{"id":88914,"date":"2022-10-07T10:00:42","date_gmt":"2022-10-07T08:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88914"},"modified":"2022-10-07T15:19:26","modified_gmt":"2022-10-07T13:19:26","slug":"kehraus-im-krankenhaus-wie-man-kliniken-von-stoerfaktoren-wie-patienten-und-beschaeftigten-befreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88914","title":{"rendered":"Kehraus im Krankenhaus: Wie man Kliniken von St\u00f6rfaktoren wie Patienten und Besch\u00e4ftigten befreit"},"content":{"rendered":"<p>Die von Karl Lauterbach zwecks Krankenhausreform installierte Expertenkommission will in gro&szlig;em Stil die station&auml;re Versorgung zur&uuml;ckfahren und auf lange Sicht niedergelassenen &Auml;rzten &uuml;berantworten. W&auml;hrend Kritiker darin die n&auml;chste Stufe eines organisierten Kliniksterbens sehen, verspricht der Gesundheitsminister geringere Kosten, mehr Qualit&auml;t und weniger Pflegenotstand. Seine Berater f&uuml;hren hingegen ziemlich offen den gro&szlig;en Kahlschlag im Schilde, zu dem er sich selbst auch schon einmal bekannt hat. Aber das ist lange her und damals hatte er nichts zu sagen. Das waren noch bessere Zeiten, findet <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7428\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-88914-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=88914-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221007-Kehraus-im-Krankenhaus-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Kaufh&auml;user? Wer kennt sie noch? Das sind Gesch&auml;fte, in denen man so ziemlich alles bekommt, was man zum Leben braucht: Essen, Kleidung, Schreibwaren, eben das volle Sortiment. Heute gibt es reihenweise Gro&szlig;st&auml;dte, in denen man derlei nicht mehr antrifft, und wo es Karstadt oder Kaufhof noch gibt, siechen sie ihrem Ende entgegen, wof&uuml;r die Besch&auml;ftigten mit immer neuen Entbehrungen bluten. Die Schuldigen sind das Internet und riesige Shopping Malls, die die City zuklotzen und f&uuml;r praktisch jeden Artikel einen eigenen Laden vorhalten. Aber fehlt mal N&auml;hgarn oder ein Hosenknopf, ist man aufgeschmissen. <\/p><p>Wie im Einzelhandel vollzieht sich auch in der Krankenhauslandschaft eine folgenschwere Gezeitenwende: Weg vom Vollversorger, hin zu immer mehr Spezialisten. Schuld daran hat vielleicht ein bisschen die Digitalisierung, aber viel mehr eine seit 20 Jahren mit Brachialgewalt vorangetriebene &Ouml;konomisierung und Privatisierung, denen mit der Einf&uuml;hrung der Fallpauschalen nach dem DRG-System (Diagnosis Related Groups) der fruchtbarste Boden bereitet wurde. Unter dem Vorwand, damit vermeintlich ausufernde Kosten des bis dahin noch weitgehend solidarischen Gesundheitswesens zu b&auml;ndigen, stieg die BRD in der Folgezeit zum Land mit dem weltweit h&ouml;chsten Anteil an Klinikbetten in privatwirtschaftlicher Tr&auml;gerschaft auf. Wobei die aktuell rund 40 Prozent nur eine Durchgangsmarke sind. <\/p><p><strong>Aushungern mit System<\/strong><\/p><p>H&auml;user in staatlicher Regie verloren und verlieren dagegen massiv an Substanz beziehungsweise verschwanden haufenweise von der Bildfl&auml;che. 1991 z&auml;hlte man hierzulande noch &uuml;ber 2.400 Kliniken mit insgesamt 666.000 Betten. 