{"id":902,"date":"2005-10-10T12:15:39","date_gmt":"2005-10-10T10:15:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=902"},"modified":"2016-03-03T11:17:26","modified_gmt":"2016-03-03T10:17:26","slug":"die-felle-sind-verteilt-doch-der-bar-lebt-noch-und-geht-seinen-weg-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=902","title":{"rendered":"Die Felle sind verteilt, doch der B\u00e4r lebt noch und geht seinen Weg weiter"},"content":{"rendered":"<p>Bundeskanzler Schr&ouml;der hat mit seinem Kurswechsel hin zum Niedrigsteuerland f&uuml;r Unternehmen und Kapitaleinkommen, zur Ausblutung der Staatseinnahmen bis an die Grenze der staatlichen Handlungsf&auml;higkeit, mit seinem Einstieg in die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme, mit dem &bdquo;Fordern&ldquo; der Arbeitslosen oder dem Druck auf Niedrigl&ouml;hne einer konservativen Politik das Bett gemacht. Nach nur zwei Tagen anbandeln haben sich nun SPD und CDU ins gemachte Bett gelegt. Es war zwar schon immer nur eine sch&ouml;ne Redensart, dass Sachfragen vor der Aufteilung von Ressorts und vor der Verteilung von Posten stehen, dass es aber so offenkundig zun&auml;chst nur um die Verteilung der Felle geht, das hat man in der Geschichte der Regierungsbildungen in Deutschland noch selten erlebt.<br>\n<!--more--><br>\nSchr&ouml;der hat seine wohl schon seit l&auml;ngerer Zeit angestrebte &bdquo;Lebensplanung&ldquo; erf&uuml;llt: Er hat &bdquo;seinen&ldquo; Agenda-Kurs mit einer Gro&szlig;en Koalition stabilisiert. Er wird vom Meinungsmainstream und in den Geschichtsb&uuml;chern daf&uuml;r gelobt werden. Er hat es geschafft, dass die SPD, obwohl sie zwischenzeitlich in sechs L&auml;ndern und nun auch im Bund die Regierungsf&uuml;hrung verloren hat, ihm zu F&uuml;&szlig;en liegt und er kann erhobenen Hauptes das Amt des Bundeskanzlers abgeben, auf das er ohnehin keine Lust mehr hatte. Er kann nun &ndash; wie Clement das f&uuml;r sich formulierte &ndash; &bdquo;ausgiebig von seinen Freiheitsrechten Gebrauch machen&ldquo;. <\/p><p>Die vier inhaltlichen Allgemeinpl&auml;tze, die in den gro&szlig; inszenierten Acht-Augen-Gespr&auml;chen &bdquo;als Grundstein&ldquo; f&uuml;r die Gro&szlig;e Koalition herausgekommen sind, taugen eher als Beruhigungspillen f&uuml;r die jeweiligen Gefolgschaften, die bittere Medizin einer &bdquo;Agenda-Plus&ldquo; &ndash; jedenfalls f&uuml;r die, die an die sozialen T&ouml;ne SPD geglaubt haben &ndash; wird folgen. Die F&uuml;hrungsgremien der Parteien geben sich &ndash; wie das halt unter F&uuml;hrungspersonal &uuml;blich ist &ndash; mit der Verteilung der Ressorts und damit der k&uuml;nftigen Postenaufteilung zufrieden. Acht zu Acht bei den Ministerposten, das ist doch was. Was st&ouml;rt da schon, dass bei den Sondierungsgespr&auml;chen &uuml;ber die wirklich wichtigen Fragen kein Wort verloren wurde. <\/p><p>Noch ein bisschen Wundenlecken in der SPD, dass nun doch Angelika Merkel Kanzlerin wird, das war alles. Erstaunlich, wie schnell sich Schr&ouml;der und die SPD von dem hohen Baum, auf den sie geklettert waren, wieder abgeseilt haben. Schon alles vergessen, wof&uuml;r Angela Merkel gestanden hat, von der Kopfpauschale, &uuml;ber den Bierdeckel oder die Entmachtung der Gewerkschaften. Sie wird Kanzlerin, denn &bdquo;sie ist Vorsitzende der CDU&ldquo;, sagt jetzt Franz M&uuml;ntefering, das reicht ab heute als ausreichende Qualifikation f&uuml;r das Amt. <\/p><p>Eine &bdquo;Koalition der neuen M&ouml;glichkeiten&ldquo; soll es werden, verk&uuml;ndete Angela Merkel mit Honigkuchen-L&auml;cheln. &bdquo;Erneuerung, soziale Gerechtigkeit und Zukunftsf&auml;higkeit&ldquo; f&uuml;gt M&uuml;ntefering an. Schon werden die sog. &bdquo;Schnittmengen&ldquo; der Parteiprogramme ausgemacht und, wie am Vorabend bei Sabine Christiansen Wolfgang Sch&auml;uble, Erwin Huber und Ulla Schmidt miteinander turtelten, gibt es davon eine ganze Menge. &bdquo;Es gibt St&ouml;ckchen, aber keine Tabus&ldquo; sagt M&uuml;ntefering. Man braucht Mathematik nicht mittels der Mengenlehre vermittelt bekommen haben, um die Schnittmengen zwischen der &bdquo;konsequenten Fortsetzung&ldquo; der Agenda der Sozialdemokraten und der &bdquo;Agenda im Quadrat&ldquo; der Union ausrechnen zu k&ouml;nnen. Herauskommen wird eine &bdquo;Agenda Plus&ldquo;. Da mag M&uuml;ntefering noch so sehr von &uuml;ber sozialen Zusammenhalt fabulieren. Die Agenda Schr&ouml;ders war schon sozial unausgewogen und die Agenda Plus einer gro&szlig;en Koalition wird sozial noch unausgewogener sein. Was diese politische Schnittmenge noch mit dem W&auml;hlerwillen zu tun hat, bleibt au&szlig;en vor. Als W&auml;hlerwille gilt f&uuml;r Merkel und M&uuml;ntefering ab heute die Gro&szlig;e Koalition; die doch vor der Wahl angeblich keiner wollte, schon gar nicht die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler die der Sozialrhetorik der SPD vor der Wahl auf den Leim gegangen sind und die in ihrer Mehrheit links von Schwarz-Gelb gestimmt haben. <\/p><p>&bdquo;Es gibt keine Alternative zum Reformkurs in Deutschland&ldquo; sagte Angela Merkel. Es wird also weitergehen mit Unternehmenssteuersenkungen, mit weiteren Schritten zum Sozialabbau und zu Lohnk&uuml;rzungen, denn diese Koalition &bdquo;wird alles tun, dass sich die Wettbewerbsf&auml;higkeit der Wirtschaft verbessert&ldquo;. Als ob das unser Problem w&auml;re. <\/p><p>Haben wir einen einzigen Hinweis dazu geh&ouml;rt, wie die Binnennachfrage gesteigert, wie die Konjunktur angekurbelt werden k&ouml;nnte? Das sind doch die eigentlichen Probleme.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundeskanzler Schr&ouml;der hat mit seinem Kurswechsel hin zum Niedrigsteuerland f&uuml;r Unternehmen und Kapitaleinkommen, zur Ausblutung der Staatseinnahmen bis an die Grenze der staatlichen Handlungsf&auml;higkeit, mit seinem Einstieg in die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme, mit dem &bdquo;Fordern&ldquo; der Arbeitslosen oder dem Druck auf Niedrigl&ouml;hne einer konservativen Politik das Bett gemacht. 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