{"id":89683,"date":"2022-10-26T09:00:53","date_gmt":"2022-10-26T07:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89683"},"modified":"2022-10-26T12:11:27","modified_gmt":"2022-10-26T10:11:27","slug":"wir-brauchen-nicht-mehr-waffen-wir-brauchen-medien-die-ehrlich-berichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89683","title":{"rendered":"\u201eWir brauchen nicht mehr Waffen. Wir brauchen Medien, die ehrlich berichten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>So <strong>Daniele Ganser<\/strong> <a href=\"https:\/\/transition-news.org\/hoffe-nicht-dass-wir-uns-auf-einen-atomkrieg-zubewegen\">in einem Interview mit Transition News<\/a>. Wir geben Ihnen dieses interessante Interview zur Kenntnis.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&laquo;Hoffe nicht, dass wir uns auf einen Atomkrieg zubewegen&raquo;<\/strong><\/p><p>Daniele Ganser kritisiert, dass Russland von den Nord-Stream-Ermittlungen ausgeschlossen wird. Wom&ouml;glich werde damit die Sache vertuscht, erkl&auml;rt er im Gespr&auml;ch mit &laquo;Transition News&raquo;. Von <strong>Rafael Lutz<\/strong><\/p><p>In der Ukraine &uuml;berschlagen sich derzeit die Ereignisse: Weite Teile der Ostukraine geh&ouml;ren nach den Referenden inzwischen zu Russland. Die Ukraine hat j&uuml;ngst die Krim-Br&uuml;cke angegriffen; seither bombardiert Russland mehrere ukrainische St&auml;dte, darunter auch Kiew. Laut <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/welt\/osteuropa\/politik\/liveblog-ukraine-krieg-russland-angriffe-orte-ohne-strom-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">Aussagen<\/a> von Pr&auml;sident Wolodimir Selenski hat Russland j&uuml;ngst ein Drittel der ukrainischen Kraftwerke zerst&ouml;rt, landesweite Stromabschaltungen folgten. Der Historiker Daniele Ganser befasst sich seit Jahren mit dem Ukraine-Konflikt. Gegen&uuml;ber <em>Transition News<\/em> gibt der Friedensforscher seine Einsch&auml;tzung ab.<\/p><p><em><strong>Transition News: Herr Ganser, wie sch&auml;tzen Sie die aktuelle Lage in der Ukraine ein?<\/strong><\/em><\/p><p>Daniele Ganser: Ich sch&auml;tze die Lage als gef&auml;hrlich ein, weil wir in der Ukraine eine Konfrontation der atomaren Superm&auml;chte USA und Russland haben. Es tut mir leid, dass so viele Menschen leiden, sowohl Ukrainer wie auch Russen. Der Krieg in der Ukraine begann im Februar 2014 mit dem illegalen Putsch der USA in Kiew. Danach folgten acht Jahre B&uuml;rgerkrieg der Regierung in Kiew gegen den Donbass mit 10&rsquo;000 Toten. Darauf folgte die illegale Invasion von Russland im Februar 2022.<\/p><p>Jetzt, im September 2022, hat sich die Lage erneut ver&auml;ndert, weil die Oblaste Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischja f&uuml;r den Beitritt zu Russland gestimmt haben. Die Fl&auml;che der Ukraine wurde also nochmals kleiner, nachdem schon 2014 die Krim die Ukraine nach einer Abstimmung verlassen hat und Russland beigetreten ist. Insgesamt haben wir nun 8 Jahre und 8 Monate Krieg, und ein Ende ist derzeit leider nicht in Sicht.<\/p><p><em><strong>&laquo;Wer den Atomkrieg verhindern will, muss in der Lage sein, ihn zu f&uuml;hren.&raquo; Das <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/ein-atomkrieg-putins-in-der-ukraine-waere-fuer-russland-ein-debakel-ld.1706905\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">schrieb<\/a> NZZ-Chefredaktor Eric Gujer in seinem Leitartikel am 15. Oktober. Er pl&auml;diert f&uuml;r mehr Aufr&uuml;stung und Abschreckung &ndash; nur so k&ouml;nne die Sicherheit Europas aufrechterhalten werden. Was entgegnen Sie Gujer? <\/strong><\/em><\/p><p>Ich bin nicht mit Eric Gujer einverstanden, ich finde Aufr&uuml;stung ist der falsche Weg. Wir haben