2019 waren es noch 1.914 Spit&auml;ler mit 494.000 Betten, was einem R&uuml;ckgang von 21 beziehungsweise 26 Prozent entspricht. Ein wesentlicher Faktor der Entwicklung ist die Unterfinanzierung durch die L&auml;nder, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung, die erforderlichen Investitionsmittel der Kliniken (duale Krankenhausfinanzierung) bereitzustellen, nicht nachkommen. Von den Notwendigkeiten stemmen sie seit langem <a href=\"https:\/\/www.gkv-spitzenverband.de\/gkv_spitzenverband\/presse\/pressemitteilungen_und_statements\/pressemitteilung_1459200.jsp\">bestenfalls die H&auml;lfte<\/a>. Das kann man Sparpolitik nennen oder Aushungern mit System. <\/p><p>Die Folgen sind jedenfalls ein gigantischer Sanierungsstau, wodurch die Wettbewerbsf&auml;higkeit gegen&uuml;ber den Privaten immer weiter erodiert, sowie ein chronisch defizit&auml;rer Klinikbetrieb, weil die ohnehin knapp bemessenen Leistungsverg&uuml;tungen durch die Krankenkassen zweckentfremdet in andere Bereiche flie&szlig;en, um den Laden irgendwie am Laufen zu halten. Mit Corona hat sich die Lage noch versch&auml;rft: 2020 und 2021 gab es bundesweit jeweils rund <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80685\">2,5 Millionen weniger Behandlungsf&auml;lle<\/a> als noch 2019 und das laufende Jahr best&auml;tigt bisher diesen Trend. In der Konsequenz schreiben derzeit etwa <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/krankenhausmarkt-leere-betten-leere-kassen-60-prozent-der-kliniken-schreiben-rote-zahlen\/28448410.html\">60 Prozent aller Standorte rote Zahlen<\/a> und jeder f&uuml;nfte gilt als insolvenzgef&auml;hrdet. <\/p><p>Hilfe tut da bitter not und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) tut auch so, als wolle er helfen. Im Mai berief er die &bdquo;Regierungskommission f&uuml;r eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung&ldquo;, die die Weichen f&uuml;r eine f&uuml;r 2023 geplante gro&szlig;e Krankenhausreform stellen soll. In der Vorwoche legte das 17-k&ouml;pfige Gremium seine bis dato <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/K\/Krankenhausreform\/BMG_REGKOM_Bericht_II_2022.pdf\">&bdquo;zweite Stellungnahme&ldquo;<\/a> vor. Der Titel des Papiers: &bdquo;Tagesbehandlung im Krankenhaus zur kurzfristigen Entlastung der Krankenh&auml;user und des Gesundheitswesens.&ldquo; <\/p><p><strong>Und raus bis Du?<\/strong><\/p><p>Im Kern empfehlen die Experten darin, &bdquo;s&auml;mtliche bislang vollstation&auml;r erbrachten Behandlungen als Tagesbehandlungen durchzuf&uuml;hren, soweit dies medizinisch vertretbar ist&ldquo;. Sp&auml;testens zum 1. Januar 2023 sollen demnach alle nicht unbedingt n&ouml;tigen Klinik&uuml;bernachtungen vermieden und die Betroffenen im klinischen Tagesbetrieb versorgt werden. Daf&uuml;r m&uuml;ssten sie dann mithin an mehreren Tagen in Folge in der Klinik erscheinen, wobei auch zweit&auml;gige Unterbrechungen m&ouml;glich w&auml;ren. Bei der Vorstellung der Pl&auml;ne sprach der Kommissionskoordinator Tom Bschor von einem <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/137717\/Krankenhausreform-Lauterbach-will-jede-vierte-stationaere-Behandlung-ambulantisieren\">&bdquo;Gamechanger&ldquo;<\/a> und sch&auml;tzte, dass k&uuml;nftig bis zu 25 Prozent der Therapien ambulantisiert werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Das Ganze h&auml;tte, so es denn hinhaut, den Nebeneffekt, dass es weniger Pflegekr&auml;fte bed&uuml;rfte, wie Lauterbach anmerkte. Weniger &Uuml;bernachtungen bedeuteten weniger Betten und damit weniger Pflegeaufwand. Mittels geringerer Belegungszahlen lie&szlig;en sich Lasten reduzieren und durch den Wegfall von Nacht- und Wochenenddiensten die Attraktivit&auml;t des Berufs steigern. Bschor erg&auml;nzte: &bdquo;Nacht- und Wochenenddienste gelten als die am meisten belastenden. Sie sind familienfeindlich und gegen den Biorhythmus.