{"id":89314,"date":"2022-10-21T08:50:03","date_gmt":"2022-10-21T06:50:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89314"},"modified":"2022-10-21T09:52:47","modified_gmt":"2022-10-21T07:52:47","slug":"krieg-in-der-ukraine-warum-sich-der-westen-so-schwertut-kompromisse-einzugehen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89314","title":{"rendered":"Krieg in der Ukraine: Warum sich der Westen so schwertut, Kompromisse einzugehen \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der selbstverschuldeten Schicksalsfragen auf russischer und auf NATO-Seite ist eine Exit-Strategie enorm schwierig. Aber denkbar, erinnert man sich an die L&ouml;sung der Kuba-Krise 1962, die ebenfalls die Welt in ein nukleares Armageddon zu st&uuml;rzen drohte. Ein f&uuml;r beide Seiten zugleich schmerzhafter und gesichtswahrender Ausgleich wurde gefunden. Leider kommt neben der komplizierten geopolitischen Konfrontation noch eine weitere Dimension hinzu, die die Aufl&ouml;sung des Konflikts abermals erschwert. Von Dr. <strong>Alexander S. Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1367\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-89314-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=89314-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221018-Ukraine-warum-sich-der-Westen-so-schwertut-Teil-2-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der mehrdimensionale Krieg und seine kulturzivilisatorische Komponente<\/strong><\/p><p>Ein vernunftorientierter Mensch m&ouml;ge sich fragen, was an einer neutralen Ukraine, wenn diese russische Forderung den Weltfrieden sichert, so verkehrt w&auml;re. Was daran falsch w&auml;re, wenn eine vollst&auml;ndige oder zumindest partielle R&uuml;ckkehr der von Russland annektierten Gebiete wieder in die Hoheitsgewalt der Ukraine fiele, bei der diese Gebiete aber umfassende Autonomien erhielten? Was an einer multipolaren Welt, die sich auf der Grundlage der UNO-Charta konstituiert, so falsch sein m&ouml;ge? Und schlie&szlig;lich, was an einer friedlichen Koexistenz verschiedener Kulturen, Wirtschafts- und Staatsformen so falsch sein k&ouml;nnte &ndash; zumal die Menschheit ganz andere existentielle Herausforderungen zu bew&auml;ltigen hat. Schlie&szlig;lich fordert der Westen doch seit Jahrzehnten gesellschaftliche und kulturelle Pluralit&auml;t und Vielfalt. Warum also praktiziert man im Westen eine Au&szlig;enpolitik, die auf einen alternativlosen Export westlicher Werte hinausl&auml;uft &ndash; mitunter daf&uuml;r bereit ist, sogar Kriege zu f&uuml;hren?<\/p><p>Der Widerspruch ist indes offensichtlich: Pluralit&auml;t und Vielfalt ist nur so lange erw&uuml;nscht, wie diese in die &bdquo;richtige&ldquo; Richtung l&auml;uft. Eine stete Verengung, wie bereits angemerkt, des innergesellschaftlichen Meinungs- und Debattenspektrums begleitet durch gesellschaftliche Sanktionen ist in den verschiedenen gesellschaftlichen Sph&auml;ren, bis in die Wissenschaft, zu beobachten. Wer sich nicht politisch korrekt verh&auml;lt, muss das Spielfeld verlassen. Und was politisch korrekt ist, bestimmen&hellip; nun ja. Die formulierten Werte, die politisch korrektes Verhalten steuern sollen, sind moralisch aufgeladen. Moral jedoch verhindert, verbietet sogar rationale Diskussionen, da die moralische Argumentation in einer rationalen Debatte widerlegt werden k&ouml;nnte. Dass ist f&uuml;r die Moralapostel v&ouml;llig inakzeptabel. Unsere Werte sind die guten Werte, moralisch einwandfrei und daher sind wir selbstverst&auml;ndlich die Guten. Im unterkomplexen Umkehrschluss m&uuml;ssen die anderen Werte automatisch schlecht sein &ndash; mindestens aber sind sie nicht gleichwertig. In ihrer eigenen Wertelogik m&uuml;ssen die westlichen Werte daher einen Universalit&auml;tsanspruch formulieren. Sie m&uuml;ssen also f&uuml;r alle Menschen und alle Kulturen gelten &ndash; oder fast alle. Bei unseren strategischen Verb&uuml;ndeten wie beispielsweise Saudi-Arabien oder der T&uuml;rkei macht man strategisch bedingt auch mal Ausnahmen &ndash; nat&uuml;rlich immer mit Bauchschmerzen.