{"id":90193,"date":"2022-11-10T09:00:38","date_gmt":"2022-11-10T08:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90193"},"modified":"2022-11-10T17:33:58","modified_gmt":"2022-11-10T16:33:58","slug":"schlimmer-als-waehrend-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90193","title":{"rendered":"\u201eSchlimmer als w\u00e4hrend des Krieges\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Kirchliche Hilfsorganisationen schlagen Alarm mit Blick auf die Lage in Syrien. Dort sei es infolge der Sanktionen &bdquo;schlimmer als w&auml;hrend des Krieges, was die wirtschaftliche Situation und den Alltag der Menschen angeht&ldquo;, warnt die syrische Ordensfrau Annie Demerjian bei einer Rundreise in Deutschland. In die gro&szlig;en Medien kommt sie mit ihrer deutlichen Kritik am westlichen Wirtschaftskrieg nicht. Und DIE LINKE? Deren parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung will in Berlin &bdquo;von den Syrien-Sanktionen f&uuml;r Russland und Iran lernen&ldquo; und von Halle-Neustadt aus die &bdquo;feministische Revolution&ldquo; in Syrien voranbringen. Da kann man nur von Gl&uuml;ck sprechen, das das p&auml;pstliche Hilfswerk &bdquo;Kirche in Not&ldquo; sicher mehr Menschen erreichen d&uuml;rfte, als die Schwurbler vom &bdquo;diasporischen Revolutionskontinuum&ldquo; verwirren k&ouml;nnen. Von <strong>R&uuml;diger G&ouml;bel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8437\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-90193-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=90193-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221110-Syrien-schlimmer-als-waehrend-des-Krieges-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ruhig und sachlich schildert die syrische Ordensfrau Annie Demerjian in einem 25 Minuten langen Fernsehinterview von anhaltender Not in Syrien infolge der westlichen Sanktionen. In weiten Teilen Syriens ist die hei&szlig;e Phase des seit 2011 w&auml;hrenden Krieges zwar vorbei, aber die Lage sei &bdquo;schlimmer als w&auml;hrend des Krieges, was die wirtschaftliche Situation und den Alltag der Menschen angeht.&ldquo; Schwester Annie geh&ouml;rt der Gemeinschaft der &bdquo;Schwestern Jesu und Mariens&ldquo; an und ist eine langj&auml;hrige Projektpartnerin des katholischen Hilfswerks &bdquo;Kirche in Not&ldquo;. Zusammen mit ihren Mitschwestern betreut sie mehrere kirchliche Hilfseinrichtungen in Syrien und im benachbarten Libanon. Jetzt ist sie auf Spendentour in Europa, um den Notleidenden in ihrer Heimat zu helfen &ndash; nicht zuletzt auch, um sie zum Bleiben zu bewegen und vor einer lebensgef&auml;hrlichen Flucht &uuml;ber das Mittelmeer mit h&auml;ufig t&ouml;dlichem Ausgang zu bewahren.<\/p><p>In einigen Landesteilen seien auch im elften Jahr des Krieges noch islamistische Milizen wie der &bdquo;Islamische Staat&ldquo; oder Al-Nusra aktiv, erinnert Schwester Annie. Dort w&uuml;rde nach wie vor gek&auml;mpft. In den anderen Landesteilen fielen zwar keine Bomben mehr, &bdquo;aber das Leben ist nicht friedlich. Es gibt keinen geregelten Alltag, denn unser Volk k&auml;mpft jeden Tag ums &Uuml;berleben&ldquo;.<\/p><p>Die Ordensfrau verweist in dem Gespr&auml;ch auf die &bdquo;desolate Lage der Infrastruktur&ldquo;: Viele Menschen h&auml;tten nur ein bis zwei Stunden am Tag Strom, die Wasserversorgung sei vielerorts unterbrochen. Die L&ouml;hne k&ouml;nnten mit den enorm gestiegenen Preisen nicht mithalten: Ein Familienvater in Aleppo, wo auch sie lebt, verdiene durchschnittlich umgerechnet um die 30 Euro im Monat. &bdquo;Allein die Miete betr&auml;gt aber 40 bis 50 Euro; in der Hauptstadt Damaskus sogar noch mehr, 60 bis 80 Euro. Wie soll das funktionieren?