{"id":90340,"date":"2022-11-15T10:00:55","date_gmt":"2022-11-15T09:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90340"},"modified":"2024-02-06T15:07:15","modified_gmt":"2024-02-06T14:07:15","slug":"gleichgerichtete-leitmedien-ein-vortrag-von-florian-warweg-beim-linken-forum-paderborn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90340","title":{"rendered":"\u201eGleichgerichtete Leitmedien?\u201c Ein Vortrag von Florian Warweg beim Linken Forum Paderborn"},"content":{"rendered":"<p>NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg war vom Linken Forum Paderborn (gegr&uuml;ndet vom Jugend-Soziologen Arno Kl&ouml;nne als pluralistisches lokales Linksb&uuml;ndnis) eingeladen worden, um &uuml;ber den aktuellen Zustand der bundesdeutschen Medien zu sprechen. Der Vortrag stand unter dem vorgegebenen Titel &bdquo;Gleichgerichtete Leitmedien? Wie wird Realit&auml;t &sbquo;gemacht&lsquo;? Wie funktioniert Manipulation? Gibt es Alternativen?&ldquo; In dem Vortrag zeichnet Florian Warweg nach, welche Faktoren zu der aktuellen existenziellen Krise des Journalismus f&uuml;hrten und welche Einfluss-, Repressions- und Manipulationsmechanismen dabei ihre Wirkung entfalten. Er greift hierzu als Analysemittel auf das &bdquo;Propagandamodell&ldquo; von Noam Chomsky zur&uuml;ck und erg&auml;nzt dies um konkrete Beispiele aus seiner eigenen journalistischen Erfahrung. Die NachDenkSeiten dokumentieren f&uuml;r ihre Leser den Vortrag in Schrift- und Videoform. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/JWdNWq98YUI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Was ist in den letzten Jahren passiert? Was hat sich gesellschaftlich ge&auml;ndert? Was hat sich im journalistischen Feld ge&auml;ndert, dass das Vertrauen in die Medien und die Qualit&auml;t der Berichterstattung so gelitten hat? Ich will heute versuchen, kurz nachzuzeichnen, was meiner Meinung nach die Bruchstellen f&uuml;r die derzeitige Situation sind, auch anhand meiner eigenen Vita, und dann aufzeigen, was es f&uuml;r methodische Mittel gibt, um, neben dem subjektiven Empfinden, sachlich-analytisch nachvollziehen zu k&ouml;nnen, was derzeit passiert. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Es gibt eine ungeheure Unzufriedenheit mit der aktuellen Verfasstheit der Medien in diesem Land. Und das sind nicht nur individuelle Empfindungen von Ihnen oder mir. Das best&auml;tigen selbst Umfragen von b&uuml;rgerlichen Umfrageinstituten. <\/p><p>So haben laut der letzten verf&uuml;gbaren repr&auml;sentativen Allensbach-Umfrage 44 Prozent der befragten Bundesb&uuml;rger das Gef&uuml;hl, dass man seine Meinung nicht mehr frei &auml;u&szlig;ern kann. Nur zum Vergleich: Bei derselben Umfrage im Jahr 2011 gaben damals nur 26 Prozent an, dieses Gef&uuml;hl zu haben. Massiv gesunken ist auch das grunds&auml;tzliche Vertrauen in Medien: Eine ebenfalls repr&auml;sentative Umfrage von NTV kommt zu dem Ergebnis, dass sage und schreibe 54 Prozent der Bundesb&uuml;rger sogenannten etablierten Medien nicht mehr vertrauen. Und eine k&uuml;rzliche Forsa-Umfrage ergab zudem, dass satte 43 Prozent der Befragten erkl&auml;rten, ihrem Eindruck nach sei der Journalismus in den letzten Jahren merkbar qualitativ schlechter geworden.<\/p><p>Das sind Zahlen, die haben es durchaus in sich. <\/p><p>In meinem eigenen Umfeld stellte insbesondere die extrem einseitige Ukraine-Berichterstattung in deutschen Medien ab 2014 einen ersten signifikanten Bruch dar. Mein eigenes diesbez&uuml;gliches &bdquo;Erweckungserlebnis&ldquo;, um das kurz zu schildern, reicht etwas weiter zur&uuml;ck. Ich bin 1979 in Magdeburg, also der damaligen DDR, geboren. Und seit ich bewusst Erinnerungen habe, lief bei uns zuerst die Aktuelle Kamera um 19.30 Uhr und danach die Tagesschau. Als Radiosender h&ouml;rten wir den NDR. Und selbst als 9- oder 10-J&auml;hriger war man nat&uuml;rlich in der Lage, die Unterschiede wahrzunehmen zwischen dem, was in der Aktuellen Kamera verlautbart wurde und was in der Tagesschau oder bei den NDR-Nachrichten erz&auml;hlt wurde. Das f&uuml;hrte, wage ich zu behaupten, in Folge bei einem Gro&szlig;teil der in der DDR Sozialisierten zu einem kritischeren Medienkonsum. Zudem haben die etablierten &bdquo;Leitmedien&ldquo; wie Spiegel, S&uuml;ddeutsche oder Zeit im Osten nie eine vergleichbare Meinungsmacht wie im Westen der Republik entwickeln k&ouml;nnen. Sie m&uuml;ssen sich nur mal die Verkaufs- und Abozahlen besagter Medien in Magdeburg, Schwerin oder Dresden anschauen. Die sind quasi nicht existent. <\/p><p><strong>Pers&ouml;nliches Schl&uuml;sselerlebnis<\/strong><\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu dem, was bei mir pers&ouml;nlich ein Schl&uuml;sselerlebnis war und den Blick erstmals wirklich gesch&auml;rft hat f&uuml;r die Defizite in der Berichterstattung bundesdeutscher Medien. <\/p><p>Ich habe 2000 angefangen, in T&uuml;bingen Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Lateinamerika zu studieren. In diesem Zusammenhang hatte ich dann das Gl&uuml;ck und die M&ouml;glichkeiten, fast ganz Lateinamerika zu bereisen, und ich studierte und arbeitete l&auml;nger in Chile sowie Peru und forschte zu Kolumbien und Venezuela. Erst durch diese intensive Besch&auml;ftigung mit Lateinamerika wurde mir mit der Zeit bewusst, wie schlecht recherchiert, oberfl&auml;chlich und vor allem unglaublich einseitig die Berichterstattung zu dieser Region in deutschen Medien war und auch weiterhin ist. <\/p><p>Insbesondere die Berichterstattung und die Art der genutzten Quellen zu Venezuela unter Chavez ab 2000 war geradezu haneb&uuml;chen. Es war in gewisser Weise eine Vorwegnahme der Ukraine-Berichterstattung. Zu Wort kamen fast ausschlie&szlig;lich Oppositionsvertreter und Unterst&uuml;tzer, als Quellen wurden ebenso, &uuml;brigens bis heute, fast nur Infos aus rechten Oppositionskreisen und entsprechenden Medien genutzt. Im Gegensatz zum medial hier verankerten Diskurs der angeblich staatlich kontrollierten Presselandschaft in Venezuela sind bis heute 80 Prozent aller TV- und Printmedien in privater Hand und stehen zudem&nbsp;&uuml;berwiegend der rechtsliberalen bis rechtskonservativen Opposition nahe. So viel zum angeblichen Beleg f&uuml;r die &bdquo;Chavez- oder Maduro-Diktatur&ldquo;. <\/p><p>&Auml;hnliche Erfahrung mit der Qualit&auml;t der bundesdeutschen Auslandsberichterstattung hatten auch fast alle meine Kommilitonen gemacht, die l&auml;ngere Zeit in Nahost oder Afrika verbracht hatten. Ein Aspekt ist hier nat&uuml;rlich auch das komplette Zur&uuml;ckfahren von Auslandkorrespondenten. Selbst die ARD hat z.B. mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.br.de\/unternehmen\/inhalt\/organisation\/korrespondenten\/geschichte-ard-hoerfunkstudio-suedamerika-100.html\">keinen einzigen Korrespondenten<\/a> mehr im spanischsprachigen Teil S&uuml;damerikas. Ob Berichterstattung zu Chile, Bolivien, Venezuela oder Kolumbien &ndash; der einzige ARD-Korrespondent in der Region sitzt und berichtet aus dem brasilianischen Rio de Janeiro. Profunde Berichterstattung aus den restlichen 12 L&auml;ndern S&uuml;damerikas ist damit eigentlich ausgeschlossen. Verkauft wurde das Einstampfen des Korrespondentennetzes von der ARD &uuml;brigens als &bdquo;crossmediale und zukunftsorientierte Strukturreform&ldquo;. <\/p><p>Doch sind dies f&uuml;r die meisten Bundesb&uuml;rger ohnehin periphere Regionen ohne pers&ouml;nlichen Zugang und Relevanz und eine einseitige Berichterstattung f&auml;llt ihnen da gar nicht auf. Dies &auml;nderte sich erst im Falle der Berichterstattung zur Ukraine-Krise ab 2014 und der sich damit auch signifikant &auml;ndernden Russland-Berichterstattung. Da gab es meiner Wahrnehmung nach einen ersten gr&ouml;&szlig;eren Bruch im Medienvertrauen, zumindest in einem Teil der Gesellschaft. Es gab einfach mehr pers&ouml;nliche Bezugspunkte, mehr Wirtschaftskontakte, eigene Erfahrungswerte und Bekannte &ndash; sowie, nicht irrelevant &ndash; es gab ab 2014 mit RT DE, auch ein Medium, das in deutscher Sprache eine andere Perspektive erm&ouml;glichte und somit einen direkten Vergleich m&ouml;glich machte, &auml;hnlich wie meine zuvor geschilderte noch kindliche Erfahrung von Aktueller Kamera versus Tagesschau. So dass die Einseitigkeit offensichtlicher wurde.