{"id":90119,"date":"2022-11-08T09:56:09","date_gmt":"2022-11-08T08:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90119"},"modified":"2022-11-08T17:23:51","modified_gmt":"2022-11-08T16:23:51","slug":"die-hauptstadt-des-ganz-normalen-wahnsinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90119","title":{"rendered":"Die Hauptstadt des ganz normalen Wahnsinns"},"content":{"rendered":"<p>Neuigkeiten aus der Hauptstadt Berlin sind des &Ouml;fteren keine guten. Dabei ist sie ja unserer aller Hauptstadt, unser Schaufenster in die Welt, unsere Visitenkarte, unser Aush&auml;ngeschild, na und so weiter, wer will also, dass es ihr schlecht geht? Mensch, Berlin, du bist wunderbar, was machen sie mit dir? Die Frage stellt sich mir. Dass man in Berlin in turbokapitalistischen und Zeiten der versteckten bis offenen Militarisierung immer noch einen daraufsetzt, ist schlimm, die Entwicklung Berlins steht f&uuml;r die bedrohlich r&uuml;ckw&auml;rtsgewandte Entwicklung im ganzen Land. Es ist lang schon geboten, diesen Zug gegen die Wand zu stoppen. Abwarten geht nicht mehr. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6835\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-90119-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=90119-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221108-Hauptstadt-des-ganz-normalen-Wahnsinns-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Schlagzeilen voller Pein<\/strong><\/p><p>Schlagzeilen der derben Sorte aus dem Berliner Alltag lauten gerade &bdquo;L&auml;den schlie&szlig;en und verwandeln sich in teure Ferienwohnungen&ldquo;, &bdquo;Kaufhauskette stellt Insolvenzantrag&ldquo;, &bdquo;Tipps f&uuml;r die Zeit ohne Strom in Berlin haben Hochkonjunktur&ldquo;, &bdquo;Die Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me sind f&uuml;r Berlin nicht zu stemmen&ldquo;, &bdquo;B&auml;cker, Fleischer, andere Handwerksbetriebe geben auf&ldquo;, &bdquo;Staus wegen junger Menschen, die sich auf die Stra&szlig;e kleben&ldquo;, &bdquo;Bundespr&auml;sident h&auml;lt Rede an die Nation&ldquo;, &bdquo;Gesundheitsminister erkl&auml;rt, dass Kitas in der Pandemie nicht h&auml;tten geschlossen werden m&uuml;ssen&ldquo;, &bdquo;Mieterh&ouml;hungen von 15 Prozent bedrohen Mieter in Moabit&ldquo;, &bdquo;5 Euro f&uuml;r einen Gl&uuml;hwein&ldquo;, &bdquo;Briefe werden von der Post unzuverl&auml;ssig zugestellt&ldquo;, &bdquo;Berliner Feuerwehr in Not&ldquo;, &bdquo;Sozial&auml;mter &uuml;berlastet&ldquo;, &bdquo;Zahl der Obdachlosen steigt&ldquo;, &bdquo;Paragrafen&auml;nderung durch Regierung schr&auml;nkt Freiheit der Rede, der Meinung, der Wissenschaft ein&ldquo;, &bdquo;Aufarbeitung des RBB-Skandals ist einzige Veralberung&ldquo;, &bdquo;M&uuml;llgeb&uuml;hren steigen&ldquo;, &bdquo;Kochen ohne Strom &ndash; Empfehlung dagegen: Rotkohlsalat&ldquo;, &bdquo;Drama um Berufsausbildung &ndash; die Lage ist schlecht&ldquo;, &bdquo;Sanierungsstau bei der U-Bahn&ldquo;. Und so weiter. Die Berliner haben das nicht verdient.  <\/p><p><strong>Aus Kiezl&auml;den werden Trendappartments<\/strong><\/p><p>Man kann es sich nicht ausdenken, kriegen Investoren, Unternehmer, Startup-Bastler den Hals wirklich nicht voll genug? Doch, man kann. W&auml;hrend auf der einen Seite Ladeninhaber den Schl&uuml;ssel ihrer Lokale f&uuml;r immer herumdrehen und schlie&szlig;en, weil sie die Mieterh&ouml;hungen nicht tragen k&ouml;nnen und auch bei den weiteren Preisen passen m&uuml;ssen, haben deren Vermieter schon Ersatz gefunden, einen, der ihnen noch mehr Geld als bisher aufs Konto sp&uuml;len soll. Wie? Aus L&auml;den werden Ferienappartements. Das ist ein neuer Trend, echt knorke, Berlinerisch gesagt. Man l&auml;uft so an Schaufenstern vorbei, die mit Papier sichtverklebt sind, dahinter weilen Touristen, die das ganz fetzig finden. Geht&rsquo;s noch? Es ist zynisch, von Mode zu sprechen, wenn Menschen ihre Arbeit, ihr Lebenswerk aufgeben m&uuml;ssen, w&auml;hrend andere den schicken Trendsetter spielen und weitere Leute sich die Taschen vollhauen.   <\/p><p>Die Gier l&auml;sst nicht nach. Kaufh&auml;user sind nicht nur f&uuml;r Berlin Institutionen des &ouml;ffentlichen, wirtschaftlichen, sozialen Lebens. Doch schon planen deren Eigent&uuml;mer deren Abriss. Wie das denn? Indem man zun&auml;chst Insolvenz beantragt, dann die staatlichen Hilfen einsteckt, die Belegschaft rausschmei&szlig;t und derweil Gro&szlig;es vorhat. Berliner Kaufh&auml;user stehen an sch&ouml;nen Orten in der Hauptstadt, also rei&szlig;t man sie ab, um dann auf der freigewordenen Stelle noch h&ouml;here H&auml;user zu errichten, wenn nicht sogar Hochhaust&uuml;rme. Man ahnt: Das bringt mehr Profit als das altmodische Kaufhaus.          <\/p><p>Die Preisspirale dreht und dreht und dreht sich. 15 Prozent mehr Miete wird von alteingesessenen Mietern verlangt, liest man in der Hauptstadtpresse. Derweil wird das Thema Verstaatlichung von privaten Wohnungsgesellschaften auf die ganz lange Bank geschoben, obwohl es eine demokratische Entscheidung der Berliner gab, die Vergesellschaftung zu betreiben, um dem Mietwucher zu begegnen. Berlin den Berlinern!  Es w&auml;re einfach. Was ist schon einfach? &bdquo;Lieber gro&szlig;e Vorteile f&uuml;r Wenige zum Nachteil f&uuml;r Viele&ldquo;, lautet das Motto, f&uuml;r eine lebenswerte Stadt taugt das sicher nicht. Aber uns B&uuml;rger fraacht ja keener.    <\/p><p>Berlins Alltagswahnsinn geht weiter. Menschen kleben sich auf vielbefahrenen Stra&szlig;en fest, halten so den Autoverkehr auf. Die Zahl der Obdachlosen steigt, ohne Wucht versucht der Senat mit kleinen Summen und Gesten der Lage Herr zu werden. Tats&auml;chlich bekommen einige wenige Wohnungslose nun Wohnungen und die Chance auf einen Neuanfang. Andere Zahlen steigen. Die der Fl&uuml;chtlinge steigt, vor allem die Zahl der unbegleiteten Kinder wird in den Medien mit dem Zehnfachen im Vergleich zur ersten Fl&uuml;chtlingskrise angegeben. Die &bdquo;Verteilung&ldquo; der Menschen auf die Stadtbezirke erfolgt ziemlich ungerecht, der Westen Berlins bleibt nahezu &bdquo;verschont&ldquo;. Komisch. Bei all dem beschriebenen &Auml;rger ist dagegen die Maskenpflicht fast in den Hintergrund ger&uuml;ckt. Fast. Ein saftiger Bu&szlig;geldkatalog war schon vorbereitet. Die Pflicht kommt nun nicht, B&uuml;rgermeisterin Giffey sei Dank.   <\/p><p>Der Berliner bereitet sich nun also auf den Stromausfall vor. Daf&uuml;r gibt es unter der Rubrik Haushaltstipps entsprechende Vorschl&auml;ge wie die, wie man ohne Strom kocht. Kalte K&uuml;che halt. Rotkrautsalat zum Beispiel. Es k&ouml;nnte noch dicker kommen, wenn an den Tankstellen kein Benzin mehr zu bekommen sein wird. Das k&ouml;nnte durchaus zur Adventszeit passieren, denn der Sprit wird von Schwedt an der Oder nach Berlin an der Spree gepumpt. Man muss wissen, Schwedt hat zum Benzin Produzieren bald kein &Ouml;l mehr, weil das von ostw&auml;rts her angeliefert wurde, bisher. <\/p><p>Genug der Schlagzeilen. F&uuml;r diesen Kommentar. &bdquo;Ich hab noch einen Koffer in Berlin&ldquo;, sang einst Hildegard Knef, die charmante, warmherzige S&auml;ngerin und Schauspielerin aus Berlin, ihre Liebeserkl&auml;rung an ihre Heimatstadt gilt im Besonderen wie eine Hymne f&uuml;r die Stadt und ihre Bewohner, Berliner und auch f&uuml;r Menschen, die nicht in dieser quirligen Metropole wohnen und doch wieder gern &ndash; noch und trotz allem &ndash; zur&uuml;ckkehren. Die Berliner, die echten, mit ihrem knorkigen Dialekt, ihrer Unfreundlichkeit, die bei genauem Hinh&ouml;ren und Hinschauen ungeschminkte Warmherzigkeit ist, haben verdient, dass die Stadt lebenswert bleibt und von deren Dinge befreit wird, die die Stadt kaputt machen. Und ja, es gibt so viele Dinge, Menschen, Aktivit&auml;ten in Berlin, die wunderbar sind. Die kaputtmachenden braucht es nicht.  <\/p><p>&bdquo;V&ouml;lker der Welt, schaut auf diese Stadt&ldquo;, rief einst ein Berliner B&uuml;rgermeister. Ja, wie sch&ouml;n w&auml;re das mit fairen Lebensbedingungen, mit einem Innehalten der Gier und der Boshaftigkeit. In der Stadt und weltweit. Das ist ja eigentlich nicht schwer, es bedarf lediglich des Willens, politisch, unternehmerisch, gesellschaftlich. &bdquo;Wir wollen ein Volk guter Nachbarn sein&ldquo;, sagte ein Bundeskanzler. Der jetzige war es nicht.   <\/p><p>Titelbild: netsign33\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuigkeiten aus der Hauptstadt Berlin sind des &Ouml;fteren keine guten. Dabei ist sie ja unserer aller Hauptstadt, unser Schaufenster in die Welt, unsere Visitenkarte, unser Aush&auml;ngeschild, na und so weiter, wer will also, dass es ihr schlecht geht? Mensch, Berlin, du bist wunderbar, was machen sie mit dir? Die Frage stellt sich mir. 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