seit 1945 Atomwaffen auf der Welt, aber trotzdem keinen Frieden. Die globalen R&uuml;stungsausgaben steigen von Jahr zu Jahr und betrugen im letzten Jahr mehr als 2000 Milliarden Dollar. Nie in der Geschichte der Menschheit haben wir mehr f&uuml;r R&uuml;stung ausgegeben. Trotzdem gibt es weiterhin Kriege. Daraus erkennt man: Mehr Waffen oder sogar die Vorbereitung f&uuml;r den Atomkrieg f&uuml;hren nicht zum Frieden. Wir haben es versucht, es hat nicht funktioniert. Viel wichtiger w&auml;re es, die Hintergr&uuml;nde dieses Konfliktes aufzukl&auml;ren. Und da spielen einflussreiche Medien wie die <em>NZZ<\/em> eine wichtige Rolle.<\/p><p><em><strong>Wie beurteilen Sie die Arbeit der NZZ: Kl&auml;rt das Leibblatt des Freisinns seine Leser &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde des Krieges auf? <\/strong><\/em><\/p><p>Hier in Europa werden die verdeckten Operationen der USA in den Medien oft verschwiegen, daher haben wir ein verzerrtes Bild. Ich denke, Eric Gujer weiss, dass die USA 2014 in Kiew einen Putsch gemacht haben, aber in der <em>NZZ<\/em> kann man das nicht lesen. Nie hat die <em>NZZ<\/em> Pr&auml;sident Obama und Vizepr&auml;sident Biden daf&uuml;r kritisiert, dass sie 2014 in der Ukraine die Regierung gest&uuml;rzt haben, obschon dies die Ukraine ins Ungl&uuml;ck st&uuml;rzte. Die meisten <em>NZZ<\/em>-Leser haben vermutlich noch nie etwas &uuml;ber den Putsch von Victoria Nuland geh&ouml;rt und glauben, der Krieg in der Ukraine sei nur die Schuld von Pr&auml;sident Putin, weil es so jeden Tag dargestellt wird. Das stimmt aber nicht.<\/p><p>Der Konflikt hat viele verschiedene Ebenen. Putin hat eine Teilschuld, aber auch Obama hat eine Teilschuld. Weil Pr&auml;sident Selenski nach seiner Wahl 2019 den B&uuml;rgerkrieg weitergef&uuml;hrt hat, tr&auml;gt auch Selenski eine Teilschuld. Wir brauchen also nicht mehr Waffen, sondern Medien, die ehrlich &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde des Konflikts berichten und die illegalen Handlungen von beiden Hauptakteuren darlegen, also sowohl von Russland wie auch der USA. Als ich Geschichtsstudent war an der Universit&auml;t Basel vor 25 Jahren glaubte ich, die <em>NZZ<\/em> sei die beste Zeitung, immer objektiv. Das glaube ich heute nicht mehr. Die <em>NZZ<\/em> vertritt die Sicht der US-Regierung auf den Krieg in der Ukraine. Die Sicht von Russland kann man in der <em>NZZ<\/em> kaum lesen. F&uuml;r uns in der Schweiz w&auml;re es aber wichtig, die Perspektive von beiden Hauptakteuren zu kennen.<\/p><p><em><strong>Russlands Pr&auml;sident Vladimir Putin sagte k&uuml;rzlich: Er schliesse den Einsatz von Atomwaffen nicht aus. Die NATO wiederum <a href=\"https:\/\/transition-news.org\/manover-steadfast-noon-die-nato-ubt-atomkrieg\">trainiert<\/a> seit dieser Woche die Verteidigung des europ&auml;ischen B&uuml;ndnisgebiets mit Atomwaffen. Damit will sich das Milit&auml;rb&uuml;ndnis eigenen Angaben zufolge auf ein Schreckensszenario wie einen Atomkrieg vorbereiten. Schlafwandeln wir gerade in einen Atomkrieg? <\/strong><\/em><\/p><p>Nein, ich hoffe nicht, dass wir uns auf einen Atomkrieg zubewegen, das kann niemand wollen. W&auml;hrend der Kubakrise 1962 kam es auch schon zur Konfrontation zwischen Washington und Moskau. Damals war Kuba der Schauplatz. Heute ist es die Ukraine. Auch damals f&uuml;rchtete die Welt den Ausbruch eines Atomkrieges. Dazu ist es zum Gl&uuml;ck nicht gekommen. Weil Kennedy und Chruschtschow &uuml;ber ihre Vertrauensleute hinter den Kulissen zusammen verhandelt haben.<\/p><p>Das braucht es auch heute: Putin und Biden m&uuml;ssen verhandeln, um eine direkte nukleare Konfrontation der Superm&auml;chte abzuwenden. Wir brauchen Gespr&auml;che und Deeskalation. Daher halte ich es auch f&uuml;r falsch, dass Deutschland Waffen an Selenski liefert.