{"id":88780,"date":"2022-10-04T09:45:33","date_gmt":"2022-10-04T07:45:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88780"},"modified":"2022-10-04T15:43:24","modified_gmt":"2022-10-04T13:43:24","slug":"das-ende-der-diplomatie-ergaenzende-information-zum-denken-an-der-spitze-russlands-lawrow-pressekonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88780","title":{"rendered":"Das Ende der Diplomatie &#8211; Erg\u00e4nzende Information zum Denken an der Spitze Russlands: Lawrow Pressekonferenz"},"content":{"rendered":"<p>Der russische Au&szlig;enminister hat im Anschluss an seine Rede vor der UNO am 24. September eine Pressekonferenz gegeben. Die NachDenkSeiten geben hiermit eine &Uuml;bersetzung dieser Pressekonferenz zur Kenntnis. Zusammen mit den beiden schon gestern ver&ouml;ffentlichten Dokumenten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88767\">Pilger und Putin &ndash; zwei zur parallelen Lekt&uuml;re empfohlene Texte (nachdenkseiten.de)<\/a> gibt dieses Dokument Aufschluss &uuml;ber die Ver&auml;nderungen des Denkens und F&uuml;hlens in Moskau. Bei unseren Politikern und Medien werden diese uns alle betreffenden Ver&auml;nderungen bisher vor allem oberfl&auml;chlich und h&ouml;hnisch kommentiert. Ein paar Beispiele f&uuml;r die Reaktion wichtiger Medien finden Sie nach der Dokumentation der Lawrow-Pressekonferenz. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNoch eine Vorbemerkung, auch als Begr&uuml;ndung f&uuml;r unsere Informationsaktivit&auml;t zu diesem Thema: Zusammenarbeit mit Russland und gegenseitiges Verst&auml;ndnis schwinden, die Konfrontation w&auml;chst. Das ist eine gef&auml;hrliche Entwicklung. Ich erinnere an einen NachDenkSeiten-Beitrag vom 2. Oktober 2018: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46344\">T&ouml;dlicher Wandel durch Konfrontation &ndash; Was uns vermutlich ins Haus steht (nachdenkseiten.de)<\/a><\/p><p><strong>Das Ende der Diplomatie<\/strong><\/p><p>Russlands F&uuml;hrung stellt dem Westen ein vernichtendes Zeugnis aus<\/p><p>Sergej Lawrow, Au&szlig;enminister und Chefdiplomat der russischen Regierung, hat seinen Tonfall gegen&uuml;ber den westlichen L&auml;ndern ge&auml;ndert. &bdquo;Unseren Partnern&ldquo;, wie Putin sie fr&uuml;her anzusprechen pflegte, wird nun schonungslos die Wahrheit serviert, w&auml;hrend gegen&uuml;ber freundlichen L&auml;ndern weiterhin die Regeln der Diplomatie gelten. Der Westen seinerseits macht sich ein Vergn&uuml;gen daraus, seine Missachtung gegen&uuml;ber der russischen Regierung m&ouml;glichst drastisch zu dokumentieren, von der Verweigerung des H&auml;ndedruckes &uuml;ber die Ablehnung eines gemeinsamen Gruppenfotos bis hin zum Ausschluss der Russen aus allen m&ouml;glichen Gremien und Gespr&auml;chsformaten. Die im Folgenden leicht gek&uuml;rzt wiedergegebene Pressekonferenz von Sergej Lawrow fand am 24.9.22 im Anschluss an die 77. Sitzung der UN-Vollversammlung statt, wobei die Themen von Bucha, Russlands Atomwaffendoktrin, Kriegsbeteiligung versus Neutralit&auml;t, Russophobie, Getreideverschiffung bis hin zu den Ereignissen der Jahre 2014 und 2022 reichen.<\/p><p><strong>Sergej Lawrow:<\/strong> Ich brauche keine Vorrede zu halten. Ich habe unsere Position gerade in einer Rede vor der Vollversammlung deutlich gemacht.<\/p><p><strong>#Reaktion auf die Referenden<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte stattdessen sofort auf einige Stellungnahmen aus Washington, London, Br&uuml;ssel und anderen Hauptst&auml;dten eingehen, bez&uuml;glich der Referenden, die in diesen Tagen in den Volksrepubliken Donezk und Lugansk und den befreiten Gebieten der Oblasten Kherson und Zaporozhye abgehalten werden.<\/p><p>Die Hysterie, deren Zeugen wir sind, spricht B&auml;nde. Eine direkte Willensbekundung der Bev&ouml;lkerung z&auml;hlt schon lange nicht mehr zu den vom Westen akzeptierten Wegen, Kontrolle &uuml;ber das eine oder andere Gebiet zu erlangen. Ich m&ouml;chte an das Interview vom August 2021 mit Wladimir Selenskij erinnern, in dem er sagte, dass die Bewohner der Ostukraine keine Menschen seien, sondern &bdquo;Kreaturen&ldquo;, und dass diejenigen Bewohner, die sich als Russen betrachten, Russisch sprechen und ihren Kindern und Enkeln eine Zukunft geben wollen, nach Russland auswandern sollten. Es war Wladimir Selenskij, der den Prozess in Gang setzte, welcher das Leben ethnischer Russen in der Ukraine unertr&auml;glich machte und letzten Endes zu den Referenden f&uuml;hrte, die den Beitritt dieser Gebiete zur russischen F&ouml;deration zum Gegenstand haben. Und wie Pr&auml;sident Wladimir Putin sagte, wir werden die Ergebnisse dieser demokratischen Prozesse gewiss respektieren.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><strong>#Annexion der Krim<\/strong><\/p><p><strong>Frage:<\/strong> W&uuml;rden Sie den Standpunkt Ihrer Regierung in Bezug auf den Einsatz nuklearer Waffen erl&auml;utern, denn die Kommentare von Pr&auml;sident Putin, man wolle &bdquo;alles, was uns zur Verf&uuml;gung steht&ldquo;, benutzen, haben doch zu vielen Interpretationen gef&uuml;hrt. Und, gilt diese Verteidigung auch f&uuml;r die neuen Territorien, die nach den Referenden vielleicht zu einem Teil Russlands werden?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Wie Sie wissen, sind die als &bdquo;Cancel Culture&ldquo; (deutsch etwa: Annullierungskultur) bezeichneten Methoden sehr in Mode gekommen. Von unseren westlichen Kollegen werden sie nicht nur gegen L&auml;nder, Politiker und Personen des &ouml;ffentlichen Lebens, sondern auch gegen historische Fakten und Ereignisse eingesetzt. So sagten im Jahr 2014 unsere westlichen Kollegen, sie w&uuml;rden die &bdquo;Annexion&ldquo; der Krim niemals akzeptieren, und fragten uns, warum wir das getan hatten. Wir antworteten: &bdquo;Lasst uns rekapitulieren, wie alles angefangen hat.&ldquo; N&auml;mlich mit einem Staatsstreich und sehr vielen Toten.<\/p><p>Die Putschisten k&uuml;mmerten sich einen Dreck um die Garantien Deutschlands, Frankreichs und Polens. Sie besetzten Regierungsgeb&auml;ude und jagten den Pr&auml;sidenten [Janukowitsch]. Sie verfolgten ihn physisch und versuchten, ihn zu fangen.<\/p><p>Das Erste, was die Putschisten sagten, war: Annulliert den regionalen Status der russischen Sprache und schmei&szlig;t die Russen raus aus der Krim. Bewaffnete Gruppen wurden in Richtung auf die Halbinsel in Marsch gesetzt, um das dortige Parlament zu st&uuml;rmen. Erst im Gefolge dieser Vorg&auml;nge reagierte man auf der Krim mit der Abhaltung eines Referendums, w&auml;hrend die &ouml;stlichen Regionen der Ukraine sich weigerten, die Ergebnisse des Staatsstreiches anzuerkennen.