{"id":9018,"date":"2011-04-08T09:11:11","date_gmt":"2011-04-08T07:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9018"},"modified":"2014-08-13T13:55:56","modified_gmt":"2014-08-13T11:55:56","slug":"bild-im-namen-des-volkes-gegen-dessen-interessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9018","title":{"rendered":"Bild: Im Namen des Volkes gegen dessen Interessen"},"content":{"rendered":"<p>Das Mysterium &bdquo;Bild&ldquo; besch&auml;ftigte schon Generationen von Medienkritikern, auch die Nachdenkseiten haben ihre Kampagnen gegen den Sozialstaat, gegen Transfer-Empf&auml;nger und Minderheiten <a href=\"\/?cat=69\">analysiert<\/a>. Nun haben sich auch Hans-J&uuml;rgen Arlt und Wolfgang Storz im Auftrag der Otto Brenner Stiftung (OBS) an die Aufgabe herangewagt, Deutschlands gr&ouml;&szlig;te Tageszeitung zu analysieren. In ihrer Studie &raquo;<a href=\"http:\/\/www.bild-studie.de\/\">Drucksache &bdquo;Bild&ldquo; &ndash; Eine Marke und ihre M&auml;gde<\/a>&laquo; gelingt es den beiden Autoren, die Bild ein St&uuml;ck weit zu entmystifizieren und einen Blick auf einige ihrer Wirkmechanismen zu werfen. Auch wenn noch viele Fragen offen bleiben, so stellt die aktuelle OBS-Studie eine wertvolle Hilfe f&uuml;r all diejenigen dar, die sich ein genaueres Bild von der Bild machen wollen. Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Wer w&uuml;rde der Aussage widersprechen, dass die Bild-Zeitung das am st&auml;rksten polarisierende Medium der Republik ist? Wahrscheinlich niemand &ndash; und genau in der Polarisierung besteht der gro&szlig;e Erfolg der Bild-Zeitung. Doch streng genommen ist diese Aussage falsch &ndash; zum Polarisieren geh&ouml;rt n&auml;mlich nicht nur eine gro&szlig;e Gegnerschaft, sondern auch eine gro&szlig;e Anh&auml;ngerschaft. Die Bild ist zwar Deutschlands auflagenst&auml;rkste Tageszeitung, &ouml;ffentlich bekennende Anh&auml;nger sind jedoch eher Mangelware. Bild st&uuml;tzt sich vielmehr auf eine von ihr selbst ernannte &bdquo;schweigende Mehrheit&ldquo;.<\/p><p>Die wohl &uuml;berraschendste These des Medienwissenschaftlers Hans-J&uuml;rgen Arlt und des Publizisten Wolfgang Storz ist, dass es sich bei der Bild gar nicht um ein journalistisches Produkt handelt. Um journalistischen Mindeststandards zu gen&uuml;gen, m&uuml;sste die Bild nicht nur journalistisch arbeiten, sondern zun&auml;chst einmal &uuml;berhaupt den Vorsatz haben, den Leser zu informieren. Das ist bei der Bild aber gerade nicht der Fall. Die Bild bildet die Realit&auml;t nicht ab, sie versucht  die Wirklichkeit nach ihrer Weltsicht zu formen, und wenn ihr das nicht gelingt, beschreibt sie eben eine Scheinrealit&auml;t. Was nicht in das Raster der Bild-Meinung passt, wird ignoriert. Statements werden nicht rezipiert, sondern selbst produziert. Diese Charakterisierung mag in abgeschw&auml;chter Form auf viele Medien zutreffen, in einer derartigen Konzentration ist sie jedoch nur bei der Bild-Zeitung zu finden.  Die Bild ist demnach eher ein PR-Organ in eigener Mission, nicht &bdquo;Fakt&ldquo;, sondern &bdquo;Fiktion&ldquo;. Der fehlende Wahrheitsanspruch und die mangelnde &Uuml;bereinstimmung mit der Realit&auml;t werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sind geradezu Grundpfeiler der Blatt-Strategie.