{"id":90384,"date":"2022-11-15T11:57:30","date_gmt":"2022-11-15T10:57:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90384"},"modified":"2022-11-15T16:05:51","modified_gmt":"2022-11-15T15:05:51","slug":"wenn-ein-falsches-wort-das-leben-ruinieren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90384","title":{"rendered":"Wenn ein falsches Wort das Leben ruinieren kann"},"content":{"rendered":"<p>Der USA-Korrespondent des Magazins &bdquo;Der Spiegel&ldquo;, Ren&eacute; Pfister, hat ein sehr interessantes Buch ver&ouml;ffentlicht. Es tr&auml;gt den Titel &bdquo;Ein falsches Wort. Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht&ldquo;. Darin schildert er, wie sich in den USA aus dem linken bzw. liberalen politischen Spektrum eine gef&auml;hrliche Ideologie ausbreitet, die im Namen von Gerechtigkeit und Antirassismus Intoleranz und Hass erzeugt. In den USA ist es inzwischen so weit, dass ein einziges &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;ertes Wort Karrieren beenden kann. Pfister weist ausdr&uuml;cklich darauf hin, dass diese Entwicklung keinesfalls nur die USA betrifft, sondern auch f&uuml;r Deutschland eine gro&szlig;e Gefahr ist. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat das Buch f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen und stellt es vor.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2363\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-90384-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=90384-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221115-Wenn-ein-falsches-Wort-das-Leben-ruinieren-kann-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In der Einleitung erz&auml;hlt Pfister, wie er 2019 mit seiner Familie nach Washington zog und was er dabei alles erlebte. Sein Wohnort Chevy Chase, ein Vorort von Washington, erschien ihm so, als g&auml;be es das Amerika Trumps gar nicht. Der Riss, der durch die US-Gesellschaft ging, schien sein Wohnviertel nicht erreicht zu haben. Dies &auml;nderte sich dann aber bald. Nach und nach h&auml;uften sich irritierende Erlebnisse, die ihn mit der Intoleranz im liberalen Milieu der USA konfrontierten. Eines davon betraf seinen Sohn. In dessen Geschichtsunterricht war der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus Thema, der aus traditionell europ&auml;ischer Sicht im Dienste des K&ouml;nigreiches Kastilien den Kontinent Amerika entdeckte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nat&uuml;rlich war Kolumbus in der Erz&auml;hlung der Schule nicht mehr die Heldenfigur, zu der er &uuml;ber viele Jahrzehnte gemacht worden war. Er war nicht der Mann, der Amerika &sbquo;entdeckt&lsquo; hat, sondern der ruchlose Gesch&auml;ftemacher, der unz&auml;hlige Menschen in Sklaverei und Tod gest&uuml;rzt hatte. (&hellip;) Als mein Sohn einen amerikanischen Freund fragte, ob er im Unterricht sagen solle, dass Kolumbus &ndash; trotz all seiner Fehler &ndash; eben doch auch ein Kind seiner Zeit gewesen sei, sagte der, diese Meinung solle er besser f&uuml;r sich behalten. &bdquo;It will bring you into trouble.&ldquo; Kinder haben ein feines Gesp&uuml;r f&uuml;r das geistige Klima, in dem sie sich bewegen. So gerne meine S&ouml;hne in amerikanische Schulen gingen, so klar war ihnen auch, dass diese Orte sind, wo man Worte sehr genau w&auml;gen sollte&ldquo; (S. 13-14).