{"id":89030,"date":"2022-10-10T13:48:04","date_gmt":"2022-10-10T11:48:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89030"},"modified":"2022-10-10T16:45:47","modified_gmt":"2022-10-10T14:45:47","slug":"gaspreisbremse-das-zwischenergebnis-der-expertenkommission-enttaeuscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89030","title":{"rendered":"Gaspreisbremse \u2013 das Zwischenergebnis der Expertenkommission entt\u00e4uscht"},"content":{"rendered":"<p>Nun hat der von Olaf Scholz angek&uuml;ndigte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88857\">&bdquo;Doppelwumms&ldquo;<\/a> konkrete Formen. Die Fragezeichen bleiben jedoch. Zwar f&auml;llt die Entlastung auf Basis eines subventionierten Preises von 12 Cent pro Kilowattstunde f&uuml;r Haushalte und Gewerbekunden ordentlich aus. Diese Entlastung gilt laut der heute vorgestellten <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/gaspreisbremse-kommission-schlaegt-einmalzahlung-im-dezember-vor-18375986.html\">Empfehlung der Expertenkommission<\/a> jedoch erst in einer zweiten Stufe, die erst ab M&auml;rz n&auml;chsten Jahres in Kraft tritt. Das hei&szlig;t, die Gaspreisbremse gilt f&uuml;r zwei Drittel der kommenden Heizsaison nicht. Als Ausgleich will der Staat eine Abschlagszahlung der Haushaltskunden &uuml;bernehmen. Das federt die Belastung durch die massiv gestiegenen Gaspreise jedoch nur gering ab &ndash; zu gering, um negative Wirkungen auf die Binnennachfrage abzufedern. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3245\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-89030-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=89030-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221010_Gaspreisbremse_das_Zwischenergebnis_der_Expertenkommission_enttaeuscht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Schnelle und substanzielle finanzielle Hilfen f&uuml;r die von Inflation und Energiepreissteigerungen gebeutelten Haushalte, das Gewerbe und Industrie &ndash; das war das Ziel des als &bdquo;Gaspreisbremse&ldquo; kommunizierten Entlastungspaketes der Bundesregierung. Auch wenn die Vorgaben durchaus geeignet waren, diese Ziele im Rahmen der zur Verf&uuml;gung stehenden M&ouml;glichkeiten im Ansatz zu erreichen, scheiterte es letztlich am Faktor Zeit. Angeblich sahen die Versorger und die Vermieter keine M&ouml;glichkeit, einen subventionierten Gaspreis f&uuml;r ein Kontingent in H&ouml;he von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs in den n&auml;chsten Wochen umzusetzen. Stattdessen soll die eigentliche &bdquo;Gaspreisbremse&ldquo; nun erst ab M&auml;rz gelten. Da die Heizsaison aber bereits begonnen hat und bis Ende April gehen wird, umfasst diese Regelung nur einen Bruchteil des Zeitraums, in dem die meisten Haushalte ihr Gas zu extrem teuren Konditionen beziehen m&uuml;ssen. <\/p><p>Um dies zu verdeutlichen, habe ich mir meine letzte Gasrechnung herausgesucht. Wir haben vom 1. September 2021 bis zum 31. August 2022 ziemlich exakt 20.000 kWh Gas verbraucht &ndash; f&uuml;r ein freistehendes Einfamilienhaus mit durchg&auml;ngig genutztem Home Office ist dies ein normaler Wert. Schaut man sich jedoch die Verteilung dieses Verbrauchs an, st&ouml;&szlig;t man erwartungsgem&auml;&szlig; auf eine sehr ungleiche Verteilung. W&auml;hrend der Verbrauch in den Sommermonaten bei niedrigen 500 kWh pro Monat lag, lag er in den kalten Wintermonaten durchg&auml;ngig bei mehr als 3.000 kWh pro Monat. <\/p><p>&Uuml;bertr&auml;gt man die Vorjahresdaten eins zu eins auf die kommende Heizsaison, hei&szlig;t dies: 13.000 kWh werden vor dem M&auml;rz, also vor der Gaspreisbremse, verbraucht. 5.600 kWh fallen ab M&auml;rz bis zum Ende der Jahresabrechnung am 31. August 2023 unter das subventionierte 80-Prozent-Kontingent und 1.400 kWh unter die nicht subventionierten 20 Prozent. Im Ergebnis wird unser Haushalt also 14.400 kWh &ndash; also grob zwei Drittel &ndash; nicht subventioniertes Erdgas und nur 5.600 kWh &ndash; also grob ein Drittel &ndash; subventioniertes Gas beziehen. Das nicht subventionierte Gas kostet zurzeit 21,3 Cent\/kWh. Im letzten Sommer waren es noch 6,3 Cent\/kWh. Betrugen die Gesamtkosten in der vorletzten Heizsaison 1.260 Euro, so w&auml;ren es ohne Gaspreisbremse in diesem Jahr 4.460 Euro. Mit Gaspreisbremse sind es 3.883 Euro. <strong>Die Entlastung ist zwar vorhanden, deckt jedoch nicht &ndash; wie zuvor kommuniziert &ndash; die H&auml;lfte, sondern weniger als 20 Prozent der Mehrkosten ab.