{"id":88670,"date":"2022-09-30T11:00:58","date_gmt":"2022-09-30T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88670"},"modified":"2026-01-27T11:42:46","modified_gmt":"2026-01-27T10:42:46","slug":"die-gruenen-sind-die-kriegstreibende-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88670","title":{"rendered":"\u201eDie Gr\u00fcnen sind die kriegstreibende Partei\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Aus einer pazifistischen Partei der Petra Kelly und des Gerd Bastian hat sich eine Kriegspartei entwickelt, die unter einer widerlichen Doppelmoral mit &bdquo;Argumenten&ldquo; zur angeblichen Menschenrechts-Verteidigung sich f&uuml;r Kriege und Interventionen intensiv engagiert.&ldquo; Das sagt <strong>Reiner Braun<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Braun, einer der f&uuml;hrenden K&ouml;pfe in der Friedensbewegung, findet klare Worte zum <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9CEf75P_bcw\">Krieg<\/a> in der Ukraine und rechnet dabei mit den Gr&uuml;nen ab. Er warnt au&szlig;erdem vor der aktuellen Politik, die &bdquo;auch ein Spiel mit dem atomaren Feuer und dementsprechend ungeheuer gef&auml;hrlich&ldquo; sei. Braun fordert den Schritt raus aus der Kriegslogik, hin zur Friedenslogik. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Gerade hat Russland die Teilmobilisierung seiner Streitkr&auml;fte beschlossen. Was sagt Ihnen das als jemand, der in der Friedensbewegung verwurzelt ist?<\/strong>  <\/p><p>Die Teilmobilisierung ist Teil einer Kriegsdynamik, die den Krieg zwischen Russland und der Ukraine\/NATO pr&auml;gt. Sie beinhaltet die Gefahr einer weiteren Dynamisierung des Krieges, ein militaristischer Schritt der einen Seite zieht einen kriegerischen, den Konflikt erweiternden Schritt der anderen Seite nach sich. Diese Eskalationsdynamik endet &ndash; wenn wir das Szenario bis zum vernichtenden Ende denken &ndash; in einem Atomkrieg, der dann f&uuml;r alle das Ende ist. Putins &Auml;u&szlig;erungen sind geradezu dramatisch. Dieses alles ist die Logik dieser Kriegsdynamik. Selbst wenn es nicht zum Schrecklichsten kommt, beinhaltet diese Dynamik des Krieges wachsendes Leid, Tote und Verwundete, weitere Zerst&ouml;rung und immer noch zunehmenden Hass. Mit jedem dieser Schritte wird eine Hinwendung zu Verhandlungen und Dialog immer schwieriger, r&uuml;ckt immer weiter in die Ferne. Dass dieses alles Unsummen an Geld kostet, sei nur nebenbei erw&auml;hnt.<\/p><p><strong>Im Oktober sollen mehrere Friedensdemos in gro&szlig;en St&auml;dten in Deutschland stattfinden. Reichlich sp&auml;t, oder?<\/strong> <\/p><p>Es sind nicht die ersten Aktionen der Friedensbewegung, sofort nach Beginn gab es Proteste auf der Stra&szlig;e, die Osterm&auml;rsche waren von der Ablehnung des v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieges und besonders der wahnwitzigen Hochr&uuml;stungspl&auml;ne der Bundesregierung gepr&auml;gt. Auch die gro&szlig;en Aktionen der Gewerkschaften und Kirchen, bei aller politischer Ambivalenz, dr&uuml;ckten bei vielen der hunderttausenden Teilnehmern einen deutlichen Friedenswillen aus. Nein, die Friedensbewegung hat im Rahmen ihrer beschr&auml;nkten M&ouml;glichkeiten &ndash; und fast ist man schon geneigt zu sagen nat&uuml;rlich: unter Ignoranz der sogenannten Qualit&auml;tsmedien &ndash; auf diesen Krieg aktiv reagiert. Dass dies nicht genug war und ist, zeigt nur die aktuelle, nicht wegzudiskutierende Schw&auml;che der Friedensbewegung, aber auch die teilweise l&auml;hmenden Kontroversen in ihr. <\/p><p><strong>Warum gibt es nicht seit Monaten gro&szlig;e Friedensdemos?