&ldquo;<\/p><p>Sie verstehe nicht, wie die Menschen leben k&ouml;nnten. Viele seien der Situation &uuml;berdr&uuml;ssig und wollten weg. &bdquo;Sie k&ouml;nnen nicht bleiben&ldquo;, so Schwester Annie. Die Auswanderung dauere an. Demerjian kritisiert die von der EU und den USA gegen Syrien verh&auml;ngten Sanktionen: &bdquo;Sie treffen das einfache Volk und machen uns das Leben sehr schwer.&ldquo; &bdquo;Unser Volk leidet unter den Sanktionen.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Humanit&auml;re Not anerkennen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ckhaltend, aber doch politisch absolut klar f&auml;hrt Schwester Annie in ihrer einfachen Nonnentracht im TV-Studio sitzend fort: &bdquo;Der Krieg sei zu einem Wirtschaftskrieg geworden, der verheerend ist, weil die Menschen nichts zu essen haben. Einige Familien haben nur eine Mahlzeit am Tag oder auch gar nichts zu essen.&ldquo; Sie verweist darauf, dass es an Medikamenten mangelt und wenn es sie g&auml;be, diese sehr teuer seien. Menschen in Aleppo h&auml;tten ihr berichtet, dass sie die ihnen verordneten Tabletten nur jeden zweiten Tag einnehmen, um m&ouml;glichst lang den Bedarf decken zu k&ouml;nnen. &bdquo;Der Westen muss die humanit&auml;re Not anerkennen&ldquo;, so die Mahnung der Ordensfrau. &bdquo;Ich verstehe L&auml;nder nicht, die von Menschenrechten reden und menschlicher Freiheit, und sie verh&auml;ngen Sanktionen gegen das Leben der Menschen.&ldquo;<\/p><p>Der eindr&uuml;ckliche Bericht aus erster Hand hat (bisher) weder in einer gro&szlig;en &uuml;berregionalen Tageszeitung Erw&auml;hnung gefunden noch war Schwester Annie in einem der &ouml;ffentlich-rechtlichen oder privaten TV-Sender zu sehen. Das <a href=\"https:\/\/www.katholisch.tv\/detail\/?vid=wyjZNJIga6k\">Interview<\/a> war in den vergangenen Tagen von den kirchlichen Spartenkan&auml;len EWTN, Bibel TV und KTV ausgestrahlt worden und kann jetzt in der Mediathek von &bdquo;Kirche in Not&ldquo; abgerufen und &uuml;ber die sozialen Medien geteilt werden.<\/p><p><strong>&bdquo;Wer Krebs hat, stirbt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Berichte von Schwester Annie decken sich mit den Alarm-Meldungen vieler anderer kirchlicher W&uuml;rdentr&auml;ger aus Syrien. Franziskanerkustos Francesco Patton beklagt im Jahresbericht &bdquo;Initiative Christlicher Orient&ldquo; (ICO), dass der Krieg in Syrien fast vollst&auml;ndig aus dem Interesse der Welt&ouml;ffentlichkeit <a href=\"https:\/\/www.domradio.de\/artikel\/franziskanerkustos-beklagt-vergessenen-krieg-syrien\">verschwunden ist<\/a>. Der Konflikt dauere an und breche &bdquo;wie ein Feuer unter der Asche in verschiedenen Teilen Syriens aus&ldquo;. Die wirtschaftliche Lage verschlechtere sich immer mehr. &bdquo;Ein Land, das reich an Weizen und Oliven, &Ouml;l und Gas ist, wird fast vollst&auml;ndig seiner Ressourcen beraubt, und die Bev&ouml;lkerung hungert&ldquo;, erinnert der Franziskaner. &bdquo;Ein Land, das reich an einer jahrtausendealten Geschichte und einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Kultur ist, sieht seine Kinder heute damit k&auml;mpfen, einem normalen Schullehrplan zu folgen und einen ausreichenden Bildungsabschluss zu erreichen.