{"id":89777,"date":"2022-10-29T11:45:41","date_gmt":"2022-10-29T09:45:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89777"},"modified":"2026-01-27T11:43:30","modified_gmt":"2026-01-27T10:43:30","slug":"es-wurde-ueber-monate-so-getan-als-sei-dieser-krieg-vom-himmel-gefallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89777","title":{"rendered":"\u201eEs wurde \u00fcber Monate so getan, als sei dieser Krieg vom Himmel gefallen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Kriegspropaganda, Realit&auml;tsverdrehungen und Einblicke in eine &bdquo;Lanz-Sendung&ldquo;: Im zweiten Teil des Interviews mit <strong>Ulrike Gu&eacute;rot<\/strong> und <strong>Hauke Ritz<\/strong> liegt der Fokus auf dem Krieg in der Ukraine. Gu&eacute;rot gibt aber auch einen Einblick in ihren Auftritt bei Markus Lanz, wo die G&auml;ste und der Moderator sie massiv angegangen haben und &auml;u&szlig;ert sich zu den Plagiatsvorw&uuml;rfen. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8693\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-89777-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=89777-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221028-Friedensprojekt-Europa-gescheitert-Teil-2-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89772\">hier den ersten Teil<\/a> des Interviews.<\/em><\/p><p><strong>Erkennen Sie im Handeln der EU Kriegspropaganda? Wenn ja: Wie sieht diese aus? <\/strong><\/p><p><strong>Guerot:<\/strong> Wenn wir &uuml;ber Kriegspropaganda reden, gilt zu wissen: Kriege &ndash; insbesondere in unserer Zeit &ndash; sind zuallererst Informationskriege. Wir analysieren in unserem Buch die Kapazit&auml;ten der USA, die Deutungshoheit der westlichen Medien zu bestimmen und ein <em>framing<\/em> zu erzeugen, dass den &bdquo;Westen&ldquo; immer in gutem Licht dastehen l&auml;sst. <\/p><p><strong>Haben Sie Beispiele? <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Das f&auml;ngt mit semantischen Setzungen bzw. Begrifflichkeiten an. Wenn die USA einen &ndash; ebenfalls in den meisten F&auml;llen v&ouml;lkerrechtswidrigen &ndash; Krieg beginnen, ist es etwa immer ein &bdquo;Einmarsch&ldquo; oder eine &bdquo;Intervention&ldquo;. Im Falle der Ukraine wurde fast penetrant vom russischen Angriffskrieg gesprochen, obwohl, n&uuml;chtern gesprochen, das von einigen vorgebrachte Argument eines russischen Beistandes der russisch-sprachigen Bev&ouml;lkerungen im Donbass nach Art. 51 UN-Charta auch h&auml;tte diskutiert werden k&ouml;nnen. Die eindeutige normative Festlegung ist ein Element von Propaganda. Die v&ouml;llig fehlende Kontextualisierung in der Berichterstattung ein zweites. Es wurde ja &uuml;ber Monate so getan, als sei dieser Krieg am 24. Februar 2022 vom Himmel gefallen. <\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich dieses Verhalten? <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Nun mit der eindeutigen semantischen Setzung (&bdquo;Angriffskrieg&ldquo;), der daraus erzeugten normativen Eindeutigkeit (&bdquo;Putin ist alleine Schuld&ldquo;) sowie der mangelnden Kontextualisierung (&bdquo;der Krieg hat keine Vorgeschichte&ldquo;) ist es gelungen, jede Mitverantwortung des Westen f&uuml;r die Geschehnisse auszublenden und gleichzeitig in der Bev&ouml;lkerung eine emotionale Grundstimmung oder gar Emp&ouml;rung zu verbreiten, die f&uuml;r ein Kriegsgeschehen aufwiegelt, die also erst die Bereitschaft schafft, etwa Milliarden Steuergelder f&uuml;r Waffenlieferungen bereitzustellen, &bdquo;Frieren im Winter&ldquo; in Kauf zu nehmen oder auch es hinzunehmen, dass durch die explodierenden Gas- und Energiekosten ganze Industriezweige in die Insolvenz getrieben werden. Unter normalen Umst&auml;nden w&uuml;rde man das ja, vernunftbegabt, nie