{"id":8822,"date":"2011-03-25T16:25:00","date_gmt":"2011-03-25T15:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8822"},"modified":"2014-08-12T11:56:33","modified_gmt":"2014-08-12T09:56:33","slug":"von-der-traufe-in-den-regen-von-der-cholera-zur-pest-so-sehen-viele-die-entscheidung-am-sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8822","title":{"rendered":"Von der Traufe in den Regen, von der Cholera zur Pest \u2013 so sehen viele die Entscheidung am Sonntag."},"content":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten Leser K.-H. Goll untermauert diese seine Beobachtung mit der These, dass sowohl Schwarz und Gelb als auch Rot und Gr&uuml;n an der Aush&ouml;hlung der Sozialstaatlichkeit weiter arbeiten w&uuml;rden. Er demonstriert dies am erstaunlichen Akt der Vorstellung eines neuen Buches von Gabor Steingart durch Joschka Fischer. Die Sorge halte ich f&uuml;r berechtigt und komme am Ende darauf zur&uuml;ck. Zun&auml;chst aber der Text von K.-H. Goll. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Karl-Heinz Goll am 23.3.2011 zum Buch von Gabor Steingart und seiner Vorstellung durch Joschka Fischer:<\/strong><\/p><p>Gabor Steingart, Chefredakteur&nbsp;des Handelsblatts hat ein Buch geschrieben, das Herrn Sarrazins pseudowissenschaftlichem Erguss um nichts nachsteht.&nbsp;Man k&ouml;nnte meinen: der Sozialstaats-Sarrazin. Das Buch wurde vorgestellt &ndash; na wo schon ? &ndash; in den heiligsten Hallen der <strong>Deutschen Bank<\/strong> mit dem Laudator <strong>Joschka Fischer<\/strong> (siehe unten).&nbsp;Kompakt ausgedr&uuml;ckt: so&nbsp;versuchen sich 2&nbsp;Mietm&auml;uler des Finanzkapitals gesund zu sto&szlig;en.&nbsp;<\/p><p>Eine Quintessenz dieses Buches wurde als Essay &ldquo;Sozialstaat &ndash; Normalit&auml;t auf Abruf&rdquo;  im <a href=\"upload\/pdf\/steingart_essay.pdf\">Handelsblatt Nr. 50&nbsp;abgedruckt [PDF &ndash; 350 KB]<\/a>. Der Text&nbsp;ist ein Dokument plattesten &ldquo;Demografismus&rdquo; &ndash;&nbsp;d.h. einer v&ouml;llig einseitigen, katastrophischen &Uuml;berh&ouml;hung des demographischen Wandels gegen&uuml;ber den wirklich ma&szlig;geblichen &ouml;konomischen, sozialen und politischen Variablen &ndash; und das von einem Chefredakteur&nbsp; einer &ldquo;f&uuml;hrenden Wirtschafts- und Finanzzeitung&rdquo;!&nbsp;(Das arme Handelsblatt, den Niedergang mit Steingart hat es wirklich nicht verdient.AM) Diese&nbsp; banalstm&ouml;gliche &nbsp;Demografisierung gesellschaftlicher Probleme&nbsp;steht&nbsp; methodisch auf einer Stufe mit biologistischen, sozialdarwinistischen oder rassistischen Ideologien. <\/p><p>Zweck der &Uuml;bung ist, den Menschen weiszumachen, dass der&nbsp;bevorstehende versch&auml;rfte Sozialabbau demografisch-schicksalhaft,&nbsp;&ldquo;alternativlos&rdquo;&nbsp;sei. &ldquo;Wir alle&rdquo; sollen selber Schuld sein, weil wir zu alt werden, mit zu wenig Nachwuchs. Niemand&nbsp;soll auf die Idee kommen, dass es&nbsp;ganz andere,&nbsp;&nbsp;politisch-&ouml;konomische, kapitalistische&nbsp;&nbsp;Gr&uuml;nde sind.&nbsp;&nbsp;Niemand soll sich um den schreienden Widerspruch k&uuml;mmern, dass trotz stetig&nbsp;steigender Produktivit&auml;t&nbsp;&nbsp;massenhaft&nbsp; Hungerl&ouml;hne, Altersarmut, 2-Klassenmedizin, kurz: Verelendung&nbsp;angesagt sind, w&auml;hrend z.B. die &euro;uro(Banken)-Rettung unvorstellbare Summen verschlingt. Steingart und Fischer:&nbsp;schamlos im&nbsp;&nbsp;ideologischen&nbsp;Tross&nbsp;der n&auml;chsten&nbsp;neoliberalen Raubz&uuml;ge. <\/p><p>Abgesehen von der billigen Propaganda Herrn Steingarts ist bemerkenswert, wie sich Herr Fischer prostituiert &ndash; in einer Reihe mit den Herren Schr&ouml;der, Riester, Clement, Steinbr&uuml;ck&nbsp;etc. pp., ganz abgesehen von der schwarz-gelben Prominenz. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass Steinmeyer, Gabriel, &Ouml;zdemir&nbsp;&amp; Co. schon mit einer Agenda 2020 in den Startl&ouml;chern sitzen. Leider erst hinterher&nbsp;kann man deutlich sehen, wessen Gesch&auml;ft sie eigentlich betreiben und erkennt, dass die Wahl zwischen Rot-Gr&uuml;n oder Schwarz-Gelb nur die zwischen Regen oder Traufe, Pest oder Colera&nbsp;ist.<\/p><p>Karl-Heinz Goll, M&uuml;hltal<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/Joschka_Fischer_Gabor_Steingart_Wolfgang_Nowak.jpg\" alt=\"Joschka Fischer, Gabor Steingart und Wolfgang Nowak\" title=\"Joschka Fischer, Gabor Steingart und Wolfgang Nowak\"><\/p><p>Joschka Fischer, Gabor Steingart und Wolfgang Nowak<br>\nDie Buchpr&auml;sentation fand statt am 9. M&auml;rz 2011<br>\nim Q110&nbsp; &ndash; Die Deutsche Bank der Zukunft, Friedrichstr. 