<\/strong> <\/p><p>Es hat wohl selten eine so komplizierte friedenspolitische Situation in den letzten 40 Jahren gegeben wie nach dem Angriff Russlands. Pers&ouml;nlich habe ich ihn &ndash; und ich glaube, da stehe ich nicht allein &ndash; bis zum 24.2. nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten. Diese Fehleinsch&auml;tzung der Politik der russischen Regierung muss man erst einmal verarbeiten und die einzig m&ouml;gliche friedenspolitische Konsequenz ziehen &ndash; eine klare Verurteilung, ohne die Entwicklung hin zu diesem Krieg, die ganz entscheidend mit der NATO-Politik und der NATO-Osterweiterung zu tun hat, zu vergessen oder zu ignorieren. <\/p><p>Es ist aber auch richtig, Nein zu den Waffenlieferungen zu sagen, besonders weil diese nur den Krieg verl&auml;ngern und intensivieren. Wir m&uuml;ssen raus aus der Kriegslogik, hin zur Friedenslogik. Dazu geh&ouml;rt auch die kontroverse Diskussion um Sanktionen, die ich eigentlich im Kern als Wirtschaftskrieg bezeichnen m&ouml;chte. Es geht nicht um ein paar Oligarchen oder die Umgebung von Putin, es geht um die Ausschaltung eines &ouml;konomischen und geostrategischen Konkurrenten im Ringen um eine neue Weltordnung &ndash; indirekt soll auch China davon betroffen werden, der zweite gro&szlig;e Rivale der westlichen Hegemonial-Politik. <\/p><p>Diese schwierige Situation nach dem 24. Februar ist l&auml;hmend &ndash; teilweise f&uuml;r die Friedensbewegung, aber besonders f&uuml;r viele in der Bev&ouml;lkerung, die betroffen und ablehnend einem Angriffskrieg gegen&uuml;bersteht und die teilweise tief verunsichert ist, wie darauf reagieren, und deshalb nat&uuml;rlich nicht aktiv im Sinne einer Friedenslogik ist. Die Kriegshetze und das Kriegstrommeln &ndash; leider kann ich es nicht anders bezeichnen &ndash; eines Gro&szlig;teils der Politik und besonders der Medien beeinflussen das F&uuml;hlen, Denken und Handeln eines gro&szlig;en Teils der Bev&ouml;lkerung nicht im Sinne des Friedens. Umso erfreulicher sind die Umfragen, die besagen, dass &uuml;ber 60 Prozent die Lieferung schwerer Waffen ablehnen und weit &uuml;ber 70 Prozent sich f&uuml;r Verhandlungen aussprechen. Wir haben sicher keine Kriegsbegeisterung, aber auch keine Friedensstimmung und erst recht kein massives Friedensengagement.<\/p><p>Nicht vergessen sollten wir die Proteste, die zunehmend besonders im Osten an vielen Orten als wirklich gro&szlig;e Demonstrationen gegen die sozialen Konsequenzen des Krieges stattfinden. Immer &ouml;fter sind Friedensfahnen zu sehen und in den Redebeitr&auml;gen wird der Krieg und die Hochr&uuml;stung als eine Ursache f&uuml;r die soziale Auspl&uuml;nderung genannt. Ein hoffungsvolles Zeichen. Vielleicht ein Erwachen?