{"id":8840,"date":"2011-03-28T08:01:13","date_gmt":"2011-03-28T07:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8840"},"modified":"2014-08-12T11:59:06","modified_gmt":"2014-08-12T09:59:06","slug":"die-uberlagerten-wahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8840","title":{"rendered":"Die \u201e\u00fcberlagerten\u201c Wahlen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;&Uuml;berlagert&ldquo;, das war das am h&auml;ufigsten gebrauchte Wort am gestrigen Wahlabend. Zumindest die Wahlverlierer Stefan Mappus, Kurt Beck und vor allem die FDP haben ihre Verluste auf die &Uuml;berlagerung aller sonstigen Themen durch die japanische Atomkatastrophe abgeschoben. Die Gr&uuml;nen, als vom erdrutschartigen Stimmengewinn selbst &uuml;berraschter Wahlsieger, konnten ernten, dass die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler ihre Partei in der Atomenergiefrage am glaubw&uuml;rdigsten hielten. Das &bdquo;theoretische&ldquo; Restrisiko ist durch die havarierten Atommeiler in Fukushima f&uuml;r einen Moment lang zur politischen Realit&auml;t geworden. F&uuml;r die Bundesrepublik wird sich allerdings politisch nicht viel &auml;ndern: In Baden-W&uuml;rttemberg wird ein Gr&uuml;ner Ober-Realo mit einem &bdquo;mittigen&ldquo; Sozialdemokraten die Regierung stellen und in Rheinland-Pfalz wird Kurt Beck auch die dort weitgehend unerfahrenen Gr&uuml;nen umgarnen k&ouml;nnen. Kanzlerin Merkel und die Bundesregierung werden weiter auf ihrem neoliberal, nationalen Kurs dahind&uuml;mpeln wie bisher. Ein wirklicher Politikwechsel in der Finanz-, Wirtschafts- oder Sozialpolitik sieht anders aus. Diese gleichfalls wichtigen innenpolitischen Themen wurden &bdquo;&uuml;berlagert&ldquo;. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nAlbrecht M&uuml;ller teilt die wesentlichen Teile der Analyse seines Herausgeberkollegen Wolfgang Lieb. Wo aus seiner Sicht Erg&auml;nzungen und Korrekturen sinnvoll, ist das im Text in Klammern (&hellip;) eingef&uuml;gt.<br>\nNun weiter zur Analyse von Wolfgang Lieb: <\/p><p>Das Wahlergebnis in Baden-W&uuml;rttemberg (nachfolgend BW) kann man aus zwei Gr&uuml;nden &bdquo;historisch&ldquo; nennen: <\/p><ol>\n<li>Die CDU stellt nach fast 58 Jahren nicht mehr den Ministerpr&auml;sidenten im L&auml;ndle.<\/li>\n<li>Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik k&ouml;nnte ein Politiker der Gr&uuml;nen Ministerpr&auml;sident eines Bundeslandes werden.<\/li>\n<\/ol><p>Dass die SPD mit 23,1 % (Minus 2,1 %) der Stimmenanteilen auf ihr schlechtestes Ergebnis abgesunken ist und nur noch drittst&auml;rkste Partei ist, kann man kaum historisch nennen. Das entspricht mit Ausnahme der &bdquo;Kommunalwahl&ldquo; in Hamburg dem Trend f&uuml;r die SPD in den letzten Jahren seit Schr&ouml;ders Aganda. Die SPD wollte das nur nie wahrhaben.<\/p><p>Die Entt&auml;uschung dar&uuml;ber &uuml;berspielen die Sprecher der SPD damit, dass die Sozialdemokraten dank eines sich schon l&auml;nger abzeichnenden Gewinns an Stimmenanteilen der Gr&uuml;nen von 12,5 Prozent (also mehr als einer Verdoppelung) nach f&uuml;nfzehn Jahren in Stuttgart endlich wieder einmal als Juniorpartner an einer Regierung beteiligt sind und dass die CDU-Herrschaft nach &bdquo;20 997 Tagen&ldquo; endlich beendet ist. Dabei hat die SPD nichts dazu gewonnen, obwohl die CDU schw&auml;chelt.