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Pleite-Griechen&ldquo;-Kampagne<\/strong><\/p><p>Um die Methodik der Bild-Zeitung zu sezieren, untersuchten Arlt und Storz exemplarisch die Bild-Berichterstattung w&auml;hrend der Euro- und Griechenland-Krise. In den Monaten M&auml;rz bis Mai 2010 erz&auml;hlte die Bild-Zeitung ihren Lesern eine von Anfang an &bdquo;durchgestylte&ldquo;, dramaturgisch aufbereitete Fiktion, die mit der Realit&auml;t nur ansatzweise etwas zu tun hatte und mit &ouml;konomischer Rationalit&auml;t schon gar nicht,  die aber wegen ihrer emotionalen Stilbl&uuml;ten nationales Interesse hervorrief. Das Drehbuch war denkbar einfach, von Stereotypen durchzogen und appellierte dabei nicht nur an altbekannte Ressentiments, sondern auch an niedrigste Instinkte.<\/p><blockquote><p><em>Vorsichtig angepasst an deren Sprachgebrauch liest sich die Geschichte der &bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung so: Die faulen und korrupten Griechen haben ihren Staat in die Zahlungsunf&auml;higkeit getrieben. Das m&uuml;sste uns nicht weiter interessieren, wenn sie auf diese Weise nicht auch noch den Euro kaputt machen w&uuml;rden. Die flei&szlig;igen und sparsamen Deutschen wollen den Euro retten, aber ihr hart erarbeitetes Geld keinesfalls in das bodenlose griechische Fass werfen. Die Sache wird gut ausgehen und der Euro wieder stabil werden, wenn die Pleite-Griechen aus der Eurozone hinausgeworfen werden, in die sie ohnehin nur mit Tricksen und T&auml;uschen hereingekommen sind.<\/em><\/p><\/blockquote><p>(aus der OBS-Studie &raquo;Drucksache &bdquo;Bild&ldquo; &ndash; Eine Marke und ihr M&auml;gde&laquo;)<\/p><p>Aufbauend auf diesem Grundger&uuml;st h&auml;mmerte die Bild &uuml;ber drei Monate in 121 Artikeln ihre Version von der Griechenland-Krise in die ver&ouml;ffentlichte Meinung. Dabei nahm sie einerseits &auml;u&szlig;erst selektiv korrekte Fakten auf, drehte sich andere so zurecht, bis sie ins eigene Bild passten und lie&szlig; andererseits s&auml;mtliche Tatsachen und Argumente weg, die Zweifel an der Bild-Version wecken k&ouml;nnten. So wurde beispielsweise in den 121 Artikeln kein einziges Mal erw&auml;hnt, dass es sich bei den &bdquo;Griechenland-Hilfen&ldquo; der EU nicht um ein Geschenk, sondern um Kredite handelt, die &ndash; ordentlich verzinst &ndash; auch wieder zur&uuml;ckgezahlt werden m&uuml;ssen. Wenn es sich bei der Bild um ein journalistisches Produkt handeln w&uuml;rde, so k&ouml;nnte man hier mit Fug und Recht von Manipulation sprechen. Wenn man allerdings der Argumentation von Arlt und Storz folgt, nach der die Bild ein fiktionales Werk ist, sind diese Manipulationen vielmehr integraler Bestandteil der Bild-Zeitung.