{"id":89479,"date":"2022-10-23T11:45:39","date_gmt":"2022-10-23T09:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89479"},"modified":"2022-10-23T12:33:25","modified_gmt":"2022-10-23T10:33:25","slug":"stimmen-aus-lateinamerika-der-unsichtbare-sueden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89479","title":{"rendered":"Stimmen aus Lateinamerika: Der unsichtbare S\u00fcden"},"content":{"rendered":"<p>Wir Nationen des S&uuml;dens sind &ndash; was den kolonialistischen und erobernden Westen angeht &ndash; immer unsichtbar gewesen. Der von Europa gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts eingeleitete Prozess, der vom Historiker Serge Gruzinski als die Iberische (und im weiteren Sinne europ&auml;ische) weltweite Ausbreitung bezeichnet wurde, stellte die westlichen L&auml;nder erstmals Gesellschaften und Kulturen gegen&uuml;ber, zu denen sie keinerlei Beziehungen und oftmals nicht einmal irgendeinen Bezug hatten. Von <strong>Jos&eacute; Ernesto Nov&aacute;ez Guerrero<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1205\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-89479-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=89479-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221021-Stimmen-aus-Lateinamerika-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ankunft der Portugiesen in Afrika und Asien und die Ankunft der Spanier in Amerika markiert nicht nur den Beginn eines gewaltsamen Prozesses der Beherrschung des Anderen, sondern viele dieser Gesellschaften gerieten von da an auch in Vergessenheit.<\/p><p>Ein Vergessen-Werden, auch durch die Zerst&ouml;rung der schriftlichen und m&uuml;ndlichen Quellen mittels derer die konstituierenden Elemente der Identit&auml;t dieser V&ouml;lker bewahrt und weitergegeben wurden; durch die Auferlegung einer Sprache, einer Religion und kultureller Praktiken, die dem, was diese V&ouml;lker ausmachte, v&ouml;llig fremd waren. Und auch durch die bewusste Neu-Schreibung wichtiger Teile ihrer Geschichte, besonders bez&uuml;glich der Zeit der Eroberung. Damit wurde versucht, eine ausschlie&szlig;lich auf Profit gerichtete Unternehmung als fromme zivilisatorische Aktion darzustellen.<\/p><p>Es ist klar, dass der Erfolg dieses Vorhabens, alles in Vergessenheit geraten zu lassen, in gro&szlig;em Ma&szlig;e nicht nur vom Erfolg der Eroberung abh&auml;ngt, sondern auch vom Charakter der Gesellschaften selbst, mit denen die europ&auml;ischen Interessen konfrontiert sind. In seinem Buch&nbsp;<em>Der Adler und der Drache. Die europ&auml;ische Ma&szlig;losigkeit und weltweite Ausbreitung im 16. Jahrhundert<\/em> vergleicht der Historiker Serge Gruzinski zwei Prozesse, die man als beispielhaft hinsichtlich der europ&auml;ischen Expansion betrachten k&ouml;nnte. Einerseits die Ankunft der Portugiesen in China und andererseits die Ankunft von Hern&aacute;n Cort&eacute;s in Mexiko.<\/p><p>Die Portugiesen, die schon gewaltsam in den S&uuml;dosten von Asien eingedrungen waren, wollten ihren Besitzungen das ausgedehnte und reiche Land der Seide hinzuzuf&uuml;gen. Mit diesem Ziel entsandten sie eine erste, als diplomatische Mission getarnte Expedition unter dem Kommando des H&auml;ndlers und Kenners des Ostens Tom&eacute; Pires. Nach einem langen Prozess voller Widerspr&uuml;che, Unverst&auml;ndnis und Fehlern der Portugiesen und auch ein bisschen Pech, scheiterte die ganze Expedition letztendlich. Die Portugiesen werden gefangen genommen, die Chinesen vernichten die zu ihrer Rettung entsandte Flotte und richten alle Gefangenen hin.