<\/p><p>Schaut man sich die politische Landkarte BW an, so ist sie, was die direkt gewonnen Wahlkreise anbetrifft, <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">pechschwarz mit einigen ganz wenigen gr&uuml;nen Einsprengseln<\/a> in Freiburg, T&uuml;bingen, Stuttgart, Heidelberg und (erstaunlicherweise) Mannheim. Im Wahlkreis Mannheim I hat die SPD ihr einziges (!) Direktmandat erobert.<\/p><p>Aufgrund des <a href=\"?p=8809\">merkw&uuml;rdigen Wahlsystems in BW<\/a> drohte am Wahlabend noch &uuml;ber mehrere Stunden, dass CDU und FDP zusammen, obwohl sie nach den Prozentanteilen keine Mehrheit hatten, doch noch die Mehrheit der Parlamentssitze erlangen k&ouml;nnten. Die CDU hat auch diesmal wieder 43,5 % der Mandate bei einem Stimmenanteil von nur 39%. Fast h&auml;tte sich dann ger&auml;cht, dass die Linkspartei nicht in den Landtag gekommen ist und ihre Stimmen vor allem der nach wie vor gr&ouml;&szlig;ten Partei, der CDU, zugute gekommen w&auml;ren. <\/p><p>Den einmalig hohen Wahlerfolg verdanken die Gr&uuml;nen vor allem bisherigen Nichtw&auml;hlern. Nach ARD-Angaben sind 280.000 bisher abstinente W&auml;hlerinnen und W&auml;hler wieder einmal an die Urne gegangen. 140.000 fr&uuml;here SPD-W&auml;hler sind zu den Gr&uuml;nen gewechselt und von CDU und FDP zusammen noch einmal so viel. Die Wahlbeteiligung lag mit 66,3 Prozent um mehr als 12 Prozent h&ouml;her als 2006. (<strong>Erg&auml;nzung AM:<\/strong> Die Gr&uuml;nen haben nicht vor allem von den Nichtw&auml;hlern profitiert. Auch von bisherigen CDU-, FDP- und SPD-W&auml;hlern. Vermutlich hat auch die Union von der Mobilisierung von Nichtw&auml;hlern aus dem konservativen Milieu gewonnen. Au&szlig;erdem bin ich auch nach langen Jahren immer noch skeptisch gegen&uuml;ber dem Exaktheitsanspruch der Messung von W&auml;hlerwanderungen.)<\/p><p>Vor allem die Atompolitik hat nach den Befunden der Wahlforscher offenbar alle anderen Themen &uuml;berlagert &ndash; sie galt mit weitem Abstand auch vor Stuttgart 21, Wirtschaft, Arbeitspl&auml;tzen und Bildung als wichtigstes Wahlkampfthema. Die Gr&uuml;nen sind zur Beamtenpartei (Lehrer) und zur Partei der Selbstst&auml;ndigen in Dienstleistungsberufen (Rechtsanw&auml;lte, Mediendienstleister) geworden.<br>\nJenseits der &bdquo;&Uuml;berlagerung&ldquo; der Wahlen durch die Atomkatastrophe in Japan haben es offenbar die Gr&uuml;nen geschafft, eher als eine Alternative zu Schwarz-Gelb zu gelten als die SPD. <\/p><p>F&uuml;r Stuttgart 21 gibt es inzwischen sogar <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/crbilderstrecke222_mtb-1_pos-16.html#colsStructure\">wieder eine Mehrheit in BW<\/a>. &bdquo;Oben bleiben&ldquo; ist trotz einer rot-gr&uuml;nen Regierung keineswegs angesagt. Denn Nils Schmid (der ohnehin f&uuml;r den Tiefbahnhof eintritt) hat sich eher aus taktischen Gr&uuml;nden f&uuml;r eine Volksbefragung ausgesprochen. Die Gr&uuml;nenanh&auml;nger wurden nach der &bdquo;Schlichtung&ldquo; Heiner Gei&szlig;lers gespalten. Der vermutlich neue Ministerpr&auml;sident in BW, der Gymnasiallehrer Winfried Kretschmann, der sich selbst als &bdquo;wertkonservativ&ldquo; einstuft und sich sogar eine schwarz-gr&uuml;ne Regierung vorstellen konnte, hat schon am Wahlabend die Messlatte f&uuml;r einen wirklichen Politikwechsel ziemlich tief geh&auml;ngt. Er wolle einen &bdquo;Politikwechsel <strong>einleiten<\/strong>&ldquo; bzw. den &bdquo;Weg in die