<\/p><p>Anhand des Beispiels Griechenland-Berichterstattung l&auml;sst sich das Muster der Bild-Kampagnen entschl&uuml;sseln: Bild versucht nicht, die Komplexit&auml;t eines Sachverhaltes zu vermitteln, sondern bricht diesen Sachverhalt mit aller Macht auf eine Erz&auml;hlebene herunter, die auf latenten Vorurteilen aufsetzt und die der Leser auch ohne jegliches Hintergrundwissen sofort versteht. Hier sind die Guten (das sind &bdquo;wir&ldquo;, die Bild-Leser), dort sind die B&ouml;sen. Die Guten sind flei&szlig;ig, ehrlich, redlich und sparsam, die B&ouml;sen sind faul, verlogen und wollen nur unser Geld, das &bdquo;wir&ldquo; hart erarbeitet haben. Dabei wird moralisiert, emotionalisiert und personifiziert, was das Zeug h&auml;lt. Bei n&auml;herer Betrachtung erinnert die Bild-Version der Geschehnisse eher an ein St&uuml;ck aus dem Kasperle-Theater. Die handelnden Personen sind &bdquo;der (b&ouml;se) Grieche&ldquo;, &bdquo;der (gute) deutsche Steuerzahler&ldquo; und &bdquo;die Bundeskanzlerin&ldquo;, die nach dem festgelegten Plot unter dem Beifall der Zuschauer f&uuml;r Recht, Ordnung und Gerechtigkeit sorgen soll. <\/p><p><strong>Bild beschreibt nicht die Realit&auml;t, sondern versucht sie zu formen<\/strong><\/p><p>Um dieser &ndash; doch recht profanen &ndash; Erz&auml;hlstruktur den Anschein journalistischer Arbeit zu geben, bedient sich die Bild-Zeitung des vollen medialen Instrumentariums. In der Bild gibt es Interviews, Kommentare und Leitartikel, pers&ouml;nliche Briefe die jedoch stets nicht darum bem&uuml;ht sind, dem Leser alternative Sichtweisen zu er&ouml;ffnen, sondern sich wie aus einem Guss in die Erz&auml;hlstruktur einf&uuml;gen. Journalistische Arbeit besteht beispielsweise darin, Interviewpartner zu suchen, die zu dem jeweiligen Thema etwas Strittiges, Kompetentes, Neues oder Interessantes beitragen k&ouml;nnen. Bei der Bild steht die vorgefertigte Aussage im Mittelpunkt und erst danach sucht sich die Bild eine Person, die sich mit dieser Aussage zitieren l&auml;sst. <\/p><p>Zwar ist es der Bild nat&uuml;rlich am liebsten, wenn diese Person Rang und Namen hat, zur Not begn&uuml;gt man sich aber auch mit Hinterb&auml;nklern oder Randfiguren mit geringem Renommee. So &uuml;bernahm w&auml;hrend der Griechenland-Krise beispielsweise der &bdquo;FDP-Finanzexperte&ldquo; (Bild) Frank Sch&auml;ffler wiederholt die Rolle des Zitatlieferanten. Irgendein Hinterb&auml;nkler oder Polit-Ruhest&auml;ndler findet sich anscheinend immer, wenn die Bild einen Namen f&uuml;r jede noch so abstruse These ben&ouml;tigt. Neben Sch&auml;ffler nahmen w&auml;hrend der Griechenland-Krise auch immer wieder der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Hans-Werner Sinn und der Steuerzahler-Pr&auml;sident Karl Heinz D&auml;ke die Rolle des &ldquo;Experten&ldquo; zur Bild-These an. <\/p><p>Die Betrachtung der Griechenland-Berichterstattung erf&uuml;llt f&uuml;r Arlt und Storz dabei nur das konkrete Beispiel, anhand dessen sie die &bdquo;Methode Bild&ldquo; auch im Gro&szlig;en zu erkl&auml;ren versuchen. Dabei gehen sie sehr gr&uuml;ndlich vor. Neben der Sprache, der Bild-Auswahl, der Typografie und publizistischen Feinheiten gibt es kaum ein Feld, das die Autoren nicht analysieren, und in ihre These, die Bild-Zeitung sei kein journalistisches Produkt, einpassen. Besonders interessant f&auml;llt dabei die Suche nach dem eigentlichen Erfolgsrezept der Bild-Zeitung aus: Wie kann eine Zeitung, die nicht journalistisch arbeitet und der noch nicht einmal von ihren eigenen Lesern geglaubt