<\/p><p>Der Universalit&auml;tsanspruch der westlichen Werte f&uuml;hrt dann zu einer expliziten wertebasierten Au&szlig;enpolitik. Werte, nicht Interessen und Empathie, werden so handlungsleitend in der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Die Protagonisten einer wertebasierten Politik streben, bewusst oder unbewusst, eine absolute Hegemonie der westlichen Zivilisation an. Die westliche Zivilisation sei, weil sie gute Werte verk&ouml;rpert, allen anderen Zivilisationen und Kulturen &uuml;berlegen, so der unersch&uuml;tterliche Glaube. Dies gipfelt in dem US-amerikanischen Selbstverst&auml;ndnis, eine Ausnahmenation, &bdquo;Gottes eigenes Volk&ldquo; zu sein und somit Rechte zu haben, die andere Staaten und V&ouml;lker nicht haben. Diese Ideologie des Exzeptionalismus ist auch auf die Europ&auml;er &uuml;bergesprungen, jedoch weniger mit religi&ouml;sem als vielmehr mit moralischem Eifer, womit sich der gesamte Westen als etwas Besonderes versteht, einhergehend mit besonderen Rechten, die jenseits der UNO-Charta liegen. Der au&szlig;enpolitische Topos daf&uuml;r lautet: &bdquo;Regelbasierte internationale Ordnung&ldquo;, also die westliche Ordnung. Diese ist zwar nicht formal definiert, die politische Verwendung dieses Topos verweist jedoch eindeutig auf die westliche Hegemonialordnung.<\/p><p>Dieses westliche Selbstverst&auml;ndnis von zivilisatorischer &Uuml;berlegenheit beinhaltet einen (Kultur-)Rassismus: Es kann nicht sein, mit Chinesen, Russen, Arabern oder Afrikanern auf Augenh&ouml;he sprechen und handeln zu m&uuml;ssen, so der unterschwellige Gedanke, der jedoch niemals &ouml;ffentlich ausgesprochen wird. Und daher sind auch vernunftgeleitete &Uuml;berlegungen des gegenseitigen Interessenausgleichs, des Respektes staatlicher und politischer Souver&auml;nit&auml;t gegen&uuml;ber nichtwestlichen Staaten und Kulturen f&uuml;r den Westen immer noch undenkbar. Die Akzeptanz auf Augenh&ouml;he des Anderen, des Nicht-Westlichen w&uuml;rde die westliche Lebensweise mit Universalit&auml;tsanspruch infrage stellen, was derzeit noch absolut undenkbar ist, aber alternativlos denkbar sein muss.<\/p><p>Eine auf realpolitischer und vernunftgeleiteter Basis zu findende Konzession an die russische Seite w&auml;re mehr als nur eine geopolitische Niederlage, es w&auml;re auch eine zivilisatorische Niederlage in den Augen ihrer Protagonisten. Und dieses zivilisatorische &Uuml;berlegensheitspostulat wiegt mitunter schwerer als ein nukleares Armageddon. Es wiegt auf jeden Fall schon mal nachweisbar schwerer als der &uuml;berf&auml;llige gemeinsame Kampf gegen die heraufziehende Klimakatastrophe. Kohlekraftwerke sollen l&auml;nger laufen, Frackinggas ist en vogue und Fridays for Future fordert l&auml;ngere Laufzeiten f&uuml;r Atomkraftwerke. <\/p><p>Der Russe macht&rsquo;s m&ouml;glich, m&ouml;chte man geneigt sein, zu sagen.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Andrii Yalanskyi<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89302\">Krieg in der Ukraine: Warum sich der Westen so schwertut, Kompromisse einzugehen &ndash; Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86833\">Streit um Umgang mit Russland: S&uuml;dafrikanische Au&szlig;enministerin verwahrt sich gegen &bdquo;Bevormundung und Einsch&uuml;chterungsversuche&ldquo; durch USA und EU<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/35d07fd6df3c44a68acf542fd9c06214\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der selbstverschuldeten Schicksalsfragen auf russischer und auf NATO-Seite ist eine Exit-Strategie enorm schwierig. 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