B&uuml;rgergesellschaft <strong>einleiten<\/strong>&ldquo;, er wolle &bdquo;<strong>versuchen<\/strong>&ldquo; die &bdquo;Menschen zusammenzuf&uuml;hren&ldquo; in eine &bdquo;gr&uuml;ne <strong>Richtung<\/strong>&ldquo;. Das mag man als sympathieheischende Bescheidenheit vor dem neuen Amt betrachten, nimmt man allerdings hinzu, dass auch sein k&uuml;nftiger Regierungspartner Nils Schmid ank&uuml;ndigte, dass man &bdquo;nicht alles anders, aber Vieles besser machen&ldquo; wolle, so sind die Untergangs&auml;ngste die von CDU und FDP am Wahlabend gesch&uuml;rt wurden, eher Nachwehen von Wahlk&auml;mpfern, die ihre Niederlage noch nicht akzeptieren wollten. <\/p><p>Die FDP hat im sog. &bdquo;Stammland der Liberalen&ldquo;, wo sie fr&uuml;her schon zweistellige Werte eingefahren hat, die H&auml;lfte ihrer Stimmenanteile (minus 5,4 %) eingeb&uuml;&szlig;t und ist nach einer Zitterpartie mit gerade noch 5,3% in den Landtag gerutscht. Sie ist auf den harten Kern ihrer Klientel geschrumpft. <\/p><p>Der SPD ist ihr Wackelkurs bei Stuttgart 21 oder auch bei dem <a href=\"?p=8707\">EnBW-Deal der Landesregierung<\/a> mit ihrem schlechtesten Ergebnis heimgezahlt worden. Sie hat nicht nur in BW keine Kontur mehr und &bdquo;Volkspartei&ldquo; kann sie sich als drittst&auml;rkste Partei wohl auch nicht mehr nennen. Bei den 30- bis 44-J&auml;hrigen erhielt sie nur noch be&auml;ngstigende 19 %; die Gr&uuml;nen lagen in dieser Altersgruppe dagegen bei 32%. Nur noch 26% der Arbeiter w&auml;hlten die ehemalige Arbeitnehmerpartei.  Nils Schmids Spr&uuml;che von der &bdquo;wirtschaftlichen Vernunft mit sozialer Verantwortung&ldquo; blieben hohl. Die Kompetenzwerte auf beiden Politikfeldern blieben im Keller &ndash; mit welchem Thema der SPD h&auml;tte er sie da unten auch herausholen k&ouml;nnen sollen. Verzweifelt reklamierten die Sprecher der Sozialdemokraten die &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; mit den Gr&uuml;nen. Soweit ist es mit der SPD gekommen.<\/p><p>Vor allem Stefan Mappus selbst, aber auch die Berliner CDU m&ouml;chten die Wahlniederlage ausschlie&szlig;lich als stimmungsbedingten Ausrutscher aufgrund der Betroffenheit der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Atomkatastrophe in Japan herunterspielen. Mappus schien gar nicht fassen k&ouml;nnen, dass ihm eine Abfuhr erteilt wurde, wo doch &bdquo;sein&ldquo; Land &bdquo;so hervorragend dasteht&ldquo;. Er habe eben nur immer neue R&uuml;ckschl&auml;ge mit Stuttgart 21, dem Energiemoratorium, mit dem R&uuml;cktritt zu Guttenbergs und schlie&szlig;lich und vor allem mit &bdquo;Japan&ldquo; einstecken m&uuml;ssen. Vor zwei Wochen h&auml;tte seine Regierung noch eine deutliche Mehrheit gehabt, aber die neuerliche Energiewende k&ouml;nne man halt in so kurzer Zeit nicht wieder gut machen, bedauerte er. Die T&ouml;pfer-&bdquo;Schlichtungs&ldquo;-Kommission kam diesmal zu sp&auml;t. Mappus stiehlt sich aus der Verantwortung f&uuml;r seine Wahlniederlage, die &bdquo;schrecklichen Bilder aus Japan&ldquo; und manche Irritation, die von Berlin ausging, seien &bdquo;auch nicht hilfreich&ldquo; gewesen. Dieser Vorwurf gegen die  Bundesregierung war ausschlie&szlig;lich auf die FDP gem&uuml;nzt, denn &ndash; offenbar abgesprochen &ndash; lobte er die Kanzlerin und dankte ihr ehrerbietig. Den naheliegenden Gedanken, dass vor allem er selbst mit seinem Politikstil und seinem