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ein kritischer Blick auf das eigene Milieu<\/strong><\/p><p>Was Pfisters Buch so interessant macht, ist, dass hier jemand eigene Erfahrungen beschreibt, der selber genau dem Milieu angeh&ouml;rt, das ein wesentlicher Treiber der totalit&auml;ren Tendenzen der Politischen Korrektheit ist. Bei der Spiegel-Redaktion, seinem Arbeitgeber, wird er sich mit seinem Buch nicht unbedingt Freunde gemacht haben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dieses Buch ist nicht aus einer konservativen, sondern aus einer liberalen Perspektive geschrieben. (&hellip;) Ich halte es f&uuml;r verh&auml;ngnisvoll, wenn nicht mehr das Gewicht eines Arguments z&auml;hlt, sondern die Hautfarbe oder das Geschlecht einer Person, die es ausspricht. Ich glaube, dass nur die Demokratiefeinde davon profitieren, wenn der offenen Diskurs mit dem Vokabular der Emp&ouml;rung unterdr&uuml;ckt wird; wenn Menschen das Gef&uuml;hl bekommen, sie k&ouml;nnen nicht mehr ihre Meinung sagen, weil sie dann sofort abgestempelt werden; als Rassisten, als Querdenker, als Corona-Leugner, als Putin-Versteher&ldquo; (S. 20).\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;<strong>Objektivit&auml;t ein Konzept, das nicht mehr in die Zeit passt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Pfister f&uuml;hrt dazu eine F&uuml;lle von Beispielen auf &ndash; und dies nicht nur aus den USA &ndash; die die Absurdit&auml;t und den totalit&auml;ren Charakter dieser &bdquo;woken&ldquo; Bewegung der Politisch Korrekten anschaulich machen. Und es ist wirklich erschreckend, was man da zu lesen bekommt, zum Beispiel die Haltung von j&uuml;ngeren Journalistengenerationen, die ganz offen die Meinung vertreten, dass Objektivit&auml;t nicht mehr in die Zeit passe. Er zitiert dazu einen prominenten US-Journalisten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nach dem Mord an George Floyd schrieb der schwarze Pulitzer-Preistr&auml;ger Wesley Lowery, journalistische Objektivit&auml;t sei ein Konzept, das nicht mehr in die Zeit passe. An dessen Stelle m&uuml;sse &bdquo;Moral Clarity&ldquo; treten, eine eindeutige Haltung. Wahrscheinlich war Lowery gar nicht bewusst, dass &bdquo;Moral Clarity&ldquo; &uuml;ber Jahrzehnte ein Begriff der amerikanischen Rechten war, die damit Linke unter Beschuss nahm, die beim Kampf gegen den Kommunismus oder den islamischen Terrorismus die geforderte Entschiedenheit vermissen lie&szlig;en. Aber es zeigt, wie austauschbar Begriffe werden, wenn im Journalismus das Prinzip der Parteilichkeit zur Tugend erhoben wird&ldquo; (S. 120-121).\n<\/p><\/blockquote><p>Nun werden m&ouml;glicherweise manche sagen, &bdquo;Nun ja, das ist in den USA so. Aber hier bei uns k&auml;me doch kein Journalist bei den Qualit&auml;tsmedien auf diese Idee. Hier in Deutschland f&uuml;hlen sich Journalisten doch nach wie vor der Objektivit&auml;t verpflichtet&ldquo;.<\/p><p>In der Tat w&uuml;rden viele Journalisten sagen, sie f&uuml;hlen sich dem Konzept der Objektivit&auml;t verpflichtet. Auch wenn sie nicht so handeln. Aber auch in Deutschland sagen Journalisten ganz klar und offen, dass sie von neutraler, objektiver Berichterstattung nicht viel halten. Pfister zitiert dazu in seinem Buch die Chefredakteure des <em>stern<\/em>, die in einem Editorial schrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was die Klimakrise angeht, ist der <em>stern<\/em> nicht l&auml;nger neutral&ldquo; (S. 121).\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Haltung ist beileibe kein Einzelfall. Pfister zitiert aus einen Brief, den die 58. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule (DJS) in M&uuml;nchen geschrieben hat. Dazu muss man wissen: Die DJS geh&ouml;rt neben der Henri-Nannen-Schule in Hamburg zu den wichtigsten Ausbildungsst&auml;tten des deutschen Medienbetriebs. Auch Pfister selbst, so schreibt er, hat dort seine journalistische Ausbildung absolviert. Der Brief, aus dem Pfister zitiert, brachte den Unmut der Journalistensch&uuml;ler zum Ausdruck, dass sich &auml;ltere Journalisten immer noch weigern w&uuml;rden, eine &bdquo;gendergerechte Sprache&ldquo; zu benutzen. Das Interessante an diesem Brief, so Pfister, sei nicht die Forderung der Journalistensch&uuml;ler an sich, sondern die darin ausgedr&uuml;ckte Gewissheit, dass eine andere Meinung als ihre gar nicht mehr denkbar sei. Deshalb hier auch noch mal die Passage aus dem Brief, die Pfister zitiert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&Uuml;berlegt euch einmal wirklich, wieso Ihr gegen das Gendern seid. Habt Ihr Euch gen&uuml;gend mit dem Thema besch&auml;ftigt? Wenn ja, &uuml;berzeugen Euch die Argumente nicht oder reagiert Ihr aus Trotz? Vielleicht werden einige von Euch nach dieser Kolumne noch einmal &uuml;berdenken, wieso sie glauben, gendergerechte Sprache bek&auml;mpfen zu m&uuml;ssen. Wenn nicht, w&auml;re das nat&uuml;rlich schade, aber auch nicht schlimm. Denn meistens seid Ihr Boomer*innen alt und geht irgendwann in Rente. Nach und nach wird eine andere Generation in die Redaktionen kommen, und mehr Menschen werden sich f&uuml;r gendergerechte Sprache einsetzen. Euch steht es dann frei, w&uuml;tende Briefe in generischem Maskulinum an die Redaktion zu schreiben. Interessieren wird es dann keinen mehr&ldquo; (S. 124).\n<\/p><\/blockquote><p>Pfister verweist dann auf eine Umfrage aus dem Mai 2021, die belegt, dass 65 Prozent der Deutschen die &bdquo;gendergerechte Sprache&ldquo; ablehnen. Und auch unter den J&uuml;ngeren gebe es nach dieser Umfrage keine Mehrheit daf&uuml;r. Meines Wissens sind in anderen Umfragen sogar 70 Prozent gegen die &bdquo;gendergerechte Sprache&ldquo;. Ich pers&ouml;nlich finde, dass das Schlimmste an diesem Brief die furchtbare Arroganz ist. F&uuml;r ihre &bdquo;Kunden&ldquo;, die Leser, Zuschauer, Zuh&ouml;rer, die ja die Arbeit einer Redaktion &uuml;berhaupt erst m&ouml;glich machen, interessieren sich diese Journalistensch&uuml;ler nicht. Ganz nach dem Motto: &bdquo;Wir sind im Besitz der Wahrheit. Basta. Ihr habt gef&auml;lligst so zu denken, wie wir das sagen&ldquo;.<\/p><p>An anderer Stelle weist Pfister darauf hin, dass vor dieser Entwicklung selbst altgediente taz-Redakteure Angst h&auml;tten und zitiert aus der Analyse eines taz-Redakteurs, der darin zu dem Schluss kommt, dass die Ideologie der Politischen Korrektheit keineswegs auf kleine Blasen in der Gesellschaft beschr&auml;nkt bleibe, da viele Institutionen mit Akademikern bev&ouml;lkert seien, die Anh&auml;nger dieser Ideologie seien. Und so kommt Pfister zu dem Schluss:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So gesehen bildeten Universit&auml;ten immer auch die Vorhut f&uuml;r Entwicklungen, die sp&auml;ter die ganze Gesellschaft pr&auml;gen. Sie sind das Labor f&uuml;r Gedanken, die in Schulen einsickern, in Unternehmen, in den Staat &ndash; und in die Medien&ldquo; (S. 106).