{"id":89548,"date":"2022-10-23T14:00:59","date_gmt":"2022-10-23T12:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89548"},"modified":"2022-10-23T14:48:43","modified_gmt":"2022-10-23T12:48:43","slug":"sachbuch-bis-alles-in-scherben-faellt-geheimdienstexperte-klaus-eichner-uebt-kritik-an-us-amerikanischer-geopolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89548","title":{"rendered":"Sachbuch \u00abBis alles in Scherben f\u00e4llt\u00bb \u2013 Geheimdienstexperte Klaus Eichner \u00fcbt Kritik an US-amerikanischer Geopolitik"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein schillernder Titel, den der Geheimdienstexperte Klaus Eichner f&uuml;r sein neues Buch gew&auml;hlt hat. <a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/bis-alles-in-scherben-faellt.html\">&laquo;Bis alles in Scherben f&auml;llt&raquo;<\/a> klingt so alarmierend, wie sich die gegenw&auml;rtige Situation rund um den Krieg zwischen Russland und der Ukraine tats&auml;chlich darstellt. Allerdings sind auch die USA in ihn tiefer verstrickt, als es die Leitmedien weismachen wollen. Um die Rolle der imperialen Supermacht geht es schlie&szlig;lich in Eichners Buch. Der Untertitel wird da schon deutlicher und nimmt die Hauptthese vorweg: &laquo;Der Kampf der USA um eine neue Weltordnung&raquo;. Begonnen habe er mit dem Untergang der Sowjetunion, so der Autor. Damals sei die bipolare Weltordnung zerbrochen, womit die USA sich ermutigt sah, die eigene Macht stetig auszubauen. Von <strong>Eugen Zentner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDiesen Prozess seit den 1990er Jahren zeichnet Eichner auf knapp 230 Seiten in einem Schnelldurchlauf nach, indem er die geopolitischen Zusammenh&auml;nge anschaulich beschreibt und anhand von Fakten zeigt, welche &ouml;konomischen, politischen und geheimdienstlichen Mittel die USA f&uuml;r ihren Kampf um eine neue Weltordnung eingesetzt hat. Daf&uuml;r greift der Autor nicht nur auf seine Erfahrungen zur&uuml;ck, die er aus jahrelanger T&auml;tigkeit als Analytiker der Hauptverwaltung A auf dem Gebiet imperialistischer Geheimdienste gesammelt hat, sondern bezieht sich auch auf interne Quelleninformationen. Sie soll er genauso kritisch analysiert haben wie die Literatur, die in den letzten Jahren zu diesem Thema erschienen ist.<\/p><p><strong>Westliches Wertesystem als Ma&szlig;stab<\/strong><\/p><p>Doch wie sieht diese neue Weltordnung aus, die die USA anstreben? Laut Eichner basiere sie zun&auml;chst darauf, die bisher geltenden Regeln auszuschalten, was sich vor allem auf das V&ouml;lkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen bezieht. &bdquo;Zum anderen&ldquo;, schreibt er weiter, &bdquo;soll die neue Weltordnung ausschlie&szlig;lich nach den Regularien der F&uuml;hrungskr&auml;fte der USA, der NATO und der EU gestaltet werden. Ma&szlig;stab f&uuml;r diese Weltordnung ist das westliche Wertesystem.&ldquo; Wer das &ouml;ffentlich so unverbl&uuml;mt ausspreche wie er, gibt der Autor zu bedenken, werde diffamiert und mundtot gemacht &ndash; mit Kampfbegriffen wie &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; oder &bdquo;Antiamerikanismus&ldquo;. Daf&uuml;r setze die Supermacht s&auml;mtliche Organisationen und Medien ein. <\/p><p>Think Tanks, Stiftungen, PR- und Propaganda-Agenturen erledigten dies auf einem Feld, wo die psychologische Kriegsf&uuml;hrung stattfindet. Solche Institutionen seien es auch, die dazu beitragen, das &bdquo;westliche Wertesystem&ldquo; als das &uuml;berlegenere darzustellen. Daf&uuml;r w&uuml;rden Printmedien, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie soziale Medien als Beeinflussungsinstrumente eingesetzt: &bdquo;Ihre Aufgabe ist die &raquo;Eroberung&laquo; der Gedanken und Gef&uuml;hle der Menschen, die Herstellung der Herrschaft &uuml;ber den sogenannten Mindset &ndash; die Art zu denken, die Umwelt wahrzunehmen, sie unbewusst zu reflektieren.