<\/p><p><em><strong>Sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AbtN1a7HIv4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">sagten<\/a> neulich, dass insbesondere beim NATO-B&uuml;ndnisfall Alarmstufe dunkelrot vorherrsche. Der B&uuml;ndnisfall liegt dann vor, wenn ein NATO-Mitglied angegriffen w&uuml;rde. Zwar ist die Ukraine nicht Mitglied des westlichen B&uuml;ndnisses. Doch die Zusammenarbeit wird immer enger. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/in-bruessel-ist-passiert-was-putin-eigentlich-immer-verhindern-wollte-8747248.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">bedankte<\/a> sich k&uuml;rzlich auf Twitter f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung der NATO: &laquo;Wir sind einen weiten Weg gegangen und haben uns jetzt de facto der Allianz angeschlossen.&raquo; Ist ein NATO-Beitritt inzwischen realistisch, und: Was w&uuml;rde der f&uuml;r den weiteren Krieg in der Ukraine bedeuten?<\/strong><\/em><\/p><p>Was der ukrainische Verteidigungsminister Resnikow sagt, ist nicht wahr. Die Ukraine ist de facto kein Mitglied der NATO. Daher hat der Angriff von Russland auf die Ukraine auch nicht den NATO-B&uuml;ndnisfall ausgel&ouml;st. Ich glaube auch nicht, dass die Ukraine in der Zukunft der NATO beitreten sollte. Besser w&auml;re es meiner Ansicht nach, wenn die Ukraine neutral bleibt wie die Schweiz, Irland oder &Ouml;sterreich. Es w&auml;re ein Schritt in Richtung Entspannung, wenn Pr&auml;sident Selenksi &ouml;ffentlich erkl&auml;ren w&uuml;rde, dass die Ukraine nie Mitglied der NATO werden will. Denn schon seit mehr als 14 Jahren ist das der zentrale Streitpunkt.<\/p><p>Die USA wollen, dass die Ukraine in die NATO kommt, US-Pr&auml;sident Bush hat 2008 beim Gipfel der NATO in Bukarest die Ukraine &ouml;ffentlich eingeladen, Mitglied der NATO zu werden. Das war falsch und eine Provokation. Putin war damals auch beim Gipfel in Bukarest dabei und hat klar gesagt, dass Russland das nicht will. Auch als Pr&auml;sident Biden und Pr&auml;sident Putin sich im Juni 2021 in der Schweiz trafen, war dies das Kernthema: Putin forderte Neutralit&auml;t f&uuml;r die Ukraine, was den Einmarsch von Russland verhindert h&auml;tte. Aber Biden lehnte ab und erkl&auml;rte, jedes Land d&uuml;rfe frei w&auml;hlen, welchem Milit&auml;rb&uuml;ndnis es beitrete. Daher scheiterte der Gipfel in der Schweiz.<\/p><p>Biden war nicht ganz ehrlich, denn w&auml;hrend der Kubakrise vertrat Kennedy auch nicht die Ansicht, dass Kuba seine milit&auml;rische Bewaffnung frei w&auml;hlen d&uuml;rfe. Grossm&auml;chte wie die USA und Russland haben die Souver&auml;nit&auml;t der L&auml;nder in ihrem direkten Umfeld immer eingeschr&auml;nkt, das zeigt die Geschichte.<\/p><p><em><strong>In Deutschland bewegt die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines gegenw&auml;rtig die Menschen. Viele gehen davon aus, dass die USA dahinterstehen. Wie beurteilen Sie das? <\/strong><\/em><\/p><p>Durch den Terroranschlag auf die Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 am 26. September 2022 hat sich der Krieg &uuml;ber die Grenzen der Ukraine hinaus bis in die Ostsee ausgeweitet. Das ist bedenklich. Die Pipelines wurden bei der d&auml;nischen Insel Bornholm in 80 Meter Tiefe gesprengt. Ich bin mit der d&auml;nischen Premierministerin Mette Frederiksen einig, dass es schwierig ist, sich vorzustellen, dass es sich um einen Unfall handelt, weil es vier Lecks gab.