<\/p><p>Dazu kam ab 2020 eine sehr homogene, um nicht zu sagen hochtendenzi&ouml;se, Berichterstattung zu den Corona-Ma&szlig;nahmen in Deutschland selbst, die bei vielen Bundesb&uuml;rgern wohl erstmals einen wirklichen bewusst wahrgenommenen Bruch darstellte zwischen medialer Darstellung und der eigenen, dieser medialen Darstellung oft diametral entgegenstehenden, Erfahrung. <\/p><p>Pl&ouml;tzlich bemerkten nicht nur eine Handvoll Nerds mit Regional-Expertise, sondern Millionen, dass alle Perspektiven, die der vorherrschenden Erz&auml;hlung widersprachen, einfach ignoriert wurden. Und wenn dies nicht ausreichte, wurde versucht, diese Sichtweisen mit voller medialer Breitseite zu delegitimieren. Mit der Folge, dass sich Millionen Bundesb&uuml;rger von den Medien in diesem Land nicht mehr mit ihrer Kritik, ihren Fragen und Wahrnehmungen repr&auml;sentiert f&uuml;hlten.<\/p><p>Dies nur als grobe, unvollst&auml;ndige Zusammenfassung und &Uuml;berblick &uuml;ber die meiner Meinung nach einschneidenden Momente in der medialen Berichterstattung der letzten Jahre und die dadurch provozierte Entfremdung von vielen Medienkonsumenten. <\/p><p>Doch habe ich bisher ja nur individuelle Wahrnehmungen und Ersch&uuml;tterungen anhand meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung meines Umfeldes geschildert.<\/p><p>Dies erkl&auml;rt aber nat&uuml;rlich nicht die Verfasstheit und Krise des bundesdeutschen Mediensystems an sich. Es gab in den letzten Jahren durchaus einige hilfreiche Ver&ouml;ffentlichungen, die versuchen, dieses Thema systematisch aufzubereiten. <\/p><p>In seinem Buch &bdquo;Mainstream&ldquo; beschreibt der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Kr&uuml;ger, Erstauflage 2016, das Verh&auml;ltnis zwischen Alpha-Journalisten und Politik als Symbiose, bestimmt vom Tauschgesch&auml;ft &bdquo;Information gegen Publizit&auml;t&ldquo;. Der Journalist bekommt Informationen und verschafft im Gegenzug seiner Quelle (oder deren Anliegen) &Ouml;ffentlichkeit, eine gef&auml;hrliche N&auml;he, so Kr&uuml;ger, welche die demokratische Funktion der Medien untergrabe. Der NSA-Whistleblower Edward Snowden hat &uuml;brigens gestern einen spannenden Ausschnitt aus einem Interview von 1983 mit dem CIA-Agenten Frank Snepp auf Twitter gepostet, der diese N&auml;he exemplarisch beleuchtet. Snepp <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90167\">schildert<\/a> dort, wie er in Vietnam von 1969 bis 1976 im Auftrag der CIA-Chefetage die renommiertesten Korrespondenten von New York Times, Newsweek etc. mit angeblich exklusiven News versorgte. Das waren aber alles erfundene Geschichten, die nur dazu dienten, den Vietcong zu diffamieren und die Pro-Kriegsstimmung in den USA am Laufen zu halten. Fast alle Journalisten bissen an und wollten unbedingt die &bdquo;exklusiven&ldquo; CIA-News. Kaum jemand versuchte, diese zu verifizieren, zu froh war man &uuml;ber die angeblichen Exklusiv-News. Snepp distanzierte sich sp&auml;ter von seinem Agieren und ging an die &Ouml;ffentlichkeit. Die CIA verklagte ihn darauf. Aber nicht etwa, weil er etwas Falsches gesagt h&auml;tte, sondern weil er aus Sicht des US-Geheimdienstes &bdquo;Berufsgeheimnisse&ldquo; &uuml;ber den manipulativen Umgang der CIA mit der Presse verraten hatte. <\/p><p>Aber zur&uuml;ck zur medienwissenschaftlichen Aufbereitung der medialen Malaise.<\/p><p>Michael Meyen, Medienwissenschaftler an der Uni M&uuml;nchen, hat 2021 &bdquo;DIE PROPAGANDA-MATRIX&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, in welcher er von vier &bdquo;Arenen&ldquo; ausgeht, welche die mediale Diskursordnung bestimmen. <\/p><p>1. Die herrschende Ideologie, 2. Die Medialisierung (also alles, was Menschen tun, damit sie oder was ihnen wichtig erscheint, gut in den Medien dargestellt wird), 3. Die Medienorganisation und 4. Das Journalistische Feld (also Berufsideologie, Pr&auml;gungen etc.), Apropos Pr&auml;gungen, hier ist z.B. bemerkenswert, dass die famili&auml;re Weitergabe des Berufes von einer Generation zur n&auml;chsten bei Journalisten &auml;hnlich hoch ausgepr&auml;gt ist wie sonst nur bei Medizinern und Anw&auml;lten. Was nat&uuml;rlich einen ebenso hohen sozialen Filter in der Branche mit sich bringt. <\/p><p>Die letzte Ver&ouml;ffentlichung in diesem Zusammenhang und die derzeit auch f&uuml;r Furore sorgt, ist das Buch die &bdquo;Vierte