wird, eigentlich den Anspruch erheben, ein &bdquo;Leitmedium&ldquo; zu sein? Die Antwort auf diese Frage bleibt jedoch auch nach der Lekt&uuml;re der Studie offen. Die Funktion des &bdquo;Leitmediums&ldquo; Bild scheint vielmehr eine selbsterf&uuml;llende Prophezeiung zu sein &ndash; solange die gesellschaftlichen und politischen Eliten an das &bdquo;Leitmedium&ldquo; Bild glauben und ihre Beziehung zu Bild an diesem Glauben ausrichten, wird die Bild auch ein &bdquo;Leitmedium&ldquo; sein. Die Bild-Zeitung inszeniert sich als Leitmedium und die Republik f&auml;llt nur allzu gerne auf diese Inszenierung herein.<\/p><p>F&uuml;r ihre Inszenierung greift die Bild regelm&auml;&szlig;ig auf moderne Marketingmethoden zur&uuml;ck. Das Bild-Logo ist omnipr&auml;sent und die Bild gibt Millionen Euro f&uuml;r Werbekampagnen aus, bei denen nicht das Produkt, sondern das Image beworben wird. Daf&uuml;r nutzt die Bild willf&auml;hrige Prominente, die sogar kritische Stimmen zu Bild &auml;u&szlig;ern d&uuml;rfen. Die Kritik geh&ouml;rt jedoch zum Programm, &bdquo;beweist&ldquo; sie doch, dass Bild ernst zu nehmen ist und polarisiert. Nur wenige Prominente, wie die S&auml;ngerin <a href=\"http:\/\/www.wirsindhelden.de\/2011\/02\/warum-ihr-vielleicht-auch-hier-seid\/#more-1079\">Judith Holfernes<\/a>, durchschauen dieses Spiel und weigern sich, ihren guten Namen f&uuml;r die Bild herzugeben. Selbst der Linken-Politiker Gregor Gysi wirbt mit seinem Namen f&uuml;r die Bild, obgleich er in deren Berichterstattung auf einer Stufe mit dem Leibhaftigen steht.<\/p><p><strong>Im Namen des Volkes gegen dessen Interessen<\/strong><\/p><p>Die Bild stellt sich selbst konsequent und penetrant als &bdquo;Stimme des Volkes&ldquo; dar. Mit Vorliebe tut die Bild so, als sei sie der Anwalt des kleinen Mannes, der dessen Interessen gegen &bdquo;die da oben&ldquo; vertritt. So wenn etwa pers&ouml;nliches Fehlverhalten von Politikern oder einzelnen Wirtschaftsbossen angeprangert wird. Bei n&auml;herer Betrachtung zerf&auml;llt diese Selbstdarstellung jedoch zu Staub. Bild vertritt in der Grundlinie stets die Interessen der Eliten und versucht, diese mittels populistischer Verdrehung als die Interessen des Volkes zu verkaufen. Bild stellt den kleinen Hartz-IV-Betr&uuml;ger als moralisch verkommenes Wesen dar, geht aber regelm&auml;&szlig;ig mit den &bdquo;Gro&szlig;kopferten&ldquo;, wie beispielsweise dem AWD-Gr&uuml;nder Christoph Maschmeyer, &bdquo;ins Bett&ldquo;. <\/p><p>Wirtschafts- und sozialpolitisch vertritt die Bild stets Positionen, die sich gegen die Interessen des kleinen Mannes richten. Der gro&szlig;e Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit geht jedoch auch an den Bild-Lesern nicht spurlos vorbei. Sobald es um konkrete Reizthemen geht, hat das Volk ganz andere Vorstellungen als die selbsternannte Stimme des Volkes. So f&auml;hrt die Bild beispielsweise seit Jahren eine Kampagne gegen Mindestl&ouml;hne, die bei den Lesern nicht wirklich anzukommen scheint. In jeder Umfrage hat hier die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit des Volkes eine diametral andere Meinung als Bild. Auch bei anderen Reizthemen taucht dieser Konflikt immer wieder auf.