<\/p><p><strong>F&uuml;r Deutschland war es seit dem 2. Weltkrieg f&uuml;r Jahrzehnte ein Unding, sich mit Waffen in Konflikte einzumischen. Dann kam der Krieg in Jugoslawien und die Grenzen wurden immer weiter verschoben. Nun reden wir von Kampfpanzern gegen Russland. Wie erkl&auml;ren Sie sich das?<\/strong> <\/p><p>Die Bundesregierung will eine noch aktivere Rolle im Konzert der Gro&szlig;en dieser Welt spielen, Deutschland soll wieder eine der f&uuml;hrenden M&auml;chte der Welt werden, besonders in Europa, aber auch weit dar&uuml;ber hinaus. Die &Ouml;konomie unseres Landes (Exportabh&auml;ngigkeit) und Profitinteressen sind der Treiber. Der Kampf um geopolitischen Einfluss ist die logische Folge. In der Logik dieser Politik sind Milit&auml;r und Militarisierung entscheidende Faktoren der Macht und des globalen Einflusses zur Sicherung der &bdquo;deutschen (Profit-)Interessen. Deshalb haben wir schon seit Jahren eine umfassende Aufr&uuml;stung, deshalb sind wir bei mindestens 13 aktuellen Interventionskriegen dabei und nutzen den Ukraine-Krieg zur weiteren &ndash; man muss schon sagen &ndash; dramatischen Aufr&uuml;stung und Militarisierung der Politik. <\/p><p>Im Kampf um eine neue Weltordnung, die nach den Vorstellungen unserer Politiker eine westlich gepr&auml;gte sein soll, spielen Krieg und Milit&auml;r eine zentrale Rolle, um aufkommende und bestehende Konkurrenten im &bdquo;Griff zu behalten&ldquo;. Diese Politik &ndash; &ouml;konomisch abgesichert durch Sanktionen &ndash; richtet sich in erster Linie gegen Russland und China, aber auch gegen weitere, die westlichen Profitinteressen gef&auml;hrdende M&auml;chte in Asien (Indien) und Lateinamerika. Meiner Meinung nach wird diese Auseinandersetzung vom Westen\/NATO entweder verloren werden, da wir es mit geradezu gigantischen Verschiebungen der weltpolitischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse weg von den alten Kolonialm&auml;chten plus USA erleben zugunsten neuer politischer Kraftzentren (China, aber auch BRICS), oder endet im atomaren Holocaust. Diese Politik ist daher auch ein Spiel mit dem atomaren Feuer (das von allen Seiten letztendlich eingesetzt werden kann) und dementsprechend ungeheuer gef&auml;hrlich.<\/p><p>Friedenspolitik kann demgegen&uuml;ber nur eine &bdquo;Politik der gemeinsamen Sicherheit&ldquo; sein, die Anerkennung nicht nur meiner, sondern auch der Sicherheitsinteressen der Anderen. Davon sind wir zurzeit meilenweit entfernt.<\/p><p><strong>Welche Rolle spielen bei dieser Entwicklung die Gr&uuml;nen?<\/strong> <\/p><p>Die Gr&uuml;nen sind die kriegstreibende Partei in einer insgesamt auf Konfrontation orientierten Bundesregierung (positive wenige Mitglieder, die sich nach wie vor in der Friedensbewegung engagieren oder sich publizistisch artikulieren, ausgenommen). Aus einer pazifistischen Partei der Petra Kelly und des Gerd Bastian hat sich eine Kriegspartei entwickelt, die unter einer widerlichen Doppelmoral mit &bdquo;Argumenten&ldquo; zur angeblichen Menschenrechts-Verteidigung sich f&uuml;r Kriege und Interventionen intensiv engagiert. F&uuml;r sie trifft der Begriff &bdquo;Menschenrechts-Imperialismus&ldquo; wirklich zu. Die Gr&uuml;nen widerspiegeln die Entwicklung eines Teils des B&uuml;rgertums und der Mittelschichten von einem linksliberalen, friedensorientierten, &ouml;kologischen Engagement zu libert&auml;ren Positionen des Gro&szlig;machtchauvinismus und der kapitalistischen &ouml;kologischen Modernisierung. Statt mitzuhelfen, diesen Planeten zu retten, treiben sie Millionen Menschen in die Verarmung und m&ouml;glicherweise den Planeten zum Untergang.