Gewalt&ldquo; von Richard David Precht und Harald Welzer. Sie diagnostizieren in diesem Buch ein &bdquo;frappierend einheitliches Meinungsbild&ldquo;, insbesondere in Bezug auf den Ukraine-Krieg und die Forderung nach immer mehr Waffen und Delegitimierung aller Stimmen, die sich anders &auml;u&szlig;ern. Und allein wie dieses Buch im Gro&szlig;teil des bundesdeutschen Feuilletons rezipiert wurde, best&auml;tigt die These eindrucksvoll. Oder auch die skandalisierende Berichterstattung &uuml;ber den Vortrag der ehemaligen ARD-Moskau-Korrespondentin Krone-Schmalz in der VHS Reutlingen. <\/p><p>Ich pers&ouml;nlich finde aber f&uuml;r eine Analyse des Zustandes der deutschen Medienlandschaft einen Klassiker aus den 1980er Jahren zielf&uuml;hrender. 1988 ver&ouml;ffentlichten Noam Chomsky und Edward Herman das Buch <a href=\"https:\/\/edisciplinas.usp.br\/pluginfile.php\/5537300\/mod_resource\/content\/1\/Noam%20Chomsky_%20Edward%20S.%20Herman%20-%20Manufacturing%20Consent_%20The%20Political%20Economy%20of%20the%20Mass%20Media-Bodley%20Head%20%282008%29.pdf\">&bdquo;Manufacturing Consent&ldquo;<\/a>, auf Deutsch wurde dies mit &bdquo;Konsensfabrik&ldquo; &uuml;bersetzt. Dieses Buch wurde Anfang der 2000er Jahre nochmals aktualisiert. Hauptthese ist, dass die Massenmedien &bdquo;wirkungsvolle und m&auml;chtige ideologische Institutionen sind, die eine systemerhaltende Propagandafunktion erf&uuml;llen. Sie st&uuml;tzen sich auf die Kr&auml;fte des Marktes, internalisierte Annahmen und eine Selbstzensur, dabei besteht aber kein offener Zwang&ldquo;.<\/p><p>Das von Chomsky &amp; Co daf&uuml;r entwickelte Propagandamodell umfasst f&uuml;nf Filter und besagt, dass Medien in kapitalistischen Demokratien einen gesellschaftlichen Konsens im Sinne der wirtschaftlichen und politischen Eliten herstellen. <\/p><p>Die f&uuml;nf Filter auf dem Weg zur Produktion von Konsens lauten: <\/p><ol>\n<li>Gr&ouml;&szlig;e, Besitzverh&auml;ltnisse und Profitorientierung<\/li>\n<li>Werbung<\/li>\n<li>Quellen der Massenmedien<\/li>\n<li>Flak (negative Reaktion der M&auml;chtigen auf kritische Berichterstattung) <\/li>\n<li>Herrschende Ideologie als Kontrollmechanismus (im Sinne eines Feindbildaufbaus) <\/li>\n<\/ol><p>Beginnen wir mit dem ersten Filter: Den <strong>Eigentumsverh&auml;ltnissen.<\/strong> In Deutschland kontrolliert eine Handvoll von Konzern-Verlagen einen Gro&szlig;teil des Zeitungs- und allgemein Presse-Marktes. <\/p><p>Axel Springer SE, Bauer Media Group, Bertelsmann, Hubert Burda Media, die Funke Mediengruppe und die Holtzbrinck-Verlagsgruppe. Die genannten Konzerne dominieren aber nicht nur den Zeitungsmarkt, sondern auch die journalistische Ausbildung in diesem Land: Die Henri-Nannen-Schule geh&ouml;rt gr&ouml;&szlig;tenteils Bertelsmann, dann gibt es noch die Burda-Journalisten-Schule, die Holtzbrinck-Schule sowie die Springer-Akademie. Bei den letzten Drei sagen die Namen ja schon, wer inhaltlich wie finanziell hinter diesen Journalisten-Schulen steht. <\/p><p>Daneben gibt es noch die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, die sich zu 100 Prozent im Besitz der SPD befindet und Anteile an sage und schreibe 40 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von ca. noch 2 Millionen h&auml;lt. Der Gesellschaft geh&ouml;rt z.B. die hier in Paderborn vertriebene &bdquo;Neue Westf&auml;lische&ldquo;. Die hat &uuml;brigens in ihrem Hinweis auf die heutige Veranstaltung einfach aus Wikipedia zu den NachDenkSeiten zitiert, ohne dies kenntlich zu machen. Korrekt h&auml;tte es hei&szlig;en m&uuml;ssen, falls der NW-Kollege anwesend ist: &bdquo;laut einem nicht verifizierten Wikipediaeintrag hei&szlig;t es &uuml;ber die NachDenkSeiten, dass&hellip;&ldquo;<\/p><p>Denn was dort &uuml;ber die NachDenkSeiten verbreitet wird, ist, entgegen sonstigem Wikipedia-Standard, nicht mit Fu&szlig;note belegt. <\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Interessant bei Vortrag &amp; Diskussion war die Pluralit&auml;t des Publikums, w&uuml;rde es in Berlin so in der Mischung nicht geben. Auch Diskussionsklima war sehr angenehm, v&ouml;llig unhysterisch &amp; auch Widerspruch sehr respektvoll vorgetragen. Tut gut, Berliner Blase ab &amp; zu zu verlassen.