<\/p><p>Einzig bei nicht-politischen Themen kann die Bild-Zeitung bei ihren Lesern als &bdquo;die Stimme des kleinen Mannes&ldquo; noch punkten. Folgt man der Argumentation von Arlt und Storz, wird die Bild ohnehin nicht wegen des Politikteils gelesen. Die ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte &bdquo;Seite 2&ldquo; mit den politischen Kommentaren und den als Nachrichten getarnten Manipulationen sei &ndash; so die Autoren &ndash; die am wenigsten gelesene Seite des Blattes. Paradoxerweise wird diese &bdquo;Seite 2&ldquo; jedoch von Politik und Medien als gro&szlig;er Machtfaktor angesehen. Politiker haben Angst, von der Bild schlecht dargestellt, ja geradezu verfolgt zu werden und verweigern dem Springer-Blatt daher nur sehr selten einen Wunsch. Besonders schwer wiegt jedoch der Umstand, dass die politischen Eliten nicht zwischen Volkes Meinung und der Meinung der Bild unterscheiden k&ouml;nnen. F&uuml;r sie &ndash; und wahrscheinlich nur f&uuml;r sie &ndash; besteht zwischen diesen beiden Meinungen kein Unterschied. Bild macht Politik, nicht indirekt, sondern direkt.<\/p><p>Da die Bild grunds&auml;tzlich eine (rechtspopulistisch) konservative und marktliberale Linie vertritt, ist es f&uuml;r die Parteien dieses Spektrums nat&uuml;rlich verf&uuml;hrerisch, die Bild als Sprachrohr des Volkes zu sehen. Vielleicht ist die momentane Schw&auml;che von Union und FDP auch auf diese (Selbst-)T&auml;uschung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Schwarz-Gelb regierte zwar zwei Jahre am Volk, aber nicht an der Bild-Zeitung vorbei. Nun kassiert man in Berlin die Quittung daf&uuml;r. <\/p><blockquote><p><em>Sobald der Glaube an &bdquo;Bild&ldquo; als Stimme des Volkes br&ouml;ckelt, schrumpft auch der Riese &bdquo;Bild&ldquo;. Auf die Frage, ob &bdquo;Bild&ldquo; der Riese sei oder das Schauspiel eines Riesen und tats&auml;chlich t&ouml;nern, lautet deshalb die Antwort: Diese Alternative existiert gar nicht, denn &bdquo;Bild&ldquo; ist ein Riese durch Inszenierung, also riesig und t&ouml;nern zugleich.<\/em><\/p><\/blockquote><p>(aus der OBS-Studie &raquo;Drucksache &bdquo;Bild&ldquo; &ndash; Eine Marke und ihr M&auml;gde&laquo;)<\/p><p>Der politische Teil der Bild-Zeitung ist jedoch mehr als ein profanes politisches Sprachrohr der Bild-Macher. Ohne Politikteil w&auml;re das Image der Bild ein anderes &ndash; sie w&uuml;rde ihre gef&uuml;hlte Leitmedienfunktion verlieren und w&uuml;rde insgesamt weniger ernst genommen und wohl weniger gekauft werden. Selbstverst&auml;ndlich ist die Bild nicht &bdquo;nur&ldquo; ein Meinungs-, sondern vor allem ein Geldmacher. Die Bild geh&ouml;rt trotz kontinuierlich sinkender Auflage zu den profitabelsten Printmedien der Welt.