{"id":908,"date":"2005-10-19T12:28:09","date_gmt":"2005-10-19T10:28:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=908"},"modified":"2016-03-03T10:52:44","modified_gmt":"2016-03-03T09:52:44","slug":"imk-pladiert-im-euro-raum-fur-eine-koordinierte-expansive-wirtschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=908","title":{"rendered":"IMK pl\u00e4diert im Euro-Raum f\u00fcr eine koordinierte expansive Wirtschaftspolitik."},"content":{"rendered":"<p>Das Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung pl&auml;diert in seinem Report Nr. 3 f&uuml;r eine wirtschaftspolitische Wende. Alles deute auf das Gegenteil einer von Angebotsproblemen geplagten Wirtschaft hin: Die mangelnde Nachfrage sei das Problem. Preiserh&ouml;hungen bei sinkenden Reall&ouml;hnen und eine dadurch bedingte schwache Binnennachfrage seien der Hemmschuh der Konjunktur.<br>\n<!--more--><br>\nVon der Fiskalpolitik gingen gegenw&auml;rtig keinerlei Impulse f&uuml;r einen Aufschwung aus. Preissteigerungen bei der Energieversorgung f&uuml;hrten zu einem Anstieg der Inflation, werde diese nicht durch entsprechende Lohnerh&ouml;hungen aufgefangen oder k&ouml;nnten h&ouml;here Energiekosten von den Unternehmen nicht &uuml;berw&auml;lzt werden, so f&uuml;hre dies zu Gewinneinbu&szlig;en. Beides habe zus&auml;tzliche negative Konsequenzen auf die Konjunkturentwicklung. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik sei die Konsumentwicklung so gedr&uuml;ckt wie von 2001 bis heute. <\/p><p>Die Jahre einer an der falschen Marktseite orientierten Politik h&auml;tten mittlerweile tiefe Spuren hinterlassen: Die Umverteilung zu Lasten der Arbeitnehmereinkommen, die nicht zuletzt auch durch die Umfinanzierungen im Sozialsystem ausgel&ouml;st worden sei, habe den Konsum der privaten Haushalte stark belastet. Eine gro&szlig;e Verunsicherung habe die Sparquote steigen lassen. <\/p><p>Notwendig w&auml;re eine makropolitische Koordination im Euroraum. Das verlangte eine Intra-Koordination der Fiskal- und Lohnpolitiken, sowie eine Verbesserung der Inter- Koordination der Geld-, Lohn und Finanzpolitik. Der Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt verursache tendenziell prozyklisches Verhalten.<br>\nDie Europ&auml;ische Zentralbank sollte die Zinsen z&uuml;gig um mindestens einen halben Prozentpunkt senken.<br>\nDie Finanzpolitik sei das einzige auf nationaler Ebene noch einsatzf&auml;hige makro&ouml;konomische Instrument zur F&ouml;rderung von Wachstum und Besch&auml;ftigung. In Deutschland sei den gro&szlig;teils steuerpolitisch verursachten Einnahmeausf&auml;llen hinterher gespart worden, was trotz einer Senkung den Anteil der Sozialtransfers ansteigen und gleichzeitig die &ouml;ffentlichen Investitionen einbrechen lie&szlig;, ohne dass die Verschuldung zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden konnte. Das &ouml;ffentliche Investitionsniveau liege in Deutschland besorgniserregend niedrig, n&auml;mlich bei 1,4% im Vergleich zu 2,5% des Bruttoinlandprodukts im EU-Raum. Die deutsche Finanzpolitik wirke krisenversch&auml;rfend. Eine Fortsetzung der restriktiven Finanzpolitik (wie das der designierte Finanzminister Steinbr&uuml;ck vorhat (WL)) f&uuml;hre zu einer erneuten Belastung f&uuml;r einen Konjunkturaufschwung. <\/p><p>In der gegenw&auml;rtigen labilen Konjunkturlage m&uuml;sse auf alle Ma&szlig;nahmen verzichtet werden, die private Haushalte und Unternehmen per Saldo zus&auml;tzlich belaste und damit die aggregierte Nachfrage weiter schw&auml;chten. In Phasen schwachen Wachstums sollten h&ouml;here Defizite und entsprechend ein h&ouml;herer Schuldenstand zur Stabilisierung der Konjunktur bewusst in Kauf genommen werden. So sollten die &ouml;ffentlichen Investitionen schrittweise an des EU-Durchschnittsniveau von etwa 2,5% des BIP herangef&uuml;hrt werden. Es d&uuml;rften allenfalls aufkommensneutrale Steuerreformen zugelassen werden.