&#128521;<\/p>\n<p>&mdash; Florian Warweg (@FWarweg) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/FWarweg\/status\/1590267135259185152?ref_src=twsrc%5Etfw\">November 9, 2022<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu Chomskys Filter-Modell: <\/p><p>Wir k&ouml;nnen davon ausgehen, dass, von wenigen Ausnahmen abgesehen, profitorientierte Medienkonzerne, die wie dargelegt den Gro&szlig;teil der Presselandschaft in Deutschland dominieren, keine Redakteure einstellen, die z.B. das bestehende bundesrepublikanische kapitalistische Wirtschaftsmodell infrage stellen (eine der ganz wenigen Ausnahmen, die auch eher eine Alibi-Funktion erf&uuml;llen, ist der marxistisch-gepr&auml;gte und argumentierende Dietmar Dath im FAZ-Feuilleton). <\/p><p>Halten wir zudem fest, dass ein Gro&szlig;teil aller &uuml;berregionalen Tageszeitungen und auch Regionalzeitungen sich im Besitz von Konzernen befindet, welche ihre Printerzeugnisse zum gr&ouml;&szlig;ten Teil &uuml;ber Anzeigen-Werbung finanzieren oder besser gesagt finanzierten. <\/p><p>Denn beinahe ausnahmslos sinken seit mindestens anderthalb Jahrzehnten nicht nur massiv die Auflagen, sondern als direkte Konsequenz auch die Einnahmen via Anzeigen, und damit auch die Renditen. Um dies an einer konkreten Zahl deutlich zu machen: <\/p><p>2019 betrug das Anzeigengesch&auml;ft der deutschen Printmedien noch 2,1 Mrd. Euro. Ein Jahr sp&auml;ter lag dies 2020 bei nur noch 1,7 Mrd. Ein fettes Minus von rund 400 Millionen Euro (und dabei sind in den 1,7 Mrd. die massiven staatlichen Querfinanzierungen etwa in Form von Werbekampagnen der Bundesregierung im Zuge der Corona-Krise, insbesondere des Gesundheitsministeriums, schon eingerechnet &ndash; der R&uuml;ckgang w&auml;re sonst noch signifikanter ausgefallen). <\/p><p>Damit sind wir auch schon beim zweiten Filter von Chomsky. Der Werbung bzw. dem Anzeigengesch&auml;ft. Im konkreten Fall f&uuml;hren die sinkenden Werbeeinnahmen zum einen zu einer gr&ouml;&szlig;eren Abh&auml;ngigkeit von den verbliebenen Werbepartnern und damit auch zu einem mutma&szlig;lichen Anstieg der inneren Zensur-Schere. Vielleicht doch lieber auf die Enth&uuml;llungsstory &uuml;ber VW verzichten, denkt der verantwortliche Cicero-Redakteur (fiktives Beispiel), wissend, dass dieser Konzern als einer der wenigen relevanten Anzeigen-Kunden &uuml;briggeblieben ist. <\/p><p>Zum anderen f&uuml;hrt dieser Niedergang an Werbeeinnahmen aus privaten Quellen zu einer zunehmenden Querfinanzierung durch staatliche Stellen, mit &auml;hnlicher Konsequenz. Man wird sich in der PR-Abteilung und Redaktion von ZEIT oder S&uuml;ddeutsche 3-mal &uuml;berlegen, ob man z.B. die sozialen Auswirkungen gewisser Corona-Ma&szlig;nahmen der Bundesregierung oder Aussagen des amtierenden Gesundheitsministers kritisiert, wenn aktuell die Hauptwerbeeinnahmen dieser Zeitungen aus dem Topf des Gesundheitsministeriums und anderer Ministerien stammen. <\/p><p>In diesem Zusammenhang sei auch beispielhaft auf die bereitgestellten 220 Millionen Euro f&uuml;r &bdquo;Digitalisierung von Zeitungsverlagen&ldquo; im Nachtragshaushalt der Bundesregierung von 2020 verwiesen. Die z.B. in den staatlich finanzierten Erwerb von Zeitungs-Digitalabos f&uuml;r Sch&uuml;ler und Schulen flossen. <\/p><p>Die Aufgabe der Medien als Vierte Gewalt, als watch dog und Kontrolleur der Politik, insbesondere der Exekutive, wird angesichts dieser zunehmenden Querfinanzierung und damit auch zunehmender Abh&auml;ngigkeit von Regierungszahlungen geradezu ad absurdum gef&uuml;hrt. <\/p><p>Dies f&uuml;hrt uns zugleich zum dritten Filter von Chomskys Modell, der Abh&auml;ngigkeit der Massenmedien von gewissen Quellen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Insbesondere die sogenannten &bdquo;Leitmedien&ldquo; sind f&uuml;r ihre Berichterstattung abh&auml;ngig von &bdquo;offiziellen Quellen&ldquo;, die zumeist von Beh&ouml;rden, Regierungsvertretern und Konzernen bereitgestellt werden. Angesichts von zunehmend ausged&uuml;nnten Redaktionen, selbst bei gr&ouml;&szlig;eren Medien, f&uuml;hrt dies zu zwei prinzipiellen und zunehmenden Einschr&auml;nkungen sowie Abh&auml;ngigkeiten: <\/p><p>Erstens: Man ist froh, &uuml;berhaupt ein Statement\/eine