&ldquo;<\/p><p><strong>Griffige Beispiele<\/strong><\/p><p>Eichners Verdienst besteht allerdings nicht darin, dass er den Einsatz derartiger Mittel erw&auml;hnt. Das ist gr&ouml;&szlig;tenteils bekannt. Seine Aussagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit griffigen Beispielen untermauert werden &ndash; mit Fakten, die das Ausma&szlig; der Manipulation begreifbar machen. Bis die breite &Ouml;ffentlichkeit von den L&uuml;gen und Legenden erf&auml;hrt, ist der Schaden meistens bereits angerichtet, wie der Autor anhand des zweiten Irak-Krieges veranschaulicht. Die Entscheidung des UN-Sicherheitsrates, ihn v&ouml;lkerrechtlich zu legalisieren, habe auf Grundlage erfundener Gr&auml;uelnachrichten stattgefunden: &bdquo;So hatte beispielsweise eine Krankenschwester vor der UNO mit tr&auml;nenerstickter Stimme von brutalen S&auml;uglingsmorden und ein Arzt als Zeuge von &auml;hnlichen Verbrechen irakischer Soldaten berichtet.&ldquo; <\/p><p>Allerdings habe es sich bei der &bdquo;vermeintlichen Krankenschwester&ldquo; um die &bdquo;f&uuml;nfzehnj&auml;hrige Tochter des kuweitischen Botschafters in den USA&ldquo; gehandelt. &bdquo;Der angebliche Chirurg&ldquo;, schreibt Eichner weiter, &bdquo;war ein Zahnarzt. Die Texte dieser angeblichen Augenzeugen hatte eine New Yorker PR-Firma geschrieben, die Operation war von der US-Organisation Citizens for a Free Kuwait finanziert worden.&ldquo; Dass die USA auch f&uuml;r Lippenbekenntnisse gut ist, vor allem gegen&uuml;ber dem Kreml, f&uuml;hrt der Autor vor Augen, indem er an den Staatsbesuch James Bakers in Moskau erinnert. Dort verweilte der einstige US-Au&szlig;enminister im Februar 1990 und konferierte mit Michail Gorbatschow. Dabei versicherte Baker, dass sich die NATO &bdquo;nicht einen Zentimeter ostw&auml;rts&ldquo; bewegen werde, &bdquo;wenn Moskau der NATO-Mitgliedschaft des vereinigten Deutschland zustimmen werde&ldquo;. <\/p><p>Dieses Versprechen wurde bekanntlich gebrochen. Eichner ruft das ins Ged&auml;chtnis, indem er auf den Jugoslawien-Krieg eingeht und erl&auml;utert, welche Rolle die USA dabei spielten. Nach bekanntem Muster habe man zun&auml;chst zur Propaganda gegriffen, um Serbien als Aggressor gegen&uuml;ber den Kosovoalbanern zu diskreditieren. Es sei von Konzentrationslagern die Rede gewesen und von Massenexekutionen. Doch die h&auml;tten sich schlie&szlig;lich als reine Erfindungen erwiesen: &bdquo;Mehrere als ermordet gemeldete kosovoalbanische Intellektuelle beispielsweise tauchten pl&ouml;tzlich wieder auf, berichteten deutsche Medien.