zulassen. Es muss also eine emotionale Disposition in der Bev&ouml;lkerung erzeugt werden, dass man es f&uuml;r einen <em>guten Zweck<\/em> in Kauf nimmt, und das ist mittels dieser Kriegspropaganda ja auch hinreichend gelungen, auch wenn langsam Zweifel durchsickern, der Widerstand dagegen lauter wird und sich &bdquo;<em>Frieren f&uuml;r Kiew<\/em>&ldquo; nicht so einfach politisch verordnen l&auml;sst. Sahra Wagenknecht, die als einzige mutige Politikerin diese de facto selbstsch&auml;digende Politik kritisiert, erntet daf&uuml;r sehr viel Zuspruch. <\/p><p><strong>Ist der Krieg in der Ukraine f&uuml;r Sie auch ein Stellvertreterkrieg? <\/strong><\/p><p><strong>Ritz: <\/strong>Es ist ein halber Stellvertreterkrieg, insofern die USA die Ukraine als einen Stellvertreter benutzt, um bestimmte Ziele zu erreichen. Zu diesen Zielen geh&ouml;rt die Abtrennung Russlands von Europa, die Schw&auml;chung und Destabilisierung Russlands, aber auch die Schw&auml;chung Deutschlands und der gesamten EU. Insofern handelt es sich um einen Stellvertreterkrieg. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass Russland in diesem Krieg kaum Stellvertreter einsetzt und direkt beteiligt ist. Aus russischer Perspektive ist es somit kein Stellvertreterkrieg, da jeden Tag die eigenen Soldaten sterben, aus Sicht des Pentagons aber schon, was teilweise offen ausgesprochen wurde. Dieser Krieg wurde von langer Hand vorbereitet, sp&auml;testens seit dem Maidan von 2014. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p><strong>Ritz:<\/strong> Wir zitieren in unserem Buch zum Beispiel mehrere amerikanische Politikberater und Geostrategen, die schon seit den 1990er Jahren offen verk&uuml;ndet haben, dass es das Ziel der amerikanischen Politik sei, Europa von Russland abzuschneiden und Russland massiv zu schw&auml;chen. Bereits in den 1990er Jahren gehen die amerikanischen und europ&auml;ischen Zielsetzungen stark auseinander. Eine Zeitlang sah es auch so aus, als ob es den Europ&auml;ern gelingen k&ouml;nnte, sich zumindest etwas von den USA zu l&ouml;sen und eigenst&auml;ndige Zielsetzungen zu verfolgen. Doch ab der Mitte der 00er Jahre schafften es die USA, diesen Prozess abzugleisen. Dabei spielte PR-Arbeit eine erhebliche Rolle. Den USA ist es gelungen, durch Informationskriegsf&uuml;hrung (also die milit&auml;rische Nutzbarmachung von Nachrichten und Kommunikationsprozessen) ihre Weltsicht auf die Europ&auml;er zu &uuml;bertragen. Das Resultat ist, dass wir es 30 Jahre nach dem Mauerfall mit einem neuen hei&szlig;en Krieg in Europa und perspektivisch wohl auch mit einem neuen Eisernen Vorhang zu tun haben werden. All dies ist Ausdruck eines fundamentalen Scheiterns der EU.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich denn diesen Krieg? Wie konnte es so weit kommen? <\/strong><\/p><p><strong>Ritz:<\/strong> Man muss sich vor diesem Hintergrund klar machen, dass die USA in Europa fast alles tun k&ouml;nnen, ohne dass unsere eigenen Regierungen und Geheimdienste Einspruch erheben. <\/p><p>&bdquo;<strong>Abh&ouml;ren unter Freunden&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p><strong>Ritz:<\/strong> Richtig. Und wir w&auml;ren zu Recht sehr besorgt, wenn zum Beispiel L&auml;nder wie Iran, T&uuml;rkei oder China versuchen w&uuml;rden, die Karrierewege unserer Politiker zu beeinflussen. Stellen sie sich vor, es g&auml;be eine Institution Namens Asienbr&uuml;cke, die Politiker f&ouml;rdert, die China positiv gesonnen sind. Zu Recht w&uuml;rden wir das als Verletzung unserer Souver&auml;nit&auml;t empfinden und wahrscheinlich versuchen, es zu unterbinden. Doch im Falle der USA ist genau dasselbe Vorgehen mit einem Mal ganz unproblematisch. Dass die USA zum Beispiel &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41456\">Atlantikbr&uuml;cke<\/a> die Karrierewege in fast allen Parteien beeinflussen, erregt hier niemanden. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit dem amerikanischen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43539\">Einfluss auf unsere Medien<\/a>. Von der Datenabsch&ouml;pfung durch die USA m&ouml;chte ich erst gar nicht reden. Europa hat bis heute kein eigenes Microsoft, kein eigenes Facebook oder Google. Die USA dominieren uns just in jenen Bereichen, die entscheidend f&uuml;r unsere Orientierung und damit f&uuml;r unsere strategischen M&ouml;glichkeiten ist. Und so ist es eben zu erkl&auml;ren, dass Europa auch nach dem Ende des Kalten Krieges keine Souver&auml;nit&auml;t von den USA erlangt hat. <\/p><p><strong>Sie sagen also damit, dass aufgrund dieses Einflusses die EU keine eigenst&auml;ndige Politik gegen&uuml;ber Russland formulieren konnte, die eigenen Interessen gerecht wird? <\/strong><\/p><p><strong>Ritz:<\/strong> So ist es. Die EU-Politik folgt stattdessen mehr oder weniger den strategischen Vorgaben der USA. Die Ukrainekrise ist darum ein Weckruf an Europa. Sie stellt sinnbildlich dar, was passiert, wenn man auf Souver&auml;nit&auml;t verzichtet, einer anderen Macht blind vertraut und sich vor Verantwortung und Autonomie scheut. Die Lehre aus der Ukrainekrise muss lauten, dass Europa in Zukunft diese Selbstst&auml;ndigkeit und Eigenverantwortung wieder anstrebt. Der oft zitierte Spruch &bdquo;Keep the Americans in, the Russians out and the Germans down&ldquo; m&uuml;sste zumindest f&uuml;r eine gewisse Zeit umgedreht werden. &bdquo;Keep the Americans out, draw the Russians in, and lift Europe up&ldquo;. Eine selbstst&auml;ndige und souver&auml;ne EU w&uuml;rde die Synergie-Effekte mit dem rohstoffreichen Russland zu nutzen wissen und den sinnlosen Konflikt in der Ukraine schnell l&ouml;sen. Eine souver&auml;ne EU w&uuml;rde auch den USA anders gegen&uuml;bertreten k&ouml;nnen und das kulturelle Kapital Europas f&uuml;r die Einigung des Kontinents nutzen.<\/p><p><strong>Sie zeigen in Ihrem Buch auch auf, in welchem Umfang die Ukraine von den USA, aber auch Gro&szlig;britannien und Kanada milit&auml;risch aufger&uuml;stet wurde. <\/strong><\/p><p><strong>Ritz:<\/strong> Wir z&auml;hlen die verschiedenen Man&ouml;ver auf, die diese L&auml;nder in der Ukraine veranstaltet haben. Es waren so viele, dass wir uns aus Platzgr&uuml;nden nur auf das letzte Jahr vor dem Krieg konzentrieren konnten. Die EU und auch Deutschland und Frankreich haben das zugelassen. Wir sind nicht eingeschritten, haben nicht auf der Einhaltung des Minsk-II-Abkommens bestanden, sondern haben es toleriert, dass dieses Abkommen von Kiew sabotiert wurde. Der Verzicht Europas auf eine eigenst&auml;ndige Russlandpolitik f&uuml;hrte dazu, dass die Ukraine nach amerikanischen Vorgaben enorm hochger&uuml;stet wurde. So sehr, dass sich Russland schlie&szlig;lich in einer Lage wiederfand, in der es zwischen zwei schlechten Varianten w&auml;hlen konnte. Wir zeigen, dass sogar die nukleare Bewaffnung der Ukraine bereits im Gespr&auml;ch war, ja, Vorbereitungen daf&uuml;r bereits getroffen waren. <\/p><p>Nichts zu machen, h&auml;tte f&uuml;r Moskau also bedeutet, irgendwann eine nuklear bewaffnete Ukraine vorzufinden, deren &ouml;stlichste Grenze nur 300 Kilometer von Moskau entfernt ist. Milit&auml;risch einzugreifen, ging wiederum mit dem Risiko einher, ein russisches Vietnam oder Afghanistan zu erleiden und in einen nicht mehr zu befriedenden Krieg einzutreten, der das Land enorm schw&auml;cht. Dass Russland der Krieg als das kleinere &Uuml;bel erschien, h&auml;ngt damit zusammen, dass das Land den deutschen &Uuml;berfall vom 21. Juni 1941 immer noch