<br>\nPrivate Haushalte mit geringem Einkommen sollten durch Einmalzahlungen in H&ouml;he von 50 Euro von den gestiegenen Heizkosten entlastet werden, diese Entlastung w&uuml;rde voll in den Konsum gehen.<br>\nAus &ouml;konomischer Sicht spr&auml;che alles daf&uuml;r die 3%-Grenze des Stabilit&auml;tspaktes auch noch 2007 zu &uuml;berschreiten. Sollte dies nicht m&ouml;glich sein, so k&ouml;nnte die Einhaltung durch solche Steuererh&ouml;hungen und die Streichung solcher Subventionen erreicht werden, die eine nur geringe Nachfragewirkung h&auml;tten. Steuererh&ouml;hungen sollten Haushalte mit hohem Einkommen\/Verm&ouml;gen und hoher Spar- und geringer Konsumquote &uuml;berproportional belasten. <\/p><p>Die um den Preisanstieg bereinigten Arbeitskosten h&auml;tten real kaum zugenommen. L&ouml;hne d&uuml;rften aus Sicht der Arbeitsnachfrage einer Besch&auml;ftigungsausweitung kaum im Wege stehen.<br>\nDie Heterogenit&auml;t der Lohnentwicklung unter den europ&auml;ischen L&auml;ndern schaffe Probleme. Mit Ausnahme &Ouml;sterreichs seien in keinem Land der EU die Lohnst&uuml;ckkosten seit Beginn der W&auml;hrungsunion so geringf&uuml;gig gestiegen wie in Deutschland. Das habe zu der &auml;u&szlig;erst positiven deutschen Exportentwicklung gerade auch in europ&auml;ische L&auml;nder gef&uuml;hrt, das wirke sich aber negativ f&uuml;r den Rest des Euro-Raums aus. Unter dem Konkurrenzdruck m&uuml;sste sich die Lohnentwicklung auch dort nach unten anpassen. Greife dieser Trend, dann gerate die wirtschaftliche Entwicklung wie schon in Deutschland auch im gesamten Euro-Raum au&szlig;er Balance: Die schwache Binnennachfrage &uuml;bertrage sich dann auf den gesamten Euro-Raum. Dies k&ouml;nnte sich zu einem realen Abwertungswettlauf entwickeln, an dessen Ende eine Deflation st&uuml;nde.<\/p><p>Kern des Problems, der in &ouml;konomischen Debatten vielfach &uuml;bersehen werde, sei, dass L&ouml;hne nicht nur Kostenfaktoren seien, sondern auch Nachfrage schafften. Der Nominallohnzuwachs sollte deshalb der Summe aus dem l&auml;nderspezifischen Produktivit&auml;tsanstieg und der Zielinflationsrate der Zentralbank entsprechen.<br>\nLesen Sie den <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_03_2005.pdf\" title=\"Externer Link  [PDF - 728 KB] zu http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_03_2005.pdf\">IMK-Report Nr. 3 [PDF &ndash; 728 KB]<\/a> selbst.<\/p><p>Nachtrag des Berichterstatters: Warum ist das IMK so vorsichtig? Wenn richtig ist, dass es massiv an Binnennachfrage fehlt, weil die Fiskalpolitik und da vor allem der Niedergang der &ouml;ffentlichen Investitionen und die Lohnentwicklung\/-Politik quasi prozyklisch wirkten und wirken, dann muss doch massiv interveniert werden. Andernfalls kommen wir aus dem konjunkturellen Loch, in dem wir uns befinden, nicht heraus.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung pl&auml;diert in seinem Report Nr. 3 f&uuml;r eine wirtschaftspolitische Wende. Alles deute auf das Gegenteil einer von Angebotsproblemen geplagten Wirtschaft hin: Die mangelnde Nachfrage sei das Problem. 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