<\/p><p>Aber die Analyse unserer westlichen Kollegen beginnt mit diesen Ereignissen auf der Krim. Es blieb uns praktisch nichts anderes &uuml;brig, als die aufrichtige Willens&auml;u&szlig;erung der Krimbewohner zu unterst&uuml;tzen, von denen sich 95 Prozent eindeutig f&uuml;r eine R&uuml;ckkehr nach Russland ausgesprochen hatten, das seit Jahrhunderten ihre Heimat war.<\/p><p><strong>#Russlands Atomwaffendoktrin<\/strong><\/p><p>Auch in dem aktuellen Narrativ bez&uuml;glich nuklearer Waffen begegnet uns wieder die Cancel Culture. Niemand erinnert sich daran, wie im Februar 2022, noch vor dem Beginn der &bdquo;speziellen Milit&auml;roperation&ldquo; (SMO), Wladimir Selenskij in einer seiner Erkl&auml;rungen sagte (er gab und gibt viele Erkl&auml;rungen ab), dass Ukraines Verzicht auf nukleare Waffen, im Gefolge des Zerfalls der Sowjetunion, ein gro&szlig;er Fehler gewesen sei. <\/p><p>Er sagte dies mit Blick auf eine m&ouml;gliche L&ouml;sung des Ukrainekonfliktes. Nach dem Beginn der SMO sagte der franz&ouml;sische Au&szlig;enminister Jean-Yves Le Drian &ouml;ffentlich, Russland solle daran denken, dass auch Frankreich &uuml;ber Kernwaffen verf&uuml;gt. Diese Stellungnahme geschah v&ouml;llig unprovoziert, wir hatten das Thema nicht einmal erw&auml;hnt. Es war Wladimir Selenskij, der zuerst davon redete. Und Sie erinnern sich alle, was Liz Truss auf die Frage antwortete, ob sie bereit sei, den Atomknopf zu dr&uuml;cken. (1)<\/p><p>Was Russland betrifft, so haben Pr&auml;sident Putin und andere Beamte des Kremls bei vielen Gelegenheiten erw&auml;hnt, dass wir eine Doktrin haben, die die Grunds&auml;tze der staatlichen Politik der russischen F&ouml;deration in Bezug auf nukleare Abschreckung festlegt. Es ist ein &ouml;ffentlich zug&auml;ngliches Dokument, das alle Fragen in dieser Richtung beantwortet. Ich schlage vor, Sie schauen sich nochmal die Umst&auml;nde an, unter denen wir nukleare Waffen einsetzen w&uuml;rden, sie sind dort absolut klar dargelegt.<\/p><p><strong>#Neutrales Land oder Kriegspartei?<\/strong><\/p><p><strong>Frage: <\/strong>In Ihren Bemerkungen bei einer Sitzung des Sicherheitsrates sprachen Sie zum ersten Mal offen davon, dass die westlichen L&auml;nder Kriegsparteien im Ukrainekonflikt seien. Hei&szlig;t das, wir betrachten sie jetzt als potentielle Feinde? Wird sich jetzt die Struktur der Beziehungen zu diesen L&auml;ndern &auml;ndern? Josep Borrell hat gesagt, dass, bis jetzt, die EU nicht daran denkt, Truppen zu schicken.<\/p><p>Meine zweite Frage bezieht sich auf die von Ihnen erw&auml;hnte Doktrin. Demnach, wenn die Referenden Erfolg haben, dann wird Russland berechtigt sein, bei Attacken auf diese Gebiete Atomwaffen einzusetzen. F&uuml;r diesen Fall sprechen die USA von einem unvermeidlichen &ndash; bisher nicht n&auml;her spezifizierten &ndash; Gegenschlag. Nimmt Moskau solche Drohungen ernst? Entwickelt sich der Ukrainekonflikt zu einem dritten Weltkrieg, wie es der serbische Pr&auml;sident Aleksandar Vucic bef&uuml;rchtet?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Ich m&ouml;chte jetzt keine d&uuml;steren Prognosen abgeben. Das gesamte Staatsgebiet Russlands, das in der Verfassung festgelegt ist oder noch werden kann, wird sicherlich den vollen Schutz genie&szlig;en. Wie k&ouml;nnte es auch anders sein? Alle Gesetze, Doktrinen, Konzepte und Strategien der russischen F&ouml;deration gelten auf deren ganzem Gebiet.<\/p><p>Von einer Drohung der USA mit einem wie immer gearteten Schlag habe ich nichts geh&ouml;rt. Mir ist bekannt, dass US-Pr&auml;sident Joe Biden mit &bdquo;h&ouml;llischen Sanktionen&ldquo; gedroht hat, wenn die Referenden abgehalten und ihre Ergebnisse anerkannt werden. Wenn die USA wirklich Russland mit einem unabwendbaren Schlag bedrohen, m&ouml;chte ich gerne den Text dazu lesen. Ich wusste nicht, dass die USA und Ukraine ein mit einem derart gef&auml;hrlichen Automatismus ausgestattetes B&uuml;ndnis eingegangen sind.<\/p><p>Was die rechtlichen Aspekte der westlichen Beteiligung an diesem Krieg angeht, dar&uuml;ber wei&szlig; jeder Bescheid, der die Nachrichten auch nur fl&uuml;chtig verfolgt. Ganz offen wird die Ukraine mit Waffen vollgepumpt. Selenskij verlangt jeden Tag nach mehr Waffen, von Deutschland oder Israel. Er hat Israel daf&uuml;r kritisiert, weniger Waffen zu schicken, als die Ukraine angefordert hat, oder sich darauf auszureden, dass es zu wenig Waffen f&uuml;r den eigenen Bedarf hat. <\/p><p>Kiew wird auch mit Satellitenaufkl&auml;rung unterst&uuml;tzt. Der Westen setzt etwa 70 milit&auml;rische und 200 private Satelliten zur Unterst&uuml;tzung der ukrainischen Streitkr&auml;fte sowie nationalistischer Bataillone ein. Ein ukrainischer Kommandeur hat k&uuml;rzlich zu dem Thema der US-Waffen auf dem Schlachtfeld bemerkt, dass die Amerikaner ein Vetorecht in Bezug auf die Angriffsziele haben. Was ist das anderes als direkte Kriegsbeteiligung, wenn sie uns mit t&ouml;dlichen Waffen aufs Korn nehmen und am Kampfgeschehen teilnehmen?<\/p><p>Um zur&uuml;ckzukommen zu dem juristischen Aspekt: Die USA, NATO und die EU sagen, sie seien nicht Konfliktparteien. Das bringt uns zu den Haager Konventionen von 1907. Sie befassen sich mit Gesetzen und Regeln, die f&uuml;r den Landkrieg gelten sollen, und mit dem rechtlichen Status feindlicher Handelsschiffe in dem Augenblick, in dem Feindseligkeiten ausbrechen. Diese Regeln sind nicht aufgehoben worden, sie gelten heute noch.<\/p><p>Sie befassen sich mit den Verpflichtungen neutraler M&auml;chte w&auml;hrend Kriegen zu Wasser und zu Lande. In diesen Konventionen gilt die Bezeichnung &bdquo;neutraler Staat&ldquo; nicht nur f&uuml;r L&auml;nder, die ihre Neutralit&auml;t wie die Schweiz f&uuml;r alle Zeiten festgeschrieben haben, sondern f&uuml;r alle Staaten, die in einem bewaffneten Konflikt nicht Partei sind. Ich m&ouml;chte jeden daran erinnern, dass weder die USA noch Europa sich als Parteien zu den Vorg&auml;ngen in der Ukraine erkl&auml;rt haben. Dann sollten sie im Einklang mit Artikel 6 der Seerechtskonvention handeln, der besagt, dass die Lieferung von Kriegsschiffen, Munition oder Kriegsger&auml;t aller Art durch eine neutrale Macht an eine der Kriegsparteien verboten ist. <\/p><p>Mit anderen Worten, die USA, die EU und die NATO, die Waffen an Kiew schicken, k&ouml;nnen nicht als neutrale M&auml;chte betrachtet werden, die nicht in den Konflikt involviert sind. Au&szlig;erdem sagt eine der Konventionen, dass auf dem Territorium einer neutralen Macht keine Rekrutierungsb&uuml;ros zur Unterst&uuml;tzung einer der Kriegsparteien er&ouml;ffnet werden d&uuml;rfen. Wie sie wissen, haben ukrainische Botschaften und Generalkonsulate in Europa und anderen L&auml;ndern auf ihren Webseiten offen Einladungen zur Teilnahme am &bdquo;heiligen Krieg&ldquo; gegen Russland gepostet, dort werden also S&ouml;ldner rekrutiert.