<\/p><p><strong>Was ist Ihr Eindruck: Will die deutsche Bev&ouml;lkerung Krieg mit Russland?<\/strong><\/p><p>Nein, alle Umfragen best&auml;tigen, dass trotz Diffamierungen, Unterstellungen, Halbwahrheiten und Verk&uuml;rzungen, aber auch bei aller berechtigten Kritik an der Politik des russischen Pr&auml;sidenten die Mehrheit der deutschen Bev&ouml;lkerung friedliche, kooperative Beziehungen zu Russland will. Weder die Rolle Gorbatschows bei der Entspannungspolitik und seine Abr&uuml;stungsinitiativen noch die Rolle der Sowjetunion bei der Wiedervereinigung sind vergessen. Viele Deutsche besonders im Osten wissen die 27 Millionen toten B&uuml;rgerInnen und SoldatInnen der Sowjetunion zu w&uuml;rdigen, die ihre Leben f&uuml;r die Befreiung Deutschlands opferten.<\/p><p>Umso unverst&auml;ndlicher und kontraproduktiv ist der Versuch der Bundesregierung, auch alle zwischenmenschlichen, wissenschaftlichen, pers&ouml;nlichen und regionalen Beziehungen mit Russland zu beenden. Was w&uuml;rde Albert Einstein sagen, wenn er erf&uuml;hre, dass die Max-Planck-Gesellschaft und der DAAD in unterw&uuml;rfigem Gehorsam die wissenschaftliche Kooperation mit Russland beendet hat?<\/p><p>Mehr Beziehungen zwischen den Menschen, Diplomatie von unten ist gerade jetzt notwendig. Dies gilt auch und besonders f&uuml;r die St&auml;dtepartnerschaften und alle Formen kooperativer Beziehungen. Gerade jetzt sollten wir &ndash; so kompliziert es auch ist &ndash; nach Moskau oder Petersburg fahren. <\/p><p><strong>F&uuml;r die Friedensbewegung stand es lange au&szlig;er Frage, Kriegstreiber als Kriegstreiber zu bezeichnen. Ist dem heute noch so?<\/strong> <\/p><p>Ich w&auml;re da etwas vorsichtiger: Die Ursachen von Kriegen und die Verantwortlichen bzw. die gesellschaftlichen Strukturen zu benennen, sind schon immer in der Friedensbewegung unterschiedlich, teilweise auch kontrovers beantwortet worden. Die Friedensbewegung ist eine breite gesellschaftliche Bewegung, die wertkonservative genauso einschlie&szlig;t wie linke, sich antiimperialistisch verstehende politische Kr&auml;fte und viele mehr (Kirchen, Gewerkschaften). Sie eint &ndash; wenn sie zusammen aktiv sind &ndash; das Nein zu Krieg und das Eintreten f&uuml;r Frieden. Damit stehen die politischen Kr&auml;fte &ndash; die Friedensbewegung &ndash; im tiefen Gegensatz zu den kriegsbef&uuml;rwortenden politischen Eliten. <\/p><p>Die Ursache oder die Verantwortlichen werden ganz nat&uuml;rlich von einer Pazifistin anders gesehen als von einem marxistischen Linken, von Feministinnen anders als von Christen. Das ist auch gut so und muss ausgehalten werden. Losgel&ouml;st davon richten sich unsere Forderungen an die politischen Verantwortlichen international und besonders an die eigene Regierung und das ist f&uuml;r uns immer erst einmal die Bundesregierung. Da steht die Friedensbewegung in der Logik von Karl Liebknecht, dass der Feind zuerst im eigenen Land steht.