&ldquo; <\/p><p>Der ober&ouml;sterreichische Jesuit Gerald Baumgartner berichtete im September auf der ICO-Jahrestagung in Salzburg von unvorstellbarer, erdr&uuml;ckender Not in der syrischen Stadt Homs, wo er seit zwei Jahren <a href=\"https:\/\/www.kathpress.at\/goto\/meldung\/2185718\/oberoesterreichischer-jesuit-unvorstellbare-not-in-syrien\">lebt und hilft<\/a>. Es herrsche Mangel an den &bdquo;fundamentalsten G&uuml;tern&rdquo;, so der Jesuit zur aktuellen Lage in Syrien. &bdquo;Strom gibt es vielleicht eine halbe Stunde am Tag. Und manchmal im Winter auch f&uuml;r einige Tage gar nicht.&ldquo; &ndash; Und das bei Temperaturen von null Grad &uuml;ber mehrere Wochen im Winter. Katastrophal ist seinen Schilderungen zufolge auch die medizinische Versorgung vor Ort. &bdquo;Wer Krebs hat, stirbt&ldquo;, so Baumgartner. Unz&auml;hlige Menschen seien auf humanit&auml;re Organisationen angewiesen. Von den jungen Menschen wollten sicher 90 Prozent das Land verlassen. Und niemand k&ouml;nne es ihnen verdenken.<\/p><p><strong>&bdquo;Stumm vor Hunger und Krankheit&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der syrische Franziskaner P. Ibrahim Alsabagh wei&szlig; vom Elend wie Schwester Annie vom Elend in der nordsyrischen Metropole Aleppo zu berichten. 60 Prozent der Stadt seien nach wie vor zerst&ouml;rt. Mehr als 85 Prozent der Bev&ouml;lkerung w&uuml;rden unter der Armutsgrenze leben. &bdquo;Unsere Gesellschaft ist stumm &ndash; vor Hunger und Krankheit&ldquo;, so Alsabagh, der Pfarrer der &ouml;rtlichen r&ouml;misch-katholischen (lateinischen) Pfarrei St. Francis ist. Die westlichen Sanktionen h&auml;tten allen voran die arme Bev&ouml;lkerung noch mehr ins Elend gest&uuml;rzt. Der Hunger bestimme den Alltag der einfachen Menschen. Bei der ICO-Tagung in Salzburg berichtete er von einem einschneidenden Erlebnis: &bdquo;Als wir Kinder bei uns im Kloster mit Sandwiches verk&ouml;stigten, haben einige nur die H&auml;lfte gegessen. Die andere H&auml;lfte haben sie f&uuml;r ihre Geschwister mit nach Hause genommen.&ldquo;<\/p><p>Vor einem Jahr haben die Franziskaner angesichts der unvorstellbaren Not eine Suppenk&uuml;che eingerichtet und bisher weit mehr als 200.000 Mahlzeiten an arme Familien, alte und alleinstehende Menschen, Kranke und Behinderte, Christen wie Muslime ausgegeben. Finanziert wird die Suppenk&uuml;che ma&szlig;geblich von der ICO. Klar ist angesichts all der Schilderungen: Die Spenden lindern schlimmste Not, L&ouml;sung sind sie nicht. Die von der EU und den USA verh&auml;ngten Sanktionen m&uuml;ssen fallen.<\/p><p><strong>USA sollen &Ouml;l-Pl&uuml;nderungen einstellen<\/strong><\/p><p>China fordert die USA auf, die Pl&uuml;nderung syrischer Ressourcen sofort einzustellen und die US-Armee f&uuml;r ihre Diebst&auml;hle zur Rechenschaft zu ziehen. Zeitgleich mit der ICO-Tagung forderte der Sprecher des chinesischen Au&szlig;enministeriums, Wang Wenbin, die US-Seite auf, die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t Syriens zu respektieren und ihre einseitigen Sanktionen gegen das Land sofort aufzuheben. Zudem m&uuml;sse das US-Milit&auml;r die Pl&uuml;nderung syrischer Ressourcen sofort einstellen und die T&auml;ter zur Rechenschaft ziehen. Das US-Milit&auml;r sollte das syrische Volk f&uuml;r seine Verluste entsch&auml;digen und mit konkreten Ma&szlig;nahmen den Schaden wiedergutmachen. Dem syrischen Ministerium f&uuml;r Erd&ouml;l und Bodensch&auml;tze zufolge lag die durchschnittliche Tages&ouml;lproduktion in Syrien im ersten Halbjahr 2022 bei etwa gut 80.000 Barrel. Pro Tag wurden rund 66.000 Barrel &Ouml;l vom US-Milit&auml;r und den von ihm unterst&uuml;tzten Streitkr&auml;ften geklaut.