\n<\/p><\/blockquote><p>Eine weitere Speerspitze dieses &bdquo;Fortschritts&ldquo; ist die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung der Gr&uuml;nen. Diese ver&ouml;ffentlichte im Juni 2021 einen Aufsatz mit der &Uuml;berschrift &bdquo;Pluralit&auml;t verteidigen&ldquo;, forderte aber in dem Aufsatz das genaue Gegenteil. Der Freiburger Politologe Karsten Schubert schrieb darin:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Pluralisierung der Wissenschaft macht es notwendig, die Ressourcen so umzuverteilen, dass die Freiheit der derzeit Privilegierten reduziert wird, um Freiheit f&uuml;r alle zu schaffen. Dies kann durch Techniken geschehen, die als &sbquo;politische Korrektheit&lsquo; kritisiert werden: die Dekolonisierung von Lehrpl&auml;nen, die systematische Privilegierung von Minderheitenstimmen durch inklusive Konferenzen oder die Umsetzung einer inklusiven Sprach- und Besch&auml;ftigungspolitik an Universit&auml;ten&ldquo; (S. 97).\n<\/p><\/blockquote><p>Pfister kommentiert sehr treffend:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist eine Sprache, die im Gewand des Fortschritts daherkommt, aber im Kern dazu dient, abweichende Meinungen als privilegiert zu denunzieren. Inklusion wird so in einer Verdrehung der eigentlichen Bedeutung des Wortes zu einer Methode, liberale oder konservative Standpunkte zu verdr&auml;ngen. Der Protest oder Boykott von rechten Rednern ist in Schuberts Logik nicht etwa der Versuch, Meinungsfreiheit zu beschr&auml;nken, sondern &sbquo;Lern- und Forschungsfortschritt, der innerhalb der Wissenschaft hinsichtlich struktureller Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Trans- und Homofeindlichkeit stattfindet&lsquo;&ldquo; (S. 97).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Irrt&uuml;mer der Linken<\/strong><\/p><p>Pfister berichtet in seinem Buch auch &uuml;ber den Mathematiker und Wahlanalytiker David Shor. Dieser verlor seinen Job, weil er in einem Tweet in Zusammenhang mit den Protesten von Schwarzen wegen der Ermordung George Floyds mit einer empirischen Erkenntnis aus der Geschichte argumentierte (Er bezog sich auf die Rassenunruhen nach dem Mord an Martin Luther King). N&auml;mlich, dass gewaltt&auml;tige Proteste parteipolitisch stets den Demokraten geschadet und den Republikanern gen&uuml;tzt h&auml;tten. F&uuml;r diese Aussage erntete er einen b&ouml;sen Shitstorm und verlor seinen Job bei einer linken Beratungsfirma. Es ist also in den USA bereits gef&auml;hrlich, auch nur auf Tatsachen und Fakten hinzuweisen.<\/p><p>In einem Gespr&auml;ch mit Pfister erl&auml;utert Shor, dass es eine Illusion sei zu glauben, Biden habe einen &uuml;berragenden Sieg eingefahren. H&auml;tte er, so Shor, statt 51,3 Prozent nur 51 Prozent der Stimmen gewonnen, h&auml;tte er die Wahl verloren. (Wem dies seltsam vorkommt, wieso man bei einer Stimmenmehrheit verlieren kann: Es liegt am amerikanischen Wahlsystem, in dem die Stimmen der Verlierer entfallen, weil nach dem Mehrheitsprinzip Wahlm&auml;nner gew&auml;hlt werden. So kann es passieren, dass eine Partei bundesweit auf alle W&auml;hlerstimmen bezogen eine Mehrheit hat, aber die Wahl trotzdem verloren hat, weil sie in der Mehrzahl der Wahlkreise verloren hat.) In einem Gespr&auml;ch mit Pfister erkl&auml;rt Shor diesem, dass die Schw&auml;che der Demokraten auf vier gro&szlig;en Missverst&auml;ndnissen beruhe. Was er als erstes und zweites Missverst&auml;ndnis benennt, l&auml;sst sich ohne Weiteres auf Deutschland &uuml;bertragen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das erste (Missverst&auml;ndnis; UB) sei, dass Teile der Partei glaubten, ganz Amerika sei so links wie Washington DC oder New York oder Los Angeles. Dies sei ein gro&szlig;er Irrtum: Ungef&auml;hr 40 Prozent der Amerikaner sagten von sich, sie seien konservativ; 40 Prozent sch&auml;tzten sich als moderat ein und nur 20 Prozent als links&ldquo; (S.135).