<\/p><p>Westliche L&auml;nder, die solche Aktivit&auml;ten auf ihrem Territorium dulden, haben die &Uuml;bereinkunft &uuml;ber neutrale Staaten verletzt und damit gezeigt, dass sie nicht passive Beobachter, sondern direkt in den Konflikt verwickelt sind. Ein Absatz verbietet die Nutzung milit&auml;rischer Kommunikationseinrichtungen [neutraler M&auml;chte]. Wie ich schon sagte, werden 200 private Satelliten einschlie&szlig;lich Starlink direkt von den Kommandeuren dieses Krieges genutzt. Starlink hat Satelliten und terrestrische Infrastruktur. Durch das Einbringen dieser Ressourcen in den Krieg werden die USA von einer neutralen Macht zur Kriegspartei.<\/p><p><strong>#Vergr&ouml;&szlig;erung des UN-Sicherheitsrates<\/strong><\/p><p><strong>Frage: <\/strong>Und Sie sagten eben in der UN-Vollversammlung, dass Sie f&uuml;r Brasilien und Indien einen permanenten Status im Sicherheitsrat bef&uuml;rworten. Warum haben Sie S&uuml;dafrika nicht erw&auml;hnt?<\/p><p><strong>Lawrow: <\/strong>Auch das ist wieder ein Beispiel f&uuml;r Cancel Culture. Sie haben nicht vollst&auml;ndig zitiert, was ich gesagt habe. Und ich sagte, dass wir Indien und Brasilien als starke internationale Kr&auml;fte betrachten, und als wichtige Kandidaten f&uuml;r einen st&auml;ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, vorausgesetzt, dass auch Afrikas Profil entsprechend gest&auml;rkt wird. Der einzige Grund, warum ich Indien und Brasilien erw&auml;hnt habe, ist, dass sie sich schon lange selbst nominiert haben, was S&uuml;dafrika nicht getan hat.<\/p><p>Die Mitgliedsl&auml;nder der Afrikanischen Union sind dem Ezulwini-Konsens (2) verpflichtet, der seit vielen Jahren als ihr gemeinsamer Standpunkt gilt. Man kann das Thema der Vergr&ouml;&szlig;erung des Sicherheitsrates nicht ohne Ber&uuml;cksichtigung der afrikanischen Interessen behandeln. Ich habe darauf hingewiesen, dass die Vergr&ouml;&szlig;erung des UN-Sicherheitsrates ausschlie&szlig;lich durch Hinzuf&uuml;gung von Repr&auml;sentanten aus Asien, Afrika und Lateinamerika geschehen sollte.<\/p><p>Aus mehreren Gr&uuml;nden w&auml;re es l&auml;cherlich, weitere westliche L&auml;nder aufzunehmen. Abgesehen davon, dass sie alle gegen&uuml;ber Russland und China feindlich gesonnen sind, kann irgendein westliches Land, wenn es Mitglied des Sicherheitsrates w&auml;re, irgendetwas Neues zu dessen Arbeit beitragen? Nein. Sie richten sich alle nach den Instruktionen der USA, auch Deutschland und Japan, die ihren Wunsch nach st&auml;ndiger Mitgliedschaft offiziell angemeldet haben. Achten Sie nur darauf, was diese sagen und tun.<\/p><p>Selbst wenn man die politischen Positionen beiseitel&auml;sst, ist es doch so, dass sechs der f&uuml;nfzehn Mitglieder des Sicherheitsrates den Westen repr&auml;sentieren. Im n&auml;chsten Jahr werden es sieben sein, wenn Japan dazust&ouml;&szlig;t. Wie sie wissen, unterscheidet sich seine Politik in nichts von der der USA und der NATO.<\/p><p><strong>#Autorit&auml;re Z&uuml;ge der EU<\/strong><\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Lassen Sie mich ein paar Parallelen ziehen. Einerseits hat die Pr&auml;sidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, tats&auml;chlich offen Italien mit Konsequenzen f&uuml;r den Fall gedroht, dass die Ergebnisse der dortigen Wahlen unvorteilhaft f&uuml;r Br&uuml;ssel ausfallen. Andererseits, die Referenden im Donbass. Von dem Augenblick ihrer Ank&uuml;ndigung an nannten alle Politiker aus Europa und &Uuml;bersee diese Referenden illegitim und wetteiferten darin, sie in ein schlechtes Licht zu r&uuml;cken. Das ist die Haltung, die man gegen&uuml;ber der freien Willens&auml;u&szlig;erung des Volkes einnimmt. Was ist das f&uuml;r eine Vorgehensweise? Wie soll man darauf reagieren?<\/p><p><strong>Lawrow: Das ist Arroganz, das Gef&uuml;hl, es sei einem alles erlaubt, das Gef&uuml;hl der eigenen &Uuml;berlegenheit und des Exzeptionalismus<\/strong> (3). Als ob sie die einzigen w&auml;ren, die sich Urteile erlauben k&ouml;nnen. Der Kommentar von Ursula von der Leyen zu den Wahlen in Italien war bezeichnend. Ich kenne keinen EU-F&uuml;hrer, der so tief gesunken ist, solche Drohungen auszusprechen. <strong>Die EU wird im Grunde zu einer autorit&auml;ren, erstarrten, diktatorischen Institution.<\/strong><\/p><p>Jedes Jahr haben wir viele bilaterale Gespr&auml;che am Rande der Vollversammlung. Und dieses Jahr, wie die Jahre davor, hatten wir ein Treffen mit dem Pr&auml;sidenten von Zypern geplant, Herrn Nicos Anastasiades. Auf seinen Wunsch nahmen wir dieses Treffen in unseren Zeitplan auf zu einem f&uuml;r ihn g&uuml;nstigen Termin. Die Zeitpl&auml;ne Russlands und Zyperns wurden ver&ouml;ffentlicht. Eine Stunde vor dem Treffen teilten die Protokollbeamten von Herrn Anastasiades unseren Leuten mit, dass die EU ihm nicht erlauben werde, sich mit mir zu treffen. Ich glaube, das ist kein Geheimnis mehr. Schlie&szlig;lich gab das B&uuml;ro des Pr&auml;sidenten in Nicosia bekannt, das Treffen sei abgesagt wegen der Notwendigkeit, gewisse EU-Regelungen einzuhalten.<\/p><p><strong>#Die Diskriminierung Russlands<\/strong><\/p><p>Noch drei weitere L&auml;nder (davon zwei aus der EU und ein NATO-Land) wollten sich mit mir treffen. Sie baten darum, diese Treffen privat abzuhalten, ohne auch nur zu publizieren, dass sie stattfanden. Ich war einverstanden. Wir weisen keine Kontaktgesuche zur&uuml;ck. Wir werden auch immer jedes Format akzeptieren, das f&uuml;r unsere Partner angenehm ist. Nachdem sie unsere Reaktion erhalten hatten, verschwanden sie vom Radar und wir haben sp&auml;ter nichts mehr von ihnen geh&ouml;rt.<\/p><p>Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Emmanuel Macron sagte in seinen Bemerkungen: &bdquo;Dies ist nicht die Zeit f&uuml;r Krieg, es ist nicht die Zeit f&uuml;r eine Abrechnung mit dem Westen, oder f&uuml;r eine Konfrontation des Westens mit dem Osten.