brutalen Vorgehen gegen Demonstranten gegen Stuttgart 21 und bei seinen Volten in der Atompolitik sogar bei konservativen W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern an Seriosit&auml;t und Vertrauen verloren hat, wollte er in f&uuml;r ihn typischer Manier gleich wieder abbiegen. Ein Verlust von 5,2 Prozent erscheint angesichts der Fehlleistungen, die sich <a href=\"?p=8809\">Mappus in seiner kaum einj&auml;hrigen Amtszeit geleistet hat<\/a> zwar noch ziemlich glimpflich, betrachtet man die ehemalige schwarz-gelbe Landesregierung insgesamt, so ist sie weit &uuml;ber 10 % abgesackt. <\/p><p>Das Verdr&auml;ngen eines weitgehenden Vertrauensverlustes wegen einer v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdigen Energiewende, wegen einer auf allen Ebenen widerspr&uuml;chlichen Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik in der <a href=\"?p=8747\">Libyenfrage<\/a> und wegen einem totalen Versagen in der Euro-Rettungspolitik d&uuml;rfte auch die Taktik der CDU-Spitze um Kanzlerin Merkel sein. Generalsekret&auml;r Hermann Gr&ouml;he br&uuml;stete sich schon am Abend damit, dass die CDU in BW st&auml;rkste Partei geblieben ist und fast alle Wahlkreise geholt und in Rheinland-Pfalz (nachfolgend RP) sogar dazu gewonnen habe.<\/p><p>Und wenn man auf allen Kan&auml;len den FDP-Generalsekret&auml;r den &bdquo;starken Max&ldquo; spielen sah, so konnte sich jedermann ein Bild dar&uuml;ber machen, dass die FDP, trotz der Halbierung ihres Stimmergebnisses in BW und obwohl sie in RP sogar aus dem Landtag flog, noch immer nicht begreifen will, dass sie selbst bei ihren Anh&auml;ngern als Klientelpartei abgestempelt ist und dass man wirklich nichts mehr glaubt, was ihre Spr&uuml;cheklopfer verk&uuml;nden. Dass Br&uuml;derle vor seinen Industriellenfreunden ausnahmsweise einmal die Wahrheit &uuml;ber die energiepolitische Haltung der FDP durchblicken lie&szlig;, war da nur noch das &bdquo;T&uuml;pfelchen auf dem i&ldquo;. <\/p><p>Das schlechte Abschneiden der Linkspartei in beiden L&auml;ndern hat vor allem damit zu tun, dass soziale Themen oder die Banken- und Finanzkrise in den dortigen Wahlk&auml;mpfen &uuml;berhaupt keine Rolle mehr spielten. Hinzu kommt, dass Klaus Ernst, sozusagen der &bdquo;Westvertreter&ldquo; in den westlichen Bundesl&auml;ndern alles andere als ein Politiker ist, der Themen setzen und Menschen anzusprechen vermag, die von der D&auml;monisierung dieser Partei durch CDU, FDP und auch durch die SPD sowie durch die Medien ver&auml;ngstigt sind. (<strong>AM:<\/strong> Ob das an der Person Klaus Ernst liegt, kann man bezweifeln. Bei der laufenden, von allen anderen Parteien betriebenen Kampagne gegen die Linke w&uuml;rde das auch anderen Personen passieren. Es passierte auch Lafontaine. Selbst wenn man sich in der Politik Personen backen k&ouml;nnte, w&auml;re kaum eine L&ouml;sung denkbar, die der immer wieder laufenden Kampagne paroli bieten k&ouml;nnte. Wichtiger als der Personalwechsel scheint mir die Thematisierung des im Folgenden von Andrea Nahles beschriebenen &bdquo;Wahlziels&ldquo; der SPD und der erkennbaren Kampagne und Medienbarriere.) Andrea Nahles verk&uuml;ndete in der Generalsekret&auml;rsrunde im Fernsehen mangels anderer vorzeigbaren Erfolgen, dass die SPD immerhin ihr &bdquo;Wahlziel&ldquo; erreicht habe, die LINKE aus den Landtagen zu halten. In BW, wo viele Arbeitnehmer