\n<\/p><\/blockquote><p>Deshalb sei es zum Scheitern verurteilt, wenn die Demokraten sich ein Image g&auml;ben, das nur einer kleinen Minderheit entspricht. Das zweite Missverst&auml;ndnis sei, dass die Amerikaner, die Demokraten gew&auml;hlt h&auml;tten, weil sie deren Werte teilten. Vielmehr h&auml;tten die Amerikaner die Demokraten gew&auml;hlt, weil sie versprachen, das Leben der Menschen materiell zu verbessern. Die Leute w&uuml;rden den Demokraten vertrauen, wenn es um die Krankenversicherung, Bildung und Umwelt gehe. Aber den Republikanern in puncto Migration, Milit&auml;r und Verbrechensbek&auml;mpfung.<\/p><p>Das ist mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit &auml;hnlich in Deutschland. Deshalb ist Sahra Wagenknecht so beliebt: Weil sie eine linke Politik vertritt, die an den Interessen der Mehrheit orientiert ist, und nicht an linken Wolkenschl&ouml;ssern. Der Mehrheit geht es schlicht um die materielle Realit&auml;t ihres Lebens. Aber genau diese interessiert viele &bdquo;Linksliberale&ldquo; nicht. Sie wollen sich vor allem moralisch &uuml;berlegen f&uuml;hlen.<\/p><p><strong>Mein Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;nsche diesem Buch gro&szlig;en Erfolg, auch wenn ich nicht alle Thesen und Aussagen im Einzelnen teilen kann, z. B. was der Autor zum Thema Liberalismus sagt. Aber wer dieses Buch liest, der versteht, dass unsere Demokratie keineswegs nur von rechts bedroht ist, sondern ebenfalls von einem akademisch gebildeten Milieu in Universit&auml;ten, Medien, Parteien, Verlagen und anderen Institutionen, das sich selbst als &bdquo;linksliberal&ldquo; wahrnimmt. Und keiner sollte glauben, dass dies eine irrelevante Entwicklung sei, die nur kleine Blasen der Gesellschaft betrifft, die man nicht ernst nehmen muss. Pfister hat v&ouml;llig recht mit seiner Einsch&auml;tzung, dass Entwicklungen an Universit&auml;ten oft nur die Vorhut einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sind. Und wenn sich an Universit&auml;ten, Medien usw. ein radikal totalit&auml;res und quasireligi&ouml;ses Denken mit absolutem Wahrheitsanspruch ausbreitet, das andere Meinungen nicht mehr ertragen kann und deshalb aus der Gesellschaft eleminieren will, dann ist das eine ernst zu nehmende Bedrohung f&uuml;r die Demokratie. Wenn man sich dann noch &Auml;u&szlig;erungen wie &bdquo;F&uuml;r meine Regierung gibt es keine rote Linien mehr&ldquo; von Bundeskanzler Olaf Scholz vor Augen f&uuml;hrt (<a href=\"https:\/\/www.meine-zeitschrift.de\/die-zeit-49-2021.html\">Link zur Quelle hier<\/a>) oder die Kriminalisierung von B&uuml;rgerprotesten als &bdquo;Delegitimierung des Staates&ldquo;, wie es im j&uuml;ngsten Verfassungsschutzbericht gemacht wurde, dann wei&szlig; man: Das totalit&auml;re Denken ist beileibe nicht mehr auf extremistische Au&szlig;enseiter beschr&auml;nkt. Extremisten und Demokratieverachter gibt es auch in der viel zitierten &bdquo;Mitte der Gesellschaft&ldquo;.<\/p><p><em>Ren&eacute; Pfister: Ein falsches Wort. Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht, Spiegel Buchverlag 2022, 256 Seiten, 22 Euro. <\/em><\/p><p>Titelbild: Dean Drobot \/ Shutterstock<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d458344063d14be7a212ddeaecdb43f3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der USA-Korrespondent des Magazins &bdquo;Der Spiegel&ldquo;, Ren&eacute; Pfister, hat ein sehr interessantes Buch ver&ouml;ffentlicht. Es tr&auml;gt den Titel &bdquo;Ein falsches Wort. Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht&ldquo;. 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