<\/p><p>Deshalb fordern wir jetzt Waffenstillstand und Verhandlungen und von der Bundesregierung besonders, Abstand zu nehmen von der wahnwitzigen Hochr&uuml;stung und f&uuml;r Abr&uuml;stung einzutreten. So wird auch die Rolle Russlands, aber auch der NATO unterschiedlich bewertet. Dieses darf aber gemeinsamen Aktionen gegen die Kriegs- und f&uuml;r die Friedenslogik keinen Abbruch tun.<\/p><p><strong>Nochmal zu den Demonstrationen. Wo und wann finden diese statt?<\/strong> <\/p><p>Die Friedensbewegung veranstaltet am 1.10. einen dezentralen bundesweiten Aktionstag gegen Krieg und Hochr&uuml;stung. In dem Aufruf des Bundesauschusses Friedensratschlag und der Kooperation f&uuml;r den Frieden, der breit unterst&uuml;tzt wird, hei&szlig;t es, <em>&bdquo;die friedenspolitischen Netzwerke &bdquo;Kooperation f&uuml;r den Frieden&ldquo; und der &bdquo;Bundesausschuss Friedensratschlag&ldquo; rufen f&uuml;r den 1. Oktober 2022 zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Unter dem Motto <strong>&bdquo;Keinen Euro f&uuml;r Krieg und Zerst&ouml;rung! Stattdessen Milliarden f&uuml;r eine soziale, gerechte und &ouml;kologische Friedenspolitik! Stoppt den Krieg! Verhandeln statt Schie&szlig;en!&ldquo;<\/strong> verlangen sie, anl&auml;sslich der anstehenden Haushaltsdebatte im Bundestag, Abr&uuml;stung statt Aufr&uuml;stung und die Abkehr von jeglicher kriegerischer Eskalation.&ldquo;<\/em> <\/p><p>An dem Tag finden &ndash; hoffentlich gr&ouml;&szlig;ere &ndash; Demonstrationen u.a. in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, K&ouml;ln, aber auch viele weitere regionale und lokale Aktionen statt.<\/p><p>Wir wenden uns gegen die Hochr&uuml;stung, das 100-Milliarden-Schuldenpaket und die 2 Prozent f&uuml;r die R&uuml;stung und fordern dieses Geld f&uuml;r Soziales und Umwelt. Der Krieg in der Ukraine muss durch Waffenstillstand und Verhandlungen beendet werden. Wir fordern Friedenslogik statt Kriegsdynamik. <\/p><p>Ziel ist es, mit beizutragen, ein gesellschaftliches Klima zu erreichen, in dem durch Druck der Bev&ouml;lkerung auch unsere Regierung veranlasst wird, Diplomatie statt Panzer und Waffen in den Mittelpunkt ihrer Politik zu stellen. Wir m&uuml;ssen uns engagieren, jetzt und heute &ndash; gerade wenn es kompliziert und schwierig ist, um eine soziale und friedenspolitische Katastrophe abzuwehren. Ich wende mich direkt an die Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten: Kommt bitte auch Ihr zu den Friedensaktionen, Jede und Jeder ist notwendig, um eine Umkehr zu erzwingen!<\/p><p><strong>Handelt es sich bei dem Krieg in der Ukraine auch um <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/interview-mit-michel-wyss-es-ist-der-erste-stellevertreter-krieg-zwischen-russland-und-der-nato-in-europa_id_94392173.html\">einen Stellvertreterkrieg<\/a>?