nicht vergessen hat. In Russland glauben viele, dass Russland allein aufgrund seines Rohstoffreichtums vor milit&auml;rischen Angriffen gewappnet sein muss. Und tats&auml;chlich erschien in dem amerikanischen Think Tank RAND Corporation bereits im Jahr 2019 eine Studie, die die verschiedenen M&ouml;glichkeiten analysierte, Russland zu destabilisieren. Dabei ging es auch darum, Russland an seinen langen Grenzen in Kriege zu verwickeln und die dann entstehende Unruhe in der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r eine Regimechange-Operation zu nutzen. <\/p><p><strong>Frau Gu&eacute;rot, als Sie bei Markus Lanz zu Gast waren, wurden Sie in der Sendung und auch danach heftig angegriffen. Gew&auml;hren Sie uns bitte einen Einblick: Wie haben Sie, aus der &bdquo;Innenperspektive&ldquo;, diese Sendung wahrgenommen? <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Nun, wenn man &bdquo;drin&ldquo; sitzt, ist man ja 1:1 dabei und gar nicht so sehr in der Selbstwahrnehmung. Eher ringt man um seine Fassung und vermeintliche &bdquo;Gelassenheit&ldquo; und versucht hartn&auml;ckig, ein Argument zu platzieren. Es ist schwer, sich in so einem Stressmoment auf eine Metaebene zu begeben. <\/p><p>Mir ist nat&uuml;rlich sehr schnell klar geworden, dass ich heftig attackiert wurde, aber dass es so schlimm und von allen Seiten kommen w&uuml;rde, so dass ich fast<em> gar nicht<\/em> zu Wort komme &ndash; es war ja wie ein &bdquo;Beschuss&ldquo; &ndash; das hatte ich nicht erwartet. Mir wurde in zwei Vorgespr&auml;chen versichert, dass ich &uuml;ber den europ&auml;ischen Kontext des Ukraine-Krieges w&uuml;rde sprechen k&ouml;nnen und das war genau mein Ziel: die Kontextualisierung des russischen Angriffskrieges, die Differenzierung der verschiedenen Motivlagen zwischen den USA und Europa usw. <\/p><p>Dazu konnte man aber buchst&auml;blich nicht vordringen, denn man wurde immer nur auf die schrecklichen Bilder von Mariopol gestupst, wo doch jeder wei&szlig;, dass Kriegsbilder immer schrecklich sind. Dieses fast penetrante emotionale <a href=\"https:\/\/wirtschaftslexikon.gabler.de\/definition\/nudging-99919\">Nudging<\/a> verhindert jeden analytischen Zugang zum Kriegsgeschehen, den eine Diskussion in einer Talkshow doch eigentlich bieten sollte.<\/p><p><strong>Damit w&auml;ren wir nochmal bei den Medien. Sie sind seit l&auml;ngerem Angriffen ausgesetzt, Ihnen werden Plagiate vorgeworfen. Was hat es damit auf sich und wie ordnen Sie diese Vorw&uuml;rfe ein? <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> In der Tat erlebe ich seit etwa Sommer 2021, dem Zeitpunkt einer ersten Rufmordkampagne auf Twitter, geh&auml;ufte &ouml;ffentliche Angriffe, die immer ad personam und teilweise weit unter der G&uuml;rtelline sind. Fast nie kommt ein sachliches Gegenargument, aber darum sollte es doch gehen, oder? F&uuml;r mich ist das neu, denn in Europa-Diskussionen war ich ja republikweit gleichsam <em>everybody&lsquo;s Darling<\/em>, Stiftungen wie Radiosender standen gleicherma&szlig;en Schlange, um mich zu irgendeinem EU-Gipfel zu interviewen. Insofern ist es zun&auml;chst einmal interessant festzustellen, was passiert, wenn man in einer bestimmten, gesellschaftlich relevanten Diskussion eine andere Haltung als der Mainstream einnimmt, was auf eine deutliche Verformung der Diskurslandschaft und eine tendenzielle Unterdr&uuml;ckung kritischer Stimmen schlie&szlig;en l&auml;sst. <\/p><p><strong>Sie wurden mit allerlei negativen, abwertenden Begriffen belegt. <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Auf einmal wurde ich &ndash; die ich ja immer noch die gleiche Person bin, die fr&uuml;her gesch&auml;tzt wurde &ndash; als &bdquo;rechts&ldquo; oder &bdquo;faschistoid&ldquo; oder &bdquo;Schwurblerin&ldquo; ausgeflaggt, wobei Letzteres sowieso eine interessante Wortsch&ouml;pfung ist. Erst wird einem die Kompetenz abgesprochen, die vorher unumstritten war, dann folgt die pers&ouml;nliche Diffamierung. Die Plagiatsvorw&uuml;rfe sind davon ein Ausdruck. Es ist ja eine bekannte Vorgehensweise: <em>if you can&rsquo;t beat the argument, you need to get the person (Anmerk. Red.