<\/p><p>Die portugiesischen Gel&uuml;ste treffen auf die Mauer von Tausenden Jahren Kultur und auf eine Zivilisation, die &ndash; auch wenn sie einen gewissen technologischen R&uuml;ckstand auf Europa aufwies &ndash; nicht so leicht zu unterwerfen war. Als Sieger schrieben die Chinesen ihre Darstellung der Ereignisse, einschlie&szlig;lich wichtiger Warnungen vor diesen Barbaren, die aus unbekannten Gebieten gekommen waren.<\/p><p>In Mexiko war der Prozess ein anderer. Im Unterschied zu China und S&uuml;dostasien lebten die mesoamerikanischen Gesellschaften in relativer Isolation. Ungeachtet des Reichtums ihrer Welt verf&uuml;gten sie nicht &uuml;ber die physischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, um dem Eindringen der spanischen Konquistadoren gewachsen zu sein. Die Zerst&ouml;rung der pr&auml;kolonialen amerikanischen Welt, die weit &uuml;ber den Zusammenbruch der Dreier-Allianz unter F&uuml;hrung von Tenochtitl&aacute;n hinausreicht, markiert den Beginn des Prozesses der gewaltsamen Unsichtbarmachung der kolonialen Welt in der Moderne. Die Geschichte dieses Prozesses und der indigenen Gesellschaften werden die spanischen Chronisten erz&auml;hlen. Die Stimme der Indigenen wird bis vor relativ kurzer Zeit abwesend bleiben.<\/p><p>Der aufstrebende europ&auml;ische Kapitalismus brauchte Ressourcen, um sich entwickeln zu k&ouml;nnen. Diese wurden der kolonialen Welt mittels eines speziell daf&uuml;r organisierten Systems geraubt. W&auml;hrend die kolonialisierten L&auml;nder selbst dazu verurteilt waren, einige wenige Ressourcen zu produzieren, dienten sie der Aufnahme des &Uuml;berschusses des europ&auml;ischen verarbeitenden Gewerbes &ndash; ein Modell, das bis heute fortbesteht.<\/p><p>Die koloniale Welt existierte nur als das Exotische oder Barbarische. So wurde sie in zahlreichen Abbildungen, in Romanen und anderen Texten dieser Epoche dargestellt. Ihr Schicksal interessierte nur, wenn irgendein Europ&auml;er als Protagonist auftrat. Viele der aufgekl&auml;rtesten Geister n&auml;herten sich unserer Wirklichkeit nur aus einer beschr&auml;nkten Perspektive und konnten viele wesentliche Fragen nicht verstehen.<\/p><p>Wenngleich es zutrifft, dass es unter den Europ&auml;ern auch jene gab, die die Besonderheiten unserer Gesellschaften angemessen und korrekt zum Ausdruck brachten und sogar auch solche, die die Grausamkeiten der Conquista und des Kolonialregimes anprangerten, so waren sie doch &ldquo;Rufer in der W&uuml;ste&rdquo;, die die Haltung Europas gegen&uuml;ber der kolonialen Welt nicht grundlegend ver&auml;nderten.<\/p><p>Dass etwas bewusst unsichtbar gemacht wird, bedeutet nicht, dass es nicht existiert. Die unterworfenen V&ouml;lker leisteten Widerstand. Es war ein manchmal gewaltsamer und oft kultureller, verdeckter Widerstand. Sie verbargen ihre Glaubensvorstellungen hinter denen ihrer Unterdr&uuml;cker, passten ihre Rhythmen an die Musikinstrumente der Herrscher an und schufen in nicht wenigen F&auml;llen neue Genres, in denen sich Elemente unterschiedlicher Herkunft vermischten.<\/p><p>Aus dieser Dialektik zwischen Identit&auml;ten von Unterdr&uuml;ckern und Unterdr&uuml;ckten wurden die neuen Gesellschaften geboren, die im Lauf der Jahrhunderte sich mehr als kreolische denn als europ&auml;ische erweisen sollten und die komplexen und langwierigen Prozesse der Dekolonialisierung in Gang setzten, die sich mit mehr oder weniger langen Zeitabschnitten mindestens vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart erstrecken.