<\/p><p>Es war ganz klar kein Unfall, sondern ein Terroranschlag. Wer den Anschlag ausgef&uuml;hrt hat, ist derzeit unklar. Der US-&Ouml;konom Jeffrey Sachs hat auf <em>Bloomberg<\/em> <a href=\"https:\/\/www.jeffsachs.org\/interviewsandmedia\/wc5p5k2cbndm2xaerfghe2ncndj849\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">erkl&auml;rt<\/a>, dass der Terroranschlag vermutlich durch die USA ausgef&uuml;hrt wurde. Ob das stimmt, m&uuml;ssen nun die offiziellen Untersuchungen kl&auml;ren.<\/p><p><em><strong>Aus Schweden hiess es k&uuml;rzlich, dass man die Lecks der Pipeline alleine untersuchen wolle. Die Sicherheitseinstufung der Untersuchung sei zu hoch, um das Ergebnis mit anderen L&auml;ndern zu teilen. Kurz darauf <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/id_100066078\/nord-stream-sabotage-andersson-dementiert-alleingang-bei-ermittlungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">dementierte<\/a> Schwedens Ministerpr&auml;sidentin Magdalena Andersson die Aussagen und best&auml;tigte, gemeinsam mit D&auml;nemark und Deutschland ermitteln zu wollen.<\/strong><\/em><\/p><p><em><strong>Die deutsche Bundesregierung wiederum <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article241637175\/Keine-gemeinsamen-Ermittlungen-zu-Nord-Stream-Pipelines.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">erkl&auml;rte<\/a> j&uuml;ngst, dass es keine gemeinsame Ermittlungsgruppe geben werde. Rechnen Sie damit, dass die Sache jemals aufgekl&auml;rt wird? <\/strong><\/em><\/p><p>Schweden, D&auml;nemark und Deutschland wollten den Terroranschlag eigentlich gemeinsam untersuchen und herausfinden, wer daf&uuml;r verantwortlich ist. Doch pl&ouml;tzlich hiess es, die Sache sei zu brisant, es werde doch keine gemeinsame Ermittlungsgruppe (Joint Investigation Team) geben. Anscheinend traut kein Land dem anderen, denn es ist Krieg in Europa. Nun ermittelt jedes Land f&uuml;r sich. Dass Schweden und D&auml;nemark ermitteln ist richtig, denn die L&ouml;cher an den Pipelines befinden sich in der schwedischen und der d&auml;nischen Wirtschaftszone.<\/p><p>Auch der deutsche Generalbundesanwalt ermittelt, das ist auch richtig, denn die Pipeline brachte Erdgas nach Deutschland, und der Terroranschlag ist ein Angriff auf die deutsche Energieversorgung. Aber Russland, immerhin Besitzer der Pipelines und Lieferant des Erdgases, wird derzeit von den Ermittlungen ausgeschlossen. Das halte ich f&uuml;r falsch. Es m&uuml;sste eine internationale Ermittlungsgruppe geben, bestehend aus Schweden, D&auml;nemark, Deutschland und Russland, sonst wird die Sache wom&ouml;glich nie aufgekl&auml;rt, sondern vertuscht.<\/p><p><em><strong>Kommen wir zuletzt noch auf die Schweiz: Die Schweizer Verteidigungsministerin Viola Amherd <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/bundesraetin-viola-amherd-zum-streit-ueber-den-f-35-im-bundesrat-ld.1702353\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">sagte<\/a> k&uuml;rzlich, dass es wichtig sei, dass die Schweiz &laquo;zur Sicherheit und Stabilit&auml;t in Europa einen Beitrag&raquo; leiste. Sie sprach dabei auch von einer k&uuml;nftig engeren Zusammenarbeit mit der NATO, &laquo;etwa der Teilnahme an Verteidigungs&uuml;bungen&raquo;. Gleichzeitig tr&auml;gt der Bundesrat die Sanktionen gegen Russland mit; mehr noch: Aussenminister Ignazio Cassis <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/mehrere-tausend-menschen-lauschen-in-bern-selenskyjs-worten\/47446742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer external\">solidarisierte<\/a> sich an einer Demonstration mit Pr&auml;sident Selenski. Steht die Schweiz immer mehr unter der Fuchtel der NATO und den Westm&auml;chten? Wie beurteilen Sie die Rolle der Schweiz? <\/strong><\/em><\/p><p>Bundesrat Maurer hat am Tag der illegalen russischen Invasion am 24. Februar 2022 gesagt, dass die Schweiz als neutraler Kleinstaat zur Deeskalation beitragen werde. Das war ein Bekenntnis zur Neutralit&auml;t, das war richtig und wichtig. Aber die Schweiz hat diese Position leider nur vier Tage durchgehalten. Schon am 28. Februar 2022 erkl&auml;rte Bundesrat Cassis, man &uuml;bernehme alle Sanktionen der EU gegen Russland. Damit hat die Schweiz die Neutralit&auml;t aufgegeben.