&ldquo; Sp&auml;ter sei die NATO unter F&uuml;hrung der USA milit&auml;risch gegen Jugoslawien vorgegangen, wobei Eichner diesen Schritt bereits als Teil der Neuordnung der Welt bezeichnet. &bdquo;Die USA&ldquo;, schreibt er ganz offen, &bdquo;wurden auf dem Balkan aktiv, um dort den Einfluss Russlands zur&uuml;ckzudr&auml;ngen. <\/p><p><strong>Der Ukraine-Krieg<\/strong><\/p><p>Die gleiche Strategie verfolge die Supermacht gegenw&auml;rtig in dem Ukraine-Konflikt. Es sei mehr als eine Auseinandersetzung &bdquo;zweier kapitalistischer Oligarchenstaaten&ldquo;, lautet seine These. Es handle sich auch nicht um einen Stellvertreterkrieg des Westens gegen den Osten. Vielmehr stelle der Krieg im Kern einen offenen milit&auml;rischen Kampf um die Durchsetzung einer neuen Weltordnung dar. Insofern habe mit dem Zerfall der Sowjetunion eine stetige Expansion nach Osten stattgefunden, bei der es nach Eichner weniger um Freiheit und Demokratie gehe als um Ressourcen. Denn der Kampf der USA um die neue Weltordnung speise sich aus der Angst vor dem Verzicht. &bdquo;Man will sich nicht ein- und beschr&auml;nken m&uuml;ssen. Es soll alles so weiterlaufen wie gewohnt, und nach M&ouml;glichkeit noch besser.&ldquo;<\/p><p>&laquo;Bis alles in Scherben f&auml;llt&raquo; kommt als ein sehr kritisches Buch daher, in dem das wahre Wesen der imperialen Supermacht entlarvt wird. Eichner ben&ouml;tigt daf&uuml;r nicht viel Platz. In einer kurzen, aber klaren Darstellung gelingt es ihm meisterhaft, das zu beschreiben, was hinter den Kulissen abl&auml;uft. Er geht nicht nur auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in Jugoslawien und der Ukraine ein, sondern auch auf den Einsatz in Afghanistan. Zwischendurch werden immer wieder die Interventionen in Mittel- und S&uuml;damerika erw&auml;hnt, zwar nicht ausf&uuml;hrlich, aber verst&auml;ndlich genug, um die Muster US-amerikanischer Geopolitik zu erkennen. Als besonders interessant erweisen sich Stellen, an denen der Autor auf die Arbeit der Geheimdienste eingeht. Eichner f&uuml;hrt in diesem Kontext vor Augen, welchen Einfluss die CIA auf internationale Zeitungen, Magazine und Nachrichtenagenturen hat, es aber auch versteht, Kulturschaffende f&uuml;r sich einzuspannen.<\/p><p>Im Zuge seiner Ausf&uuml;hrungen wird aber auch deutlich, wie die USA selbst ihre Verb&uuml;ndete sich untertan und sie zu Vasallen macht, die bedingungslos der F&uuml;hrungsmacht folgen. Nicht unerw&auml;hnt bleibt in diesem Zusammenhang die Rolle der R&uuml;stungskonzerne sowie der Finanz- und Investmentindustrie, die mit Kriegen und milit&auml;rischen Konflikten Milliarden verdienen. &bdquo;Und sie verdienen zwei Mal&ldquo;, schreibt Eichner: &bdquo;einmal durch die Produktion von Waffen und R&uuml;stungsg&uuml;tern, dann durch den Wiederaufbau der mit diesen Waffen zerst&ouml;rten St&auml;dte und Produktionsanlagen.&ldquo; Es ist ein durchaus polemischer Ton, der zwischen den Zeilen durchschimmert. Man merkt dem Autor an, dass er sich gro&szlig;e Sorgen macht. Seine Warnung lautet daher: &bdquo;Entweder es gelingt kollektiv, eine &raquo;Pax Americana&laquo; zu verhindern &ndash; oder die Tage der Menschheit sind gez&auml;hlt. Es muss verhindert werden, dass alles in Scherben f&auml;llt!&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein schillernder Titel, den der Geheimdienstexperte Klaus Eichner f&uuml;r sein neues Buch gew&auml;hlt hat. <a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/bis-alles-in-scherben-faellt.html\">&laquo;Bis alles in Scherben f&auml;llt&raquo;<\/a> klingt so alarmierend, wie sich die gegenw&auml;rtige Situation rund um den Krieg zwischen Russland und der Ukraine tats&auml;chlich darstellt. 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