<\/strong> <\/p><p>Ja, auch. In dem Ukraine-Konflikt flie&szlig;en verschiedene Konfliktszenarien zusammen. Es ist ein Konflikt zwischen NATO und Russland, bei dem die NATO versucht, sich noch weiter nach Osten auszudehnen und den Einfluss Russlands zu minimieren. Milit&auml;risch r&uuml;ckt die NATO mit dem Einfluss in der Ukraine nahe an die Herzregionen Russlands heran. Die Flugzeiten der Raketen und Atomwaffen verk&uuml;rzen sich f&uuml;r Russland auf ganz wenige Minuten. Die Ukraine unter NATO-Kontrolle ist mit den Sicherheitsinteressen Russlands nicht vereinbar. Es w&auml;re wie russische Raketen in Mexiko, Kanada oder Kuba. In diesem Sinne ist es auch ein geostrategischer Konflikt im Ringen um eine neue multipolare Weltordnung und ihre Hegemonialstruktur. Es ist ein Ressourcenkonflikt um Dominanz in einem Land &ndash; reich an wunderbarem Boden, vielf&auml;ltigen Rohstoffen und gut ausgebildeten Menschen. <\/p><p>Dieser Krieg ist &ndash; verbunden damit &ndash; auch ein Konflikt um die Hegemonie in Eurasien, zentralen Einfluss in der Ukraine als Br&uuml;ckenland, st&auml;rkt auch die Position in Asien als in Zukunft entscheidender &ouml;konomischer und politischer Kontinent. Brzezinski hat dies in seinem Buch &bdquo;Das gro&szlig;e Schachspiel&ldquo; eindrucksvoll und nachvollziehbar zum Ausdruck gebracht. Der amerikanische Originaltitel dr&uuml;ckt die Interessen der Westens viel besser aus: &bdquo;American Primacy and Its Geostrategic Imperatives&ldquo;. Deshalb k&ouml;nnte eine neutrale Ukraine als Br&uuml;ckenbilder zwischen Asien und Europa auch eine zentrale verbindende, kooperative Rolle spielen.<\/p><p>Es ist aber auch ein B&uuml;rgerkrieg zwischen den nach Westen und zur NATO strebenden Kr&auml;ften in der Ukraine und dem traditionell mit Russland verbundenen Osten der Ukraine. Es ist also auch einer der vielen post-sowjetischen Konflikte, siehe Aserbaidschan\/Armenien, aber auch Kirgisien\/Tadschikistan, Georgien etc. Letztendlich ist es auch noch ein Konflikt zwischen verschiedenen Oligarchengruppen um Macht, Ressourcen und Einfluss.<\/p><p>Diese vielf&auml;ltigen und miteinander verwobenen Konfliktdimensionen machen die L&ouml;sung des Krieges nicht einfacher und sehr komplex. Trotzdem liegen Friedenspl&auml;ne daf&uuml;r vor. Erw&auml;hnen m&ouml;chte ich hier nur den Vorschlag aus dem Vatikan, der von einer Arbeitsgruppe unter Jeffrey Sachs erarbeitet wurde.<\/p><p><strong>Gibt es Alternativen zu Krieg und Konfrontation?<\/strong><\/p><p>Der Satz, es gibt keine Alternative, war schon immer und ist auch in der jetzigen Situation der Kriege und Konfrontation eine L&uuml;ge. Die grunds&auml;tzliche Alternative ist die &bdquo;Politik der gemeinsamen Sicherheit&ldquo;, die Ideen und Gestaltungen von Willy Brandt, Olof Palme, aber auch Michail Gorbatschow und Bruno Kreisky.<\/p><p>Jetzt und sofort hei&szlig;t es, alles zu tun, ein Klima f&uuml;r Diplomatie gesellschaftlich mehrheitsf&auml;hig zu machen. Waffenstillstand und Verhandlungen m&uuml;ssen die wesentlichen Instrumente von Politik werden und nicht das Geschrei nach immer mehr Waffen und kriegerischer Eskalation.<\/p><p>Pl&auml;ne f&uuml;r mehr Diplomatie und Verhandlungen sind vorhanden: Meine Vorschl&auml;ge ber&uuml;cksichtigen verschiedene Konzepte auf bilateraler, multilateraler, wissenschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene.  <\/p><p><strong>Was ist Ihr Eindruck: Versteht die Bev&ouml;lkerung Deutschlands, wie gro&szlig; die Gefahr eines Krieges ist, der auch auf Deutschland &uuml;bergreifen kann?