&ldquo; Wir haben nie den Westen gegen den Osten ausgespielt. <strong>Sondern, urpl&ouml;tzlich, hat der Westen erkl&auml;rt, mit uns nicht zusammenarbeiten zu wollen<\/strong>. Macron sagt: &bdquo;Es ist jetzt die Zeit f&uuml;r unsere souver&auml;nen, gleichberechtigten Staaten, bei der L&ouml;sung der gemeinsamen Herausforderungen zusammenzuarbeiten.&ldquo; Dies sind hervorragende Worte. Aber es gibt ein illustrierendes Beispiel. Die st&auml;ndigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates (4) haben in New York und, folglich, in ihren Hauptst&auml;dten ein Rotationssystem f&uuml;r Koordinierungsaufgaben geschaffen. Am 1. Januar &uuml;bernimmt ein Land die Koordinierungsaufgaben drei Monate lang, die n&auml;chsten drei Monate ist das n&auml;chste Land an der Reihe. Jetzt, im September, hat Russland diese Koordinatorrolle der f&uuml;nf st&auml;ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates inne.<\/p><p>Bei jeder UN-Vollversammlung h&auml;lt nun das koordinierende Land ein Treffen der Minister der f&uuml;nf st&auml;ndigen Mitglieder mit dem Generalsekret&auml;r ab. Auch wir, weil wir h&ouml;flich sind, haben den entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Die Chinesen sagten zu. <strong>Die Angelsachsen sagten, sie w&uuml;rden mit uns nicht reden<\/strong>. Urteilen Sie selbst.<\/p><p>Was ist das Ziel des Westens? Man kann nicht anbieten, zu vermitteln (wie das einzelne Parteien tun), und gleichzeitig alle Kontakte abblocken. Das ist derart infam, schon vom Standpunkt des elementarsten menschlichen Anstandes. Wir vermeiden niemals irgendwelche Kontakte. Alles ist zusammengebrochen und wird weiterhin ruiniert, insbesondere von Washington, London (aktiver) und Br&uuml;ssel.<\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Und, zum Thema der Referenden?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Sie haben praktisch schon alles dazu gesagt. Es wird mit zweierlei Ma&szlig; gemessen. Wir erinnern uns noch daran, wie der Westen f&uuml;r den Kosovo gewisse Ausnahmen von den internationalen Regeln geltend zu machen versuchte. Dann sagte der Internationale Gerichtshof [in Den Haag], das ist &uuml;berhaupt keine Ausnahme. Nach dem Kosovo wurde proklamiert, dass jeder Teil jedes Landes selbst &uuml;ber seine Zukunft bestimmen kann, ohne die zentralen Instanzen fragen zu m&uuml;ssen. Es geht nach dem Prinzip &bdquo;my way or the highway&ldquo; (Deutsch etwa: Wir machen das so, wie ich will, oder gar nicht). Ich befolge gewisse Prinzipien, wenn sie f&uuml;r mich von Vorteil sind. Aber wenn nicht, dann mache ich etwas ganz Anderes.<\/p><p><strong>#&bdquo;Langes Spiel&ldquo; in der Ukraine<\/strong><\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Sie erw&auml;hnten die Beteiligung westlicher L&auml;nder an dem Konflikt. Wir wissen, dass der gr&ouml;&szlig;te Waffenh&auml;ndler hier die USA sind, die mehrere Waffenpakete f&uuml;r die Ukraine genehmigt haben. Sogar im US-Au&szlig;enministerium sagt man, die Politiker wollten nun das &bdquo;lange Spiel&ldquo; spielen. Was ist Ihrer Meinung nach die Absicht der USA, und ist Russland bereit, mit den USA ein &bdquo;langes Spiel&ldquo; in der Ukraine zu spielen?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Das ukrainische &bdquo;Spiel&ldquo; ist schon seit langem im Gange. Ich erinnere nur an 2003, als in der Ukraine eine Wahl bevorstand. Westliche Politiker, Beamte, Au&szlig;enminister, vor allem Belgiens Louis Michel, erkl&auml;rten unverbl&uuml;mt, die Ukrainer sollten sich in der Wahl f&uuml;r eine Seite entscheiden &ndash; Russland oder Europa. Diese Entweder-oder-Mentalit&auml;t, diese Philosophie ist bis heute nicht verschwunden. Jetzt nehmen &uuml;berall in Europa russophobe Tendenzen &uuml;berhand.<\/p><p>Die Europ&auml;er und Amerikaner wollen die ganze Welt in ihre infamen Pl&auml;ne hineinziehen. Sehen Sie sich ihre Aktionen an. Von einem Tag auf den anderen fingen sie an, alles Russische zu verbannen und in ihren L&auml;ndern die Russophobie zu f&ouml;rdern.<\/p><p>All das zeigt, dass es sich um Rassismus handelt, der, wie man sieht, mitnichten verschwunden ist. Kein latenter, sondern ein offenkundiger, unverhohlener Rassismus. Er wird von oben verordnet. Es fing an mit den Slogans, die Ukraine solle sich f&uuml;r eine Seite entscheiden. Ein paar Jahre sp&auml;ter gab es wieder eine Wahl. Der Gewinner war nicht der vom Westen gew&uuml;nschte Kandidat.<\/p><p>Und alles wurde getan, um ein gro&szlig;es Geschrei und Geheule auszul&ouml;sen und gewisse unterw&uuml;rfige Funktionstr&auml;ger dazu zu bringen, das Verfassungsgericht zu involvieren, das die Verfassung verteidigen soll. Es entschied sich f&uuml;r eine dritte Wahlrunde, von der nichts in der Verfassung steht. Und dann w&auml;hlten sie den von den USA gew&uuml;nschten Kandidaten.<\/p><p>Im Dezember 2013 wurde ein abgeh&ouml;rtes Telefongespr&auml;ch ver&ouml;ffentlicht, zwischen der stellvertretenden Au&szlig;enministerin Victoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, der ihr berichtete, welche Politiker f&uuml;r die neue Regierung in Stellung gebracht werden sollten, obwohl es noch mehr als ein Jahr bis zu den Wahlen war.<\/p><p>So lie&szlig;en sie die M&ouml;glichkeit eines nicht turnusgem&auml;&szlig;en Machtwechsels zu. Victoria Nuland nannte zwei Namen, die sie glaubte in den ukrainischen F&uuml;hrungsstab aufnehmen zu m&uuml;ssen. Geoffrey Pyatt entgegnete, dass einer der beiden nicht von der EU gew&uuml;nscht sei. Und wissen Sie, was sie ihm antwortete? &bdquo;Schei&szlig; auf die EU&ldquo;. Das ist der herrschende Geist. Das ist die Wahrheit. Der Geist ist derselbe wie heute.<\/p><p>Deutschland, Frankreich und Polen lie&szlig;en ihre Au&szlig;enminister Garantien unterzeichnen, dass eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werde, die Neuwahlen in f&uuml;nf bis sechs Monaten vorbereiten solle. In diesen Wahlen h&auml;tte sicherlich die Opposition gewonnen.<\/p><p>Anstatt diese Vereinbarung zu respektieren, oder wenigstens die Autorit&auml;t der europ&auml;ischen L&auml;nder, die ihre Reputation aufs Spiel gesetzt hatten, besetzten sie am folgenden Morgen (ohne noch lange zu warten) das Regierungsgeb&auml;ude und verk&uuml;ndeten der Menge, dass sie ihnen gratulieren k&ouml;nnten, dass sie eine &bdquo;Regierung der Sieger&ldquo; (und nicht: der nationalen Einheit) gebildet h&auml;tten. Das ist ein gro&szlig;er Unterschied. Ich habe viele solche Beispiele gesehen.