nach wie vor dem Glauben anh&auml;ngen, dass es ihnen besser ginge als anderswo und wo selbst Arbeiter &uuml;berdurchschnittlich, <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">mit 41 % CDU w&auml;hlten<\/a>, hat es eine Partei, die vor allem auch f&uuml;r die Interessen der prek&auml;r Besch&auml;ftigten und der Arbeitslosen eintritt <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">ohnehin schwer<\/a>. Und in RP hat es Kurt Beck geschafft, dass die Gewerkschaften gro&szlig;teils an seiner Seite standen.<br>\nDie Linke tr&ouml;stet sich &uuml;ber diesen R&uuml;ckschlag hinweg, dass sie als Nachfolgepartei der WASG zum ersten Mal in diesen L&auml;ndern angetreten und  immerhin noch in 13 Landtagen vertreten sei.<\/p><p>Die SPD hat ihr  Wahlziel &bdquo;40 plus x&ldquo; in RP bei weitem nicht erreicht, sondern sie konnte sich mit 35,7% nur noch mit 0,4% Prozentpunkten vor der CDU als st&auml;rkste Partei ins Ziel retten, verliert aber fast 10 Prozent Stimmenanteile. Kurt Beck muss nach 16 Jahren Regierungszeit bei seiner f&uuml;nften Regierungsbildung &ndash; wie Johannes Rau 1995 in NRW &ndash; in den &bdquo;gr&uuml;nen Apfel&ldquo; bei&szlig;en. Die Gr&uuml;nen, die bisher gar nicht im Mainzer Landtag vertreten waren, haben mit 15,4% mit &uuml;ber 10% Stimmenanteilen genauso viel dazu gewonnen, wie die SPD verloren hat. Man darf hier einen erheblichen Stimmenaustausch zwischen Rot und Gr&uuml;n unterstellen. Auch die um &uuml;ber<br>\n4 % gestiegene Wahlbeteiligung auf 62,3 % d&uuml;rfte den Gr&uuml;nen zu gute gekommen sein. (<strong>AM:<\/strong> Und der CDU.) Genauso wie die mit 4,2% aus dem Landtag abgew&auml;hlte FDP des rheinland-pf&auml;lzischen Landesvorsitzenden Br&uuml;derle Stimmen an die CDU abgegeben haben d&uuml;rfte. Die ehemalige Weink&ouml;nigin Julia Kl&ouml;ckner hat als Herausforderin von Kurt Beck offenbar viele Sympathien <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">auf sich gezogen<\/a> und hat der skandalgebeutelten CDU in RP ein &uuml;berraschend gutes Ergebnis beschert. (<strong>AM:<\/strong> Gemessen an der fr&uuml;heren Vormachtstellung der CDU mit Altmaier, Kohl und Bernhard Vogel ist das CDU-Ergebnis sooo &uuml;berraschend wiederum nicht. Au&szlig;erdem haben die Medien mehrheitlich die Skandale der SPD immer wieder und bis zum Schluss thematisiert und jene der Union viel weniger. An einem der &bdquo;gro&szlig;en&ldquo; Skandale der SPD gehe ich jeden Tag vorbei: 7 Mio f&uuml;r das Schlo&szlig;hotel in Bad Bergzabern. Kein einziges Mal hat die SPD diesen &bdquo;Riesenskandal&ldquo; in Relation zu Angela Merkels Milliarden f&uuml;r ihre Banken-Freunde gesetzt. Die SPD hat str&auml;flich vers&auml;umt, diese Asymetrie zum Thema zu machen.) Trotz eines kleinen Zugewinns der CDU von 2,4 % konnten damit aber die Verluste der FDP von minus 3,8% innerhalb des &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lagers&ldquo; nicht ausgeglichen werden.  <\/p><p>Wenn der FDP-Vorsitzende Westerwelle erkl&auml;rte, das &bdquo;Ergebnis geht an keinem in der FDP spurlos vor&uuml;ber&ldquo;, dann d&uuml;rfte er &ndash; schon um sich selbst zu sch&uuml;tzen &ndash; zuallererst an den t&ouml;lpelhaften Bundeswirtschaftsminister Br&uuml;derle oder an die stets l&auml;cherlich l&auml;chelnde FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Birgit Homburger gedacht haben. Aber welche personellen Alternativen h&auml;tte die FDP?