{"id":88247,"date":"2022-09-19T14:49:05","date_gmt":"2022-09-19T12:49:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88247"},"modified":"2022-10-17T13:48:54","modified_gmt":"2022-10-17T11:48:54","slug":"teil-3-des-gespraechs-mit-michael-hartmann-ueber-die-einkommens-und-vermoegensverteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88247","title":{"rendered":"Teil 3 des Gespr\u00e4chs mit Michael Hartmann \u00fcber die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88058\">Der erste Teil des Gespr&auml;chs<\/a> mit dem Sozialforscher und Autor Prof. i.R. Michael Hartmann &uuml;ber die weitgehend vernachl&auml;ssigte Verteilungsfrage erschien am 14. September. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88135\">Den zweiten Teil<\/a> ver&ouml;ffentlichten wir am 16. September. Im heutigen dritten Teil des Gespr&auml;chs geht es um die Verteilung des Verm&ouml;gens, die Ver&auml;nderungen in den letzten Jahrzehnten, deren Ursachen und n&ouml;tige Schritte zur Ver&auml;nderung.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6742\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-88247-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=88247-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220919-Hartmann-Gespraech-Teil3von3-NDS-Audio.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Michael Hartmann best&auml;tigte, die Verm&ouml;gensverteilung in Deutschland sei noch sehr viel ungleicher als die Verteilung des Einkommens. Einen Gini-Index gibt es auch in diesem Bereich und f&uuml;r Deutschland liegt dieser sogar &uuml;ber 0,8. Das spricht f&uuml;r eine enorme Konzentration von Verm&ouml;gen. Die Gr&uuml;nde, warum dieser Index den wirklichen Zustand und die Ver&auml;nderung der Verh&auml;ltnisse nur ungen&uuml;gend abbildet, erl&auml;uterte Hartmann <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88058\">im ersten Teil des Gespr&auml;chs<\/a>. Er sagte auch, man bilde statistisch gesehen zwar richtig ab, aber die kleinen Gruppen der h&ouml;chsten Einkommen (bzw. Verm&ouml;gen) w&uuml;rden beim Index nicht ber&uuml;cksichtigt. <\/p><p>Allgemein geht man davon aus, dass die oberen zehn Prozent knapp 60 Prozent des Verm&ouml;gens besitzen. Hartmann h&auml;lt diese Zahl f&uuml;r deutlich zu niedrig angesetzt. Das lie&szlig;e sich damit erkl&auml;ren, dass die hohen Verm&ouml;gen nicht nur beim Einkommen, sondern auch bez&uuml;glich der Verm&ouml;genswerte nicht wirklich erfasst w&uuml;rden. <\/p><p>Michael Hartmann: <em>&bdquo;Auf das oberste Prozent der Bev&ouml;lkerung entfallen &uuml;ber 35 Prozent des Verm&ouml;gens. Allein auf das oberste Promille entfallen fast 20 Prozent. Das hei&szlig;t, das Verm&ouml;gen ist in unglaublichem Ma&szlig;e konzentriert. [&hellip;] Deutschland ist in der Regel immer unter den Top drei. [&hellip;] An der Spitze liegen immer die USA und dann kommen unter den Industriel&auml;ndern die deutschsprachigen L&auml;nder.&ldquo;<\/em><\/p><p>Im weiteren Verlauf des Gespr&auml;chs geht Hartmann darauf ein, wie diese immer st&auml;rkere Konzentration zustande kommt und welche Schritte er f&uuml;r dringend n&ouml;tig h&auml;lt, um die Situation f&uuml;r die Mehrheit zu verbessern.<\/p><p>Der Sozialforscher sagte: &bdquo;Das hat in Deutschland viel damit zu tun, dass es einen sehr hohen Anteil an sehr gro&szlig;en Unternehmen gibt, die sich mehrheitlich im Besitz von einzelnen Personen oder Familien befinden.&ldquo; Dort sei die gro&szlig;e Masse des Reichtums. Er nennt auch einige Namen. &bdquo;&Uuml;ber die H&auml;lfte der hundert gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen geh&ouml;ren mehrheitlich Familien. Diese sind auch fr&uuml;her schon steuerlich beg&uuml;nstigt worden, aber in den letzten zwanzig Jahren durch die Ver&auml;nderungen im Erbschaftssteuerrecht ist die Beg&uuml;nstigung so stark, dass die Konzentration immer weiter zugenommen hat&ldquo;, best&auml;tigte Hartmann. Dazu komme der Prozess der wirtschaftlichen Konzentration zugunsten immer gr&ouml;&szlig;erer Unternehmen.