<\/p><p>Die Tatsache, dass die USA die gegenw&auml;rtige Situation in der Ukraine als Ma&szlig;stab sieht, um ihre Chancen auf eine Fortsetzung der Hegemonie zu testen, ist f&uuml;r mich offenkundig. Sie haben ihre aggressiven gescheiterten Abenteuer in Jugoslawien, im Irak, in Libyen ausgetragen, sie invadierten in Syrien, ohne das geringste Recht darauf zu haben, und in Afghanistan. Sie erkl&auml;rten Gebiete, die mehr als 10.000 Meilen von ihren eigenen K&uuml;sten entfernt sind, zu Interessengebieten und richteten &uuml;berall Verw&uuml;stungen an, um im &bdquo;turbulenten Wasser&ldquo; den amerikanischen &bdquo;Fisch zu fangen&ldquo;. Und gleichzeitig betrieben sie die NATO-Osterweiterung.<\/p><p><strong>#Das aggressive Verteidigungsb&uuml;ndnis<\/strong><\/p><p>NATO ist ein &bdquo;Verteidigungsb&uuml;ndnis&ldquo;. Als es die Sowjetunion und den Warschauer Pakt noch gab, und die Berliner Mauer (aus Beton sowie imagin&auml;r zwischen beiden Bl&ouml;cken), haben sie sich nat&uuml;rlich nur selbst verteidigt, wie sie glaubten, gegen die &bdquo;aggressive&ldquo; Sowjetunion und den Warschauer Pakt.<\/p><p>Aber dann gab es beides nicht mehr, und nun verteidigen sie sich Hunderte oder Tausende Kilometer von dieser Linie entfernt, wie jedem klar war.<\/p><p>Sie beschlossen einfach, sich von nun an hier zu verteidigen. Sie verk&uuml;ndeten, die NATO sei nun, als Verteidigungsb&uuml;ndnis, verantwortlich f&uuml;r die Sicherheit im Indo-Pazifik. Das wird ihre n&auml;chste Verteidigungslinie sein, das s&uuml;dchinesische Meer. Da habe ich nicht den geringsten Zweifel. Ich habe das heute in meiner Rede vor der Vollversammlung erl&auml;utert.<\/p><p>Ich werde mich nicht auf Spekulationen einlassen, wie lange dieser Zustand andauern wird. An Pr&auml;sident Putin wurde dieselbe Frage gerichtet. Er antwortete, dass wir am Erreichen der verk&uuml;ndeten Ziele arbeiten.<\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Wir haben die russische Erkl&auml;rung f&uuml;r die Invasion in die Ukraine geh&ouml;rt. Aber wie soll das Endspiel aussehen? Besteht es darin, die Regierung in Kiew zu st&uuml;rzen? Und unter wie viel chinesischen Druck, den Krieg zu beenden, ger&auml;t Russland?<\/p><p><strong>Lawrow:<\/strong> Die Ziele der Operation hat Pr&auml;sident Putin am 24. Februar 2022 verk&uuml;ndet.<\/p><p><strong>#Russophobie<\/strong><\/p><p>Stellen Sie sich eine Sekunde lang Folgendes vor: Irland verbietet die englische Sprache an Schulen, als Amtssprache, im Kino. Oder Belgien macht dasselbe mit der franz&ouml;sischen Sprache, oder Finnland mit der schwedischen Sprache. K&ouml;nnen Sie sich so etwas vorstellen? Ich nicht. Aber es w&uuml;rde sofort einen Aufschrei geben, einen Skandal und Aktivit&auml;ten &ndash; da habe ich nicht den geringsten Zweifel &ndash; um Derartiges zu verhindern.<\/p><p>Aber im Fall der Ukraine hat die Politik der Eliminierung alles Russischen, die dort seit vielen Jahren im Gange ist, in keinem westlichen Medium irgendwelche Beachtung gefunden, und auch nicht au&szlig;erhalb der Medien.<\/p><p>Wir haben diese F&auml;lle pr&auml;sentiert und eine Reaktion gefordert bei der OSZE, beim Europarat, bei der UN, bei der NATO &uuml;ber die russische Vertretung, die damals noch existierte, und bei der EU. Ergebnis? Nichts. Ganz wie damals seit dem Ende der Sowjetunion, als wir darauf bestanden, dass die EU gegen die Diskriminierung von Russen in Lettland und Estland einschreitet, und uns keinerlei Beachtung zuteil wurde. Wir sind zu der &Uuml;berzeugung gelangt, dass unsere westlichen Nachbarn rassistische Instinkte gegen&uuml;ber Russland, als Land wie als Nation, haben. Wenn Sie irgendetwas anf&uuml;hren k&ouml;nnen, das gegen die Diskriminierung von Russen in Estland, Lettland und der Ukraine spricht, wo alles gesetzlich verboten wurde, dann k&ouml;nnen wir nat&uuml;rlich gerne dar&uuml;ber diskutieren.<\/p><p>Sie sprechen von Aggression. Von Annexion. Das k&ouml;nnen Sie nat&uuml;rlich. Meine Antwort ist sehr einfach: Versuchen Sie nicht, die Sache von ihrem B&uuml;ro aus oder von New York aus zu beurteilen. Fahren Sie in die Krim und sprechen dort mit den Leuten. Kein Mensch macht das, mit Ausnahme einiger tapferer Politiker, die aber nicht zur Elite des Systems z&auml;hlen. Reisen Sie in den Osten. War irgendjemand von Ihnen im Donbass w&auml;hrend der acht Kriegsjahre, in denen Tag f&uuml;r Tag gegen die Minsker Abkommen versto&szlig;en wurde? Offenbar nicht.<\/p><p>Das russische Fernsehen hat &uuml;ber die Situation auf der Donbass-Seite der Kontaktlinie (5) berichtet. &Uuml;ber das t&auml;gliche Leben der Menschen und die Sch&auml;den an der zivilen Infrastruktur, &uuml;ber das T&ouml;ten der friedlichen Bev&ouml;lkerung wurde t&auml;glich berichtet. Und wir haben uns gefragt, warum westliche Journalisten auf der ukrainischen Seite der Kontaktlinie nicht genauso verfahren. Weil auf der ukrainischen Seite die einzigen Sch&auml;den von erwidertem Artilleriefeuer verursacht wurden. Und die w&uuml;rde man sofort sehen.<\/p><p>Ich verstehe, dass Sie eine Frage stellen wollen, nach der Sie dann schreiben k&ouml;nnen, dass ich sie nicht beantworten konnte. Gerade hat unser chinesischer Freund nach dem milit&auml;rischen Endspiel und dem Ziel der Operation gefragt. Sie sollten Putin &ouml;fter und sorgf&auml;ltiger lesen. Er hat alles dazu am 24. Februar gesagt.<\/p><p><strong>Frage: <\/strong>Und was ist mit China, mit chinesischem Druck, den Krieg zu beenden? Ihr Pr&auml;sident sagte letzte Woche, dass Pr&auml;sident Xi gegen&uuml;ber Putin seiner Besorgnis &uuml;ber den Krieg Ausdruck verliehen habe.<\/p><p><strong>Lawrow: <\/strong>Sprach er von &bdquo;chinesischem Druck&ldquo;?<\/p><p><strong>Frage: <\/strong>Er sprach von &bdquo;Besorgnis&ldquo;. Setzt Sie das nicht unter Druck?<\/p><p><strong>Lawrow:<\/strong> Sie fragten, wie wir uns unter chinesischem Druck f&uuml;hlten. Sie k&ouml;nnen Ihren Lesern, H&ouml;rern, Zuschauern sagen, ich h&auml;tte die Beantwortung der Frage vermieden. Oder wollen Sie geltend machen, Sie verst&uuml;nden kein Russisch? H&ouml;chste Zeit, es zu lernen.<\/p><p><strong>#Getreide und D&uuml;nger f&uuml;r Afrika<\/strong><\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Sie hatten zahlreiche Treffen mit Ihren Kollegen in Afrika am Rande dieser UN-Vollversammlung. Haben Sie auch die Lage bez&uuml;glich der Exporte von ukrainischem Getreide und russischem D&uuml;nger von europ&auml;ischen H&auml;fen aus er&ouml;rtert, die die westlichen L&auml;nder sich weigern, an andere L&auml;nder weiterzugeben, einschlie&szlig;lich der armen L&auml;nder? Haben sich in Ihren Gespr&auml;chen mit unseren afrikanischen Freunden neue Wege oder Richtungen ergeben? Wie verlief Ihr heutiger Dialog?