<\/p><p>Der erdrutschartige Verlust der SPD muss Kurt Beck schmerzen. Obwohl 72% aller Rheinland-Pf&auml;lzer der Meinung waren, Kurt Beck mache seine Sache <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">eher gut<\/a> und obwohl er im Kandidatenvergleich mit <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">52 zu 35 % gegen&uuml;ber seiner Herausforderin Kl&ouml;ckner sehr positiv bewertet<\/a> wurde, konnte er seine Partei nicht &uuml;ber 35,7 % &ndash; das <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/rp\/_html5\/indexf.shtml?#container\">zweitschlechteste Ergebnis<\/a> &ndash; hochziehen. Trost mag Kurt Beck nur noch darin finden, dass RP eben immer noch ein traditionell konservatives Land ist und dass die SPD in RP immerhin noch ein Ergebnis zwischen 7 und 10% <strong>&uuml;ber<\/strong> den aktuellen SPD-Werten der <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/index.htm\">Sonntagsfragen auf Bundesebene<\/a> erreicht hat. W&auml;hrend die SPD in BW sogar noch deutlich darunter lag. <\/p><p>Das zeigt, dass die Euphorie in der SPD nach der Hamburg-Wahl v&ouml;llig unberechtigt war. Die gestrigen Ergebnisse sind aber vor allem ein deutliches Zeichen, dass die damalige Interpretation, dass die SPD nur in der &bdquo;Mitte&ldquo; gewinnen k&ouml;nne, v&ouml;llig neben der politischen Stimmung im Lande liegt. Hamburg war eben eine Art &bdquo;Kommunalwahl&ldquo; bei der Olaf Scholz gegen einen &auml;u&szlig;erst schwachen CDU-Kandidaten siegen konnte. Zwar standen Libyen oder die Europapolitik bei dieser Wahl nicht im Vordergrund des W&auml;hlerinteresses, aber eine gr&ouml;&szlig;ere Glaubw&uuml;rdigkeit hat die SPD insgesamt mit ihrer &bdquo;Sowohl-als-auch&ldquo;-Politik in den letzten Monaten sicherlich nicht gewinnen k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Stimmenverluste sowohl in BW als auch in RP versuchten der SPD-Bundestagsfraktionschef Steinmeier und der SPD-Vorsitzende Gabriel damit zu &uuml;bert&ouml;nen, dass sie diese Wahlen nicht zu einer Abstimmung &uuml;ber die SPD, sondern zu einem Votum &uuml;ber die Atomenergie in Deutschland umzum&uuml;nzen versuchten. Sie haben sich ansonsten &uuml;ber die Abwahl der CDU in BW als &bdquo;Sensation&ldquo; (Steinmeier) erg&ouml;tzt und sich noch den ganzen Wahlabend geradezu peinlich der Hoffnung hingegeben, dass die SPD vielleicht doch noch die Nase vor den Gr&uuml;nen haben k&ouml;nnte.<\/p><p>Als 2005 die SPD in NRW nach 39-j&auml;hriger Regierungszeit mit Peer Steinbr&uuml;ck den Ministerpr&auml;sidentenposten verlor hat Gerhard Schr&ouml;der in einem Coup Neuwahlen ausgerufen. So unklug wird Merkel nicht sein, obwohl sie allen Grund dazu h&auml;tte, wie damals der Basta-Kanzler Druck auf ihre Partei auszu&uuml;ben. Der Widerstand gegen das von ihr verk&uuml;ndete Moratorium bei den AKW-Laufzeiten, angef&uuml;hrt von <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/2011\/helmut-kohl\/schreibt-ueber-die-atom-krise-17072266.bild.html\">Alt-Kanzler Helmut Kohl<\/a> droht gef&auml;hrliche Ausma&szlig;e f&uuml;r sie anzunehmen und in der Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik aber auch in der Europapolitik ist die CDU v&ouml;llig in sich zerstritten. <\/p><p>Im Bundesrat haben die sechs schwarz-gelb regierten L&auml;nder nach der Niederlage in BW nur noch 25 Stimmen, die den Oppositionsparteien im Bundestag zugeh&ouml;rigen sieben L&auml;nderregierungen haben nun 30 Stimmen. Die als &ldquo;neutral&rdquo; geltenden Regierungen in Sachsen-Anhalt und Th&uuml;ringen (CDU\/SPD), Mecklenburg-Vorpommern (SPD\/CDU) und das Saarland (CDU\/FDP\/Gr&uuml;ne) kommen zusmammen auf 14 Stimmen. Eine gestaltende Mehrheit von 35 der 69 Stimmen im Bundesrat erreichen die rot-gr&uuml;nen Regierungen nach diesem Wahlsonntag somit nicht.