<\/strong><\/p><p>Um diese Differenz zu verringern und die Haushalte f&uuml;r den Zeitraum bis zum M&auml;rz auch zu entlasten, hat sich die Expertenkommission ein Instrument ausgedacht, das zwar unb&uuml;rokratisch ist, aber daf&uuml;r auch denkbar grob und willk&uuml;rlich ist. Der Staat will im Dezember eine Abschlagszahlung der Haushalts- und Gewerbekunden &uuml;bernehmen. Bei Direktkunden wird demnach im Dezember kein Abschlag abgebucht und Mieter sollten von ihren Vermietern eine entsprechende Erstattung &uuml;berwiesen bekommen; gerade bei Letzteren droht hier wohl eher ein Abrechnungschaos. <\/p><p>Man sollte auch nicht dem Denkfehler erliegen, dass der Staat damit die &bdquo;Dezemberrechnung&ldquo; &uuml;bernimmt. Das ist n&auml;mlich nicht der Fall. In meinem Beispiel entspricht der Dezemberverbrauch rund 3.000 kWh. W&uuml;rde der monatliche Abschlag die durchschnittliche Verbrauchsmenge pro Monat erfassen, w&auml;ren dies jedoch nur 1.685 kWh, also etwas mehr als die H&auml;lfte des realen Dezemberverbrauchs. Zum Gl&uuml;ck hat mein Versorger die Abschl&auml;ge jedoch deutlich &uuml;ber den Durchschnittsverbrauch erh&ouml;ht, so dass ich zur Zeit 570 Euro pro Monat bezahle, was rund 2.700 kWh entspricht. Ich w&uuml;rde also nach dem Modell der Expertenkommission 570 Euro erstattet bekommen. Das ist zwar sch&ouml;n, aber reine Willk&uuml;r. <\/p><p>H&auml;tte mein Versorger den Abschlag vor gut einem Monat nicht deutlich erh&ouml;ht, w&uuml;rde ich nur die alte Abschlagssumme von 230 Euro bekommen. H&auml;tte ich &ndash; was online m&ouml;glich ist &ndash; den Abschlag auf 100 oder 900 Euro festgelegt, w&uuml;rde ich dann diese Summe bekommen? Das erinnert eher an eine Lotterie als an eine durchdachte und gerechte Entlastung. <strong>Nimmt man diese erste Stufe hinzu, komme ich bei meinem Rechenbeispiel &uuml;brigens auf eine Gesamtentlastung von 35 Prozent der Mehrkosten &ndash; also trotz der eigentlich eher positiven Rahmendaten nicht einmal im Ansatz auf die angepeilten 50 Prozent. Wer einen teureren Gasvertrag und im Verh&auml;ltnis geringere Abschlagszahlungen hat, liegt noch einmal deutlich darunter. <\/strong><\/p><p>Fraglich ist vor allem, wie ein solches Paket die Binnennachfrage stabilisieren soll. Hier sind die zu leistenden Abschl&auml;ge bzw. Nebenkosten die entscheidende Gr&ouml;&szlig;e. Alleine in den drei Monaten vor der &bdquo;freien&ldquo; Abschlagszahlung im Dezember habe ich beispielsweise schon so viel Geld f&uuml;r das Gas bezahlt wie im gesamten Vorjahr zusammen. Dieses Geld ist weg und kann nicht noch einmal ausgegeben werden. <\/p><p>Es ist ja sch&ouml;n, dass der Dezemberabschlag wegf&auml;llt, aber dies wird mich auch nicht dazu verleiten, mehr Geld auszugeben, da ja ab Januar wieder der massiv erh&ouml;hte Abschlag auf Basis der extrem gestiegenen Gaspreise f&auml;llig wird. Erst ab M&auml;rz wird der Abschlag dann sinken, aber immer noch auf einem Niveau verharren, das mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr ist. Die zentrale Aufgabe der Gaspreisbremse ist somit nicht erreicht. Denn wenn die Abw&auml;rtsspirale von Kaufzur&uuml;ckhaltung und Konjunkturr&uuml;ckgang erst einmal in Gang gesetzt ist, wird sie erst einmal nicht mehr so leicht zu stoppen sein.<\/p><p>Dies alles w&auml;re vermeidbar gewesen, wenn man nicht nur an den Symptomen herumgedoktert h&auml;tte, sondern die Ursachen der Gaspreisexplosion bek&auml;mpft h&auml;tte. Und ja, das hei&szlig;t, dass man bezahlbares Gas aus Russland beziehen m&uuml;sste. Selbst wenn man die offenbar noch intakte R&ouml;hre von Nord Stream 2 einmal au&szlig;er Acht l&auml;sst &ndash; Deutschland ist auch &uuml;ber die &uuml;ber polnisches Gebiet verlaufende Jamal-Pipeline und das &uuml;ber ukrainisches Gebiet verlaufende Transgas-Pipeline-System mit Russland verbunden. Es best&uuml;nde also ohne weiteres die M&ouml;glichkeit, sich mit Russland zusammenzusetzen und gemeinsam an einer tragf&auml;higen L&ouml;sung zu arbeiten, wie man den Gaspreis durch eine Steigerung des Angebots unter Kontrolle bringen k&ouml;nnte. Das h&auml;tte nicht nur den Vorteil, dass man so direkt die Belastung der Haushalte mildern, sondern auch die indirekten Effekte auf den Strompreis und vor allem die Erzeugerpreise dr&uuml;cken w&uuml;rde, die wir letztlich mit h&ouml;heren Preisen f&uuml;r die Produkte in unserem Warenkorb bezahlen. Doch diese naheliegende L&ouml;sung ist ja tabu. <\/p><p>Titelbild: Phoenix.de<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/ef1748292d4e45e9bf9e29f1e863801b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun hat der von Olaf Scholz angek&uuml;ndigte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88857\">&bdquo;Doppelwumms&ldquo;<\/a> konkrete Formen. 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