<\/p><p>Aber die politische Unabh&auml;ngigkeit beinhaltet nicht notwendigerweise die tats&auml;chliche Unabh&auml;ngigkeit. Darauf verweist zurecht Franz Fanon in seinem 1961 erschienenen Buch&nbsp;<em>Die Verdammten dieser Erde<\/em>, das zwar angesichts des konkreten Ereignisses der algerischen Revolution geschrieben wurde, aber auch einen scharfen Blick auf die gesamte postkoloniale Welt wirft. Oftmals fehlt es den Volksbewegungen an Kr&auml;ften, &uuml;ber den Moment der Niederlage des Feindes hinauszugehen.<\/p><p>Das Fehlen eines Programms, Verrat, Niederlage oder Tod der wichtigen Anf&uuml;hrer, die Spaltungen innerhalb der revolution&auml;ren Kr&auml;fte sind oftmals Faktoren, die dazu f&uuml;hren, den Prozess in den H&auml;nden der nationalen Bourgeoisie zu belassen. Und diese Bourgeoisie, die ein&auml;ugig, einarmig und gel&auml;hmt unter der Decke des Kolonialsystems geboren wurde, wei&szlig; nichts anderes zu tun, als sich die gr&ouml;&szlig;ten Pfr&uuml;nde f&uuml;r sich selbst zu sichern und das Land an die Finanzvertreter der alten Kolonialherren zu verkaufen.<\/p><p>Den Kolonialismus mit Waffen zu besiegen hei&szlig;t nicht, ihn in den Seelen der kolonisierten Subjekte zu besiegen. Das Unsichtbarmachen ist nicht nur ein Akt des Beherrschers gegen&uuml;ber dem Beherrschten, sondern es ist ein Prozess im Bewusstsein des Beherrschten &uuml;ber sich selbst und das Seine.<\/p><p>Daran gew&ouml;hnt, nicht zu sehen, bewertet das kolonisierte Subjekt alles das, was aus der Metropole kommt, als positiv und entwertet und verachtet das Eigene; was eigentlich Elemente sein sollten, die er stolz als Nachweise seiner Identit&auml;t zeigt. Die Verachtung des S&uuml;dens f&uuml;r den S&uuml;den, die gewaltsamen Br&uuml;che zwischen den Gesellschaften und L&auml;ndern, die Geringsch&auml;tzung, mit der einige Nationen auf andere und deren Einwohner blicken, die chronische Schwierigkeit, gemeinsame politische Positionen zum gemeinsamen Wohl zu artikulieren sind unvermeidliche Ergebnisse dieses Prozesses.<\/p><p>Um unsere Unsichtbarkeit aufrechtzuerhalten, haben die faktischen M&auml;chte auf Mittel gesetzt, die weit &uuml;ber Zwangsma&szlig;nahmen hinausgehen. Der Zwang garantiert nur die zeitweise physische Unterwerfung. Es ist erforderlich, im Denken und F&uuml;hlen der Beherrschten ideologische Wahrheiten zu s&auml;en, die nicht verschwinden, auch wenn die Macht, die sie s&auml;te, verschwindet. Mit diesem Ziel nutzte das Kolonialsystem das, was Althusser &ldquo;ideologische Staatsapparate&rdquo; nannte, speziell die Religion und die Schule, obwohl die Rolle der Familie bei dieser Art &ldquo;Bildung&rdquo; der Individuen nicht gering zu sch&auml;tzen ist. Diesen traditionellen Apparaten f&uuml;gte die kapitalistische Entwicklung eine Evolution ohnegleichen der Kommunikationsmedien hinzu, die von reinen Vehikeln zur &Uuml;bermittlung von Nachrichten zu m&auml;chtigen Strukturen der Sinnstiftung wurden.<\/p><p>Zur Homogenisierungsbestrebung der Conquista kam sp&auml;ter die des Kapitals und damit die der m&auml;chtigen Kulturindustrien des modernen Kapitalismus hinzu. Das Ergebnis ist &ndash; gestern wie heute &ndash;, dass der S&uuml;den nicht existiert, man ihn nicht sieht und wenn er auftaucht, dann als Folklore oder B&uuml;hnenbild.