&ldquo;Wenn Du das Argument nicht schlagen kannst, dann muss du dich auf die Person st&uuml;rzen)<\/em>. <\/p><p><strong>Und die Plagiatsvorw&uuml;rfe?<\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Auff&auml;lligerweise wurden die Vorw&uuml;rfe in dem Moment publik, als ich erst zu den Corona-Ma&szlig;nahmen und dann zum Ukraine-Krieg eine dem herrschenden Narrativ gegen&uuml;ber abweichende Meinung vertreten habe, konkret genau zwei Tage (!) nach jener Lanz-Sendung im Juni dieses Jahres. Man k&ouml;nnte also Vermutungen dar&uuml;ber anstellen, ob das &bdquo;Zufall&ldquo; war. <\/p><p><strong>Die Vorw&uuml;rfe hat der Trierer Politikwissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.uni-trier.de\/universitaet\/fachbereiche-faecher\/fachbereich-iii\/faecher\/politikwissenschaft\/professuren\/regierungslehre-politik-und-wirtschaft-chinas\/team\/linden-markus\">Markus Linden verbreitet.<\/a> In <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/suche\/?query=markus+linden%23\">mehreren Artikeln<\/a> wirft er Ihnen vor, plagiiert zu haben. Zur Einordnung: Linden hat auch schon die NachDenkSeiten angegriffen (Beitr&auml;ge dazu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85560\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/medien-meinungen.de\/2022\/06\/die-willkommene-botschaft\/\">hier<\/a>). Seine Auseinandersetzung mit den NachDenkSeiten wurde auf der Seite &bdquo;Gegneranalyse&ldquo; ver&ouml;ffentlicht &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85379\">diese ist ein Projekt der Gr&uuml;nen-nahen Stiftung &bdquo;Zentrum liberale Moderne&ldquo; (LibMod)<\/a>. Sind diese Zusammenh&auml;nge f&uuml;r Sie von Interesse? <\/strong><\/p><p><strong>Gu&eacute;rot:<\/strong> Ja, in der Tat, ich finde es auch auff&auml;llig, dass der gleiche Autor, der sich in der von Ihnen erw&auml;hnten &bdquo;Gegenanalyse&ldquo; bet&auml;tigt hat, auch die Plagiatsvorw&uuml;rfe erhebt. In den &bdquo;Gegneranalysen&ldquo; wird ja &ndash; vermeintlich objektiv! &ndash; analysiert, welche Meinungen &bdquo;demokratiefeindlich&ldquo; sind. Faktisch ist diese &bdquo;Analyse&ldquo; eine Aneinanderreihung von Raunen, Halb- und Unwahrheiten, typischerweise ohne Substantiierung, wie Juristen das nennen. Die Plagiatsvorw&uuml;rfe wiederum werden mit anderen, teilweise obskuren Vorw&uuml;rfen vermischt, zum Beispiel dass ich nicht auf einer bestimmten &bdquo;Wahrheitsbasis&ldquo; stehe, wobei schon die Frage ist, was das denn sein soll. Ein Zusammenhang k&ouml;nnte insofern vermutet werden, als dass das &bdquo;Zentrum Liberale Moderne&ldquo;, das wegen seiner Ukraine-freundlichen Aktivit&auml;ten &ndash; um nicht von Kriegspropaganda zu sprechen &ndash; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iZ-iEEfBGt0\">selbst stark in die &ouml;ffentliche Kritik gekommen ist<\/a>, offensichtlich kritische Stimmen, die das Kriegsgeschehen differenziert beleuchten, zum Schweigen bringen wollte und daf&uuml;r die Strategie der pers&ouml;nlichen Diffamierung gew&auml;hlt wurde. Der zeitliche Zusammenhang w&uuml;rde dies zumindest nahelegen.