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Ja, wir haben mit vielen unserer afrikanischen Kollegen gesprochen. Dabei ging es in erster Linie um bilaterale Beziehungen. Mit jedem afrikanischen Land ist unser Handels- und Investitionsvolumen stetig gewachsen, auch wenn die absoluten Zahlen noch weit hinter denen europ&auml;ischer und chinesischer Unternehmen liegen. Aber die Zukunft sieht vielversprechend aus. Es gibt viele Projekte und Pl&auml;ne. Wir bereiten ein gro&szlig;es Paket mit Vereinbarungen f&uuml;r den zweiten Russland-Afrika-Gipfel vor, den wir Mitte 2023 abhalten wollen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich ist Ern&auml;hrungssicherheit f&uuml;r alle ein Thema. Jeder unterst&uuml;tzt die Bem&uuml;hungen, die von der EU, London und Washington errichteten Hindernisse f&uuml;r den Export von russischem D&uuml;nger und Getreide zu eliminieren. Alle begr&uuml;&szlig;ten das Vereinbarungspaket, das am 22. Juli dieses Jahres auf Initiative des UN-Generalsekret&auml;rs Antonio Guterres in Istanbul abgeschlossen wurde. Es zwang Selenskij, die ukrainischen H&auml;fen endlich zu entminen, was er sich seit M&auml;rz zu tun geweigert hatte, als Russland und die T&uuml;rkei ihm vorschlugen, die von ihm als Geiseln gehaltenen Schiffe durchzulassen, im Tausch gegen Moskaus und Ankaras Sicherheitsgarantien f&uuml;r die internationalen Gew&auml;sser bis hin zum Bosporus.<\/p><p>Am 22. Juli wurde dieser Vertrag angenommen und das Getreide freigegeben. Aber nur ein Bruchteil gelangte zu den &auml;rmsten Nationen auf der Liste des Weltern&auml;hrungsprogramms, so dass letztlich nur Burkina Faso und ein weiteres Land davon profitierten. Wir machten die Europ&auml;er darauf aufmerksam, dass fast die H&auml;lfte des Getreides an sie geliefert wurde, und sie sagten uns, sie w&uuml;rden das Getreide sp&auml;ter an afrikanische L&auml;nder weiterleiten. Dieses Schema ist mehr oder weniger immer noch in Kraft.<\/p><p>Was nun den russischen Teil dieser Vereinbarung angeht, so unterliegen weder Getreide noch D&uuml;nger den US- und EU-Sanktionen. Aber daf&uuml;r gibt es andere Hindernisse, einschlie&szlig;lich einer Verbannung russischer Schiffe aus europ&auml;ischen H&auml;fen, sowie ausl&auml;ndischer Schiffe aus russischen H&auml;fen. Mit Sanktionen belegt wurde die russische Bank f&uuml;r Landwirtschaft, die als gr&ouml;&szlig;te Bank dieser Branche den L&ouml;wenanteil aller Handelsabschl&uuml;sse mit D&uuml;nger und Lebensmitteln abwickelt.<\/p><p>Infolge der vielen vom Westen ausgesprochenen Drohungen haben sich die Versicherungspr&auml;mien f&uuml;r russische Schiffe vervierfacht. In dem Teil der Vereinbarung vom 22.7., der sich auf russisches Getreide bezieht, versprach der UN-Generalsekret&auml;r Guterres, die EU und USA dazu zu bewegen, diese H&uuml;rden zu beseitigen. Ich traf ihn am 22. September und er best&auml;tigte, es gebe noch viel in dieser Richtung zu tun. Er gab &ouml;ffentlich zu, es gebe noch Hindernisse, doch es seien einige Versprechungen gemacht worden.<\/p><p>Das sind alles Entscheidungen jener hegemonialen Kr&auml;fte, die versuchen, ihre Verantwortung auf uns abzuw&auml;lzen. Als die USA den Irak, Afghanistan und Libyen jahrelang bombardierten, und jetzt Syrien, w&auml;hrend auch im Jemen Krieg herrscht, wurde dadurch keine Hungersnot ausgel&ouml;st. Und die Wirkung auf die M&auml;rkte? &Uuml;berhaupt keine. Damals waren es die &bdquo;Gener&auml;le&ldquo;, die im Gef&uuml;hl der &Uuml;berlegenheit ohne Rechenschaftspflicht schwelgten.<\/p><p>Diesmal gibt es jemanden, der dieselben Amerikaner daran hindert, sich an unserer Grenze zu postieren, unsere Kultur und Sprache zu zerst&ouml;ren und die Russen zu vertreiben. Das ist der gro&szlig;e Unterschied. Diesmal antworteten sie mit Sanktionen in bisher nie dagewesenem Ausma&szlig;, ohne R&uuml;cksicht darauf, ob Entwicklungsl&auml;nder von den Aktionen der USA und ihrer Satelliten in Mitleidenschaft gezogen werden, wie es jetzt der Fall ist.<\/p><p><strong>(&hellip;)<\/strong><\/p><p>Russisches Getreide hat auf den Weltm&auml;rkten einen viel gr&ouml;&szlig;eren Anteil als ukrainisches Getreide. Ich habe noch nicht erw&auml;hnt, dass 300.000 Tonnen unseres D&uuml;ngers in diversen europ&auml;ischen H&auml;fen festgehalten werden. Vor sechs Wochen gaben wir bekannt, dass unsere Unternehmen bereit sind, auf die Rechte an diesem D&uuml;nger zu verzichten, damit er schnell an die Entwicklungsl&auml;nder geschickt werden kann, die ihn brauchen.<\/p><p>Viele Leute wollen ihn haben. (6) Die EU hat jetzt sechs Wochen lang nachgedacht und kommt zu keiner Entscheidung. Der D&uuml;nger geh&ouml;rt uns nicht mehr, sondern der EU. Sie sollten ihn den L&auml;ndern &uuml;berlassen, die auf der Liste des UN-Ern&auml;hrungsprogramms stehen. <\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Wir waren Ende M&auml;rz 2022, ohne Vermittler, mit den Eckpunkten der Einigung einverstanden, die die ukrainische Delegation selbst formuliert hatte. Wir akzeptierten diese ohne jede &Auml;nderung. Am Tag danach fingen sie an, &Auml;nderungsantr&auml;ge zu stellen. Sie stritten das ab, es sei anders gewesen.<\/p><p><strong>#Die Toten von Bucha und Izium<\/strong><\/p><p>Dann kam die Provokation (7) in Bucha. Als die russischen Truppen sich von dort in einer Geste des guten Willens zur&uuml;ckzogen, kehrte der B&uuml;rgermeister zur&uuml;ck in die Stadt. Zwei Tage lang war er im Fernsehen zu sehen und berichtete &uuml;ber die Normalisierung des Lebens dort. Am dritten Tag zeigten sie dann eine breite Stra&szlig;e mit Leichen. Die Vorstellung, dass der B&uuml;rgermeister mit seinem Team zwei Tage in der Stadt verbringt und die Leichen auf der Hauptstra&szlig;e erst am dritten Tag entdeckt, ist einfach l&auml;cherlich.<\/p><p>Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn Sie Folgendes an die Ukrainer und ihre Freunde weiterleiten k&ouml;nnten. Wir fragen seit Monaten an, weil jeder auf einer gr&uuml;ndlichen Untersuchung der Vorg&auml;nge in Bucha bestand, uns die Namen der Leute zu geben, deren Leichen im Fernsehen und Internet gezeigt wurden. Die Antwort ist Schweigen.