<\/p><p>Nehmen wir als kleines Beispiel dieser Strategie der permanenten Unsichtbarmachung die zahlreichen Filme &uuml;ber Superhelden, die heute die Bildschirme &uuml;berschwemmen wie eine wahre Plage. Sie sind nicht nur die idealistische Glorifizierung der F&auml;higkeiten des Individuums, sondern sie sind eine Quelle der ideologischen Bildung auf unterster Stufe f&uuml;r Millionen von Zuschauern in allen Teilen der Welt.<\/p><p>In diesen Filmen sind fast alle Protagonisten M&auml;nner und Frauen von unglaublicher Sch&ouml;nheit nach den westlichen Standards, fast alle sind Wei&szlig;e, auch wenn es mal einen Asiaten, Schwarzen oder Latino als Beweis der Diversit&auml;t und der politischen Korrektheit gibt. Wenn ein Schurke angreift, tut er es immer in den gro&szlig;en Hauptst&auml;dten der entwickelten Welt, in London, Paris oder New York.<\/p><p>Wenn er zuf&auml;llig mal irgendein afrikanisches Land angreifen w&uuml;rde, w&auml;re das in einer der St&auml;dte in S&uuml;dafrika oder in Kairo, relevant f&uuml;r seine pharaonische Vergangenheit. Wenn er in Asien angreifen w&uuml;rde, w&auml;re das in Peking oder Singapur. Niemals w&uuml;rde es irgendeinem Gangster einfallen, Bamako, Lom&eacute;, Kinshasa, Ulan-Bator, Asunci&oacute;n, Paramaribo oder irgendeine andere Stadt unserer vergessenen L&auml;nder anzugreifen.<\/p><p>F&uuml;r diese gro&szlig;en Kulturindustrien, f&uuml;r den Kapitalismus, der sie unterh&auml;lt und den sie unterhalten, existiert der gr&ouml;&szlig;te Teil der Welt heute immer noch nur in der Form der Rohstoffquellen, als Markt f&uuml;r seine &uuml;bersch&uuml;ssigen Produkte und immer st&auml;rker bewachte Grenzen, um zu verhindern, dass der Andere hereinkommt. Deshalb sind nur die Kriege und Katastrophen von Interesse, die direkt die reichen L&auml;nder oder deren Interessen betreffen. Deshalb rei&szlig;en sie sich die Kleider vom Leibe angesichts der russischen Invasion in der Ukraine, w&auml;hrend sie ein erdr&uuml;ckendes Schweigen zu den Massakern Israels am pal&auml;stinensischen Volk und den saudi-arabischen Bombardierungen des verarmten Jemen wahren.<\/p><p>Wir sind unsichtbar genau deshalb, weil wir unterworfen wurden. Weil vor 500 Jahren der aufkommende europ&auml;ische Kapitalismus uns in seine Maschinerie einverleibt hat und es trotz einiger R&uuml;ckschl&auml;ge und Widerst&auml;nde dem gr&ouml;&szlig;ten Teil unserer V&ouml;lker immer noch so ergeht. Weil unsere nationalen Bourgeoisien oftmals unsere L&auml;nder an das transnationale Kapital verkauft haben und immer noch verkaufen. Und wenn wir vom S&uuml;den sprechen, geht das weit &uuml;ber das geographische Konzept hinaus, es ist eine politische, kulturelle und soziale Gegebenheit.<\/p><p>K&uuml;rzlich&nbsp;k&uuml;ndigte&nbsp;ein wichtiger europ&auml;ischer Politiker, der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Emmanuel Macron an, dass &ldquo;wir derzeit das Ende des &Uuml;berflusses erleben&rdquo;. Dieser eine Satz zeigt das ganze Ausma&szlig; unseres Vergessen-Seins. Denn die &ldquo;unterentwickelten&rdquo; Gesellschaften, die wir den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Menschheit ausmachen, haben &uuml;berhaupt keinen &Uuml;berfluss erlebt. Auch viele Menschen in den Gesellschaften des entwickelten Kapitalismus selbst haben keinerlei &Uuml;berfluss erlebt. Es ist also nur das Ende des &Uuml;berflusses f&uuml;r die Privilegierten in den L&auml;ndern des harten Kerns des gegenw&auml;rtigen Kapitalismus und die verb&uuml;ndeten Eliten in anderen Teilen der Welt.