<\/p><p>Und DIE LINKE in Deutschland. Im Wahlprogramm der Partei zur Bundestagswahl 2021 hei&szlig;t es w&ouml;rtlich: &bdquo;Wirtschaftssanktionen treffen vor allem die einfache Bev&ouml;lkerung und m&uuml;ssen beendet werden. Unilaterale Sanktionen der USA und EU, wie beispielsweise gegen Iran, Kuba, Syrien oder Russland, sind v&ouml;lkerrechtswidrig und drehen die Eskalationsspirale immer weiter.&ldquo; Und auch in dem vom Bundesparteitag in Erfurt im Juni beschlossenen Antrag &bdquo;Kriege und Aufr&uuml;stung stoppen. Schritte zur Abr&uuml;stung jetzt! F&uuml;r eine neue Friedensordnung und internationale Solidarit&auml;t&ldquo; wird bekr&auml;ftigt: &bdquo;Sanktionen, die sich vor allem gegen die Bev&ouml;lkerung richten oder zur Verarmung im Globalen S&uuml;den beitragen, lehnen wir ab.&ldquo;<\/p><p>Praktischen Niederschlag findet das in der praktischen Parteiarbeit nicht. Im Gegenteil. Die Linkspartei-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung will noch mehr Wirtschaftskriege, aus Solidarit&auml;t mit den Menschen vor Ort, versteht sich. &bdquo;Sanktionen den Pal&auml;sten, Solidarit&auml;t mit den H&uuml;tten. Von den Syrien-Sanktionen f&uuml;r Russland und Iran lernen&ldquo;, lautet der Titel einer RLS-Debatte am 17. November in Berlin, die in Kooperation mit &bdquo;Adopt a Revolution&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/veranstaltung\/es_detail\/D4UQD\/sanktionen-den-palaesten-solidaritaet-den-huetten?cHash=e7ad8b5edaacde7fbb57afb9ce31fac4\">durchgef&uuml;hrt wird<\/a>. &bdquo;Milit&auml;rische Interventionen zur Beendigung und Bestrafung von Kriegsverbrechen werden seitens der friedenspolitisch engagierten Zivilgesellschaft westlicher Staaten oft vehement abgelehnt &ndash; aus nachvollziehbaren Gr&uuml;nden&ldquo;, hei&szlig;t es in der Einladung zum Sanktionsabend im gro&szlig;en Stiftungssaal. &bdquo;Wenn wir als friedenspolitisch engagierte Zivilgesellschaft Straflosigkeit trotzdem nicht hinnehmen wollen, dann m&uuml;ssen wir dringend differenziert &uuml;ber das Instrument Sanktionen sprechen. Der andauernde russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die brutale Unterdr&uuml;ckung der gegenw&auml;rtigen Protestbewegung durch das iranische Regime zeigen die gro&szlig;e Notwendigkeit dieser Debatte auf.&ldquo;<\/p><p>Ausgehend vom &bdquo;spezifischen syrischen Kontext&ldquo; gelte es zu diskutieren, &bdquo;welche Lessons learned aus den Syrien-Sanktionen f&uuml;r Russland und den Iran relevant sind und welche Rolle wir als friedenspolitisch engagierte Zivilgesellschaft bei der politischen Durchsetzung und Gestaltung spielen wollen&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Wie k&ouml;nnen wir daf&uuml;r sorgen, dass Sanktionen tats&auml;chlich die f&uuml;r Kriegsverbrechen Verantwortlichen treffen und diese zu einer Verhaltens&auml;nderung zwingen? Wie k&ouml;nnen wir Nebenwirkungen f&uuml;r die Zivilbev&ouml;lkerung der von Sanktionen betroffenen Staaten vermeiden oder zumindest lindern?&ldquo; 1996 erkl&auml;rte die damalige US-Au&szlig;enministerin Madeleine Albright in einem TV-Interview, die bis dahin 500.000 an den Folgen der Irak-Sanktionen gestorbenen Kinder seien &bdquo;den Preis wert&ldquo;. Bis zu ihrem Tod in diesem M&auml;rz war die US-Politikerin immer wieder umjubelte Gastrednerin bei Gr&uuml;nen-Parteitagen.<\/p><p>W&auml;hrend in Berlin bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung &bdquo;differenziert&ldquo; neue Sanktionsregime beraten werden, wird in Halle-Neustadt gleich die feministische Revolution f&uuml;r Syrien vorangetrieben. Der <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/news\/id\/47017\/revolution-diaspora-transformation\">RLS-Bericht<\/a> &uuml;ber das &bdquo;diasporische Revolutionskontinuum&ldquo; in sachsen-anhaltinischen Lagerhallen zeigt, wie abgehoben die Linke in Deutschland mittlerweile ist, in der Polit-Schwurbelei an die Stelle politischer Aufkl&auml;rung tritt.