieren lediglich die gew&auml;hlten Volksvertreter &uuml;ber ihre Beschl&uuml;sse und handeln ansonsten nach Gutd&uuml;nken. Was wir dringend brauchen, ist ein &bdquo;Demokratischer Wasserstoffrat&ldquo;, der aus gew&auml;hlten Volksvertretern besteht und sicherlich besser entscheiden kann, was f&uuml;r die Menschen hierzulande gut ist in Sachen H2. Der erste Schritt eines solchen Gremiums sollte dann eine deutliche beh&ouml;rdliche Deregulierung der Strom- und Wasserstoffproduktion sein und die kompromisslose F&ouml;rderung ihrer Dezentralisierung. Alle Betriebe, jede Kommune, ja selbst viele Haushalte m&uuml;ssen zuk&uuml;nftig in die Lage versetzt werden, ihren Beitrag zur H2-Revolution beitragen zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Wie realistisch ist das? <\/strong><\/p><p>Das kommt auf verschiedene Faktoren an. An erster Stelle steht hier sicherlich die Bewusstmachung, dass viele Chancen f&uuml;r eine bessere Zukunft vertan werden k&ouml;nnten, wenn wir die Wasserstoffproblematik bedenkenlos in die H&auml;nde derselben Schurken legen, die uns mit ihrem Energiegebaren seit &uuml;ber hundert Jahren am Schlafittchen halten. Gute Information ist also immens wichtig, genau wie eingehende &ouml;ffentliche Analysen der Vorg&auml;nge, die derzeit ja bereits ablaufen. Der n&auml;chste Schritt wird dann die politische Willensbildung sein, mit m&ouml;glichst breiter gesellschaftlicher Diskussion, die n&auml;chsten Jahre und Jahrzehnte der Wasserstoffrevolution gestaltend zu begleiten. Wenn wir dies hinbekommen, halte ich es f&uuml;r denkbar, dass wir uns mit gr&uuml;nem Wasserstoff den alten Menschheitstraum vom Perpetuum mobile erf&uuml;llen k&ouml;nnen. Dies w&uuml;rde im Umkehrschluss bedeuten, dass wir mittel- bis langfristig eine Energie-Inflation bek&auml;men. Energie w&auml;re bis zu einem gewissen Grad einfach da und frei nutzbar. Wer jemals einen Taschenrechner mit Solarfunktion in den H&auml;nden gehalten hat, der ahnt, wovon ich hier schreibe. <\/p><p><em><strong>Lesetipp:<\/strong> Timm Koch: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/das-feuer-des-wassers.html?noloc=1\">Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt! Die L&ouml;sung unseres Energieproblems<\/a>. Westend. 12.09.2022. 13 Euro. S. 240 <\/em><\/p><p>Titelbild: r.classen\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5378653c05534945bf40a47cb51be051\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k&ouml;nnten sich die Gesellschaften von ihren Energieproblemen l&ouml;sen? F&uuml;r den Autor <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/autoren\/timm_koch\/\"><strong>Timm Koch<\/strong><\/a> hei&szlig;t die L&ouml;sung: Wasserstoff! Doch dem stehen skrupellose Energiekartelle im Weg, so Koch im Interview mit den NachDenkSeiten. Koch ist aber &uuml;berzeugt: Der Wandel hin zum Wasserstoff hat l&auml;ngst begonnen. Im Interview mit den NachDenkSeiten gew&auml;hrt Koch einen Einblick in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88129\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":88130,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,162,164,209,176],"tags":[2242,2099,2182,2446,3146,2658,2447,2061,2921,1386],"class_list":["post-88129","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-energiepolitik","category-energiewende","category-interviews","category-umweltpolitik","tag-artenvielfalt","tag-energiespeicher","tag-erneuerbare-energie","tag-flugverkehr","tag-greenwashing","tag-koch-timm","tag-strassenverkehr","tag-umweltverschmutzung","tag-wasserstofftechnologie","tag-wissenschaftlich-technischer-fortschritt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/shutterstock_2133921961.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88129"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88267,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88129\/revisions\/88267"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/88130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}