Information bekommen zu haben, am besten noch exklusiv. Da gibt es neben der Tatsache, dass der jeweilige Redakteur kaum noch die Recherchezeit hat, um die Aussagen dieser Quelle gegenzuchecken und zu hinterfragen, den anderen Aspekt, dass es auch grunds&auml;tzlich wenig Motivation gibt, dies zu tun, denn man will sich die Quelle (und zudem oft noch potenziellen Anzeigenkunden) ja gewogen halten. <\/p><p>Und um sich beispielhaft mal die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse von einer potenziellen offiziellen &bdquo;Quelle&ldquo; im Verh&auml;ltnis zu Journalisten vor Augen zu f&uuml;hren: Im Bundespresseamt, das keine andere Aufgabe hat, als die Bundesregierung in ein gutes Licht zu stellen und Journalisten mit entsprechenden Infos zu versorgen, arbeiten insgesamt 480 feste Mitarbeiter. Das Budget betr&auml;gt &uuml;ber 180 Millionen Euro. Daneben gibt es Hunderte weitere Mitarbeiter in den Presseabteilungen der anderen Ministerien. Von diesem Personalschl&uuml;ssel und Budget kann eine normale Redaktion nur tr&auml;umen.<\/p><p>Zweitens: Die Abh&auml;ngigkeit von Nachrichtenagenturen nimmt massiv zu. Im konkreten deutschen Fall zeigt sich dies in der zunehmenden Bedeutung und Direkt&uuml;bernahme von Beitr&auml;gen der Deutschen Presseagentur (dpa), die in der Bundesrepublik eine De-facto-Monopolstellung inne hat. <\/p><p>Selbst bei Zeitungen, die sich eine gewisse diskursive Offenheit erlauben, wie etwa der Berliner Zeitung, setzt sich der Politik-Teil in der Printausgabe zu fast 100 Prozent aus Direkt&uuml;bernahmen von dpa-Artikeln zusammen. Das f&uuml;hrt zu einer enormen diskursiven Dominanz und Framing-M&ouml;glichkeiten. Dies zeigt sich besonders ausgepr&auml;gt an Wochenenden, in denen die Online-Redaktionen noch d&uuml;nner besetzt sind. Das Ph&auml;nomen, dass zahlreiche Zeitungen und auch deren Online-Ausgaben oft genau identische &Uuml;berschriften haben, zeigt sich aus diesem Grund auch insbesondere am Wochenende und bei den Montagsausgaben. Exklusiv-Geschichten der dpa kommen deswegen auch fast nur am Wochenende, weil man dann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen kann, dass fast alle Medien diese 1:1 &uuml;bernehmen, weil sie Material, das ohne Personalaufwand erstellt werden kann, zur Ver&ouml;ffentlichung brauchen. <\/p><p>Zur Framing- und Manipulationsmacht der dpa ein Beispiel aus meiner pers&ouml;nlichen Erfahrung. So zitierte die dpa im Februar 2021 Sachsen-Anhalts Ministerpr&auml;sidenten Reiner Haseloff in einer Tickermeldung, die so unter anderem direkt von der S&uuml;ddeutschen, ZEIT und vielen anderen deutschen Medien &uuml;bernommen wurde, mit den Worten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist wichtig, direkt das russische Regime zu treffen&ldquo;, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da ostdeutsche Ministerpr&auml;sidenten, im Gegensatz zu ihren westlichen Kollegen, den Terminus &bdquo;Regime&ldquo; in Bezug auf Russland eigentlich nie &ouml;ffentlich benutzen, fragte ich damals aus journalistischer Neugierde direkt beim Regierungssprecher von Sachsen-Anhalt, Dr. Matthias Schuppen, nach, ob Herr Haseloff dies wirklich so formuliert hat. Dieser schickte mir umgehend die autorisierten Zitate des Ministerpr&auml;sidenten und erkl&auml;rte: &bdquo;Von &sbquo;Regime&lsquo; ist darin keine Rede, es hei&szlig;t dort &sbquo;Verantwortliche&lsquo;&ldquo;. Die dpa &auml;nderte dies zwar sp&auml;ter, aber wirklich erst nach meiner damaligen Nachfrage beim Pressesprecher und dann bei der dpa.<\/p><p>Man stelle sich das Medienecho und insbesondere die Reaktion der selbsternannten &bdquo;Faktenchecker&ldquo; (deren Rolle ist nochmal ein ganz eigenes Thema, das den heutigen Rahmen sprengen w&uuml;rde) vor, wenn nicht die dpa, sondern eine nicht-westliche Nachrichtenagentur wie die russische TASS oder die chinesische Xinhua einem deutschen Ministerpr&auml;sidenten ein verf&auml;lschtes Zitat in den Mund gelegt h&auml;tte. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund wirft es nat&uuml;rlich auch ein bezeichnendes Licht, dass ausgerechnet die dpa, die t&auml;glich Dutzende Artikel raushaut, davon regelm&auml;&szlig;ig einige auf fragw&uuml;rdiger Quellenbasis, mittlerweile eine der gr&ouml;&szlig;ten Faktencheck-Abteilungen in der Bundesrepublik f&uuml;hrt und in diesem Zusammenhang auch mit Facebook zusammenarbeitet und daf&uuml;r entsprechend entlohnt wird. Es ist, welch &Uuml;berraschung, kein einziges Beispiel bekannt, dass dpa-Faktenchecker sich mal einen ihrer eigenen Artikel vorgenommen h&auml;tten. <\/p><p>Die rund 170 Gesellschafter der dpa sind &uuml;brigens ausschlie&szlig;lich Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten. Damit sind Gesellschafter und Kunden der Nachrichtenagentur gr&ouml;&szlig;tenteils identisch. Ein verqueres Konstrukt. <\/p><p>Falls es doch mal dazu kommt, dass die Grenzen des Sagbaren aus Sicht der Politik- und Wirtschaftseliten &uuml;bertreten werden, greift der vierte Filter. Chomsky und Herman nennen dies FLAK (in direkter Referenz auf die deutsche Flugabwehrkanone). <\/p><p>Bei Nicht-Gefallen von Berichterstattung wird es laut und h&auml;sslich und es wird mit schwerem Gesch&uuml;tz geschossen. Es folgen Anrufe, Drohungen, Anzeigen nicht mehr zu schalten, bis hin zur Absetzung oder Nicht-Verl&auml;ngerung von Arbeitsvertr&auml;gen. Ein eklatantes Beispiel ist etwa die Nicht-Verl&auml;ngerung des Arbeitsvertrages des politisch der CDU nicht genehmen ZDF-Chefredakteurs und ehemaligen Weltspiegel-Moderators Nikolaus Brender 2009. Soviel &uuml;brigens auch zur proklamierten &bdquo;Staatsferne&ldquo; des ZDF-Verwaltungsrats, in dem sich die Unionsparteien damals tats&auml;chlich mit ihrer Forderung durchsetzen konnten, den ihnen zu &bdquo;links&ldquo; agierenden Brender abzusetzen. <\/p><p>Unter &bdquo;Flak&ldquo; fallen aber auch subtilere Einflussma&szlig;nahmen, wie etwa die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall initiierte und finanzierte &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;. Sie flankierte die mediale Durchsetzung der Agenda 2010. Und dies sehr erfolgreich. Im Ansatz zun&auml;chst kritische Berichterstattung zu Hartz IV, etwa im Spiegel, verschwand nach Interventionen der Initiative recht schnell, unter anderem indem es gelang, Begriffe wie &bdquo;Reform&ldquo; oder &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; in den medialen Diskurs im Sinne der Unternehmerverb&auml;nde einzuf&uuml;hren. Damit &auml;nderte sich nachweislich das massenmediale Urteil zur damaligen rot-gr&uuml;nen Agendapolitik. Diesen Aspekt f&uuml;hrt z.b. auch Christian Baron in einem spannenden Artikel im aktuellen Freitag aus. <\/p><p>Eine kleine, aber vielsagende Anekdote, wie diese &bdquo;Flak&ldquo; auch aussehen kann, kann ich noch aus meiner Zeit in der Bundespressekonferenz beisteuern. Ein deutscher Mitarbeiter einer japanischen Nachrichtenagentur sa&szlig; lange Zeit hinter mir in der BPK. Wir kamen dann irgendwann ins Gespr&auml;ch und ich fragte ihn, wieso er zwar in der BPK sitzt, sich aber seit Monaten nie zu Wort meldet. Seine Antwort: Er h&auml;tte zu Beginn seiner Pr&auml;senz in der BPK eine Frage zu Assange gestellt. Am n&auml;chsten Tag h&auml;tte ihn der Chefredakteur in sein B&uuml;ro bestellt. Die japanische Botschaft h&auml;tte sich bei ihm gemeldet und erkl&auml;rt, das Ausw&auml;rtige Amt h&auml;tte sich &uuml;ber die Frage in der BPK beschwert und zu verstehen gegeben, dass es besser w&auml;re, dieses Thema nicht zu thematisieren. Der Chefredakteur nannte das &bdquo;Info-Loop&ldquo; und erkl&auml;rte ihm, dass dies durchaus &uuml;blich sei bei sensiblen Themen im &bdquo;Gastland&ldquo;. Seitdem sa&szlig; der noch recht junge Journalist nur noch eingesch&uuml;chtert und schweigsam in der BPK. Er verlie&szlig; dann nach einigen Monaten die BPK und die Agentur &ndash; weil sein Vertrag nicht verl&auml;ngert wurde. <\/p><p>Abschlie&szlig;end f&uuml;hrt Chomsky als f&uuml;nften Filter &bdquo;Herrschende Ideologie als Kontrollmechanismus&ldquo; im Sinne eines Feindbildaufbaus ein. Im Falle der USA der 1980er Jahre nennt Chomsky den Antikommunismus als wirkm&auml;chtigsten ideologischen Kit. Sie k&ouml;nnen jetzt einwenden, dass Antikommunismus heute nicht mehr so wirkm&auml;chtig ist wie noch in den 1980er Jahren. Damit haben Sie wohl recht. Aber lassen Sie mich aus der Einf&uuml;hrung Chomskys zum f&uuml;nften