<\/p><p>Die CDU selbst steht auf Bundesebene mit derzeit zwischen 33% und 36% Prozent bei den Umfragen nicht gerade gut da. Es war erkennbar, dass alle, die gestern Abend aus der CDU zu Wort kamen, Merkel aus der Schusslinie nehmen wollten. Die Sprachregelung aus dem Berliner Konrad-Adenauer-Haus klang geradezu penetrant durch. Mappus meinte z.B.: Der Kurs der Kanzlerin sei &bdquo;alternativlos&ldquo;. Insofern ist die Interpretation von Andrea Nahles, BW sei eine &bdquo;Schicksalswahl&ldquo; f&uuml;r Merkel, ziemliches Wunschdenken &ndash; zumal wenn sie auf das &bdquo;Schicksal&ldquo; ihrer eigenen Partei blickt. <\/p><p>In Baden-W&uuml;rttembergs CDU d&uuml;rfte noch spannend sein, ob Mappus dem bisherigen Fraktionschef Peter Hauk, den Posten des Oppositionsf&uuml;hrers noch einmal abjagen kann oder ob ihn die dortige CDU-Fraktion abstraft. Jedenfalls ist mit Mappus, nach Friedrich Merz und Roland Koch ein weiterer rechtskonservativer Hardliner der CDU abhanden gekommen.<\/p><p>Im Gesamtergebnis wird sich in Deutschland nicht viel &auml;ndern: In BW wird ein Gr&uuml;ner Ober-Realo mit einem &bdquo;mittigen&ldquo;, nach allen Seiten offenen Sozialdemokraten die Regierung stellen und in RP wird Kurt Beck es wohl schaffen, auch die dort weitgehend unerfahrenen Gr&uuml;nen zu umgarnen. (<strong>AM:<\/strong> Das halte ich f&uuml;r eine Spekulation. Und was soll &bdquo;umgarnen&ldquo; konkret hei&szlig;en? Dass die Gr&uuml;nen beim Stra&szlig;enbau einknicken? Ich glaube auch nicht, dass ihre Position falsch ist &ndash; weder zum 4-spurigen B10-Ausbau noch zur Bienwaldautobahn und zum Mosel&uuml;bergang)<\/p><p><strong>Nachtrag:<\/strong> Ein Leser der NachDenkSeiten weist darauf hin, dass die SPD in der Vergangenheit nicht nur einmal mitregiert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;&Uuml;berlagert&ldquo;, das war das am h&auml;ufigsten gebrauchte Wort am gestrigen Wahlabend. Zumindest die Wahlverlierer Stefan Mappus, Kurt Beck und vor allem die FDP haben ihre Verluste auf die &Uuml;berlagerung aller sonstigen Themen durch die japanische Atomkatastrophe abgeschoben. Die Gr&uuml;nen, als vom erdrutschartigen Stimmengewinn selbst &uuml;berraschter Wahlsieger, konnten ernten, dass die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler ihre Partei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8840\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[163,74,190],"tags":[743,1011,1062,696,1075],"class_list":["post-8840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atompolitik","category-stuttgart-21","category-wahlen","tag-bawue","tag-beck-kurt","tag-fukushima","tag-mappus-stefan","tag-rheinland-pfalz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8840"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22799,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8840\/revisions\/22799"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}