<\/p><p>Mit Blick auf die Vorw&uuml;rfe, die die inkriminierten Zitate in meinen beiden letzten B&uuml;chern betreffen, gilt es zun&auml;chst, Folgendes festzuhalten: Es handelt sich um zwei Sachb&uuml;cher und nicht um wissenschaftliche Arbeiten. Es ist juristisch einwandfrei, bei nicht kenntlich gemachten Zitaten von einem Plagiat zu sprechen, bei Lichte betrachtet und ohne Schaum vor dem Mund d&uuml;rfte dies aber in meinem Falle unangemessen sein, zumal ich die Autoren nenne. Was die ganz wenigen fehlenden Zitatquellen betrifft: Ich habe mich schon 2016 bei den betroffenen Autoren entschuldigt, in einem Fall sogar &ouml;ffentlich auf dem Literaturfestival in Berlin. Warum diese Fehler ausgerechnet 2022 Gegenstand einer &ouml;ffentlichen Anklage werden, ist daher die Frage. Es sind Verfehlungen, die ich zwischenzeitlich mehrfach &ouml;ffentlich entschuldigt habe und nat&uuml;rlich bedauere. Warum jetzt also? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand.<\/p><p>Folgendes w&uuml;rde ich gerne noch anf&uuml;gen: In Zeiten, in denen ein gesamter Wissenschaftsapparat mit Blick auf die akkurate wissenschaftliche Untersuchung der Gef&auml;hrlichkeit von Corona, der Wirksamkeit von Impfstoffen oder von Impffolgen tendenziell versagt hat (Verletzung von Compliance-Regeln, unsaubere Studien mit wenigen Probanden, statistische Erhebungsfehler oder Verschleierungen), mit teilweise gravierenden Folgen f&uuml;r die Betroffenen, aber auch gro&szlig;en gesellschaftlichen oder finanziellen Folgen, wundert es mich schon, wie ausf&uuml;hrlich und lange jetzt schon &uuml;ber meine unsauberen Zitate diskutiert wird. Es scheint so, als ginge es weniger um die Fehler an sich, sondern darum, <em>wer<\/em> Fehler macht bzw. <em>wessen<\/em> Fehler &ouml;ffentlich moniert werden und welche nicht. <\/p><p>Titelbild: Immersion Imagery\/shuttestock.com<\/p><p><em>Anmerkung: Das Interview wurde Anfang Oktober gef&uuml;hrt. <\/em><\/p><p><em>Lesetipp: Ulrike Gu&eacute;rot \/Hauke Ritz: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/endspiel-europa.html?listtype=search&amp;searchparam=Ulrike%20Gu%C3%A9rot\">Endspiel Europa &ndash; Warum das politische Projekt Europa gescheitert ist und wie wir wieder davon tr&auml;umen k&ouml;nnen<\/a>. Westend. 24. Oktober 2022. 208. S. 20 Euro.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b41f201f811d42e3bdf10ec8d69a41c0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegspropaganda, Realit&auml;tsverdrehungen und Einblicke in eine &bdquo;Lanz-Sendung&ldquo;: Im zweiten Teil des Interviews mit <strong>Ulrike Gu&eacute;rot<\/strong> und <strong>Hauke Ritz<\/strong> liegt der Fokus auf dem Krieg in der Ukraine. Gu&eacute;rot gibt aber auch einen Einblick in ihren Auftritt bei Markus Lanz, wo die G&auml;ste und der Moderator sie massiv angegangen haben und &auml;u&szlig;ert sich zu den Plagiatsvorw&uuml;rfen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89777\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":89773,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,123,183,171,11],"tags":[3058,2102,3204,1426,1593,3250,959,3302,259,2794,260,1556,3149],"class_list":["post-89777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-diffamierung","tag-geostrategie","tag-guerot-ulrike","tag-hegemonie","tag-lanz-markus","tag-linden-markus","tag-plagiat","tag-ritz-hauke","tag-russland","tag-stellvertreterkrieg","tag-ukraine","tag-usa","tag-zentrum-liberale-moderne"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/shutterstock_1967970196.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=89777"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89838,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89777\/revisions\/89838"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/89773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=89777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=89777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=89777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}