{"id":89218,"date":"2022-10-14T11:21:29","date_gmt":"2022-10-14T09:21:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89218"},"modified":"2022-10-21T10:41:29","modified_gmt":"2022-10-21T08:41:29","slug":"wagenknecht-debatte-glauben-rbb-journalisten-eigentlich-auch-dass-der-storch-die-babys-bringt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89218","title":{"rendered":"Wagenknecht-Debatte &#8211; Glauben rbb-Journalisten eigentlich auch, dass der Storch die Babys bringt?"},"content":{"rendered":"<p>Die Linkspartei findet nicht nur bei den W&auml;hlern, sondern auch bei ihren eigenen Mitgliedern immer weniger Zuspruch. Laut eines aktuellen <a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/kontraste\/archiv\/kontraste-vom-13-02-2022\/linke-vor-der-spaltung.htm\/\">Berichts des rbb-Magazins Kontraste<\/a> verlie&szlig;en unter Berufung auf die Pressestelle der Linken seit dem 8. September &bdquo;mindestens 809 Mitglieder&ldquo; die Partei. Das ist nicht sonderlich &uuml;berraschend. &Uuml;berraschend ist jedoch, dass Kontraste suggeriert, dass die meisten dieser Austritte wegen Sahra Wagenknecht und dem parteiinternen Streit &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87847\">ihre j&uuml;ngste Bundestagsrede<\/a> stattfanden. So wird die Kontraste-Meldung zumindest von Medien wie <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/linke-hunderte-parteiaustritte-nach-aeusserung-von-sahra-wagenknecht-a-d5a16acc-91ea-49d3-8edf-5b63a50e91c7\">dem SPIEGEL<\/a> interpretiert. Doch diese Interpretation ist fragw&uuml;rdig. Umfragen zeigen vielmehr, dass ein Gro&szlig;teil der Linken-W&auml;hler Wagenknechts Position zur Ukraine-Politik teilt und sich mittlerweile w&uuml;nscht, sie w&uuml;rde eine eigene Partei gr&uuml;nden. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7545\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-89218-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=89218-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221014_Wagenknecht_Debatte_Glauben_rbb_Journalisten_eigentlich_auch_dass_der_Storch_die_Babys_bringt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalit&auml;t ist jedem Statistiker ein Begriff. So weisen beispielsweise die Daten zur Storchpopulation in Europa eine klare Korrelation zur Geburtenrate auf. Zwischen 1980 und 1990 ging die Zahl der Storche ungef&auml;hr im gleichen Ma&szlig; zur&uuml;ck wie die Zahl der Neugeburten. Es k&auml;me aber sicher niemand auf die Idee, dass hier eine Kausalit&auml;t vorliegt. Das w&auml;re n&auml;mlich nur dann der Fall, wenn Babys tats&auml;chlich vom Storch gebracht werden. Statistiker nennen diesen Effekt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scheinkorrelation\">&bdquo;Scheinkorrelation&ldquo;<\/a>. <\/p><p>Eine ebensolche Scheinkorrelation d&uuml;rfte auch zwischen Sahra Wagenknechts Rede zu den Russland-Sanktionen und den Parteiaustritten aus der Linkspartei bestehen. Es gibt schlie&szlig;lich viele Gr&uuml;nde, aus der Linkspartei auszutreten. Der Mitbegr&uuml;nder der Linkspartei Ralf Kr&auml;mer hat beispielsweise am 30. September seinen Austritt <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ralf.kramer.5682\/posts\/pfbid0265gNDhSmmT3Cp65eohgvNKkYnesuFF5kwpqJbPaAckT7aUs4wn4u76uQi4sVSUbul\">angek&uuml;ndigt<\/a>, weil die Linkspartei sich in einem <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/parteidemokratie\/mitgliederentscheid\/\">Mitgliederentscheid<\/a> mehrheitlich daf&uuml;r entschieden hat, dass bedingungslose Grundeinkommen in ihr Programm aufzunehmen und er d&uuml;rfte nicht der Einzige gewesen sein, f&uuml;r den diese radikale Abkehr von der fr&uuml;heren sozialstaatlichen Ausrichtung das Fass zum &Uuml;berlaufen brachte. <\/p><p>Ein weiterer prominenter Austritt war der von Fabio De Masi. De Masi erkl&auml;rte am <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/fabio.d.masi\/posts\/pfbid0eMKiCEzVbe3MhVgtwXtPaCSFmriYDgzNV6hwtsGizyM6QuqR7nTqqpsUFXqzxkTdl\">13. September<\/a>, dass er &bdquo;nicht mehr f&uuml;r das eklatante Versagen der ma&szlig;geblichen Akteure in dieser Partei in Verantwortung genommen werden [m&ouml;chte], die eine gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung im Stich lassen, die eine Partei brauchen, die sich f&uuml;r soziale Gerechtigkeit und Diplomatie &uuml;berzeugend engagiert&ldquo;. Einen Zusammenhang mit der &bdquo;Wagenknecht-Debatte&ldquo; weist De Masi dabei explizit von sich. Das hindert Medien wie den SPIEGEL <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/linke-hunderte-parteiaustritte-nach-aeusserung-von-sahra-wagenknecht-a-d5a16acc-91ea-49d3-8edf-5b63a50e91c7\">jedoch nicht<\/a>, stetig das genaue Gegenteil davon zu suggerieren. <\/p><p>Worauf bezieht sich Kontraste eigentlich? Im Bericht hei&szlig;t es w&ouml;rtlich: &bdquo;Vielfach sei explizit Wagenknecht als Grund genannt worden, h&ouml;ren wir aus der Gesch&auml;ftsstelle&ldquo;. Mehr gibt es nicht, um die These zu untermauern, Mitglieder kehrten der Partei den R&uuml;cken, weil sie mit den &Auml;u&szlig;erungen Wagenknechts nicht einverstanden seien. Zum einen ist &bdquo;vielfach&ldquo; eine sehr vage Gr&ouml;&szlig;e. Waren es zwei, zehn, einhundert oder achthundert Mitglieder? Zum anderen bedeutet die Nennung von &bdquo;Sahra Wagenknecht&ldquo; nicht automatisch, dass man nicht mit ihren &Auml;u&szlig;erungen einverstanden sei. Das genaue Gegenteil ist auch m&ouml;glich. Viele (Noch-)Mitglieder sind schlie&szlig;lich vor allem &uuml;ber den Umgang der Parteispitze und Teilen der Fraktion mit Sahra Wagenknecht emp&ouml;rt und sahen die j&uuml;ngsten Attacken auf sie als letzten Tropfen, der f&uuml;r sie das Fass zum &Uuml;berlaufen brachte. Die Kernaussage von Kontraste ist somit nicht einmal im Ansatz belegt. Glauben rbb-Journalisten eigentlich auch, dass der Storch die Babys bringt? So wird mit Scheinkorrelationen Journalismus und Meinungsmache betrieben. Aber das ist ja weder in der Linkspartei noch in der Berichterstattung &uuml;ber die Linkspartei wirklich neu. <\/p><p>Wer sich einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Gemengelage verschaffen will, findet woanders hilfreiche Zahlen. So findet die Ukraine- und Sanktionspolitik laut aktuellem <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend\/dtrend-okt-2022-101.pdf\">ARD-Deutschlandtrend<\/a> bei keiner W&auml;hlergruppe so viel Widerstand wie bei den W&auml;hlern der Linkspartei. 71 Prozent von ihnen machen sich gro&szlig;e oder sehr gro&szlig;e Sorgen, dass &bdquo;Deutschland direkt in einen Krieg mit der Ukraine hineingezogen werden k&ouml;nnte&ldquo;. So viel wie bei keiner anderen Partei. 