&ldquo; Das ist zwar mitf&uuml;hlend, &auml;ndert aber nichts an der Grundmisere. Eine echte Wende in der Pflege lie&szlig;e sich nur mit durchgreifend besseren Arbeitsbedingungen und deutlich h&ouml;heren Geh&auml;ltern einleiten. Genau das steht aber nicht auf der Reformagenda, weil es die Profitmargen der gro&szlig;en Krankenhauskonzerne und kleinen Privatkliniken schm&auml;lern w&uuml;rde. Kranke und mit ihnen gewiss noch mehr Besch&auml;ftigte vor die T&uuml;r zu setzen, passt da viel besser ins Kalk&uuml;l.  <\/p><p>Kein Zweifel: Wo eine station&auml;re Behandlung medizinisch nicht angezeigt ist, weil keine Gef&auml;hrdung durch die n&auml;chtliche Abwesenheit besteht, macht es wirtschaftlich Sinn, die Betreuung ambulant vorzunehmen. Wobei sicher nicht alle Betroffenen ein mehrmaliges Aufsuchen des Krankenhauses als Zugewinn erachten, w&auml;hrend es andere sehr wohl vorziehen werden, im eigenen Bett zu n&auml;chtigen. Deshalb will man auch nicht auf Zwang setzen, sondern auf Freiwilligkeit, oder wie Bschor es ausdr&uuml;ckte: &bdquo;Es gibt auch Patienten, die sagen, sie haben Angst zu Hause, sie trauen sich das nicht zu. Das muss ber&uuml;cksichtigt werden.&ldquo; Die Frage ist nur, ob solche Befindlichkeiten im rauen Klinikalltag z&auml;hlen und ob nicht auch in Grenzf&auml;llen &ouml;konomische Handlungsmotive bei der Entscheidung &bdquo;hierbehalten oder wegschicken&ldquo; den Ausschlag geben. <\/p><p><strong>Goldenes H&uuml;ftgelenk<\/strong><\/p><p>Denn nat&uuml;rlich soll sich das Ausquartieren lohnen, wof&uuml;r man das DRG-System um eine Sonderberechnung erg&auml;nzen will. Im Ergebnis fallen die eingesparten Kosten gr&ouml;&szlig;er aus als die Verg&uuml;tungsk&uuml;rzungen durch die wegfallenden &Uuml;bernachtungen. Thomas Strohschneider, ehemaliger Chefarzt bei einem privaten Klinikkonzern, schildert in seinem j&uuml;ngst erschienenen Buch &bdquo;Krankenhaus im Ausverkauf&ldquo; sehr eindr&uuml;cklich, wie Mediziner unter dem st&auml;ndigen Druck der Gesch&auml;ftsleitung beziehungsweise des Klinikeigners mitunter Diagnosen stellen und Therapien verordnen, die medizinisch zweifelhaft, kontraproduktiv oder gar gef&auml;hrlich sind, nur um beispielsweise die Planzahlen beim Einbau k&uuml;nstlicher H&uuml;ftgelenke zu erf&uuml;llen. <\/p><p>Wie viel leichter k&ouml;nnte da in Zukunft das Votum fallen, Oma Erna mit ihrem leichten Bluthochdruck f&uuml;r die Nacht ins heimische Schlafzimmer abzuschieben. Das Beispiel ist &uuml;berspitzt, steht aber f&uuml;r sicherlich nicht wenige F&auml;lle im t&auml;glichen Gesch&auml;ft, in denen die fragliche Entscheidung Spitz auf Knopf steht und die Alternative Mehreinnahmen oder Mehrkosten das &auml;rztliche Urteilsverm&ouml;gen tr&uuml;ben k&ouml;nnte. &Uuml;berhaupt muss man fragen, warum in Deutschland vergleichsweise mehr vollstation&auml;re Behandlungen erfolgen als anderswo. Lauterbach verwies auf eine rund 50 Prozent h&ouml;here Quote als in den Nachbarl&auml;ndern, um damit das Bild von R&uuml;ckst&auml;ndigkeit hervorzurufen. Aber: K&ouml;nnte die hohe Quote nicht auch ein G&uuml;tesiegel sein und ein Beleg daf&uuml;r, dass das Wohl und die Sicherheit der Patienten einen h&ouml;heren Stellenwert genie&szlig;en als etwa in England oder Polen? Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo in der Mitte zwischen beiden Positionen. <\/p><p>Klarer l&auml;sst sich sagen, dass die Lauterbach-Kommission ganz sicher keinen Beitrag zu einer &bdquo;bedarfsgerechten&ldquo; Versorgung leisten wird. Daf&uuml;r sind viele der Beteiligten einfach zu neoliberal gestrickt. Das Mantra der sogenannten Gesundheits&ouml;konomen lautet stattdessen, die Versorgungslandschaft radikal zu bereinigen, um so den Kuchen der durch die Beitragszahler finanzierten Erl&ouml;se auf noch weniger Profiteure zu verteilen. Denkfabriken wie die Bertelsmann Stiftung, die Wissenschaftsakademie Leopoldina oder die Robert Bosch Stiftung wollen die Zahl der Kliniken nach der Leitlinie &bdquo;Effizienz, Spezialisierung, Zentralisierung&ldquo; auf wenige hundert der aktuell noch rund 1.900 Standorte eindampfen. Zum Beispiel trommeln die Bertelsm&auml;nner f&uuml;r eine Reduzierung auf 600, um, wie es hei&szlig;t, <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2019\/juli\/eine-bessere-versorgung-ist-nur-mit-halb-so-vielen-kliniken-moeglich\">&bdquo;viele Komplikationen und Todesf&auml;lle&ldquo;<\/a> zu verhindern.<\/p><p><strong>Schlie&szlig;ung hei&szlig;t jetzt &bdquo;Umwandlung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die j&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung dieser Machart von Anfang September geht auf das Konto der Stiftung M&uuml;nch, eines mit &bdquo;Gesundheits&ouml;konomie&ldquo; und &bdquo;Netzwerkmedizin&ldquo; befassten Thinktanks. Geworben wird in der Studie f&uuml;r eine umfassende <a href=\"https:\/\/www.stiftung-muench.org\/umwandeln-statt-schliessen-wie-krankenhaeuser-an-den-bedarf-der-versorgung-vor-ort-angepasst-werden-koennen\/\">&bdquo;Umwandlung&ldquo;<\/a> von Allgemeinkrankenh&auml;usern in &bdquo;ambulante Kliniken, &Uuml;berwachungskliniken und Fachkliniken&ldquo;. Damit sind auch sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gemeint, also hochspezialisierte H&auml;user ohne Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft und Notfallversorgung. Vor allem sie stehen gegenw&auml;rtig im Fokus von Renditej&auml;gern, weil sie mit ihrem Gesch&auml;ftsmodell das Maximum aus dem DRG-Verg&uuml;tungssystem herausholen. <\/p><p>Dieses belohnt insbesondere Spezialeingriffe wie das Einsetzen von Prothesen, wogegen die Behandlung multimorbider und alternder Patienten h&auml;ufig mit finanziellen Verlusten einhergeht. Da diese F&auml;lle aber zur Hauptklientel von Allgemeinkrankenh&auml;usern geh&ouml;ren, stehen eben diese Vollversorger, gerade solche in l&auml;ndlichen Regionen, in gro&szlig;er Zahl mit dem R&uuml;cken zur Wand. Entweder machen die H&auml;user fr&uuml;her oder sp&auml;ter dicht oder sie werden zur Beute der gro&szlig;en Klinikketten, die sich die lukrativen Filetst&uuml;cke herausgreifen und die defizit&auml;ren Abteilungen abwickeln: Kinderkliniken, Krei&szlig;s&auml;le, Notaufnahmen. Und schwupps ist wieder ein echtes Krankenhaus von der Bildfl&auml;che verschwunden. <\/p><p>Besagte Stiftung M&uuml;nch, die dieses Gesch&auml;ftsgebaren mit ihrer &bdquo;Expertise&ldquo; pusht, wird vom Vorstandsvorsitzenden Boris Augurzky gef&uuml;hrt. Er ist au&szlig;erdem Leiter des Kompetenzbereichs &bdquo;Gesundheit&ldquo; beim Leibniz-Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI), das unl&auml;ngst eine Studie zu den Auswirkungen von Klinikschlie&szlig;ungen ver&ouml;ffentlicht hat &ndash; mit den Befunden: <a href=\"https:\/\/www.rwi-essen.de\/presse\/wissenschaftskommunikation\/pressemitteilungen\/detail\/krankenhausschliessungen-laengere-fahrzeiten-weniger-krankenhausaufenthalte\">&bdquo;L&auml;ngere Fahrzeiten, weniger Krankenhausaufenthalte&ldquo;<\/a>. Die Autoren folgern, die Schlie&szlig;ung einer Klinik k&ouml;nne &bdquo;zu einer besseren Behandlungsqualit&auml;t f&uuml;hren&ldquo; und eine &bdquo;wichtige Ma&szlig;nahme&ldquo; sein, &bdquo;um die Effizienz zu erh&ouml;hen und eine personelle Mindestbesetzung zu gew&auml;hrleisten&ldquo;. Abwicklungen m&uuml;ssten &bdquo;sorgf&auml;ltig geplant werden und mit Konzepten zur Ausweitung der ambulanten Versorgung einhergehen&ldquo;. <\/p><p><strong>&bdquo;Resilient gegen Lobbydruck&ldquo;<\/strong><\/p><p>Und f&uuml;r eben diesen gro&szlig;en Sprung in der Ambulantisierung setzt sich jetzt auch Lauterbachs Expertenrat ein, in dessen Mitte &ndash; dreimal d&uuml;rfen Sie raten &ndash; der gute Herr Augurzky sitzt, neben &auml;hnlich gesonnenen Leuten wie Reinhard Busse, Professor f&uuml;r Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universit&auml;t Berlin. Daneben steht dieser dem uni-internen, durch das Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung (BMBF) gef&ouml;rderten Gesundheits&ouml;konomischen Zentrum Berlin (BerlinHECOR) vor, f&uuml;r das Gesundheit zuallererst ein Gegenstand <a href=\"https:\/\/www.mig.tu-berlin.de\/berlinhecor\/main0\/\">&bdquo;umfassender Leistungsmessung&ldquo;<\/a> ist. Busse hatte mitten in der Hochphase der Pandemie im Fr&uuml;hjahr 2021 den Schneid, die in der Krise eingebrochenen Patientenzahlen zum Anlass zu nehmen, Strukturen der &Uuml;berversorgung zu gei&szlig;eln, weshalb <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70975\">&bdquo;eine echte Reform hin zu technisch und personell ad&auml;quat ausgestatteten Krankenh&auml;usern &uuml;berf&auml;llig ist&ldquo;<\/a>. <\/p><p>Bei solch einer Besetzung nimmt es nicht wunder, dass Lauterbach &ndash; der Wegbereiter des Fallpauschalensystems, der erkl&auml;rte, dass <a href=\"https:\/\/twitter.com\/karl_lauterbach\/status\/1135874165599285249?lang=de\">&bdquo;jeder wei&szlig;, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schlie&szlig;en sollten&ldquo;<\/a>  &ndash; voll des Lobes ob der Ergebnisse ist und zwecks Umsetzung rasch zur Tat schreiten will, um, wie das Handelsblatt (hinter Bezahlschranke) titelte, die Krankenhauslandschaft zu &bdquo;retten&ldquo;. Und den N&ouml;rglern von der Kassen&auml;rztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und vom GKV-Spitzenverband, die die Hoppladihopp-Attit&uuml;de beim Gro&szlig;reformieren ohne Mitsprache durch Verbands- und Patientenvertreter r&uuml;ffeln, beschied der Gescholtene, sein Haus sei &bdquo;sehr resilient, was Lobbydruck angeht&ldquo;. <\/p><p>Das w&auml;re ein guter Lacher zum Abschluss, g&auml;be es nicht noch diejenigen zu w&uuml;rdigen, die die Krankenh&auml;user wirklich retten wollen. &bdquo;Entsetzt&ldquo; &auml;u&szlig;erte sich die <a href=\"https:\/\/schlusskliniksterbenbayern.jimdofree.com\/app\/download\/14693356732\/2022_09_27_Gesundheitsminister+Karl+Lauterbach+und+seine+Regierungskommission+planen+ein+organisiertes+Kliniksterben+durch+Ambulantisierung+klinischer+Leistungen.pdf?t=1664341024\">&bdquo;Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern&ldquo;<\/a> ob der neusten Pl&auml;ne. Die Kommission strebe mit einer breiten Ambulantisierung der klinischen Leistungen eine &bdquo;deutliche Bettenreduktion&ldquo; an, beklagten die Aktivisten in einer Medienmitteilung und weiter: &bdquo;Das ist die Aufgabe des gesundheitspolitischen Konsenses in Deutschland.