<\/p><p>Ich brachte dies auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur Sprache und bat Herrn Generalsekret&auml;r Antonio Guterres unter vier Augen, dort nachzuhaken. Wie kann man das verstehen? Sie machten einen Skandal daraus und nahmen ihn zum Anlass f&uuml;r ein weiteres Paket antirussischer Sanktionen, und forderten eine Untersuchung. Der erste Schritt einer Untersuchung ist doch, mindestens die Identit&auml;t der Leute festzustellen, die dort angeblich von der russischen Armee brutal ermordet wurden.<\/p><p>Jetzt vor kurzem gab es einen Fall in der Stadt Izium, mit Berichten &uuml;ber Massengr&auml;ber &bdquo;gefolterter&ldquo; ukrainischer Bewohner. Sie zeigten einen Friedhof, zweifellos mit Gr&auml;bern, aber nicht mit Massengr&auml;bern. Auf jedem Grab war ein christlich orthodoxes Kreuz. Es waren Leute begraben. Die Ukrainer fingen an, sie auszugraben. Einige ausl&auml;ndische Journalisten wollten hingehen und selber nachsehen. Die ukrainische F&uuml;hrung lie&szlig; das nicht zu, und jetzt schreibt keiner mehr &uuml;ber Izium. Bitte beachten Sie Folgendes: Jetzt ist eine Zeit, in der die Leute begierig auf Sensationsmeldungen sind, aber die Verantwortung derjenigen, die solche Meldungen ohne gr&uuml;ndlichen Faktencheck verbreiten, erh&ouml;ht sich unter den jetzt herrschenden Umst&auml;nden auf ein Vielfaches.<\/p><p><strong>#Gespr&auml;chsbereitschaft<\/strong><\/p><p><strong>Frage: <\/strong>Sie haben ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Einmischung der NATO gesprochen. Sehen Sie am Ende dieses Krieges (ob Sie es Krieg nennen oder nicht, es scheint einer zu sein) irgendwelche Gespr&auml;che mit den USA, die f&uuml;r Russland zu mehr Sicherheit f&uuml;hrt vor dem, was Sie als &Uuml;bergriffe der NATO bezeichnen?<\/p><p><strong>Lawrow<\/strong>: Ich habe heute schon dar&uuml;ber gesprochen, und ich wiederhole es noch einmal. Wir sind f&uuml;r Gespr&auml;che offen. Wenn solche Vorschl&auml;ge kommen, sind wir dazu bereit. Wenn unsere Partner ein inoffizielles Gespr&auml;ch w&uuml;nschen, von dem niemand wei&szlig;, ist das OK. Reden ist immer besser als nicht zu reden. Aber in der Situation, wie sie heute ist, wird Russland nicht den ersten Schritt machen.<\/p><p>Im Jahr 2014 wurde alles zerst&ouml;rt, nachdem die EU alle Kontakte abbrach und die umfangreiche Architektur unserer Beziehungen annullierte. Wir lie&szlig;en sie wissen, dass wir jederzeit bereit sind, wenn sie etwas zu besprechen haben. Ob wir auch dar&uuml;ber sprechen wollen, wird sich zeigen. Doch als wir die zuk&uuml;nftige Sicherheitsarchitektur Europas besprechen wollten, warf die NATO fast das ganze Personal unserer NATO-Vertretung hinaus, bis auf 8 Leute, zu denen auch ein Fahrer und andere Hilfskr&auml;fte geh&ouml;rten. Das ist einfach nicht seri&ouml;s. Wir schlossen das B&uuml;ro, oder beendeten jedenfalls unsere Arbeit dort.<\/p><p>In diesen letzten Tagen habe ich allen m&ouml;glichen Vermittlern, die ihre Dienste anboten (und das waren etliche) gesagt: H&ouml;rt euch Wladimir Selenskij an. <strong>Er sagte, die Ukraine wird Russland besiegen, alle Territorien befreien, und dass sein Friedensplan keinen Neutralit&auml;tsstatus vorsieht<\/strong>. Das ist ein Hinweis darauf, dass sein Land NATO-Mitglied werden soll.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Wie gesagt, wenn sie reden wollen, h&ouml;ren wir uns das an. Wir nehmen nicht selbst Kontakt auf. Wir haben unsere Lektion gelernt. <strong>Sie sind absolut nicht vertrauensw&uuml;rdig, und selbsts&uuml;chtig bis auf die Knochen. Sie stellen sich und ihre Interessen immer an die erste Stelle<\/strong> und suchen oder bewahren keinen Interessenausgleich.<\/p><p>Journalisten von Reuters und ein deutscher Journalist haben mir Fragen gestellt, und aus der Art dieser Fragen, aus ihrer Wortwahl wurde klar, dass die westlichen Eliten an der D&auml;monisierung Russlands festhalten wollen. Die Fragen zeigten kein Interesse an dem, was Sie jetzt gefragt haben, n&auml;mlich, ob Dialog m&ouml;glich ist. Ob sie das Gespr&auml;ch suchen, werden wir sehen. <\/p><p><strong>Frage<\/strong>: Diese Woche haben wir viele Staatschefs reden h&ouml;ren, die alle ein Ende des Ukrainekrieges forderten, der globale Auswirkungen hat. Und wir h&ouml;rten Milit&auml;rexperten sagen, dass keine Seite ein Interesse an Verhandlungen hat, weil beide Seiten glauben, milit&auml;risch gewinnen zu k&ouml;nnen. Wie w&uuml;rden Sie auf die beiden Ansichten antworten?<\/p><p><strong>Lawrow: <\/strong>Das habe ich schon beantwortet, aber ich tue es nochmal. Kurz nach dem Beginn unserer SMO schlug die ukrainische Seite vor, Gespr&auml;che zu f&uuml;hren, um einen Weg zu einer Einigung zu finden. Wir waren einverstanden. Darauf folgten mehrere Gespr&auml;chsrunden, erst in Belarus und sp&auml;ter online.<\/p><p>Die Ukrainer konnten ihre Vorschl&auml;ge nicht erkl&auml;ren. Am 29. M&auml;rz gab es dann ein Treffen in Istanbul, bei dem sie ein Dokument mit Eckpunkten f&uuml;r eine Einigung vorlegten. Wir akzeptierten es, ohne einen Punkt zu &auml;ndern. Wir schrieben diese Vereinbarungen auf und schickten es an die Ukraine.<\/p><p><strong>#Bucha beendete alle Gespr&auml;che<\/strong><\/p><p>Und dann kam Bucha, wovon ich schon gesprochen habe. Wir warten immer noch auf die Namen der Opfer und wir werden weiter darauf bestehen. Und dann sagten die Amerikaner den Ukrainern, sie sollten keinerlei Vereinbarungen mit Russland akzeptieren, sondern mehr Siege auf dem Schlachtfeld gewinnen.<\/p><p>Josep Borrell, der Chefdiplomat der EU, der diplomatisch agieren sollte, sagte, der Krieg m&uuml;sse mit einem ukrainischen Sieg auf dem Schlachtfeld enden. Fr&uuml;her orientierte man sich an Boris Johnson, jetzt an Liz Truss. Sie alle sagen ungef&auml;hr das Gleiche, die NATO und alle anderen, n&auml;mlich dass die Krim zur&uuml;ckerobert werden m&uuml;sse.<\/p><p>&Uuml;ber welche Gespr&auml;che kann man in dieser Situation sprechen? Bei unserem letzten Kontakt mit den Ukrainern haben wir ihr Eckpunktepapier akzeptiert. Aber dann sind sie auf einen v&ouml;llig anderen Pfad eingeschwenkt. Nehmen Sie Wladimir Selenskij, der hier am 21. September sagte, dass es keine Kompromisse geben werde. Dass ihr Frieden der Krieg ist und so weiter. Ich wei&szlig; nicht, was es da zu besprechen gibt.<\/p><p>Ein Vermittlerteam einer respektierten internationalen regionalen Organisation, mit denen ich mich hier getroffen habe, wollte weiterreisen nach Kiew und fragte, welche Botschaft wir ihnen mitgeben wollten. Ich antwortete, die Ukrainer w&uuml;ssten &uuml;ber alles Bescheid, ich h&auml;tte ihnen alles gesagt und sie selbst h&auml;tten die Gespr&auml;che abgebrochen.