Filter zitieren: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn der Triumph des Kommunismus das schlimmste vorstellbare Ergebnis ist, wird die Unterst&uuml;tzung des Faschismus im Ausland als kleineres &Uuml;bel gerechtfertigt. Die Ablehnung von Sozialdemokraten, die zu nachgiebig gegen&uuml;ber den Kommunisten sind und ihnen &bdquo;in die H&auml;nde spielen&ldquo;, wird mit &auml;hnlichen Begriffen rationalisiert. Die Liberalen im eigenen Land, die oft beschuldigt werden, prokommunistisch oder unzureichend antikommunistisch zu sein, sind st&auml;ndig in der Defensive in einem kulturellen Milieu, in dem der Antikommunismus die vorherrschende Religion ist.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ersetzen Sie einfach &bdquo;Kommunismus&ldquo; durch &bdquo;Russland&ldquo; oder &bdquo;Kreml&ldquo; und die Analyse von Chomsky ist pl&ouml;tzlich wieder hochaktuell und genau so als Filterelement auch auf Deutschland anwendbar. Einige Beispiele hatte ich ja schon genannt: Precht, Krone-Schmalz, den Umgang mit dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf M&uuml;tzenich, oder Ulrike Gu&eacute;rot k&ouml;nnte man auch noch anf&uuml;hren. <\/p><p>Der Vorteil des Propagandamodells von Chomsky und Herman liegt meiner Ansicht nach vor allem darin begr&uuml;ndet, dass es, im Gegensatz zu den in Deutschland prominenten Erkl&auml;rungsans&auml;tzen, den Fokus vor allem auf die &ouml;konomischen Bedingungen der massenmedialen Produktion von &bdquo;Informationen&ldquo; und deren Manipulationen legt. Die Frage nach den Besitzverh&auml;ltnissen der Medien fehlt zum Beispiel im neuen Buch von Precht und Welzer komplett. Ich glaube, auch aus eigenem Erleben, dass materialistische Aspekte eher als Erkl&auml;rungsmuster f&uuml;r den Zustand der deutschen Medienlandschaft dienen als moralisch oder psychologisch argumentierende Ans&auml;tze. <\/p><p>Vor &uuml;ber hundert Jahren, im Jahr 1913, erkl&auml;rte L&eacute;on Jouhaux, legend&auml;rer Generalsekret&auml;r der sozialistischen Gewerkschaft CGT nach einer Schmutzkampagne aller Pariser Tageszeitungen gegen die linke franz&ouml;sische Gewerkschaft wegen der Organisation einer umfassenden Streikbewegung: <\/p><p>&laquo; Que signifie une presse libre, si elle demeure aux mains des dominants?&nbsp;&raquo;<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was bedeutet eine &bdquo;freie&ldquo; Presse, wenn sie in den H&auml;nden der Herrschenden bleibt?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Genau diese Frage k&ouml;nnen und m&uuml;ssen wir uns wohl heute noch genauso stellen. <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89115\">Albrecht M&uuml;ller: Raus aus der Kriegslogik &ndash; zur&uuml;ck zu einer Politik der Vernunft &ndash; Vortrag am 29.09.2022 in Heidelberg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85776\">33. 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Gibt es Alternativen?&ldquo; In dem Vortrag zeichnet Florian Warweg nach,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90340\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":90341,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,41,182,11,211],"tags":[2871,1269,1545,1672,3260,2269,1503,2669,3237,1865,1163,3001,1384,3449,408,244,3273,3297],"class_list":["post-90340","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-antikommunismus","tag-chomsky-noam","tag-dpa","tag-embedded-journalism","tag-feindbild","tag-konformitaetsdruck","tag-krueger-uwe","tag-leitmedien","tag-marktkonzentration","tag-meinungsfreiheit","tag-meinungspluralismus","tag-meyen-michael","tag-precht-richard-david","tag-propagandamodell","tag-soziale-herkunft","tag-vierte-gewalt","tag-warweg-florian","tag-welzer-harald"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/paderborn.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90340","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90340"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90340\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90409,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90340\/revisions\/90409"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/90341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}