181, 10117 Berlin<br>\nEinf&uuml;hrung und Moderation:<br>\nWolfgang Nowak, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Alfred Herrhausen Gesellschaft<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Erg&auml;nzung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><p><strong>1. Zur mangelnden Verl&auml;sslichkeit der Gr&uuml;nen<\/strong><\/p><p>Es ist in der Tat bemerkenswert, dass Joschka Fischer ein Buch von einem Autor vorstellt, der sich in bisherigen B&uuml;chern schon total vertan hat und eigentlich nur aus Ideologie besteht. Ich erinnere daran, dass Steingart 2003 den wirtschaftlichen &bdquo;Abstieg des Superstars&ldquo; Deutschland prognostiziert hat. Wenn es nach ihm ginge, dann d&uuml;rfte es hierzulande keine Kerne der Industrie, keine Chemie, keinen Maschinenbau und keine Autoindustrie mehr geben. Und in Frankreich m&uuml;ssten die &bdquo;Kerne&ldquo; bl&uuml;hen.<\/p><p>Dann hat er die gelbe Gefahr beschworen und uns eine engere wirtschaftliche Allianz mit den USA empfohlen. <\/p><p>Das Buch eines solchen Autors freiwillig vorzustellen &ndash; dazu geh&ouml;rt schon viel Abh&auml;ngigkeit. Das ist das Problem, das einen umtreiben muss, wenn man an die Gr&uuml;nen denkt und den Einfluss, den Fischer dort immer noch hat. <\/p><p>Die mangelnde Verl&auml;sslichkeit betrifft die Haltung der Gr&uuml;nen zur Sozialstaatlichkeit und zur Arbeitnehmerschaft. <\/p><p>Es betrifft die Friedensfrage, wo Fischer und auch die jetzige F&uuml;hrung erkennbar eng an transatlantischen Ideologen dran h&auml;ngen und deshalb leicht zu den Waffen greifen.<\/p><p>Es betrifft auch die Privatisierung, vor allem im Bereich des Verkehrs. Die Gr&uuml;nen vertreten die Forderung nach der Trennung von Netz und Betrieb bei der Schiene. Das klingt ja wunderbar, weil es nach Wettbewerb klingt. Nach meinem Eindruck hat das andere Hintergr&uuml;nde. Meine These: Hier sp&uuml;rt man den Einfluss von <a href=\"http:\/\/www.veolia-verkehr.de\/\">Veolia<\/a>, dem franz&ouml;sischen Gro&szlig;konzern, auf die Gr&uuml;nen. Dieses Unternehmen hat seine Lobby- und PR-Arbeit in Deutschland bestens organisiert, auch &uuml;ber Personen, die im rot-gr&uuml;nen Milieu zuhause sind bzw. waren.<\/p><p><strong>2. Pest und Cholera<\/strong><\/p><p>Trotz aller Sorgen wegen der Anpassungsneigung von Rot und Gr&uuml;n ist die Niederlage von Schwarz und Gelb am kommenden Sonntag von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die weitere Entwicklung. In Rheinland-Pfalz sind obendrein deutliche Unterschiede zu erkennen. Mehr als zwischen Pest und Cholera. Unter schwarzer F&uuml;hrung h&auml;tte es hierzulande keinen vergleichsweise guten Ausbau des &ouml;ffentlichen Nahverkehrs gegeben. Und die Bildungspolitik &ndash; zum Beispiel kein G8 und keine Studiengeb&uuml;hren &ndash; unterscheidet sich merklich von den schwarz regierten L&auml;ndern &ndash; dies bleibt anzumerken, bei aller sonstigen berechtigten Kritik.<br>\nDringend notwendig w&auml;re hier wie auch in Baden-W&uuml;rttemberg Druck auf Rot und Gr&uuml;n von Links. Hier treffen die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler am Sonntag eine fast schon strategische Entscheidung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten Leser K.-H. Goll untermauert diese seine Beobachtung mit der These, dass sowohl Schwarz und Gelb als auch Rot und Gr&uuml;n an der Aush&ouml;hlung der Sozialstaatlichkeit weiter arbeiten w&uuml;rden. Er demonstriert dies am erstaunlichen Akt der Vorstellung eines neuen Buches von Gabor Steingart durch Joschka Fischer. Die Sorge halte ich f&uuml;r berechtigt und komme<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8822\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,145,190],"tags":[241,714,487,419],"class_list":["post-8822","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-sozialstaat","category-wahlen","tag-bankenrettung","tag-fischer-joschka","tag-produktivitaet","tag-steingart-gabor"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8822"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22798,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8822\/revisions\/22798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}