72 Prozent der Linken-W&auml;hler sorgen sich &uuml;ber Preissteigerungen, 73 Prozent sprechen sich gegen eine milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine aus und 43 Prozent der Linksw&auml;hler gehen die Sanktionen gegen Russland zu weit. W&auml;hrenddessen suggeriert Kontraste, dass Sahra Wagenknecht &bdquo;rechte&ldquo; Positionen vertrete. Das ist sowohl demoskopisch als auch inhaltlich falsch. Die Ablehnung einer Kriegspolitik ist eine genuin linke Forderung, die offenbar auch von der gro&szlig;en Mehrheit der Linken-W&auml;hler geteilt wird. Nicht die Parteispitze, sondern Sahra Wagenknecht vertritt hier die Mehrheitsposition der linken W&auml;hlerschaft. Es ist daher auch vollkommen absurd, sie f&uuml;r die r&uuml;ckl&auml;ufigen Zustimmungswerte und W&auml;hlerzahlen verantwortlich zu machen. Umgekehrt wird vielmehr ein Schuh daraus.<\/p><p>Das zeigt auch eine aktuelle <a href=\"https:\/\/www.derwesten.de\/politik\/sahra-wagenknecht-die-linke-neue-partei-gruendung-umfrage-beliebtheit-russland-ukraine-c-id300035230.html\">repr&auml;sentative Umfrage des Instituts INSA<\/a>. Demnach k&ouml;nnen sich 30 Prozent der Befragten vorstellen, eine Partei mit Sahra Wagenknecht an der Spitze zu w&auml;hlen; 10 Prozent antworteten sogar, dass sie sich &bdquo;sehr sicher&ldquo; sind, eine solche Partei zu w&auml;hlen, wenn sie denn bei der n&auml;chsten Bundestagswahl zur Wahl st&uuml;nde. Das sind Zahlen, von denen die Linkspartei nur tr&auml;umen kann. Und auch hier sind es nat&uuml;rlich nicht nur die &bdquo;Rechten&ldquo;, die Wagenknecht ihre Stimme geben w&uuml;rden. Mit 66 Prozent nehmen Anh&auml;nger der Linkspartei die gr&ouml;&szlig;te Gruppe unter denen ein, die es &bdquo;gut&ldquo; f&auml;nden, wenn eine Partei mit Sahra Wagenknecht an der Spitze bei den n&auml;chsten Bundestagswahlen antreten w&uuml;rde. <\/p><p>Kontraste versucht seinen Zuschauern also tats&auml;chlich vorzugaukeln, dass die Politikerin, die auch und vor allem von W&auml;hlern der Linkspartei &uuml;berw&auml;ltigende Zustimmungswerte erh&auml;lt, gleichzeitig f&uuml;r den desolaten Zustand der Linkspartei verantwortlich sein soll. Das ist logisch nicht greifbar und offensichtlich manipulativ. Man kann nur mutma&szlig;en, wer die namentlich nicht genannte Quelle von Kontraste aus der Linken-Pressestelle ist &ndash; zu den Anh&auml;ngern Sahra Wagenknechts geh&ouml;rt sie sicherlich nicht. Und so setzt sich die groteske Schlammschlacht eines medial sehr gut vernetzten Teils der Partei rund um den Parteivorstand gegen Sahra Wagenknecht fort. Die Zustimmungswerte werden weiter runtergehen und noch mehr Mitglieder die Partei verlassen. Aber sicher ist das dann auch einzig und allein die Schuld von Sahra Wagenknecht. Es w&auml;re wohl wirklich besser, sie gr&uuml;ndete ihre eigene Partei. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89496\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: photocosmos1\/shuttestock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/697a362419374794a04b0cd62761c42a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Linkspartei findet nicht nur bei den W&auml;hlern, sondern auch bei ihren eigenen Mitgliedern immer weniger Zuspruch. Laut eines aktuellen <a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/kontraste\/archiv\/kontraste-vom-13-02-2022\/linke-vor-der-spaltung.htm\/\">Berichts des rbb-Magazins Kontraste<\/a> verlie&szlig;en unter Berufung auf die Pressestelle der Linken seit dem 8. 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