<\/p><p>Meine Lieblingspassage im RLS-Revolutionsreport, gerne laut vorgetragen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der feministischen Diasporatheorie ist das In-Diaspora-Sein mehr als eine Erfahrung der Migration und Heimatlosigkeit. Diaspora begreift sich vielmehr als ein Zustand. Abstrahieren wir den Begriff etwas, dann steht der diasporische Raum f&uuml;r jene Momente des Aufbruchs und der Offenheit, die einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel provozieren. Diaspora ist die Erfahrung der Fortbewegung von einem gesellschaftlichen Zustand in den n&auml;chsten. In ihr manifestiert sich der transformatorische Zwischenzustand. In diesem Sinne beginnt die diasporische Erfahrung der Aktivist*innen bereits 2011, in Syrien selbst. Wenn wir Revolutionen als etwas begreifen, bei dem es nicht lediglich darum geht, ein nicht gewolltes Herrschaftsregime durch ein anderes zu ersetzen, sondern in ihnen vielmehr Momente der intrinsischen Transformation sehen, dann sind Revolutionen stets diasporische Momente.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Noch Fragen?<\/p><p>Linker Lichtblick f&uuml;r die d&uuml;stere Zeit zum Vormerken: Auf dem bundesweiten Friedensratschlag in Kassel am 10. und 11. Dezember erkl&auml;rt Joachim Guilliard, warum Wirtschaftsblockaden eben keine &bdquo;zivile Alternative&ldquo; zu Krieg sind (<a href=\"https:\/\/jg-nachgetragen.blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Vortrag-Wirtschaftsblockaden-%E2%80%93-eine-%E2%80%9Ezivile-Alternative-zu-Krieg-Duesseldorf-Okt.-2022.pdf\">hier schon einmal alles Wichtige zum Einlesen<\/a>). Michael von der Schulenburg, Michael M&uuml;ller, Daniela Dahn und Norman Paech diskutieren &uuml;ber &bdquo;Verhandlungsl&ouml;sungen f&uuml;r die Ukraine und eine neue globale Friedensordnung&ldquo; als Alternative zu Wirtschaftskrieg und Waffenlieferungen. Programm und Anmeldung finden Sie <a href=\"https:\/\/frieden-und-zukunft.de\/userfiles\/pdf\/2022\/2022_Ratschlag_Online-Flyer.pdf\">hier<\/a>.<\/p><p>Titelbild: Melih Cevdet Teksen\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kirchliche Hilfsorganisationen schlagen Alarm mit Blick auf die Lage in Syrien. Dort sei es infolge der Sanktionen &bdquo;schlimmer als w&auml;hrend des Krieges, was die wirtschaftliche Situation und den Alltag der Menschen angeht&ldquo;, warnt die syrische Ordensfrau Annie Demerjian bei einer Rundreise in Deutschland. In die gro&szlig;en Medien kommt sie mit ihrer deutlichen Kritik am westlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90193\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":90195,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20,171,132],"tags":[1652,881,1754,1334,1015,1553,1556,335,1019],"class_list":["post-90193","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-abwanderung","tag-armut","tag-energieversorgung","tag-erdoel","tag-rls","tag-syrien","tag-usa","tag-wasserversorgung","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Shutterstock_370632818.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90193"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90228,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90193\/revisions\/90228"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/90195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}