<\/p><p>Es handle sich um eine sehr stabile Gruppe, die &uuml;ber Generationen zu den Reichen und damit zu den Einflussreichen der Republik geh&ouml;rten. &bdquo;Das sind Personen, die famili&auml;r &uuml;ber lange Zeitr&auml;ume gewohnt sind, dass sie einen Zugang zur Politik und zu anderen Bereichen haben, den normale Menschen nicht h&auml;tten und den man sich so gar nicht vorstellen kann.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Erben nehmen einen immer gr&ouml;&szlig;eren Anteil der Reichen ein&ldquo;, so der Soziologe. Unter den 100 reichsten Deutschen seien vor zehn Jahren zwei Drittel gewesen, die dreistellige Millionen- oder auch Milliardenbetr&auml;ge geerbt hatten, beispielsweise in Form von Unternehmensbeteiligungen. Inzwischen seien das laut Hartmann bereits 80 Prozent.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p>Ein Auszug aus Michael Hartmanns Buch <a href=\"https:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/wirtschaft-gesellschaft\/politik\/die_abgehobenen-15095.html\">&bdquo;Die Abgehobenen&ldquo;<\/a> &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88116\">Skandal zur Erbschaftssteuer f&uuml;r Familienunternehmen<\/a> erschien auf den NachDenkSeiten am 18. September.<\/p>\n<\/div><p>Auf die Frage, was er in der Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung ver&auml;ndern w&uuml;rde, schlug Hartmann vor, als erstes alle Ma&szlig;nahmen, die in den letzten 20 Jahren auf diesen Gebieten getroffen worden sind, r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. Die Agenda 2010 m&uuml;sse komplett r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden. Bei der Erbschaftssteuer und Einkommensteuer empfahl er zumindest zur&uuml;ckzugehen zur Situation in den 90er Jahren. Das sei zwar keine totale Umw&auml;lzung, aber unter den politischen Gegebenheiten h&auml;tten wir wieder einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent, eine Erbschaftssteuer, die f&uuml;r Familienunternehmen deutlich h&ouml;her w&auml;re als heute. &bdquo;Wir h&auml;tten wieder eine Verm&ouml;genssteuer. Diese war zwar nicht hoch mit 0,7 Prozent, aber wir h&auml;tten sie &uuml;berhaupt&ldquo;, sagte er. Und man k&ouml;nne das dann auch ausbauen. Es g&auml;be am unteren Ende eine deutliche Reduzierung des Niedriglohnsektors. Das w&uuml;rde von beiden Seiten dazu f&uuml;hren, &bdquo;dass sich die Pole wieder ann&auml;hern.&ldquo; <\/p><p>Hartmann ist sicher, dass durch die Entwicklungen der Preissteigerungen und Lebenshaltungskosten das Thema Verteilung &bdquo;wieder auf die Agenda kommt&ldquo;. Er zeigte sich &uuml;berzeugt, wenn sich &ouml;ffentlicher Druck auch auf der Stra&szlig;e &auml;u&szlig;ert, dann werden solche Themen auch politisch wieder aktuell. Er verwies auf die Gelbwestenproteste in Frankreich, die dazu gef&uuml;hrt h&auml;tten, dass auf einmal viele Themen wieder durch die Medien gingen, die vorher kaum von medialem Interesse gewesen seien.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/yiISO9YvCQU\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><em>Der erste Teil des Gespr&auml;chs ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88058\">hier<\/a>, der zweite Teil ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88135\">hier<\/a> zu finden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88058\">Der erste Teil des Gespr&auml;chs<\/a> mit dem Sozialforscher und Autor Prof. i.R. 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