<\/p><p><strong>Die Angstmaschine und was man gegen sie tun kann<\/strong><\/p><p>In einem Song der Band &bdquo;Die &Auml;rzte&ldquo; wird behauptet, die Bild best&uuml;nde aus &bdquo;Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht&ldquo;. Dem ist nur schwer zu widersprechen &ndash; die Wirkung und die Macht von Bild erstrecken sich weniger auf das Feld der konkreten politischen Einflussnahme, sondern vielmehr auf die emotionale &ndash; und vielfach irrationale &ndash; Ebene. Ihre Kampagnenf&auml;higkeit hat die Bild laut Arlt und Storz schon lange verloren. Auch das in der OBS-Studie beobachtete Beispiel der Bild-Kampagne gegen die EU-Hilfen f&uuml;r Griechenland blieb bekannterma&szlig;en &ndash; trotz anf&auml;nglicher verbaler Ann&auml;hrungen der Regierung an die Bild-Linie &ndash; erfolglos. Die Studie f&uuml;hrt auf, dass die Anstrengungen der Bild in diesem Fall von der Bundesregierung ganz einfach ignoriert wurden. Dem ist jedoch kritisch entgegenzuhalten, dass die Bundesregierung zu Beginn der Krise sehr wohl an ihrer monetaristischen Linie festhalten wollte, die sich letztlich &ndash; wenn auch auf anderem Niveau &ndash; gar nicht so sehr von der Bild-Linie unterscheidet. Wenn diese Kampagne auf die Leserschaft &uuml;berhaupt eine Wirkung hatte, dann die, die Politik- und Politikerverdrossenheit noch weiter zu steigern.<\/p><p>Die Bild vermag es, die Regierungspolitik auf eine bestimme Linie zu dr&auml;ngen. Das galt f&uuml;r Gerhard Schr&ouml;der, der meinte &bdquo;mit Bild, BamS und Glotze&ldquo; regieren zu k&ouml;nnen, und das gilt ebenso f&uuml;r Angela Merkel. Bild ist ein Sprachrohr f&uuml;r m&auml;chtige wirtschaftliche Interessen und erledigt deren populistische &bdquo;Drecksarbeit&ldquo;. So ist Bild unmittelbar verbandelt mit der Finanzwirtschaft (z.B. bei der <a href=\"\/?p=2548\">Kampagne f&uuml;r die VolksRente mit der Allianz<\/a>). Momentan macht sie macht sich wieder einmal zur Propaganda-Agentur f&uuml;r die Atomlobby (Kohl-Interview, durch Sch&uuml;ren von &Auml;ngsten vor steigenden Stromkosten ohne Atomkraftwerke). Die Bild-Zeitung ist kleinb&uuml;rgerlicher Wegbereiter f&uuml;r einen rechtspopulistischen Trend in Deutschland und bereitet &auml;hnlich wie in der Weimarer Zeit die Hugenberg-Presse den Boden f&uuml;r eine rechts-konservative Politik im Interesse von m&auml;chtigen Wirtschaftsinteressen.<\/p><p>Bild hetzt! &ndash; gegen alles, was nicht ins erzkonservative, stets nationalchauvinistisch gepr&auml;gte Raster der Bild passt. Bild hat sich Sarrazin, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/bin\/tp\/issue\/r4\/dl-artikel2.cgi?artikelnr=33301&amp;mode=print\">wie ein Bauchredner seiner Puppe bedient<\/a>. Bild hetzt gegen Migranten, gegen den Islam, gegen Linke, gegen die 68er und ihre Erben, gegen liberale Werte und gegen Arbeitslose sowie Hartz-IV-Empf&auml;nger. Bild ist sozialdarwinistisch bis ins Mark und steht dabei weit au&szlig;erhalb des ansonsten gesellschaftlich tolerierten politischen Spektrums. Bild blockt die Emp&ouml;rung vieler Menschen &uuml;ber soziale Ungerechtigkeiten gegen die &bdquo;Gewinner&ldquo; aus den Verteilungsk&auml;mpfen ab und lenkt den Zorn auf die sozial an den Rand Gedr&auml;ngten, auf Minderheiten und auf Ausl&auml;nder. Bild sch&uuml;rt den &bdquo;Klassenkampf im Armenhaus&ldquo;. Diese Hetze zeigt &ndash; anders als die politischen Kampagnen &ndash; auch sehr wohl ihre Wirkung. Wenn man der Frage nachgeht, warum Teenager in der brandenburgischen Pampa, in der es fast keine Migranten gibt, ausl&auml;nderfeindlich werden, findet man die Antwort in der Bild. Und mit der