<\/strong> <\/p><p>Viele ahnen oder sp&uuml;ren es. Die Stimmung, es l&auml;uft falsch, ist weit verbreitet. Millionen m&uuml;ssen sich mit den sozialen Konsequenzen des Wirtschaftskrieges t&auml;glich leidvoll auseinandersetzen und wissen schon jetzt oft nicht, wie das Ende des Monats gestaltet werden soll. Die Bev&ouml;lkerung sp&uuml;rt den Ernst der Lage &ndash; ohne schon Verantwortliche zu benennen und diese zur Verantwortung zu ziehen. Dieser soziale Tsunami wird meiner Meinung nach noch gro&szlig;e Auswirkungen auf das Bewusstsein und die Aktionsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung haben.<\/p><p>Mehr Proteste und Widerstand sind erkennbar, aber noch lange nicht genug. Die Erkenntnis, dass Hochr&uuml;stung und sozialer Tsunami zwei Seiten einer Medaille sind, ist kaum verbreitet. Hier haben die Friedensbewegung, aber auch andere soziale Bewegungen eine gro&szlig;e Verantwortung. Auch um zu warnen vor den rechten Rattenf&auml;ngern, die glauben, die Krise auf ihre nationalistischen und chauvinistischen M&uuml;hlen lenken zu k&ouml;nnen. Der Protest muss gewerkschaftlich, friedensbewegt und links sein und von dort initiiert werden. Hier fehlt noch vieles. Nicht der Mitl&auml;ufer ist das Problem, das verst&auml;rkte aktive und aktionsorientierte linke aktive Engagement ist gefordert.<\/p><p>Die Friedensbewegung steht vor der gr&ouml;&szlig;ten Herausforderung seit Jahrzehnten, gelingt es aufzukl&auml;ren, zu informieren und zu mehr Aktionen zu kommen. W&auml;chst die Erkenntnis, dass wir wirklich 100 Sekunden von 12 Uhr stehen, wie die Atomwissenschaftler der Atomuhr dokumentieren. Atomkrieg oder gemeinsame Sicherheit sowie Abr&uuml;stung f&uuml;r eine grundlegende soziale und &ouml;kologische Transformation &ndash; wohl selten stand die Alternative so zugespitzt. Der 1. Oktober ist erst der Anfang! Herbst und Winter sind noch lang. <\/p><p>Titelbild: Simply Amazing\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Reiner Braun<\/strong>, geboren 1952, studierte Deutsche Literatur, Geschichte und Journalismus. Er war aktiv am &bdquo;Krefelder Appell&ldquo; der Friedensbewegung in den 80er Jahren beteiligt. Braun war langj&auml;hriger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der &bdquo;NaturwissenschaftlerInnen-Initiatve &ndash; Verantwortung f&uuml;r Frieden und Zukunftsf&auml;higkeit&ldquo; und ist Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der IALANA sowie Co-Pr&auml;sident des International Peace Bureau.<\/em><\/p><p><em><strong>Lesetipp:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/politik\/aussenpolitik\/frieden-jetzt-ueberall.html\">Frieden! Jetzt! &Uuml;berall!: Ein Aufruf Taschenbuch<\/a>. Peter Brandt, Reiner Braun (Hrsg), Michael M&uuml;ller (Autor). Westend. 336 S. 19 Euro.<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Aus einer pazifistischen Partei der Petra Kelly und des Gerd Bastian hat sich eine Kriegspartei entwickelt, die unter einer widerlichen Doppelmoral mit &bdquo;Argumenten&ldquo; zur angeblichen Menschenrechts-Verteidigung sich f&uuml;r Kriege und Interventionen intensiv engagiert.&ldquo; Das sagt <strong>Reiner Braun<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. 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