<\/p><p>Der Rest der Menschheit sieht sich zahlreichen, durch viele Faktoren bedingte Krisen gegen&uuml;ber, wo sogar das &Uuml;berleben unserer Spezies selbst in Gefahr ist. Der Widerstand des S&uuml;dens besteht in dieser Zeit nicht nur im Kampf darum, einen sichtbaren Platz in den Schaufenstern des gegenw&auml;rtigen Kapitalismus zu haben, sondern es muss der Kampf f&uuml;r eine h&ouml;her entwickelte Ordnung sein, in der wir alle ohne irgendeine Art von Diskriminierung Platz haben. Eine Ordnung, in der der Mensch und die Natur &uuml;ber den Vorteilen f&uuml;r einige Wenige stehen.<\/p><p>Wir, die Bewohner des S&uuml;dens, sind die modernen Proletarier. Wir arbeiten wo auch immer wir arbeiten, jenseits von jedem pers&ouml;nlichen Besitz, wir haben nichts als unsere Arbeitskraft zu verkaufen. Wir sehen, wie die Reicht&uuml;mer unserer L&auml;nder geraubt werden und man uns im Gegenzug nur Schulden und Anpassungsma&szlig;nahmen gibt. Das Herrschaftssystem das Kapitals ist von Natur aus gewaltt&auml;tig und wird seinen Platz nicht kampflos aufgeben. Wir m&uuml;ssen also bereit sein, den Kampf mit allen uns zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln aufzunehmen.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen uns mit dem Besten an kritischem Gedankengut ausr&uuml;sten und als Individuen und als V&ouml;lker die notwendige Einheit suchen. Nur vereint k&ouml;nnen wir Front machen gegen die schwer bewaffnete Absurdit&auml;t, die unsere Epoche f&uuml;r sich vereinnahmt hat.<\/p><p>Und wir m&uuml;ssen die Schlacht beladen mit den Erblasten aus unserer Kolonialzeit schlagen, die wir nie ganz &uuml;berwunden haben. Gegen die strukturelle Unterentwicklung, die Korruption, die Unkultur, die Bourgeoisien des Ausverkaufs, den Konsumindividualismus, gegen Atavismen jeder Art, gegen die aufgezwungenen Unterschiede. Gegen unser Bewusstsein als unterworfene Individuen und V&ouml;lker.<\/p><p>Der S&uuml;den muss den S&uuml;den zur&uuml;ckgewinnen. Die Sch&ouml;nheit seiner V&ouml;lker und die Gr&ouml;&szlig;e seiner Menschen. Wie es die gro&szlig;en Revolution&auml;re der j&uuml;ngsten Epochen Lenin, Che und Fidel voraussahen, geh&ouml;rt die Zukunft den Nationen der Peripherie. Selbst wenn sie uns nicht anerkennen, missachten und ignorieren, das Feuer der notwendigen Transformation brennt weiter und wird mit Macht zum Vorschein kommen, wo alle es sehen.<\/p><p><em>Jos&eacute; Ernesto Nov&aacute;ez Guerrero aus Kuba ist Schriftsteller und Journalist. Rektor der Universidad de las Artes, Mitglied der Asociaci&oacute;n Hermanos Sa&iacute;z, Koordinator des kubanischen Zweiges des Netzwerkes zur Verteidigung der Menschheit<\/em><\/p><p>&Uuml;bersetzung: Camilla Seidelbach, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/260387\/der-unsichtbare-sueden\">Amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ aodaodaodaod<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88665\">Stimmen aus Lateinamerika: Das Gesch&auml;ft mit dem Hunger<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88529\">Kolumbiens erste Linksregierung: Sich wie Erwachsene verhalten<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/ea025f3b067b411494bad49be50bef01\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Nationen des S&uuml;dens sind &ndash; was den kolonialistischen und erobernden Westen angeht &ndash; immer unsichtbar gewesen. 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