&ldquo;  <\/p><p><strong>Mit Hybridantrieb auf Geisterfahrt<\/strong><\/p><p>Die Aktivisten sagen ein &bdquo;organisiertes Kliniksterben&ldquo; in mehreren Stufen voraus: &Uuml;ber das DRG-System w&uuml;rden Anreize gesetzt, sich auf ambulante Behandlungen zu konzentrieren. Parallel f&uuml;hre das Definieren von Mindestmengen f&uuml;r station&auml;re Leistungen dazu, dass kleine Krankenh&auml;user sukzessive aus der station&auml;ren Leistungserbringung herausgedr&auml;ngt werden. Zudem wolle die Kommission auf l&auml;ngere Sicht sogenannte Hybrid-DRGs einf&uuml;hren, mit denen ambulante Therapien auch von niedergelassenen &Auml;rzten vorzunehmen w&auml;ren. Nicht spezialisierten Kliniken k&auml;me damit noch mehr Kundschaft abhanden und Vollversorgern mit ihrer unterverg&uuml;teten Rundum- und Notfallmedizin gerieten zur Ausnahmeerscheinung. Die Aktionsgruppe warnt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viele Einwohner in l&auml;ndlichen Regionen werden ein Allgemeinkrankenhaus mit station&auml;rer Notfallversorgung nicht mehr binnen 30 Fahrzeitminuten erreichen. Dies kann bei eskalierenden Krankheitsverl&auml;ufen lebensentscheidend sein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Noch ein Wort zu den Hybrid-DRGs, mit welchen die Kommission in einer &bdquo;zweiten Reformstufe&ldquo; bisher station&auml;re Behandlungen in den vertrags&auml;rztlichen Bereich verlagern will. Denn irgendwo m&uuml;ssen Kranke ja hin, wenn es k&uuml;nftig nur noch wenige hundert Spit&auml;ler gibt. Allerdings wird das Kliniksterben seit langem von einem nicht minder verheerenden Praxissterben begleitet, gerade auf dem Land. Immerhin wurde der Trend wenigstens ein bisschen gebremst durch das vor drei Jahren von Ex-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgelegte Terminservice- und Versorgungsgesetz. Seitdem setzt es bei Neupatienten nicht mehr den bis dahin f&auml;lligen 20-Prozent-Abschlag beim Honorar. In der Folge sollen nach Verbandsangaben wieder mehr Termine vergeben und mehr Patienten behandelt worden sein. <\/p><p>Gut so, sollte man meinen. Anders tickt Spahn-Nachfolger Lauterbach. Der will die Regelung n&auml;mlich wieder kippen, um so &uuml;ber sein GKV-Finanzstabilisierungsgesetz die Krankenkassen zu entlasten. Dagegen l&auml;uft in diesen Tagen der geballte Berufsstand Sturm. Aus Protest blieben allein in Hamburg am Mittwoch etliche Praxen geschlossen und ein Offener Brief der Kassen&auml;rztlichen Bundesvereinigung warnt, &bdquo;dass wir keinen Weg sehen, wie wir die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf dem bisherigen Niveau aufrechterhalten k&ouml;nnen&ldquo;, was wom&ouml;glich bedeute: &bdquo;weniger Neupatienten und weniger Sprechzeiten&ldquo;. <\/p><p>Frage: Wie soll das erst werden, wenn der Krankenhausbetrieb in Zukunft an Onkel Doktor outgesourct ist? Nun ja, wenn es ganz eng wird, k&ouml;nnte vielleicht der n&auml;chstbeste der 1.000 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/karl-lauterbach-plant-bundesweit-1000-gesundheitskioske-a-a50494c0-4e5e-4431-918d-2e36fcbe2639\">&bdquo;Gesundheitskioske&ldquo;<\/a> einspringen, die Lauterbach aufbauen will. So einer findet sich bestimmt bald in jedem Einkaufszentrum. <\/p><p>Titelbild: Abraham_stockero \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/96fe6bf55ca14d2780b6ab8e87e88788\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von Karl Lauterbach zwecks Krankenhausreform installierte Expertenkommission will in gro&szlig;em Stil die station&auml;re Versorgung zur&uuml;ckfahren und auf lange Sicht niedergelassenen &Auml;rzten &uuml;berantworten. W&auml;hrend Kritiker darin die n&auml;chste Stufe eines organisierten Kliniksterbens sehen, verspricht der Gesundheitsminister geringere Kosten, mehr Qualit&auml;t und weniger Pflegenotstand. 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