<\/p><p>Im Sommer wurde Pr&auml;sident Putin gefragt, warum die Russen nicht verhandeln wollten. Er antwortete, dass wir nichts gegen Gespr&auml;che haben, aber dass diejenigen, die nicht reden wollten, wissen sollten, dass, je l&auml;nger sie warteten, desto schwieriger die Verhandlungen sein w&uuml;rden. Wir haben immer wieder guten Willen gezeigt, aber die andere Seite ist nicht bereit, das Gleiche zu tun.<\/p><p>Ich fragte die Vermittler, die nach Kiew weiterreisen wollten, ob sie ihre Vermittlungsabsichten mit den Amerikanern abstimmen w&uuml;rden. Das lie&szlig; sie erstarren, und sie sagten, dass sie nur ein Mandat f&uuml;r Gespr&auml;che zwischen Russland und der Ukraine h&auml;tten.<\/p><p>Warum nur? Das ergibt keinen Sinn. Kann nicht jeder vern&uuml;nftige Mensch sehen, dass die Ukraine unter Kontrolle der USA steht, und, in wachsendem Ma&szlig;e, unter der Kontrolle Londons? Jeder wei&szlig; das. Journalisten aus Europa, Gro&szlig;britannien und den USA fragen, warum wir nicht offen f&uuml;r Kontakte sind. Aber die haben sie selbst verhindert.<\/p><p>Ich habe ihnen berichtet, wie die EU dem zypriotischen Pr&auml;sidenten jedes Gespr&auml;ch mit mir verbot. Ein Repr&auml;sentant eines st&auml;ndigen Mitglieds des Sicherheitsrates und ein Repr&auml;sentant eines anderen respektierten Landes haben sch&uuml;chtern, ja verstohlen um ein geheimes Treffen mit mir gebeten. Ich hie&szlig; sie willkommen. Darauf verschwanden sie einfach vom Radar. Das Gleiche geschah mit einem anderen Premierminister. Also, stellen Sie nicht uns als die Dr&uuml;ckeberger dar.<\/p><p>Anmerkungen des &Uuml;bersetzers:<\/p><ul>\n<li>Die neue Premierministerin des UK, Liz Truss, wurde nach ihrer Nominierung in einem Fernsehstudio interviewt. Ob es ihr nicht, wie ihm selbst, den Magen umdrehe, fragte der Interviewer, wenn sie den Atomknopf dr&uuml;cken m&uuml;sse, um die sichere gegenseitige Vernichtung auszul&ouml;sen. Truss antwortete, dies sei eine wichtige Aufgabe der Premierministerin, sie sei bereit dazu. Das Publikum im Studio applaudierte. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CM8evVhzHPI\">youtube.com\/watch?v=CM8evVhzHPI<\/a><\/li>\n<li>Der Ezulwini-Konsens ist ein 2005 von der Afrikanischen Union beschlossenes Positionspapier, das eine Repr&auml;sentation Afrikas im UN-Sicherheitsrat anstrebt. Es ist nach dem Tagungsort, dem Ezulwinital im damaligen Swaziland, benannt.<\/li>\n<li>Der Begriff des Exzeptionalismus ist eigentlich f&uuml;r die USA reserviert, f&uuml;r die dort weitverbreitete, quasireligi&ouml;se &Uuml;berzeugung, man sei allen anderen Nationen und V&ouml;lkern &uuml;berlegen und zur Herrschaft &uuml;ber sie bestimmt, samt den daraus abgeleiteten Sonderrechten und -befugnissen. Lawrow &uuml;bertr&auml;gt ihn hier auf die Europ&auml;er, die aus seiner Sicht von &auml;hnlichem Geiste beseelt sind. <\/li>\n<li>Die f&uuml;nf st&auml;ndigen Mitgliedsl&auml;nder des UN-Sicherheitsrates sind die USA, Russland, China, England und Frankreich. Au&szlig;erdem gibt es im Sicherheitsrat 10 Sitze f&uuml;r &bdquo;nichtst&auml;ndige&ldquo; Mitglieder, die nach einem Rotationsschema besetzt werden.<\/li>\n<li>Die &bdquo;Kontaktlinie&ldquo; im Donbass ist eine Waffenstillstandslinie, die in den K&auml;mpfen seit 2014 entstanden ist. Sie umschlie&szlig;t ein kleines Kerngebiet der beiden Oblasten Lugansk und Donezk.<\/li>\n<li>Infolge der Gasknappheit ist D&uuml;nger auch f&uuml;r die Europ&auml;er zum hei&szlig;begehrten Gut geworden, denn bei seiner Herstellung wird viel Erdgas verbraucht.<\/li>\n<li>Mit &bdquo;Provokation&ldquo; meint Lawrow eine False-Flag-Inszenierung, bei der eine Gr&auml;ueltat begangen oder simuliert wird, um sie der anderen Seite (hier: Russland) anzuh&auml;ngen.<\/li>\n<\/ul><p>Link auf die Originaldatei: <a href=\"https:\/\/mid.ru\/en\/foreign_policy\/news\/1831220\/\">mid.ru\/en\/foreign_policy\/news\/1831220\/<\/a><\/p><p><strong>Nachtrag: Typische Reaktionen westlicher Medien auf die Rede von Putin vom 30.9.2022<\/strong><\/p><p><strong>Tagesschau:<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221004-Lawrow-ts.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><strong>Der Standard:<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221004-Lawrow-ds.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><strong>Die Zeit:<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221004-Lawrow-dz.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><strong>Focus:<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221004-Lawrow-df.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Titelbild: Shutterstock \/ A_Lesik<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Au&szlig;enminister hat im Anschluss an seine Rede vor der UNO am 24. September eine Pressekonferenz gegeben. Die NachDenkSeiten geben hiermit eine &Uuml;bersetzung dieser Pressekonferenz zur Kenntnis. Zusammen mit den beiden schon gestern ver&ouml;ffentlichten Dokumenten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88767\">Pilger und Putin &ndash; zwei zur parallelen Lekt&uuml;re empfohlene Texte (nachdenkseiten.de)<\/a> gibt dieses Dokument Aufschluss &uuml;ber die Ver&auml;nderungen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88780\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":88781,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,171],"tags":[1519,3285,3240,3004,3024,2301,304,1313,2111,849,466,3175,3011,663,259,2620,639,1556,1703,1464,2377,1019,3226],"class_list":["post-88780","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-duengemittel","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-donbass","tag-ethnische-minderheiten","tag-konfrontationspolitik","tag-kriegsverbrechen","tag-krim","tag-lawrow-sergej","tag-nahrungsmittel","tag-nato","tag-neutrale-laender","tag-nuland-victoria","tag-putsch","tag-russland","tag-selenskyj-wolodymyr","tag-uno","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-volksabstimmung","tag-waffenlieferungen","tag-wirtschaftssanktionen","tag-xenophobie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/shutterstock_1265859127.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88780"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88819,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88780\/revisions\/88819"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/88781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}