<\/p><p>Die Schweiz stand unter Druck aus den USA und der EU. Mir ist aber nicht ganz klar, was in diesen vier Tagen im Bundesrat in Bern passiert ist. Das Volk wurde auf jeden Fall nicht gefragt. Meiner Ansicht nach sollte die Schweiz neutral bleiben und sich nicht am Wirtschaftskrieg gegen Russland beteiligen. Als die USA und die Briten 2003 illegal den Irak angriffen, haben wir auch keinen Wirtschaftskrieg gegen die Briten und die USA ausgerufen. Die Schweiz kann nicht immer die Neutralit&auml;t aufgeben, wenn ein anderes Land einen illegalen Krieg f&uuml;hrt. Wenn Bundesr&auml;tin Amherd gemeinsame Milit&auml;r&uuml;bungen mit der NATO fordert, halte ich das f&uuml;r falsch.<\/p><p>Das Prinzip der Neutralit&auml;t besteht darin, dass man nicht Mitglied in einem Milit&auml;rb&uuml;ndnis ist und auch nicht mit einem Milit&auml;rb&uuml;ndnis trainiert. Die NATO hat &uuml;brigens 1999 selber einen illegalen Krieg gef&uuml;hrt und Serbien angegriffen. Wer glaubt, die NATO halte sich an das V&ouml;lkerrecht, der irrt sich. Die NATO wird von den USA gef&uuml;hrt. Alle 30 Mitgliedstaaten wissen, dass die USA das einflussreichste Land in der NATO sind. Pr&auml;sident Nixon hat einmal ganz offen gesagt, dass die USA die NATO anf&uuml;hren, und damit hatte er recht.<\/p><p><em><strong>Mit Blick auf die Ukraine k&ouml;nnte man angesichts der gegenw&auml;rtigen Nachrichtenlage fast verzweifeln. Trotzdem: Gibt es Hoffnung? Sehen Sie M&ouml;glichkeiten, dass ein baldiger Frieden realistisch sein k&ouml;nnte?<\/strong><\/em><\/p><p>Es gibt immer Hoffnung, denn wir haben immer die Wahl als Menschen, wie wir die Zukunft gestalten. Wir haben auch die Wahl, welche Medien wir konsumieren. Und wann wir medial fasten, was derzeit sehr wichtig ist. Ich rate allen, viel in die Natur zu gehen, denn die Medien sch&uuml;ren t&auml;glich Angst. Offline ist das neue Bio. Wenn wir &uuml;ber den Krieg in der Ukraine nachdenken, m&uuml;ssen wir erkennen, dass eine Teilschuld in Washington liegt. Eine weitere Teilschuld liegt in Kiew, und eine Teilschuld liegt in Moskau.<\/p><p>Es ist keineswegs so, dass Russland f&uuml;r alle Probleme in der Ukraine verantwortlich ist. Wenn wir uns aber nicht trauen, &uuml;ber den Putsch der USA vom Februar 2014 zu sprechen, k&ouml;nnen wir die Teilschuld von Obama nicht erkennen. Wenn wir nicht &uuml;ber den B&uuml;rgerkrieg sprechen, k&ouml;nnen wir die Teilschuld von Selenski nicht sehen. Auch Putin hat eine Teilschuld, denn er ist verantwortlich f&uuml;r die illegale Invasion vom Februar 2022.<\/p><p>Aber alle Schuld Putin zu geben, ist sachlich falsch und verhindert eine friedliche L&ouml;sung. Wichtig ist in einem Konflikt, dass alle involvierten Parteien &uuml;ber ihre Gewaltt&auml;tigkeit nachdenken und diese auch eingestehen. Erst dann kann es eine ehrliche L&ouml;sung geben.<\/p><p>Das Interview wurde am 18.\/19. Oktober 2022 schriftlich gef&uuml;hrt.<\/p><p><em>Das Interview erschien zuerst <a href=\"https:\/\/transition-news.org\/hoffe-nicht-dass-wir-uns-auf-einen-atomkrieg-zubewegen\">am 23. Oktober 2022 auf transition-news.org<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So <strong>Daniele Ganser<\/strong> <a href=\"https:\/\/transition-news.org\/hoffe-nicht-dass-wir-uns-auf-einen-atomkrieg-zubewegen\">in einem Interview mit Transition News<\/a>. 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