Sarrazin-Kampagne ist es Bild gelungen das politische Spektrum ins Rechtspopulistische zu verschieben. <\/p><p>Die wirkungsvollste Waffe gegen die Bild ist die &Auml;chtung. Wobei &Auml;chtung in diesem Zusammenhang weit &uuml;ber die  popul&auml;re (Stammtisch-)Kritik hinausgeht, mit der Bild ganz offen kokettiert. Das Image des Underdogs, der &ndash; nicht immer eleganten &ndash; Stimme der schweigenden Mehrheit l&auml;sst sich nur dann zerst&ouml;ren, wenn man die Bild ganz klar dort verortet, wo sie sich ja auch befindet &ndash; nicht innerhalb, sondern au&szlig;erhalb der nach demokratischen Ma&szlig;st&auml;ben tolerierbaren Meinungspluralit&auml;t. Die Achillesferse von Bild w&auml;re f&uuml;r Arlt und Storz deren Reputation. Doch anstatt Bild auszugrenzen, umarmen die politischen und gesellschaftlichen Eliten das publizistische Schmuddelkind; anstatt sie zu enttarnen &ndash; oder zumindest zu ignorieren &ndash; zitieren die &bdquo;Qualit&auml;tszeitungen&ldquo; immer wieder unvoreingenommen aus diesem Medium, dem man nach strenger Auslegung journalistischer Ma&szlig;st&auml;be das Attribut &bdquo;Zeitung&ldquo; entziehen m&uuml;sste. Schlussendlich erinnert Bild an den Kaiser mit seinen neuen Kleidern aus Andersens M&auml;rchen. Um die &Ouml;ffentlichkeit erkennen zu lassen, dass der Kaiser nackt ist, braucht es jedoch mehr als eine OBS-Studie. Aber jeder gro&szlig;e Marsch beginnt mit dem ersten Schritt. Leider verliert sich die OBS-Studie im zweiten Teil sehr h&auml;ufig in technischen Fragen, die zwar f&uuml;r Journalistik-Studenten relevant sein m&ouml;gen, das breite Publikum aber weniger interessieren d&uuml;rften. Sehr viele Manipulationen der Bild werden von den Autoren ganz einfach unter den Tisch fallen gelassen. Vor allem die neoliberale Agenda der Bild wird in der OBS-Studie nur am Rand gestreift. Auch wenn es nicht Zielsetzung der Studie war, eine allumfassende Medienkritik zu erheben, muss man den Autoren doch vorhalten, dass hier ohne Not kritisches Potential verschenkt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Mysterium &bdquo;Bild&ldquo; besch&auml;ftigte schon Generationen von Medienkritikern, auch die Nachdenkseiten haben ihre Kampagnen gegen den Sozialstaat, gegen Transfer-Empf&auml;nger und Minderheiten <a href=\"\/?cat=69\">analysiert<\/a>. Nun haben sich auch Hans-J&uuml;rgen Arlt und Wolfgang Storz im Auftrag der Otto Brenner Stiftung (OBS) an die Aufgabe herangewagt, Deutschlands gr&ouml;&szlig;te Tageszeitung zu analysieren. In ihrer Studie &raquo;<a href=\"http:\/\/www.bild-studie.de\/\">Drucksache &bdquo;Bild&ldquo; &ndash;<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9018\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,41,11],"tags":[760,459,374,1029,758],"class_list":["post-9018","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-arlt-hans-juergen","tag-bild","tag-eliten","tag-otto-brenner-stiftung","tag-storz-wolfgang"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9018"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22824,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9018\/revisions\/22824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}